Posts mit dem Label russell crowe werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label russell crowe werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 22. Mai 2016

Tipps vom 16.05. - 22.05.2016



Das nennt man mal eine prekäre Situation! Durch Regisseur Don Siegel verschlägt es Clint Eastwood binnen „BETROGEN“ während des Tumults des Bürgerkrieges als Yankee John McBurney in den rebellischen Süden. Damit nicht genug, gerät er aufgrund schwerer Verletzungen in die Arme des Southern Comfort, sobald ein Mädcheninternat im Herzen aus Sumpf und Hitze ihn aufnimmt und gesund pflegt. Von Anfang an herrscht jedoch der Zwiespalt im gegenseitigen Umgang unter jenen Kontrasten, fix symbolisiert durch den Vorspann im nostalgischen Sepia-Touch, der alsbald in Einzelmomenten des Schreckens verharrt und der Wurzel der Unmenschlichkeit in klassisch amerikanischem Ambiente ebenso eine Ballade der Kriegsverdrossenheit aufdrückt. Dem Zeitgeist der Produktionsära entsprechend, direkt in der Ungewissheit um Vietnam gespalten, erinnert Siegel damit gerne, wie Schlachten das Menschliche zerreißen, ebenso wie sinnlos sich der Drang zur Feindschaft erhält, wenn beiderseits die wahre Lebendigkeit geopfert wird. Will man schließlich nur eine weitere Leiche auf einem Foto sein; einem antiken Denkmal, das als Dokument menschlichen Versagens kaum sowas wie Ehre versprühen kann?


Siegel entmystifiziert wie er sich auch nicht einfach auf einem Gleichnis per kriegerischem Horror ausruht, sondern sodann in noch profundere Gebiete des Menschen eindringt. So nehme man das Gewissen, anhand dessen Internatsleiterin Martha Farnsworth (Geraldine Page) an der Entscheidung hapert, dem verletzten Soldaten von der gegnerischen Seite Obhut zu gewährleisten oder ihn auszuliefern, was seinen sicheren Tod bedeuten würde. Von Anfang an herrscht da auch unter den Mädchen der Diskurs vor, ob McB - so nennt ihn die kleine Amy (Pamelyn Ferdin) - nicht doch einen ideologischen Störfaktor darstellt. Dabei wird man sich aber auch schnell bewusst, dass er als einziger Mann unter Mädchen und Frauen, die für gewöhnlich von der Außenwelt abgeschnitten sind und nun unfreiwillig den Krieg am Gatter abfangen, von Grund auf einen gewissen Reiz inne hat. Letzteres gewiss auch als Objekt des Verbotenen, so schnell der Feind von Frau Farnsworth in eine Kammer gelegt wird, sie zudem die Fenster von außen zunagelt, seine Existenz weiteren Südtruppen verschweigt und sich bei ihm auch dermaßen an ihren Bruder erinnert fühlt, dass sie ihren Vertrauten nicht von ungefähr den Zugang zu McB untersagt.


Der hingegen fühlt sich schon fast wie in einer Gefangenschaft, eben eine Gastfreundlichkeit im Zwang zerschossener Beine und er ist nicht mal der einzige dort, so wie der Rabe mit gebrochenen Flügeln am Balkon per Seil festgesetzt bleibt - das Symbol daran wird nicht ungenutzt bleiben. Die Gemeinsamkeiten enden auch nicht beim schwarzen Hausmädchen Hallie (Mae Mercer), so wie sie der Ambivalenz um Alltag und Sklaverei jedoch wie in abwartender Position zwischen den sich bekriegenden Weißen annimmt. So kommt sie auch nicht gänzlich auf McB's Seite, der hingegen nicht allzu verlegen ist, sich die Gunst der Damen in jedweder Form zu erhaschen. Wie alle im Ensemble versteckt er seine Wahrheit dabei in ausgeschmückter Sprache sowie Anekdoten, welche Siegel stets direkt an deren Realität gegenschneidet und für die inneren Perspektiven seiner Individuen auch Voiceover einsetzt. Keine Seite spart hier (Selbst-)Lügen und Obsessionen aus, doch Geheimnisse ziehen sich auf jeden Fall an, sowie der charmante Nordstaatler in Eastwood'scher Form gleich mehrere Damen beeindruckt, so dass er vom Ansatz eines Vergnügens im lindernden Weinschluck aus eben allmählich auch weitere Vorteile aus der Situation zieht.


Die scheue Edwina (Elizabeth Hartman) wollte Männern eigentlich nicht mehr vertrauen, doch McB überzeugt sie schon einigermaßen von ihrer „unfairen Meinung“ gegenüber dem anderen Geschlecht und plant mit ihr das heilige Glück; die körperlichen Avancen der taufrischen Carol (Jo Ann Harris) bleiben ihm aber auch nicht verborgen. Er versucht vielerorts sein Glück, schließlich scheint sein Motiv eine reibungslose Flucht aus dem Krieg oder die Freiheit in der Promiskuität zu sein. In dem Chaos an Versprechen bringen die darin erschaffenen Gefühle aber verständlicherweise auch Konsequenzen mit sich - selbst im Herzen der voll kindlicher Naivität handelnden Amy, die ihn schließlich als erstes vorgefunden hat, wofür er ihr einen Kuss gab. Siegel spinnt dieses Netz an Schuld und gegenseitigem Nutznießens unter vorgehaltener Hand mit einer Dynamik, die selbst im geerdeten Ambiente vergangener Jahrhunderte und Manieren Spannung erzeugt, wo es von der Oberfläche her auch reichlich Optionen für simplen Kitsch gäbe. Doch mit der Kernigkeit Eastwoods bestellt man sich eben nicht nur die wahrhaftige Romantik der „Brücken am Fluss“ ins Haus, wenn ergänzend dazu noch im Krieg sowie der Rivalität darin stets Faktoren an Reibungen bleiben, die sich auch an den Parteien an Frauen abzeichnen, die mal mehr, mal weniger von ihrer konträren Sehnsucht Richtung McB wissen und um diese kämpfen. 


So wie Siegel das Bild des Bürgerkriegs entmystifiziert, entlarvt er in punktgenauer Schnitt- und Kamerafolge dann also auch die vermeintliche Unschuld, wenn die Eskalation von beiderlei Seiten herrührt, Martha sich von Visionen (und auch Projektionsflächen fester Ideale) zu Handlungen alttestamentarischer Brutalität leiten lässt, McB seiner taktlosen Männlichkeit und gleichsam bombastisch-sinnlichen Montagen der Erotik folgt und sowieso allesamt der Eifersucht verfallen, obgleich die Verantwortung nicht immer am unmittelbar Involvierten hängen bleibt, sondern am liebevoll Gefangenen McB. Er ist natürlich gleichsam Täter wie Opfer, doch die Gemeinschaft an Frauen rettet sich ebenso gegenseitig per Intrige, während die Einsicht im Innern verdrängt wird und nur dann innehält, wenn eine von ihnen mit ihm untergehen könnte. Der Schwung, dass ihn alle haben und im Endeffekt dann doch tot sehen wollen, kommt aber nicht plötzlich und behauptet, so schlummert aufgrund der Kettenreaktion an unglücklichen Ereignissen auch der Hass in McB und zerschlägt in der Gunst der vielen scheinbar friedlichen Stunden des Ödlands seine Ketten, nur um dann Wein und Haut für sich zu beanspruchen, Geliebtes und das bisschen, was noch an Vertrauen übrig geblieben ist, in den Wind zu schießen.


