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Sonntag, 1. Januar 2017

Tipps vom 26.12. - 01.01.2017 (Das Filmjahr 2016 im Rückblick)

Liieebee Leeseer,
willkommen im Jahre 2017! Endlich haben wir diesen Meilenstein globalen Wandels geschafft, nun wird es - der Abkehr aus der Misere 2016 behilflich - höchste Zeit, zu überlegen, wie es demnächst, im Idealfall besser, mit uns allen weiter gehen soll. Ich allein werde es bestimmt nicht hinkriegen, auch wenn der Blog hier nächste Woche sein vierjähriges Bestehen feiern wird, falls das in mancherlei Augen denn überhaupt eine Leistung ist, die was für die Zukunft stemmen kann - vielleicht ist die Erwägung dessen meinerseits, selbst bei allen bisherigen Inhalten schreiberischer Tätigkeiten, schon ein gutes Stück zu weit gedacht. Es ist eben nicht gerade selten - z.B., wenn bei mir wieder mal eine Beziehung nicht so läuft (gegenwärtig ohnehin nichts dergleichen existiert), ich mir düstere Auswirkungen irgendwelcher Wahlen mache oder mit meinen Meinungen zu im Grunde belanglosesten Streifen schief angeguckt werde -, dass man mir sagt, ich müsse einfach nicht so viel über die jeweilige Sache nachdenken. Mutti und manche Kollegen sind sich da einig. Ob sich die Qualität meines Denkens mit dessen Quantität deckt, habe ich jedenfalls auch letztes Jahr nicht vollends feststellen können, so wie der Stress im Privaten und Globalen quasi omnipräsent auf der Matte stand, die Ich-Perspektive folglich mehrmals auf Scherben zu stampfen glaubte. 2016, schauderhaft, allein diese ganzen Nachrichten, man bedenke auch das traurige Ensemble verstorbener Künstler und Persönlichkeiten...Fuck, big time!


Doch bevor ich hier jetzt unnötig weit auszuholen drohe und Sachen aufzähle, die jeder am liebsten endlich hinter sich lassen will, möchte auch ich kurzerhand zurückblicken, was mir binnen der letzten 12 Monate (und an die 125 Kinobesuche) denn zumindest in der Filmwelt besonders gefallen hatte, weil's im Augenblick ja eh jeder macht – Plagiatsvorwürfe also vorerst bitte überdenken ;) Ich ziehe für meine Auflistung allerdings auch dem Konsens entgegen wie gehabt sowohl bundesdeutsche Kinostarts als auch Festivalbeiträge, Streams, Heimkino-Veröffentlichungen und solche, die irgendwo dazwischen verbleiben, in Betracht. Allgemein gilt: Wenn ich auf Leinwand und Co. etwas Neues (der vergänglichste Begriff schlechthin) gesehen habe, zählt's für dieses Jahr. „Anomalisa“, „Im Schatten derFrauen“, „The Lobster“, „Son of Saul“, „Les Démons –Die Dämonen“, „Der Nachtmahr“, „Right Now, Wrong Then“, „Entertainment“, etc. hatte ich in diesem Sinne schon letztes Jahr an entsprechender Stelle dazu gezählt. Ich weiß aus der Vergangenheit, dass manche von euch meine Methodik nicht vollends fair finden, aber diese Prise Narzissmus möchte ich mir trotzdem gönnen, digga, jo! Als Entschädigung biete ich euch im Vornherein diese von mir zusammengestellte Kompilation an zeitgenössischer Filmmusik an, eben das Beste aus dem gesamten Jahr, das ihr im Hintergrund laufen lassen könnt, während wir gemeinsam einen Streifzug in die wunderbaren Erinnerungen unternehmen, die uns 2016 doch noch beschert hat:



Nun aber zunächst einige ausgewählte Sympathieträger des Jahres in unbestimmter Reihenfolge:



Gods of Egypt“ - weil Alex Proyas' Romantik in den Zwischenräumen der Sterblichkeit auch hier goldene Früchte trägt und ungeniertes Kintopp von der Wüste ins All katapultiert.

The VVitch“ - weil die Familie gut nach Wes-Craven-Manier hasst und mit höchstens zwei Jumpscares eine Slow-Burning-Gaudi der blutigen wie schwarzen Magie abgibt.

The Green Inferno“ - weil Eli Roth seine schäbigen Räudenfilme mit keckem Biss ausstatten kann und halbgare Umweltschützer in natureigenen Käfigen dünnpfiffen lässt.

Assassin's Creed“ - weil ich mich auch mal gerne von furchtbar lautem Nihilismus zuballern lasse und im Wust der Gewalt reichlich markante Eindrücke Justin Kurzels sah.

Bad Neighbors 2“ - weil Chloë Grace Moretz und ihre Studentenverbindung so frech fetzten und mit der zelebrierten Selbstbestimmung hausieren gingen.

Wendy – Der Film“ - weil Kinderfilme voll kurioser Kleinig- und Drolligkeiten stecken, hier via PTSD-Alpträumen und einer Prise Genre-Ironie über Pferde, Salami, Moor und Rachegedanken galoppieren.

Die Insel der besonderen Kinder“ - weil Tim Burton seinen Themen, Bildern und Sensibilitäten auch im YA-Gerüst treu geblieben ist, auf dem Rummel mit unsichtbaren Monstern feiern geht.

The Huntsman and The Ice Queen“ - weil Chris Hemsworth jeden Film aufwertet, dieser als starkes Panorama-Märchen also allein von der Hünenlust her aus der Masse heraussticht.

Phantasm: Ravager“ - weil der Abgesang auf Don Coscarellis Reihe zwar in No-Budget-Effekten dümpelt, dem Trauma des Irdischen entgegen aber mit dem Herzen an der Freundschaft hängt.

Salt and Fire“ - weil Werner Herzog sein Publikum eigenwillig an der Nase herumführt und jeden Impuls an (eigenen) Arthouse-Klischees mit Lachknüllern via Michael Shannon und Veronica Ferres belohnt.

Zazy“ - weil sich Ruby O. Fee zur neuen Edwige Fenech mausert und dafür auch in verkappten Honk-Gialli beglückt, selbst wenn ihre Skills locker vom chargierenden Boyfriend überboten werden.

War Dogs“ - weil die trotteligen Kriegstreiber der Generation Bush Jr. nicht ausgestorben und hier an ihrer Wurzel der All-American-Geilheit zu erkennen sind.

The Shallows“ - weil Blake Livelys „I love you“ in Richtung Publikum dem soliden Hai-Horror ein beiderseitiges Liebesgeständnis ans Kino abringt.

Die irre Heldentour des Billy Lynn“ - weil mein Erstkontakt mit Ang Lee hier die Unausweichlichkeit von Dramaturgien und Perspektiven zwischen Wahrheit, Freundschaft sowie patriotischer Perversion hervorbrachte.

The Whispering Star“ - weil Shion Sono, ausnahmsweise in meditativer Komik, kurzzeitig verheilte Narben und lichte Bluter in Parallelwelten zu Fukushima findet.

Einfach das Ende der Welt“ - weil Xavier Dolans nostalgisch fiebernde Familienfehde per Schlichtheit und zeitgleichem Stocken auf einen Kern der Entrückung stößt und ihn mit Blicken versteht.

Streetdance: New York“ - weil er so naiv und froh in das Glück der Bewegung schaut und niedliche Grausamkeiten an Charakterhürden einbaut; Violinen-Battles, Greencard-Scams und Gänsehaut-Finale inklusive.

Bronze – Kleiner Sieg. Große Fresse.“ - weil Melissa Rauch als giftige Mini-Athletin eine liebenswerte Randale für den American Dream in suburbaner Tristesse darstellt, obgleich die Charakterstudie daran an mittelflotten Erzählmustern hängen bleibt, dennoch per Persönlichkeit/Scheußlichkeit glänzt.


31“ - weil uns wenigstens ein Film an den Trend der Horrorclowns erinnern dürfen sollte und in diesem Fall auch ungefilterte Gewaltverherrlichung à la Rob Zombie mit all seinen Vorlieben, leuchtenden Stärken und dramaturgischen Griffen ins Nichts dazu bestellt.

X-Men: Apocalypse“ - weil die hippelige Episodenstruktur ein Ensemble an schmissigen Einzelsequenzen und Jugenddallereien im KZ-zerstörenden Mutanten-Modus zusammenzimmerte.

Tangerine L.A.“ - weil die Transgender-Superstars hier mit Knalleffekt zuschlagen können, auf der Odyssee aus Slang und Prostitution im empathischen Streit Weihnachten feiern.

Hail, Caesar!“ - weil selbst eine zurückhaltende Variante vom/von existenzialistischen Wundern der Coen-Brüder Bombenstimmung wie göttliche Zermürbung hervorruft.

Pee-Wee's Big Holiday“ - weil die Romanze zu Joe Manganiello jede Leerstelle dieser (im positiven Sinne) blödelig-kindischen Retro-Tour mit Charme und ambitioniertem Eskapismus glättet.

Dark Night“ - weil das ermattende Gefühl zwischen Angst und Amok im impressionistischen Minimalismus zum Drama eines Nationenzustands furchteinflößender Sonderklasse stilisiert wird.

Star Trek: Beyond“ - weil die exemplarische Ballung des urtümlichen Serien-Konzepts für humanistischen Pathos binnen einer Space-Oper voller visueller Vielfalt, Action-Geschmeidigkeit und Hoffnung sorgt.

Rogue One: A Star Wars Story“ - weil Gareth Edwards diese Hoffnung in eine Todessehnsucht voll sinnlicher Größenordnungen und naturalistischer Zwielichtigkeiten treibt.

BFG: Big Friendly Giant“ - weil Steven Spielbergs Plansequenzen des Träumens weiterhin bei Klein und Groß am Herzen fühlen, allesamt über den Sternenhimmel heben.

Yourself and Yours“ - weil Hong Sang-soo binnen der Gemütlichkeit des Alkoholismus noch die knuffigsten Alltagsbegegnungen im Profil einfängt, kleine Zooms wie gehabt um illusorische Beziehungsmodelle kichern.

Schau mich nicht so an“ - weil die feministische Patchwork-Familie frei und rotzig mit der Improlaune des hiesigen Indie-Kinos hantiert.

Staying Vertical“ - weil Alain Guiraudie nicht vergessen werden darf, kuriose Eigenwilligkeiten en masse in die Statik der Provence und deren Umwege der Vatern-/Autorenschaft implantiert.

Communication and Lies“ - weil die südkoreanische Härte der sozial Schwachen deren Schocks subtil wie roh belegt und im Straßen-Chant „I want fucking sexu!“ ausartet.

Elliot, der Drache“ - weil er via Fantasy zum effektiveren „Raum“ für die seelischen Belange eines Kindes wird, zudem mit vollem Ehrgeiz auf die Union mit dem Unwirklichen schaut.

Die Hände meiner Mutter“ - weil Florian Eichingers Portrait eines Missbrauchsfalls jede Spannung ins Spiel steckt, via unausgesprochener Erinnerungen analysiert und vom melodramatischen Effekttrieb löst.

Mike And Dave Need Wedding Dates“ - weil das bewusste und ungenierte Übersteigern zur Beklopptheit beinahe an wahre Anarchie herankommt, die höchste Lachquote dieses Jahr bei mir erreicht hat.

