Posts mit dem Label donald trump werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label donald trump werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 1. Januar 2017

Tipps vom 26.12. - 01.01.2017 (Das Filmjahr 2016 im Rückblick)

Liieebee Leeseer,
willkommen im Jahre 2017! Endlich haben wir diesen Meilenstein globalen Wandels geschafft, nun wird es - der Abkehr aus der Misere 2016 behilflich - höchste Zeit, zu überlegen, wie es demnächst, im Idealfall besser, mit uns allen weiter gehen soll. Ich allein werde es bestimmt nicht hinkriegen, auch wenn der Blog hier nächste Woche sein vierjähriges Bestehen feiern wird, falls das in mancherlei Augen denn überhaupt eine Leistung ist, die was für die Zukunft stemmen kann - vielleicht ist die Erwägung dessen meinerseits, selbst bei allen bisherigen Inhalten schreiberischer Tätigkeiten, schon ein gutes Stück zu weit gedacht. Es ist eben nicht gerade selten - z.B., wenn bei mir wieder mal eine Beziehung nicht so läuft (gegenwärtig ohnehin nichts dergleichen existiert), ich mir düstere Auswirkungen irgendwelcher Wahlen mache oder mit meinen Meinungen zu im Grunde belanglosesten Streifen schief angeguckt werde -, dass man mir sagt, ich müsse einfach nicht so viel über die jeweilige Sache nachdenken. Mutti und manche Kollegen sind sich da einig. Ob sich die Qualität meines Denkens mit dessen Quantität deckt, habe ich jedenfalls auch letztes Jahr nicht vollends feststellen können, so wie der Stress im Privaten und Globalen quasi omnipräsent auf der Matte stand, die Ich-Perspektive folglich mehrmals auf Scherben zu stampfen glaubte. 2016, schauderhaft, allein diese ganzen Nachrichten, man bedenke auch das traurige Ensemble verstorbener Künstler und Persönlichkeiten...Fuck, big time!


Doch bevor ich hier jetzt unnötig weit auszuholen drohe und Sachen aufzähle, die jeder am liebsten endlich hinter sich lassen will, möchte auch ich kurzerhand zurückblicken, was mir binnen der letzten 12 Monate (und an die 125 Kinobesuche) denn zumindest in der Filmwelt besonders gefallen hatte, weil's im Augenblick ja eh jeder macht – Plagiatsvorwürfe also vorerst bitte überdenken ;) Ich ziehe für meine Auflistung allerdings auch dem Konsens entgegen wie gehabt sowohl bundesdeutsche Kinostarts als auch Festivalbeiträge, Streams, Heimkino-Veröffentlichungen und solche, die irgendwo dazwischen verbleiben, in Betracht. Allgemein gilt: Wenn ich auf Leinwand und Co. etwas Neues (der vergänglichste Begriff schlechthin) gesehen habe, zählt's für dieses Jahr. „Anomalisa“, „Im Schatten derFrauen“, „The Lobster“, „Son of Saul“, „Les Démons –Die Dämonen“, „Der Nachtmahr“, „Right Now, Wrong Then“, „Entertainment“, etc. hatte ich in diesem Sinne schon letztes Jahr an entsprechender Stelle dazu gezählt. Ich weiß aus der Vergangenheit, dass manche von euch meine Methodik nicht vollends fair finden, aber diese Prise Narzissmus möchte ich mir trotzdem gönnen, digga, jo! Als Entschädigung biete ich euch im Vornherein diese von mir zusammengestellte Kompilation an zeitgenössischer Filmmusik an, eben das Beste aus dem gesamten Jahr, das ihr im Hintergrund laufen lassen könnt, während wir gemeinsam einen Streifzug in die wunderbaren Erinnerungen unternehmen, die uns 2016 doch noch beschert hat:



Nun aber zunächst einige ausgewählte Sympathieträger des Jahres in unbestimmter Reihenfolge:



Gods of Egypt“ - weil Alex Proyas' Romantik in den Zwischenräumen der Sterblichkeit auch hier goldene Früchte trägt und ungeniertes Kintopp von der Wüste ins All katapultiert.

The VVitch“ - weil die Familie gut nach Wes-Craven-Manier hasst und mit höchstens zwei Jumpscares eine Slow-Burning-Gaudi der blutigen wie schwarzen Magie abgibt.

The Green Inferno“ - weil Eli Roth seine schäbigen Räudenfilme mit keckem Biss ausstatten kann und halbgare Umweltschützer in natureigenen Käfigen dünnpfiffen lässt.

Assassin's Creed“ - weil ich mich auch mal gerne von furchtbar lautem Nihilismus zuballern lasse und im Wust der Gewalt reichlich markante Eindrücke Justin Kurzels sah.

Bad Neighbors 2“ - weil Chloë Grace Moretz und ihre Studentenverbindung so frech fetzten und mit der zelebrierten Selbstbestimmung hausieren gingen.

Wendy – Der Film“ - weil Kinderfilme voll kurioser Kleinig- und Drolligkeiten stecken, hier via PTSD-Alpträumen und einer Prise Genre-Ironie über Pferde, Salami, Moor und Rachegedanken galoppieren.

Die Insel der besonderen Kinder“ - weil Tim Burton seinen Themen, Bildern und Sensibilitäten auch im YA-Gerüst treu geblieben ist, auf dem Rummel mit unsichtbaren Monstern feiern geht.

The Huntsman and The Ice Queen“ - weil Chris Hemsworth jeden Film aufwertet, dieser als starkes Panorama-Märchen also allein von der Hünenlust her aus der Masse heraussticht.

Phantasm: Ravager“ - weil der Abgesang auf Don Coscarellis Reihe zwar in No-Budget-Effekten dümpelt, dem Trauma des Irdischen entgegen aber mit dem Herzen an der Freundschaft hängt.

Salt and Fire“ - weil Werner Herzog sein Publikum eigenwillig an der Nase herumführt und jeden Impuls an (eigenen) Arthouse-Klischees mit Lachknüllern via Michael Shannon und Veronica Ferres belohnt.

Zazy“ - weil sich Ruby O. Fee zur neuen Edwige Fenech mausert und dafür auch in verkappten Honk-Gialli beglückt, selbst wenn ihre Skills locker vom chargierenden Boyfriend überboten werden.

War Dogs“ - weil die trotteligen Kriegstreiber der Generation Bush Jr. nicht ausgestorben und hier an ihrer Wurzel der All-American-Geilheit zu erkennen sind.

The Shallows“ - weil Blake Livelys „I love you“ in Richtung Publikum dem soliden Hai-Horror ein beiderseitiges Liebesgeständnis ans Kino abringt.

Die irre Heldentour des Billy Lynn“ - weil mein Erstkontakt mit Ang Lee hier die Unausweichlichkeit von Dramaturgien und Perspektiven zwischen Wahrheit, Freundschaft sowie patriotischer Perversion hervorbrachte.

The Whispering Star“ - weil Shion Sono, ausnahmsweise in meditativer Komik, kurzzeitig verheilte Narben und lichte Bluter in Parallelwelten zu Fukushima findet.

Einfach das Ende der Welt“ - weil Xavier Dolans nostalgisch fiebernde Familienfehde per Schlichtheit und zeitgleichem Stocken auf einen Kern der Entrückung stößt und ihn mit Blicken versteht.

Streetdance: New York“ - weil er so naiv und froh in das Glück der Bewegung schaut und niedliche Grausamkeiten an Charakterhürden einbaut; Violinen-Battles, Greencard-Scams und Gänsehaut-Finale inklusive.

Bronze – Kleiner Sieg. Große Fresse.“ - weil Melissa Rauch als giftige Mini-Athletin eine liebenswerte Randale für den American Dream in suburbaner Tristesse darstellt, obgleich die Charakterstudie daran an mittelflotten Erzählmustern hängen bleibt, dennoch per Persönlichkeit/Scheußlichkeit glänzt.


31“ - weil uns wenigstens ein Film an den Trend der Horrorclowns erinnern dürfen sollte und in diesem Fall auch ungefilterte Gewaltverherrlichung à la Rob Zombie mit all seinen Vorlieben, leuchtenden Stärken und dramaturgischen Griffen ins Nichts dazu bestellt.

X-Men: Apocalypse“ - weil die hippelige Episodenstruktur ein Ensemble an schmissigen Einzelsequenzen und Jugenddallereien im KZ-zerstörenden Mutanten-Modus zusammenzimmerte.

Tangerine L.A.“ - weil die Transgender-Superstars hier mit Knalleffekt zuschlagen können, auf der Odyssee aus Slang und Prostitution im empathischen Streit Weihnachten feiern.

Hail, Caesar!“ - weil selbst eine zurückhaltende Variante vom/von existenzialistischen Wundern der Coen-Brüder Bombenstimmung wie göttliche Zermürbung hervorruft.

Pee-Wee's Big Holiday“ - weil die Romanze zu Joe Manganiello jede Leerstelle dieser (im positiven Sinne) blödelig-kindischen Retro-Tour mit Charme und ambitioniertem Eskapismus glättet.

Dark Night“ - weil das ermattende Gefühl zwischen Angst und Amok im impressionistischen Minimalismus zum Drama eines Nationenzustands furchteinflößender Sonderklasse stilisiert wird.

Star Trek: Beyond“ - weil die exemplarische Ballung des urtümlichen Serien-Konzepts für humanistischen Pathos binnen einer Space-Oper voller visueller Vielfalt, Action-Geschmeidigkeit und Hoffnung sorgt.

Rogue One: A Star Wars Story“ - weil Gareth Edwards diese Hoffnung in eine Todessehnsucht voll sinnlicher Größenordnungen und naturalistischer Zwielichtigkeiten treibt.

BFG: Big Friendly Giant“ - weil Steven Spielbergs Plansequenzen des Träumens weiterhin bei Klein und Groß am Herzen fühlen, allesamt über den Sternenhimmel heben.

Yourself and Yours“ - weil Hong Sang-soo binnen der Gemütlichkeit des Alkoholismus noch die knuffigsten Alltagsbegegnungen im Profil einfängt, kleine Zooms wie gehabt um illusorische Beziehungsmodelle kichern.

Schau mich nicht so an“ - weil die feministische Patchwork-Familie frei und rotzig mit der Improlaune des hiesigen Indie-Kinos hantiert.

Staying Vertical“ - weil Alain Guiraudie nicht vergessen werden darf, kuriose Eigenwilligkeiten en masse in die Statik der Provence und deren Umwege der Vatern-/Autorenschaft implantiert.

Communication and Lies“ - weil die südkoreanische Härte der sozial Schwachen deren Schocks subtil wie roh belegt und im Straßen-Chant „I want fucking sexu!“ ausartet.

Elliot, der Drache“ - weil er via Fantasy zum effektiveren „Raum“ für die seelischen Belange eines Kindes wird, zudem mit vollem Ehrgeiz auf die Union mit dem Unwirklichen schaut.

Die Hände meiner Mutter“ - weil Florian Eichingers Portrait eines Missbrauchsfalls jede Spannung ins Spiel steckt, via unausgesprochener Erinnerungen analysiert und vom melodramatischen Effekttrieb löst.

Mike And Dave Need Wedding Dates“ - weil das bewusste und ungenierte Übersteigern zur Beklopptheit beinahe an wahre Anarchie herankommt, die höchste Lachquote dieses Jahr bei mir erreicht hat.

Nerve“ - weil sich die Topoi des jugendlichen Cyber-Thrillers hier mit kontinuierlicher Eskalation in die Romantik des Urbanen und den Reiz des Geltungsdrangs wagen, volle Kanne per Jugendjargon und dusseligen Supertypen/-mädels unterhalten.

Jem and the Holograms“ - weil die spleenig-naive Aufstiegsgeschichte der Pop-Sensation mit Sentimentalitäten von Familie und Verlustängsten, Philippe-Garrel-Anleihen, „Neon-Demon“-Kadrierungen und einem Roboter gefüttert werden.


