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Sonntag, 7. Januar 2018

Das Filmjahr 2017 im Rückblick


Liebe Leser,

sacht ma, was hat uns 2017 gematert, wa? Obwohl, vom Gefühl her lief es doch noch ganz geschmeidig, wenn man bedenkt wie man’s sich mit der ´16 so verkracht hatte – man musste halt ne Menge von dessen Mock jetzt ausbaden und da ist natürlich noch genug zu ackern dran. Aber musstet ihr so zig Zahn-OPs mitmachen wie meiner einer? Die waren schon der schrecklichste Stress in Quadrat. Allerdings kann man ich mich neben der übermäßigen Einspritze von Betäubungsmitteln dann doch an blockweise Schübe medialer Unterhaltung erinnern, die mich über Monate hinweg bestens bei Laune hielten. Videospiele waren wieder groß in der Gunst, Kinners, ich hatte mich von Frühling bis Sommer um den Giganten DOSHIN aufm Gamecube gekümmert – nun gegen‘s 4. Quartal führte sich zudem die Nintendo Switch mit der Odyssee SUPER MARIOS ein, dass ich in Sachen Selbstbeschäftigung hoffentlich nie zur Ruhe komme. Der junge Schreiberling hier hat nämlich inzwischen die runde 30 erreicht und man soll sich ja stets so jung fühlen wie die paar kleinen grauen Haare die man am frühen Morgen neu sprießen sieht – huch, da blitzt das Kinn auf einmal, irres Feeling! Das geht in Serie, wie’s scheint – und wie sich die Geschichte so ergibt, habe ich eine gewisse Stückzahl von DEM Format ebenso am TV oder eher anderswo online aufgelesen (einmal allgemein drüber geschrieben habe ich ebenso hier). Ein bisschen Weiterbildung in Sachen Mike Judge brachte mich für 8 Staffeln lang zum „King of the Hill“ und seine neueren „Tales from the Tour Bus“, über „Vice Principals“ hinweg ließ sich eine zweite Staffel „Stranger Things“ mit sehr bekannteren Mustern ihrerseits auf familiäre Entscheidungsgewalten ein, weshalb das große Erwachen in der Rückkehr „Twin Peaks“ dann doch unerreicht bleiben musste (obwohl der Electric-Sun-20-Prozess gegen Tim Heidecker ebenso großartig ausfiel). 

Kaffee wurde trotzdem nicht nur dort, sondern bei mir zu jeder Gelegenheit versüppelt, insbesondere als wir hier in Hamburg eine kleine Filmtruppe gründeten, die noch immer etwas in den Wehen liegt, aber trotzdem schon einige feine Stoffe ins theoretische Kintopp-Mekka schleuste. War allerdings auch unter dem Banner eines Jour Fixe aufbereitet, für den meine Wenigkeit früher als gewohnt und damit vollkoffeiniert in die Zukunft blicken durfte. Wer weiß, was 2018 da alles noch bei rauskommt. Vielleicht wieder mal mehr an Kinobesuchen (nur so 38, eine davon war immerhin eine todschicke Premiere unter Freunden) oder an Texten auf dieser Seite, denn die wurden ein bisschen vernachlässigt unter allen anderen abseitigen Aktivitäten, geb ich ja zu. Nicht, dass viele dem hinterher getrauert haben, aber vom Pflichtbewusstsein her wollte ich zumindest doch nochmal intervenieren, die Lust am Schreiben wiederentdecken. Hatte ja doch auch viele Pressevorstellungen besucht, die bis heute auf ein Feedback meinerseits hoffen dürften. In diesem Sinne habe ich den besten Zeitpunkt erwischt, da die Zeit des Jahresrückblicks in den Fingern des Online-Bloggers geschrieben steht! Also habe ich die letzten Wochen im Dezember genutzt, alles Revue passieren zu lassen (und ggnf. einiges soweit es ging nachzuholen), was 2017 im Kino lief (bereits 2016 gesehenes ist da leider raus), oder auch nur Direct-To-DVD rauskam, (wo auch immer in der Welt) On-Demand verfügbar war und im Festival-/Presserahmen vorstellig wurde. Die Auswahl ist bestimmt nicht für jedermann legitim, was derjenige eventuell für OFFIZIELL 2017 hält, aber ist doch wurscht, den verpeilten Vertriebswegen weltweit könnte man doch eh mal das Augenlid aufklappen, was das Optimum an Verfügbarkeit angeht. 


Bis dahin ziehe ich Bilanz im Gegenwärtigen, schließlich ist’s ja nicht mal so, als ob ich alles gesehen hätte aus den letzten 12 Monaten – endgültig ist halt nur der Tod, aber mein Gimmick dieses Mal hat schon fast was von der Geschichte Mose‘, denn auf einem echten Stück Papier verewigt stehen meine Meinungen nun gleich vor euch. Immerzu 2 Filme nebeneinander habe ich in mein Notizbuch à A5-Seiten auf ihre Wirkung oder Qualitäten hin zusammengefasst. Meine Sauklaue habe ich an gewissen Stellen nochmal etwas korrigiert, damit ihr euch nicht zu sehr einen bei der Identifizierung von Buchstaben abmüht, aber die gefällige Computerschreibe ist da trotzdem noch weit von ab. Muss halt was Besonderes sein und ist insofern nur schlüssig, wenn nicht unbedingt jeder was bisher mit meinem Zeugs was anzufangen wusste. Immerhin habe ich es in Videoform umgesetzt – ansonsten habe ich danach noch so manchen Schwank zu erzählen, könnt ihr ja runterscrollen, es gibt Top Tens, kleine Extrageschichten, Reposts von Sachen, die außerhalb des Blogs noch für Furore sorgten und 1,2 ergänzende Kritiken oder so – vielleicht schmuggelt sich unter all dem auch noch ein bisschen Kunst! Man liest sich, jetzt, gleich oder wann auch immer – freut mich auf jeden Fall, dass ihr irgendwie dabei seid, nett von euch! Nun aber erstmal viel Spaß mit den Filmstullen 2017, bringt etwas mehr als eine Stunde Zeit dafür mit:



Tja, das waren doch jetzt ganz schön viele Eindrücke aus der flotten `17, hattet ihr alle aufgestellten Kandidaten gekannt? Wie dem auch sei, ein jeder würde an dieser Stelle bestimmt noch nachfragen wollen, welche mir von diesen denn gegenwärtig am liebsten waren (zu den schlimmsten muss man glaub ich nichts mehr sagen) – da lass ich doch gerne aufklären, klar, ihr sollt nicht umsonst so weit gekommen sein.

10. POWER RANGERS

9. JIM AND ANDY: THE GREAT BEYOND

8. GET OUT

7. THE WAILING – DIE BESESSENEN

6. DIE TASCHENDIEBIN

5. DIE VERSUNKENE STADT Z

4. WESTERN, 3. GOOD TIME

2. THE FLORIDA PROJECT

1. BRAWL IN CELL BLOCK 99


Und wisst ihr was? Letztes Jahr hatte ich an dieser Stelle auch meine liebsten Erstsichtungen des Jahres genannt, also Filme, die so gar nix mit der aktuellen Spannweite, in unserem heutigen Fall also 2016-2018 etc., zu tun haben. Einige habe ich bis zur Mitte des Jahres auch hier besprochen, aber andere danach wiederum nicht, obwohl so viele schöne dabei waren. Dieses Jahr versuche ich wieder die regelmäßigere Vermittlung derer an euch, aber ehedem kriegt ihr hier eine weitere schöne Liste aufgetischt, was sich zu 25 Stücken herzlichst in meinen Fundus verirrte und auch an euch empfohlen werden dürfte:

DIE SCHÖNE UND DAS UNGEHEUER (Juraj Herz, 1978)
CATHY'S FLUCH (Eddy Matalon, 1977)
THE LOVELESS (Kathryn Bigelow und Monty Montgomery, 1981)
I AM HERE...NOW (Neil Breen, 2009)
HIMMELSKÖRPER (Lawrence Dane, 1984)
VIER STUNDEN VON ELBE 1 (Eberhard Fechner, 1968)
DIE LIEBENDEN (Louis Malle, 1958)
FRANKENSTEIN MEETS THE SPACEMONSTER (Robert Gaffney, 1965)
UNHEIMLICHE BEGEGNUNG (George P. Cosmatos, 1983)
DIE FERIEN DES MONSIEUR HULOT (Jacques Tati, 1953)
DAS BROT DES BÄCKERS (Erwin Keusch, 1976)
DIRTY TIGER (Amin Q. Chaudhri, 1988)
ZAZIE (Louis Malle, 1960)
GEFÄHRLICHE BRANDUNG (Kathryn Bigelow, 1991)
SATISFACTION (Joan Freeman, 1988)
BLOOD FEAST (Herschell Gordon Lewis, 1963)
DAS NORTHVILLE MASSAKER (William Dear und Thomas L. Dyke, 1976)
DIE ABFAHRER (Adolf Winkelmann, 1978)
DER TEUFEL VON KAPSTADT (Hermann Kugelstadt, Alfredo Medori und Wolfgang Schleif, 1962)
HINTER KLOSTERMAUERN (Harald Reinl, 1952)
IM HERZEN DES HURRICAN (Hark Bohm, 1980)
EMANUELLE - INSEL OHNE TABUS (Enzo D'Ambrosio und Humberto Morales, 1976)
DRAGON BLADE (Daniel Lee, 2015)


Im Grunde ist das aber auch nur eine kleine Auswahl unter vielen Schätzen, die bei Filmabenden und anderen Großereignissen freundschaftlicher Vorführung gefunden wurden (man erinnere sich an die Großaktion VOTE THE FILMABEND, deren riesige Twitter-Wählerkampagne sowie dem schockierenden Endergebnis!) – wenn ich da wirklich alles Sehenswerte auftischen würde, bleibt danach ja gleich die Frage „Warum?“ da stehen, woraufhin ich keine Texte zum Beweis vorlegen könnte. Das wäre doof!

Zumindest von zweien jener Filmabende, die einstweilen wieder Siegfried Bendix veranstaltete, hatte ich noch die eine oder andere Randnotiz aufgeschrieben. Diese bisher unveröffentlichten Schriftstücke möchte ich euch ungern vorenthalten:

Vom 11. Juni 2017: Freunde, ich muss euch davon berichten, welche konstant guten Filme mir gestern wieder beim Filmabend unter Leitung von Siegfried Bendix binnen Hirn wie Herz verpflanzt wurden, natürlich hauptsächlich aus den 80ern!