Nerve“ - weil sich die Topoi des jugendlichen Cyber-Thrillers hier mit kontinuierlicher Eskalation in die Romantik des Urbanen und den Reiz des Geltungsdrangs wagen, volle Kanne per Jugendjargon und dusseligen Supertypen/-mädels unterhalten.

Jem and the Holograms“ - weil die spleenig-naive Aufstiegsgeschichte der Pop-Sensation mit Sentimentalitäten von Familie und Verlustängsten, Philippe-Garrel-Anleihen, „Neon-Demon“-Kadrierungen und einem Roboter gefüttert werden.


Und nun die Auf- und Einsteiger meiner persönlichen Top-15 an aktuellen Werken für das Filmjahr 2016:



15. „The Hateful Eight“ – weil Kammerspieldialoge sowie ständig verschiebende Sympathien eine Königsdisziplin für Tarantino darstellen und 3 Stunden Laufzeit zu einem 70mm-Genre-Reißwolf der Verbrüderung binnen konzentrierter Bluteskälte machen.

14. American Honey – weil Andrea Arnold den Dauerzustand YOLO in eine Erfassung amerikanischer Jugend und Gegenwart modelliert, bei welcher der Begriff „Boyfriend-Material“ auf ewig hängenbleibt.

13. „Certain Women“ – weil Kelly Reichardt ebenso einen amerikanischen Querschnitt durch die dramaturgiebefreiten Umstände des weiblichen Alltags zieht und unaufgeregt auf das Selbstverständnis der Geborgenheit hinarbeitet.

12. Donald Trump's The Wall – weil sich auf Youtube nach dem ganzen Poop eine Meisterleistung assoziativer Montage vorfinden lässt, die unsere Gegenwart, Amerika und Kapitalismus-Kult via Superrock pointiert ins ermattende Verderben einordnet.

11. „The Ornithologist“ – weil die Wege alles Natürlichen, Göttlichen, Erotischen, Perversen, Magischen und Psychopathischen hier in der Sanftmütigkeit glücklichen Filmschaffens zusammenführen.

10.Elle – weil Paul Verhoevens Comeback eine aberwitzig fordernde Liaison mit der Gefahr eingeht, bei der sich die Symbole des Wohlstandes so wankelmütig auflösen, wie der Zynismus deren Menschlichkeit zudem wieder vervollständigt, dem Abgrund nahe um Fassung und Lust ringt.

9.Remake, Remix, Rip-Off - weil sich die Wechselwirkung von Politik, Intuition, kultureller Improvisation und der Lebendigkeit des Unbeholfenen über Regime, Zeit und guten Geschmack bewähren kann, wenn türkische Exploitation die Brüchigkeit der Jahrzehnte lebt.

8. Queen of Earth - weil die psychische Auseinandersetzung von krankhaften Beziehungen und Freundschaften im Leiden betörend auf die Stille hört, dem undefinierbaren Schmerz Hände, Augen und Tränen anbietet und giftige Urteile murmelt, bis der Salat verwelkt.


7. Toni Erdmann – weil der Entmenschlichung des Kapitalismus ein Furzkissen aus Vaterliebe und Lebendigkeit untergejubelt wird, das im Urschleim der Finanzen Seelen lockert und entlarvt, im freien Umgang der Inszenierung für freie Menschen in der freien Wirtschaft plädiert, als Gaststar mit dabei: Whitney Schnuck.

6. Vor der Morgenröte – Stefan Zweig in Amerika – weil Maria Schrader ohne Biopic-Affekt verinnerlicht, wie Machtlosigkeit und Verantwortung im Gewissen des Opfers verharren, wenn auch keine direkte Gefahr, dafür die Ungewissheit besteht, inwiefern man paralleles, kollektives Leiden im Abseits nachspürt.

5. „Personal Shopper“ – weil die Vergegenwärtigung von Geistern eine selbstbewusste Reformierung des Kinos in Aussicht stellt, bei der Kristen Stewart als vorzeitiges Denkmal vielfältig um Spuk, Fashion, Smartphone und Nationen zieht, wie der Film verhalten-impulsiv auf Genre-Gefahren reagiert und Deutungen im eigenen Rhythmus des Europa-Noirs umspielt.

4. „Weiner“ – weil das diffuse Dasein von Politik und deren Politikern einen Blick mitten durch erfordert, der die Krise des Image in seiner Hilflosigkeit erdet, Machtverhältnisse von Medien und Ideologien herab am Einzelnen prüft, folglich im Scheitern bar jeder parteiischen Emotionalisierung auf die Beständigkeit des Chaos sowie des „Fuck-It!“'s dazu hinweist.

3. Wiener-Dog – weil Todd Solondz ein gnadenloser Beobachter des Leidens geblieben ist, der in seiner Episodenform die Logik familiärer wie gesamtamerikanischer Rollen hinterfragt, Gnade unter den Außenseitern sucht, den Zynismus einer brachial abkoppelnden Zukunft und Aussichten der Sterblichkeit am Dackel feststellt.

2. Wild – weil Nicolette Krebitz den deutschen Film als Entfesselungskünstler reevaluiert, der sich in der Tristesse sozialer Unangepasstheit einen Wolf fängt und aus der Kohärenz zwischen Mensch und Tier jede Stimmungsbiegung im Taumel eines Beton-Naturalismus aufs Maximum krasser Selbstständigkeit treibt.

1. Batman v Superman: Dawn of Justice – weil kein anderer Film dieses Jahr hitziger diskutiert wurde, kein anderes außer Zack Snyders überwucherndes US-Antihelden-Epos die brutale Spaltung an Weltordnungen und gefühlten Wahrheiten repräsentierte, mit seinen Maschinerien der Missgunst und Göttermythen des Misstrauens in die Tiefen des Terrors raste, traumatisierte und verwaiste Retter in Alpträumen aufeinander hetzte, die bebende Sucht nach einem Messias, aber vor allem die Wurzel des Mütterlichen als Dreh- und Angelpunkt zwischen Xenophobie und Einigkeit einsetzte, im Nachtfieber den Himmel sprengte, verbrannte wie wiederbelebte Leichen, Zepter und goldene Lassos als Überwindung einer möglichen Apokalypse ins digitale Nirwana klatschte und bei aller verrückten Finsternis auch noch so tolltreist räudige Phrasen überbordernder Symbolik ins Kanonenrohr der narrativen Klammer Bruce Waynes schoss, dass Batmans Kampf mit Aliens nur allzu sinnig und meine Nummer Eins wurde.



Da wir nun das Beste neueren Datums vorgestellt haben, gibt es natürlich noch eine Reihe an Werken der Vergangenheit zu würdigen, die sich in der Erstsichtung binnen 2016 zur verstärkten Sympathie meinerseits durchringen konnten, mich höchstgradig verstrahlten, umgarnten, einen an die Wahrheit im Gesicht bannten, dort einen Basketball hineinschleuderten, nach Fickereien riechen wollten, sich als Sternenstaub und Sklaven des Geldes erkannten, junge Mädchen durch Klingen schwingende Schimpansen retten ließen, einen Lambada-tanzenden Lehrer auf den Plan riefen, roten Qualm aus dem Schornstein schossen, Hundekot mampften, Alice Cooper zum Meister der Hunde kürten, Filme in Spiegeln abspielten, die Frittentorte aufrissen, einen Schulbus voller Kinder mit dem Truck zersiebten, tausend Schlangen vor der Kamera schlachteten, mit dem Segelboot die Elbe runter tuckerten, die Zukunft an China vergeben sahen, zudem bei China Blue vorstellig wurden, bei den Mongolen Adele coverten, Kokosnüsse und heiße Küsse in der Mambo-Bar abholten, der tollen Anne am Zelt ebenbürtiges Liedgut auf der Gitarre zuspielten, per Reality-TV das Familienidyll anzündeten, den Tod des Westens prognostizierten, sich schnarchende Puppen schenkten, mit Seide den Beischlaf erzwangen, der Bisexualität zum freien Flug verhalfen, die knirschende Stufe liebevoll als knirschende Stufe benannten, und und und...

Das nenne ich mal eine gewaltige Ladung Retro-Power für Gegenwartverdrossene, aufgepasst:

 
Die unglaubliche Geschichte des Mr.C“ (Jack Arnold, 1957)

Wilde Erdbeeren“ (Ingmar Bergman, 1957)

Der tödliche Freund“ (Wes Craven, 1986)

Atemlos“ (Jim McBride, 1983)

Die Angst des Tormanns beim Elfmeter“ (Wim Wenders, 1972)

Gesichter“ (John Cassavetes, 1968)

Phenomena“ (Dario Argento, 1985)

Zwischen Himmel und Hölle“ (Akira Kurosawa, 1963)

Sonne, Sand und heiße Schenkel“ (Silvio Amadio, 1975)

Pink Flamingos“ (John Waters, 1972)

Lambada – Heiß und Gefährlich“ (Joel Silberg, 1990)

Die weiße Bestie“ (Samuel Fuller, 1982)

Der Fluch der schwarzen Schwestern“ (Joseph W. Sarno, 1973)

Betrogen“ (Don Siegel, 1971)

Kantoku · Banzai!“ (Takeshi Kitano, 2007)

Raus aus Amal“ (Lukas Moodysson, 1998)

Monster Dog“ (Claudio Fragasso, 1984)

Entscheidung in Cartagena“ (Tommaso Dazzi, 1987)

Spetters – Knallhart und Romantisch“ (Paul Verhoeven, 1980)

Die Bettwurst“ (Rosa von Praunheim, 1971)

Wendy and Lucy“ (Kelly Reichardt, 2008)

Out Of The Blue“ (Dennis Hopper, 1980)

Calamity of Snakes“ (Chi Chang, 1982) 

Heaven's Gate – Das Tor zum Himmel“ (Michael Cimino, 1980)

Paul“ (Klaus Lemke, 1974)

Nordsee ist Mordsee“ (Hark Bohm, 1976)

Saya Zamurai“ (Hitoshi Matsumoto, 2010)

Gezeiten“ (Eberhard Fechner, 1970)

Life During Wartime“ (Todd Solondz, 2009)

China Blue bei Tag und Nacht“ (Ken Russell, 1984)

Kenny and Company“ (Don Coscarelli, 1976)

Dark Tide“ (John Stockwell, 2012)

Skiptrace“ (Renny Harlin, 2015)

Der Rosenkrieg“ (Danny DeVito, 1989)

Ist das Leben nicht schön?“ (Frank Capra, 1946)

Safe“ (Todd Haynes, 1995)

Der Tod kommt auf vier Pfoten“ (John Lafia, 1993)

Wegen Verführung Minderjähriger“ (Hermann Leitner, 1960)

In einem fremden Land“ (Hong Sang-soo, 2012)

Aus dem Leben gegriffen“ (Albert Brooks, 1979)

Gefährliches Dreieck“ (James Toback, 1983)

Die Blaue Stunde“ (Veit Harlan, 1953)

Barbara – Wild wie das Meer“ (Frank Wisbar, 1961)

Schamlos“ (Eddy Saller, 1968)

Both Ways“ (Jerry Douglas, 1975)

Surviving Christmas“ (Mike Mitchell, 2004)


Nun aber mal zu einem dicken Herzstück dieser Ausgabe, Jungs und Mädels:


Viele Kollegen haben sich darüber geäußert, manche eigentlich schon das ganze Jahr über, dass 2016 ein schlechtes Jahr fürs Medium Film und das Kino allgemein gewesen sei - vom Status der Sicherung des Filmerbes ganz zu schweigen (obgleich viele schöne Re-Issues erschienen). Und obwohl ich damit ein Stück weit konform gehe, die Balance aus Meisterwerken, sympathischen und interessant misslungenen Werken im Vergleich zur entbehrlichen Masse etwas zu schwach gewichtet sehe, wenn man z.B. 2015 daneben stellt, wäre ein Paukenschlag Richtung Kulturpessimismus dennoch fehl am Platze. Ausgerechnet in einem Jahr mit tendenziell pessimistischem und konfrontierendem Filmgut, dem Verlust von vielerlei Talenten, dem Filmdienst und weiterer von mir an dieser Stelle vergessener Ereignisse, gab es doch immer wieder Momente, die das Dickicht der Ungewissheit durchbrachen und seitdem deutlich helle in Erinnerung bleiben, so wie ich auch z.B. mit dem Sommer jedes Mal aufs Neue am Zenit stehe und hoffe, ewig währendes Glück zu empfangen, was dem Menschen im Zyklus der Erfahrungen eben nie und nimmer vergönnt wird, trotzdem zeitweise seinen Platz findet. Wie das eben schon früh mit der Sichtung von „The Hateful Eight“ anfing, stilecht in 70mm von der ersten Reihe des Savoy in Hamburg eingenommen, inklusive Ouvertüre und Pause aufs Spektakel der Kunst eingestiegen, nach dem ich sogar dank Yannic Sames im Vorführraum vorbeischauen konnte, wie die ganze Technik unter massiven Drehscheiben und Projektoren funktionierte. Dazu gab es Stories aus erster Hand, wie die analoge Maschinerie in den letzten Jahren be-/misshandelt und weggeworfen wurde, dieses Top-Gerät aber bis auf weiteres im Hause verbleiben wird. Der Gang zurück, über die Hinterhofstreppe bei leisem Schneefall, barg natürlich gleichsam die Mischung aus Melancholie und Kinozauber, wie es den Film an sich sowie die ganze Erfahrung drum herum unvergesslich gemacht hat. Ohnehin war das Miteinander in den Sälen und Foyers dieser Stadt immer wieder ein Ort heiterer und kurioser Diskussionen, selbst wenn man frühmorgens in der Presse so einen Mief wie Die 5. Welle aufgetischt bekam, beim Gespräch untereinander im Nachhinein aber auch gut herauskam, wie waffengeil das Gesehene eigentlich auf Kids Eindruck machen soll, womit man auch gestandene Kollegen noch überrascht. Es wurde sowieso das Jahr über oft politisch, gar marxistisch und antiamerikanisch argumentiert, Perspektiven zum Filmverständnis abgeglichen und bestritten, obgleich man nie persönlich wurde, im Gegenteil: Es wurde höchstens lamentiert, dass man nicht genug Zeit hätte, um noch weiter miteinander abzuhängen, wenn auch schon längst nicht mehr über den jeweiligen Film des Tages geredet wurde. Umso schöner, wenn die Agenturen Glühwein und Gebäck springen ließen, bei Sausage Party sogar Hot Dogs auftischten - die aber dank späten Ankommens nur kalt genossen werden konnten - oder bei Ghostbusters Donuts aufstellten, denn dann ist der Andrang immer nochmal größer und die Redseligkeit ebenbürtig im Aufschwung. Und bei einem großen Kritikertreffen war ich ohnehin noch eingeladen, da gab's mitgebrachte Delikatessen, Weißwein, Quizze der Filmkompetenz und sowieso stundenlange Gespräche unter Kollegen (die allesamt altersweiser sind als ich) bis in die frühen Morgenstunden hinein.


Könnte auf jeden Fall fast mithalten mit dem Jour Fixe des Filmclubs, den ich seit jenem Jahr einmal in der Woche besuche, wo unter den besten Buddies per Votum abgestimmt wird, welchen Film man in den Abend hinein schaut und reflektiert (z.B. „Die weiße Bestie“, „Wendy and Lucy“,„The Tribe“ oder „Paul“, bei dem ich mich mega besoffen hatte), obgleich das Schnacken im Vorn- und Nachhinein immer noch die Essenz schlechthin ergibt. Klar, in trauter Runde wird auch mal über einen schlechteren Film wie „Die Weissagung“ rüber gegackert und einmal ist auch einer der Jungs deswegen von der Gruppe frustriert weggestürmt, aber nichtsdestotrotz ist jenes reguläre Treffen ein Ort des Zusammenhalts und offener Worte, erhellend im Vergleichen und Weiterentwickeln filmischer Kompetenzen und einfach eine Gaudi unter lieben Leuten und deren Geschichten, bei denen sogar eine Sichtung meiner alten Schmach „Turbo Zombi – Tampons of the Dead“ mit warmen Worten abgeschlossen wurde. Soll übrigens nicht nach Angeberei und Werbung klingen, sondern höchstens zur Nachahmung anregen, was natürlich auch fürs Prinzip des Filmabends gilt, den ich an dieser Stelle ja schon oftmals erwähnt hatte und kontinuierlich reichlich Stoff für wöchentliche Besprechungen anbot. Zusammen mit Siegfried Bendix und Freunden drang ich da gerne mal mit bis an die sieben Filme pro Tag in die irrwitzigsten Bahnen des Zelluloids hinein, was Tolles, Erschreckendes und Hysterisches zutage förderte und Stück für Stück Retrospektiven erarbeitete, die in fabelhafter Verbundenheit Freundschaft und Film feierten, Insider formten und Streifenströme aufzogen, die uns dieses Jahr u.a. näher an John Waters, Todd Solondz, Paul Verhoeven, Wes Craven, Joel Silberg, Nicole Kidman, Klaus Lemke, Winona Ryder, Honk- und Räudenfilme und Co. gebracht hatten, als man es jemals auf eigene Faust so durchrocken könnte. Und das Schöne ist: In Zukunft geht das so weiter und wird garantiert auch auf unserer Facebook-Seite „Der Hund im Film“ umgesetzt, die Mr. B. Anfang Oktober initiierte und seitdem tagtäglich die goldigsten Screenshots zum Qualitätsgaranten Hund in allen Facetten unseres Lieblingsmediums aufzeigt. Das ist jetzt wirklich offiziell Eigenwerbung, von daher konzentrieren wir uns mal wieder auf Geschehnisse im Kino, wie die Gratis-Cinema zu jedem Sitz inklusive Bühnenauftritt von Chefredakteur Artur Jung beim Besuch von „Point Break“. Oder die Sichtung von Michael Bays „13 Hours“, bei der ich unter Einfluss meines abgefuckten Drehschwindels umso fiebriger ins Schwitzen kam, sobald da die Hände locker vom Arm runterhingen und ausbluteten. Zu ungefähr derselben Zeit schrieb ich über meine Erfahrungen (siehe hier) auch folgendes, als ich nach einigen Stationen der Behandlung „12 Uhr mittags“ im Metropolis sah:

Obwohl da in den ersten 10 Minuten irrtümlicherweise "Faustrecht der Prärie" lief, sodann für die eigentliche Vorstellung auf Digital umgesattelt werden musste, ein älterer Sitznachbar bei jedem Satz von Grace Kelly wie ein sexistischer Wicht zu prusten anfing und mein rechter Arm sich zudem noch vom Einstich der Kanüle per Muskelkater erholte, war es mir alles egal. Witzigerweise hat es Gary Cooper dabei auf der Leinwand nicht leichter, gedenkt sich dem Schergen Frank Miller (!) zu stellen, erhält allerdings keinerlei Hilfe von der Stadtgemeinschaft, für die er Jahrzehnte lang als Sheriff gedient hat - alle haben ihre nachvollziehbaren Gründe, doch die Verzweiflung unseres Helden der Rechtschaffenheit steht ihm mit wehmütigen Rhythmus von Dimitri Tiomkins Soundtrack ins Gesicht geschrieben; genauso die Abgeklärtheit, mit der er sich aus der Realität der Genügsamkeit verabschiedet und (beinahe) im Alleingang das schaffen muss, wofür ihm eigentlich genug Ressourcen zur Verfügung stehen dürften. Quasi ein in etwa misantrhopisches Happy-End, wenn man so sagen will (auch ein Abgesang auf einen oder mehrere Western-Mythen), zumindest eins, von dem aus es sich weiter Richtung Selbstbewusstsein blicken lässt (und nicht in einer haltlos starrköpfigen und destruktiven Art wie in "Ein Mann wie Sprengstoff", ebenfalls mit Cooper); Furcht konfrontiert und bezwungen werden kann, auch wenn es nicht als Sieg herausgestellt werden muss.


Zweifellos war die Zeit die härteste, die ich durchmachen musste, verbunden mit dem Stress einer Trennung und einer daraus schließenden, schwierigen Kommunikation im Vorn- wie Nachhinein, doch seitdem ist schon wieder eine Weile vergangen, alles auf eine Art vergeben und vergessen, aber die Details spare ich mir hier, kann man ja Woche für Woche nachlesen, wie's dem Witterich so erging. Menno, warum falle ich immer wieder aufs Private zurück, ich möchte doch für das Wesen Kino sprechen! Mal sehen, also, es gab da u.a. im oben erwähnten Metropolis wieder die eine oder andere Vorstellung Bizarre Cinema, die mit dem 10. Jubiläum dessen korrelierte und ein fesches Doppel aus „Die Todesgöttin des Liebescamps“ und „Söldner kennen keine Gnade“ in den Kosmos knallte, von dem ich hier ausgiebig berichten und Preise einheimsen durfte. Auch schön wars im Metropolis, als „Remake, Remix, Rip-Off“ von Cem Kaya vorgestellt wurde, welcher zudem persönlich anwesend war und im Anschluss noch stundenlang das Gespräch mit den Besuchern suchte, selbst nachdem wir dem Zeitplan wegen aus dem Saal raus mussten – da hatte sich dann in der Bar oben eine feine Traube an Talk-Stoff gebildet, bei welcher man einen so innigen Austausch an Erfahrungen zum türkischen Kino, Fördergremien und Co. erreichen konnte, bis ich noch das letzte Poster zum Film ergattern konnte, welches seitdem in meiner Wohnung hängt (fast alle Videos mit mir „On-Screen“ belegen das, obgleich jene Serie an Kamerabesprechungen ja nicht ganz so erfolgreich ausfiel). Hatte ich übrigens auch mal davon erzählt, dass ich auf einem Konzert von Hans Zimmer in der Barclaycardarena war? Ich möchte mal meinen, dass es unglaublich witzig war, ihn bei jedem Stück in Rockerpose zu sehen, gleichsam waren seine Solo-Violinisten Eye- und Ear-Candy der Extraklasse, doch des Zimmers Kompositionen auftürmender Tonleitern hauen ohne entsprechende Bilder nicht ganz so fantastisch hin, was immerhin dadurch kaschiert wurde, dass er alles andere als akzentfrei Anekdoten über „Gladiator“, die Scott-Brüder, Nolan und (besonders pathetisch) das Massaker von Aurora durchs Mikro gab. Der geborene Entertainer! Apropos Attentate, als am 22. März die Berichte über Terroranschläge in Brüssel eintrafen, war am selben Abend noch die Pressevorführung von „Batman v Superman“, die Verbindung an gemischten Gefühlen bleibt seitdem erst recht in Erinnerung, was sich bis Dezember fortsetzte, als ich eine PV vom Boston-Anschlags-Drama „Patriots Day“ ausfallen ließ, weil einen Tag zuvor Anis Amri in Berlin unterwegs war. Irgendwas war 2016 eben immer too soon, so nah und diffus man mit Leben und Leinwand umgehen musste, ein Trump vor Ende der Wahl schon beim Filmfest Hamburg (mein Artikel dazu) in der Doku „Weiner“ vorbeischaute, sein Sieg einen Tag vor der Bestätigung dessen schon im Traum eines Filmclub-Mitglieds vorausgesehen wurde, ohnehin stetig Wechselwirkungen der globalen Gegenwart mit der Präsenz und Aussage eines Films passierten („Warcraft“ z.B. kam da - wahrscheinlich auch ohne zeitnahen Kontext - mit einem faschistoiden Schluss daher), dass man sich bei einem beinahe eindeutigen Gewinner wie „Toni Erdmann“ schon wieder kollektiv entlastet fühlen konnte.