Man kann den Komplex an charakterlichen Unruhen noch viel weiter zurückverfolgen, schließlich baut sich Siegels Narrativ auch so formvollendet und dennoch irgendwie auf leichtem Fuße auf, wie es sich zudem eine tolle Balance aus Dramaturgie und Echtheit erlaubt, die Triebe seiner Figuren greifbar macht und nicht nur als Effekt verinnerlicht, deren Impulse kohärent und doch mit Knalleffekt vermitteln kann. Toll ist daran allein auch die Differenzierung, mit der Regisseur Siegel Gutes wie Böses aufmischt, die Grauzonen von Himmel und Hölle in solch strengen, doch heimeligen Gefilden beobachtet und Reichhaltigkeit aufbietet, die sich dem Psychologischem im Trivialen wie Universellem voller Härte und Herzlichkeit widmet. Das artet nicht mal so bipolar aus, wie ich das zu umschreiben versuche, denn Siegel weiß sich durchweg galant, aufgeregt und verspielt darin zu bewegen, wie und warum sich Dualitäten nähern und einander abprallen, wieso ein Krieg unter Menschen, Geschlechtern und Co. zustande kommt, obgleich die Mitschuld aller da ist, wie das Geständnis zu Hormonen stumm gemacht und verzerrt wird, am Ende nur noch Sieger und Verlierer feststehen, ehe das Sepia sie wieder ausbleicht.




Giulio Questi startet „TÖTE, DJANGO“ sofort mit einer Wiederauferstehung, doch solch heilige Geste wird hier nicht in den Himmel gehoben, stattdessen in einen höllischen Schmerz auf Erden geworfen, der Schutt, Staub und Blei in sich vereint. Die einzigen Elemente, die da noch von Wert zeugen, sind Blut und Gold; dem namenlosen Wiederkehrer (Tomas Milian) - nennen wir ihn der Einfachheit halber Django - schneiden sich die Momente damit umso tiefer ins Bewusstsein, sodann er sich an seinen Weg in den Tod erinnert. Zusammen mit Oaks' (Piero Lulli) Männern überfiel er als Halbblut sowie anhand seiner mexikanischen Freunde einen Goldtransport der Südstaatler („Betrogen“ lässt grüßen) und obwohl er von einer Teilung der Beute ausging, wurde die Rechnung nicht beglichen. Die Leichen, die sich schon beim Überfall stapelten, vermehrten sich binnen der Gewissenlosigkeit von Oaks und dem rassistischen Hass seiner Männer. Ein Toter, dem die Hautfarbe seiner Freunde egal ist, kommt aber wieder und die zwei ihn findenden Indios haben bereits Kugeln aus dem Gold gemacht, das sowieso alle richtet. Ein cleveres Gimmick, das Questi ohne jede Ironie, Furcht und Last aus dem Ärmel schüttelt, frühe Anzeichen eines kritischen Westerns abgibt, der zwar vom Nihilismus erzählt, aber entschieden gegen halten will. Vorerst steigt er dafür in eine verschlafene Stadt ein, die vor der Ankunft des weißen Manns als Ort des Schreckens bekannt war und ihrem Ruf noch immer alle Ehre macht, so stark sich den Banditen um Oaks schon bei der Ankunft allzu unbequeme Eindrücke bemerkbar machen.


Unterdrückung und Zorn schreien schon aus Kinderleibern, die Gemeinschaft im Saloon und anderswo fackelt auch nicht lange: Bill Templer (Milo Quesada) kriegt als einziger Wind vom Gold, die Wutbürger um ihn herum scheucht er sodann zum Lynchmord auf. Als Django ankommt, ist der Genre-übliche Weg der Rache schon so ziemlich an ihm vorbeigezogen, nur Oaks kriegt er noch im Fieber des bewusst diffus gedrehten Zwischenreichs zu schnappen, doch der stirbt erst, als die Leute ihm das eingeschossene Gold aus dem Körper pulen. Questi denkt eben: Was kommt nach dem, was die Leinwand stets als Katharsis ausstellt? Der Kreislauf aus Blut und Gold hört eben nicht auf und Django bleibt. Er hat vielerlei Gründe dafür. Zum einen lässt er selbst die ihn betrogenen Freunde nicht wie Vieh am Galgen hängen, wofür er von denen Häme erntet, die ihn vorher noch einen Helden nannten. Zum anderen bedrängen deren Gesichter die Kamera derartig, dass das Panorama des Leidens in seinen engen Ecken gequälter Gesichter auch eine Frau hinter Gittern als eine von vielen vorfindet - unerreichbar und doch von weitem schon so zerbrochen, wie es die Gnade an jenem Ort schwer hat, zu bestehen. Daher muss das Geld weg, nicht nur wenn Django es in seine Feinde schießt. Aber wie dies bewerkstelligen, wenn einer auf allem sitzt, Armut, Eifersucht und Hass um seine Mitmenschen schürt? Da wird über Leichen gegangen, nicht nur dank Nachbarsrivale El Zorro (Roberto Camardiel), dessen Verständnis von Männlichkeit von absoluter Brutalität zeugt und genauso in Innereien des Festmahls wühlt, wie in Oaks' Magen. Bei Mutproben bescheißen tut er auch noch.


Schlimmer aber noch ist der Scheinheilige im Ensemble, Hagerman (Francisco Sanz): Er mausert sich per Gottesfürchtigkeit und Verdiensten für die Stadt, kerkert sein Frau Elizabeth (Patrizia Valturri) aber ein und drückt seine Morde der Goldsucht auf andere ab, instrumentalisiert ausgerechnet in den gefühlt wenigen Totalen des Films die Massen, welche die Jagd auf einen als Freifahrtschein zum Massaker aller Farbigen empfinden. Selbst ein entschiedener Kraftakt wie Django (mit einigen tollen Eigenarten von Milian gespielt) kann da als Charakter im Verlauf nicht allzu viele befreiende Signale senden: Er kann nicht überall sein und die Quasi-Jesus abgeben, stattdessen versucht er dort zu helfen, wo er kann. Templers Sohn Evan (Ray Lovelock) z.B., der von El Zorros Bande gefangen wird und als Erpressungseinsatz selbst von der eigenen Familie im Stich gelassen wird. Templer will seine Reichtümer eben nicht preisgeben, so sehr er mit Hagerman zuvor auch den Tod der Kriminellen verlangt hat; seine Geliebte Lori (Marilù Tolo) pfeift da ohnehin auf das Leben des angehenden Stiefsohnes, wenn der Schatz im Eigennutz zum Schutze bestimmt ist. Nur Django kümmert sich um den Jungen, doch auch dessen von allen verlassene Unschuld mag in solch einer Welt nicht überleben. Questis Film hat selbst im Genre nur wenig Platz für Hoffnung übrig, doch er lässt sie um jeden Preis kämpfen, die ideologische Oberhand behalten, während der extremisierte Kapitalismus hier seine eigenen Feuer legt und sich im Gold einschmelzt, so wie Reichtum und Tod hier eine effektiv perverse Koexistenz eingehen.