Und nun die Auf- und Einsteiger meiner persönlichen Top-15 an aktuellen Werken für das Filmjahr 2016:



15. „The Hateful Eight“ – weil Kammerspieldialoge sowie ständig verschiebende Sympathien eine Königsdisziplin für Tarantino darstellen und 3 Stunden Laufzeit zu einem 70mm-Genre-Reißwolf der Verbrüderung binnen konzentrierter Bluteskälte machen.

14. American Honey – weil Andrea Arnold den Dauerzustand YOLO in eine Erfassung amerikanischer Jugend und Gegenwart modelliert, bei welcher der Begriff „Boyfriend-Material“ auf ewig hängenbleibt.

13. „Certain Women“ – weil Kelly Reichardt ebenso einen amerikanischen Querschnitt durch die dramaturgiebefreiten Umstände des weiblichen Alltags zieht und unaufgeregt auf das Selbstverständnis der Geborgenheit hinarbeitet.

12. Donald Trump's The Wall – weil sich auf Youtube nach dem ganzen Poop eine Meisterleistung assoziativer Montage vorfinden lässt, die unsere Gegenwart, Amerika und Kapitalismus-Kult via Superrock pointiert ins ermattende Verderben einordnet.

11. „The Ornithologist“ – weil die Wege alles Natürlichen, Göttlichen, Erotischen, Perversen, Magischen und Psychopathischen hier in der Sanftmütigkeit glücklichen Filmschaffens zusammenführen.

10.Elle – weil Paul Verhoevens Comeback eine aberwitzig fordernde Liaison mit der Gefahr eingeht, bei der sich die Symbole des Wohlstandes so wankelmütig auflösen, wie der Zynismus deren Menschlichkeit zudem wieder vervollständigt, dem Abgrund nahe um Fassung und Lust ringt.

9.Remake, Remix, Rip-Off - weil sich die Wechselwirkung von Politik, Intuition, kultureller Improvisation und der Lebendigkeit des Unbeholfenen über Regime, Zeit und guten Geschmack bewähren kann, wenn türkische Exploitation die Brüchigkeit der Jahrzehnte lebt.

8. Queen of Earth - weil die psychische Auseinandersetzung von krankhaften Beziehungen und Freundschaften im Leiden betörend auf die Stille hört, dem undefinierbaren Schmerz Hände, Augen und Tränen anbietet und giftige Urteile murmelt, bis der Salat verwelkt.


7. Toni Erdmann – weil der Entmenschlichung des Kapitalismus ein Furzkissen aus Vaterliebe und Lebendigkeit untergejubelt wird, das im Urschleim der Finanzen Seelen lockert und entlarvt, im freien Umgang der Inszenierung für freie Menschen in der freien Wirtschaft plädiert, als Gaststar mit dabei: Whitney Schnuck.

6. Vor der Morgenröte – Stefan Zweig in Amerika – weil Maria Schrader ohne Biopic-Affekt verinnerlicht, wie Machtlosigkeit und Verantwortung im Gewissen des Opfers verharren, wenn auch keine direkte Gefahr, dafür die Ungewissheit besteht, inwiefern man paralleles, kollektives Leiden im Abseits nachspürt.

5. „Personal Shopper“ – weil die Vergegenwärtigung von Geistern eine selbstbewusste Reformierung des Kinos in Aussicht stellt, bei der Kristen Stewart als vorzeitiges Denkmal vielfältig um Spuk, Fashion, Smartphone und Nationen zieht, wie der Film verhalten-impulsiv auf Genre-Gefahren reagiert und Deutungen im eigenen Rhythmus des Europa-Noirs umspielt.

4. „Weiner“ – weil das diffuse Dasein von Politik und deren Politikern einen Blick mitten durch erfordert, der die Krise des Image in seiner Hilflosigkeit erdet, Machtverhältnisse von Medien und Ideologien herab am Einzelnen prüft, folglich im Scheitern bar jeder parteiischen Emotionalisierung auf die Beständigkeit des Chaos sowie des „Fuck-It!“'s dazu hinweist.

3. Wiener-Dog – weil Todd Solondz ein gnadenloser Beobachter des Leidens geblieben ist, der in seiner Episodenform die Logik familiärer wie gesamtamerikanischer Rollen hinterfragt, Gnade unter den Außenseitern sucht, den Zynismus einer brachial abkoppelnden Zukunft und Aussichten der Sterblichkeit am Dackel feststellt.

2. Wild – weil Nicolette Krebitz den deutschen Film als Entfesselungskünstler reevaluiert, der sich in der Tristesse sozialer Unangepasstheit einen Wolf fängt und aus der Kohärenz zwischen Mensch und Tier jede Stimmungsbiegung im Taumel eines Beton-Naturalismus aufs Maximum krasser Selbstständigkeit treibt.

1. Batman v Superman: Dawn of Justice – weil kein anderer Film dieses Jahr hitziger diskutiert wurde, kein anderes außer Zack Snyders überwucherndes US-Antihelden-Epos die brutale Spaltung an Weltordnungen und gefühlten Wahrheiten repräsentierte, mit seinen Maschinerien der Missgunst und Göttermythen des Misstrauens in die Tiefen des Terrors raste, traumatisierte und verwaiste Retter in Alpträumen aufeinander hetzte, die bebende Sucht nach einem Messias, aber vor allem die Wurzel des Mütterlichen als Dreh- und Angelpunkt zwischen Xenophobie und Einigkeit einsetzte, im Nachtfieber den Himmel sprengte, verbrannte wie wiederbelebte Leichen, Zepter und goldene Lassos als Überwindung einer möglichen Apokalypse ins digitale Nirwana klatschte und bei aller verrückten Finsternis auch noch so tolltreist räudige Phrasen überbordernder Symbolik ins Kanonenrohr der narrativen Klammer Bruce Waynes schoss, dass Batmans Kampf mit Aliens nur allzu sinnig und meine Nummer Eins wurde.



Da wir nun das Beste neueren Datums vorgestellt haben, gibt es natürlich noch eine Reihe an Werken der Vergangenheit zu würdigen, die sich in der Erstsichtung binnen 2016 zur verstärkten Sympathie meinerseits durchringen konnten, mich höchstgradig verstrahlten, umgarnten, einen an die Wahrheit im Gesicht bannten, dort einen Basketball hineinschleuderten, nach Fickereien riechen wollten, sich als Sternenstaub und Sklaven des Geldes erkannten, junge Mädchen durch Klingen schwingende Schimpansen retten ließen, einen Lambada-tanzenden Lehrer auf den Plan riefen, roten Qualm aus dem Schornstein schossen, Hundekot mampften, Alice Cooper zum Meister der Hunde kürten, Filme in Spiegeln abspielten, die Frittentorte aufrissen, einen Schulbus voller Kinder mit dem Truck zersiebten, tausend Schlangen vor der Kamera schlachteten, mit dem Segelboot die Elbe runter tuckerten, die Zukunft an China vergeben sahen, zudem bei China Blue vorstellig wurden, bei den Mongolen Adele coverten, Kokosnüsse und heiße Küsse in der Mambo-Bar abholten, der tollen Anne am Zelt ebenbürtiges Liedgut auf der Gitarre zuspielten, per Reality-TV das Familienidyll anzündeten, den Tod des Westens prognostizierten, sich schnarchende Puppen schenkten, mit Seide den Beischlaf erzwangen, der Bisexualität zum freien Flug verhalfen, die knirschende Stufe liebevoll als knirschende Stufe benannten, und und und...

Das nenne ich mal eine gewaltige Ladung Retro-Power für Gegenwartverdrossene, aufgepasst:

 
Die unglaubliche Geschichte des Mr.C“ (Jack Arnold, 1957)

Wilde Erdbeeren“ (Ingmar Bergman, 1957)

Der tödliche Freund“ (Wes Craven, 1986)

Atemlos“ (Jim McBride, 1983)

Die Angst des Tormanns beim Elfmeter“ (Wim Wenders, 1972)

Gesichter“ (John Cassavetes, 1968)

Phenomena“ (Dario Argento, 1985)

Zwischen Himmel und Hölle“ (Akira Kurosawa, 1963)

Sonne, Sand und heiße Schenkel“ (Silvio Amadio, 1975)

Pink Flamingos“ (John Waters, 1972)

Lambada – Heiß und Gefährlich“ (Joel Silberg, 1990)

Die weiße Bestie“ (Samuel Fuller, 1982)

Der Fluch der schwarzen Schwestern“ (Joseph W. Sarno, 1973)

Betrogen“ (Don Siegel, 1971)

Kantoku · Banzai!“ (Takeshi Kitano, 2007)

Raus aus Amal“ (Lukas Moodysson, 1998)

Monster Dog“ (Claudio Fragasso, 1984)

Entscheidung in Cartagena“ (Tommaso Dazzi, 1987)

Spetters – Knallhart und Romantisch“ (Paul Verhoeven, 1980)

Die Bettwurst“ (Rosa von Praunheim, 1971)

Wendy and Lucy“ (Kelly Reichardt, 2008)

Out Of The Blue“ (Dennis Hopper, 1980)

Calamity of Snakes“ (Chi Chang, 1982) 

Heaven's Gate – Das Tor zum Himmel“ (Michael Cimino, 1980)

Paul“ (Klaus Lemke, 1974)

Nordsee ist Mordsee“ (Hark Bohm, 1976)

Saya Zamurai“ (Hitoshi Matsumoto, 2010)

Gezeiten“ (Eberhard Fechner, 1970)

Life During Wartime“ (Todd Solondz, 2009)

China Blue bei Tag und Nacht“ (Ken Russell, 1984)

Kenny and Company“ (Don Coscarelli, 1976)

Dark Tide“ (John Stockwell, 2012)

Skiptrace“ (Renny Harlin, 2015)

Der Rosenkrieg“ (Danny DeVito, 1989)

Ist das Leben nicht schön?“ (Frank Capra, 1946)

Safe“ (Todd Haynes, 1995)

Der Tod kommt auf vier Pfoten“ (John Lafia, 1993)

Wegen Verführung Minderjähriger“ (Hermann Leitner, 1960)

In einem fremden Land“ (Hong Sang-soo, 2012)

Aus dem Leben gegriffen“ (Albert Brooks, 1979)

Gefährliches Dreieck“ (James Toback, 1983)

Die Blaue Stunde“ (Veit Harlan, 1953)

Barbara – Wild wie das Meer“ (Frank Wisbar, 1961)

Schamlos“ (Eddy Saller, 1968)

Both Ways“ (Jerry Douglas, 1975)

Surviving Christmas“ (Mike Mitchell, 2004)


Nun aber mal zu einem dicken Herzstück dieser Ausgabe, Jungs und Mädels:


Viele Kollegen haben sich darüber geäußert, manche eigentlich schon das ganze Jahr über, dass 2016 ein schlechtes Jahr fürs Medium Film und das Kino allgemein gewesen sei - vom Status der Sicherung des Filmerbes ganz zu schweigen (obgleich viele schöne Re-Issues erschienen). Und obwohl ich damit ein Stück weit konform gehe, die Balance aus Meisterwerken, sympathischen und interessant misslungenen Werken im Vergleich zur entbehrlichen Masse etwas zu schwach gewichtet sehe, wenn man z.B. 2015 daneben stellt, wäre ein Paukenschlag Richtung Kulturpessimismus dennoch fehl am Platze. Ausgerechnet in einem Jahr mit tendenziell pessimistischem und konfrontierendem Filmgut, dem Verlust von vielerlei Talenten, dem Filmdienst und weiterer von mir an dieser Stelle vergessener Ereignisse, gab es doch immer wieder Momente, die das Dickicht der Ungewissheit durchbrachen und seitdem deutlich helle in Erinnerung bleiben, so wie ich auch z.B. mit dem Sommer jedes Mal aufs Neue am Zenit stehe und hoffe, ewig währendes Glück zu empfangen, was dem Menschen im Zyklus der Erfahrungen eben nie und nimmer vergönnt wird, trotzdem zeitweise seinen Platz findet. Wie das eben schon früh mit der Sichtung von „The Hateful Eight“ anfing, stilecht in 70mm von der ersten Reihe des Savoy in Hamburg eingenommen, inklusive Ouvertüre und Pause aufs Spektakel der Kunst eingestiegen, nach dem ich sogar dank Yannic Sames im Vorführraum vorbeischauen konnte, wie die ganze Technik unter massiven Drehscheiben und Projektoren funktionierte. Dazu gab es Stories aus erster Hand, wie die analoge Maschinerie in den letzten Jahren be-/misshandelt und weggeworfen wurde, dieses Top-Gerät aber bis auf weiteres im Hause verbleiben wird. Der Gang zurück, über die Hinterhofstreppe bei leisem Schneefall, barg natürlich gleichsam die Mischung aus Melancholie und Kinozauber, wie es den Film an sich sowie die ganze Erfahrung drum herum unvergesslich gemacht hat. Ohnehin war das Miteinander in den Sälen und Foyers dieser Stadt immer wieder ein Ort heiterer und kurioser Diskussionen, selbst wenn man frühmorgens in der Presse so einen Mief wie Die 5. Welle aufgetischt bekam, beim Gespräch untereinander im Nachhinein aber auch gut herauskam, wie waffengeil das Gesehene eigentlich auf Kids Eindruck machen soll, womit man auch gestandene Kollegen noch überrascht. Es wurde sowieso das Jahr über oft politisch, gar marxistisch und antiamerikanisch argumentiert, Perspektiven zum Filmverständnis abgeglichen und bestritten, obgleich man nie persönlich wurde, im Gegenteil: Es wurde höchstens lamentiert, dass man nicht genug Zeit hätte, um noch weiter miteinander abzuhängen, wenn auch schon längst nicht mehr über den jeweiligen Film des Tages geredet wurde. Umso schöner, wenn die Agenturen Glühwein und Gebäck springen ließen, bei Sausage Party sogar Hot Dogs auftischten - die aber dank späten Ankommens nur kalt genossen werden konnten - oder bei Ghostbusters Donuts aufstellten, denn dann ist der Andrang immer nochmal größer und die Redseligkeit ebenbürtig im Aufschwung. Und bei einem großen Kritikertreffen war ich ohnehin noch eingeladen, da gab's mitgebrachte Delikatessen, Weißwein, Quizze der Filmkompetenz und sowieso stundenlange Gespräche unter Kollegen (die allesamt altersweiser sind als ich) bis in die frühen Morgenstunden hinein.


Könnte auf jeden Fall fast mithalten mit dem Jour Fixe des Filmclubs, den ich seit jenem Jahr einmal in der Woche besuche, wo unter den besten Buddies per Votum abgestimmt wird, welchen Film man in den Abend hinein schaut und reflektiert (z.B. „Die weiße Bestie“, „Wendy and Lucy“,„The Tribe“ oder „Paul“, bei dem ich mich mega besoffen hatte), obgleich das Schnacken im Vorn- und Nachhinein immer noch die Essenz schlechthin ergibt. Klar, in trauter Runde wird auch mal über einen schlechteren Film wie „Die Weissagung“ rüber gegackert und einmal ist auch einer der Jungs deswegen von der Gruppe frustriert weggestürmt, aber nichtsdestotrotz ist jenes reguläre Treffen ein Ort des Zusammenhalts und offener Worte, erhellend im Vergleichen und Weiterentwickeln filmischer Kompetenzen und einfach eine Gaudi unter lieben Leuten und deren Geschichten, bei denen sogar eine Sichtung meiner alten Schmach „Turbo Zombi – Tampons of the Dead“ mit warmen Worten abgeschlossen wurde. Soll übrigens nicht nach Angeberei und Werbung klingen, sondern höchstens zur Nachahmung anregen, was natürlich auch fürs Prinzip des Filmabends gilt, den ich an dieser Stelle ja schon oftmals erwähnt hatte und kontinuierlich reichlich Stoff für wöchentliche Besprechungen anbot. Zusammen mit Siegfried Bendix und Freunden drang ich da gerne mal mit bis an die sieben Filme pro Tag in die irrwitzigsten Bahnen des Zelluloids hinein, was Tolles, Erschreckendes und Hysterisches zutage förderte und Stück für Stück Retrospektiven erarbeitete, die in fabelhafter Verbundenheit Freundschaft und Film feierten, Insider formten und Streifenströme aufzogen, die uns dieses Jahr u.a. näher an John Waters, Todd Solondz, Paul Verhoeven, Wes Craven, Joel Silberg, Nicole Kidman, Klaus Lemke, Winona Ryder, Honk- und Räudenfilme und Co. gebracht hatten, als man es jemals auf eigene Faust so durchrocken könnte. Und das Schöne ist: In Zukunft geht das so weiter und wird garantiert auch auf unserer Facebook-Seite „Der Hund im Film“ umgesetzt, die Mr. B. Anfang Oktober initiierte und seitdem tagtäglich die goldigsten Screenshots zum Qualitätsgaranten Hund in allen Facetten unseres Lieblingsmediums aufzeigt. Das ist jetzt wirklich offiziell Eigenwerbung, von daher konzentrieren wir uns mal wieder auf Geschehnisse im Kino, wie die Gratis-Cinema zu jedem Sitz inklusive Bühnenauftritt von Chefredakteur Artur Jung beim Besuch von „Point Break“. Oder die Sichtung von Michael Bays „13 Hours“, bei der ich unter Einfluss meines abgefuckten Drehschwindels umso fiebriger ins Schwitzen kam, sobald da die Hände locker vom Arm runterhingen und ausbluteten. Zu ungefähr derselben Zeit schrieb ich über meine Erfahrungen (siehe hier) auch folgendes, als ich nach einigen Stationen der Behandlung „12 Uhr mittags“ im Metropolis sah:

Obwohl da in den ersten 10 Minuten irrtümlicherweise "Faustrecht der Prärie" lief, sodann für die eigentliche Vorstellung auf Digital umgesattelt werden musste, ein älterer Sitznachbar bei jedem Satz von Grace Kelly wie ein sexistischer Wicht zu prusten anfing und mein rechter Arm sich zudem noch vom Einstich der Kanüle per Muskelkater erholte, war es mir alles egal. Witzigerweise hat es Gary Cooper dabei auf der Leinwand nicht leichter, gedenkt sich dem Schergen Frank Miller (!) zu stellen, erhält allerdings keinerlei Hilfe von der Stadtgemeinschaft, für die er Jahrzehnte lang als Sheriff gedient hat - alle haben ihre nachvollziehbaren Gründe, doch die Verzweiflung unseres Helden der Rechtschaffenheit steht ihm mit wehmütigen Rhythmus von Dimitri Tiomkins Soundtrack ins Gesicht geschrieben; genauso die Abgeklärtheit, mit der er sich aus der Realität der Genügsamkeit verabschiedet und (beinahe) im Alleingang das schaffen muss, wofür ihm eigentlich genug Ressourcen zur Verfügung stehen dürften. Quasi ein in etwa misantrhopisches Happy-End, wenn man so sagen will (auch ein Abgesang auf einen oder mehrere Western-Mythen), zumindest eins, von dem aus es sich weiter Richtung Selbstbewusstsein blicken lässt (und nicht in einer haltlos starrköpfigen und destruktiven Art wie in "Ein Mann wie Sprengstoff", ebenfalls mit Cooper); Furcht konfrontiert und bezwungen werden kann, auch wenn es nicht als Sieg herausgestellt werden muss.


Zweifellos war die Zeit die härteste, die ich durchmachen musste, verbunden mit dem Stress einer Trennung und einer daraus schließenden, schwierigen Kommunikation im Vorn- wie Nachhinein, doch seitdem ist schon wieder eine Weile vergangen, alles auf eine Art vergeben und vergessen, aber die Details spare ich mir hier, kann man ja Woche für Woche nachlesen, wie's dem Witterich so erging. Menno, warum falle ich immer wieder aufs Private zurück, ich möchte doch für das Wesen Kino sprechen! Mal sehen, also, es gab da u.a. im oben erwähnten Metropolis wieder die eine oder andere Vorstellung Bizarre Cinema, die mit dem 10. Jubiläum dessen korrelierte und ein fesches Doppel aus „Die Todesgöttin des Liebescamps“ und „Söldner kennen keine Gnade“ in den Kosmos knallte, von dem ich hier ausgiebig berichten und Preise einheimsen durfte. Auch schön wars im Metropolis, als „Remake, Remix, Rip-Off“ von Cem Kaya vorgestellt wurde, welcher zudem persönlich anwesend war und im Anschluss noch stundenlang das Gespräch mit den Besuchern suchte, selbst nachdem wir dem Zeitplan wegen aus dem Saal raus mussten – da hatte sich dann in der Bar oben eine feine Traube an Talk-Stoff gebildet, bei welcher man einen so innigen Austausch an Erfahrungen zum türkischen Kino, Fördergremien und Co. erreichen konnte, bis ich noch das letzte Poster zum Film ergattern konnte, welches seitdem in meiner Wohnung hängt (fast alle Videos mit mir „On-Screen“ belegen das, obgleich jene Serie an Kamerabesprechungen ja nicht ganz so erfolgreich ausfiel). Hatte ich übrigens auch mal davon erzählt, dass ich auf einem Konzert von Hans Zimmer in der Barclaycardarena war? Ich möchte mal meinen, dass es unglaublich witzig war, ihn bei jedem Stück in Rockerpose zu sehen, gleichsam waren seine Solo-Violinisten Eye- und Ear-Candy der Extraklasse, doch des Zimmers Kompositionen auftürmender Tonleitern hauen ohne entsprechende Bilder nicht ganz so fantastisch hin, was immerhin dadurch kaschiert wurde, dass er alles andere als akzentfrei Anekdoten über „Gladiator“, die Scott-Brüder, Nolan und (besonders pathetisch) das Massaker von Aurora durchs Mikro gab. Der geborene Entertainer! Apropos Attentate, als am 22. März die Berichte über Terroranschläge in Brüssel eintrafen, war am selben Abend noch die Pressevorführung von „Batman v Superman“, die Verbindung an gemischten Gefühlen bleibt seitdem erst recht in Erinnerung, was sich bis Dezember fortsetzte, als ich eine PV vom Boston-Anschlags-Drama „Patriots Day“ ausfallen ließ, weil einen Tag zuvor Anis Amri in Berlin unterwegs war. Irgendwas war 2016 eben immer too soon, so nah und diffus man mit Leben und Leinwand umgehen musste, ein Trump vor Ende der Wahl schon beim Filmfest Hamburg (mein Artikel dazu) in der Doku „Weiner“ vorbeischaute, sein Sieg einen Tag vor der Bestätigung dessen schon im Traum eines Filmclub-Mitglieds vorausgesehen wurde, ohnehin stetig Wechselwirkungen der globalen Gegenwart mit der Präsenz und Aussage eines Films passierten („Warcraft“ z.B. kam da - wahrscheinlich auch ohne zeitnahen Kontext - mit einem faschistoiden Schluss daher), dass man sich bei einem beinahe eindeutigen Gewinner wie „Toni Erdmann“ schon wieder kollektiv entlastet fühlen konnte.


