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Sonntag, 7. Januar 2018

Das Filmjahr 2017 im Rückblick


Liebe Leser,

sacht ma, was hat uns 2017 gematert, wa? Obwohl, vom Gefühl her lief es doch noch ganz geschmeidig, wenn man bedenkt wie man’s sich mit der ´16 so verkracht hatte – man musste halt ne Menge von dessen Mock jetzt ausbaden und da ist natürlich noch genug zu ackern dran. Aber musstet ihr so zig Zahn-OPs mitmachen wie meiner einer? Die waren schon der schrecklichste Stress in Quadrat. Allerdings kann man ich mich neben der übermäßigen Einspritze von Betäubungsmitteln dann doch an blockweise Schübe medialer Unterhaltung erinnern, die mich über Monate hinweg bestens bei Laune hielten. Videospiele waren wieder groß in der Gunst, Kinners, ich hatte mich von Frühling bis Sommer um den Giganten DOSHIN aufm Gamecube gekümmert – nun gegen‘s 4. Quartal führte sich zudem die Nintendo Switch mit der Odyssee SUPER MARIOS ein, dass ich in Sachen Selbstbeschäftigung hoffentlich nie zur Ruhe komme. Der junge Schreiberling hier hat nämlich inzwischen die runde 30 erreicht und man soll sich ja stets so jung fühlen wie die paar kleinen grauen Haare die man am frühen Morgen neu sprießen sieht – huch, da blitzt das Kinn auf einmal, irres Feeling! Das geht in Serie, wie’s scheint – und wie sich die Geschichte so ergibt, habe ich eine gewisse Stückzahl von DEM Format ebenso am TV oder eher anderswo online aufgelesen (einmal allgemein drüber geschrieben habe ich ebenso hier). Ein bisschen Weiterbildung in Sachen Mike Judge brachte mich für 8 Staffeln lang zum „King of the Hill“ und seine neueren „Tales from the Tour Bus“, über „Vice Principals“ hinweg ließ sich eine zweite Staffel „Stranger Things“ mit sehr bekannteren Mustern ihrerseits auf familiäre Entscheidungsgewalten ein, weshalb das große Erwachen in der Rückkehr „Twin Peaks“ dann doch unerreicht bleiben musste (obwohl der Electric-Sun-20-Prozess gegen Tim Heidecker ebenso großartig ausfiel). 

Kaffee wurde trotzdem nicht nur dort, sondern bei mir zu jeder Gelegenheit versüppelt, insbesondere als wir hier in Hamburg eine kleine Filmtruppe gründeten, die noch immer etwas in den Wehen liegt, aber trotzdem schon einige feine Stoffe ins theoretische Kintopp-Mekka schleuste. War allerdings auch unter dem Banner eines Jour Fixe aufbereitet, für den meine Wenigkeit früher als gewohnt und damit vollkoffeiniert in die Zukunft blicken durfte. Wer weiß, was 2018 da alles noch bei rauskommt. Vielleicht wieder mal mehr an Kinobesuchen (nur so 38, eine davon war immerhin eine todschicke Premiere unter Freunden) oder an Texten auf dieser Seite, denn die wurden ein bisschen vernachlässigt unter allen anderen abseitigen Aktivitäten, geb ich ja zu. Nicht, dass viele dem hinterher getrauert haben, aber vom Pflichtbewusstsein her wollte ich zumindest doch nochmal intervenieren, die Lust am Schreiben wiederentdecken. Hatte ja doch auch viele Pressevorstellungen besucht, die bis heute auf ein Feedback meinerseits hoffen dürften. In diesem Sinne habe ich den besten Zeitpunkt erwischt, da die Zeit des Jahresrückblicks in den Fingern des Online-Bloggers geschrieben steht! Also habe ich die letzten Wochen im Dezember genutzt, alles Revue passieren zu lassen (und ggnf. einiges soweit es ging nachzuholen), was 2017 im Kino lief (bereits 2016 gesehenes ist da leider raus), oder auch nur Direct-To-DVD rauskam, (wo auch immer in der Welt) On-Demand verfügbar war und im Festival-/Presserahmen vorstellig wurde. Die Auswahl ist bestimmt nicht für jedermann legitim, was derjenige eventuell für OFFIZIELL 2017 hält, aber ist doch wurscht, den verpeilten Vertriebswegen weltweit könnte man doch eh mal das Augenlid aufklappen, was das Optimum an Verfügbarkeit angeht. 


Bis dahin ziehe ich Bilanz im Gegenwärtigen, schließlich ist’s ja nicht mal so, als ob ich alles gesehen hätte aus den letzten 12 Monaten – endgültig ist halt nur der Tod, aber mein Gimmick dieses Mal hat schon fast was von der Geschichte Mose‘, denn auf einem echten Stück Papier verewigt stehen meine Meinungen nun gleich vor euch. Immerzu 2 Filme nebeneinander habe ich in mein Notizbuch à A5-Seiten auf ihre Wirkung oder Qualitäten hin zusammengefasst. Meine Sauklaue habe ich an gewissen Stellen nochmal etwas korrigiert, damit ihr euch nicht zu sehr einen bei der Identifizierung von Buchstaben abmüht, aber die gefällige Computerschreibe ist da trotzdem noch weit von ab. Muss halt was Besonderes sein und ist insofern nur schlüssig, wenn nicht unbedingt jeder was bisher mit meinem Zeugs was anzufangen wusste. Immerhin habe ich es in Videoform umgesetzt – ansonsten habe ich danach noch so manchen Schwank zu erzählen, könnt ihr ja runterscrollen, es gibt Top Tens, kleine Extrageschichten, Reposts von Sachen, die außerhalb des Blogs noch für Furore sorgten und 1,2 ergänzende Kritiken oder so – vielleicht schmuggelt sich unter all dem auch noch ein bisschen Kunst! Man liest sich, jetzt, gleich oder wann auch immer – freut mich auf jeden Fall, dass ihr irgendwie dabei seid, nett von euch! Nun aber erstmal viel Spaß mit den Filmstullen 2017, bringt etwas mehr als eine Stunde Zeit dafür mit:



Tja, das waren doch jetzt ganz schön viele Eindrücke aus der flotten `17, hattet ihr alle aufgestellten Kandidaten gekannt? Wie dem auch sei, ein jeder würde an dieser Stelle bestimmt noch nachfragen wollen, welche mir von diesen denn gegenwärtig am liebsten waren (zu den schlimmsten muss man glaub ich nichts mehr sagen) – da lass ich doch gerne aufklären, klar, ihr sollt nicht umsonst so weit gekommen sein.

