Lebie Lerse,
diese Woche war ich an zweierlei Stellen zutiefst schockiert: Zum einen musste ich Montag nachts feststellen, dass mein Laptop nicht mehr anspringen wollte - Grund hierfür war eine defekte Grafikkarte, wie ich beim Fachmann vor Ort feststellen musste -, zum anderen hatte ich am Freitag kurz vor dem Filmabend bei Siegfried Bendix einen Mini-Hörsturz erlitten, als ich nach dem Waschen meines rechtes Ohrs via Duschkopf ein ungutes Taubheitsgefühl (ca. eine Oktave vermissend) empfand. Tja, irgendwas tut von Tag zu Tag ja immer weh. Keine Sorge, letztere Sache hatte sich nur wenige Stunden danach als kleines Wasserproblem aufgeklärt, ich kann insofern weiterhin so gut wie zuvor hören - wohlgemerkt aber noch immer mit jenem Tinnitus, den ich seit Anfang des Jahres inne habe. Aber jo, mein bereits sechs Jahre lang im Einsatz bewährte Laptop will erstmal nicht mehr funktionieren (Sad!), infolgedessen habe ich meine Daten und Tätigkeiten also nun auf Tower und Tablet übertragen, dementsprechend auch das Schreiben hiesigen Blogs. Ich sage mal so: Gerätschaft Numero 2 eignet sich eher bedingt für den intuitiven Schreibfluss, selbst nach einigen kurzen Experimenten mit der Spracherkennungsfunktion (kommt auch davon, dass ich allgemein besser schreibe als spreche). Im Vergleich dazu ist es mir im Sessel noch immer etwas unbequem, mehrere Stunden lang als Verfasser zu verweilen, doch irgendwann geht das sicherlich auch vollends ins Mark über - Bock auf Verspannung habe ich so oder so noch immer nicht. Was macht der Witte dann also zur Entspannung? Ach, die Frage würde bei mir nur eine langweilige Antwort ergeben, zumindest finde ich es schön, dass die Sonne inzwischen wieder raus kommt - umso sinniger also, dass ich wie letzte Woche einen Filmmarathon am Mittwoch veranstaltet habe! Voraussetzung war natürlich, dass ich nicht nochmal 24 Stunden am Stück durchziehen würde, also beließ ich es bei (höchstens) 12, ergo 8 Filmen in Reihenfolge. Nicht jeden Kandidaten aus dem Umfeld habe ich sodann im heutigen Blog verewigt - man muss sich ja nicht unbedingt noch einen Burnout herbeisehnen -, aber falls die Schließung letzter Lücken individuell erforderlich ist, empfehle ich einen Abstecher auf meine Twitter-Timeline. Ach ja, den Filmabend am Freitag gab es ja sowieso auch noch und da hatte Herr Bendix eine sehr interessante Auswahl zusammengestellt, der es neben der Verspeisung toller Pizzen (ich hatte eine mit Hähnchenkebap, Tsatsiki, Tomaten und Zwiebeln) an schreibwürdigen Höhen nicht mangelte, genauso wenig an totalen Absackern für die Hirnrinde wie „Reise zurück in der Zeit“ und „Doggie Boogie - Disco-Fieber auf vier Pfoten“. Die Erschöpfung hinsichtlich jenes Duos rührt dann aber bestimmt auch von der Frühjahrsmüdigkeit, die mit meinem ohnehin irregulären Schlafrhythmus Schindluder treibt, trotzdem habe ich es in diesen Tagen erneut geschafft, was zu Digi-Papier zu bringen - hauptsächlich dem Wandel ins Schwüle entsprechend mit Werken der Reize ausgestattet, die mindestens von Dreiecksbeziehungen träumen und von dort aus mehr oder weniger auf die Pauke hauen, wie abenteuerlich die Gedanken in neue, gar gefährliche Sphären vordringen. In diesem Sinne wünsche ich also viel Spaß mit dem folgenden Ensemble - inklusive der Rückkehr an Ein-Satz-Kritiken (mehrmals im Zeichen amerikanisch-asiatischer Freundschaft) -, das ich aus meinen, von den letzten Wochen noch immer etwas überarbeiteten Händen eingetippt bekommen habe:
In Sachen Stephanie
Rothman hingegen hat man noch mehr zum Vergleich parat, was den Output an Filmen
angeht – und weil dieser in jüngster Zeit wieder ein angesagtes
Thema geworden ist, war es kaum zu vermeiden, dass ihr „The Velvet Vampire” schließlich ebenso in den Filmabend hinein
programmiert werden würde. Regisseurinnen waren doch etwas rar gesät im
US-amerikanischen Exploitation-Markt
der 70er Jahre – umso schöner, wenn sich dann doch ein Genuss an Topoi und Schauwerten
des jeweiligen Genres ergeben darf, sobald Rothman hier die Farben der
Verführung in die Sonne rückt, den Reiz von heißem Sand, Samt und Blut in einer
ménage à trois binnen kalifornischer Wüste zum Spektakel der Sinnlichkeit
ballt. Ja, man kann sich gegebenenfalls auch den Kanon via Jess Franco und Jean
Rollin dazu in Erinnerung rufen, um die Knüpfung mit Rothmans Äußerung des übernatürlichen
Mythos voranzutreiben, doch die Tragik des Vampirdaseins hat hier so oder so
einen Luxus an kaschierten Wunden inne, wie man ihn selten derart lässig als
Dynamik sehnlichster Erhaltung begreifen darf. Der Wunsch nach Errungenschaften
des Ichs, nach Verwandlungen des Lebendigen ins Tote hungernd (hatte ich diese Woche auch im Nekrophilie-Indie „Kissed - Todeskuss” variiert gesehen), die ihr plaisir nach Begegnungen als
Liebesbeweis zur ausgehöhlten Beute transformieren – das muss für wahr keine
triste Affäre ergeben! Insofern lässt Rothman ihre Diane LeFanu (Celeste Yarnall)
initiativ voll rotem Bombast in die Nacht knallen, Klingen und Augenpartien
hantierend, dass man sie im Schlepptau mit dem ausgesuchten Opferpärchen Lee (Michael
Blodgett) und Susan Ritter (Sherry E. DeBoer) nur gern haben kann. Das spontane
Kennenlernen hat dann auch schnellste Handlungsgriffe für eine Einladung in die
Wüste zur abgeschotteten Edelkaserne parat; schmissig aufs ungenierte Machen
gepolt, selbst wenn Susan als Skeptiker aus unerfahrener Vorsicht vor dem
Unbekannten schier hilflos banal und knuffig zugleich wirkt. Lee dagegen kommt
verstärkt selbstbewusster rüber, mit einer (Richard-Lynch-artigen) Durchtriebenheit
im Auge als Charmeur des Zeitgeists angesetzt, dass er sich umso entschiedener
auf die kaum verhaltenen Zweideutigkeiten
Dianes einlässt. Susan kriegt jede noch so offensichtliche Anmache scheinbar
nur aus der Ferne mit, doch jeder Lächerlichkeit entgegen rechnet Rothman die
Verhältnisse des Dreiergespanns eben einer kollektiven Neigung zur Provokation/Enthemmung
zu, die mal fröhlich im Dune Buggy an Kakteen vorbei kurvt, mal müde in der
Sonne badet und sich gegenseitig Schlangen vom Hals hält, um infolgedessen den
Lebenssaft zum Glücke aller tropfen zu lassen.