Mal abgesehen von der Abkehr narrativer Konventionen sowie Pathos schafft er dies trotzdem in einem Rahmen, der sein Genre so gut bedient wie er es nutzt. Die Gitarren von Ivan Vandor klingen fast schon wie beim Dub Reggae eher sporadisch auf, so wie sie angesichts der grellen Hitze des Ambientes eben wie konzentrierte Schüsse aus dem Sand kommen, ihren Groove zeitweise aber auch mit dissonanten Einzeltönen verstreuen, sobald er sich eben mit den Bildern des Leidens kontrastiert. Gleichsam ist Django als zuschlagender und schießender Mittler zwischen wechselnden Parteien wie Templer, El Zorro, Hagerman und sogar Lori nicht unwesentlich mit der Funktion Eastwoods im gerade mal drei Jahre zuvor erschienenen „Für eine Handvoll Dollar“ verwandt (für 1967 ist Questis Drastik übrigens enorm gewagt), zwar eben weniger als Intrigant unterwegs, aber dennoch letztendlich auf das Gute bedacht, so machtlos er auch ebenso in den Bann des Sadismus gerät, mit dem der Mythos Wilder Western aus amerikanischer Sicht weniger in Verbindung stehen wollte und dort doch wie in jeder Ära der Menschheit seine Aufwartung machte (noch eine Parallele zu Siegels oben genannten Film). Questi scheut sich nicht, ihm tief in die Augen zu sehen und enorm Wert darauf zu legen, den Schrecken des kollektiven Sterbens sowie verstorbener Wesen voller Sprachlosigkeit mit Empathie zu füllen, nur kann auch er keine endgültigen Lösungen gegen das Böse finden, was in dem Fall allerdings von einer Reife zeugt, die der Wahrheit dort nachspürt, wo sie den Zuschauer über den Rand der Leinwand schauen lässt.




Gemäß des Originaltitels „Tightrope“ wird „DER WOLF HETZT DIE MEUTE“ in seiner Formvollendung erneut ein delikater Akt für Clint Eastwood. Als Cop-Thriller kommt er zwar verstärkt wie aus den Siebzigern, doch nun ein Jahrzehnt darauf sind die Milieus ein bisschen ruppiger, der Varianz sexueller Vorlieben angepasst worden. Nach William Friedkins „Cruising“ sind Regisseur Richard Toggle sowie eben sein ungenannter Vertreter Eastwood selbst nicht ganz dazu bereit, die Heterosexualität derart intensiv aufzumischen, der Balanceakt von heller und dunkler Seite bleibt aber auch hier zentral, wenn das Autoritäre in vielerlei Hinsicht ins Schwitzen kommt. In New Orleans trägt jeder irgendwo dasselbe Paar Schuhe, da fällt dem Film auch fast sofort ein schöner Schnitt ein, um Nacht und Tag zu verknüpfen: Anfangs ist die Verfolgung des Weiblichen im Dunkeln wie dem Intro der „Street Fighters“ entlehnt und auch dann nicht entspannt, wenn der Ordnungshüter im Schatten Sicherheit verspricht. Seine Tat bleibt vom Zuschauer ungesehen, doch mit allzu deutlicher Suggestion erwartet man schon das Schlimmste. Dieser Widerspruch von breitflächiger Subtilität im Kopfkino sexueller Gewalt bietet im Verlauf aber noch die gemäßigteren Spitzen, wenn man bedenkt, welche Einzelmomente daraufhin hängen bleiben. Der Kontrast macht's nämlich, wenn sich der Gegenpol von Captain Wes Block (Eastwood) eben als knackig alleinerziehender Vater von zwei Töchtern (eine davon von Eastwood-Tochter Alison gespielt) zeigt, der sich gerne auch noch mehr Schützlinge versammelt, wenn er Hunde von der Straße ins Haus lässt, um ihnen das Tierheim zu ersparen.


So ein netter Kerl gibt gerne den Beschützer, im Vergleich dazu treibt ihn sein Beruf aber umso ergiebiger in jene Gefilde, die er von seinem Eigenheim abzuschirmen versucht, schließlich trägt die Scheidung von seiner Frau schon genug Schmerzen in den Haushalt hinein. Er ist dem Untergrund aber auch nicht abgeneigt, im Gegenteil: Je tiefer die Nacht ihn zwischen Tatort und Hinweis lockt, offenbart sich sein Trieb in der S&M-Praxis - den Frauen auf der Spur durch deren mal mehr, mal weniger offensichtlichen Lockrufen. Die Erotik konzentriert ihre Blicke und Spruchfertigkeiten nicht ohne Humor, dem Sleaze entkommt aber keiner, wenn der Film auch die Ausführung expliziterer Inhalte im Ansatz bereithält. Nicht ungeschickt, wie die Reize des Körpers dabei eine Rolle spielen, aber auch nicht frei von typischen Merkmalen voyeuristischen Sündenpfuhls. Das Testosteron hält sich zumindest noch in Grenzen, um das Prozedere kriminalistischer Arbeit nahezulegen, wirklich interessant wird es dann, wenn Blocks Berufsmännlichkeit auf die Ideologie der Sitte anhand von Beryl Thibodeaux (Geneviève Bujold) trifft, die eben mehr der Würde der Frau entspricht und dementsprechend schon den Archetyp von Anti-Rape-Selbstverteidigungskursen anleitet. Jene Eckpunkte sind heute noch immens gegenwärtig, in der Verknüpfung derer erlaubt sich der Film aber noch eine spielerische Handhabung mit Roboter-Klöten, über die Block sogar schon halbwegs zum Flirt ansetzt.


Eine urige Impression, allzu passend einer durchaus ungewissen Ära, auch hinsichtlich den Konzepten um Mann und Frau entsprechend, bei der man nicht weiß, wie viel Taktlosigkeit ihr anzurechnen ist. Man beachte dann auch irgendwann den ungefähren Geschlechtsakt per Fitness-Gerätschaften, der sich in einer Szene schwitzender Sprachlosigkeit zu drollig abzeichnet. Die Hormone erfahren hier einige Punktlandungen zur kontemporären Leichtigkeit hin, gleichsam wird es wie so oft im Genre persönlich, wenn der Serienkiller nicht nur seine weiblichen Opfer in Schockmasken heimsucht, sondern allmählich auch die Routen Blocks zur körperlichen Befriedigung ins Visier nimmt. Die Lederhandschuhe schauen da schon dem Dampf im Rotlicht zu, die ständige Beobachtung lauert sodann dem Bekanntenkreis an Verführungen auf, dass sich nicht nur ihnen, sondern auch Blcok die Schlinge um den Hals zieht - insofern auch, dass er möglichst bald Resultate vorzeigen muss, wie der Film den Zuschauer zudem kontinuierlich ins Bewusstsein der Situation geißelt. Zur ersten Hälfte noch begegnet er ihm nämlich eher sprunghaft, wie auch Block selbst die Beziehung zwischen Tag und Nacht einnimmt. Die Finsternis versucht aber zu übernehmen und da ist schon von Vornherein klar, warum das Verhältnis zwischen Block und seinen Töchtern so emotionalisiert in der Behütung ansetzt, ehe klar wird, dass seine Verantwortung mehr und mehr Konzentration erfordert, sobald der Kessel der Leidenschaften ins Mörderische überschäumt. Eastwoods Statur erlaubt zwar weniger Ausbrüche der Kontrolle, dafür ballen sie sich aber gut zusammen, je mehr horrible Eindrücke einkehren (siehe seinen Besuch in der Bierbrauerei).