10. POWER RANGERS

9. JIM AND ANDY: THE GREAT BEYOND

8. GET OUT

7. THE WAILING – DIE BESESSENEN

6. DIE TASCHENDIEBIN

5. DIE VERSUNKENE STADT Z

4. WESTERN, 3. GOOD TIME

2. THE FLORIDA PROJECT

1. BRAWL IN CELL BLOCK 99


Und wisst ihr was? Letztes Jahr hatte ich an dieser Stelle auch meine liebsten Erstsichtungen des Jahres genannt, also Filme, die so gar nix mit der aktuellen Spannweite, in unserem heutigen Fall also 2016-2018 etc., zu tun haben. Einige habe ich bis zur Mitte des Jahres auch hier besprochen, aber andere danach wiederum nicht, obwohl so viele schöne dabei waren. Dieses Jahr versuche ich wieder die regelmäßigere Vermittlung derer an euch, aber ehedem kriegt ihr hier eine weitere schöne Liste aufgetischt, was sich zu 25 Stücken herzlichst in meinen Fundus verirrte und auch an euch empfohlen werden dürfte:

DIE SCHÖNE UND DAS UNGEHEUER (Juraj Herz, 1978)
CATHY'S FLUCH (Eddy Matalon, 1977)
THE LOVELESS (Kathryn Bigelow und Monty Montgomery, 1981)
I AM HERE...NOW (Neil Breen, 2009)
HIMMELSKÖRPER (Lawrence Dane, 1984)
VIER STUNDEN VON ELBE 1 (Eberhard Fechner, 1968)
DIE LIEBENDEN (Louis Malle, 1958)
FRANKENSTEIN MEETS THE SPACEMONSTER (Robert Gaffney, 1965)
UNHEIMLICHE BEGEGNUNG (George P. Cosmatos, 1983)
DIE FERIEN DES MONSIEUR HULOT (Jacques Tati, 1953)
DAS BROT DES BÄCKERS (Erwin Keusch, 1976)
DIRTY TIGER (Amin Q. Chaudhri, 1988)
ZAZIE (Louis Malle, 1960)
GEFÄHRLICHE BRANDUNG (Kathryn Bigelow, 1991)
SATISFACTION (Joan Freeman, 1988)
BLOOD FEAST (Herschell Gordon Lewis, 1963)
DAS NORTHVILLE MASSAKER (William Dear und Thomas L. Dyke, 1976)
DIE ABFAHRER (Adolf Winkelmann, 1978)
DER TEUFEL VON KAPSTADT (Hermann Kugelstadt, Alfredo Medori und Wolfgang Schleif, 1962)
HINTER KLOSTERMAUERN (Harald Reinl, 1952)
IM HERZEN DES HURRICAN (Hark Bohm, 1980)
EMANUELLE - INSEL OHNE TABUS (Enzo D'Ambrosio und Humberto Morales, 1976)
DRAGON BLADE (Daniel Lee, 2015)


Im Grunde ist das aber auch nur eine kleine Auswahl unter vielen Schätzen, die bei Filmabenden und anderen Großereignissen freundschaftlicher Vorführung gefunden wurden (man erinnere sich an die Großaktion VOTE THE FILMABEND, deren riesige Twitter-Wählerkampagne sowie dem schockierenden Endergebnis!) – wenn ich da wirklich alles Sehenswerte auftischen würde, bleibt danach ja gleich die Frage „Warum?“ da stehen, woraufhin ich keine Texte zum Beweis vorlegen könnte. Das wäre doof!

Zumindest von zweien jener Filmabende, die einstweilen wieder Siegfried Bendix veranstaltete, hatte ich noch die eine oder andere Randnotiz aufgeschrieben. Diese bisher unveröffentlichten Schriftstücke möchte ich euch ungern vorenthalten:

Vom 11. Juni 2017: Freunde, ich muss euch davon berichten, welche konstant guten Filme mir gestern wieder beim Filmabend unter Leitung von Siegfried Bendix binnen Hirn wie Herz verpflanzt wurden, natürlich hauptsächlich aus den 80ern!

Mit Kevin Reynolds' „Fandango“ hatten wir unverhofft (kommt oft) einen Film der jüngst verstorbenen Glenne Headly erwischt, doch die innere Tour an sich - im Rückblick auf die Einberufungs-Zukunftsängste Richtung Vietnam nochmal so richtig die Sau rauslassend - via extrem gewitzten (!) Kevin Costner und Co. ist so lebhaft ausgefallen, da ist Abenteuer und Action nicht nur reine Floskel - passend dazu erweitert einen der Wortschatz der deutschen Synchro den Horizont, was es an Quarkomaten und allerlei bislang noch zu sagen gab!

Gleich danach tourte unsereins durch den „River of Death“ Steve Carvers, wo gleichsam Tierwelt, Sonnenuntergänge und Retro-Zeitkolorit (1945-1965) in die Abenteuer-Kolportage lockten. Michael Dudikoff als Haudegen ergab eine drollige Marke, die Dschungelatmo ein Pendel zwischen Lohn der Angst, Jodorowsky, Inka-Man und Apocalypse Now - irre, dass da im Kampf gegen Altnazis trotzdem eher ein Antiklimax geborgen wurde, aber die dramaturgischen Eigenarten sind ja durchweg Eiscreme pur. Wir hatten übrigens auch Eiscreme in der Bude.

Film Nr. 300 im Rahmen unserer kontinuierlichen Veranstaltung hätte nicht besser ausgewählt werden können: John Carl Buechlers „Troll“, ein gewitztes Fantasy-Horror-Kammerspiel inmitten der Harry-Potter-Sippe, bei dem sich die Situationskomiken so beiläufig und doch irrwitzig ballen, wie einen auch nach der x-ten Wiederbegegnung jede Kreatur anekelt - selbst wenn diese niedlich sein soll. Mrs. St. Clair in jung und alt teilt zudem gut aus, Michael Moriarty die kugeligsten Papa-Peinlichkeiten, die kleine Wendy totalen Burgerfresser-Scheißgör-Fun. Es wird zum Ende hin etwas doll ungelenk mit dem Ranken-Spuk, aber solche Makel bleiben eh eher sympathisch hängen; genauso wie einige neue Kernsätze, siehe „Aber das ist doch ein Champignon“.