Raus mit dem Gift, Hunger stillen, reguläre Bindungen verwischen! Klar steckt da auch ein Spannungsfeld des Sadomasochismus drin - in der Montage des Easy Ridings ohnehin mit dem Fokus zur Laune unter einer Decke -, eher aber noch eine Schönheit im Miteinander, die sich zudem im Traum begegnet, die Angst vor dem Wegnehmen zu einer Hoffnung des Behaltens untereinander hin suggerieren lässt. Das unvermeidlich Parasitäre am Sukkubus ruft dann trotzdem noch den Fluchtgedanken sozialer Modelle/Menschenkenntnis auf den Plan, doch da lässt sich die Ambivalenz in jeder Konstellation schon längst von den Signalfarben an wechselwirksamer Energie triggern, wenn Diane noch vor jeder glückbringenden Entblößung das Vertrauen per Pink, Weiß und Rot stimuliert – und auch verdient, sofern man ihre Variante entgegengebrachter Leidenschaft als solche versteht, selbst wenn diese in destruktiver Unersättlichkeit fungiert. Diane verbirgt sich dazu eben auch als Voyeur hinterm Spiegel, aber wie oft man als Freund der Leinwand einen ebenbürtigen Status einnimmt, muss ich wohl nicht nochmal erklären. Alle Parteien sind mehr oder weniger Eindringlinge, gemessen am Wollen auch notorische Lügner, da nimmt man’s folglich locker mit dem Flirten, mit dem Ausrücken ins nächste Zimmer oder zum Sarg des verstorbenen Geliebten, wenn die Nacht alle Spuren verwischt. Na gut, das Blut bleibt öfter als Hinweis über, macht Zweifel und Schuld als Genre-Spannung ausgehfertig, doch die Schmerzen, ob nun solche aus der Vergangenheit oder Gegenwart, beruhen auf Gegenseitigkeit, weshalb die schwüle Luft (der Dramaturgie) eben auch nur wenig Luft abwürgen muss, um für den Wachstum hin zum Zerfall aufzuwärmen. Alles passiert, wie es (sich) jeweils gefällt und den Frust des Unlösbaren bis zu einer gewissen Grenze der Beziehungsunfähigkeit in einem Ausweg temporärer Selbsterfüllung entgeht. Die Schlussklammer dazu, nach der Trinklaune an entfesselten Geheimnissen zwischen Laissez-faire und Sandsturm die surreale Verfolgungsjagd vom „Blutgericht in Texas” vorwegnehmend, reißt sodann Dianes Wunden darin wieder auf, bleibt mehr oder weniger noch der Sonne verträglich, entlarvt aber auch das Fass ohne Boden in der Liebe - eine verheißungsvolle Fallhöhe mit Verschleißspuren; nicht auszutreiben, selbst wenn die Sucht zum Tode dem Sterben erliegt. Bei solchen Zyklen bin ich gespannt, noch mehr von Frau Rothman kennenzulernen, sprich immer wieder aufs Neue von ihr zu lernen.
Ein-Satz-Kritiken für zwischendurch:
Raus mit dem Gift, Hunger stillen, reguläre Bindungen verwischen! Klar steckt da auch ein Spannungsfeld des Sadomasochismus drin - in der Montage des Easy Ridings ohnehin mit dem Fokus zur Laune unter einer Decke -, eher aber noch eine Schönheit im Miteinander, die sich zudem im Traum begegnet, die Angst vor dem Wegnehmen zu einer Hoffnung des Behaltens untereinander hin suggerieren lässt. Das unvermeidlich Parasitäre am Sukkubus ruft dann trotzdem noch den Fluchtgedanken sozialer Modelle/Menschenkenntnis auf den Plan, doch da lässt sich die Ambivalenz in jeder Konstellation schon längst von den Signalfarben an wechselwirksamer Energie triggern, wenn Diane noch vor jeder glückbringenden Entblößung das Vertrauen per Pink, Weiß und Rot stimuliert – und auch verdient, sofern man ihre Variante entgegengebrachter Leidenschaft als solche versteht, selbst wenn diese in destruktiver Unersättlichkeit fungiert. Diane verbirgt sich dazu eben auch als Voyeur hinterm Spiegel, aber wie oft man als Freund der Leinwand einen ebenbürtigen Status einnimmt, muss ich wohl nicht nochmal erklären. Alle Parteien sind mehr oder weniger Eindringlinge, gemessen am Wollen auch notorische Lügner, da nimmt man’s folglich locker mit dem Flirten, mit dem Ausrücken ins nächste Zimmer oder zum Sarg des verstorbenen Geliebten, wenn die Nacht alle Spuren verwischt. Na gut, das Blut bleibt öfter als Hinweis über, macht Zweifel und Schuld als Genre-Spannung ausgehfertig, doch die Schmerzen, ob nun solche aus der Vergangenheit oder Gegenwart, beruhen auf Gegenseitigkeit, weshalb die schwüle Luft (der Dramaturgie) eben auch nur wenig Luft abwürgen muss, um für den Wachstum hin zum Zerfall aufzuwärmen. Alles passiert, wie es (sich) jeweils gefällt und den Frust des Unlösbaren bis zu einer gewissen Grenze der Beziehungsunfähigkeit in einem Ausweg temporärer Selbsterfüllung entgeht. Die Schlussklammer dazu, nach der Trinklaune an entfesselten Geheimnissen zwischen Laissez-faire und Sandsturm die surreale Verfolgungsjagd vom „Blutgericht in Texas” vorwegnehmend, reißt sodann Dianes Wunden darin wieder auf, bleibt mehr oder weniger noch der Sonne verträglich, entlarvt aber auch das Fass ohne Boden in der Liebe - eine verheißungsvolle Fallhöhe mit Verschleißspuren; nicht auszutreiben, selbst wenn die Sucht zum Tode dem Sterben erliegt. Bei solchen Zyklen bin ich gespannt, noch mehr von Frau Rothman kennenzulernen, sprich immer wieder aufs Neue von ihr zu lernen.