Sowieso, diese kleine Renaissance des deutschen Films hatte ja durchaus tolle Bahnen gezogen, wenn man vom just genannten Kandidaten auf weitere Highlights wie „Der Nachtmahr“, „Schau mich nicht so an“, „Wild“, „Der Bunker“, „Vor der Morgenröte“ und „Die Hände meiner Mutter“ blickt - ein Ensemble, das von alleine schon die Existenz des Kinojahrs 2016 rechtfertigt, obgleich viele dann doch eher meinten, das Geld in Netflix und Konsorten zu investieren. Ja, auch ich habe „Stranger Things“, „Game of Thrones 6“ und „Ich bin ein Star, holt mich hier raus!“ mehr oder weniger genossen, doch wenn mir die Tage über schon Zeit geschenkt wurde, hatte das Schreiben am Blog eher Priorität, was man denn von einzelnen Filmen hielt. Und da war die Auswahl keineswegs niedrig ausgefallen! Insgesamt habe ich das Jahr über nämlich an die 703 Filme gesehen, von denen 568 Erstsichtungen waren. Nicht übel, was da alles zusammenkommt und natürlich auch von einem Filmfest Hamburg massiv profitiert, dessen Vorteile und Irrwege ich hier ebenso blumig beschrieben habe, welche Kristen Stewart im Endeffekt gefühlt an die Spitze gesetzt sahen, wenn auch vor allem im Oktober, sogar schon im September Chaos und Erschöpfung pur angesagt waren, wie viele Filme man sich letztendlich einverleibt hatte. Schließlich gab es auch noch Halloween zu feiern und da hatten wir in meiner Bude eine Party veranstaltet, die nicht nur schicke rote Beleuchtung dank Halstücher und mit Rasierschaum eingesprühte Türklinken vorweisen konnte, sondern zudem noch eine besonders gruselige Entfernung von schwarzen Kontaktlinsen bereithielt und schließlich damit endete, dass einem unserer Gäste beinahe der Wagen abgeschleppt wurde – war eben auch stundenlang in einer Einfahrt eingeparkt! Ansonsten habe ich die meisten Horrorfilme, die dieses Jahr erschienen sind, wieder bewusst ignoriert, weil mein junges, schwaches Herz kaum noch die nächste, drohende Kanonade an Jumpscares ausstehen kann und deshalb schon vermeintlich geschickteren Scare-Tactics wie „Don't Breathe“ von Vornherein argwöhnisch gegenüber stehe. Der war im Endeffekt aber immerhin so groß und dumm wie die Teenage Mutant Ninja Turtles, die mit ihrem 2. Teil „Out of the Shadows“ flugs in Vergessenheit gerieten. Ehe sie ankamen, gab es aber noch einige unerwartete Hürden zu meistern. Bei der ersten PV, zu der auch normales Fußvolk, sprich Gewinnspielgewinner eingeladen waren, verzögerte sich die Projektion des Films kontinuierlich um mehrere Minuten, bis man knapp eine Stunde später nicht nur mit einem Eimer Popcorn vertröstet wurde, sondern im Endeffekt nach Hause gehen musste, weil die modernen Schikanen von wegen Projektor ohne Filmvorführer, zeitlich begrenzte oder falsche Keys zur Freischaltung, etc. wieder zugeschlagen hatten. Beim zweiten Termin klappte das Erscheinen der bislang untergetauchten Superkröten (wieder inklusive öffentlichem Foot-Clan) dann endlich, doch geholfen hat es nur bedingt, obgleich eine Szene, in der Will Arnett Kissen mit seiner heißen Luft drin zum Verkauf vorbereitet, mit zu den witzigsten des Jahres gehörte.


Apropos witzig, erinnert ihr euch noch an Independence Day: Wiederkehr und den besten Satz jedes Monologes: „Isch werde meinen Bruda wrächen!“? Oder an die furchtbaren SFX von „The Legend of Tarzan“ (Strichwort: Samuel L. Jackson und der afrikanische Strauß), die sich so irre mit der Wong-Kar-Wai-Hommage mancher Sequenzen bissen? Oder wisst ihr noch wie übelst konfus und hippelig die erste Hälfte von „Suicide Squad“ zuschlug, bis sich der Abspann mindestens ebenso fragwürdig mit einem Sternenhimmel im Hintergrund verabschiedete? Herr, überlasse David Ayer mal einen Final Cut! Wie toll dagegen die Pobacken von Emily Meade in „Nerve“ blitzten und Dave Franco wenige Minuten später eine Roy-Orbison-Nummer im Diner improvisierte! Mindestens so schick wie Shia LaBeoufs Rihanna-Interpretation im Supermarkt via „American Honey“, möchte ich da mal meinen. Habt ihr auch diesen Ami-Akzent Zac Efrons in der deutschen Synchro von „Mike and Dave Need Wedding Dates“ gehört, als er zu Anfang seinem Bruder aushilft, Alk zu verkaufen, was auf die Art inklusive Methodenentlarvung auch noch gelingt? Der Brüller! Oder wenn sich Oberräude Jonah Hill bei „War Dogs“ darüber beschwert, dass zu Weihnachten niemand zur Arbeit aufgetaucht ist und deswegen jeden feuern will? Ebenso nicht die Szene in „Ghostbusters“ vergessen, in der Chris Hemsworth dauernd das Häuschen hinter der Glasscheibe des Aquariums anzutippen versucht! Oder der Knüller, als die deutschen Untertitel von „Elle“ die Kreation „Tönt gut!“ erschuf! Kaum weniger witzig: Vince Vaughns Ballerorgie in „Hacksaw Ridge“, die er rückwärts unter Gebrüll durchzieht, während Andrew Garfield ihn mit einem Mantel als Liege vom Schlachtfeld transportiert! Ach herrje, es gab doch echt einiges zu lachen dieses Jahr, warum haben wir immer nur das Schlimmste von allem im Kopf? Tja, es ist halt nicht immer Kirschblüten und rote Bohnen angesagt... Weil ein Jahresrückblick wie dieser irgendwo auch eine Note Gehässigkeit mit sich führen muss, will ich deshalb jetzt auch mal Filme auflisten, die im Allgemeinen meiner Meinung nach einfach zu überschätzt waren oder schlicht enttäuschend ausfielen, obgleich sie durchaus noch Potenzial vorweisen können (manch einer mehr als der andere). Diese Beispiele sind also nicht unbedingt schlecht oder von mir verhasst, teilweise nicht mal negativ bewertet. Aber ihr wisst schon, wie ich das meine, ne, weil mein Anspruch halt so elitär ist, wa? Hat mit Hype zu tun, Sundance, Cannes, Critics Choice und wie sie nicht alle heißen. Manche von diesen verkappten Blendern haben sogar Chancen auf markante Preise, teilweise auch gewonnen, the oscars are calling. Aber...aber ich bin doch anderer Meinung!

Und damit seid ihr gemeint:

The Assassin“ - weil Hou Hsiao-Hsien jede Lebendigkeit des Easterns ins Schleichen forciert und Kadrierungen über die Sinnlichkeit seiner zwischenmenschlichen Impulse stellt.

Creed – Rocky's Legacy“ - weil trotz effektiver Montage und der herzzereißenden Brüchigkeit eines Krebs-Rocky ein allenfalls konventionelles Boxer-Drama im Legacyquel-Trend über bleibt.

Raum“ - weil die letzten Konsequenzen zur Ambition kindliche Perspektive fehlen und von überflüssigem externen Kitsch unterwandert werden, der zum Schluss hin zudem jede subtile Deutung des mütterlichen Wesens/Wachstums per Kamerakran kinotauglich verblassen lässt.

Deadpool“ - weil die angebliche Superheldengenre-Anarchie im Looney-Tunes-Plagiat aufdringlich und mit kleinstem gemeinsamen Nenner auf „Achtung, Ironie!“ macht, zeitgleich angepasst durch jede narrative Schlaftablette mäandert.

The First Avenger: Civil War“ - weil die blasse Serienstruktur jeden inszenatorischen Pfiff vermissen lässt, Konsequenzen ad infinitum verzögert und mit mutlosen Witzen schon an der Oberfläche des ideologischen Konflikts vorbei schrammt, weil die Masse an Kritikern dafür selbstverständlich das Prädikat FUN! ausgibt.

The Nice Guys“ - weil ein höchst austauschbarer Kriminalfall, streng homogenisierte Allgemeinplätze zum Oberbegriff „Die 70er“ sowie eine schlappe Dynamik an Buddy-Cop-Gags nur bedingt substanzielles Kurzweil aus dem Genre schöpfen, obgleich die kleine Angourie Rice mitten drin alle Flachköpper der Laufzeit wegfetzt.

Findet Dorie“ - weil sich jede Eigenständigkeit einer Franchise-Pflicht wegen mit der Wiederholung von „Findet Nemo“ arrangieren muss und in der simultanen Abarbeitung hektisch Herzblut verwässert.

Maggies Plan“ - weil Greta Gerwig mehr Topos als Charakter abgibt und das Noah-Baumbach-Imitat an Film ohnehin spekulative Bohème-Beziehungskisten seufzt, die genauso passiv am Zuschauer vorbeiziehen, wie sie im Spießer-Finale oberpeinliche Rom-Com-Sülze ballen.

Ghostbusters“ - weil trotz Kate McKinnon, Chris Hemsworth und Tanzeinlagen ein steifes Brett an übergrellen Impro-Nichtigkeiten, Wan-Tan-Running-Gags und Fanservice überhand nimmt, dessen Inszenierung, Charakterstärken und Narrativ wahren Esprit vermissen lassen.


Don't Breathe“ - weil sich das Geschick im Hausterror finsterer Ecken und zweckentfremdeter Utensilien vorzeitig von der Essenz der Angst verabschiedet und stumpfes Gross-Out mit überkandidelter „Alles-passt-zusammen“-Symbolik kreuzt.

Bad Moms“ - weil der kalkulierte Flachwitz-Konsens vorgibt, die feministische Katharsis zu fördern, dennoch im Familienspießertum deluxe zurück landet und Selbstwertgefühle abgedroschen as fuck konstruiert.

The Neon Demon“ - weil die Methodik des Nicolas Winding Refn vollends entschlüsselt ist, auf der plattesten Modeweltkritik herum schlendert (quasi „Showgirls“ ohne Exzess), mit Farben, Formen sowie einem Engel purer Schönheit nur halbgar zur Ekstase visuellen Erzählens kommt, wenn jeglicher innere Bezug ungenutzt bleibt, zeitgleich aufgedunsen wird, aber immerhin seine Augen komisch auskotzt und wiederkäut. 

Sausage Party – Es geht um die Wurst“ - weil sich geradezu jeder das laue Konzept des Films, seinen pubertären Humor, seine ironische Umkehrung von Animationsfilmmustern, seine Verarsche von Religionen, Geschlechtsteilen und Gesellschaftsstrukturen hätte ausdenken können.

Swiss Army Man“ - weil das Prinzen-Konzert auf der Tonspur nur eines der vielen Indie-Topoi abgibt, mit dem der Infantilismus hier seinen Pathos erhält, in der emotionalen Anbiederung zum Hyper-Kultpotenzial zwar keinen „Kung-Fury“-Level an Penetranz erreicht, allerdings allzu platt und ewiggestrig von einer magisch verstörten Menschenkenntnis voller Furz-Gags schwärmt.

Deepwater Horizon“ - weil trotz der Intensität der Desaster-Unausweichlichkeit ein manipulatives Heldendrama durchsickert, das per Blue-Collar-Sentimentalitäten rechts gegen globalistischen Einfluss tendiert und dafür auf simplistisch patriotische Knöpfe drückt.

Doctor Strange“ - weil sich mir die Magie blasser Gesamterscheinung, verschlissener Figurenkonstellationen, hinein gequetschter Kalauer und bemühter Retorten-Story nicht erschließt, lediglich in vereinzelter Fassung auf eine Varianz des Körperlichen und Übersinnlichen im Gewohnten hindeutet.

Arrival“ - weil der Nukleus behutsam erarbeiteter Kommunikation (inklusive sinnlich hallendem Vogelzwitschern) von seiner stoischen narrativen Klammer ins Säurefass emotionaler Heuchelei geschmissen wird und einige daneben gegriffene Plattitüden in den kalten Bilderband mit hinunter zieht.