Die vierte Runde am Abend wurde James Landis' „The Sadist“ reingeschickt, ein Film, wo uns Stabsangaben und Co. (vermeintlich) neu waren, immerhin mit Kameramann William Zsigmond am Start, der zusammen mit der Prämisse im Grunde ziemlich modernes Spannungskino-in-one-place zu stilisieren wüsste. ABER obwohl 1963 sicherlich schon weit mehr ging in Sachen cineastischer Psychologisierung, waren die ideologische Anklagen gegen den terrorisierenden Psycho im Mittelpunkt erstmal sehr platt - und dann war jener (Arch Hall Jr.) auch noch der drübberste Macker; den konnte man 0 für voll nehmen, es war ein Lachknüller vom Anfang bis zum Ende. Wir mussten aber auch zwischendurch unterbrechen, denn die Leute von Pizza Max waren nach nicht mal 20 Minuten nach Bestellung bei uns vor Ort. Lecker!

Es ging daraufhin wieder mit den Rädern ins Gefecht, denn Tom Donnellys „Quicksilver“ brachte Kevin Bacon und Kurierkollegen auf den Sattel sowie in die Pedale. Innerhalb von fast 2 Stunden Fahrzeit wurden da jedoch krasse Stimmungen durchprobiert, als wär's ein Querschnitt des gewohnten Filmabendprinzips: Erst heiter in den 80ern, musikalisch-montiert und mit kecken Typen in der Startposition, dann mit Crime-Elementen und dramatischen Milieu-Studien/-Romantiken zur Börsen-Yuppie-Reagonomics-Parabel bleiernd, bis am Ende die fieseste Räudenaction abgezogen wird. Schade, dass Donnelly danach wohl nicht mehr allzu Bedeutendes zu erzählen hatte.

Mit der sechsten Begegnung kam dann die Ansage: „Alpha City – Abgerechnet wird nachts“. Das Kraftwerk via Eckhart Schmidt macht sich mit Claude-Oliver Rudolph so roh und dick, dass man sofort in der Dichte gefährlichster Liebe stecken bleiben will. Eine brennend dynamische Süchtigkeit, die sich in der Durchforstung von Clubs, Hotels, Knasthöfen und allerlei verliert, um sich am größten Fang der Stadt, Raphaela, beweisen zu können. Kaputte Typen deluxe, gefangen in schaurigen Selbstverständlichkeiten sowie einem Berlin gnadenloser Schnitte und Perspektiven. Alle kanzeln sich gegenseitig ab, doch deren brutales Dunkel ist trotz Stilisierung (erst recht im Dialog) die Sprengkraft an Lebendigkeit, sogar mehr noch als „Fandango“.

Weils an solchen Abenden aber immer einen Absacker gibt, traf es zu guter Letzt „Vamp“, dass der so am wenigsten beachtet wurde. Aber selbst schuld, denn jene Vermengung an College-Deppen-Humor und Neon-Vampir-Chic hat eben einfach nur so seine Handvoll Ideen, die in dem Leerlauf an pubertären Belanglosigkeiten jede Stringenz vermissen lassen. Grün und Pink haben sich als allgegenwärtige Farbgebung eben auch schnell entschlüsselt - und so bissbefreit, wie das Strip-Milieu auf seine misogynen Schauwerte runtergebrochen wird, ist man ohnehin besser mit dem Kurzweil von „From Dusk Till Dawn“ beraten. Die markante Grace Jones darf dementsprechend so gut wie gar nix machen, die um sie hier erbaute Exzentrik wirkt da erst recht schier behauptet. Gut, dass Siggis Katze dann wieder öfter vorbeigeschaut hatte, gab's doch noch Unterhaltungswerte!
So, das war das Resümee, mes amis! Nächstes Mal bin ich wieder mit der Filmauswahl beauftragt, wünscht mir Glück, dass jenes Ensemble einen auch so entzückend durch den Abend begleiten, verstören, begeistern und amüsieren kann!

Vom 6. August 2017: Wow, dieser gestrige, von Siegfried Bendix kuratierte Filmabend! Ein kleiner Bericht dazu, weil ich mich danach so fühle, als ob 1 Konzert das Hirn durchgerädert hätte: Top-10-Highlights (teilweise aus altbekannten Lagern), neue Absurditäten im Ultrarausch und natürlich 1 1/2 Programmplätze mit dem Absacker-/Rausschmeißer-Syndrom im Rückenmark; hier ging innerhalb von knapp 12 Stunden so einiges!

Step Up 3D – Make your move“ gab den idealen Auftakt, wieder von Jon M. Chu in eine familiäre Runde an *Schmetterlingen im Bauch* tänzelnd - per 3D-Faktor mit verspielter Marke auf Hyperchoreos, den Filmemacher-Dream sowie den Ausbruch aus der FriendZone hinsteuernd, während sich obdachlose Dancekönige ein ultra ausgestattetes Lagerhaus (nicht) leisten können, für den World Jam proben und als Pirates gegen das Haus der Samurais antreten. Moose und Ladyfriend Camille kriegen sich da irgendwann auch in die Wolle, machen später aber eine schön lange Steadicam-Fahrt lang das New-York-Musical wieder salonfähig, dass „La La Land“ vor Neid einkäckert. Besser als die Vorgänger auch: Die Musikauswahl, ließ sogar Alicia Keys Empire State of Mind ordentlich lang ausspielen! Honk-Dialoge sind ebenso zahlreich auf der Tonspur vorhanden und das dramaturgische 1x1 weiß einige effektive Kniffe anzuwenden, die den bisher besten Step Up bilden.

Patrick Swayze kehrte daraufhin als Geächteter „Dirty Tiger“ ins Americana-Kaff zurück und weil ein gewisser Amin Q. Chaudhri diesen Film zu verantworten hat, ist die Perspektive darauf schlicht nicht von dieser Welt: Eine melodramatische Überforderung, bei der sich jede Szene in den Stimmungen verirrt, Handlungen und Figurennetze mit stets scharf geladenem Doppelschrot zusammentreibt! Verdammt impulsiv und in der Menschlichkeit dementsprechend kurios wie konfus, in eine so irritierend wehleidige Sippe hineinheiratend, dass sich diese pro Minute mehrmals auf den Kopf stellen kann oder katatonisch in der Bude hockt. Permanent drückt der Score zudem ein Schicksal auf, dass die Katharsis eines Douglas Sirk heraufbeschwören will, stattdessen in provinziellen Hackfressen landet, die auf der Reunion-Disco Schwangere umkippen lassen, später Rocker zum Tiger-Dreschen engagieren und sowieso darum buhlen, wie „eine schöne Beerdigung“ die Familie wieder einen könnte. Nicht eine Sekunde wird da belanglos, so stark das alles via Untiefen (u.a. inzestuös) bis zur Hirnschmelze verwundert, mit Fieber auf das Inferno der Herzlichkeiten zurennt.