Sowieso, diese kleine Renaissance des deutschen Films hatte ja durchaus tolle Bahnen gezogen, wenn man vom just genannten Kandidaten auf weitere Highlights wie „Der Nachtmahr“, „Schau mich nicht so an“, „Wild“, „Der Bunker“, „Vor der Morgenröte“ und „Die Hände meiner Mutter“ blickt - ein Ensemble, das von alleine schon die Existenz des Kinojahrs 2016 rechtfertigt, obgleich viele dann doch eher meinten, das Geld in Netflix und Konsorten zu investieren. Ja, auch ich habe „Stranger Things“, „Game of Thrones 6“ und „Ich bin ein Star, holt mich hier raus!“ mehr oder weniger genossen, doch wenn mir die Tage über schon Zeit geschenkt wurde, hatte das Schreiben am Blog eher Priorität, was man denn von einzelnen Filmen hielt. Und da war die Auswahl keineswegs niedrig ausgefallen! Insgesamt habe ich das Jahr über nämlich an die 703 Filme gesehen, von denen 568 Erstsichtungen waren. Nicht übel, was da alles zusammenkommt und natürlich auch von einem Filmfest Hamburg massiv profitiert, dessen Vorteile und Irrwege ich hier ebenso blumig beschrieben habe, welche Kristen Stewart im Endeffekt gefühlt an die Spitze gesetzt sahen, wenn auch vor allem im Oktober, sogar schon im September Chaos und Erschöpfung pur angesagt waren, wie viele Filme man sich letztendlich einverleibt hatte. Schließlich gab es auch noch Halloween zu feiern und da hatten wir in meiner Bude eine Party veranstaltet, die nicht nur schicke rote Beleuchtung dank Halstücher und mit Rasierschaum eingesprühte Türklinken vorweisen konnte, sondern zudem noch eine besonders gruselige Entfernung von schwarzen Kontaktlinsen bereithielt und schließlich damit endete, dass einem unserer Gäste beinahe der Wagen abgeschleppt wurde – war eben auch stundenlang in einer Einfahrt eingeparkt! Ansonsten habe ich die meisten Horrorfilme, die dieses Jahr erschienen sind, wieder bewusst ignoriert, weil mein junges, schwaches Herz kaum noch die nächste, drohende Kanonade an Jumpscares ausstehen kann und deshalb schon vermeintlich geschickteren Scare-Tactics wie „Don't Breathe“ von Vornherein argwöhnisch gegenüber stehe. Der war im Endeffekt aber immerhin so groß und dumm wie die Teenage Mutant Ninja Turtles, die mit ihrem 2. Teil „Out of the Shadows“ flugs in Vergessenheit gerieten. Ehe sie ankamen, gab es aber noch einige unerwartete Hürden zu meistern. Bei der ersten PV, zu der auch normales Fußvolk, sprich Gewinnspielgewinner eingeladen waren, verzögerte sich die Projektion des Films kontinuierlich um mehrere Minuten, bis man knapp eine Stunde später nicht nur mit einem Eimer Popcorn vertröstet wurde, sondern im Endeffekt nach Hause gehen musste, weil die modernen Schikanen von wegen Projektor ohne Filmvorführer, zeitlich begrenzte oder falsche Keys zur Freischaltung, etc. wieder zugeschlagen hatten. Beim zweiten Termin klappte das Erscheinen der bislang untergetauchten Superkröten (wieder inklusive öffentlichem Foot-Clan) dann endlich, doch geholfen hat es nur bedingt, obgleich eine Szene, in der Will Arnett Kissen mit seiner heißen Luft drin zum Verkauf vorbereitet, mit zu den witzigsten des Jahres gehörte.


Apropos witzig, erinnert ihr euch noch an Independence Day: Wiederkehr und den besten Satz jedes Monologes: „Isch werde meinen Bruda wrächen!“? Oder an die furchtbaren SFX von „The Legend of Tarzan“ (Strichwort: Samuel L. Jackson und der afrikanische Strauß), die sich so irre mit der Wong-Kar-Wai-Hommage mancher Sequenzen bissen? Oder wisst ihr noch wie übelst konfus und hippelig die erste Hälfte von „Suicide Squad“ zuschlug, bis sich der Abspann mindestens ebenso fragwürdig mit einem Sternenhimmel im Hintergrund verabschiedete? Herr, überlasse David Ayer mal einen Final Cut! Wie toll dagegen die Pobacken von Emily Meade in „Nerve“ blitzten und Dave Franco wenige Minuten später eine Roy-Orbison-Nummer im Diner improvisierte! Mindestens so schick wie Shia LaBeoufs Rihanna-Interpretation im Supermarkt via „American Honey“, möchte ich da mal meinen. Habt ihr auch diesen Ami-Akzent Zac Efrons in der deutschen Synchro von „Mike and Dave Need Wedding Dates“ gehört, als er zu Anfang seinem Bruder aushilft, Alk zu verkaufen, was auf die Art inklusive Methodenentlarvung auch noch gelingt? Der Brüller! Oder wenn sich Oberräude Jonah Hill bei „War Dogs“ darüber beschwert, dass zu Weihnachten niemand zur Arbeit aufgetaucht ist und deswegen jeden feuern will? Ebenso nicht die Szene in „Ghostbusters“ vergessen, in der Chris Hemsworth dauernd das Häuschen hinter der Glasscheibe des Aquariums anzutippen versucht! Oder der Knüller, als die deutschen Untertitel von „Elle“ die Kreation „Tönt gut!“ erschuf! Kaum weniger witzig: Vince Vaughns Ballerorgie in „Hacksaw Ridge“, die er rückwärts unter Gebrüll durchzieht, während Andrew Garfield ihn mit einem Mantel als Liege vom Schlachtfeld transportiert! Ach herrje, es gab doch echt einiges zu lachen dieses Jahr, warum haben wir immer nur das Schlimmste von allem im Kopf? Tja, es ist halt nicht immer Kirschblüten und rote Bohnen angesagt... Weil ein Jahresrückblick wie dieser irgendwo auch eine Note Gehässigkeit mit sich führen muss, will ich deshalb jetzt auch mal Filme auflisten, die im Allgemeinen meiner Meinung nach einfach zu überschätzt waren oder schlicht enttäuschend ausfielen, obgleich sie durchaus noch Potenzial vorweisen können (manch einer mehr als der andere). Diese Beispiele sind also nicht unbedingt schlecht oder von mir verhasst, teilweise nicht mal negativ bewertet. Aber ihr wisst schon, wie ich das meine, ne, weil mein Anspruch halt so elitär ist, wa? Hat mit Hype zu tun, Sundance, Cannes, Critics Choice und wie sie nicht alle heißen. Manche von diesen verkappten Blendern haben sogar Chancen auf markante Preise, teilweise auch gewonnen, the oscars are calling. Aber...aber ich bin doch anderer Meinung!

Und damit seid ihr gemeint:

The Assassin“ - weil Hou Hsiao-Hsien jede Lebendigkeit des Easterns ins Schleichen forciert und Kadrierungen über die Sinnlichkeit seiner zwischenmenschlichen Impulse stellt.

Creed – Rocky's Legacy“ - weil trotz effektiver Montage und der herzzereißenden Brüchigkeit eines Krebs-Rocky ein allenfalls konventionelles Boxer-Drama im Legacyquel-Trend über bleibt.

Raum“ - weil die letzten Konsequenzen zur Ambition kindliche Perspektive fehlen und von überflüssigem externen Kitsch unterwandert werden, der zum Schluss hin zudem jede subtile Deutung des mütterlichen Wesens/Wachstums per Kamerakran kinotauglich verblassen lässt.

Deadpool“ - weil die angebliche Superheldengenre-Anarchie im Looney-Tunes-Plagiat aufdringlich und mit kleinstem gemeinsamen Nenner auf „Achtung, Ironie!“ macht, zeitgleich angepasst durch jede narrative Schlaftablette mäandert.

The First Avenger: Civil War“ - weil die blasse Serienstruktur jeden inszenatorischen Pfiff vermissen lässt, Konsequenzen ad infinitum verzögert und mit mutlosen Witzen schon an der Oberfläche des ideologischen Konflikts vorbei schrammt, weil die Masse an Kritikern dafür selbstverständlich das Prädikat FUN! ausgibt.

The Nice Guys“ - weil ein höchst austauschbarer Kriminalfall, streng homogenisierte Allgemeinplätze zum Oberbegriff „Die 70er“ sowie eine schlappe Dynamik an Buddy-Cop-Gags nur bedingt substanzielles Kurzweil aus dem Genre schöpfen, obgleich die kleine Angourie Rice mitten drin alle Flachköpper der Laufzeit wegfetzt.

Findet Dorie“ - weil sich jede Eigenständigkeit einer Franchise-Pflicht wegen mit der Wiederholung von „Findet Nemo“ arrangieren muss und in der simultanen Abarbeitung hektisch Herzblut verwässert.

Maggies Plan“ - weil Greta Gerwig mehr Topos als Charakter abgibt und das Noah-Baumbach-Imitat an Film ohnehin spekulative Bohème-Beziehungskisten seufzt, die genauso passiv am Zuschauer vorbeiziehen, wie sie im Spießer-Finale oberpeinliche Rom-Com-Sülze ballen.

Ghostbusters“ - weil trotz Kate McKinnon, Chris Hemsworth und Tanzeinlagen ein steifes Brett an übergrellen Impro-Nichtigkeiten, Wan-Tan-Running-Gags und Fanservice überhand nimmt, dessen Inszenierung, Charakterstärken und Narrativ wahren Esprit vermissen lassen.


Don't Breathe“ - weil sich das Geschick im Hausterror finsterer Ecken und zweckentfremdeter Utensilien vorzeitig von der Essenz der Angst verabschiedet und stumpfes Gross-Out mit überkandidelter „Alles-passt-zusammen“-Symbolik kreuzt.

Bad Moms“ - weil der kalkulierte Flachwitz-Konsens vorgibt, die feministische Katharsis zu fördern, dennoch im Familienspießertum deluxe zurück landet und Selbstwertgefühle abgedroschen as fuck konstruiert.