Ach, liebste Amy Adams, von allen Filmen, die dir dieses Jahr Palindrome und mütterliche Ambivalenzen an die Figur und deren Umstände legten, war „Batman v Superman“ wohl echt noch der subtilste. Apropos, gab es diese Woche nicht sogar noch eine neue Kritik? Na aber hallo! Zudem noch zu einem Film, der sich glänzend in die just aufgezählte Reihe einordnen kann:




LA LA LAND - "Nach nicht mal drei Spielfilmen bekräftigt Damien Chazelle vollends seinen Status als jenes neue Wunderkind unter den Filmemachern, das seine Kunst als Zwang versteht. [...] Realität und Fantasie gehören in seiner Vision von Los Angeles ohnehin getrennt, unvermeidlich aufeinander aufgebaut und doch ein Kreislauf der Enttäuschungen, wenn beliebte Anlaufstellen des Showbiz hier erneut aufgewärmt werden, konstruiert platt auf die Vergänglichkeit der Ideale hinweisen [...] Den Film (durchzieht) eine Bitterkeit, die sich vor allem am (wohlgemerkt an erster Stelle eingeführten) Protagonisten Sebastian (Ryan Gosling) abzeichnet, der nach einem Intro ausgelassener Tanz-, Gesangs- und Steadicam-One-Shot-Freuden auf dem Freeway die Hupe durchdrückt, um auf der Straße wie im Leben endlich voranzukommen. [...] An einem kulturellen Schmelztiegel wie L.A. scheint der Film doch ein Stück weit zu verzweifeln, aiaiai. [...] Nostalgie, ach ja – inzwischen vielleicht ein inflationäres Marketing-Tool, für Chazelle trotz allem Pessimismus noch die profunde Schönheit schlechthin [...] Problematisch ist bei Chazelle dann allerdings das ultimative Einverständnis zur Entsagung, das sich mit den Verhältnissen zufriedengibt, obwohl das Herz blutet, als lebe man noch in Melodramen der vierziger Jahre. Nostalgie ist je nach Kontext eben auch nicht einwandfrei, erst recht bittersüß, wenn sich ein Chazelle am Zwang dazu verausgabt. [...]"


(Die komplette Kritik gibt es bei den DREI MUSCHELN zu lesen.)


Und weil es eben kein Yin ohne Yang gibt, möchte ich es auch nicht versäumen, die Filme aufzuzählen, die ich von allen an Schlimmsten in Erinnerung behalten werde, eben richtige Ärgernisse, mit denen man sicherlich eine Vielzahl guter Filmfreunde zur Weißglut treiben könnte, überraschenderweise aber teilweise doch als Höhepunkte verzeichnet wurden.

Kommt schon, mit diesem Bullshit ist doch nichts mehr anzufangen:

Triple 9“ - weil John Hillcoats standardisierte Gangster-Nummer Milieu und Ensemble zur Berechenbarkeit zwingt und Belanglosigkeiten auf behauptete Härten, Korruption und Intrigen der Straße streckt.

Ein Hologramm für den König“ - weil das Feelgood-Einmaleins ziellos auf der Stelle tritt, mit Zuckerguss und Stereotypen in einen bleiernen Selbstfindungstrip überläuft und sich darin mit nervtötender Romantisierung platt ausformuliert.

Hacksaw Ridge – Die Entscheidung“ - weil Mel Gibson das pazifistische Prinzip als explosive Horrorshow versteht, mit katholischem Blut-und-Boden-Pathos den Sieg gegen japanische Bestien einleitet und den Diskurs der Rules of Engagement vom menschlichen Verständnis gen Heimatkitsch abdriften lässt.

London Has Fallen“ - weil Trump-Anhänger, AfD'ler, Brexit-Homeboys und andere Faschos hier ihre ekelhaft pauschalisierende Action-Sause an Islamophobie, direkter Demokratie und jingoistischer Herrenmenschen-Geilheit erhalten.


Fucking Berlin“ - weil er dermaßen peinlich-prüde auf seine innere, tödlich-naive Stimme hört, dass er sich in der bemühten Kreuzung/Trivialisierung aus urbanem German-Indie-Gegenwartskino und „Berlin Tag und Nacht“ in die Nesseln setzt, vom Kinostart weg direkt ins DVD-Regal verbannt wurde.

The Purge: Election Year“ - weil sich die Horror-Variante des Präsidentschaftswahlkampfs auf stupide Eindeutigkeiten und penetrant antagonistische Karikaturen verlässt, in Gleichförmigkeit und Jumpscares kleben bleibt, jeden Ansatz filmischer Erzählung mit der Steinzeitkeule breitmatscht und das Ende der Gewalt vorbetet, während genüsslich Schädel zerschossen werden.

Mother“ - weil sich das einfallslose Prozedere merkbefreit-repetetiv um Geständnisse am Bett des Koma-Patienten bemüht und keinerlei Erkenntnisse daraus entwickelt, skurrile Nullcharaktere mit zynischer Gleichgültigkeit und weltfremden Dialogen um die Zuschauergunst betteln lässt, ein Musterbeispiel uninvolvierender Dumpfbacken-Mystery als Spannungsbogen benutzt, verstohlen um jedwede Sexualität herum hö-hö't, Themen der Dysfunktion einschläfert und von vollkommenen Desinteresse vonseiten der Filmemacher zeugt.

Motel Mist“ - weil sich diese prätentiöse Melange aus biederster Sexploitation und Slow Cinema als Feind der Lust offenbart, der sich jede freie Minute in offensichtlichen Symbolen und schwachbrüstigen Style-over-Substance-Szenarien übergibt, als sinnfreier Shion-Sono-Abklatsch nie zum Punkt kommt und eine ermüdende Folter sondergleichen abgibt, anhand derer die schlimmsten Klischees vom Feindbild Kunstgewerbe in amateurhafter Menschenkenntnis ausgewalzt werden.

Zum Abschluss:

Also dann, liebe Leser, das war also 2016, zumindest für mich, denn einige der aufgezählten Filme kommen jetzt erst in Kürze für alle raus. Mensch mensch, das könnte echt in Unmengen unkomplizierter sein, wenn ich nicht in Pressevorführungen eingeladen werden würde und von Vornherein mehr als jeder Normalsterbliche wüsste, doch so ist das nun mal - und angeben will ich damit schon mal gar nicht, soviel sollte ja wohl herauszulesen sein, harhar! Herrje, klingt so, als ob mir von gestern noch ein bisschen Restblut im Alkohol hängengeblieben ist, da war das Feiern wohl größer als der Magen, hoppala...WITZIG! Wie dem auch sei, möchte ich euch allen da draußen danken, dass wir zusammen das Jahr 2016 überleben konnten, trotz aller Schwierigkeiten und Sorgen beachtlich viele Stunden der Güte, Freude, Narrenfreiheit und Ergriffenheit untereinander erlebten, was sich natürlich nicht nur am Besten der Leinwand wiederspiegelt, sondern eben auch an den Menschen, die man liebt und achtet (ihr wisst, wer ihr seid - und wenn nicht, werdet ihr vielleicht ganz doll überrascht sein, dass ihr es seid!). Ganz gleich, welche Seite der Medaille man nun vorzieht, jenes Schätzlein Leben bleibt und bleibt und bleibt...in Kontakt miteinander, in guten wie in schlechten Zeiten. Alter, ist mit solch eher kitschigen Zeilen Menschen geholfen, die sich vielleicht erhellendere Erkenntnisse von meinem Räudenblog erhofft hatten? Nun, ich möchte mal davon ausgehen, dass dieser mein einzelner Beitrag zum Neujahr mindestens auch nur das Quäntchen einer Wirkung haben könnte, deshalb ein Wunsch meinerseits in bewährter Kettensatzform zum Schluss: Seid gut zueinander und aufeinander, lebt mütterlich, väterlich, brüderlich, schwesterlich und meinetwegen gleichsam narrativ/ideologisch mehrdeutig auf diesem Globus, denkt nicht soviel nach oder mehr denn je, setzt euch für den Weltfrieden ein und bekämpft das Böse, kauft euch schicke Sachen ein und besinnt euch zur Natur zurück, haltet euch wacker in eurer Würde und gebt Unbekannten in den sozialen Netzwerken ordentlich Kontra, etc., etc. Noch leben wir die Widersprüche wie ein waschechter Mishima, entweder wir machen was draus oder wir gehen daran zugrunde - weiß da wer schon was, also abgesehen von Fox?

Ich freue mich jedenfalls mindestens auf:

Justice League, Wonder Woman, Shin Godzilla, Altar Rock, Bibi und Tina – Tohuwabohu total, Transformers: The Last Knight, Pitch Perfect 3, Power Rangers, Fast and Furious 8, Eli Roth's Death Wish, Logan, Alien: Covenant, A Cure for Wellness, Die Taschendiebin, xXx 3, Jackie, Resident Evil: The Final Chapter, Bailey – Ein Freund fürs Leben, (Re) Assignment, The Beguiled, Valerian – Die Stadt der Tausend Planeten, Kingsman 2, Star Wars 8, Song to Song, Split, Wonderstruck, The Commuter, Thelma

Auf geht's!

Sonntag, 27. November 2016

Tipps vom 21.11. - 27.11.2016

Lliebe Lleser,
einen frohen 1. Advent wünsche ich! Das nenn ich mal eine schöne Aussicht, freut mich, dass ihr wieder so zahlreich am Start seid, wie geht's der Sippe? Macht's euch gemütlich, es sind noch Plätze frei! Ok, kennt jeder das Passwort? Gut, dann alle zusammen: Oy, was für eine Woche! Perfekt, haben wir den ganzen Kram schon mal erledigt. Nun denn, Zeit für Fil... oh, ihr wollt wissen, wie's mir seit letzter Ausgabe ergangen ist? Ach, eigentlich nicht der Rede wert, lief soweit alles tatsächlich ganz gut, also beruflich zumindest, schön einige neue Aufträge erhalten und wiederum einige alte erledigt, da mach ich mir gerade keine Sorgen. Zwischendurch gab es ohnehin noch allerhand zu tun, ein Tag mit Kino, Bücherhalle und Bäcker war auch wieder drin, am ehesten kann ich mich nur über meine Schlafrhythmen beschweren, man, was hatte ich da Freitag für ein Matschauge von. Hat sich inzwischen aber auch eingepegelt, keine Sorge. Und hey, wisst ihr, was ich mir ebenso gegönnt habe, weil mir wieder eingefallen ist, dass ich einen Toaster habe? Toastbrot! Dazu Leberwurst und Käse, wobei ich dieses Meistergericht nach dem Aufstrich immer nochmal kurz in die Mikrowelle stecke, damit ich so einen Pseudo-Grilled-Cheese erhalte. Aufregende Sache, nicht wahr? Und kennt ihr schon diese alte Telefonstreichgruppe The Jerky Guys aus den 90ern? Der Brüller, ich sag's euch! Oh, Fidel Castro und David Hamilton sind gestorben, das nenn ich mal...tragisch? Ich verlier da langsam den Überblick. Was ich aber weiß, ist, dass „Les Démons“ - ihr wisst schon, dieser eine Liebling meinerseits vom Filmfest Hamburg 2015 -, zu Weihnachten hierzulande endlich erscheint. Zwar nur als DVD, aber besser als nix, nicht wahr? Verflixt, jetzt sind wir doch schon beim Thema angekommen - aber gut, halten wir uns nicht selber auf, Politik besprechen wir später, in Ordnung? Gut, also fünf große Brummer stehen heute auf dem Plan, die könnt ihr nach diesen ersten Abschnitten wie gehabt meinetwegen sofort zentriert ins Auge fassen. Doch wenn ihr so lieb sein wollt, lasst uns kurz auch derer gedenken, die es trotz guter Ansätze aus welchen Gründen auch immer nicht geschafft haben, einen dicken, kritischen Text aus mir herauszukitzeln.