Ach ja, dann gab's die Sache mit dem „Robot Jox“ - jene Schlacht der Stahlgiganten wusste große Ambitionen in eine Empire-Produktion zu packen; Regisseur Stuart Gordon hat sich da auch bemüht, alles aus dem denkbar begrenzten Budget herauszuholen. Für die Spielfilmlänge muss man aber auch halbwegs kaschierte Längen der Unausgegorenheit in Kauf nehmen, die immer wieder einen Ansatz für die potenzielle Sci-Fi-Satire à la Verhoeven, den Einblick in eine Dystopie voll weltpolitischer Territorial-Entscheidungen via Robotermatch bieten. Hat aber auch was für sich, dass der Film jene Fehler der Weltordnung/-zerstörung eher beiläufig auflöst, die Prozesse weitgehend nüchtern und für sich selbstverständlich in die Samstagskloppe leitet, wo man US-Kämpfer Achilles u.a. vorher einen Feigling schimpft, weil er nach dem Unfalltod 300er Zuschauer schlicht keinen Bock mehr hat. Spione und Test Tube Fighters gesellen sich noch zur Macho-Sackgasse, die sich zur Sinnlosigkeit des Kämpfens verabredet, eine umso schönere, archaische Schlussnote findet.

Der Höhepunkt kam zur Mitte, es war „Ein komischer Heiliger“ zugegen - einer dieser schönen Klaus-Lemke-Filme, in denen Cleo Kretschmer und Wolfgang Fierek durch München gurken, mehrere dolle Schnapsideen in Angriff nehmen und sich stets so drollig kontrastieren, dass da eine Beziehungsfrage zwischen Bibeljünger und Kneipenhure entsteht. Die jeweils wechselnden Bekehrungsversuche kriegen dermaßen viel vom Umgang beider (selbst schon plan- bis hilflos wirkender) Hauptdarsteller mit auf den Weg, dass man nicht aus dem Lachen rauskommt, eine Erfrischung ganz dem Sommer entsprechend abkriegt, während die Zwei Bahnhofsmissionen, Krankenhäuser, Vergnügungsviertel und Klamotten nach Grad der *Bequemlichkeit* abklappern. Liebenswerte Chaoten sind ja nichts Seltenes, auch nicht im deutschen Kino, aber die unvergleichbare Note hiesigen Duos ist in Sachen Frechheit, Naivität und Alltagsimprovisation doch nochmal eine dicke Spur wahrhaftiger. Außerdem kam zu dem Zeitpunkt auch unser bestelltes Abendessen vorbei!

Weiter fetzen sollte dann auch die „Killer Party“, doch jenes kanadische Exemplar an 80er-Horrorkomödienkultur scheint sich teilweise doch stark selbst aus dem Weg zu gehen. Anfangs bekommt man hingegen noch Filme-im-Film auf die Hirnrinde eingejuxt, Sequenzen der Genre-Ekstase zielsicher, doch beim Hauptplot der Aprilscherze gen College fehlt irgendwie wieder jene Dynamik ins Abwegige. Klar, es wird in einer Tour geprankt, aber das Prozedere deckt sich eher so brav mit Konventionen ein, dass man allmählich die Minuten herunterzählt. Immerhin ist das noch immer weit weniger am Nerven/Langweilen als solche offensiven Pansen wie „Vamp“ und die versammelten Schwesternschaften haben ohnehin eine luftige Attraktion inne, dass der Film gerne eher mit denen abhängt. Am Ende wird's zudem dämonisch und mörderisch (wie 1 blutleerer Evil-Dead-Abklatsch), aber irgendwie auch so null schlüssig, was sich aus dem ganzen Budenzauber ablesen sollte, erst recht in einem Genre und Jahrzehnt voller Knalleffekte. Naja, trotzdem: These are the best times of our lives, 2 Ohrwürmer pro Film schafft ja auch nicht jeder!

Es ging dann nochmal ein bisschen weiter zurück in Sachen Horror - Gore-Meilenstein „Blood Feast“ von Herschell Gordon Lewis durfte bewundert werden, doch viel aufregender als die versammelten Grausamkeiten (mit krassem DIY-Charme) waren die Frische der *unbeholfenen* Inszenierung, die Dialoge in ihrer aufgeregten Verschleppung und Reiterationsgeilheit („vor 5000 Jahren!“), die Phrasen und Gesten der 60er mit Rollenmodellen des Camp, diese von Lewis selbst komponierten Wikinger-Trommeln und Orgelbahnen - alles gepaart mit jenen abstrus harschen Gewaltszenarien und der überaus himmlisch beknackten Konklusion sowieso. Es muss wohl nicht extra erwähnt werden, dass hier schon die ersten Runden an Alkohol bemüht wurden, aber auch ohne den Party-Faktor würde diese urige Horrorschau eine sympathische Figur machen - und das mit einer waschechten Barbie als Hauptopfer!

Das Schlusslicht des Abends und in dem Sinne der ideale Rausschmeißer war sodann trotz Christian Slater und Milla Jovovich mit „Kuffs – Ein Kerl zum Schießen“ gefunden. Ich meine, ist ja schon ein Krampf, dass Harold Faltermeyer hier auf dem Score nichts anderes kann, als seine Axel-F.-Theme-Variation x-mal runterzuleiern, aber hey, passt ja zum Protagonisten, der ach so innovativ dauernd die vierte Wand bricht, um als Ferris-Bueller-Ersatz den normalsten Cop-Scheiß binnen San Francisco zu unterwandern (oder wie man die Anpassung daran, hin zu Recht/Ordnung/Frau/Baby, noch so nennen mag). Hey man, wow, was ein Jungspund, der dann auch einige stilistische *Neuheiten* der 90er auf den Weg mitbekommt, wahrscheinlich als 'Baby Driver' seiner Zeit auf eine permanente Pose der Coolness geeicht ist, von deren pubertierischem Humor man aber schneller die Schnauze voll hat, als man kultverdächtig und tendenziell misogyn aufsagen kann. Dumpfe Zoten und dramaturgische Nichtigkeiten sind da mit inbegriffen, ebenfalls einige nicht bloß zufällig gewitzte Ideen und Hundepartner Django, aber reicht dann auch nach 100 Minuten, die sich zentral wiederum mit den urältesten, trockenen Bösewicht- und Korruptionsbelanglosigkeiten beschäftigten - wie beim Baywatch-Film, urgh.

Sei's drum, das war's wert, Leute!!! Und sowieso: Der nächste Filmabend steigt hoffentlich noch diesen Monat wieder bei mir, ich feile noch am Konzept dazu, aber die Auswahl ist jetzt schon ein Himmelfahrtskommando, nach dem wahrscheinlich keiner mehr die Augen zukriegt - See you there!


Ganz schön was los, can you dig it? Die letzten 3 Filmabende im Jahr hatten wir sogar richtig Event-mäßig aufgezogen – und da sind diese extra angefertigten Poster bestimmt ein doller Beweis für!