The Neon Demon“ - weil die Methodik des Nicolas Winding Refn vollends entschlüsselt ist, auf der plattesten Modeweltkritik herum schlendert (quasi „Showgirls“ ohne Exzess), mit Farben, Formen sowie einem Engel purer Schönheit nur halbgar zur Ekstase visuellen Erzählens kommt, wenn jeglicher innere Bezug ungenutzt bleibt, zeitgleich aufgedunsen wird, aber immerhin seine Augen komisch auskotzt und wiederkäut. 

Sausage Party – Es geht um die Wurst“ - weil sich geradezu jeder das laue Konzept des Films, seinen pubertären Humor, seine ironische Umkehrung von Animationsfilmmustern, seine Verarsche von Religionen, Geschlechtsteilen und Gesellschaftsstrukturen hätte ausdenken können.

Swiss Army Man“ - weil das Prinzen-Konzert auf der Tonspur nur eines der vielen Indie-Topoi abgibt, mit dem der Infantilismus hier seinen Pathos erhält, in der emotionalen Anbiederung zum Hyper-Kultpotenzial zwar keinen „Kung-Fury“-Level an Penetranz erreicht, allerdings allzu platt und ewiggestrig von einer magisch verstörten Menschenkenntnis voller Furz-Gags schwärmt.

Deepwater Horizon“ - weil trotz der Intensität der Desaster-Unausweichlichkeit ein manipulatives Heldendrama durchsickert, das per Blue-Collar-Sentimentalitäten rechts gegen globalistischen Einfluss tendiert und dafür auf simplistisch patriotische Knöpfe drückt.

Doctor Strange“ - weil sich mir die Magie blasser Gesamterscheinung, verschlissener Figurenkonstellationen, hinein gequetschter Kalauer und bemühter Retorten-Story nicht erschließt, lediglich in vereinzelter Fassung auf eine Varianz des Körperlichen und Übersinnlichen im Gewohnten hindeutet.

Arrival“ - weil der Nukleus behutsam erarbeiteter Kommunikation (inklusive sinnlich hallendem Vogelzwitschern) von seiner stoischen narrativen Klammer ins Säurefass emotionaler Heuchelei geschmissen wird und einige daneben gegriffene Plattitüden in den kalten Bilderband mit hinunter zieht.

Ach, liebste Amy Adams, von allen Filmen, die dir dieses Jahr Palindrome und mütterliche Ambivalenzen an die Figur und deren Umstände legten, war „Batman v Superman“ wohl echt noch der subtilste. Apropos, gab es diese Woche nicht sogar noch eine neue Kritik? Na aber hallo! Zudem noch zu einem Film, der sich glänzend in die just aufgezählte Reihe einordnen kann:




LA LA LAND - "Nach nicht mal drei Spielfilmen bekräftigt Damien Chazelle vollends seinen Status als jenes neue Wunderkind unter den Filmemachern, das seine Kunst als Zwang versteht. [...] Realität und Fantasie gehören in seiner Vision von Los Angeles ohnehin getrennt, unvermeidlich aufeinander aufgebaut und doch ein Kreislauf der Enttäuschungen, wenn beliebte Anlaufstellen des Showbiz hier erneut aufgewärmt werden, konstruiert platt auf die Vergänglichkeit der Ideale hinweisen [...] Den Film (durchzieht) eine Bitterkeit, die sich vor allem am (wohlgemerkt an erster Stelle eingeführten) Protagonisten Sebastian (Ryan Gosling) abzeichnet, der nach einem Intro ausgelassener Tanz-, Gesangs- und Steadicam-One-Shot-Freuden auf dem Freeway die Hupe durchdrückt, um auf der Straße wie im Leben endlich voranzukommen. [...] An einem kulturellen Schmelztiegel wie L.A. scheint der Film doch ein Stück weit zu verzweifeln, aiaiai. [...] Nostalgie, ach ja – inzwischen vielleicht ein inflationäres Marketing-Tool, für Chazelle trotz allem Pessimismus noch die profunde Schönheit schlechthin [...] Problematisch ist bei Chazelle dann allerdings das ultimative Einverständnis zur Entsagung, das sich mit den Verhältnissen zufriedengibt, obwohl das Herz blutet, als lebe man noch in Melodramen der vierziger Jahre. Nostalgie ist je nach Kontext eben auch nicht einwandfrei, erst recht bittersüß, wenn sich ein Chazelle am Zwang dazu verausgabt. [...]"


(Die komplette Kritik gibt es bei den DREI MUSCHELN zu lesen.)


Und weil es eben kein Yin ohne Yang gibt, möchte ich es auch nicht versäumen, die Filme aufzuzählen, die ich von allen an Schlimmsten in Erinnerung behalten werde, eben richtige Ärgernisse, mit denen man sicherlich eine Vielzahl guter Filmfreunde zur Weißglut treiben könnte, überraschenderweise aber teilweise doch als Höhepunkte verzeichnet wurden.

Kommt schon, mit diesem Bullshit ist doch nichts mehr anzufangen:

Triple 9“ - weil John Hillcoats standardisierte Gangster-Nummer Milieu und Ensemble zur Berechenbarkeit zwingt und Belanglosigkeiten auf behauptete Härten, Korruption und Intrigen der Straße streckt.

Ein Hologramm für den König“ - weil das Feelgood-Einmaleins ziellos auf der Stelle tritt, mit Zuckerguss und Stereotypen in einen bleiernen Selbstfindungstrip überläuft und sich darin mit nervtötender Romantisierung platt ausformuliert.

Hacksaw Ridge – Die Entscheidung“ - weil Mel Gibson das pazifistische Prinzip als explosive Horrorshow versteht, mit katholischem Blut-und-Boden-Pathos den Sieg gegen japanische Bestien einleitet und den Diskurs der Rules of Engagement vom menschlichen Verständnis gen Heimatkitsch abdriften lässt.

London Has Fallen“ - weil Trump-Anhänger, AfD'ler, Brexit-Homeboys und andere Faschos hier ihre ekelhaft pauschalisierende Action-Sause an Islamophobie, direkter Demokratie und jingoistischer Herrenmenschen-Geilheit erhalten.


Fucking Berlin“ - weil er dermaßen peinlich-prüde auf seine innere, tödlich-naive Stimme hört, dass er sich in der bemühten Kreuzung/Trivialisierung aus urbanem German-Indie-Gegenwartskino und „Berlin Tag und Nacht“ in die Nesseln setzt, vom Kinostart weg direkt ins DVD-Regal verbannt wurde.

The Purge: Election Year“ - weil sich die Horror-Variante des Präsidentschaftswahlkampfs auf stupide Eindeutigkeiten und penetrant antagonistische Karikaturen verlässt, in Gleichförmigkeit und Jumpscares kleben bleibt, jeden Ansatz filmischer Erzählung mit der Steinzeitkeule breitmatscht und das Ende der Gewalt vorbetet, während genüsslich Schädel zerschossen werden.

Mother“ - weil sich das einfallslose Prozedere merkbefreit-repetetiv um Geständnisse am Bett des Koma-Patienten bemüht und keinerlei Erkenntnisse daraus entwickelt, skurrile Nullcharaktere mit zynischer Gleichgültigkeit und weltfremden Dialogen um die Zuschauergunst betteln lässt, ein Musterbeispiel uninvolvierender Dumpfbacken-Mystery als Spannungsbogen benutzt, verstohlen um jedwede Sexualität herum hö-hö't, Themen der Dysfunktion einschläfert und von vollkommenen Desinteresse vonseiten der Filmemacher zeugt.

Motel Mist“ - weil sich diese prätentiöse Melange aus biederster Sexploitation und Slow Cinema als Feind der Lust offenbart, der sich jede freie Minute in offensichtlichen Symbolen und schwachbrüstigen Style-over-Substance-Szenarien übergibt, als sinnfreier Shion-Sono-Abklatsch nie zum Punkt kommt und eine ermüdende Folter sondergleichen abgibt, anhand derer die schlimmsten Klischees vom Feindbild Kunstgewerbe in amateurhafter Menschenkenntnis ausgewalzt werden.

Zum Abschluss:

Also dann, liebe Leser, das war also 2016, zumindest für mich, denn einige der aufgezählten Filme kommen jetzt erst in Kürze für alle raus. Mensch mensch, das könnte echt in Unmengen unkomplizierter sein, wenn ich nicht in Pressevorführungen eingeladen werden würde und von Vornherein mehr als jeder Normalsterbliche wüsste, doch so ist das nun mal - und angeben will ich damit schon mal gar nicht, soviel sollte ja wohl herauszulesen sein, harhar! Herrje, klingt so, als ob mir von gestern noch ein bisschen Restblut im Alkohol hängengeblieben ist, da war das Feiern wohl größer als der Magen, hoppala...WITZIG! Wie dem auch sei, möchte ich euch allen da draußen danken, dass wir zusammen das Jahr 2016 überleben konnten, trotz aller Schwierigkeiten und Sorgen beachtlich viele Stunden der Güte, Freude, Narrenfreiheit und Ergriffenheit untereinander erlebten, was sich natürlich nicht nur am Besten der Leinwand wiederspiegelt, sondern eben auch an den Menschen, die man liebt und achtet (ihr wisst, wer ihr seid - und wenn nicht, werdet ihr vielleicht ganz doll überrascht sein, dass ihr es seid!). Ganz gleich, welche Seite der Medaille man nun vorzieht, jenes Schätzlein Leben bleibt und bleibt und bleibt...in Kontakt miteinander, in guten wie in schlechten Zeiten. Alter, ist mit solch eher kitschigen Zeilen Menschen geholfen, die sich vielleicht erhellendere Erkenntnisse von meinem Räudenblog erhofft hatten? Nun, ich möchte mal davon ausgehen, dass dieser mein einzelner Beitrag zum Neujahr mindestens auch nur das Quäntchen einer Wirkung haben könnte, deshalb ein Wunsch meinerseits in bewährter Kettensatzform zum Schluss: Seid gut zueinander und aufeinander, lebt mütterlich, väterlich, brüderlich, schwesterlich und meinetwegen gleichsam narrativ/ideologisch mehrdeutig auf diesem Globus, denkt nicht soviel nach oder mehr denn je, setzt euch für den Weltfrieden ein und bekämpft das Böse, kauft euch schicke Sachen ein und besinnt euch zur Natur zurück, haltet euch wacker in eurer Würde und gebt Unbekannten in den sozialen Netzwerken ordentlich Kontra, etc., etc. Noch leben wir die Widersprüche wie ein waschechter Mishima, entweder wir machen was draus oder wir gehen daran zugrunde - weiß da wer schon was, also abgesehen von Fox?

Ich freue mich jedenfalls mindestens auf:

Justice League, Wonder Woman, Shin Godzilla, Altar Rock, Bibi und Tina – Tohuwabohu total, Transformers: The Last Knight, Pitch Perfect 3, Power Rangers, Fast and Furious 8, Eli Roth's Death Wish, Logan, Alien: Covenant, A Cure for Wellness, Die Taschendiebin, xXx 3, Jackie, Resident Evil: The Final Chapter, Bailey – Ein Freund fürs Leben, (Re) Assignment, The Beguiled, Valerian – Die Stadt der Tausend Planeten, Kingsman 2, Star Wars 8, Song to Song, Split, Wonderstruck, The Commuter, Thelma

Auf geht's!