Nun bin ich mir sicher, ihr kennt alle Air Bud, oder? Wie der Zufall so will, hatte Smugfilm.com diese Woche einen Audiokommentar zum dritten Teil, „Air Bud 3 - Ein Hund für alle Bälle“, geschaltet und ich musste mich einfach damit beschäftigen, ohne extra noch die vorherigen Teile zu verinnerlichen. Kommt schon, soviel Zeit hab ich auch nicht immer. Der sportliche Streuner macht hier jedenfalls beim Fußball mit, so selbstverständlich wie alle erwartbaren Zutaten eines Hundefilms mit solch austauschbaren Prämissen. Interessant ist da vor allem, dass Bud sich in eine Dame seiner Spezies verliebt, zeitgleich aber auch dem Herrchen Josh sein Herz flattert. Die parallelen Verläufe von Mensch- und Hundeleben spielen sich hier einige gute Partien zu, so honkig hingegen auch auf dem Rasen gebolzt wird und was sich da an Screenshots ergeben hat, kann man sich wahrscheinlich auch gut vorstellen. Ein Blick auf die Hund-im-Film-Seite auf Facebook befriedigt da jede Neugier, möchte ich nochmal betonen! Und wer auf trockenen, unbedarften Humor steht, sollte sich natürlich auch die Zeit nehmen, den erwähnten Audiokommentar von Cody Clarke als Beilage zum Laufen zu bringen, ich hab mich kräftig amüsiert! So, dann hatte ich noch eine Begegnung mit „My Blue Heaven - Das Schlitzohr von der Mafia“, den ich mir hauptsächlich angeschafft hatte, um ein Werk mehr aus den Filmographien von Steve Martin und Rick Moranis abzuhaken. Zudem kommt dieser Film vom „Footloose“-Ass Herbert Ross angetanzt und besitzt wohl allein deshalb schon einige verlängerte Dancefloor-Choreographien, obgleich der Hauptfokus darauf liegt, wie FBI-Agent Barney Coopersmith (Moranis) versucht, den Mafia-Schergen Vincent Antonelli (Steve Martin, dessen Rolle wie in „Good Fellas“ auf Henry Hill basiert) lebendig durchs Zeugenschutzprogramm zu bringen, selbst wenn letzterer nur bedingt die Fassade aufrecht erhält, kriminelle Machenschaften en masse unter der Hand ausführt und trotzdem ein liebenswertes Milieu-Kuriosum abgibt. Schließlich muss man der lokalen Gesetzeshüterin Hannah Stubbs (Joan Cusack) ein bisschen Honig um den Mund schmieren, wesshalb sich freche Töne durchweg als sensible Samariter ausgeben, der neurotische Barney anhand des Mob-Lifestyles zudem noch eine Auflockerung erhält, die dramaturgisch einige Zwischenstopps in Kauf nimmt, aber mit sympatischen Resultaten und zündenden Witzen aus der Affäre zieht, wo ein „Reine Nervensache 2“ Krätze satt ergab.


Dann gab es da noch Andrew Niccols „Good Kill - Tod aus der Luft“. Nun bin ich bei dem Regisseur inzwischen so weit, nicht mehr zu erwarten, doch die Prämisse um den inneren Zwiespalt eines Kampfdrohnenpiloten namens Major Tom (Ethan Hawke, ohne Scheiß) versprach zumindest einiges Potenzial von den grundlegenden Konflikten her. Die steigende Anzahl an ultraplatten Erklärungsphasen und repetitiven Szenarien vor dem taktischen Display im Militärkomplex binnen Las Vegas machte jedoch allzu bald deutlich, dass diese Variante von Niccols Truman-Show-Paranoia nicht über den basischen Diskurs hinauskommen wird. Die Spannweite an Emotionen muss sich dementsprechend mit gerafften Statements, stupiden Grundsatzphrasen und stilisierten Bildern zu melodramatischer Musikuntermalung zufriedengeben, wo eigentlich eine kühle Ermattung per Schock und Trauma angebracht wäre, diese stattdessen jedoch in Allgemeinplätzen dysfunktionalen Familienlebens adaptiert wird. Und wenn das schon nicht standardisiert genug wäre, spielt die moralisch korrupte Regierung auch wieder mit, unschuldige Zivilisten in den Anti-Terror-Krieg mit hineinzuziehen, während ein von unserer Crew beobachteter, mehrfacher Vergewaltiger unversehrt davonkommt. „Leider nicht unser Scheißkerl“, oder auch gleich „Thanks, Obama!“. Die Schlussphase dazu, in der dann endlich das Richtige getan wird, zieht dem Ganzen erst recht die Schuhe aus, wie assig dieser Film seiner eigenen kritischen Moral ein Bein stellt. Zum Trost ist immerhin Zoë Kravitz bei allem zugegen. Besser schnitt dagegen der unterhaltsame B-Horror „The Evil Force - Böse Mächte“ ab, der als Roger-Corman-Produktion von James Cotten entsprechend einfache Muster verfolgt, um jugendliche Stereotypen der frühen 2000er mit Texteinblendungen wie The Goth, The Bitch, The Bitch's Friend, The Punk oder The Brotha in ein spukendes Gemäuer einzuladen. Mit der absurden Menge an beknacktem Nu-Metal und Ghetto-Slang mochte ich mich da eher anfreunden als mit „Königin der Verdammten“, so wie hier zumindest ein charakterliches Kennenlernen auf geerdeter Basis stattfinden durfte, die derben Atzen und Miezen mit ihrem sozialen Status ohnehin greifbarere Persönlichkeit ausstrahlen und kontinuierlich vom dämonischen Mysterium um sie herum Kenntnis nehmen. Der Anlauf Richtung Finale macht dann auch einiges an stockendem Tempo mit blutigen Schauwerten gut, sowieso gibt's durchweg reichhaltigen Trottel-Faktor und Bitch-Beef oben drauf, wenn die Stumpfnasen zur Selbsterkenntnis gelangen, welche zudem satanische Reinkarnationen aus geheimnisvollen Büchern schneidet, ehe unser Breakfast-Horror-Club klerikale Anti-Flüchen üben muss. Boo-yah, mit Betonung auf Boo, um es mit den Worten von „Ghostbusters 2016“ zu sagen. Apropos Comedy-Klassiker, ich hatte diese Woche noch den sehr schönen „Schmeiß die Mama aus dem Zug“ von Danny DeVito gesehen, aber ganz der Ausgangslage jenes Films angepasst, habe ich da eine gewisse Schreibblockade, was wohl am Billy-Crystal-Overkill der letzten Wochen liegen könnte, oder aber eher an der Tatsache, dass es sich wiederum um eine Komödie handelt, deren Witze und Konstellationen live erlebt statt erklärt gehören. Auf jeden Fall kann DeVito als Regisseur hier schon die komische Virtuosität antesten, die er im „Rosenkrieg“schließlich zur Höchstform pushen würde, wobei sein Schlagabtausch mit Crystal sowie deren unbeholfen ausgeführte Fantasien des arrangierten Doppelmords den Nukleus an Kurzweil schlechthin ergeben. Das kommt so gelungen und für den Zuschauer frustfrei-aberwitzig an, dass ich nicht umhin kann, meinen Segen auszusprechen und darüber hinaus nichts weiter zu erläutern, da ich sehe, wie nahe wir dem Hauptteil unserer heutigen Ausgabe schon stehen. Ah, meine Neurosen! Also dann, gehen wir es an, ich wünsche viel Spaß und gute (Weiter-)Empfehlung!




Solch ein Wiedersehen mit John Stockwell hätte man jetzt nicht erwartet, oder? So als Ringleader für die Neuverfilmung „Kickboxer: Die Vergeltung“? Er selbst versteht die ganze Aufregung ebenso nicht. Im Gegenteil, er macht sich wie gewohnt relaxed an das direkt aus den Achtzigern stammende Actionszenario heran, welches dem initiierten Starrummel um Jean-Claude Van Damme einiges an Kultstatus verlieh. In diesem Sinne ist jener Herr wieder mit von der Partie, avanciert als Muay-Thai-Trainer Durand jedoch zum geschmeidigen Bengel, der aufpasst, dass sein toller Hut nach jedem Gerangel stets galant auf dem Haupthaar zurück landet. Da hat man seinen Spaß dran, wie ohnehin viele lebhafte Auflockerungen binnen der ruppigen Martial-Arts-Rache ihre Aufwartung machen, schon zu Beginn dort eine Männer-Freundschaft etablieren, wo Kurt Sloane (Alain Moussi) eigentlich einen Beweis der Kernigkeit erfüllen soll. Letzteres schafft er ohnehin mit links, also warum das farbige Ambiente Thailands drum herum gleich schwarz-weiß malen? Der Antagonist Tong Po (Dave Bautista) sowie seine widersprüchlichen Auffassungen von Mut und Ehre melden sich schon früh genug im knapp 90-minütigen Prozedere, bis dahin versteht sich Stockwell via abgerundeter Kohärenz in eine beständige Transferleistung an Kicks, Schlägen und zwischenmenschlichen Sehnsüchten hinein zu murmeln. Die braucht sich dann auch nicht mit dem Pathos eines „Warrior“ an den Zuschauer klammern, vielmehr schaut man dem fließenden Strom so zu, wie man ihm auch in der Natur begegnen wollen würde. Ähnlich der Ruhe gegenüber einem krachenden Wasserfall gibt sich der Kampfgeist somit als Vergeltungsmaßnahme für den Mord an Kurts Bruder Eric (Darren Shahlavi, R.I.P.) binnen einer Dynamik, die ihre Topoi und Storyline bewusst reiterierend auffängt, wie aus einem Guss sodann wenig Erklärungsbedarf verlangt, wieso Kurt vom spritzenden Bruderblut aus in die tropische Trainingsphase Richtung Gerechtigkeit gerät.


Die bestätigt ihr Dasein ohnehin mit dem höchsten Unterhaltungsfaktor, inwiefern Durand Montagen des Muskelaufbaus mit Kokosnüssen, nächtlichen Überfällen, Kneipenkloppereien, plötzlichem Regen und Zen-geschultem Oben-Ohne-Schlagabtausch motiviert. Die ortsansässige Kommissarin/Muse Siu (Sara Malakul Lane) kommt da ebenso aufreizend geschnitten ins Spiel, obwohl sie Kurt als Voice of Reason noch aus dem ganzen Schlamassel heraushalten will, vor jedem illegalen Match mit einem Dutzend Dienstfahrzeugen vorfährt. Tong Pos Leute funken dabei zwar ebenso ständig dazwischen, unterschätzen jedoch Kurts Spagat im Kampfgetümmel auf den Rücken von Elefanten, verzweifeln zudem schon an der alten Glasscheibentransport-Nummer. Diese Old-School-Selbstverständlichkeiten laden dann auch schlicht wie bestimmt zum Showdown von über 20 Minuten Länge ein, der sich weniger durch dramatisierte Pointen hervortut, als dass er sein Schauspiel harter Knochenschläge zur stringenten Gewaltenteilung stilisiert. Die scheint sich wie eine Blüte zu öffnen, wenn kontinuierlich mehr Blut fließt, umso schockierendere Ausmaße in der Beigabe von Glassplittern am Faustverband annimmt, obwohl die Vorlage über diesen Verlauf schon genügend Auskunft gegeben hat. Manche hier gezeigten tollen Kampfsporttricks kannte diese aber noch nicht, geschweige denn Stockwells Ansatz eleganter Wut, der das Genre zwar nicht gerade umzukrempeln versucht, doch zumindest vom zunehmenden Zynismus dessen fernab auf Herzensangelegenheiten hinweist, die einfach mal einen Gang zurückschalten und Sympathie per Leichtigkeit erringen wollen. Ein Lernprozess, der sich ganz logisch aus dem vermeintlich unvermeidlichen Genickbruch der Genre-Standards lösen kann. Nebendarstellerin Gina Carano hätte man in jener autodidaktischen Befreiung aber wenigstens auch noch eine Kampfszene gönnen können.