Mit Kevin Reynolds' „Fandango“ hatten wir unverhofft (kommt oft) einen Film der jüngst verstorbenen Glenne Headly erwischt, doch die innere Tour an sich - im Rückblick auf die Einberufungs-Zukunftsängste Richtung Vietnam nochmal so richtig die Sau rauslassend - via extrem gewitzten (!) Kevin Costner und Co. ist so lebhaft ausgefallen, da ist Abenteuer und Action nicht nur reine Floskel - passend dazu erweitert einen der Wortschatz der deutschen Synchro den Horizont, was es an Quarkomaten und allerlei bislang noch zu sagen gab!

Gleich danach tourte unsereins durch den „River of Death“ Steve Carvers, wo gleichsam Tierwelt, Sonnenuntergänge und Retro-Zeitkolorit (1945-1965) in die Abenteuer-Kolportage lockten. Michael Dudikoff als Haudegen ergab eine drollige Marke, die Dschungelatmo ein Pendel zwischen Lohn der Angst, Jodorowsky, Inka-Man und Apocalypse Now - irre, dass da im Kampf gegen Altnazis trotzdem eher ein Antiklimax geborgen wurde, aber die dramaturgischen Eigenarten sind ja durchweg Eiscreme pur. Wir hatten übrigens auch Eiscreme in der Bude.

Film Nr. 300 im Rahmen unserer kontinuierlichen Veranstaltung hätte nicht besser ausgewählt werden können: John Carl Buechlers „Troll“, ein gewitztes Fantasy-Horror-Kammerspiel inmitten der Harry-Potter-Sippe, bei dem sich die Situationskomiken so beiläufig und doch irrwitzig ballen, wie einen auch nach der x-ten Wiederbegegnung jede Kreatur anekelt - selbst wenn diese niedlich sein soll. Mrs. St. Clair in jung und alt teilt zudem gut aus, Michael Moriarty die kugeligsten Papa-Peinlichkeiten, die kleine Wendy totalen Burgerfresser-Scheißgör-Fun. Es wird zum Ende hin etwas doll ungelenk mit dem Ranken-Spuk, aber solche Makel bleiben eh eher sympathisch hängen; genauso wie einige neue Kernsätze, siehe „Aber das ist doch ein Champignon“.

Die vierte Runde am Abend wurde James Landis' „The Sadist“ reingeschickt, ein Film, wo uns Stabsangaben und Co. (vermeintlich) neu waren, immerhin mit Kameramann William Zsigmond am Start, der zusammen mit der Prämisse im Grunde ziemlich modernes Spannungskino-in-one-place zu stilisieren wüsste. ABER obwohl 1963 sicherlich schon weit mehr ging in Sachen cineastischer Psychologisierung, waren die ideologische Anklagen gegen den terrorisierenden Psycho im Mittelpunkt erstmal sehr platt - und dann war jener (Arch Hall Jr.) auch noch der drübberste Macker; den konnte man 0 für voll nehmen, es war ein Lachknüller vom Anfang bis zum Ende. Wir mussten aber auch zwischendurch unterbrechen, denn die Leute von Pizza Max waren nach nicht mal 20 Minuten nach Bestellung bei uns vor Ort. Lecker!

Es ging daraufhin wieder mit den Rädern ins Gefecht, denn Tom Donnellys „Quicksilver“ brachte Kevin Bacon und Kurierkollegen auf den Sattel sowie in die Pedale. Innerhalb von fast 2 Stunden Fahrzeit wurden da jedoch krasse Stimmungen durchprobiert, als wär's ein Querschnitt des gewohnten Filmabendprinzips: Erst heiter in den 80ern, musikalisch-montiert und mit kecken Typen in der Startposition, dann mit Crime-Elementen und dramatischen Milieu-Studien/-Romantiken zur Börsen-Yuppie-Reagonomics-Parabel bleiernd, bis am Ende die fieseste Räudenaction abgezogen wird. Schade, dass Donnelly danach wohl nicht mehr allzu Bedeutendes zu erzählen hatte.

Mit der sechsten Begegnung kam dann die Ansage: „Alpha City – Abgerechnet wird nachts“. Das Kraftwerk via Eckhart Schmidt macht sich mit Claude-Oliver Rudolph so roh und dick, dass man sofort in der Dichte gefährlichster Liebe stecken bleiben will. Eine brennend dynamische Süchtigkeit, die sich in der Durchforstung von Clubs, Hotels, Knasthöfen und allerlei verliert, um sich am größten Fang der Stadt, Raphaela, beweisen zu können. Kaputte Typen deluxe, gefangen in schaurigen Selbstverständlichkeiten sowie einem Berlin gnadenloser Schnitte und Perspektiven. Alle kanzeln sich gegenseitig ab, doch deren brutales Dunkel ist trotz Stilisierung (erst recht im Dialog) die Sprengkraft an Lebendigkeit, sogar mehr noch als „Fandango“.

Weils an solchen Abenden aber immer einen Absacker gibt, traf es zu guter Letzt „Vamp“, dass der so am wenigsten beachtet wurde. Aber selbst schuld, denn jene Vermengung an College-Deppen-Humor und Neon-Vampir-Chic hat eben einfach nur so seine Handvoll Ideen, die in dem Leerlauf an pubertären Belanglosigkeiten jede Stringenz vermissen lassen. Grün und Pink haben sich als allgegenwärtige Farbgebung eben auch schnell entschlüsselt - und so bissbefreit, wie das Strip-Milieu auf seine misogynen Schauwerte runtergebrochen wird, ist man ohnehin besser mit dem Kurzweil von „From Dusk Till Dawn“ beraten. Die markante Grace Jones darf dementsprechend so gut wie gar nix machen, die um sie hier erbaute Exzentrik wirkt da erst recht schier behauptet. Gut, dass Siggis Katze dann wieder öfter vorbeigeschaut hatte, gab's doch noch Unterhaltungswerte!
So, das war das Resümee, mes amis! Nächstes Mal bin ich wieder mit der Filmauswahl beauftragt, wünscht mir Glück, dass jenes Ensemble einen auch so entzückend durch den Abend begleiten, verstören, begeistern und amüsieren kann!

Vom 6. August 2017: Wow, dieser gestrige, von Siegfried Bendix kuratierte Filmabend! Ein kleiner Bericht dazu, weil ich mich danach so fühle, als ob 1 Konzert das Hirn durchgerädert hätte: Top-10-Highlights (teilweise aus altbekannten Lagern), neue Absurditäten im Ultrarausch und natürlich 1 1/2 Programmplätze mit dem Absacker-/Rausschmeißer-Syndrom im Rückenmark; hier ging innerhalb von knapp 12 Stunden so einiges!

Step Up 3D – Make your move“ gab den idealen Auftakt, wieder von Jon M. Chu in eine familiäre Runde an *Schmetterlingen im Bauch* tänzelnd - per 3D-Faktor mit verspielter Marke auf Hyperchoreos, den Filmemacher-Dream sowie den Ausbruch aus der FriendZone hinsteuernd, während sich obdachlose Dancekönige ein ultra ausgestattetes Lagerhaus (nicht) leisten können, für den World Jam proben und als Pirates gegen das Haus der Samurais antreten. Moose und Ladyfriend Camille kriegen sich da irgendwann auch in die Wolle, machen später aber eine schön lange Steadicam-Fahrt lang das New-York-Musical wieder salonfähig, dass „La La Land“ vor Neid einkäckert. Besser als die Vorgänger auch: Die Musikauswahl, ließ sogar Alicia Keys Empire State of Mind ordentlich lang ausspielen! Honk-Dialoge sind ebenso zahlreich auf der Tonspur vorhanden und das dramaturgische 1x1 weiß einige effektive Kniffe anzuwenden, die den bisher besten Step Up bilden.

Patrick Swayze kehrte daraufhin als Geächteter „Dirty Tiger“ ins Americana-Kaff zurück und weil ein gewisser Amin Q. Chaudhri diesen Film zu verantworten hat, ist die Perspektive darauf schlicht nicht von dieser Welt: Eine melodramatische Überforderung, bei der sich jede Szene in den Stimmungen verirrt, Handlungen und Figurennetze mit stets scharf geladenem Doppelschrot zusammentreibt! Verdammt impulsiv und in der Menschlichkeit dementsprechend kurios wie konfus, in eine so irritierend wehleidige Sippe hineinheiratend, dass sich diese pro Minute mehrmals auf den Kopf stellen kann oder katatonisch in der Bude hockt. Permanent drückt der Score zudem ein Schicksal auf, dass die Katharsis eines Douglas Sirk heraufbeschwören will, stattdessen in provinziellen Hackfressen landet, die auf der Reunion-Disco Schwangere umkippen lassen, später Rocker zum Tiger-Dreschen engagieren und sowieso darum buhlen, wie „eine schöne Beerdigung“ die Familie wieder einen könnte. Nicht eine Sekunde wird da belanglos, so stark das alles via Untiefen (u.a. inzestuös) bis zur Hirnschmelze verwundert, mit Fieber auf das Inferno der Herzlichkeiten zurennt.

Ach ja, dann gab's die Sache mit dem „Robot Jox“ - jene Schlacht der Stahlgiganten wusste große Ambitionen in eine Empire-Produktion zu packen; Regisseur Stuart Gordon hat sich da auch bemüht, alles aus dem denkbar begrenzten Budget herauszuholen. Für die Spielfilmlänge muss man aber auch halbwegs kaschierte Längen der Unausgegorenheit in Kauf nehmen, die immer wieder einen Ansatz für die potenzielle Sci-Fi-Satire à la Verhoeven, den Einblick in eine Dystopie voll weltpolitischer Territorial-Entscheidungen via Robotermatch bieten. Hat aber auch was für sich, dass der Film jene Fehler der Weltordnung/-zerstörung eher beiläufig auflöst, die Prozesse weitgehend nüchtern und für sich selbstverständlich in die Samstagskloppe leitet, wo man US-Kämpfer Achilles u.a. vorher einen Feigling schimpft, weil er nach dem Unfalltod 300er Zuschauer schlicht keinen Bock mehr hat. Spione und Test Tube Fighters gesellen sich noch zur Macho-Sackgasse, die sich zur Sinnlosigkeit des Kämpfens verabredet, eine umso schönere, archaische Schlussnote findet.

Der Höhepunkt kam zur Mitte, es war „Ein komischer Heiliger“ zugegen - einer dieser schönen Klaus-Lemke-Filme, in denen Cleo Kretschmer und Wolfgang Fierek durch München gurken, mehrere dolle Schnapsideen in Angriff nehmen und sich stets so drollig kontrastieren, dass da eine Beziehungsfrage zwischen Bibeljünger und Kneipenhure entsteht. Die jeweils wechselnden Bekehrungsversuche kriegen dermaßen viel vom Umgang beider (selbst schon plan- bis hilflos wirkender) Hauptdarsteller mit auf den Weg, dass man nicht aus dem Lachen rauskommt, eine Erfrischung ganz dem Sommer entsprechend abkriegt, während die Zwei Bahnhofsmissionen, Krankenhäuser, Vergnügungsviertel und Klamotten nach Grad der *Bequemlichkeit* abklappern. Liebenswerte Chaoten sind ja nichts Seltenes, auch nicht im deutschen Kino, aber die unvergleichbare Note hiesigen Duos ist in Sachen Frechheit, Naivität und Alltagsimprovisation doch nochmal eine dicke Spur wahrhaftiger. Außerdem kam zu dem Zeitpunkt auch unser bestelltes Abendessen vorbei!