Jeder Anruf bedeutet für ihn eine weitere Leiche, jede weitere Offenbarung zwingt die Nähe zum Killer, bis hin zu Erkenntnissen in Albträumen, denen er auch noch folgt. Der Wahnwitz darin verdichtet sich im Zwei-Stunden-Narrativ zwar nicht, bleibt aber auch nicht ungebrochen. So sei beispielhaft jene Szene genannt, in der sich Block binnen einer Lagerhalle voller Mardi-Gras-Umzugswagen begibt, in deren Zwielicht selbst die Karikatur eines Ronald Reagan von eher zweifelhafter Vertrautheit zeugt. Symbole der Macht geraten hier so diffus, wie auch Handschellen ihre Dominanz im Krimi und im Bett äußern, die steigende Unsicherheit dazu macht auch Block eher aus Vorsicht unantastbar, während alles um ihn herum jedoch angreifbar wird. Es trifft die eigene Familie, Töchter wie Hunde, der konsequente Schock bleibt in des Filmes teils uneinigen Zügeln aber verhindert und zum Jazz Marke Lennie Niehaus abdriftend, gleichsam durchweg mit Sturmhauben, Knarren und Verfolgungsjagden im Genre-Reißertum (vergleichbar mit dem thematisch verwandten „Ein Mann wie Dynamit“). Er macht weniger den Eindruck eines Spießers, sofern psychologische Umwege im Erzählstil gefunden werden - eine gewisse Direktheit wird dennoch gescheut, wenn man Konventionelles wiedererkennt. Letztendlich ist das Verruchte eben weniger auf der Gewinnerseite anzutreffen, zumindest lässt es „Tightrope“ dennoch nicht auf einen ideologischen Stempel ankommen, wenn er sich mit Beobachtungen zu Doppelböden an Privatem wie Beruflichen umgibt und jedwede Argumente zwischen den Zeilen belässt - auch wenn jener Zwischenraum sich teilweise zu offensichtlich oder schleppend ergibt.




Weil es in Sachen Gender-Fragen ja inzwischen ohnehin noch spannender binnen der Leinwand zugeht, war mir sodann auch nicht die mehr im weiblichen Fokus stehende Fortsetzung von „Bad Neighbors“ entgangen. Zwei Jahre später pendelt man sich innerhalb des Narrativs weiterhin zwischen den Parteien von Spießertum und Anarchie ein, doch ganz spießig und zugleich direkt „BAD NEIGHBORS 2“ benannt (ursprünglich zudem „Sorority Rising“ untertitelt), zeigt sich, wie viel sich selbst in der kurzen Zeit ändern kann, wenn eben die beständige Frische der Jugend ins Auge gefasst wird. Eheleute Mac (Seth Rogen) und Kelly Radner (Rose Byrne) haben sich da wie eh und je als scheinbar lockere Mittelstandseltern eingefunden, deshalb expandieren ihre Charakterzüge nur hinsichtlich Ankunft eines zweiten Kindes sowie eines neuen Hauses, in das es hoffentlich demnächst einzuziehen gilt. Der Film ergreift nicht gerade unempathisch Partei für ihre Lage und erschafft Spannung am laufenden Band aus dem Schützengraben versus Hedonismus (mit dabei: Die Ticking Clock von gleich zwei Schwangerschaften), doch letzterer bekommt nun von Vornherein die Grundsympathie zugesprochen. Die zentralen Studenten sind in diesem Fall als Schwesternbewegung definiert und zur Selbstbestimmung motiviert, sobald sich das restriktive Regelwerk des Campus gegen ihre Freiheiten des Geschlechts wegen verschließt und sie lediglich auf Jungsfeten schickt, welche sie im Roofy-trunkenen Blacklight zu Sexobjekten degradieren.


In der Ära mutigerer Aufklärungen gegen Campus Rape, für Fairness und feministisches Verständnis ergibt sich sodann keine Schwierigkeit darin, mit einer jungen Dame voller Bodenständigkeit und YOLO-Swag wie Shelby (Chloë Grace Moretz) zu sympathisieren, wenn sie mit ihren Buddies Kappa Kappa Nu gründet, um Konventionen sowie Sexismus einen Stinkefinger im Party-Modus entgegen zu strecken. Doof nur, dass sie dafür neben dem Haus der Radners einziehen, welche noch am Versuch hängen, jenes Anwesen anderen zu hinterlassen, doch auch da ist der erste Eindruck alles! Insofern gehen sie an die Decke, als sie um lautes Feiern und weiteren Lifestyle im Zeichen der neuen Nachbarsfrauen bangen. Östrogen, so gibt der Film unmissverständlich zu verstehen, ist zudem cleverer und bissiger als das männliche Pendant (plumpe, doch effektive Sätze dazu sind keine Mangelware) und so stapeln sich allmählich die Brennpunkte der Individuen. Der Impuls dazu kommt natürlich nicht aus blauem Himmel - einerseits weil keine Seite zum Kompromiss der verdienten Ideale bereit ist, andererseits weil eine externe Macht an den Strängen mitzieht: Teddy Sanders (Zac Efron) nämlich, der Quälgeist vom ersten Teil, ist zurück und greift Kappa Kappa Nu als ewiggestriger College-Hüne unter die Arme, wo er nur kann. Jene Mitarbeit basiert auf seiner Unfähigkeit zur Einfindung in ein Leben nach dem Studium hinein, welche seine anderen Bros schon längst hinter sich haben, sogar aneinander ehelichen.


Es bleibt kaum noch Raum zum Abhängen in gewohnten WG-Zonen, für Teddy bedeutet das hinter vorgehaltener Hand sodann aber ein Freundschaftsbruch, weshalb er sein Wesen nun in der nächsten Generation fortzusetzen versucht, aber auch dort an neue Sensibilitäten anschließen muss, ehe er letztendlich doch die Stagnation, auch jene unzeitgemäßer Rivalitäten in sich selbst einsieht. Seine Wandlung treibt den Film mitunter enorm voran, höchstens noch übertroffen vom Pendel an Gerechtigkeitsgefühlen, die man den Frauen oder den Radners nachempfindet. Schließlich benutzen beide reichlich fiese Tricks, Minions und Kinderspiele, um der jeweiligen Gegenseite eins auszuwischen. Regisseur Nicholas Stoller und seine Autoren greifen dabei auf ein High-Speed-Tempo zurück, um nicht nur wie viele kontemporäre Komödien per Schuss-Gegenschuss Impro-Beleidigungen zu finden, sondern wirklich mit Situationskomiken, gerne auch inklusive Anarcho-Action und audiovisuellen Pointen zu punkten. Dass man sich bei dem Mordsduell nicht mal unbedingt mit Klischees begegnet, glänzt ebenso helle ins Herz. Sie werden stattdessen ironisch umgekehrt oder mit Hähnchenfett statt Babyöl eingerieben, um die allgemeinen Vorstellungen von Mann und Frau ad absurdum zu führen. Bros before Ho's ist Geschichte!