Ein-Satz-Kritiken für zwischendurch:
„Jade“ – William Friedkins Erotikthriller musste
sich aufgrund der Autorenschaft Joe Eszterhas‘ vielerlei Vergleiche mit „Basic
Instinct“ gefallen lassen, erfüllt sowieso mehrere Anlaufstellen und
Milieu-Kolportage des damaligen Trends, doch die Inszenierung sticht als
Seeleninneres eines Ensembles heraus, das sich vor allem via Außenimage
definiert, wie ein Chamäleon Kulturen assimiliert, Bilder des Eigenen/Eigenen im Hintergrund anpeilt und
Wahrheiten schluckt, während die Erwartungen an die designierte femme fatale deren zerrüttete Suche raus
aus der Jagd und dem Missbrauch der Projektion offenbaren, welche Friedkins
Drastik und Konstante des allgegenwärtigen Bösen/Teufels weiterhin nicht
vollständig auszutreiben imstande ist.
„Monster aus dem All” – Kinji Fukasakus Bindeglied zwischen
amerikanischem Sci-Fi-B-plus-Movie und auf Eigendynamik kadrierten Toei-Effekthallen gibt (wie typisch für
diese Woche) eine Dreiecksbeziehung aus, die hauptsächlich funktionell, doch
symbolisch als Vergangenheitsbewältigung ehemaliger Rivalen zu den Sternen
fliegt, um eine utopische Erde vereinter Nationen vor einem Prä-„Armageddon“-Kometen zu
retten, aus dem allerdings auch Prototypen des „Alien“-Narrativs mutieren, denen mit normaler Ballerpower nicht
beizukommen ist, was bei der Drolligkeit jener interstellarer Zyklopen umso beglückender auffällt (schönes Kopfkino, sich vorzustellen, wie die Kinder in den Kostümen auf die vor Furcht fuchtelnden, erwachsenen Helden zustampfen),
so wie sie sich fast schon nach Yôkai-Manier
ballen und insofern Folk-Mythen kontemplativen Tempos in die Space-Sause
suggerieren.
„The Hideous Sun Demon” – Das Drive-In-Spektakel eines radioaktiven Monsters in Mannsgröße ist im
Grunde nur die nebensächlichste Attraktion in einem als Creature-Feature getarnten Drama der Alkoholsucht, das die
Schwierigkeiten zwischenmenschlicher Bindung im Banne einer
Abhängigkeit/Entsagung repräsentiert, sobald ein Atomwissenschaftler seines Betriebsunfalls
wegen der Sonne fernbleiben muss, den Suizid in Betracht zieht und höchstens
noch eine Entlastung darin findet, die Sängerin eines Nachtclubs vom fiesen
Mob-Beau ihrerseits fernzuhalten, Zweisamkeiten am Strand mit ihr zu teilen und
doch hintergangen zu werden, so wie sich der Zwang der Horrormanie zurückmeldet,
ein ziellos mordendes Ende findet.
„Ghost in the Shell” - Als audiovisueller Erzähler sehe ich Rupert Sanders in Zukunft noch einiges an Potenzial einsacken, so wie er den futuristischen Cyber-Welten Mamoru Oshiis eine Verwirklichung zukommen lässt, die sich gerne um die bunten Kulissen verlinkter Menschmaschinen und Metallorgane schleicht, auch oft die Gewaltästhetik des PG13-Konsens fetischisiert, aber inhaltlich leider dadurch verflacht, dass die technogeile/technophobe Selbstfindung des Majors (Scarlett Johansson) auf Offenbarungsmuster zurückgreift, die ganz der Vorlage gemäß ein Zyklus an Derivaten vorschickt, „Blade Runner”, „Robocop” (Original wie Remake) und Co. zu emulieren (sogar explizite „Her”-Verweise zu verteilen), hier jedoch auf eine Verständlichkeit für Mainstream-Laien runterrechnet, als müsste man es mit der sehr ähnlichen Aeon-Flux-Verfilmung oder anderen Red-Pill-Filmen der Bush-Ära wie „Equilibrium” aufnehmen, obgleich der Familienfaktor zur Menschwerdung hin hier dann doch mehr emotionale Involvierung bewirkt als es im '95er Anime geschah.