Weiter fetzen sollte dann auch die „Killer Party“, doch jenes kanadische Exemplar an 80er-Horrorkomödienkultur scheint sich teilweise doch stark selbst aus dem Weg zu gehen. Anfangs bekommt man hingegen noch Filme-im-Film auf die Hirnrinde eingejuxt, Sequenzen der Genre-Ekstase zielsicher, doch beim Hauptplot der Aprilscherze gen College fehlt irgendwie wieder jene Dynamik ins Abwegige. Klar, es wird in einer Tour geprankt, aber das Prozedere deckt sich eher so brav mit Konventionen ein, dass man allmählich die Minuten herunterzählt. Immerhin ist das noch immer weit weniger am Nerven/Langweilen als solche offensiven Pansen wie „Vamp“ und die versammelten Schwesternschaften haben ohnehin eine luftige Attraktion inne, dass der Film gerne eher mit denen abhängt. Am Ende wird's zudem dämonisch und mörderisch (wie 1 blutleerer Evil-Dead-Abklatsch), aber irgendwie auch so null schlüssig, was sich aus dem ganzen Budenzauber ablesen sollte, erst recht in einem Genre und Jahrzehnt voller Knalleffekte. Naja, trotzdem: These are the best times of our lives, 2 Ohrwürmer pro Film schafft ja auch nicht jeder!

Es ging dann nochmal ein bisschen weiter zurück in Sachen Horror - Gore-Meilenstein „Blood Feast“ von Herschell Gordon Lewis durfte bewundert werden, doch viel aufregender als die versammelten Grausamkeiten (mit krassem DIY-Charme) waren die Frische der *unbeholfenen* Inszenierung, die Dialoge in ihrer aufgeregten Verschleppung und Reiterationsgeilheit („vor 5000 Jahren!“), die Phrasen und Gesten der 60er mit Rollenmodellen des Camp, diese von Lewis selbst komponierten Wikinger-Trommeln und Orgelbahnen - alles gepaart mit jenen abstrus harschen Gewaltszenarien und der überaus himmlisch beknackten Konklusion sowieso. Es muss wohl nicht extra erwähnt werden, dass hier schon die ersten Runden an Alkohol bemüht wurden, aber auch ohne den Party-Faktor würde diese urige Horrorschau eine sympathische Figur machen - und das mit einer waschechten Barbie als Hauptopfer!

Das Schlusslicht des Abends und in dem Sinne der ideale Rausschmeißer war sodann trotz Christian Slater und Milla Jovovich mit „Kuffs – Ein Kerl zum Schießen“ gefunden. Ich meine, ist ja schon ein Krampf, dass Harold Faltermeyer hier auf dem Score nichts anderes kann, als seine Axel-F.-Theme-Variation x-mal runterzuleiern, aber hey, passt ja zum Protagonisten, der ach so innovativ dauernd die vierte Wand bricht, um als Ferris-Bueller-Ersatz den normalsten Cop-Scheiß binnen San Francisco zu unterwandern (oder wie man die Anpassung daran, hin zu Recht/Ordnung/Frau/Baby, noch so nennen mag). Hey man, wow, was ein Jungspund, der dann auch einige stilistische *Neuheiten* der 90er auf den Weg mitbekommt, wahrscheinlich als 'Baby Driver' seiner Zeit auf eine permanente Pose der Coolness geeicht ist, von deren pubertierischem Humor man aber schneller die Schnauze voll hat, als man kultverdächtig und tendenziell misogyn aufsagen kann. Dumpfe Zoten und dramaturgische Nichtigkeiten sind da mit inbegriffen, ebenfalls einige nicht bloß zufällig gewitzte Ideen und Hundepartner Django, aber reicht dann auch nach 100 Minuten, die sich zentral wiederum mit den urältesten, trockenen Bösewicht- und Korruptionsbelanglosigkeiten beschäftigten - wie beim Baywatch-Film, urgh.

Sei's drum, das war's wert, Leute!!! Und sowieso: Der nächste Filmabend steigt hoffentlich noch diesen Monat wieder bei mir, ich feile noch am Konzept dazu, aber die Auswahl ist jetzt schon ein Himmelfahrtskommando, nach dem wahrscheinlich keiner mehr die Augen zukriegt - See you there!


Ganz schön was los, can you dig it? Die letzten 3 Filmabende im Jahr hatten wir sogar richtig Event-mäßig aufgezogen – und da sind diese extra angefertigten Poster bestimmt ein doller Beweis für!


Aber drei Texte hatte ich auch so noch über, welche seit meinen letzten hier getätigten Post, den Geschichten aus dem Sommerloch, zustande kamen. Lass ma schmökern!




FÜNF BLUTIGE STRICKE - So, ich habs seit Ewigkeiten mal wieder ins Metropolis geschafft und wie angekündigt die erste Installation des Bizarre-Cinema-Dezembers beschaut! Mein Foto ist sodann der gewohnten Rotstichigkeit der 35mm-Kopie nachempfunden, doch für einen Italowestern von dem Kaliber war das sogar ganz passend! Antonio Margheriti treibt hierin Richard Harrison schnörkellos (man darf auch doll konventionell sagen) auf Rache an - wie später auch als NINJA-JÄGER verteilt der Herr hier als 'Rocco' FÜNF BLUTIGE STRICKE unter den Mördern seines Kumpels Ricky, wandert von Kaff zu Kaff, stellt sich mal provokant wie ballertalentiert an die Bar, dann ins Sheriffsbüro, bandelt alle paar Meter auf streng behaupteter Beziehungsbasis mit der Kneipenhostesse Miss Jane an. Bei dem straffen Vorgehen voll planloser Schergen und tödlichen Pokerspielen, hin zur Sonnenglut des blind folternden Werner Pochath (als The Kid) - inkl. Bier/Schussduellen und sexploitiger Unterwäscheparade Špela Rozins -, entpuppt sich unser Held zudem als desillusionierter Halbblut-Indianer. Im Finale unter Totgeglaubten geht er zudem fiebrig in den Verästelungen der Unterwelt auf, einem Sarg bzw. einer Gruft aus Schwefel, Dynamit und Gold. Hier ist keine Katharsis vorfindbar, ebenso keinerlei anderweitige Spielereien binnen des Schmerz an Geradlinigkeit, dafür filmisches Geschick nahe des Gruselns im Nichts, welches Margheriti mehr als oft glückte. Ein bewusst (un)befriedigender Blick auf den Mythos hallt im Bleischrei nach, bei dem aber die vielen Charakternasen und Eigenarten im Whiskyrausch/Totengräber-Kleinunternehmer-Tratsch und allerlei trotzdem nicht witzlos ausbleiben - man siehe allein den Titelsong mit seinen Sprachfetzen der Beschwörung, die angekündigten Leichen in der Präsenz der Dame im Kartendeck oder eben auch die aus einer offenbar vollends fremdartigen (16mm? Anderer Film?) Quelle eingefügte Schlusseinstellung, die das Metropolis präsentierte. Glad to be back.




OSTFRIESISCH FÜR ANFÄNGER - Als seichte, stereotype und durchgefördert-überraschungsbefreite Provinzkomödie dazustehen, die ihr Lokalkolorit genauso behauptet zur Inszenierung nutzt wie ihre jeweiligen Charaktereigenschaften gen null - das wäre ja nur eine Sache. Das billigende Zeugnis einer nach rechts rückenden Stimmungslage abzugeben, welche sich gefällig darin gibt, die Integration von Ausländern als Weg äußerer wie innerer Gleichschaltung zu definieren und jene Menschen erst zu dulden, gar sympathisieren, sofern DIENSTLEISTUNG deren vorrangigster Lebenssinn darstellt - das gibt Gregory Kirchhoffs Film was von dem braunen Anstrich, der seit dem 24.09.2017 offiziell mit im Bundestag sitzen darf...oder auch an Martin Schulz' Plattmacherthese Arbeit <-> Sprache <-> Freundschaft erinnert. Das abgehängte und verschuldete Vorurteilskonzentrat von nebenan via Didi kriegt dabei die Feelgood-Note auf den Weg, dass er sich als kleiner Mann vom Franchise-Apparat und dessen Konformität der Globalisierung emanzipieren darf, stattdessen weltweit die Konformität seines traditionsbewussten Dorfmiefs als Mr. UWE-Hinrichs-Marke verschifft, obwohl da Miniaturschiffsingenieur Abdullelah natürlich die ganze Arbeit für reinsteckt (nächster Schritt Outsourcing?). Währenddessen guckt jede hier vertretene Bürokratenkarikatur neoliberal-weltfremd aus der Wäsche, zudem sie ihre Integrationsteilnehmer erst per Plattdeutsch-Deckel-für-jeden-Topf zu Staatsdienern normativster Güte erklären kann, aber genauso lernen muss: Plattdeutsch ist ebenso deutsch, hört ihr dat von da oben noch? Der dennoch ans Neoliberale angepasste Film zelebriert die flächendeckende Weisung der Anpassung zudem stilistisch wie dramaturgisch so gelangweilt wie er nur kann, dass er selbst für rassistische Alltagsfloskeln und Übergriffe keine sonderlich kritische Aufregung evozieren will, dem Zielpublikum zuliebe. Läuft halt alles glatt und volkstümlich-skurril nach TV-Einheitsformat inkl. einer Mindestmenge reumütigen Zusammen-sind-wir-stark/Familie-Sentiments - aber hey, einmal sieht man sogar Didis Pimmel (huch)! Alles insgesamt also quasi "Da wird man ja wohl noch als Deutscher über uns selbst (und alle anderen) lachen dürfen!", wobei ab und an auch ankommen soll, dass das Gefühl der Überfremdung von illusorischem (laut Film aber auch verständlichem, weil partout um Verlustängste ringendem) Ego aus Trotz herrührt und sich stattdessen für Toleranz begeistern sollte - sagt zumindest ein Plakat in diesem formvollendet plakativen Referenzbeispiel Ressentiments-wiederkäuender und Reflexionsbedürfnis-verwässernder Culture-Clash-Klamotten.