Trotz allen Wohlwollens muss man aber zugeben, dass dies nur bis zu einem bestimmten Punkt geht (meistens der Hormone wegen, an denen kommt Mensch eh nicht vorbei), zudem in stetiger Abwechslung mit gagreichen Beobachtungen zu Elternsorgen und Zukunftsmodellen, wie sie eben noch den normativen Grundstein bilden, auch per Überzeichnung zum Lachen bewegen, aber wie so oft im Leben vorsorglich auf die kollektive Langeweile des Eigenheims weisen. Zwischen Jugend und Adulthood kann auch hier nichts ewig halten, das gibt sich eben in Phasen, zumindest aber legt der Film entschieden Wert aufs Eigene, ehe er sich eine Moral eintätowiert. Sobald Kappa Kappa Nu nämlich die Geldknappheit erreichen und sich gezwungenermaßen wieder mit Modellen des Sexismus anbiedern müssten, um die Haushaltskasse zu füllen, stehen Würde und Freundschaft so übel auf dem Spiel, dass man beiderseits Einsicht aus der Situation schlägt und nur solche Kompromisse eingehen, welche die Selbsterfüllung des Gegenübers gewährleisten. Kappa Kappa Nu sahnt da sogar doppelt ab, während Vergebung und universelle Menschlichkeit angesagt sind, um auch den Klimax zum ebenso omnipräsenten Zwiespalt der Radners zu finden, ob sie denn als Eltern taugen und wie viel an Entscheidung sie sich in der Erziehung rausnehmen dürfen. Alle diese Punkte werden im Rahmen einer Komödie von den Emotionen her natürlich eher oberflächlich angerissen, sind aber doch zahlreich vorhanden, auch gar nicht in Sentimentalitäten sowie anderen forcierten Ernsthaftigkeiten ersoffen. Soll ja auch kein Akt sein, wer schlußendlich Gras auf suburbanem Rasen wachsen und rauchen lässt.




X-MEN: APOCALYPSE - "[...] Regisseur Bryan Singer bringt als Initiator des Ganzen gewiss den nötigen Enthusiasmus mit; zumindest kommt er an mehreren Stellen über Simon Kinbergs Drehbuch hinweg, das sich scheu mit Expositionen voll funktioneller Dialoge durch ein Mammut-Ensemble kämpft, um die eine oder andere Ladung ausgeprägter Charakterstärke zu ballen. [...] Die Vereinigung im Schmerz, jene kollektive Verarbeitung der Ausgrenzung ins Gute, wird wohl für immer überleben. Da kommt es nicht von ungefähr, wenn auch dieser Film die Familie, Verlust und Erkennung derer als thematisches Herzstück anspricht. [...] Milieuvorstellungen mit X-Men im Vordergrund werden sodann die unterhaltsamsten Schauwerte eines Zeitkolorits anno 1983, das zwischen Highschool-Masche und Ostblock-Maschendrahtzaun pendelt [...] (Singer) kann ihre Katharsis sowie ihre Furcht davor allerdings auch besser in Bilder fassen, als es Autor Kinberg mit Worten schafft [...] Zeitgleich ist auch nichts verkehrt daran, die Qualitäten oder Mängel des Konsens zu reflektieren, wenn die Moral im Innern weiterhin stimmige Argumente für Toleranz, Empathie und der dennoch nötigen Differenzierung von Macht und Gemeinschaft liefert. [...]"



(Die komplette Kritik gibt es auf CEREALITY.NET zu lesen.)




THE NICE GUYS - "[...] Der Durchschnittsfall von der vermissten Leinwandschönheit treibt sodann also das Abenteuer an, nicht allzu aufregend mit Intrigen und Konventionen durchs Nachtleben prellend, aber genug Angriffsfläche bietend, anhand derer sich der Harte und der Zarte in die Wolle kriegen, um bald gemeinsam auf die heiße Spur zu kommen. [...] Ganz sauber sind beide so oder so nicht, abseits dessen verbinden sie sich trotz anfänglicher Missverständnisse aber schnell im Pendel aus zeitgenössischem Zynismus und selbstentlarvendem Chaos, mal mehr und mal weniger fortgeschritten in Richtung Kompetenz. Sie hauen die Leute meistens jedenfalls gut übers Ohr und stecken dafür sogar die Macho-Route zurück, was umso mehr beglückt, so locker sich Gosling und Crowe nun mal die Bälle vom Kumpel-Jargon on the rocks zuspielen. [...] Es ist nun mal ein netter Film geworden, ordentlich seinem Genre verpflichtet und voller Spielspaß im Konsens unterwegs, wo sich selbst der Regisseur vom „Lost River“ auch galant zum Affen machen darf. Der Pepp geht leider nicht ganz im Laufe des Plots auf, wenn die biedere Zum-Kult-geboren-Walze ihre Belanglosigkeit streckt, für ein harmloses Minenfeld an nicht komplett forcierten Schlagfertigkeiten und Schlaghosen im Vintage-Crime zwischen Räuden- und Honkfilm kann man sich dieses Back in Black aber durchaus geben. [...]"



(Die komplette Kritik gibt es bei den DREI MUSCHELN zu lesen.)

Sonntag, 10. Mai 2015

Tipps vom 04.05. - 10.05.2015



ICH SEH, ICH SEH - Ein konzentriertes Kraftbündel vom Horror, die eigene Mutter nicht mehr wieder zu erkennen. Dabei lockt einen der Film von Veronika Franz und Severin Fiala per meisterhafter Suggestion gerne auf die falsche Fährte; konstruiert in ländlicher Lage bewusst ein Designer-Eigenheim der Klaustrophobie, in dessen Dunkelheit sich so manche Geheimnisse lagern lassen - bis sie dann doch im reißenden Licht der Furcht entdeckt werden. Die Erlösung in Maisfeldern, Hagelkörnern und Trampolinen währt dabei auch nur von kurzer Haltbarkeit, da hierin ebenso mentale wie auch physische Mauern aufgebaut werden. Das fängt mit kleinen abwegigen Anzeichen an und verstärkt sich zu arretierenden Eskalationen, welche die Zelle der Familie in den Schlund der Vermutung, Kontrolle und Frustration hinein wirft.


Ein wahr gewordener Alptraum zieht auf, wie auch die soziale Verklärung keine Gegenwehr anbieten möchte - sind ja schließlich noch Kinder, die sich in die von außen hin abstruse Angst hineinsteigern. Es trifft den Zuschauer aber hart im Herzen und im Gewissen, wenn die Normalität der Fürsorge unberechenbare Tiefen einzugehen droht. Doch was sich zunächst im Kopfkino ausbreitet und nach Entlastung sehnt, wird in der schlussendlichen Heimzahlung der Wahrheitsfindung noch verstörender und grausamer - wohlgemerkt mit kleinen und unscheinbaren Elementen des Haushalts, wie auch schon die Provinz des Umfeldes schlicht mit schweigsamem Druck den Atem anhalten lässt. Die dazugehörigen Bilder und Stimmungen schneiden sich dabei wie die ebenfalls präsente Zahnseide konkret und dominant ins Fleisch, jedoch auch nur deshalb, weil sich das kleine Ensemble wahrhaftig gegenseitig erledigt.


Ohne zuviel verraten zu wollen, sei gewiss, dass sich die Mutter und ihre Kinder hier mächtig kaputtmachen können - bis hin zum eruptivsten Schrei, vor dem man sich seit Langem mal wieder im Kino fürchten darf. Beim kontinuierlich beengenden Psychogramm des Films kommt man eben ins Schlottern, ohne den künstlichen Schreck zu erfahren. Urängste mütterlicher Abhängigkeit und kindlicher Unschuld reiben hier unnachgiebig aneinander; sind zwar bestimmten Genre-Tropes nicht abgeneigt, legen aber einen fesselnd finsteren Impuls frei, der trotz aller Kompromisslosigkeit noch die Hoffnung in der Flucht des Geistes sieht. Dafür muss erst alles brennen, doch in der darauffolgenden Dunkelheit lässt sich auch alles wiederfinden. Kein Happy-End natürlich, aber insgesamt eine spannende Schock-Spezialität aus österreichischen Landen.