Aber drei Texte hatte ich auch so noch über, welche seit meinen letzten hier getätigten Post, den Geschichten aus dem Sommerloch, zustande kamen. Lass ma schmökern!




FÜNF BLUTIGE STRICKE - So, ich habs seit Ewigkeiten mal wieder ins Metropolis geschafft und wie angekündigt die erste Installation des Bizarre-Cinema-Dezembers beschaut! Mein Foto ist sodann der gewohnten Rotstichigkeit der 35mm-Kopie nachempfunden, doch für einen Italowestern von dem Kaliber war das sogar ganz passend! Antonio Margheriti treibt hierin Richard Harrison schnörkellos (man darf auch doll konventionell sagen) auf Rache an - wie später auch als NINJA-JÄGER verteilt der Herr hier als 'Rocco' FÜNF BLUTIGE STRICKE unter den Mördern seines Kumpels Ricky, wandert von Kaff zu Kaff, stellt sich mal provokant wie ballertalentiert an die Bar, dann ins Sheriffsbüro, bandelt alle paar Meter auf streng behaupteter Beziehungsbasis mit der Kneipenhostesse Miss Jane an. Bei dem straffen Vorgehen voll planloser Schergen und tödlichen Pokerspielen, hin zur Sonnenglut des blind folternden Werner Pochath (als The Kid) - inkl. Bier/Schussduellen und sexploitiger Unterwäscheparade Špela Rozins -, entpuppt sich unser Held zudem als desillusionierter Halbblut-Indianer. Im Finale unter Totgeglaubten geht er zudem fiebrig in den Verästelungen der Unterwelt auf, einem Sarg bzw. einer Gruft aus Schwefel, Dynamit und Gold. Hier ist keine Katharsis vorfindbar, ebenso keinerlei anderweitige Spielereien binnen des Schmerz an Geradlinigkeit, dafür filmisches Geschick nahe des Gruselns im Nichts, welches Margheriti mehr als oft glückte. Ein bewusst (un)befriedigender Blick auf den Mythos hallt im Bleischrei nach, bei dem aber die vielen Charakternasen und Eigenarten im Whiskyrausch/Totengräber-Kleinunternehmer-Tratsch und allerlei trotzdem nicht witzlos ausbleiben - man siehe allein den Titelsong mit seinen Sprachfetzen der Beschwörung, die angekündigten Leichen in der Präsenz der Dame im Kartendeck oder eben auch die aus einer offenbar vollends fremdartigen (16mm? Anderer Film?) Quelle eingefügte Schlusseinstellung, die das Metropolis präsentierte. Glad to be back.




OSTFRIESISCH FÜR ANFÄNGER - Als seichte, stereotype und durchgefördert-überraschungsbefreite Provinzkomödie dazustehen, die ihr Lokalkolorit genauso behauptet zur Inszenierung nutzt wie ihre jeweiligen Charaktereigenschaften gen null - das wäre ja nur eine Sache. Das billigende Zeugnis einer nach rechts rückenden Stimmungslage abzugeben, welche sich gefällig darin gibt, die Integration von Ausländern als Weg äußerer wie innerer Gleichschaltung zu definieren und jene Menschen erst zu dulden, gar sympathisieren, sofern DIENSTLEISTUNG deren vorrangigster Lebenssinn darstellt - das gibt Gregory Kirchhoffs Film was von dem braunen Anstrich, der seit dem 24.09.2017 offiziell mit im Bundestag sitzen darf...oder auch an Martin Schulz' Plattmacherthese Arbeit <-> Sprache <-> Freundschaft erinnert. Das abgehängte und verschuldete Vorurteilskonzentrat von nebenan via Didi kriegt dabei die Feelgood-Note auf den Weg, dass er sich als kleiner Mann vom Franchise-Apparat und dessen Konformität der Globalisierung emanzipieren darf, stattdessen weltweit die Konformität seines traditionsbewussten Dorfmiefs als Mr. UWE-Hinrichs-Marke verschifft, obwohl da Miniaturschiffsingenieur Abdullelah natürlich die ganze Arbeit für reinsteckt (nächster Schritt Outsourcing?). Währenddessen guckt jede hier vertretene Bürokratenkarikatur neoliberal-weltfremd aus der Wäsche, zudem sie ihre Integrationsteilnehmer erst per Plattdeutsch-Deckel-für-jeden-Topf zu Staatsdienern normativster Güte erklären kann, aber genauso lernen muss: Plattdeutsch ist ebenso deutsch, hört ihr dat von da oben noch? Der dennoch ans Neoliberale angepasste Film zelebriert die flächendeckende Weisung der Anpassung zudem stilistisch wie dramaturgisch so gelangweilt wie er nur kann, dass er selbst für rassistische Alltagsfloskeln und Übergriffe keine sonderlich kritische Aufregung evozieren will, dem Zielpublikum zuliebe. Läuft halt alles glatt und volkstümlich-skurril nach TV-Einheitsformat inkl. einer Mindestmenge reumütigen Zusammen-sind-wir-stark/Familie-Sentiments - aber hey, einmal sieht man sogar Didis Pimmel (huch)! Alles insgesamt also quasi "Da wird man ja wohl noch als Deutscher über uns selbst (und alle anderen) lachen dürfen!", wobei ab und an auch ankommen soll, dass das Gefühl der Überfremdung von illusorischem (laut Film aber auch verständlichem, weil partout um Verlustängste ringendem) Ego aus Trotz herrührt und sich stattdessen für Toleranz begeistern sollte - sagt zumindest ein Plakat in diesem formvollendet plakativen Referenzbeispiel Ressentiments-wiederkäuender und Reflexionsbedürfnis-verwässernder Culture-Clash-Klamotten.