Sonntag, 22. Mai 2016

Tipps vom 16.05. - 22.05.2016



Das nennt man mal eine prekäre Situation! Durch Regisseur Don Siegel verschlägt es Clint Eastwood binnen „BETROGEN“ während des Tumults des Bürgerkrieges als Yankee John McBurney in den rebellischen Süden. Damit nicht genug, gerät er aufgrund schwerer Verletzungen in die Arme des Southern Comfort, sobald ein Mädcheninternat im Herzen aus Sumpf und Hitze ihn aufnimmt und gesund pflegt. Von Anfang an herrscht jedoch der Zwiespalt im gegenseitigen Umgang unter jenen Kontrasten, fix symbolisiert durch den Vorspann im nostalgischen Sepia-Touch, der alsbald in Einzelmomenten des Schreckens verharrt und der Wurzel der Unmenschlichkeit in klassisch amerikanischem Ambiente ebenso eine Ballade der Kriegsverdrossenheit aufdrückt. Dem Zeitgeist der Produktionsära entsprechend, direkt in der Ungewissheit um Vietnam gespalten, erinnert Siegel damit gerne, wie Schlachten das Menschliche zerreißen, ebenso wie sinnlos sich der Drang zur Feindschaft erhält, wenn beiderseits die wahre Lebendigkeit geopfert wird. Will man schließlich nur eine weitere Leiche auf einem Foto sein; einem antiken Denkmal, das als Dokument menschlichen Versagens kaum sowas wie Ehre versprühen kann?


Siegel entmystifiziert wie er sich auch nicht einfach auf einem Gleichnis per kriegerischem Horror ausruht, sondern sodann in noch profundere Gebiete des Menschen eindringt. So nehme man das Gewissen, anhand dessen Internatsleiterin Martha Farnsworth (Geraldine Page) an der Entscheidung hapert, dem verletzten Soldaten von der gegnerischen Seite Obhut zu gewährleisten oder ihn auszuliefern, was seinen sicheren Tod bedeuten würde. Von Anfang an herrscht da auch unter den Mädchen der Diskurs vor, ob McB - so nennt ihn die kleine Amy (Pamelyn Ferdin) - nicht doch einen ideologischen Störfaktor darstellt. Dabei wird man sich aber auch schnell bewusst, dass er als einziger Mann unter Mädchen und Frauen, die für gewöhnlich von der Außenwelt abgeschnitten sind und nun unfreiwillig den Krieg am Gatter abfangen, von Grund auf einen gewissen Reiz inne hat. Letzteres gewiss auch als Objekt des Verbotenen, so schnell der Feind von Frau Farnsworth in eine Kammer gelegt wird, sie zudem die Fenster von außen zunagelt, seine Existenz weiteren Südtruppen verschweigt und sich bei ihm auch dermaßen an ihren Bruder erinnert fühlt, dass sie ihren Vertrauten nicht von ungefähr den Zugang zu McB untersagt.


Der hingegen fühlt sich schon fast wie in einer Gefangenschaft, eben eine Gastfreundlichkeit im Zwang zerschossener Beine und er ist nicht mal der einzige dort, so wie der Rabe mit gebrochenen Flügeln am Balkon per Seil festgesetzt bleibt - das Symbol daran wird nicht ungenutzt bleiben. Die Gemeinsamkeiten enden auch nicht beim schwarzen Hausmädchen Hallie (Mae Mercer), so wie sie der Ambivalenz um Alltag und Sklaverei jedoch wie in abwartender Position zwischen den sich bekriegenden Weißen annimmt. So kommt sie auch nicht gänzlich auf McB's Seite, der hingegen nicht allzu verlegen ist, sich die Gunst der Damen in jedweder Form zu erhaschen. Wie alle im Ensemble versteckt er seine Wahrheit dabei in ausgeschmückter Sprache sowie Anekdoten, welche Siegel stets direkt an deren Realität gegenschneidet und für die inneren Perspektiven seiner Individuen auch Voiceover einsetzt. Keine Seite spart hier (Selbst-)Lügen und Obsessionen aus, doch Geheimnisse ziehen sich auf jeden Fall an, sowie der charmante Nordstaatler in Eastwood'scher Form gleich mehrere Damen beeindruckt, so dass er vom Ansatz eines Vergnügens im lindernden Weinschluck aus eben allmählich auch weitere Vorteile aus der Situation zieht.


Die scheue Edwina (Elizabeth Hartman) wollte Männern eigentlich nicht mehr vertrauen, doch McB überzeugt sie schon einigermaßen von ihrer „unfairen Meinung“ gegenüber dem anderen Geschlecht und plant mit ihr das heilige Glück; die körperlichen Avancen der taufrischen Carol (Jo Ann Harris) bleiben ihm aber auch nicht verborgen. Er versucht vielerorts sein Glück, schließlich scheint sein Motiv eine reibungslose Flucht aus dem Krieg oder die Freiheit in der Promiskuität zu sein. In dem Chaos an Versprechen bringen die darin erschaffenen Gefühle aber verständlicherweise auch Konsequenzen mit sich - selbst im Herzen der voll kindlicher Naivität handelnden Amy, die ihn schließlich als erstes vorgefunden hat, wofür er ihr einen Kuss gab. Siegel spinnt dieses Netz an Schuld und gegenseitigem Nutznießens unter vorgehaltener Hand mit einer Dynamik, die selbst im geerdeten Ambiente vergangener Jahrhunderte und Manieren Spannung erzeugt, wo es von der Oberfläche her auch reichlich Optionen für simplen Kitsch gäbe. Doch mit der Kernigkeit Eastwoods bestellt man sich eben nicht nur die wahrhaftige Romantik der „Brücken am Fluss“ ins Haus, wenn ergänzend dazu noch im Krieg sowie der Rivalität darin stets Faktoren an Reibungen bleiben, die sich auch an den Parteien an Frauen abzeichnen, die mal mehr, mal weniger von ihrer konträren Sehnsucht Richtung McB wissen und um diese kämpfen. 


So wie Siegel das Bild des Bürgerkriegs entmystifiziert, entlarvt er in punktgenauer Schnitt- und Kamerafolge dann also auch die vermeintliche Unschuld, wenn die Eskalation von beiderlei Seiten herrührt, Martha sich von Visionen (und auch Projektionsflächen fester Ideale) zu Handlungen alttestamentarischer Brutalität leiten lässt, McB seiner taktlosen Männlichkeit und gleichsam bombastisch-sinnlichen Montagen der Erotik folgt und sowieso allesamt der Eifersucht verfallen, obgleich die Verantwortung nicht immer am unmittelbar Involvierten hängen bleibt, sondern am liebevoll Gefangenen McB. Er ist natürlich gleichsam Täter wie Opfer, doch die Gemeinschaft an Frauen rettet sich ebenso gegenseitig per Intrige, während die Einsicht im Innern verdrängt wird und nur dann innehält, wenn eine von ihnen mit ihm untergehen könnte. Der Schwung, dass ihn alle haben und im Endeffekt dann doch tot sehen wollen, kommt aber nicht plötzlich und behauptet, so schlummert aufgrund der Kettenreaktion an unglücklichen Ereignissen auch der Hass in McB und zerschlägt in der Gunst der vielen scheinbar friedlichen Stunden des Ödlands seine Ketten, nur um dann Wein und Haut für sich zu beanspruchen, Geliebtes und das bisschen, was noch an Vertrauen übrig geblieben ist, in den Wind zu schießen.


Man kann den Komplex an charakterlichen Unruhen noch viel weiter zurückverfolgen, schließlich baut sich Siegels Narrativ auch so formvollendet und dennoch irgendwie auf leichtem Fuße auf, wie es sich zudem eine tolle Balance aus Dramaturgie und Echtheit erlaubt, die Triebe seiner Figuren greifbar macht und nicht nur als Effekt verinnerlicht, deren Impulse kohärent und doch mit Knalleffekt vermitteln kann. Toll ist daran allein auch die Differenzierung, mit der Regisseur Siegel Gutes wie Böses aufmischt, die Grauzonen von Himmel und Hölle in solch strengen, doch heimeligen Gefilden beobachtet und Reichhaltigkeit aufbietet, die sich dem Psychologischem im Trivialen wie Universellem voller Härte und Herzlichkeit widmet. Das artet nicht mal so bipolar aus, wie ich das zu umschreiben versuche, denn Siegel weiß sich durchweg galant, aufgeregt und verspielt darin zu bewegen, wie und warum sich Dualitäten nähern und einander abprallen, wieso ein Krieg unter Menschen, Geschlechtern und Co. zustande kommt, obgleich die Mitschuld aller da ist, wie das Geständnis zu Hormonen stumm gemacht und verzerrt wird, am Ende nur noch Sieger und Verlierer feststehen, ehe das Sepia sie wieder ausbleicht.




Giulio Questi startet „TÖTE, DJANGO“ sofort mit einer Wiederauferstehung, doch solch heilige Geste wird hier nicht in den Himmel gehoben, stattdessen in einen höllischen Schmerz auf Erden geworfen, der Schutt, Staub und Blei in sich vereint. Die einzigen Elemente, die da noch von Wert zeugen, sind Blut und Gold; dem namenlosen Wiederkehrer (Tomas Milian) - nennen wir ihn der Einfachheit halber Django - schneiden sich die Momente damit umso tiefer ins Bewusstsein, sodann er sich an seinen Weg in den Tod erinnert. Zusammen mit Oaks' (Piero Lulli) Männern überfiel er als Halbblut sowie anhand seiner mexikanischen Freunde einen Goldtransport der Südstaatler („Betrogen“ lässt grüßen) und obwohl er von einer Teilung der Beute ausging, wurde die Rechnung nicht beglichen. Die Leichen, die sich schon beim Überfall stapelten, vermehrten sich binnen der Gewissenlosigkeit von Oaks und dem rassistischen Hass seiner Männer. Ein Toter, dem die Hautfarbe seiner Freunde egal ist, kommt aber wieder und die zwei ihn findenden Indios haben bereits Kugeln aus dem Gold gemacht, das sowieso alle richtet. Ein cleveres Gimmick, das Questi ohne jede Ironie, Furcht und Last aus dem Ärmel schüttelt, frühe Anzeichen eines kritischen Westerns abgibt, der zwar vom Nihilismus erzählt, aber entschieden gegen halten will. Vorerst steigt er dafür in eine verschlafene Stadt ein, die vor der Ankunft des weißen Manns als Ort des Schreckens bekannt war und ihrem Ruf noch immer alle Ehre macht, so stark sich den Banditen um Oaks schon bei der Ankunft allzu unbequeme Eindrücke bemerkbar machen.