THE SQUARE - Ist schon komisch, dass „The Square“ trotz 142 Minuten Laufzeit so kurzweilig ausgefallen ist, obwohl Östlund die eigene Filterblase - vom Inhaltlichen her sowie für seine Verhältnisse - eher hemdsärmelig und ideenarm aufrüttelt, sie teilweise bestätigt. Exemplarische Zutaten gefällig? Man bedenke allein die idealisierte Sicht auf eine offenbar humanitär-populistische Presse, das klischeebehaftete Bild vom Yuppie-Jungunternehmer, den Familie und Kollegen vernachlässigen Ego-Workaholic sowie den unvermeidlichen Handlungsstrang zur aktuellen Empörungskultur, welcher von Oliver Stone und Konsorten stammen könnte. Ganz zu schweigen vom alles ausformulierenden Mann/Frau/Machtposition-Dialog zwischen Östlund-Alter-Ego Claes Bang und Elisabeth Moss, der allenfalls gehobenem Rom-Com-Standard entspricht und nur dadurch kaschiert wird, dass der alltägliche Voyeurismus im Gegenschnitt mitschaut/uns als Zuschauer erwischt (großes Plus dagegen deren prä- wie postkoitale Vertrauenskonflikte). Schwerstes Manko allerdings: Warum torpediert der Film sein Narrativ Zu-spät-kommender/heuchlerischer-Menschlichkeit zudem per gen rechts retardierenden Chicken-Ciabatta-Gags, Antanztricks-Äquivalenten & Brüllaffen-Tiervergleichen, sobald er die Pole vom Bettlerleiden und eitlen Wegschauen der Elite kontrastiert? Jene Vorurteile sowie deren Lächerlichkeit werden der bewussten politischen Unkorrektheit wegen nicht gebrochen, im Gegenzug erlebt die übergreifende Sehnsucht Zurück zu den Wurzeln/zur Natur da jedoch eine schwere Geburt, wenn für deren jeweilige Begriffe der Gerechtigkeit wieder (Ober-)Grenzen am beidseitigen Rande des Gewaltamoks festgestellt (zumindest später nochmal hinterfragt) werden - Endstation Nihilismus? Gut, meistens reicht es noch für Bilder von wohlhabenden Menschen, die an Obdachlosen vorbeigehen - immer und immer wieder, weils vielleicht nicht jeder beim ersten Mal versteht. Der Sog moralischer Hypothesen dorthin macht ja zugegebenermaßen dennoch durchweg Laune, findet dafür steile/tiefe Treppengeländer sozialer Miseren sowie einen kollektiven Staffellauf an (in ihrer Inkonsequenz sowieso emotional geißelnden) Schuldgeständnissen und Selbstjustizeinbahnstraßen, dass genug Fragen des eigenen Handelns im Nachhinein über bleiben. Ist eben die ambivalente Qualität des Squares, dass er viele Wahrheiten in simplifizierter Form einpasst, nach und nach greifbar macht. Doch der Film selbst weiß die im kontemporären Gesellschaftsbild eingeflochtenen Widersprüche der Kurzsichtigkeit eben eher nur via flacher Vorführung zu reihen, als dass er einen konkreten Gegenangriff wie jenen gegenüber Östlund-Surrogat Nr. 2 Oleg provozieren könnte - es mangelt schlicht an echtem Mut binnen des inneren wie äußeren Kunstgewerbes. Klar, immer noch differenzierter und reichhaltiger gelungen, als ausschließlich Auf's Maul zu verlangen, aber die spürbare Nähe zum Nachklang eines „Fight Club“ hätte mMn weit entschiedener vermieden werden können - siehe „Höhere Gewalt“.




Den sah ich übrigens auf dem FILMFEST HAMBURG 2017, wobei ich zu meiner Schande zugeben muss, dass ich diesmal nicht Vollzeit mit am Start war, auch gleich alles davon mitzunehmen. Drei Erinnerungen in Sachen Podiumsdiskussionen habe ich aber gerade auch nochmal aus meinen Überlieferungen rausgekramt, ähem:

Vom 10. Oktober 2017: Meine bislang einzige Erfahrung mit dem Programm des #FFHH2017 (ehe ich Donnerstag dort auch endlich mal einen Film sehen werde) war letzten Sonntag eine Diskussionsrunde zum Thema WELTVERTRIEB, u.a. mit Vertretern von ARRI. Ein einziges, bekanntes Trauerspiel ohne Momente des Hinterfragens binnen jener Beteiligten (abseits einiger Publikumsfragen), wenn sich die hiesige Filmwirtschaft und deren externe Kräfte selbst erklären wollen: Für diesen und jenen Verleiher passen wir uns an, nur der gewisse Prestige-Stoff wird in der Vorproduktion gefördert und verschlimmbessert, den internationalen Kunden werden ausschließlich die bekannten Erfolgsrezepte vorgestellt (Flüchtlingsthematiken laufen in Europa angeblich gen null z.B.) und gefreut wird sich vor allem über Glücksgriffe wie „Highway to Hellas“ (sinngemäß "da wurde sich über Griechen, aber auch über Deutsche lustig gemacht und das fanden alle gut") oder „Über Barbarossaplatz“, die anhand ihrer Plakativität schon derart geglättet sind, solche Entscheider zu erreichen, die vom Filmschaffen an sich keinen blassen Schimmer haben. Genau die Leute (wussten teilweise nix von länderspezifischer Zensur, verkaufen dem Publikum jene Erfahrung aber als Neuheit) hängen in den Gremien, hier dann auf der Bühne ab und schämen sich in ihrer Mutlosigkeit regelrecht vor einem differenzierteren Filmangebot, vor Werken außerhalb jeweiliger Normen, dass es sogar zu Aussagen kommt wie "Da kann der Film auch 3 bayrische Filmpreise gewonnen haben, der wird garantiert nur hier laufen.", mäßig sowieso, aber zumindest könnte man ausnahmsweise einen Oscar anpeilen. Aber bringt ja eh nix, weil wir mit gesichtslosen Kinderfilmen schneller UND hauptsächlich die Kohlen verdienen. Mich betrübt es ja durchaus noch, solche neoliberalen Spießerattitüden innerhalb der Filmwelt immer wieder mal bestätigt zu sehen. Da kann man sich gerade so noch freuen, wenn wie heute bekanntgegeben wird, dass beim Regiepreis Metropolis nicht nur unmögliche Klappspaten wie Lars Montag und Til Schweiger nominiert, sondern auch die cineastischen Großtaten eines Roland Klick gewürdigt werden.

Wer gestern Abend jenen Zettel (siehe Detailshot) vor Ort und ohne Ticket voller Entsetzen in sich hinein lesen musste, hatte leider die Arschkarte gezogen, denn #thefloridaproject war ein Knallbonbon! Im von Natur aus übertriebenen Staate Florida wird selbst der soziale Bodensatz Spielplatz, in den Regisseur Sean Baker vielerlei kontemporäre Stadien des Elends einbauen kann, gleichsam optimistisch kindische Albernheiten en masse vom Zaun bricht. Passiert zudem in einem beiläufigen Kurzweil, der sich emotionalem Händehalten konsequent verweigert und so leicht im Alltag der Daseinskonflikte schlendert, wie er im Nachhinein auch mehrere Bomben anhand dessen zünden kann. Willem Dafoe, die Kids und Mutti Halley sind da ohnehin die drolligste Zündschnur am Dauerbrennen! Tja und wer's gestern nicht sehen konnte, muss bis März 2018 auf den hiesigen Kinostart warten, upsi daisy.
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Vom 13. Oktober 2017: Eine positive Wende hatte das #FFHH2017 für mich gestern ja nicht nur dem „Florida Project“ wegen, sondern auch anhand der „Klappe-Auf“-Gesprächsrunde mit Joya Thome im Festzelt erreicht. Per Crowdfunding und anderen kleinen Quellen einen freien (auf Verdacht sag ich auch mal: guten) Kinderfilm drehen, alle gewollten Ideen umsetzen, authentisch casten können und dabei offenbar noch in durchweg lockerer Stimmung verbleiben, da die finanzielle Bindung hinter der kreativen steht: Digga, die Frau lebt das Leben, welches wir uns immer vorstellen und das nicht bloß irgendwelchen Nepotismus wegen. Solche Erfolgsgeschichten machen mich happy, eben dass es außerhalb der Wirtschaftsgeilheit doch noch was werden könnte mit der hiesigen Filmlandschaft.

Vom selben Tag: Habt ihr dieses #FFHH auch wieder kuriose Publikumsfragen/-Anmerkungen mitgekriegt? Bei „Königin von Niendorf“ z.B. hatte ein etwas betagterer Geselle kritisiert, dass Erwachsene im Film vor Kindern Bier trinken und dass es gar nicht ginge, die mit Zigaretten zu zeigen (in Wirklichkeit habens zwei 24-jährige im Film gemacht) - und die gefährliche Mutprobe, dazu fiele ihm gar nichts mehr ein, absolut nichts für seine Enkelkinder, der Film; „Lesen Sie mal Kalle Blomquist!“ etc. Lupenreines Napolablabla halt. Und Joya Thome nur so: „Menschen in meinem Umfeld rauchen, auch als ich klein war.“


Aber es bestand trotz alledem noch Anlass zum Träumen, mit Filmbezug, wer hätte das gedacht! Einiges davon hatte ich mir sogar notiert und dabei folgende Sinneswerke für die Nachwelt ersonnen:

Vom 06. Januar 2017: Was von „Paterson“ im Hirn hängen blieb: Heute einen Traum gehabt, in dem sich ein Bus tagein tagaus mit Hilfstruppen durch die Fluten und Täler von Meck-Pomm kämpfte, inklusive Regen im Dunkeln und gestrandeten Berühmtheiten auf dem Weg, während meiner einer Haltestellen/blockierte Wege mit schicker Begleiterin per Laser wegballerte, zwischendurch Konversation und Gameboyzocken betrieben wurden.

Vom 13. März 2017: Hui, es gibt wieder Stoff zur Fernanalyse bzw. eine verstrahlte Traumstory direkt aus meinen luziden Spitzen binnen Schlummerlands, stilecht im Trailerformat voller Brisanz: Man stelle sich einen diffusen Polit-Spionage-Horror-Thriller vor (mMn garantiert schlimm von Justin Kurzel inszeniert), in welchem ausgerechnet der olle Marvel-Loki einen öligen Vorzeigediplomaten abgibt. Seine Sonnenbrille sitzt - im Vergleich zum sonst Paul-Ryan-mäßigen Aufzug - ziemlich nach europäischem Flair ausgerichtet auf der Nase, doch sobald er den Staatsempfang seiner Person vom Flur aus mit Verschluss der Hotelzimmertür abwürgt, übt er sich im Topos geheimnisvoller Machenschaften via Koffer. Krasser noch: Ein ultradubioser Berater seinerseits (Michael Fassbender) ist schon vor Ort und schnappt sich sodann spontan (also von 0 auf 100 in 2 Sekunden) eine Rammelnummer mit Rooney Mara im Sitzen weg. Stört dem Tom-Boy jener Grad der Räudigkeit? Pass auf: Hiddleston schnupft sich Koks vom Badezimmerspiegel hoch, grölt einer kollektiven Rugby-Ramme gleich „N***er! N***er!“ in den Marmor ringsum hinein, ehe er darauf jedoch plötzlich den blutverschmierten Finger Michis hinter sich sieht, welcher wohl gerade was übel schmoddrig Übermenschliches verbrochen hat und dasselbe mit ihm vorhaben könnte. Body-/Buddyhorror im Alt-Right-High-Rise? Uff. Je später man ins Bett geht, desto stärker bemüht sich das Hirn wohl um die größte Starpower/Albtraumballung.