„Ghost in the Shell” - Als audiovisueller Erzähler sehe ich Rupert Sanders in Zukunft noch einiges an Potenzial einsacken, so wie er den futuristischen Cyber-Welten Mamoru Oshiis eine Verwirklichung zukommen lässt, die sich gerne um die bunten Kulissen verlinkter Menschmaschinen und Metallorgane schleicht, auch oft die Gewaltästhetik des PG13-Konsens fetischisiert, aber inhaltlich leider dadurch verflacht, dass die technogeile/technophobe Selbstfindung des Majors (Scarlett Johansson) auf Offenbarungsmuster zurückgreift, die ganz der Vorlage gemäß ein Zyklus an Derivaten vorschickt, „Blade Runner”, „Robocop” (Original wie Remake) und Co. zu emulieren (sogar explizite „Her”-Verweise zu verteilen), hier jedoch auf eine Verständlichkeit für Mainstream-Laien runterrechnet, als müsste man es mit der sehr ähnlichen Aeon-Flux-Verfilmung oder anderen Red-Pill-Filmen der Bush-Ära wie „Equilibrium” aufnehmen, obgleich der Familienfaktor zur Menschwerdung hin hier dann doch mehr emotionale Involvierung bewirkt als es im '95er Anime geschah.
„Pizza Pizza – Ein Stück vom Himmel” – 90er-Jahre-Blödelchamp
Donald Petrie versucht sich in seinem Debüt an einer Romanzendramödie an
Hoffnungen, die sich drei Mädels (u.a. Julia Roberts und Lily Taylor) binnen des
Fischerkaffs Mystic anhand von Sternschnuppen und Blicken aufs Meer machen,
während man sie hauptsächlich am Bechdel-Test versagend darin kennenlernt,
welche Kerle sie abbekommen wollen, (nicht) standesgemäß heiraten, von wem sie
sich belogen/betrogen fühlen und wer schlicht nie erreicht werden kann, wobei
der Heißhunger des Films eher im Sprüchelager der Mädels liegt, genauso in
ihrer Stellung als Pizzeria-Azubis, gefolgt von Douglas-Sirk-Gedächtnis-Farbdramaturgien
und dem Auftritt eines jungen Matt Damon, der aber nur wenig an dieser weit
über die Ära hinaus altbackenen Coming-of-Age-Dreifaltigkeit
aus den 80ern rumoren darf.
„Berlin Dance Battle – A
Streetdance Story” – Ein etwas über Amateurfilmniveau gesteuerter Tanzstreifen
inmitten beliebiger Berlin-Vororte, Turnhallen, Halbruinen, Ribnitz-mäßiger Kitas sowie öffentlicher Plätze um den
Postdamer Platz herum, der sich beinahe so frech und konsequent an einer
Dramaturgie vorbeischmuggelt wie einst „Himmelskörper“,
aber weit mehr Strecken redundanter Auffüllungen bemüht, bei der zentralen
Love-Story (mit Cinderella-Einschlag) vom semi-charmanten Talentmangel seines
Casts abhängig ist, aber umso sympathischere Gags der Verpeilung evoziert, den
größten Unterhaltungswert wiederum aufgrund der Statisten im Hintergrund einsackt, sich jedoch in eine mühsam
abgespulte Endphase hinein verliert, welche sich wie die meisten eJay-Loops auf dem Soundtrack in zermürbender
Repetition übt, trotzdem Mut macht, dass man mit dem eigenen Zeugs ja eigentlich
selbstverständlich einen Vertrieb finden müsste, wenn es Robert Franke hiermit
auch geschafft hatte.
So, jetzt geht's weiter im Text!