Dieser schön schmierige Film von Ernst R. von Theumer scheint seinerzeit gut herumgekommen zu sein, wenn man die Menge seiner zur Verfügung stehenden Titel bedenkt, mit denen er einigermaßen kulturelle Aneignung betrieb. Schließlich ergeben herumziehende Zigeuner den zentralen Diskussionspunkt im Narrativ, welches sich als Drama voller Exploitation in die moralische Verwahrlosung der Wiesen/Täler um Kitzbühel begibt und sogar so reißerisch vonstatten geht, dass der späte Alternativtitel „Der Irre vom Zombiehof“ beinahe repräsentativ wirkt. Getauft wurde das Werk jedoch schon als „Die Totenschmecker“, was einen nur bedingt auf die bitteren Zustände vorbereiten kann, die aus der ursprünglichen Heimatidylle seinerseits eine ethisch-implodierende Apokalypse erschaffen – der „Sternsteinhof“ lässt grüßen. Der Ursprung dafür liegt in einer Bauernfamilie, welche sich selbst sowie die Jüngste, Anna (Maria Beck), mit provinziellen Regelmäßigkeiten zu Geschlechterrollen, Xenophobie und schierer Dummheit füttert, während alle empathischen Funktionen - mal abgesehen vom etwas grundgütigeren Onkel Kurt (Herb Andress) - wie ausgeschaltet scheinen. Die kranke Großmutter (Claudia Bethge) z.B. vegetiert von ihrer eigenen Brut abgeschirmt in einer Hütte auf dem Hof dahin, kriegt im todschwarzen Gewand höchstens Besuch von Anna und deren Mutter Magd Rosa (Lore Graf), welche wiederum noch immer drauf zu warten hat, dass der grobe Felix (William Berger, tatsächlich mal im O-Ton zu hören) sie ehelicht, weshalb ihr Kind weiterhin als Bastard bekannt ist. Aber alles wird gut, so heißt es, sobald der Hof beerbt wird – von wem, steht binnen des unterschwelligen Konkurrenzdenkens allerdings noch aus. Bis dahin regiert der rustikale Vater der Boys (Peter Jacob), der als Oberhaupt natürlich jede konservative Brutalität schlechthin drauf hat und diese auch ausüben kann, wenn sich der geistig behinderte Filius Franz (Claus Fuchs) wieder mal an jemandem vergeht.


Verständnislosigkeit per Lederriemen ist dann angesagt - die Didaktik des Hasses schlägt um sich und blubbert auch auf der Tonspur à la „Buio Omega“ in Richtung zeitgenössischen Horrors herum, welcher sich zu ideal in den engen Mauern des urtümlich grellen Alpen-Kitsches abspielt. Die allzu reelle Sprache des Rassismus kommt da ebenso zur Geltung, doch Anna legt die Schmählieder schnell ab, sobald sie den knapp gleichaltrigen Joschi (Sony Kaikoni) sowie seine Verwandten vom Wohnwagen am See kennen und lieben lernt. Sie kann allerdings auch nicht verhindern, dass sich aus dem einfachen Wunsch nach Milch extreme Spannungen zwischen den Welten ergeben, sobald Franz eine der armen Damen tötet, sein Vater und die Brüder dieses sodann mit weiteren Morden zu vertuschen versuchen. Die Bestien meucheln und lügen dann soweit in ihrem heimeligen Kostüm, dass Rosa zum Schutz dieser sichtbar verzweifelt ebenso rassistische Neigungen über den Hof schreien muss, als die Männer der Sippe ankommen und zeitgleich mit dem Aufwind der Natur das Unheil offenbaren. Die Leichen türmen sich da schon zur Halbzeit in eine Eskalation, bei der auch die Großmütter beider Seiten durch die Hand der teutonischen Feiglinge sterben. Anstelle von Schuldgeständnissen wird sich dann auch immer tiefer in Lügen und Grausamkeiten gegraben; die Spannungskurve bleibt zudem stabil steil in der Bildsprache eines schäbigen Thrillers, der sich für kein Extrem zu schade ist und knalliges Blut über die Provinz-Visagen verteilt. Ob nun leuchtender Tannenwald oder mistiger Kuhstall: Der White Trash giftet gleichermaßen auf ranzigem Niveau um die Wette, kriegt da aber noch à la Edgar Allan Poe die Rache des Gewissens unter den Tönen Joschis hallender Geige zu spüren. Stiegl-Bier zur Verdrängung saufen, Feuer der Beweisbeseitigung und versehentlichen Blindheit wegen legen, Heugabeln in die Gurgel schießen: Was unter diesen Maßnahmen noch menschlich übrig bleibt, ist gewiss nicht zum Feiern zumute. Von Theumer konnte daraus immerhin eine Treibjagd ballern, die in ihrer Großspurigkeit echtes Entsetzen aus dem Tiroler Alpenland durchsickern lässt.




Eddy Saller, das war einer, sag ich dir – hat via „Schamlos“ anno 1968 die „Missachtung der menschlichen Kreatur dieser Tage“ in Österreich als monochromes Feuerwerk programmiert, welches aus der moralischen Abschreckung eher eine Anlaufstelle bombastischer Enthemmung ergab. Um alles Nennenswerte darüber loszuwerden, muss daher auch eine Extrawurst an Text nun vorstellig werden. Losgelöster als Sallers etwas beschränkte „Geißel des Fleisches“ (1965) steigert sich dieser Film also in den Moloch hinein, bietet allein anhand der Spruchdichte ein geballtes Aufgebot an Unterweltjargon, das im Lexikon folglich unter anderem auch Attentate und Striptease im laufenden Wechseltempo nebeneinander aufführt. In der Praxis setzen sich natürlich mehrere griffige Begriffe durch, dazu laden entsprechende Kulissen mit visueller Begleitung ein, wenn die finsteren Edel-Kabuffs Drinks und Teppiche zum Flachlegen verlosen, per Qualm das Nachtleben ankündigen sowie mit Pelz und Perlen aufgeilen – ganz gleich, wie wörtlich man diese definiert. Mitten drin: Alexander Pohlmann (Udo Kier, blutjung), gerade mal an die 20 und schon der Terror der Stadt, hält er diese doch mit Sonnenbrille und abgebrochenen Flaschenhälsen in Schacht – Handlanger Peitschen-Frankie (Edgar Wenzel) macht dazu seinem Namen alle Ehre. Für Rivale Richard Kowalski (Rolf Eden) ist der junge Sportsfreund noch eine kleine Nummer, doch die überlebensgroße Präsenz vonseiten der Inszenierung geht an ihm nicht allzu lange vorbei, auf dass er schon breitere Sonnenbrillen aus dem Etui anleiern muss. Size does matter – aber apropos: Wenn man einen Film an der Qualität seiner gezeigten Brüste messen müsste, wäre mit Nummerngirl Annabella (Marina Paal) schon die Höchstwertung erreicht. Fleisch allein wäre aber nicht die feine englische, weshalb sie auf dem gefühlten Siegerpodest des Films dann doch alle Medaillen umgehangen bekommen dürfte. Ihr Wesen hat es einfach drauf und reißt alles auf, dass die Kunstform Frau im Narrativ als wichtigste Ware unterwegs sein wird, selbst in Stellvertretung durch Dias allen die Show sowie vom Naturgesetz her alle Herzen stiehlt – trotz begrenztem Schauspieltalents.


Klar, das Östrogen wird dabei dem Umfeld gemäß vom Willen der Kerle abgehängt, doch genau diese Ketten an „üblen Schweinereien“ verketten schließlich einen Tod nach dem anderen, wenn jeder jedem einen Riegel vor den „steilen Zahn“ vorschiebt. Gleichsam bricht Annabella auf Berufswegen den fetzigen Wortschatz des feministischen Widerstandes vom Zaun, ehe im gemieteten Wohnwagen-Betrieb gehörig gehurt wird und sie dabei ungefähr so oft das Wort „Baby“ zu hören bekommt, wie frühere Landsfrauen in „Wegen Verführung Minderjähriger“. Das Aufmischen snobbistischer Restaurants gehört bei ihr zum Tagespensum ebenso dazu wie es jeder gute Film halten sollte, dabei sucht sie sich dann auch vor Ort den Schauspieler Hohenberg (Louis Soldan) der Karriere wegen aus, obwohl dieser als Kokser und Homosexueller wenig mit ihr anfangen dürfte. Sie will es trotzdem wissen und sucht auf Hochtouren nach der Liaison, parallel dazu verkehren die Zooms und Schwenks so schnell wie die Karren vor der Linse, was die Fäuste unter dem Motto „Lass dir lieber die Perücke stutzen“ ebenso zum Überholtempo anregt und gleich danach binnen des Nutten-Campings in Action umgesetzt wird - den Seidenkissen fürs flotte Petting sei Dank. Was hier überhaupt an verdorbenem Pomp abgeht; siehe insofern das Statement in Kowalskis Playboy-Domizil, das gleich firmeneigen mitten im Schrottplatz-Mief installiert steht - da kommt zusammen, was zusammen gehört, Abschaum höchster Güte in eingefickter Monetenmenge. Kein Wunder, dass man mehr Lampen statt Tageslicht sieht, aber ist ja nix Neues: Die Dunkelheit ist dem Kino sein bester Liebhaber, in diesem Film erst recht mehr als nur ein ONS. Nicht, dass die Tristesse zu lichter Stunde an Reiz verliert, eben Marke Kraftwerk, Pfützenschleim, Kargebaum und Co. hervorhebt sowie besonders gern die Dresche unter Wohnwagen-Gästen beleuchtet. Annabella mischt sich da ja ebenso fix unter die Sonne und lutscht auf dem Wochenmarkt spontane Bananen ab, die ihrer Verführungskunst zum psychedelisch-delikaten Sit-In auf dem LKW-Anhänger verfallen.


Ihr dort arbeitender Vater Guido Romanelli (Vladimir Medar) hat da aber auch noch ein Wörtchen mitzureden. Der ist als Papa mit der besonderen Note „Porca Miseria“ inklusive formatfüllendem Bart gekennzeichnet - ein forsches Ekel alter Regeln, mit der Jugend auf Kriegsfuß und doch in der Sorge zur Tochter der schweren Verletzbarkeit seiner selbst fähig, wie es im Endeffekt jedem Herren hier ergeht. Der Beweis folgt auch bald im Schicksalsschlag: Der Mord an Annabella, die Gerichtsverhandlung zur Tat, der Freispruch für Hohenberg und alles dazwischen ereignen sich im fiebrigen Raffer zu moderater Klaviatur, doch jene Sprintmontage ist erst der Anfang. So wird die gute Frau über den Tod hinaus weiterhin anhand ihrer Dias zum Treibstoff für Grabscher, feierndes junges Blut und furchtbare Beat-Bands, unter deren Zeitgeist auf demselben Grundstück sodann mittelalterliche Gemäuer zu einem Gericht nach Hexenjagd-Manier umfunktioniert werden. Pohlmann will nämlich den wahren Mörder ausfindig machen, lässt da zusammen mit Papa Romanelli und weiteren Spießgesellen unfreiwillige Zeugen vorladen. Die Beihilfe von stilechten Zelluloid-Verschleißspuren ist da nur sinnig, wenn sich die erwachsene Wut und Selbstjustiz ein hitziges Nebeneinander zeitloser Kontraste mit den unbedarft jugendlichen Happenings erlauben, Glitzerdamen im keimigen Gewölbe Spirituosen servieren. Da darf man Annabella vor dem eigenen Vater auch als Sexbombe ausweisen, um dessen Verdächtigungen zu bestätigen, doch ausgerechnet das Verbrechen scheut sich nicht vor den wahren Hintergründen. Der Druck zum Ausdruck liegt dabei auch auf Pohlmann, seinen Geschäften und Gefühlen: So muss er das Gericht vollziehen, zeitgleich Kowalskis Leute ausschalten, die eigene Trauer überwinden und trotzdem durchweg Stärke zeigen – genauso krass verdichtet die Inszenierung ihre Schauplätze, steigenden Kämpfe und Emotionen, auf dass sich die Lösungen vielleicht nicht verkomplizieren, aber durchaus verhärten.