DAS FEST - Thomas Vinterbergs Pionierwerk der Dogma-95-Bewegung bringt schon gut auf den Punkt, was sich alles Hassenswerte und Unangenehme im Konzept der Familienfeier abspielt - die Eruption dessen hat dementsprechend knackig den Hau weg und geht zudem auf Hardcore-Tuchfühlung. Stilistisch unmittelbar per losgelöster Handkamera und ruppiger O-Tonkulisse in allzu vertrauten Home-Video-Signalen eingefangen, verdreht er sein Ensemble von der gemütlichen Verklärung in die eingerissene Fassade des bürgerlichen Wohlstands hinein, auf dass schon eine gewisse Katharsis der Wahrheit einkehrt, aber auch ausweglose Spannung.


Bei diesem ungehaltenen Sturm der Gefühle steckt der Horror in der Maßregelung der familiären Einheit, doch der Zusammenhalt der Opfer bündelt noch ein neues Herz zusammen. Es braucht dafür u.a. Hass, Schuld und Offenbarungen, um das Fest der Befreiung entfachen zu lassen - und das, während das Gros der Gäste trotz der Enttarnung die feierfreudigen Scheuklappen aufsetzt. Hier erlebt man also einen durchweg starken und urigen Tobak im Ausbruch aus patriarchalischen Würgegriffen. Ein Grund zum Feiern!




HEATHERS - Eine schonungslosere Satire auf die asozialen Mechanismen des US-amerikanischen Schulalltags dürfte es vor Todd Solondz nicht gegeben haben - und auch sonst ist Michael Lehmanns sowohl spritzig-zeitgenössischer wie auch komplexer Teenie-Albtraum ein schwarzer Schocker, der zeitlos den Arm des Konsens zwiebelt. Dabei werden schon gezielt Stereotypen der schulischen Gesellschaft mit zynischer Abgeklärtheit angepackt, doch im Humor dessen sind Unschuld und Naivität weiterhin nicht ausgeschlossen.


Deshalb jagt der Film an sich auch keinem vollen Realitätsverständnis hinterher, sondern überspitzt nur allzu gerne seinen Zucker, stellt diesem das Morbide entgegen und bringt sowohl Vergebung als auch furchtsame Ermattung fürs Radikale auf. Faszination und Verständnis für Aussenseiter sind da sowieso gegeben, aber ebenso nicht vor giftig-genüsslicher Kritik sicher. Kein Wunder, dass Drehbuchautor Daniel Waters danach für "Batmans Rückkehr" ein ähnlich cleveres Kabarett der Kontraste aufzog.




THE TEXAS CHAINSAW MASSACRE 2 - "[...] Hoopers Film glorifiziert den Schrecken nicht, sondern veräußerlicht die brodelnde Gewalt eines Landes, das seine Faszination zum Bösen nicht verarbeiten möchte. Kein Wunder also, dass die Sawyers nun unter einem verlassenen Ferienpark hausen, der die Schlacht um Alamo und andere historische Gewaltmomente zum Vergnügen aufbereitet. So stößt Lefty einmal hinter eine Wand, auf der eine Illustration von gegeneinander kämpfenden Indianern und Konföderierten verzeichnet ist, und schon rotzen reichlich Gedärme heraus. Der Abstieg ins finstere Metzellager der Sawyers gleicht so einem Einblick in die Hölle (mit jenen schrillen Bewohnern als entweidende Verwandte der Drei Stooges), zeigt aber auch das wahre Gesicht eines amerikanischen Ideals, das sich allmählich selbst zerfleischt. [...]"



(Die komplette Kritik gibt es auf CEREALITY.NET zu lesen.)




LIFEFORCE - "[...] Genauso haltlos wie das brennende Verlangen nach Sex läuft der Film also seiner hormonell anregenden und ebenso von Lebenssaft abhängigen Vampirfrau hinterher. Er rast mit Vollgas dem Blut, dem Wahn und urbaner Zerstörung entgegen, während sich das Raumschiff anhand eines Laserstrahls am Himmelszelt daran wie mit einem Strohhalm ergötzt und ständig mehr verlangt. [...] Selbst wenn das Böse mit dem Schwert bezwungen wird, spritzen die Seelen atemlos ins Mutterschiff, das sodann zum nächsten Planeten vorantreibt und kein abgeschlossenes Ende bereithält. Tobe Hooper und Co. frönen in ihrem Gesamtkonzept eben der unbedingten Geilheit. Und da ist jedes Mittel recht, um den Reizen des fantastischen Invasions-Horrors ohne Rücksicht auf Verluste oder Sachschäden zu folgen. [...]"



(Die komplette Kritik gibt es auf CEREALITY.NET zu lesen.)




ESCOBAR - PARADISE LOST - "[...] Der Freiraum wird so klein, dass im Versteck nur noch ein Loch fürs Auge oder fürs Ohr am Telefonhörer übrig bleibt, an dem man machtlos die Konsequenzen der Naivität vorbeiziehen sehen und hören muss. Schließlich öffnet sich doch noch die Gelegenheit für eine Genre-gerechte Katharsis im Rückschlag, doch ist diese nur von kurzer Dauer. Stattdessen bleibt Nick der Spielball einer selbst ernannten Gottheit, deren Wege abgesehen vom Selbstschutz unergründlich, doch grausam sind. Alle Wege enden entweder im Blut oder in der Gefangenschaft – das Paradies ist verloren [...]"



(Die komplette Kritik gibt es auf CEREALITY.NET zu lesen.)




PITCH PERFECT 2 - Nach zwei Pressevorstellungen in den letzten zwei Monaten, jeweils einmal im starken O-Ton und einmal (nicht ganz so stark) synchronisiert, darf ich nun auch offiziell verkünden, dass mir die Fortsetzung der etwas unebenen A-capella-Komödie von 2012 im Vergleich mal echt gefällt. Zum einen liegt das unter Anderem am optimierten Gag-Gehalt, der nun am laufenden Band sympathische Pointen austeilt (und dieses Mal mit weniger unbeholfenen Lesbierinnen-Gags aufwartet); zum anderen am erhöhten und schmissiger geschnittenen Gesangsfaktor, der in seiner Kurzweiligkeit stets für dufte Laune und einige feuchte Augen sorgt.


Klingt belanglos? Ist es auch mit frecher Entschiedenheit, aber sei es drum: Als eskapistisches College-Character-Piece besitzt der Film genau die Freimütigkeit, die liebenswert zum Fun einlädt sowie jenen ambitionierten Zusammenhaltsfaktor unter Mädels, der im ersten Teil noch eher dem Konkurrenzdenken weichen musste. Stattdessen ist das freudige Wiedersehen angesagt sowie die gemeinsame Bezwingung der deutschen Supergruppe "Das Sound Machine", obwohl deren Performances die offensichtlichen Highlights des Films darstellen. Da wird selbst Anna Kendrick ganz wuschig.


Doch was wäre all der Spaß ohne die emotionale Umschließung des Ganzen, in der sich unsere Acabitches einen Kopf drum machen müssen, was sie mit ihrer Zukunft anstellen, obwohl sie das Wirken und die Freundschaft im Chorus am Liebsten für immer und ewig durchziehen möchten. Sie müssen eben ihre eigene Stimme und die Liebe wie ein Licht in der Nacht noch finden. Damit kann sich so manch Heranwachsender identifizieren - auch dank der krassen Auswahl an 90's Jamz, bei denen gerne der ganze Körper mitschwingt, während die Lachmuskeln noch am Arbeiten sind. Eine filmische Ertüchtigung also, bei der man sich gerne öfter als zweimal effektiv beglücken lässt - ganz goldiges Langfilmregiedebüt von Elizabeth Banks.