Vom 3. Oktober 2017: Heutzutage heißt es Hype, Hype, Hype, wohin man auch klickt! In meinen Träumen lief vor kurzem zumindest schon mal EIN neuer Blade Runner (siehe Illustration). Da ging's um 3 verschmitzte Ex-NSA-Agenten, die im Roadtrip durch die BRD Industrieanlagen besuchen und kuriose Verhörmethoden vor Ort anwenden, um Schläfer zu ermitteln. Was auch immer :D



Zum Abschluss: 

Nun, was blieb uns denn sonst noch alles vom Jahr über? Ich weiß es nicht so genau, ich kann’s nur stationsweise rekonstruieren – z.B., dass ich einmal einen 24-Stunden-Filmtag hinter mir hatte, was vielleicht auch dafür sorgte, was an Lücken weiterhin noch über ist. Ich plane für 2018 eine ähnliche Aktion, aber einen genauen Termin möchte ich nicht festlegen, urgh. Was ich guter Vorsätze wegen nicht nochmal mache: Ein 6er-Pack Donuts in Pressevorführungen mitnehmen. Netterweise wollte ich die rumgehen lassen, während man sich mit „Downsizing“ rumplagen musste, aber keiner außer Siegfried Bendix und mir hatte zu dem Zeitpunkt Lust/Hunger drauf. Also durfte ich 5 pralle Donuts den Film lang durchfressen, aber das war noch das Beste an der Projektion. Interessant waren auch die Umstände, wie ich zum neuen „Transformers“ kam; hauptsächlich, da vormittags bei der U-Bahn-Fahrt Richtung Kino schon dickste Independence-Day-Wolken auftauchten, ehe ich die volle Ladung Schauer abbekam, als ich von der U Stephansplatz zum Cinemaxx rennen musste. Sobald der Film fertig war, schien draußen schick die Sonne. Soviel zum Sommer, der in hiesiger Stadt sogar G20 zu bieten hatte! Überall Action! Und Glühwein gab’s auch einmal, zum neuen beschissenen „Jumanji“! Ich wünschte, der hätte geholfen. Vielleicht hätte der auch „Sully“ besser gemacht, den man im kleinen Saal des Passage Kinos sehen musste – so als würde ich den in meiner Wohnung sehen, nur leiser und mit mehr Leuten vor mir. Einer der schönsten Vorführungen hatten wir allerdings mit „Siebzehn“ abbekommen – lief im 3001 Kino an der Sternschanze, war sehr gemütlich mit den neuen (?) Stühlen und lieben Pressekollegen, unter denen sich zig gute Kalauer austeilen konnten. Der schönste Kinomoment bleibt allerdings „The Book of Henry“ vorbehalten, der mit seiner Schlusspointe „Nur die Moral muss stimmen“ den Riesenlacher schlechthin erzeugte – hoffentlich nicht nur bei Bendix und mir. Ach ja, Ruben Östlund und Claes Bang hatte ich direkt vor meiner Nase, als nach dem Filmfest-Hamburg-Screening von „The Square“ noch ein kleines Meet-and-Greet (klingt wie was von Aardman) stattfand, aber ich hab mich aus deren Angelegenheiten rausgehalten, immerhin ne Goldene Palme in natura gesehen. Wenn’s hilft? 


Nun denn, mit mehr interessanten Geschichten aus dem Dickicht der Hamburger Kinowelt kann ich im Augenblick nicht dienen – oder sie sind zu privat, als dass sie mit Film zu tun haben. Keine Sorge, ich habe niemanden auf irgendnem Kinoklo gebumst - und btw, mit dem Thema #MeToo fangen wir an dieser Stelle am besten auch nicht an, das würde kein Ende nehmen, was da alles an die Öffentlichkeit geriet. Aber ich kann das Gespräch mal fix sehr geschickt überleiten und zusammenzählen, wie viele Filme ich genau im Jahre des Herren 2017 gesehen hatte! Also, in Sachen Neusichtungen kam ich auf 617, insgesamt - also mit Wiederholungen eingerechnet -, waren’s sogar 709! Das ist eine nette Steigerung, wenn man bedenkt, dass die letztjährige Quote bei 568/703 lag. Ich kann nur hoffen, dass die Zahlen 2018 ebenbürtig stark bleiben oder noch besser werden – für diesen Zweck habe ich zum Abschluss noch eine Reihe an Filmen aufgestellt, die mich durchaus interessieren (sollten sie denn auch alle in diesem Jahr erscheinen – einer meiner Most-Wanteds 2017, „Altar Rock“, kam letztes Jahr z.B. noch nicht):

Dragged across Concrete, The Commuter, On the beach at night alone, Der Seidene Pfaden, Wendy 2 – Freundschaft für immer, Death Wish, Thelma, Streetdance: Broadway, Hold the Dark, The Outsider, War Party, Isle of Dogs, The Happytime Murders, Mid `90s, Lean on Pete, I Tonya, Bad Times at the El Royale, Boy Erased, Action Point, The Beach Bum, A Beautiful Day, Backseat, The Favourite, The Old Man and the Gun, Mary Poppins Returns, Damsel, Apostle, The Week of,
The House that Jack built

Huch, das sind ja nich allzu wenige – und es sind nicht die einzigen, klar man! Inwiefern ich über sie über sie berichten werde, hmm, bleibt abzusehen. Bevor ich da wieder solche euphorischen Versprechungen mache wie letztes Jahr (die ich subsequent natürlich nicht einlösen konnte), lasse ich die Zukunft wie gehabt im Leben offen. Bei Gelegenheit könnt ihr ja hier vorbeigucken oder ich schicke es euch an die Haustür, je nachdem. Ich will auf jeden Fall versuchen, eventuell wieder was Reguläreres abzuliefern und trotzdem mit dem Job abseits des Schreibens in Einklang zu kommen. Alles ein Work-in-Progress, wir haben ja die Zeit, nicht wahr? Bis dahin: Tschüß und auf Wiedersehen/-lesen!


Sonntag, 15. Januar 2017

Tipps vom 09.01. - 15.01.2017


reseL ebeiL,

uff, diese Tage gehen mal wieder mit durchgedrücktem Gaspedal zugange, denn was den Blog angeht, sind die meisten besprochenen Filme erst am Freitag dazugekommen, heiliges Kanonenrohr! Vorher war ich echt schon am Zweifeln, eben dass ich meine Versprechen von letzter Woche, von wegen neue Photoshop-Erzeugnisse und Ein-Satz-Kurzkritiken pro Ausgabe, gleich in darauffolgender Fassung nicht einhalten könnte, doch have no fear, der Filmabend is' hier! Weil in dem qualitativ ausgewählten Rahmen wirklich jedes Werk irgendwie mit Autos zu tun hatte, gingen da auch die Pferdestärken an Menschenkenntnis, moralischen Proben, Sonnenbrillen sowie Kindsköpfen mit einem durch, dass es eher dann schlimm wurde, wenn man fürs Hacken Halt machte - wir wohnen halt nicht in Russland. Ansonsten konnte man sich vollends verschärft in Familienfehden, Hundeleben, Lederkluften und Sterblichkeiten hinein verlieren, wenn die kuriose Filmwelt der Jahrzehnte ruft, knallhart oder auch daneben zum Witzeln anregt, ebenso auf Ebenen des Leidens weist oder als Be-/Entlastung im Körperlichen/Ausblutenden abhängt. Ist womöglich besser als manch Neustart, zumindest haben mich meine Träume schon vor „The Great Wall“ gewarnt und da in den USA nun Martin Scorseses „Silence“ gestartet ist, konnte ich mir folgende Frage nicht verkneifen:


Was das Kinoprogramm 2017 angeht, läuft die Startphase eh noch etwas schleppend ab (schleichender als die Gewinnspielabteilung von REM jedenfalls, die mir „Branded to Kill“, „Belladonna of Sadness“ und „School of the Holy Beast“ zuschickte, bam!), das wird sich jedoch spätestens nächsten Donnerstag mit der Rückkehr des Xander Cage ändern und „Personal Shopper“ habe ich ja ohnehin schon zu einem der besten aktuellen Ultrakünste dazugezählt, da müsst ihr mir vertrauen, auch wenn die seit Oktober fertige Kritik dazu bis auf Weiteres aller Wahrscheinlichkeit nach nicht veröffentlicht wird. Vielleicht passiert aber auch ein Wunder und ihr lest schon nächstes Mal an dieser Stelle Ausführliches zu Olivier Assayas' eigensinnigem Jet-Set-Spuk, wer weiß? Bis dahin sollten die folgenden fünf Besprechungen, wieder mal nicht nach Reihenfolge der Sympathie angeordnet, aber allesamt deftig zur Reflexion tauglich, jeden Filmfreund aktivieren, in die große weite Welt des Zelluloids zu blicken und sich als Anhalter mit dranzuhängen. Anschnallen, Augen nach vorn, die Reise wird das Ziel, Sportsfreunde!




2017 wird für mich wahrscheinlich ein Jahr voller Erstkontakte, wie die Sichtung von Abbas Kiarostamis „Ten“ wiederum in Aussicht stellt. Ich kann also kaum mit Vorwissen zum Werk des im letzten Jahr verstorbenen Autorenfilmers aus Iran glänzen, zumindest aber einen kleinen Vergleich mit „Taxi Teheran“ anstellen, der diesem Film im gestalterischen Ansatz extrem ähnelt – nur eben auf eine Art, die Jafar Panahis Variante im Nachhinein verdächtig blass aussehen lässt. Man lernt immer dazu, deshalb werde ich im Folgenden ein bisschen Kontra zu meiner eigenen positiven Kritik von 2015 geben, obgleich beide Regisseure unter Berufsverbot standen, teilweise bis ins Exil getrieben wurden. Hut ab also fürs Wirken binnen der Umstände, doch weiter im Text: Panahi glaubt sich als objektiver Beobachter unter Taxi-Fahrern selbst herauszunehmen und anhand dessen einen in exemplarischen Szenarien geballten Querschnitt des iranischen Gesellschaftszustands anbieten zu können. Das ist zugegebenermaßen kurzweilig ausgefallen, aber auch mit einer Ankündigung zur Präsentation von Alltagsmagien und -brutalitäten ausgestattet, die als ausformulierte Doku-Fiktion von Distanz spricht, sich aber dennoch Emotionalisierungen und ideologische Symbolschwangerschaften en masse erlaubt. Jene Schwächen stechen geradezu unmittelbar heraus, wenn der Wink zur Inszenierung bei „Ten“ eben kaum existiert und doch das Leben im Zwang exemplifiziert, sofort ein Dialog besteht, der in roher Optik wie von der Dashcam kommt sowie einen Streit zwischen Mutter (Mania Akbari) und Sohn Amin (Amin Maher) vom Zaun bricht, der aus vielerlei Gründen nah wirkt. Ja, die beiden spielen sich quasi selbst und berufen ihre reellen Konflikte als Vorlage, aber das bleibt dann auch eine Spannung in Worten und Reaktionen, muss nicht noch zwischen Skurrilität und konstruiertem Thrill pendeln, wie es ein Panahi von seiner Position vermeintlich bloßer Erzählung aus erfasste, während Kiarostami seine Frau Akbari im Zentrum alles andere als unantastbar darstellt.