THE SQUARE - Ist schon komisch, dass „The Square“ trotz 142 Minuten Laufzeit so kurzweilig ausgefallen ist, obwohl Östlund die eigene Filterblase - vom Inhaltlichen her sowie für seine Verhältnisse - eher hemdsärmelig und ideenarm aufrüttelt, sie teilweise bestätigt. Exemplarische Zutaten gefällig? Man bedenke allein die idealisierte Sicht auf eine offenbar humanitär-populistische Presse, das klischeebehaftete Bild vom Yuppie-Jungunternehmer, den Familie und Kollegen vernachlässigen Ego-Workaholic sowie den unvermeidlichen Handlungsstrang zur aktuellen Empörungskultur, welcher von Oliver Stone und Konsorten stammen könnte. Ganz zu schweigen vom alles ausformulierenden Mann/Frau/Machtposition-Dialog zwischen Östlund-Alter-Ego Claes Bang und Elisabeth Moss, der allenfalls gehobenem Rom-Com-Standard entspricht und nur dadurch kaschiert wird, dass der alltägliche Voyeurismus im Gegenschnitt mitschaut/uns als Zuschauer erwischt (großes Plus dagegen deren prä- wie postkoitale Vertrauenskonflikte). Schwerstes Manko allerdings: Warum torpediert der Film sein Narrativ Zu-spät-kommender/heuchlerischer-Menschlichkeit zudem per gen rechts retardierenden Chicken-Ciabatta-Gags, Antanztricks-Äquivalenten & Brüllaffen-Tiervergleichen, sobald er die Pole vom Bettlerleiden und eitlen Wegschauen der Elite kontrastiert? Jene Vorurteile sowie deren Lächerlichkeit werden der bewussten politischen Unkorrektheit wegen nicht gebrochen, im Gegenzug erlebt die übergreifende Sehnsucht Zurück zu den Wurzeln/zur Natur da jedoch eine schwere Geburt, wenn für deren jeweilige Begriffe der Gerechtigkeit wieder (Ober-)Grenzen am beidseitigen Rande des Gewaltamoks festgestellt (zumindest später nochmal hinterfragt) werden - Endstation Nihilismus? Gut, meistens reicht es noch für Bilder von wohlhabenden Menschen, die an Obdachlosen vorbeigehen - immer und immer wieder, weils vielleicht nicht jeder beim ersten Mal versteht. Der Sog moralischer Hypothesen dorthin macht ja zugegebenermaßen dennoch durchweg Laune, findet dafür steile/tiefe Treppengeländer sozialer Miseren sowie einen kollektiven Staffellauf an (in ihrer Inkonsequenz sowieso emotional geißelnden) Schuldgeständnissen und Selbstjustizeinbahnstraßen, dass genug Fragen des eigenen Handelns im Nachhinein über bleiben. Ist eben die ambivalente Qualität des Squares, dass er viele Wahrheiten in simplifizierter Form einpasst, nach und nach greifbar macht. Doch der Film selbst weiß die im kontemporären Gesellschaftsbild eingeflochtenen Widersprüche der Kurzsichtigkeit eben eher nur via flacher Vorführung zu reihen, als dass er einen konkreten Gegenangriff wie jenen gegenüber Östlund-Surrogat Nr. 2 Oleg provozieren könnte - es mangelt schlicht an echtem Mut binnen des inneren wie äußeren Kunstgewerbes. Klar, immer noch differenzierter und reichhaltiger gelungen, als ausschließlich Auf's Maul zu verlangen, aber die spürbare Nähe zum Nachklang eines „Fight Club“ hätte mMn weit entschiedener vermieden werden können - siehe „Höhere Gewalt“.




Den sah ich übrigens auf dem FILMFEST HAMBURG 2017, wobei ich zu meiner Schande zugeben muss, dass ich diesmal nicht Vollzeit mit am Start war, auch gleich alles davon mitzunehmen. Drei Erinnerungen in Sachen Podiumsdiskussionen habe ich aber gerade auch nochmal aus meinen Überlieferungen rausgekramt, ähem:

Vom 10. Oktober 2017: Meine bislang einzige Erfahrung mit dem Programm des #FFHH2017 (ehe ich Donnerstag dort auch endlich mal einen Film sehen werde) war letzten Sonntag eine Diskussionsrunde zum Thema WELTVERTRIEB, u.a. mit Vertretern von ARRI. Ein einziges, bekanntes Trauerspiel ohne Momente des Hinterfragens binnen jener Beteiligten (abseits einiger Publikumsfragen), wenn sich die hiesige Filmwirtschaft und deren externe Kräfte selbst erklären wollen: Für diesen und jenen Verleiher passen wir uns an, nur der gewisse Prestige-Stoff wird in der Vorproduktion gefördert und verschlimmbessert, den internationalen Kunden werden ausschließlich die bekannten Erfolgsrezepte vorgestellt (Flüchtlingsthematiken laufen in Europa angeblich gen null z.B.) und gefreut wird sich vor allem über Glücksgriffe wie „Highway to Hellas“ (sinngemäß "da wurde sich über Griechen, aber auch über Deutsche lustig gemacht und das fanden alle gut") oder „Über Barbarossaplatz“, die anhand ihrer Plakativität schon derart geglättet sind, solche Entscheider zu erreichen, die vom Filmschaffen an sich keinen blassen Schimmer haben. Genau die Leute (wussten teilweise nix von länderspezifischer Zensur, verkaufen dem Publikum jene Erfahrung aber als Neuheit) hängen in den Gremien, hier dann auf der Bühne ab und schämen sich in ihrer Mutlosigkeit regelrecht vor einem differenzierteren Filmangebot, vor Werken außerhalb jeweiliger Normen, dass es sogar zu Aussagen kommt wie "Da kann der Film auch 3 bayrische Filmpreise gewonnen haben, der wird garantiert nur hier laufen.", mäßig sowieso, aber zumindest könnte man ausnahmsweise einen Oscar anpeilen. Aber bringt ja eh nix, weil wir mit gesichtslosen Kinderfilmen schneller UND hauptsächlich die Kohlen verdienen. Mich betrübt es ja durchaus noch, solche neoliberalen Spießerattitüden innerhalb der Filmwelt immer wieder mal bestätigt zu sehen. Da kann man sich gerade so noch freuen, wenn wie heute bekanntgegeben wird, dass beim Regiepreis Metropolis nicht nur unmögliche Klappspaten wie Lars Montag und Til Schweiger nominiert, sondern auch die cineastischen Großtaten eines Roland Klick gewürdigt werden.