SUPERGIRL - Zu meiner eigenen Überraschung musste ich jetzt doch feststellen, wie niedlich ich diesen Film fand - insbesondere wohl wegen der goldigen Helen Slater als Titelheldin. Aber auch so verkörpert ihr Charakter eine ungeniert gutmütige Naivität, die nicht nur mit großen Augen, breitem Lächeln sowie toll wechselnden Haaren und Klamotten glänzt. Komisch nur, dass aus jenem Umstand (Sie kommt aus dem All in unsere Welt) kein pointiertes Fish-Out-Of-Water-Narrativ entwickelt wurde - und das obwohl sie ja tatsächlich mit komplettem, Boobs betonendem Kostüm aus dem Wasser in unsere Wälder geschossen kommt; wie ein Kind Flora und Fauna bewundert und darin unbedarft schwebt.


Schon kurz darauf legt sie sich nämlich mit potenziellen Vergewaltigern an und geht danach aus einer reinen Laune (oder der Lust nach Zusammengehörigkeit) heraus ganz unschuldig aufs Internat. Eine Phase, die insofern zur Charakterentwicklung genutzt wird, dass sie ein paar Mädels (allen voran Maureen Teefy als Lucy Lane) kennenlernt, ein paar Streiche und außerirdische Kräfte vereitelt sowie einige drollige Anpassungen an das Mädchendasein vollführt - BH-Ausstopfen und Kussübungen vor dem Spiegel inklusive.


Das intergalaktische Coming-of-Age verschiebt sich schlussendlich eher auf die Prüfung gegen einige der obskursten Bösewichte der Comicfilm-Geschichte: Die pure Faye Dunaway als Provinzhexe Selena und ihre planlose Klatschgenossin Bianca (Brenda Vaccaro), die aus irgendeinem Grund in einer Geisterbahn hausen und auf Black-Magic-Männerfang gehen, wenn sie mal keinen ironischen Smalltalk halten. Ein wunderbar abwegiges Gespann, wie auch der Film an sich irgendwie nicht weiß, worauf er hinaus will, außer vielleicht in die Quelle des beglückenden Eskapismus.


Gewiss gelingt ihm das mit toughen Girls, obskuren Setdesigns (Hurra für die Phantomzone - sogar mit vertrocknetem Leichnam à la "Man of Steel") und einer guten Menge dusseliger Romantik - ob nun jene aus Pseudo-Hypnose erwachten Liebe zwischen Supergirl und Ethan (Hart Bochner) oder die geradezu selbstverständliche Zuneigung zwischen Lucy Lane und Jimmy Olsen (Marc McClure). Mit ähnlicher Selbstverständlichkeit überrascht der Film ohnehin den erfahrensten Genre-Kenner; entwickelt humorvolle Unsinnigkeiten wie die plötzliche Diktatur Selenas anhand eines riesigen Berges oder Peter O'Tooles Drang zum "Squirten".


Man könnte meinen, John Boorman hätte zeitweilig den Regiestuhl übernommen; dazu passt auch das metaphysische Riesenmonster aus Selenas magischer Kugel, mit der sie sich auch quasi in der ganzen Welt umschauen kann - weil sie es nun mal kann. Und weil Dunaway hier offenbar spielen kann, wie sie wollte, bietet sich hier ein Camp-Traum vom feinsten an! Wem das jetzt alles zu weit vom Superman-Mythos entfernt klingt, sollte sich zumindest noch damit begnügen können, dass Supergirl ein pflichtbewusstes und freundliches Ideal repräsentiert, das sich neben der Sehnsucht zur Rettung von Welt und Mitmenschen zudem ohne Hindernisse die Freiheit nimmt, mit netten Typen zu knutschen, die ohnehin voll begeistert davon sind, dass sie fliegen kann. Mal ehrlich: Wer wäre das nicht?




CRAZY LOVE - LIEBE SCHWARZ AUF WEISS - Mit gut abgeglichenen Teenie-Komödien aus den 1980ern kann man nicht viel falsch machen - so ist auch hier der pubertäre Drang nach Liebe und Sex der Entscheidungsfaktor der paarfixierten Persönlichkeitsbildung, wobei das Konzept jenes gängige Wer-mit-Wem insoweit umspielt, dass jene einzig Richtige für Protagonist Michael (C. Thomas Howell), Toni (Lori Loughlin, "RAD"), anhand von poetischem Briefverkehr freiwillig aber frustriert die Mittlerin zwischen ihm und der heißesten Braut der Schule, Debby (Kelly Preston), wird. Wie gehabt geht die Dramaturgie natürlich darauf hinaus, dass er erst relativ spät erkennt, was wahre Liebe bedeutet; erfüllend wirkt es trotzdem.


Liegt womöglich an der kurzweiligen Ensemble-Arbeit des recht naiven Films, der sich neben den Allgemeinplätzen des High-School-Lebens zudem erlaubt, jene romantisch ausgeschmückten Briefe Tonis noch zu einem Subplot weiterzuentwickeln, bei dem die jeweiligen Eltern glauben, dass ihr Partner eine Affäre mit jemandem hätte. So kommt es dann immer zum Wechselspiel zwischen dem komplizierten Paarungsverhalten der halbstarken Teens und dem Verhängnis der Erziehungsberechtigten, wenn sie ihren angeblichen Verehrern nachstellen und sich so auch vor ihren Kids verstecken müssen. Weiß Gott nicht die hohe Schule der Komödie und teilweise entschieden honkig, aber allein durch die umschmückenden Eckdaten eine genüssliche Zeitkapsel.


Jan Hammer am Score lässt es nämlich Synth-gerecht krachen, Fred Ward gibt den wütenden Dad, alle Frat Boys sprechen in Neon-Clubs und Frittenbuden vom Fuck-around-the-clock, ein paar schöne Brüste werden ebenso ausgepackt und dennoch haben alle eine altersgerechte Unschuld inne - das Stichwort dafür schlechthin: Lori Loughlin. Insgesamt ist der Film ein ganz bescheidenes und stimmiges Liebeskarussell aus einem Jahrzehnt voller ähnlich gelagerter und auch noch weit besserer Filme, aber wer dem Genre was abgewinnen kann, dürfte hier eine ganz sympathische Wahl treffen. Und wer noch mit der Entscheidung hadert, sich nach diesem Film umzuschauen, darf seine Öhrchen mal für diesen feschen Titelsong aufstellen:






DUFF - HAST DU KEINE, BIST DU EINE - Ein Film, aus dem man einfach nicht enttäuscht hinausgehen kann, da er von außen genau das repräsentiert, was er auch liefert: Die gängige Teenie-Komödie voller Genre-Konventionen sowie dem ewig gleichen Narrativ des "hässlichen Entleins", das sich zur Ballschönheit mausert und den liebsten Kerl abkriegt. Daran ist natürlich alles in Ordnung und manchmal ist das Erleben jener Wunschfantasien ohnehin Balsam für die Seele. Wenn dann aber wie hier noch ein knackiger Wortwitz mit einigen abwegigen Pointen am Start ist, hängt man sich umso lieber rein - auch wenn gewisse Längen nicht zu verleugnen sind. Ebenso unbeholfen, aber von Connaisseusen der Materie mehr als erwünscht: Die Einarbeitung von Social Media zur Zeichnung des Zeitgeistes - allerdings nicht so planlos-erklärwütig wie z.B. in "Kiss the Cook".