Dazu wird die Lebhaftigkeit der Dias wie die Erinnerungen zur Person Isabellas in Pohlmanns Kopf wiederholt, zudem seine Sehnsucht nach einer Liebe, die er nicht aufbringen konnte und nie mehr bekommen wird. Im Zuge dessen macht sie sich auch noch rückwirkend per Schmalfilm unsterblich, wenn sie sich auch der Vergänglichkeit eines unliebsamen Verbrecherzirkels preisgab, den sie damit zu erpressen versuchte. Wie kommen diese ganzen Komplexe schließlich doch noch zur Unmittelbarkeit des Sleaze? Nun, da gäbe es z.B. einen Ausschnitt aus Annabellas wilden Tagen als Fleischbeilage zum Rieseneierkuchen – eine Aktionskunst dadaistischer Endzeit, die im frivolen Wahnsinn mit Mehl um sich wirft, experimentell montiert für spontan schallendes Hirnbluten sorgt. Daraufhin melden sich noch markige Gangsterphrasen von Typen wie Mike an, die das Blei am fingierten Gericht der Gesetzlosen entlang strahlen. Wenn sich dann die beliebten Elemente Glasgeschlitze, Katakombenkloppe und schicker Rauch im Gegenlicht dazugesellen, macht dieser österreichische Film Noir bestimmt auch keine Anstalten, Finger in Augenhöhlen zu drücken und Puppen in den Tod stürzen zu lassen – darauf gebe ich euch mein Ehrenwort! Die oben genannten Revolverhelden ziehen schließlich dennoch Schicht für Schicht vom nihilistischen Mordsmysterium ab, verballhornen dabei zwar die eigenen Milieu-Mechanismen, drücken die Zigarette an deren Wange aber auch mit verzweifelter Wehmut aus, so brutal jede Offenbarung aufprallen muss und moralisch an keinem vorbei geht. Die Gerechtigkeit kann da nur zur Sprengung aller Parteien raten, hat dafür auch die eine oder andere MG-Salve als nachgeholtes Urteil der Bandenkriege im Ärmel. Allzu passend für ein Himmelfahrtskommando krimineller Kintopp-Energien, an dem man die Murmel des guten Geschmacks freiwillig abdreht, sich als Vereinsmitglied für den Zerfall aller Sitte und Moral anmeldet, wenn solche kuriosen Sausen dabei herauskommen. Und hab ich schon erwähnt, dass der Film nur unter 80 Minuten dauert?




Schon gehört? Der umstrittene Multimilliardär, Immobilienmogul und Reality-TV-Räude (gelegentlich auch Wrestler, Markenfleischadvokat, Golfer und As-Himself-Filmstar) Donald Trump soll der nächste Präsident der USA werden; dürfte zudem aller Wahrscheinlichkeit nach eine eher rechtskonservative Wende in der Politik jener Nation einleiten, die gelinde gesagt zum Kotzen klingt – das habe ich an dieser Stelle ja schon oft genug geäußert. Und dennoch: Vor knapp einem Jahr konnte man eine aus der Kandidatur Trumps hergeleitete Schlagzeile mancherorts wohl noch ganz groß als Witz verlesen, so wie man es hierzulande jetzt mit einem gewissen M.B. versucht und dort Aufmerksamkeit schürt, wo sie eigentlich nicht hingehört, da die Folgen erwiesenermaßen zu echt ausfallen können. Gut, man soll 2017 lieber nicht von Vornherein verprellen und mit dem gegenwärtigen Jahr vergleichen, vielleicht hilft es aber ein Stück weit, sich zu vergegenwärtigen, was für ein Mann da nun auf die Weltgemeinschaft zukommt, welche gefühlten und echten Realitäten ihn vorbereitet haben und was im Zuge unserer globalen Geschichte daraus zu erwarten ist, ergo weshalb Schiss und Hoffnung legitim erfühlt werden dürfen. Vorhang also auf für „Donald Trump's The Wall“, das Youtube-Projekt eines bis jetzt offenbar unbekannten Content Creators, dessen dokumentarisches Essay in Spielfilmlänge zu den Tönen von Pink Floyds Konzeptalbum „The Wall“ (1979) Leben und Wirken jenes notorischen Mr. T's interpretiert. Die transformative Konzeptverknüpfung zwischen den verschiedenen Medien und ihren durchgängigen Leitmotiven zum Diskurs von Einsamkeit, Image und Führungsqualitäten ist dabei unabhängig von der innewohnend interpretierbaren Politik schon eine tolle Brutstätte an Allegorien, Bild-/Tonscheren, Kontrasten emotionalisierter Kunst und menschlicher Stumpfheiten, Leidenschaften und positiv wie negativ belastender Einigkeit, an der sich vor allem die Kraft des Schnitts feststellen lässt.


Mag er nun propagandistisch emotionalisieren, objektiv auf eine Kausalkette des amerikanischen Traums im Verhältnis mit dem restlichen Erdball hinweisen, Sehnsüchte und Ängste von Massen wie Individuen zufällig/absichtlich auf den Punkt bringen, das Innere von Pink Floyds Album am Äußeren der Persona Trump parallelisieren und somit letztere wiederum an Intimität verstärken: Es geschieht alles zeitgleich mit einem Handwerk, das ich in meiner bescheidenen Position als selbstständiger Cutter ehrlich gesagt nur alle paar Jahre erlebe (selber gewiss noch längst nicht erreicht habe). Gesamtwirkende Reflexionen wie solche dieses Videos geschehen wohlgemerkt stets aus einer Mischung an Zufall und Planung, wobei hier der zweite Faktor in seiner Übergewichtung enorm durchscheint, von ehrfurchterregender Recherche via Archivmaterial zeugt und pervers viele Anschlusspunkte abseits der offensichtlichen Floyd-Wall=Trump-Wall-Relation zutage fördert. Wie markant allein schon die bewusste Ausklammerung des Tracks „Mother“ den geringfügigen Einfluss der Mutter in Trumps Leben suggeriert sowie in der später folgenden Darstellung seines Frauenbilds untermauert wird, ist da nur das schnellste identifizierbare Beispiel. Die schaurig passenden Zitate, die im Verlauf zur ursprünglichen Audiospur ergänzt werden, zusammen das Bild eines selbst-brutalisierenden Gefühlskomplex innerhalb der menschlichen Zivilisation ergeben, welches zudem erste bis dritte Welt so nah wie (un)möglich einander bringt und abstößt: Das sind kreative Herausforderungen und Erfolge, die reichhaltig Shock and Awe repräsentieren, eben auch in der jeweiligen Relevanz, die man mit jenem Begriff assoziiert. Alles wird gesagt, doch bei den ganzen offenen Wunden bleibt genauso gut alles am Zuschauer hängen, welche Schlüsse er zieht, wie er sich an den Film anpasst oder ob er dies überhaupt tun soll, was bei der Darstellung der Statussymbole und ihrer unbarmherzigen/tragischen Distanz sowieso zur Debatte steht. Auf jeden Fall dürfte das vielschichtiger und differenzierter agieren als die unvermeidlichen Trump-Biopics von Oliver Stone oder Adam McKay.




Apropos, werde ich jemals wieder einen amerikanischen Film unbelastet sichten können, also ohne die orangene Fratze im Hinterkopf? Unverhofft kurioser: Warum betrifft das insbesondere Komödien aus dem Land of the Free? Ich dachte, da könnte ich mich mit meinem kakophonischem Gelächter kurzzeitig von allem ablenken, was gerade so schief läuft. Das Problem fängt aber schon damit an, dass in diesen Filmen meistens alles schief läuft, um die Underdogs an Protagonisten irgendwann strahlend aus ihrer Misere austreten zu lassen. So auch geschehen im trotzdem nicht unsympathischen „Bronze – Kleiner Sieg. Große Fresse.“, der sein Herz exemplarisch für die Verlierer dieser Welt ausschüttet, welche in diesem Fall zudem von hoher sozialer Inkompatibilität und rüpelhaftem Umgangston gekennzeichnet sind. Der aus mehreren ähnlichen Filmen zu erwartende Wandel lässt ja bekannterweise eines solcher Charaktermerkmale intakt, weil man ja sonst eine Persönlichkeit zu verschenken glaubt (und dramaturgisch selten solche Experimente eingegangen werden) – das hier gerade das Arschlöchrige überlebt und liebenswert umgestaltet wird, macht dem jüngst vergangenen Wahlkampf wahrhaftig alle Ehre, obgleich jenes Ergebnis im Kontext des Films nicht ansatzweise so widerlich wirkt. Pluspunkte! Liegt garantiert an Protagonistin Hope Ann Greggory (Melissa Rauch, ebenso als Ko-Autorin am Start), die ihr ganzes junges Leben lang inflexibel im Ehrgeiz zur Athletik gefangen geblieben ist, sich seit ihrer Bronzemedaille bei den olympischen Spielen als amerikanische Heldin sieht und daher wie ein arrogantes Gör mit den Fetzen von einst durch den Alltag binnen Swing State Ohio schnorrt. Narzisstische Muster durchziehen da zudem jede Ader ihres zwischenmenschlichen Umgangs, der seine Dysfunktion beim nonkonfrontalen Vater Stan (Gary Cole) mit frecher Schnauze sowie aus seinem Postauto gestohlenen Briefinhalten anfängt, beim Wichsen via auf VHS aufgezeichneter Erfolge ihrerseits Ego und Beziehungsunfähigkeit fusionieren lässt. Der klassische Nerd an ihr, umgeben von Memorabilia und Plüschtieren im Keller des Elternhauses eingepflanzt (die Mutter war schon fünf Monate nach der Geburt weg vom Fenster – siehe oben „The Wall“), geht jedoch herablassender als typisch mit dem Mundwerk auf Touren, insbesondere launisch, sobald sich finanzielle Probleme im Haushalt aufzeichnen, zu deren Lösung sie ums Verrecken nicht beitragen will.


Wie viele krasse Schutzmechanismen da wahrscheinlich wirken und den Problemen nur leidlich entkommen, wird der Film im Verlauf noch semi-sentimental auf den Grund gehen, bis dahin darf man aber noch zusehen, wie Hope bei aller Gegenwehr einen Posten als Coach annimmt, um an die Erbschaft ihrer verstorbenen Trainerin ranzukommen. Schützling Maggie (Haley Lu Richardson) hat das Talent und grenzenlosen Enthusiasmus, Hope dagegen null Böcke, weshalb sie Verfettung und Energieverschwendung am Boyfriend zum Trainingsprogramm erklärt. So einfach lässt es sich aber nicht durchhalten, wenn die Konkurrenz mit der Goldmedaille, Trainer Lance Tucker, erstmals einen Sebastian Stan mit sichtbaren Schauspielerqualitäten einführt (ich dachte, es wäre Michael Biehn) sowie ihre Chancen abzuluchsen versucht. Also fängt Hope dann doch an, eine energische Bitch zu sein, mit aufgehitzten Eiern Interesse wie Engagement zu heucheln und Maggie in Form zu bringen, was auch abseits des Sports einige Verbesserungen mit sich bringt: Leute erinnern sich an ihren Geburtstag, sie platzt nicht bei jedem verbalen Kontakt aus allen Nähten und zu alledem nähert sie sich auch noch dem Assistenzcoach Ben (Thomas Middleditch), der ungefähr am anderen Ende ihres kommunikativen Spektrums einzuordnen ist. Kleine urige Situationskomiken, ebenso kleine Kleinstadtarmseligkeiten/Pointen, eine Fülle vulgärer Attacken, Hopes Ponyzopf – das hält die 100 Minuten nur bedingt durch, muss sich dabei aber auch nicht blöd vorkommen, wenn der Interessenkonflikt des Sieges konventionellere Spuren verfolgt, während des dritten Aktes aber nochmal einige Wendungen durchnimmt, die damit spielen, wie Hope ihre eigenen Enttäuschungen und Zynismen auf andere projiziert, mit welchen Parteien sie es sich verscherzt und trotzdem der imperfekte Stolz ihres verträumten Nests Amherst bleibt. Bei der Auswahl der meisten Adjektive in dieser Kritik merkt man sicherlich schon, wie viel Formel um diesen Film pendelt, ihn folglich auch teilweise nebenbei laufen lässt, weil man ihn abseits des Heimkinos in hiesigen Gefilden nicht kennenlernen wird. Irgendwas Bestimmtes hat er aber noch mit mir angestellt, was ich bis jetzt noch nicht herausfinden konnte, aber zumindest schon mal diesen Text hier fabriziert hat. Lass ich mich etwa auch gerne anschreien, kommt das gar sexy? Oder sind die Drittplatzierten in ihrer Präsenz einfach ein stimmiges Zeichen unserer Zeit? Naja, Hope war immerhin mal ein Obama-Slogan – haltet den Traum am Leben!