Innerhalb von zehn freiläufigen Szenarien - jeweils per Kapitelform mit dem Klingen einer Eieruhr eingeleitet, um die Warteschleifen jener kinotauglichen Struktur zu persiflieren - sowie eben vom Lenkrad aus zeigt sich an ihr ein Charakter voller Widersprüche, Selbstverständnisse, Traditionen und Tendenzen westlichen Aufbegehrens im Status als muslimisch gläubige Frau, dessen Erwartungen sie erfüllt und mit Frust gegenübersteht, Selbstbestimmung und Unabhängigkeit vom Manne ersehnt und dennoch einen Kontakt im Sinne der Familie herzustellen versucht, der auf jenen Vordersitzen eben Kompromisse und Bindungen kommunizieren will. Mit dem eigenen Kind ist das schon ein schweres Los, wenn's sich im jungen Alter mit dem Konzept der Trennung konfrontiert sieht und die Schuld am Verlust des Eingelebten bei der Mutter sucht, sicherlich auch von der Einsamkeit wie Wertekatalog des Vaters frühreife Beschuldigungen austeilt und in kindlicher Eitelkeit wütet, während die Motive der Mutter da schon um ihre Glaubwürdigkeit ringen müssen. Amin kann es nicht mehr hören, fühlt sich konstant belehrt und steigt mehrmals mutwillig aus, doch da lässt sich natürlich kein Urteil finden, genauso wie Kiarostami nicht extern eingreift, sein Konzept eben nicht auf die Charaktere zwingt, die ohnehin schon konstant für sich abwägen müssen, wie ein normaler Umgang verläuft. Am besten beweist er das in der nächtlichen Begegnung mit einer Prostituierten, die sich am freiesten mit Sex, Liebe, Zuneigung und Abneigung an der Gesellschaft vorbei ausreden kann, von unserer Hauptfigur jedoch in ambivalenter Fragestellung passiv belehrt zu werden scheint, wo sie auf den Vergleich mit Normen zurückgreift, diese jedoch anschließend sowie vorher schon nicht als bindend herausstellt. Der Film will sich sowieso nicht dazu anbieten, etwas aus dramaturgischen Konsequenzen herzuleiten, weshalb in seiner Beobachtung relativ kleine Situationen ablaufen, sich hier und da mal über einen Stau ärgern, um den Alltag schnacken, wohin man will, welche Abkürzungen es dafür gibt oder wie's heute mit dem Beten steht. Ganz zentral verbleibt die Liebe, in deren Vertrauen sich hinein verloren wird und die gleichsam wankelmütig enttäuschen kann, wenn im Lauf/in der Stagnation der Zeit die Zweifel kommen. 


Ein anderer Film würde solche Erkenntnisse mit Ausrufezeichen hervor schöpfen, hieran darf man hingegen seine Menschenkenntnis testen und das Innere erkennen, wenn hier z.B. schlicht alleine im Wagen gewartet wird, wie Fahrer und Mitfahrer miteinander sprechen, von sich und anderen reden, Fremden begegnen oder gar ihre getrennten Wege abklären. Natürlich geht es da auch um Ideale, die Suche nach dem Miteinander und wie man den Prozess mit sich vereinbaren kann – Stichpunkte so unlösbar, dass sich am Einzelnen schon opportunistische Positionen ergeben, manche fester als andere, was ganz auf den Bezug zum Gegenüber ankommt. Rein exemplarische Stationen greift Kiarostami damit trotzdem nicht ab, zudem könnte man am ehesten ein Sprachrohr vermuten, wenn die Frau Mutter zum Trost ein Wachsen an Erfahrungen bekräftigt. Niemand ist da von Frust und Tränen befreit, Konflikte wie lichte Punkte bleiben zwar gewöhnlich, aber nicht kalt im Auge fester Einstellungen, wenn diese geradeaus schauen, aber nicht auf Ausbeutung scharf gestellt sind, ohnehin überwiegend unoptimiert erscheinen, einmal sogar für längere Zeit milchig dreinblicken. Wirkt dann wohl auch so geerdet, weil sich Sympathien nimmer von außen geleitet ergeben, der Regisseur beinahe nur noch für den Schnitt zwischen Gesprächspartnern zuständig zu sein scheint, während außerordentliches Geschick im Schauspiel für Echtheit und Verständnis sorgt, sowieso improvisatorische Dokumentation bis hin zum Smalltalk unter zufällig Mitgenommenen erfolgt. Da backt man trotz ähnlicher Philosophie kleinere Brötchen als mit dem „Taxi Teheran“, bei Kiarostami kommt die Intimität irgendwie müheloser zustande, so gut es geht vom Zwang des Autoren abgekoppelt und ins Wirken wahrer Menschen blickend. Mein Text liest sich bestimmt schon zig-mal pathetischer als der im Film ausgelassene Charakter an natürlichen Wechselwirkungen, aber es wird eben immer einen Unterschied geben zwischen Erkennung und Veranschaulichung – das Verhältnis lässt sich auch anhand der Landsleute Panahi und Kiarostami vertreten und bewerten, also macht das nicht von mir abhängig, hinter welches Steuer es sich eher zu klemmen lohnt, obwohl ich zumindest feststellen möchte, dass sich mir nach „Ten“ mehr Fragen und Motivationen zum Reflektieren ergaben.





Pierce Brosnan ist nach dem Wunder des „Weihnachtssterns“ im Direct-to-DVD-Regal zurückgelandet und hat einen strunzdummen Cyber-Thriller namens „Hacked – Kein Leben ist sicher“ vom Himmel geholt, den er zu alledem noch John Moore anvertraut hat. Moores Filme, inzwischen nicht mehr auf Leinwänden unterwegs, haben die Angewohnheit, sich anfangs nicht sofort als Werke ihres hyperaktiv versumpften Regisseurs zu verraten, weshalb die Fähigkeiten seines Kameramanns hier noch eine Kohärenz versprechen, die Moores Vorgängerwerk „Stirb Langsam 5“ nicht schnell genug abhanden kommen konnte. Kalte Edel-Buden im symbolischen Glasscheibenüberdruss, distanzierte Familienverhältnisse mit Ansagen wie „Ich küsse dich“, strikte Business-Geometrien: Alltag für Airline-Unternehmer Mike Regan (Brosnan), der von neumoderner Technik wenig hält, dennoch in den App-Markt einsteigen sowie die Sympathien des Zuschauers gewinnen will, obgleich er und alle Figuren drum herum als bloße Funktionsträger urtümlichster Stereotypen verbleiben. Alsbald sieht er sich mit Horrorvisionen biederster Technophobie konfrontiert und heuert dafür den brillanten, doch verkorksten IT-Fritzen Ed Porter (James Frecheville, stets von böser Musik begleitet) an, dem er aus blindem, Whiskey umnebelten Vertrauen zudem die Installation seiner Home-Software überlässt. Aber Achtung, in diesen Zeiten ist derart freier Datenumgang leichtsinnig wie Sau und so spielt sich ein Psychoduell aus Online-Stalking, manipulierter Interface-Übernahme und drübberer Menschenkenntnis ab, wie es nicht nur die Sicherheit von Regans Familie aufs Spiel setzt, sondern auch von schwacher künstlicher Intelligenz zeugt, an welcher der Zuschauer jeden nächsten Schritt voraussieht. Eine Handvoll Glitches kann Moore dennoch verbuchen, wenn sein Epic Troll drolligstes Karaoke im Oldsmobile betreibt, Regan-Tochter Kaitlyn (Stefanie Scott, „Jem and the Holograms“) quasi auf Kommando in der Dusche masturbiert und im obligatorischen Voyeur-Modus ihres Tablets den High-School-Schock kollektiven Entsetzens erlebt, während Brosnan es nicht lassen kann, zu fieser Fresse Morddrohungen und Privatsphäre-Phrasen gegen den kranken Bastard auszusprechen, der sich spekulativ an seinen Multi-Bildschirmen abrödelnd mit Gas-Masken und teuflisch grünem Keyboard-Licht umgibt. Ein Fest für Fans der Selbstjustiz, mithilfe von Gaststar Michael Nyqvist aber ebenso eine mäandernde Moralkeule unter Familienmenschen im Zeitalter verrohender Vernetzung, bei der zum Schluss hin wortwörtlich Sturm und Laub durch die Korridore jagen, um Bodenständigkeit abseits sexueller Perversion und sinnbildlicher Datenströme via City-Luftaufnahmen zu rebooten. Trotzdem ist der Film dann doch so billig, dass er sich nicht mal einen Besuch in der Oper leisten konnte, dennoch Außenaufnahmen und Music-Cues des behaupteten sozialen Status seines Protagonisten wegen verwendet und überhaupt so überernst für den reichen Mittfünfziger argumentiert, dass nicht nur jedes Feingefühl für Schnitt, Spannung oder psychologisches Profiling auf der Strecke bleibt. John Moore halt, wie eh und je blind gegenüber potenziell zur Satire reizbaren Dumpfbacken-Stoffen.



Ein-Satz-Kritiken für zwischendurch!

„Blue Crush“ - John Stockwell macht man nichts vor, was die Euphorie zu Wasser und Wellen angeht, bei diesem spritzigen Teenie-Aufstiegsdrama voller suggestiver Erotik ist er aber noch eher dem nicht zeitlosen Zeitgeist verpflichtet, welcher P.O.D., Zeitraffergags und das auf echte Surfer computergenerierte Gesicht Kate Bosworths in die flüssige Meditation voller türmender Spannungsmomente wirft, dafür aber auch Freundschaft feiert, sich insbesondere mit Kondom- und Hundeszenen ein Denkmal setzt.