Die Ära der Cyberbullys bietet sich nun mal nicht zur Zeitlosigkeit an, wohingegen die Rollenmodelle der High-School-Comedy hier mit entschiedener Selbstverständlichkeit zur Handlungsentwicklung aufgewendet werden. Die clevere und satirische Keule fortschrittlicherer Varianten aus bereits vergangenen Tagen darf sich zwar nur im Ansatz blicken lassen, doch dafür entschädigt die sympathische Figur Mae Whitmans als titelgebende "DUFF" (Designated Ugly Fat Friend - keine Ahnung, wie die deutsche Synchro das handhabt), Bianca Pepper. Sobald sie nämlich im Intro als Kultfilmfan offenbart wird und Poster von "Woodoo - Die Schreckensinsel der Zombies" und "Maniac" an der Wand hängen hat sowie mit sarkastischer Schüchternheit im drolligen Casual Look abhängt, kann man sich (subjektiv gesehen) nur verlieben.


Obwohl, man wird sich mitunter eher mit ihr identifizieren, denn solch liebenswerten Idealfällen begegnet man nun wirklich nicht jeden Tag. Die unsichere Aussenseiterin sehnt sich aber wie immer in derartigen Filmen nach Akzeptanz und am besten auch der Liebe - erst recht, sobald sie Stück für Stück vom Schulalltag, sozialen Schemata und Viral Videos in die unwürdige Enge getrieben wird. Ihr netter, doch zackiger und populärer Nachbar Wesley (Robbie Amell) will ihr da ein bisschen auf die Sprünge helfen. Das lässt allmählich und relativ natürlich eine süße Liebe zwischen dem ungleichen Paar entstehen, doch Handykameras folgen ihnen auf Schritt und Tritt. Die Öffentlichkeit kennt dafür nur Häme.


Hier wird die Agonie der permanenten medialen Erfassung illustriert, die nun allzu stimmig in die Mechanismen des Schulalltags einfließen, wie es abermals heimliche Nachrichten, Tagebucheinträge und schlichte Gerüchte schafften. Es hat sich nicht viel geändert, in Sachen Stil und Storytelling erst recht nicht, bringt aber weiterhin die erwartete Erleichterung, sobald die designierte Verstoßene mit individuellem Selbstbewusstsein aus sich herauskommt und die Blicke hinter sich zieht. Wobei Frau Whitman nun absolut keine schicken Klamotten braucht - attraktiv ist sie schon von Anfang an. Eben ganz nett wie der Film an sich.




FREISTATT - "[...] So handelt es sich entgegen der historischen Hintergründe seines Titel gebenden Ambientes um einen lupenreinen Genrefilm, wie es ihn zuletzt vielleicht mit Manfred Purzers „Randale – Junge Mädchen hinter Gittern“ (1983) gab. Regisseur und Koautor Marc Brummund legt nämlich eine Sause hin, die trotz ihrer technischen Ernsthaftigkeit als klassischer Exploitation-Reißer durchgeht. [...] Der große Spaß in diesem Abenteuer kommt aber daher, dass es einem nicht mehr vorgaukeln möchte, als es verspricht. So wird jede Handlungsentwicklung und jeder Satz zur Pointe, während der Grundgedanke die Empathie am Laufen hält und gleichsam auf den Magen schlagende Spannung erzeugt. [...]"



(Die komplette Kritik gibt es auf CEREALITY.NET zu lesen.)




PAYCHECK - DIE ABRECHNUNG - Nein, was habe ich mich gefreut. John Woos letztes Hurrah für Hollywood ist, mit heutigen Augen gesehen, ein spekulatives Spaßbündel und schlicht verballertes High-Concept-Kino vom Feinsten. Alles an Charakteraufbau und Storytelling ist (bewusst?) von so weit hergeholt, dass die Unfassbarkeit nimmer stoppt - jedes Element findet auf die urigste Weise zu seiner Drehbuch-Einmaleins-Designation, die so phantastisch durchgeplant ist, dass man rein gar nichts daran ernst nehmen kann. Tiefere Gefühlswelten werden deshalb zugunsten knackig-dämlicher Oneliner und Etablierungs-Overkills für Dummies eingetauscht.


Dafür herrscht natürlich ein ausgelassener Schwachsinn, der sich dementsprechend mit Woo's visueller Verspieltheit deckt. Interessant ist dabei zwar der sporadische Einsatz der Kamera als unterstützende Perspektive für Afflecks Charakter, die somit gerne auch mal seine Desorientierung visualisiert; ansonsten poppt die bunte Montage reichlich wilde Klischees und die obligatorische weiße Taube ins Auge, auf dass der Film selbst für 2003 unglaublich overstated und grell daherkommt. So legt er aber auch einen aberwitzigen Fokus auf eigentlich belanglose Gesten wie ein Händeschütteln oder Afflecks variierende "Helden"grimassen, als wäre man in einem unbeholfenen B-Movie gelandet.


So fühlt sich der unwürdig auf Philip K. Dick basierende Zukunftsthriller wie die ähnlich realitätsfernen Eurospy-Eskapaden der 1960er Jahre an - stilecht mit einem Gadget-Helden, gegen den von allen Seiten intrigiert wird, der dufte kombinieren und fighten kann, sein Herz allerdings nur für eine Special Lady offen hat sowie explosive Sachschäden mit (teils per Steinzeit-CGI gelöster) Hau-Drauf-Raffinesse und einem verschmitzten Grinsen übersteht. Honk-Coolness in naiver Reinkultur inklusive esoterischem Bullshit - so lässt sich dieses gewollte und herrlich verbockte Blockbuster-Allerlei des infantil-futuristischen Sci-Fi-Stumpfsinns ausgezeichnet empfehlen.




DAS VERSPRECHEN EINES LEBENS - "[...] Dort am Strand kreuzen sich die Wege der Väter und Söhne dieser Welt und betreten die Ruinen des Schlachtfelds, welche auf beiden Seiten noch immer Wunden einreißen können. So schreckt Regisseur Crowe auch nicht davor zurück, die Gewalt des Konflikts niederschmetternd und direkt Revue passieren zu lassen. Der Verzicht auf Rührseligkeit und oberflächliche Musik-Emotionalisierung wirkt hier derart treffend nach, dass Crowes scheinbare Mühelosigkeit in der Inszenierung nur zu bewundern ist. Seine einfachen Gesten der Menschlichkeit müssen sich jedoch ab der zweiten Hälfte stetig verkomplizieren, lenken vom Weg Joshuas ab und legen das Schicksal der gesamten Türkei in seine Hand. [...]"



(Die komplette Kritik gibt es auf CEREALITY.NET zu lesen.)

BONUS-ZEUGS:




ABOUT A GIRL - "[...] Alles zu bezeichnend für einen Film, der sein Taktgefühl zugunsten sonniger Einwegbilder eintauscht, die für alle Phasen im Leben eine möglichst einfache Lösung finden und meinen, dafür nicht einmal die Beweggründe des menschlichen Problems verstehen zu müssen. Hauptsache, man darf sich über die leicht verdauliche Trivialisierung morbider Neigungen sowie der Suizidproblematik amüsieren, solange dabei ja nicht allzu provokante oder gar neue Ideen zur Umsetzung angewendet und die Sicherheit eines Happy End versprochen werden. Kein Wunder, dass gerade so was mit Fördergeldern und dem Prädikat „Besonders wertvoll“ belohnt wird."



(Die komplette Kritik gibt es auf CEREALITY.NET zu lesen.)