Unterdrückung und Zorn schreien schon aus Kinderleibern, die Gemeinschaft im Saloon und anderswo fackelt auch nicht lange: Bill Templer (Milo Quesada) kriegt als einziger Wind vom Gold, die Wutbürger um ihn herum scheucht er sodann zum Lynchmord auf. Als Django ankommt, ist der Genre-übliche Weg der Rache schon so ziemlich an ihm vorbeigezogen, nur Oaks kriegt er noch im Fieber des bewusst diffus gedrehten Zwischenreichs zu schnappen, doch der stirbt erst, als die Leute ihm das eingeschossene Gold aus dem Körper pulen. Questi denkt eben: Was kommt nach dem, was die Leinwand stets als Katharsis ausstellt? Der Kreislauf aus Blut und Gold hört eben nicht auf und Django bleibt. Er hat vielerlei Gründe dafür. Zum einen lässt er selbst die ihn betrogenen Freunde nicht wie Vieh am Galgen hängen, wofür er von denen Häme erntet, die ihn vorher noch einen Helden nannten. Zum anderen bedrängen deren Gesichter die Kamera derartig, dass das Panorama des Leidens in seinen engen Ecken gequälter Gesichter auch eine Frau hinter Gittern als eine von vielen vorfindet - unerreichbar und doch von weitem schon so zerbrochen, wie es die Gnade an jenem Ort schwer hat, zu bestehen. Daher muss das Geld weg, nicht nur wenn Django es in seine Feinde schießt. Aber wie dies bewerkstelligen, wenn einer auf allem sitzt, Armut, Eifersucht und Hass um seine Mitmenschen schürt? Da wird über Leichen gegangen, nicht nur dank Nachbarsrivale El Zorro (Roberto Camardiel), dessen Verständnis von Männlichkeit von absoluter Brutalität zeugt und genauso in Innereien des Festmahls wühlt, wie in Oaks' Magen. Bei Mutproben bescheißen tut er auch noch.


Schlimmer aber noch ist der Scheinheilige im Ensemble, Hagerman (Francisco Sanz): Er mausert sich per Gottesfürchtigkeit und Verdiensten für die Stadt, kerkert sein Frau Elizabeth (Patrizia Valturri) aber ein und drückt seine Morde der Goldsucht auf andere ab, instrumentalisiert ausgerechnet in den gefühlt wenigen Totalen des Films die Massen, welche die Jagd auf einen als Freifahrtschein zum Massaker aller Farbigen empfinden. Selbst ein entschiedener Kraftakt wie Django (mit einigen tollen Eigenarten von Milian gespielt) kann da als Charakter im Verlauf nicht allzu viele befreiende Signale senden: Er kann nicht überall sein und die Quasi-Jesus abgeben, stattdessen versucht er dort zu helfen, wo er kann. Templers Sohn Evan (Ray Lovelock) z.B., der von El Zorros Bande gefangen wird und als Erpressungseinsatz selbst von der eigenen Familie im Stich gelassen wird. Templer will seine Reichtümer eben nicht preisgeben, so sehr er mit Hagerman zuvor auch den Tod der Kriminellen verlangt hat; seine Geliebte Lori (Marilù Tolo) pfeift da ohnehin auf das Leben des angehenden Stiefsohnes, wenn der Schatz im Eigennutz zum Schutze bestimmt ist. Nur Django kümmert sich um den Jungen, doch auch dessen von allen verlassene Unschuld mag in solch einer Welt nicht überleben. Questis Film hat selbst im Genre nur wenig Platz für Hoffnung übrig, doch er lässt sie um jeden Preis kämpfen, die ideologische Oberhand behalten, während der extremisierte Kapitalismus hier seine eigenen Feuer legt und sich im Gold einschmelzt, so wie Reichtum und Tod hier eine effektiv perverse Koexistenz eingehen.


Mal abgesehen von der Abkehr narrativer Konventionen sowie Pathos schafft er dies trotzdem in einem Rahmen, der sein Genre so gut bedient wie er es nutzt. Die Gitarren von Ivan Vandor klingen fast schon wie beim Dub Reggae eher sporadisch auf, so wie sie angesichts der grellen Hitze des Ambientes eben wie konzentrierte Schüsse aus dem Sand kommen, ihren Groove zeitweise aber auch mit dissonanten Einzeltönen verstreuen, sobald er sich eben mit den Bildern des Leidens kontrastiert. Gleichsam ist Django als zuschlagender und schießender Mittler zwischen wechselnden Parteien wie Templer, El Zorro, Hagerman und sogar Lori nicht unwesentlich mit der Funktion Eastwoods im gerade mal drei Jahre zuvor erschienenen „Für eine Handvoll Dollar“ verwandt (für 1967 ist Questis Drastik übrigens enorm gewagt), zwar eben weniger als Intrigant unterwegs, aber dennoch letztendlich auf das Gute bedacht, so machtlos er auch ebenso in den Bann des Sadismus gerät, mit dem der Mythos Wilder Western aus amerikanischer Sicht weniger in Verbindung stehen wollte und dort doch wie in jeder Ära der Menschheit seine Aufwartung machte (noch eine Parallele zu Siegels oben genannten Film). Questi scheut sich nicht, ihm tief in die Augen zu sehen und enorm Wert darauf zu legen, den Schrecken des kollektiven Sterbens sowie verstorbener Wesen voller Sprachlosigkeit mit Empathie zu füllen, nur kann auch er keine endgültigen Lösungen gegen das Böse finden, was in dem Fall allerdings von einer Reife zeugt, die der Wahrheit dort nachspürt, wo sie den Zuschauer über den Rand der Leinwand schauen lässt.




Gemäß des Originaltitels „Tightrope“ wird „DER WOLF HETZT DIE MEUTE“ in seiner Formvollendung erneut ein delikater Akt für Clint Eastwood. Als Cop-Thriller kommt er zwar verstärkt wie aus den Siebzigern, doch nun ein Jahrzehnt darauf sind die Milieus ein bisschen ruppiger, der Varianz sexueller Vorlieben angepasst worden. Nach William Friedkins „Cruising“ sind Regisseur Richard Toggle sowie eben sein ungenannter Vertreter Eastwood selbst nicht ganz dazu bereit, die Heterosexualität derart intensiv aufzumischen, der Balanceakt von heller und dunkler Seite bleibt aber auch hier zentral, wenn das Autoritäre in vielerlei Hinsicht ins Schwitzen kommt. In New Orleans trägt jeder irgendwo dasselbe Paar Schuhe, da fällt dem Film auch fast sofort ein schöner Schnitt ein, um Nacht und Tag zu verknüpfen: Anfangs ist die Verfolgung des Weiblichen im Dunkeln wie dem Intro der „Street Fighters“ entlehnt und auch dann nicht entspannt, wenn der Ordnungshüter im Schatten Sicherheit verspricht. Seine Tat bleibt vom Zuschauer ungesehen, doch mit allzu deutlicher Suggestion erwartet man schon das Schlimmste. Dieser Widerspruch von breitflächiger Subtilität im Kopfkino sexueller Gewalt bietet im Verlauf aber noch die gemäßigteren Spitzen, wenn man bedenkt, welche Einzelmomente daraufhin hängen bleiben. Der Kontrast macht's nämlich, wenn sich der Gegenpol von Captain Wes Block (Eastwood) eben als knackig alleinerziehender Vater von zwei Töchtern (eine davon von Eastwood-Tochter Alison gespielt) zeigt, der sich gerne auch noch mehr Schützlinge versammelt, wenn er Hunde von der Straße ins Haus lässt, um ihnen das Tierheim zu ersparen.


So ein netter Kerl gibt gerne den Beschützer, im Vergleich dazu treibt ihn sein Beruf aber umso ergiebiger in jene Gefilde, die er von seinem Eigenheim abzuschirmen versucht, schließlich trägt die Scheidung von seiner Frau schon genug Schmerzen in den Haushalt hinein. Er ist dem Untergrund aber auch nicht abgeneigt, im Gegenteil: Je tiefer die Nacht ihn zwischen Tatort und Hinweis lockt, offenbart sich sein Trieb in der S&M-Praxis - den Frauen auf der Spur durch deren mal mehr, mal weniger offensichtlichen Lockrufen. Die Erotik konzentriert ihre Blicke und Spruchfertigkeiten nicht ohne Humor, dem Sleaze entkommt aber keiner, wenn der Film auch die Ausführung expliziterer Inhalte im Ansatz bereithält. Nicht ungeschickt, wie die Reize des Körpers dabei eine Rolle spielen, aber auch nicht frei von typischen Merkmalen voyeuristischen Sündenpfuhls. Das Testosteron hält sich zumindest noch in Grenzen, um das Prozedere kriminalistischer Arbeit nahezulegen, wirklich interessant wird es dann, wenn Blocks Berufsmännlichkeit auf die Ideologie der Sitte anhand von Beryl Thibodeaux (Geneviève Bujold) trifft, die eben mehr der Würde der Frau entspricht und dementsprechend schon den Archetyp von Anti-Rape-Selbstverteidigungskursen anleitet. Jene Eckpunkte sind heute noch immens gegenwärtig, in der Verknüpfung derer erlaubt sich der Film aber noch eine spielerische Handhabung mit Roboter-Klöten, über die Block sogar schon halbwegs zum Flirt ansetzt.


Eine urige Impression, allzu passend einer durchaus ungewissen Ära, auch hinsichtlich den Konzepten um Mann und Frau entsprechend, bei der man nicht weiß, wie viel Taktlosigkeit ihr anzurechnen ist. Man beachte dann auch irgendwann den ungefähren Geschlechtsakt per Fitness-Gerätschaften, der sich in einer Szene schwitzender Sprachlosigkeit zu drollig abzeichnet. Die Hormone erfahren hier einige Punktlandungen zur kontemporären Leichtigkeit hin, gleichsam wird es wie so oft im Genre persönlich, wenn der Serienkiller nicht nur seine weiblichen Opfer in Schockmasken heimsucht, sondern allmählich auch die Routen Blocks zur körperlichen Befriedigung ins Visier nimmt. Die Lederhandschuhe schauen da schon dem Dampf im Rotlicht zu, die ständige Beobachtung lauert sodann dem Bekanntenkreis an Verführungen auf, dass sich nicht nur ihnen, sondern auch Blcok die Schlinge um den Hals zieht - insofern auch, dass er möglichst bald Resultate vorzeigen muss, wie der Film den Zuschauer zudem kontinuierlich ins Bewusstsein der Situation geißelt. Zur ersten Hälfte noch begegnet er ihm nämlich eher sprunghaft, wie auch Block selbst die Beziehung zwischen Tag und Nacht einnimmt. Die Finsternis versucht aber zu übernehmen und da ist schon von Vornherein klar, warum das Verhältnis zwischen Block und seinen Töchtern so emotionalisiert in der Behütung ansetzt, ehe klar wird, dass seine Verantwortung mehr und mehr Konzentration erfordert, sobald der Kessel der Leidenschaften ins Mörderische überschäumt. Eastwoods Statur erlaubt zwar weniger Ausbrüche der Kontrolle, dafür ballen sie sich aber gut zusammen, je mehr horrible Eindrücke einkehren (siehe seinen Besuch in der Bierbrauerei).