Mit Extremen der Passion, mit der Luminanz der fünf Elemente, sprich der schweren Blüte des Wollens, beschäftigt sich auch „Fuego”, wiederum meine erste Begegnung mit dem Werk Armando Bos. Niemand geringeres als John Waters legt für den Mann seine Hand ins Feuer, also wollte ich nicht lange damit fackeln, herauszufinden, inwiefern die Reizüberflutung in Person, Isabel Sarli, solch ein Hypermelodram von brennender Leidenschaft bekleidet. Mit der Nutzung jener Begrifflichkeit muss man eben auch erwähnen, wie stark sich der Film den Gefühlen hingibt, sich um den Menschen und die Liebe reißt, dass es die Existenz des jeweiligen Subjekts der Zuneigung überhaupt erst möglich, jede Trennlinie von wegen Kitsch oder Sexploitation obsolet macht, da Bo die Veräußerlichung des Daseins im Schmachten, in der Reibung der Körper und des unabdingbaren Zusammenseins zu einem Bolero urtümlicher Erotik, gleichsam tragischer Ergiebigkeit konzentriert. Love is a drug und bei derer Abhängigkeit, diesem Fieber zur Urquelle allen Lebens, inszeniert sich Bo auch selbst als Industrielebemann Carlos im dritten Frühling, der zwischen den Tälern Argentiniens sowie auf hohem Ross die dralle brünette Perle Laura (Sarli) vorfindet, wie sie ganz als Maximum der Schöpfung Gottes aus den tobenden Flüssen steigt, den eigenen Körper im Dauerklimax liebkost, ehe ihre vertraute Bedienstete Andrea (Alba Múgica) ebenso kaum der Versuchung widerstehen kann. Die Begierde ergreift jedermann und so ist es auch in Sekundeneile um Carlos geschehen, der sich fortan kein Leben mehr ohne diese Frau vorstellen will – und er hat Glück, denn ganz nach „Barbara“ kommend strebt Laura einer Konstante im Leben hinterher, die sie festhält und in ewiger Erfüllung bannt. „Fuego!“ tönt es sodann auch im für immer währenden Rhythmus vom Soundtrack, wenn - nach den Blickverkehr-Annäherungsversuchen mit nur einem möglichen Ausgang - keine Sekunde ungenutzt bleibt, sich zu vereinen, manische Küsse auszuteilen, selbst im Schnee die Nacktheit beben zu lassen, als könne sich das frisch vermählte Duo gemeinsam in den Boden schmelzen.
Sobald Carlos am Tage jedoch notgedrungen zur Arbeit verschwinden muss, flacht das Thermometer der Lust in Laura keineswegs ab – ihre Flucht in die Untreue setzt alles aufs Spiel und für Carlos gestaltet sich das als vergängliche Jagd nach ihrem Herzen! Passend dazu setzt der Film mit seinen Facetten hormoneller Tobsucht auf eine Verzweiflung gegenüber der Brandmarke des „Unnatürlichen“ – eine Reflexion auf den kulturellen Status Quo der Ära, die hier an ihrem Wendepunkt um 1969 als Übersteuerung des Triebgesteuerten dargestellt schon keinen konservativen Kompromiss mehr zu erreichen imstande ist. Siehe allein, wie Carlos Andrea anzuklagen versucht, aus dem Zwang männlicher Ehre die Homophobie ausspricht, gleichsam aber weiß, dass er untypisch brutale Worte aus sich rausquält und seine Liebe Laura mit einer Eifersucht/Entsagung straft, die per Gewalt versucht, ihrem nymphomanen Zustand Einhalt zu gebieten. Er nimmt ohnehin zig Optionen und Expertenmeinungen durch, um dem Feuer standhalten zu können, sie bleibt trotz seiner Bemühungen aber machtlos gegenüber dem Verlangen - selbst beim Gynäkologen in der Praxis, mit den Tränen im Anschlag, zuvor auch schon unterwegs in der Stadt jedem Mann die Brust entgegenstreckend, der potenziell auf sie anspringen könnte. Natürlich kokettiert der Film dann auch enorm bereitwillig mit der Unersättlichkeit flammender Herzen, akzentuiert er die Wollust doch als Strom an Orgasmen im aufgeregten Leinwandlicht, der zur obszönen und grellen Pracht des Heimatfilmambientes noch Buenos Aires und New York addiert, auf den Tränen des Gehörnten und seiner Frau zudem den Tod in Aussicht stellt – und das natürlich in solch einem Wahn, dass die Poesie des Trivialen in gröbster Größe strahlt. Die Markenzeichen eines Melodrams scheinen da eben weniger rührselig, als dass sie permanent auf dem eigenen Gipfel vibrieren, angesichts ihrer Reaktionen jeden Moment aus der Haut zu fahren drohen oder sich an diese eben wie an einem Rettungsring schnallen. Pro-Tip: Mit der überbordenden Druckwelle an Hüftstößen und lippenfetzender Atemnot sollte zu jeder Sichtung ein Wasserwerfer gebucht werden!