„Willard“ - In diesem behutsamen US-Horrorfilm von Daniel Mann, 50er Jahre actor's director deluxe, verliert Rattenfreund Willard seine Mutter und erbt deren Schulden, die er beim ihn demütigenden Boss Ernest Borgnine abarbeiten muss, weshalb er seine Disney-taugliche Freundschaft zu den süßen Tieren in einen zum Ende hin etwas schleppenden Rachereißer gegen das Aufdrängen der Anpassung verwandelt und mit einer jungen Sondra Locke, nicht aber ihrer Katze anbandeln geht.

„Eine Stadt geht durch die Hölle“ - Phil Karlsons semidokumentarischer, politischer Noir geht etwas steif in der Etablierung runter, verhärtet seine Eindrücke von Korruption, Mord und Rassismus jedoch zu einer kühlen Hilflosigkeit, aus deren Südstaatenmilieu sich Verzweiflungstaten und fiebrige Momente der moralischen Besinnung ergeben, die als Stütze für die Grundwerte der Demokratie noch so geschickt formuliert werden, dass man manch aalglatte Dialoge verzeiht.

„La Banda Vallanzasca“ - Mario Bianchi spielt ungewohnt bewusst humorvoll mit Bäumchen-wechsel-Dich-Charakteridentifizierungen und einigen subtileren Späßen des Gangster-Schmeichelns, springt nach vielen verhaltenen Mikrobudget-Anläufen zur Mafia hin aber in ein behäbiges Kidnapping, das in der konstant diffusen Menschlichkeit seines Protagonisten ein gnadenloses Ende findet und über Umwege auf politische Ängste anspricht.

„Ash vs. Evil Dead – Staffel 2“ - Der nächste Anlauf des nostalgisch kernigen Revivals macht sich leidlich komischen Funsplatter-Impulsen einer Fangemeinde gefügig, die „Tanz der Teufel“ als Chauvi-Catchphrase-Maschine verstehen wollen und feiern, wenn aufs Langweiligste (aber mit practical fx) zitiert wird, im Handlungsspielraum allerdings rein gar nichts von bleibendem Gehalt entwickelt wird, Staffel Eins dagegen wie ein Bündel aus Originalität und effektivem Horror wirkt.

„Hanni und Nanni“ - Das überraschend unsympathische Zwillingsduo nach Enid Blyton kommt in ein Internat und lernt dort Stück für Stück die Vorteile autoritärer Uniformität kennen, unter deren HJ/FDJ-Strukturen, -klamotten und Kameradschaftsphrasen man ENDLICH man selbst sein kann, in Sachen Kinderschauspiel allerdings mäßige Leistungen hervortreten, Oliver Pocher und versandende Gags zur Wahrheitsaufklärung gegen die moderne Jugend ebenfalls anwesend sind und eine Volksgemeinschaft die Fabrik des „Herrschers“, ähm, die Fascho-Brutstätte Hannelore Elsners rettet.

So, jetzt geht's weiter im Text:




Auf leichtem Fuße erwischt man Kathryn Bigelows Debüt „The Loveless“, das sie in Ko-Regie wie Ko-Autorenschaft mit Monty Montgomery (der zum Drehzeitpunkt an die 17 war?) als entschleunigtes Manifest an Rockern und Bikern binnen der halbstarken 50er Jahre aufleben lässt. Weg von jedwedem überflüssigen Handlungstrieb schießt sich hier also eine Generation in die Omnipräsenz ein, um die spießige Hitze der Gegend um den Highway US 17 aufzumischen, in dessen Einsamkeit und offener Feindschaft gegenüber Außenseitern umso markantere Eindrücke krasser Jugend eskalieren können. Heiße Öfen, knarzendes Leder und schnittiges Pomadenformat sind da also als stille wie massive Eminenzen vor Ort; nehmen sich, was sie wollen, knutschen, fummeln, lungern herum, werkeln an ihren Maschinen, exen Colaflaschen und qualmen, dass vor lauter Coolness die Leinwand kocht, ein Mindestmaß an externer Bewegung via Kamera und Schnitt ebenso die Haltung der rasenden Rebellen verstärkt, wenn sie ihre Reißverschlüsse hoch- und runterziehen. Willem Dafoe, hier erstmals zur Sprech- und Hauptrolle einfahrend, gibt als Vance dementsprechend Stoff auf allen Zylindern des Körperlichen und Ikonographischen, blickt der amerikanischen Südstaaten-Tristesse mit kühler Sonnenbrille entgegen und ballert sich mit der Harley in die Diner am Wegesrand rein, die sich selbst via Sexappeal nur ermattet fürchten können, Rührei und Kaffee servieren, in die er noch reichlich Ketchup, Salz und Zucker reinknallen muss, ehe sein Feuerzeug extraspitze Flammen speit. Ey, was für ein Heidenspaß da im Zuge schlichter Perspektiven angerollt kommt, bei dem jedes Unterhemd kontinuierlich an Ölflecken wächst! Ist eben auch ein unheimlich sinnlicher Typ und Blickfang mit großer Zunge, der zwischen dem „Versteinerten Wald“ und Brandos „Der Wilde“ zudem noch Verstärkung kriegt, wie der Film an sich durchweg (via Rockabilly-Gönner Robert Gordon) Mucke und hyperstilisierten Rotzjargon laufen lässt, dass ein hundsgemein lässiger Rhythmus der Spannungen und Reize zustande kommt, dem sich die Selbstverständnisse an Statussymbolen als lebende Zeitgeist-Gemälde ergeben.


Bei den akzentuierten Posen wird mit der Gefahr gespielt, obgleich drauf geschissen wird, ob man über den Dingen steht – es geht nicht um Macht, eher ums saubere Laufen der Motoren per Schraubenzieher, um Zungenküsse und Messerspiele als Zeittotschläger. Unruhige Parteien der Heimatmodder spekulieren sich da schon vor Schiss einen Wolf zusammen, wenden ihre Blicke unter Schweißperlen auf und ab, spucken in einer Tour Bäche an Kautabak aus und kramen Knarren aus dem Kofferraum zusammen, wenn Angst und Neid das provinzielle Kostüm überschwemmen. Sei's drum, unsere schwarz glänzenden Jacken stechen Klappmesser und Penis der Laune nach ins Ambiente ein, feuern gen Sonnenuntergang im Wald auf Streichhölzer oder besorgen sich Hochprozentiges aus dem gleichfalls unbeeindruckten Außenseitertum des schwarzen Mannes, dass das Fegefeuer der Abgeklärtheit im Zen-Dauerorgasmus aufflammt. Auf derart kleinem Areal weiß sich die Milieustudie dann auch gehörig stilsicher zu ballen, aus der schleichenden Permanenz an Konkurrenz Gewalt, Vehikelterror und bisexuelle Erotik zu fördern, muss dafür aber auch nicht à la „Outsiders“ oder „Rumblefish“ melodramatisch konstruiert werden, darf stattdessen urteilsfrei mit trockener Attitüde auf Jugendschicksale und Autoritätenhass blicken, obgleich das Verständnis zu einem Mädel wie Telena (Marin Kanter) durchaus auf eine Spur der Romantik unter Leidenden schielt. Für Romantisierungen hat die Nacht untereinander dann aber doch nicht so viel über, wenn in der Lounge Strip und Suff angesagt sind, Kippen und Bier zu Rock 'n' Roll den Wettbewerb anstacheln, neben denen sich Motorhauben und Büstenhalter sprengen, wie man es von Frau Bigelow nur selten so unaufgeregt, aber immerhin so geschickt ins Beobachtende verdichtet kennt. Wie und was da letztendlich allein im Abgang der Maschinen und deren Männer erzählt wird, bannt quasi Jahrzehnte an Americana, die Leidenschaft kühnem Scheiß-Egals ohnehin so schön und schnörkellos, dass sich ruhig noch mehr Zuschauer hier zum lautstarken Ritt treffen dürften.




Mit die räudigsten Puppen in der Geschichte der Menschheit lassen sich in Stuart Gordons „Dolls“ vorfinden, der mit seinem deutschen Untertitel „Killerpuppen spielen nachts absolut tödlich“ eigentlich ganz gut beschreibt, mit was für Urängsten da umgegangen wird, bereits vom auf „Funhouse“-Höchstwerten operierenden Vorspann an. Abseits jener kollektiven Hemmschwelle des von klein auf angreifenden Grauens, aus welcher Full Moon noch etliche „Puppet Masters“ abkupferte, beherbergt der Film allerdings einen Hauptanteil märchenhaften Humors, der im antiken Schauermauerschuppen auf die Qual der Kindheit wie auch der Kind-Gebliebenen acht nimmt, sich so ziemlich auf derselben Philosophie der „Toy Story“ gründet, gleichsam das Böse der Menschheit in Miniaturform geißelt. Letztere Transformation im Abbild verstörender Kunststofffratzen ist eben grundsätzlich von Menschenhand geformt, also nimmt sich die Angst des Kindes darauf ein bisschen zurück, wohingegen die Moral von der Geschichte verstärkt an der Eitelkeit der Erwachsenen sägt – ungefähr auch so derb unter die Haut gehend wie Takashi Miikes „Audition“. Hängt natürlich auch mit den Achtzigern zusammen, die sich binnen der USA unter der allseits bekannten Fuchtel der Republikaner über alle Randgruppen stellten oder zumindest nicht ernsthaft auf diese zu hören versuchten, wenn die kapitalistische Autorität Werte der Achtsamkeit ins nukleare Wettrüsten/die nukleare Familie ummünzte. In der Ära gelangte Empire Pictures (wie Full Moon von Charles Band gegründet) aber auch zu einer noch immer etwas unterschätzten Relevanz im Wettbewerb um Low-Budget-Genre-Moneten und unabhängiges (Heim-)Kino, was sich in vielerlei Narrativen von Filmen wie „TerrorVision“ widerspiegelt. Hier wie dort sitzen irgendwann die Kleinen am Hebel, weshalb sich Gordons Prämisse (nach einem Drehbuch von „Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft“-Kollege Ed Naha, produziert von „Dark Society“-Spezi Brian Yuzna) allzu sinnig mit Mini-Killern und der kindlichen Perspektive allgemein brüstet.