Jeder Anruf bedeutet für ihn eine weitere Leiche, jede weitere Offenbarung zwingt die Nähe zum Killer, bis hin zu Erkenntnissen in Albträumen, denen er auch noch folgt. Der Wahnwitz darin verdichtet sich im Zwei-Stunden-Narrativ zwar nicht, bleibt aber auch nicht ungebrochen. So sei beispielhaft jene Szene genannt, in der sich Block binnen einer Lagerhalle voller Mardi-Gras-Umzugswagen begibt, in deren Zwielicht selbst die Karikatur eines Ronald Reagan von eher zweifelhafter Vertrautheit zeugt. Symbole der Macht geraten hier so diffus, wie auch Handschellen ihre Dominanz im Krimi und im Bett äußern, die steigende Unsicherheit dazu macht auch Block eher aus Vorsicht unantastbar, während alles um ihn herum jedoch angreifbar wird. Es trifft die eigene Familie, Töchter wie Hunde, der konsequente Schock bleibt in des Filmes teils uneinigen Zügeln aber verhindert und zum Jazz Marke Lennie Niehaus abdriftend, gleichsam durchweg mit Sturmhauben, Knarren und Verfolgungsjagden im Genre-Reißertum (vergleichbar mit dem thematisch verwandten „Ein Mann wie Dynamit“). Er macht weniger den Eindruck eines Spießers, sofern psychologische Umwege im Erzählstil gefunden werden - eine gewisse Direktheit wird dennoch gescheut, wenn man Konventionelles wiedererkennt. Letztendlich ist das Verruchte eben weniger auf der Gewinnerseite anzutreffen, zumindest lässt es „Tightrope“ dennoch nicht auf einen ideologischen Stempel ankommen, wenn er sich mit Beobachtungen zu Doppelböden an Privatem wie Beruflichen umgibt und jedwede Argumente zwischen den Zeilen belässt - auch wenn jener Zwischenraum sich teilweise zu offensichtlich oder schleppend ergibt.




Weil es in Sachen Gender-Fragen ja inzwischen ohnehin noch spannender binnen der Leinwand zugeht, war mir sodann auch nicht die mehr im weiblichen Fokus stehende Fortsetzung von „Bad Neighbors“ entgangen. Zwei Jahre später pendelt man sich innerhalb des Narrativs weiterhin zwischen den Parteien von Spießertum und Anarchie ein, doch ganz spießig und zugleich direkt „BAD NEIGHBORS 2“ benannt (ursprünglich zudem „Sorority Rising“ untertitelt), zeigt sich, wie viel sich selbst in der kurzen Zeit ändern kann, wenn eben die beständige Frische der Jugend ins Auge gefasst wird. Eheleute Mac (Seth Rogen) und Kelly Radner (Rose Byrne) haben sich da wie eh und je als scheinbar lockere Mittelstandseltern eingefunden, deshalb expandieren ihre Charakterzüge nur hinsichtlich Ankunft eines zweiten Kindes sowie eines neuen Hauses, in das es hoffentlich demnächst einzuziehen gilt. Der Film ergreift nicht gerade unempathisch Partei für ihre Lage und erschafft Spannung am laufenden Band aus dem Schützengraben versus Hedonismus (mit dabei: Die Ticking Clock von gleich zwei Schwangerschaften), doch letzterer bekommt nun von Vornherein die Grundsympathie zugesprochen. Die zentralen Studenten sind in diesem Fall als Schwesternbewegung definiert und zur Selbstbestimmung motiviert, sobald sich das restriktive Regelwerk des Campus gegen ihre Freiheiten des Geschlechts wegen verschließt und sie lediglich auf Jungsfeten schickt, welche sie im Roofy-trunkenen Blacklight zu Sexobjekten degradieren.


In der Ära mutigerer Aufklärungen gegen Campus Rape, für Fairness und feministisches Verständnis ergibt sich sodann keine Schwierigkeit darin, mit einer jungen Dame voller Bodenständigkeit und YOLO-Swag wie Shelby (Chloë Grace Moretz) zu sympathisieren, wenn sie mit ihren Buddies Kappa Kappa Nu gründet, um Konventionen sowie Sexismus einen Stinkefinger im Party-Modus entgegen zu strecken. Doof nur, dass sie dafür neben dem Haus der Radners einziehen, welche noch am Versuch hängen, jenes Anwesen anderen zu hinterlassen, doch auch da ist der erste Eindruck alles! Insofern gehen sie an die Decke, als sie um lautes Feiern und weiteren Lifestyle im Zeichen der neuen Nachbarsfrauen bangen. Östrogen, so gibt der Film unmissverständlich zu verstehen, ist zudem cleverer und bissiger als das männliche Pendant (plumpe, doch effektive Sätze dazu sind keine Mangelware) und so stapeln sich allmählich die Brennpunkte der Individuen. Der Impuls dazu kommt natürlich nicht aus blauem Himmel - einerseits weil keine Seite zum Kompromiss der verdienten Ideale bereit ist, andererseits weil eine externe Macht an den Strängen mitzieht: Teddy Sanders (Zac Efron) nämlich, der Quälgeist vom ersten Teil, ist zurück und greift Kappa Kappa Nu als ewiggestriger College-Hüne unter die Arme, wo er nur kann. Jene Mitarbeit basiert auf seiner Unfähigkeit zur Einfindung in ein Leben nach dem Studium hinein, welche seine anderen Bros schon längst hinter sich haben, sogar aneinander ehelichen.


Es bleibt kaum noch Raum zum Abhängen in gewohnten WG-Zonen, für Teddy bedeutet das hinter vorgehaltener Hand sodann aber ein Freundschaftsbruch, weshalb er sein Wesen nun in der nächsten Generation fortzusetzen versucht, aber auch dort an neue Sensibilitäten anschließen muss, ehe er letztendlich doch die Stagnation, auch jene unzeitgemäßer Rivalitäten in sich selbst einsieht. Seine Wandlung treibt den Film mitunter enorm voran, höchstens noch übertroffen vom Pendel an Gerechtigkeitsgefühlen, die man den Frauen oder den Radners nachempfindet. Schließlich benutzen beide reichlich fiese Tricks, Minions und Kinderspiele, um der jeweiligen Gegenseite eins auszuwischen. Regisseur Nicholas Stoller und seine Autoren greifen dabei auf ein High-Speed-Tempo zurück, um nicht nur wie viele kontemporäre Komödien per Schuss-Gegenschuss Impro-Beleidigungen zu finden, sondern wirklich mit Situationskomiken, gerne auch inklusive Anarcho-Action und audiovisuellen Pointen zu punkten. Dass man sich bei dem Mordsduell nicht mal unbedingt mit Klischees begegnet, glänzt ebenso helle ins Herz. Sie werden stattdessen ironisch umgekehrt oder mit Hähnchenfett statt Babyöl eingerieben, um die allgemeinen Vorstellungen von Mann und Frau ad absurdum zu führen. Bros before Ho's ist Geschichte!


Trotz allen Wohlwollens muss man aber zugeben, dass dies nur bis zu einem bestimmten Punkt geht (meistens der Hormone wegen, an denen kommt Mensch eh nicht vorbei), zudem in stetiger Abwechslung mit gagreichen Beobachtungen zu Elternsorgen und Zukunftsmodellen, wie sie eben noch den normativen Grundstein bilden, auch per Überzeichnung zum Lachen bewegen, aber wie so oft im Leben vorsorglich auf die kollektive Langeweile des Eigenheims weisen. Zwischen Jugend und Adulthood kann auch hier nichts ewig halten, das gibt sich eben in Phasen, zumindest aber legt der Film entschieden Wert aufs Eigene, ehe er sich eine Moral eintätowiert. Sobald Kappa Kappa Nu nämlich die Geldknappheit erreichen und sich gezwungenermaßen wieder mit Modellen des Sexismus anbiedern müssten, um die Haushaltskasse zu füllen, stehen Würde und Freundschaft so übel auf dem Spiel, dass man beiderseits Einsicht aus der Situation schlägt und nur solche Kompromisse eingehen, welche die Selbsterfüllung des Gegenübers gewährleisten. Kappa Kappa Nu sahnt da sogar doppelt ab, während Vergebung und universelle Menschlichkeit angesagt sind, um auch den Klimax zum ebenso omnipräsenten Zwiespalt der Radners zu finden, ob sie denn als Eltern taugen und wie viel an Entscheidung sie sich in der Erziehung rausnehmen dürfen. Alle diese Punkte werden im Rahmen einer Komödie von den Emotionen her natürlich eher oberflächlich angerissen, sind aber doch zahlreich vorhanden, auch gar nicht in Sentimentalitäten sowie anderen forcierten Ernsthaftigkeiten ersoffen. Soll ja auch kein Akt sein, wer schlußendlich Gras auf suburbanem Rasen wachsen und rauchen lässt.




X-MEN: APOCALYPSE - "[...] Regisseur Bryan Singer bringt als Initiator des Ganzen gewiss den nötigen Enthusiasmus mit; zumindest kommt er an mehreren Stellen über Simon Kinbergs Drehbuch hinweg, das sich scheu mit Expositionen voll funktioneller Dialoge durch ein Mammut-Ensemble kämpft, um die eine oder andere Ladung ausgeprägter Charakterstärke zu ballen. [...] Die Vereinigung im Schmerz, jene kollektive Verarbeitung der Ausgrenzung ins Gute, wird wohl für immer überleben. Da kommt es nicht von ungefähr, wenn auch dieser Film die Familie, Verlust und Erkennung derer als thematisches Herzstück anspricht. [...] Milieuvorstellungen mit X-Men im Vordergrund werden sodann die unterhaltsamsten Schauwerte eines Zeitkolorits anno 1983, das zwischen Highschool-Masche und Ostblock-Maschendrahtzaun pendelt [...] (Singer) kann ihre Katharsis sowie ihre Furcht davor allerdings auch besser in Bilder fassen, als es Autor Kinberg mit Worten schafft [...] Zeitgleich ist auch nichts verkehrt daran, die Qualitäten oder Mängel des Konsens zu reflektieren, wenn die Moral im Innern weiterhin stimmige Argumente für Toleranz, Empathie und der dennoch nötigen Differenzierung von Macht und Gemeinschaft liefert. [...]"



(Die komplette Kritik gibt es auf CEREALITY.NET zu lesen.)




THE NICE GUYS - "[...] Der Durchschnittsfall von der vermissten Leinwandschönheit treibt sodann also das Abenteuer an, nicht allzu aufregend mit Intrigen und Konventionen durchs Nachtleben prellend, aber genug Angriffsfläche bietend, anhand derer sich der Harte und der Zarte in die Wolle kriegen, um bald gemeinsam auf die heiße Spur zu kommen. [...] Ganz sauber sind beide so oder so nicht, abseits dessen verbinden sie sich trotz anfänglicher Missverständnisse aber schnell im Pendel aus zeitgenössischem Zynismus und selbstentlarvendem Chaos, mal mehr und mal weniger fortgeschritten in Richtung Kompetenz. Sie hauen die Leute meistens jedenfalls gut übers Ohr und stecken dafür sogar die Macho-Route zurück, was umso mehr beglückt, so locker sich Gosling und Crowe nun mal die Bälle vom Kumpel-Jargon on the rocks zuspielen. [...] Es ist nun mal ein netter Film geworden, ordentlich seinem Genre verpflichtet und voller Spielspaß im Konsens unterwegs, wo sich selbst der Regisseur vom „Lost River“ auch galant zum Affen machen darf. Der Pepp geht leider nicht ganz im Laufe des Plots auf, wenn die biedere Zum-Kult-geboren-Walze ihre Belanglosigkeit streckt, für ein harmloses Minenfeld an nicht komplett forcierten Schlagfertigkeiten und Schlaghosen im Vintage-Crime zwischen Räuden- und Honkfilm kann man sich dieses Back in Black aber durchaus geben. [...]"



(Die komplette Kritik gibt es bei den DREI MUSCHELN zu lesen.)