Stuart Whitman räumt auf dem Asphalt und in der Vielfalt der Metropole Montreal auf – mit der Prämisse könnte Alberto De Martinos „Feuerstoß” einen feuchten Traum für
Selbstjustiz-Fetischisten ergeben, wie es in der Ära circa 1976 auch den
Geldbeutel Charles Bronsons erklingen ließ. Ein Bulle sieht rot, ist da
natürlich die reißerische Devise binnen der Ermittlerkreise Tony Saittas
(Whitman), der den vermeintlichen Schwächetod seiner Schwester Louise (Carole
Laure) aufzuklären versucht, da ein Giallo-Whodunit?
der Mordsverschwörung stimmigere Steilvorlagen für Schlägereien, Schießereien
und Verfolgungsjagden liefert, als dass eine schlichte Abgeklärtheit davon
Kenntnis nehmen würde, wie man sich im vertrauten Charakter eines Menschen
täuschen kann. Genug Verdächtige sind ohnehin zur Stelle mit Dreck am Stecken, anhand
welcher Untreue sie die Frustration ihrer Lebensumstände umgehen, geheime
Partnerschaften unterhalten und die verbliebenen Einzelpersonen in der
Finsternis offener Geheimnisse über lassen. Der unglücklich verheiratete Uni-Professor
Dr. George Tracer (Martin Landau) gerät als unmittelbarste Affäre Louises als
erstes ins Visier Tonys und dessen Partners Ned (John Saxon); promiskuitive
Lehrkörper wie Margie Cohn (Gayle Hunnicutt) müssen als Zeugen aushelfen,
während sie nach dem Beischlaf mit dem neuesten Toyboy im Negligé stehen; die
dicke Luft der Frustration mehrerer Ex-Boyfriends geht genauso wenig an einem
vorbei wie die Einsamkeit angesichts verlorener Freundschaften bei der blinden
Julie (Tisa Ferrow). Das ermittelnde Prozedere innerhalb solcher Tristesse kann
da manchmal nur steif ins Wanken kommen und über lasche Gesetzte stänkern - die
Katharsis in der Eskalation hebt man sich dann jedoch für die Zwischenphasen
der Informationsbeschaffung auf, wo De Martino quasi für die kleinsten Fische
im Falle jenes Falles die aufwendigsten Schauwerte auspackt. So schlägt sich
Saitta mit Transvestiten herum, jagt den
Schweden mit bestialischem Karrenverschleiß durchs Straßennetz und springt
Schwulen mit Halbglatze auf die U-Bahn-Toilette hinterher, tritt dort Türen wie
ein Berserker ein, auch wenn sich der Gejagte im Nachhinein als der falsche herausstellt. Jene
Plakativität, inklusive Topleitthema von Armando Trovajoli, hat die reaktionäre
Räude inne, sticht jedoch umso selbstreflexiver in jenem Kontrast heraus, was
sich allmählich aus der Rekonstruktion der Person Louises ergibt, den grauen
Schläfen Saittas Grauzonen entlockt, aber trotzdem dafür sorgt, dass er als
Eskapist à la Dirty Harry die besonders spekulative Befriedigung im Abschuss
eines Helikopters via Magnum hinkriegt. Eine Krönung mit Knalleffekt, bis dahin
aber auch schon entschieden ruppig, teilweise als klaustrophobes Spannungsstück
sowie mit Monsterstunts über die Laufzeit verteilt!
So, jetzt geht's weiter im Text!