Wer gestern Abend jenen Zettel (siehe Detailshot) vor Ort und ohne Ticket voller Entsetzen in sich hinein lesen musste, hatte leider die Arschkarte gezogen, denn #thefloridaproject war ein Knallbonbon! Im von Natur aus übertriebenen Staate Florida wird selbst der soziale Bodensatz Spielplatz, in den Regisseur Sean Baker vielerlei kontemporäre Stadien des Elends einbauen kann, gleichsam optimistisch kindische Albernheiten en masse vom Zaun bricht. Passiert zudem in einem beiläufigen Kurzweil, der sich emotionalem Händehalten konsequent verweigert und so leicht im Alltag der Daseinskonflikte schlendert, wie er im Nachhinein auch mehrere Bomben anhand dessen zünden kann. Willem Dafoe, die Kids und Mutti Halley sind da ohnehin die drolligste Zündschnur am Dauerbrennen! Tja und wer's gestern nicht sehen konnte, muss bis März 2018 auf den hiesigen Kinostart warten, upsi daisy.
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Vom 13. Oktober 2017: Eine positive Wende hatte das #FFHH2017 für mich gestern ja nicht nur dem „Florida Project“ wegen, sondern auch anhand der „Klappe-Auf“-Gesprächsrunde mit Joya Thome im Festzelt erreicht. Per Crowdfunding und anderen kleinen Quellen einen freien (auf Verdacht sag ich auch mal: guten) Kinderfilm drehen, alle gewollten Ideen umsetzen, authentisch casten können und dabei offenbar noch in durchweg lockerer Stimmung verbleiben, da die finanzielle Bindung hinter der kreativen steht: Digga, die Frau lebt das Leben, welches wir uns immer vorstellen und das nicht bloß irgendwelchen Nepotismus wegen. Solche Erfolgsgeschichten machen mich happy, eben dass es außerhalb der Wirtschaftsgeilheit doch noch was werden könnte mit der hiesigen Filmlandschaft.

Vom selben Tag: Habt ihr dieses #FFHH auch wieder kuriose Publikumsfragen/-Anmerkungen mitgekriegt? Bei „Königin von Niendorf“ z.B. hatte ein etwas betagterer Geselle kritisiert, dass Erwachsene im Film vor Kindern Bier trinken und dass es gar nicht ginge, die mit Zigaretten zu zeigen (in Wirklichkeit habens zwei 24-jährige im Film gemacht) - und die gefährliche Mutprobe, dazu fiele ihm gar nichts mehr ein, absolut nichts für seine Enkelkinder, der Film; „Lesen Sie mal Kalle Blomquist!“ etc. Lupenreines Napolablabla halt. Und Joya Thome nur so: „Menschen in meinem Umfeld rauchen, auch als ich klein war.“


Aber es bestand trotz alledem noch Anlass zum Träumen, mit Filmbezug, wer hätte das gedacht! Einiges davon hatte ich mir sogar notiert und dabei folgende Sinneswerke für die Nachwelt ersonnen:

Vom 06. Januar 2017: Was von „Paterson“ im Hirn hängen blieb: Heute einen Traum gehabt, in dem sich ein Bus tagein tagaus mit Hilfstruppen durch die Fluten und Täler von Meck-Pomm kämpfte, inklusive Regen im Dunkeln und gestrandeten Berühmtheiten auf dem Weg, während meiner einer Haltestellen/blockierte Wege mit schicker Begleiterin per Laser wegballerte, zwischendurch Konversation und Gameboyzocken betrieben wurden.

Vom 13. März 2017: Hui, es gibt wieder Stoff zur Fernanalyse bzw. eine verstrahlte Traumstory direkt aus meinen luziden Spitzen binnen Schlummerlands, stilecht im Trailerformat voller Brisanz: Man stelle sich einen diffusen Polit-Spionage-Horror-Thriller vor (mMn garantiert schlimm von Justin Kurzel inszeniert), in welchem ausgerechnet der olle Marvel-Loki einen öligen Vorzeigediplomaten abgibt. Seine Sonnenbrille sitzt - im Vergleich zum sonst Paul-Ryan-mäßigen Aufzug - ziemlich nach europäischem Flair ausgerichtet auf der Nase, doch sobald er den Staatsempfang seiner Person vom Flur aus mit Verschluss der Hotelzimmertür abwürgt, übt er sich im Topos geheimnisvoller Machenschaften via Koffer. Krasser noch: Ein ultradubioser Berater seinerseits (Michael Fassbender) ist schon vor Ort und schnappt sich sodann spontan (also von 0 auf 100 in 2 Sekunden) eine Rammelnummer mit Rooney Mara im Sitzen weg. Stört dem Tom-Boy jener Grad der Räudigkeit? Pass auf: Hiddleston schnupft sich Koks vom Badezimmerspiegel hoch, grölt einer kollektiven Rugby-Ramme gleich „N***er! N***er!“ in den Marmor ringsum hinein, ehe er darauf jedoch plötzlich den blutverschmierten Finger Michis hinter sich sieht, welcher wohl gerade was übel schmoddrig Übermenschliches verbrochen hat und dasselbe mit ihm vorhaben könnte. Body-/Buddyhorror im Alt-Right-High-Rise? Uff. Je später man ins Bett geht, desto stärker bemüht sich das Hirn wohl um die größte Starpower/Albtraumballung.

Vom 3. Oktober 2017: Heutzutage heißt es Hype, Hype, Hype, wohin man auch klickt! In meinen Träumen lief vor kurzem zumindest schon mal EIN neuer Blade Runner (siehe Illustration). Da ging's um 3 verschmitzte Ex-NSA-Agenten, die im Roadtrip durch die BRD Industrieanlagen besuchen und kuriose Verhörmethoden vor Ort anwenden, um Schläfer zu ermitteln. Was auch immer :D



Zum Abschluss: 

Nun, was blieb uns denn sonst noch alles vom Jahr über? Ich weiß es nicht so genau, ich kann’s nur stationsweise rekonstruieren – z.B., dass ich einmal einen 24-Stunden-Filmtag hinter mir hatte, was vielleicht auch dafür sorgte, was an Lücken weiterhin noch über ist. Ich plane für 2018 eine ähnliche Aktion, aber einen genauen Termin möchte ich nicht festlegen, urgh. Was ich guter Vorsätze wegen nicht nochmal mache: Ein 6er-Pack Donuts in Pressevorführungen mitnehmen. Netterweise wollte ich die rumgehen lassen, während man sich mit „Downsizing“ rumplagen musste, aber keiner außer Siegfried Bendix und mir hatte zu dem Zeitpunkt Lust/Hunger drauf. Also durfte ich 5 pralle Donuts den Film lang durchfressen, aber das war noch das Beste an der Projektion. Interessant waren auch die Umstände, wie ich zum neuen „Transformers“ kam; hauptsächlich, da vormittags bei der U-Bahn-Fahrt Richtung Kino schon dickste Independence-Day-Wolken auftauchten, ehe ich die volle Ladung Schauer abbekam, als ich von der U Stephansplatz zum Cinemaxx rennen musste. Sobald der Film fertig war, schien draußen schick die Sonne. Soviel zum Sommer, der in hiesiger Stadt sogar G20 zu bieten hatte! Überall Action! Und Glühwein gab’s auch einmal, zum neuen beschissenen „Jumanji“! Ich wünschte, der hätte geholfen. Vielleicht hätte der auch „Sully“ besser gemacht, den man im kleinen Saal des Passage Kinos sehen musste – so als würde ich den in meiner Wohnung sehen, nur leiser und mit mehr Leuten vor mir. Einer der schönsten Vorführungen hatten wir allerdings mit „Siebzehn“ abbekommen – lief im 3001 Kino an der Sternschanze, war sehr gemütlich mit den neuen (?) Stühlen und lieben Pressekollegen, unter denen sich zig gute Kalauer austeilen konnten. Der schönste Kinomoment bleibt allerdings „The Book of Henry“ vorbehalten, der mit seiner Schlusspointe „Nur die Moral muss stimmen“ den Riesenlacher schlechthin erzeugte – hoffentlich nicht nur bei Bendix und mir. Ach ja, Ruben Östlund und Claes Bang hatte ich direkt vor meiner Nase, als nach dem Filmfest-Hamburg-Screening von „The Square“ noch ein kleines Meet-and-Greet (klingt wie was von Aardman) stattfand, aber ich hab mich aus deren Angelegenheiten rausgehalten, immerhin ne Goldene Palme in natura gesehen. Wenn’s hilft? 