Im Zentrum hält sich insofern die kleine Judy Bower fest, deren Darstellerin Carrie Lorraine so mimisch überlebensgroß spielt, dass sie seitdem natürlich nirgends mehr sonst auftauchte, außer als Sängerin auf myspace unter dem Namen Carrie Katz. Vater David (Ian Patrick Williams) und die reiche Stiefmutter Rosemary (Carolyn Purdy-Gordon, Frau von Stuart) sind im gemeinsamen UK-Urlaub jedenfalls eine knallhart überzeichnete (und somit urkomische) Plage der Ignoranz und Unterdrückung, als ihr Wagen nach einem Stock-Footage-Blitzgewitter im Dreck stecken bleibt, sie sodann Zuflucht in einem alten Gemäuer suchen. Vorher jedoch schmeißt die fiese Stiefmama Judys Teddybären in die finstere Pampa, wobei dieser im nächsten Moment jedoch als enorm albtraumtaugliches Riesenmonster zurückkehrt und die Erziehungsberechtigten zerfleischt. Alles aber nur eine Einbildung vonseiten Judys (!), noch unheimlicher agieren dann die Bewohner des Schlosses, die alten Puppenmacher Gabriel (Guy Rolfe) und Hilary Hartwicke (Hilary Mason). M. Night Shyamalan hat seine Großeltern in „The Visit“ wahrscheinlich nach jenem Duo modelliert, so eindeutig sie die Familie in den Wanst der Mörderspielzeuge einladen und die längste Nacht versprechen. Als Begleitung dazu melden sich dann noch der schusselige Ralph (Stephen Lee) sowie die zwei Punk-Anhalterinnen Isabel (Bunty Bailey) und Enid (Cassie Stuart) an, wobei letztere via Madonna-Klamotten und Ghettoblaster-Lärm so ziemlich als erste das Zeitliche segnen werden, aber nicht so schnell, ne. Vorerst trennt sich nämlich die ideologische Spreu vom Weizen, wie wenig Mom und Dad das Kind bei sich haben wollen, höchstens auf Sex und Monte Carlo aus sind, Ralph aufgrund seines guten Umgangs mit Judy aber wiederum als Sittenstrolch vermuten, so wie auch Isabel und Enid bei ihm vom Schlimmsten ausgehen, obwohl sie bereits ans Ausnehmen des Ladens denken. 


Gleichsam versichert der alte Gabriel den naiv Gescholtenen und Mythosempfängern dieses Films, dass sie in diesen Mauern noch am meisten willkommen sind, ebenso weiß Ralph Vertrauensgeschichten lebendiger Spielsachen nachzuerzählen, doch wirklich warm werden sie plus Zuschauer wohl kaum mit dem Ensemble an viktorianischen Meuchelpuppen - mindestens so garstig wie Clowns, weshalb der Harlekin Mr. Punch ebenso mitmischt. Die animatronischen Effekte mit Stop-Motion-Unterstützung stürzen sich dann auch in die Schatten und Ecken individueller Unmenschlichkeit und fetzen eine Leiche nach der anderen zusammen, die Stück für Stück in verpuppte Leidensgenossen verwandelt, von Gordon so auch suggestiv in den Hintergrund platziert bzw. der Verwirrung wegen weggenommen werden, während sich Ralph und Judy noch aus grundgütiger Sorge sowie unter Kerzenschein auf die Suche nach den Vermissten machen. Der Spukfaktor moralischer Proben eskaliert dementsprechend in kurzweiliger Horrorlaune und pointierten Vorführeffekten zur makabren Fairy Tale, die Vater David sodann am stärksten abkriegt, allerdings nur insofern zu bekämpfen versucht, da sein Besitz an andere abgeführt wird, Wut statt Tränen bei ihm auslöst und ihn bald allzu gut in die Truppe an Liliputbrutalinskis ordert, welche eben aus demselben Menschenschlag konzentriert wurden. Klein gegen Groß ist hier im Endeffekt auch Alle gegen Alle, weshalb Mittler Ralph und Judy dazwischen verloren wirken, um einen guten Ausgang appellieren und sich darin eben beweisen, so drollig Genre-gerecht das auch so ausfällt, dass nach knapp 70 Minuten schon wieder Schluss ist mit der übernatürlichen Achterbahnfahrt kleinsten Blutdursts, die ihr Spiel mit den Kontrasten der Dimensionen fies und doch bescheiden herzlich ausreizte. Wie keck sich dann auch noch die Lehre des Ganzen auflöst und neue Verhältnisse schafft, ist selbstverständlich die Krönung wundersamer wie satirischer Naivität im hiesigen Horrortrauma, weshalb sich das Rundumpaket der „Dolls“ und ihrer bestialischen Kleinigkeiten vor allem in geselliger Runde als Paradebeispiel des 80er Schauerkintopps empfehlen lässt.




Die größte Lachbombe der Woche ergab sich natürlich mit einem Hundefilm. „Nur Hunde kommen in den Himmel“ ist aber nicht nur irgendein austauschbarer Vertreter jenes Supergenres mit dem besten Freund des Menschen im Fokus. Der knapp 90-minütige Streifen, den wir aus einer 3er-DVD-Hundefilmbox gesichtet hatten, ist nicht mal ein besonders guter, will natürlich ein buntes Vergnügen für die gesamte Familie sein, doch was hier im Grunde an beliebiger (christlicher) Moral aufgeboten wird, ist nur bedingt so erheiternd wie die Art und Weise, mit welchen Mitteln diese an den Mann/Hund gebracht wird. Und da sollte schon mal erwähnt werden, dass Gary Busey besagten Wandler zwischen den Lebenswesen darstellt, während die Produktion unter Regisseur William Byron Hillman nahe am Amateurspektrum aufbereitet wurde und derart offensichtliche Makel anschlägt, dass man diese nicht mal mit Absicht so gelungen nachahmen könnte. Das heißt also hinein ins DV-Cam-Vergnügen, um dort Bekanntschaft mit unbeholfenen Effekten und repetitiven Kulissen zu machen, während abgestandene B-Stars wie Curtis Armstrong und Christopher Atkins als Träger menschlicher Güte am Hungerknochen nagen, um den selbstsüchtig reichen Videospielhersteller Archie Channing (Busey) zu läutern. Der wird nämlich in einen tödlichen Autounfall verwickelt, kommt seinem Ego wegen aber nicht durch die Papphimmelspforte und muss nun also unter Aufsicht des gerne mal etwas schummelnden Schutzengels Sweeney (Oz Perkins) einige gute Taten mit möglichst wesentlichen Konsequenzen vollbringen. Was von der Ausgangslage her beinahe ans „Rendezvous mit dem Jenseits“ grenzt, gestaltet sich aber besonders knuffig, da Archie auf seiner Rückkehr gen Erde in den Hund verwandelt wird, den er beinahe mit seinen Reifen zermatscht hatte: Quigley! Und der macht wahrlich einen ganz schönen Wirbel, um das Leben seines ehemaligen Assistenten und Firmenerben Dexter Pearlsley (Armstrong) auf die erfolgreiche Bahn zu leiten.


Das ist allerdings nur Kapitel Eins der existenzialistischen Hunderückkehr („Fluke“ lässt grüßen) und auch wenn keine strenge Struktur à la „Dogville“ den Leidensweg Archies aufzeichnet, ist zumindest die Standortkonzentration beinahe auf Von Triers Spuren, denn fast alles an der ersten Phase des Films spielt sich im selben Flur, im selben Treppenhaus, im selben Büro oder in der selben Abstellkammer ab, deren Szenarien und spartanische Besetzung um den immerhin toll dressierten Wau-Wau ebenbürtig gleichförmig ablaufen – soweit sogar, dass Einstellungen wiederholt werden, die vom nachfolgenden Szenenverlauf eigentlich in andere Richtungen/Räume führen sollten. Neben jener Desorientierung hat man es zudem mit reichlich irrealen Zuständen zu tun, die einem kuriosen Protagonisten wie Busey auf den Leib geschrieben scheinen, was sicherlich nicht schon damit aufhört, dass die Erscheinung Archies/Quigleys im Auge Sweeneys je nach Pointenreichtum als Mensch oder Hund zu erkennen ist, devote Halsbandabhängigkeiten und weiteren Daseinssadismus evozieren. Man kann sich das wiederum als verlängerte Hommage ans Ende von „Dogville“ vorstellen – die Filme laufen sogar so parallel ab, dass sie beidesamt von 2003 stammen. Was einem Von Trier in dem Rahmen aber nie eingefallen wäre, sind Jagden um „virtuelle CD-Roms“, trottelige Sicherheitsmänner, die energische Karikatur eines Franzosen als Hausmeister sowie eine permanent begeisterte Assistentin Sarah (Caryn Greenhut), die vom Drehbuch geleitet schnurstraks drauf hinweist, wenn der Hund „uns etwas sagen will“ und einen Stuhl anschiebt, obwohl man den am rechten Bildrand von einer Hand gezogen sieht – der quälend lange Zoom auf ihr Grinsen unter leeren Augen bleibt da trotzdem nicht aus. Goldwert! Nachdem die extrem basischen Firmenstrukturen auch durchschaut und auf einen besseren Kurs inklusive Liebe gebracht werden, ist das nach Gottes Auffassung noch immer nicht genug und so trottet Archie letztendlich seinem Bruder Woodward (Atkins) sowie dessen Familie hinterher, von der er vorher so gut wie gar nichts wusste.


Gut, dass wir diese Leute kennenlernen, denn obwohl die deutsche Synchronisation vorher schon ein Billigprodukt letzter Güte abgibt, hat jener Haushalt erst recht eine ungehaltene Quatschsalve nach der anderen parat. Zum Beispiel, als der (schlechte) Videospiele entwickelnde Vater voller Geldprobleme seinen Kindern vorschlägt, den Hund nach draußen zu bringen, um zu gucken, ob er denn „ein Häufchen machen muuusss“. Genauso schön die Frage der Tochter Megan (Jillian Clare), ob sie mit ihrem Bruder „noch ein paar Videospiele machen“ könne. Ich möchte mir nicht anmaßen, hier schon jeden absurden Dialog zu verewigen, denn die gen Himmel schreiend steifen Situationen, mit denen Quigley sich zur Hilfe der Familie konfrontiert sieht, lassen allen voran an der Intelligenz von Megan zweifeln, an den weltfremden Kompetenzen von Vater und Mutter sowieso und erst recht am Treffpunkt mit der ersten Story, bei dem sich die Zufälle so verstrahlt steigern, dass es zartbesaitete Seelen vor Lachen mit dem Leben bezahlen müssten. Songs mit explizit szenenbeschreibendem Inhalt sind ebenfalls zugegen und brechen das Gesehene auf einen gemeinsamen Nenner herunter, der insgesamt natürlich harmlos erscheint und in seinem Grundgerüst einiges an kurzweiligem Sentiment zwischen Kindergeburtstag und einer erwachsenen Umsetzung dessen probiert. Versuch macht kluch, auch wenn die technische Talentfreiheit auf allen Ebenen prävalent abspeckt, ohnehin dramaturgisch mehrmals dem eigenen Schwanz hinterherläuft und seine Einsicht mit einer Konstruktion ausformuliert, die sich wie die Spiele Woodwards von Kleinkindern ausdenken lassen könnten. Jene Games sollen Erwachsenen übrigens ebenso gefallen, das war das heiligste Versprechen des Herstellers – und siehe da: auf eine höchst umständliche Art, binnen derer (ein wahrscheinlich berauschter) Gary Busey so deplatziert und verwirrt wie nur irgend möglich agiert, gefällt uns das Quigley-Abenteuer zweifellos.