Mit Extremen der Passion, mit der Luminanz der fünf Elemente, sprich der schweren Blüte des Wollens, beschäftigt sich auch „Fuego”, wiederum meine erste Begegnung mit dem Werk Armando Bos. Niemand geringeres als John Waters legt für den Mann seine Hand ins Feuer, also wollte ich nicht lange damit fackeln, herauszufinden, inwiefern die Reizüberflutung in Person, Isabel Sarli, solch ein Hypermelodram von brennender Leidenschaft bekleidet. Mit der Nutzung jener Begrifflichkeit muss man eben auch erwähnen, wie stark sich der Film den Gefühlen hingibt, sich um den Menschen und die Liebe reißt, dass es die Existenz des jeweiligen Subjekts der Zuneigung überhaupt erst möglich, jede Trennlinie von wegen Kitsch oder Sexploitation obsolet macht, da Bo die Veräußerlichung des Daseins im Schmachten, in der Reibung der Körper und des unabdingbaren Zusammenseins zu einem Bolero urtümlicher Erotik, gleichsam tragischer Ergiebigkeit konzentriert. Love is a drug und bei derer Abhängigkeit, diesem Fieber zur Urquelle allen Lebens, inszeniert sich Bo auch selbst als Industrielebemann Carlos im dritten Frühling, der zwischen den Tälern Argentiniens sowie auf hohem Ross die dralle brünette Perle Laura (Sarli) vorfindet, wie sie ganz als Maximum der Schöpfung Gottes aus den tobenden Flüssen steigt, den eigenen Körper im Dauerklimax liebkost, ehe ihre vertraute Bedienstete Andrea (Alba Múgica) ebenso kaum der Versuchung widerstehen kann. Die Begierde ergreift jedermann und so ist es auch in Sekundeneile um Carlos geschehen, der sich fortan kein Leben mehr ohne diese Frau vorstellen will – und er hat Glück, denn ganz nach „Barbara“ kommend strebt Laura einer Konstante im Leben hinterher, die sie festhält und in ewiger Erfüllung bannt. „Fuego!“ tönt es sodann auch im für immer währenden Rhythmus vom Soundtrack, wenn - nach den Blickverkehr-Annäherungsversuchen mit nur einem möglichen Ausgang - keine Sekunde ungenutzt bleibt, sich zu vereinen, manische Küsse auszuteilen, selbst im Schnee die Nacktheit beben zu lassen, als könne sich das frisch vermählte Duo gemeinsam in den Boden schmelzen.
Sobald Carlos am Tage jedoch notgedrungen zur Arbeit verschwinden muss, flacht das Thermometer der Lust in Laura keineswegs ab – ihre Flucht in die Untreue setzt alles aufs Spiel und für Carlos gestaltet sich das als vergängliche Jagd nach ihrem Herzen! Passend dazu setzt der Film mit seinen Facetten hormoneller Tobsucht auf eine Verzweiflung gegenüber der Brandmarke des „Unnatürlichen“ – eine Reflexion auf den kulturellen Status Quo der Ära, die hier an ihrem Wendepunkt um 1969 als Übersteuerung des Triebgesteuerten dargestellt schon keinen konservativen Kompromiss mehr zu erreichen imstande ist. Siehe allein, wie Carlos Andrea anzuklagen versucht, aus dem Zwang männlicher Ehre die Homophobie ausspricht, gleichsam aber weiß, dass er untypisch brutale Worte aus sich rausquält und seine Liebe Laura mit einer Eifersucht/Entsagung straft, die per Gewalt versucht, ihrem nymphomanen Zustand Einhalt zu gebieten. Er nimmt ohnehin zig Optionen und Expertenmeinungen durch, um dem Feuer standhalten zu können, sie bleibt trotz seiner Bemühungen aber machtlos gegenüber dem Verlangen - selbst beim Gynäkologen in der Praxis, mit den Tränen im Anschlag, zuvor auch schon unterwegs in der Stadt jedem Mann die Brust entgegenstreckend, der potenziell auf sie anspringen könnte. Natürlich kokettiert der Film dann auch enorm bereitwillig mit der Unersättlichkeit flammender Herzen, akzentuiert er die Wollust doch als Strom an Orgasmen im aufgeregten Leinwandlicht, der zur obszönen und grellen Pracht des Heimatfilmambientes noch Buenos Aires und New York addiert, auf den Tränen des Gehörnten und seiner Frau zudem den Tod in Aussicht stellt – und das natürlich in solch einem Wahn, dass die Poesie des Trivialen in gröbster Größe strahlt. Die Markenzeichen eines Melodrams scheinen da eben weniger rührselig, als dass sie permanent auf dem eigenen Gipfel vibrieren, angesichts ihrer Reaktionen jeden Moment aus der Haut zu fahren drohen oder sich an diese eben wie an einem Rettungsring schnallen. Pro-Tip: Mit der überbordenden Druckwelle an Hüftstößen und lippenfetzender Atemnot sollte zu jeder Sichtung ein Wasserwerfer gebucht werden!


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