Nun denn, mit mehr interessanten Geschichten aus dem Dickicht der Hamburger Kinowelt kann ich im Augenblick nicht dienen – oder sie sind zu privat, als dass sie mit Film zu tun haben. Keine Sorge, ich habe niemanden auf irgendnem Kinoklo gebumst - und btw, mit dem Thema #MeToo fangen wir an dieser Stelle am besten auch nicht an, das würde kein Ende nehmen, was da alles an die Öffentlichkeit geriet. Aber ich kann das Gespräch mal fix sehr geschickt überleiten und zusammenzählen, wie viele Filme ich genau im Jahre des Herren 2017 gesehen hatte! Also, in Sachen Neusichtungen kam ich auf 617, insgesamt - also mit Wiederholungen eingerechnet -, waren’s sogar 709! Das ist eine nette Steigerung, wenn man bedenkt, dass die letztjährige Quote bei 568/703 lag. Ich kann nur hoffen, dass die Zahlen 2018 ebenbürtig stark bleiben oder noch besser werden – für diesen Zweck habe ich zum Abschluss noch eine Reihe an Filmen aufgestellt, die mich durchaus interessieren (sollten sie denn auch alle in diesem Jahr erscheinen – einer meiner Most-Wanteds 2017, „Altar Rock“, kam letztes Jahr z.B. noch nicht):

Dragged across Concrete, The Commuter, On the beach at night alone, Der Seidene Pfaden, Wendy 2 – Freundschaft für immer, Death Wish, Thelma, Streetdance: Broadway, Hold the Dark, The Outsider, War Party, Isle of Dogs, The Happytime Murders, Mid `90s, Lean on Pete, I Tonya, Bad Times at the El Royale, Boy Erased, Action Point, The Beach Bum, A Beautiful Day, Backseat, The Favourite, The Old Man and the Gun, Mary Poppins Returns, Damsel, Apostle, The Week of,
The House that Jack built

Huch, das sind ja nich allzu wenige – und es sind nicht die einzigen, klar man! Inwiefern ich über sie über sie berichten werde, hmm, bleibt abzusehen. Bevor ich da wieder solche euphorischen Versprechungen mache wie letztes Jahr (die ich subsequent natürlich nicht einlösen konnte), lasse ich die Zukunft wie gehabt im Leben offen. Bei Gelegenheit könnt ihr ja hier vorbeigucken oder ich schicke es euch an die Haustür, je nachdem. Ich will auf jeden Fall versuchen, eventuell wieder was Reguläreres abzuliefern und trotzdem mit dem Job abseits des Schreibens in Einklang zu kommen. Alles ein Work-in-Progress, wir haben ja die Zeit, nicht wahr? Bis dahin: Tschüß und auf Wiedersehen/-lesen!


Sonntag, 12. März 2017

Tipps vom 06.03. - 12.03.2017


Ieelb Eelsr,

lasst mich von Vornherein klar stellen, dass ich mich selber wieder mal am meisten glücklich schätzen kann, dass aus dieser Ausgabe überhaupt etwas geworden ist, denn im Endeffekt hatte ich meiner grandiosen Planung wegen hauptsächlich erneut nur am Samstag hierfür Zeit, eben Texte, Bilder und Erinnerungen zusammen zu tragen sowie als wöchentliche Revue salonfähig zu machen. Ich zweifle sowieso schon an mir selbst, warum ich dauernd so schwer mit der Clock umgehen kann und sogar glaube, dass ich mir mit der Banner-Erstellung noch mehr davon wegnehme, anstatt gute Filme zu sichten und auf kritischer Ebene durchzuargumentieren. Wäre ja im Grunde kein Ding, sich mit den potenziell starken Stoffen sowie einem geregelten Raum fürs Schreiben entspanntere Stunden zu leisten, aber nee: Man muss ja länger als nötig ausschlafen, dann noch an die Arbeit denken, von der das Einkommen herrührt sowie auf Einladungen eingehen, die man gerne auch ausnahmsweise einmal auslassen könnte, wenn man denn nicht so ein Gewohnheitstier wäre. Quatsch mit Soße, für solch eine Selbsterkenntnis bin ich nicht qualifiziert genug – zu alledem weiß ich auch jetzt schon wieder, dass nächste Woche mit einem Übermaß an Filmen angereichert sein wird, also: Be careful what you wish for – richte ich übrigens hauptsächlich an mich selbst. Ein Tag hatte es dieses Mal aber besonders in sich, nämlich der Dienstag. Nach einigen Monaten an Komplikationen und verschleppten Arztbesuchen begab ich mich endlich zu einem Kieferchirurgen, der mich von meinen grausamst vergammelten Weisheitszähnen am Oberkiefer befreien sollte. Außer den Milchzähnen wurde mir noch kein Beißer herausgezogen, also war dieses erste Mal solch eine Granate an Ungewissheit und Angst, dass ich nicht wusste, ob ich a) in die richtige U-Bahn eingestiegen bin, b) mir die richtige Uhrzeit zum Termin abgespeichert hatte, c) erst ein Vorgespräch haben oder gleich zur Behandlung übergehen sollte, d) Betäubung und Schmerzen aushalten könnte. Voilà, eine mittelschwere geistige Umnachtung verfolgte mich bis in den Behandlungsstuhl, dass ich kaum sorgenlos mit jemandem kommunizieren konnte, beim Lesen des Buches „Glorious Technicolor“ und Ausfüllen des obligatorischen Fragebogens zur Person endlos nervös überflüssige Zittrigkeiten vollzog.

Die 'Magic Hour' in Hamburg, geschossen am Donnerstag

Dann kam der Doktor, sah sich das Elend an, meinte dann, dass erstmal nur ein Zahn gezogen werden könne und spritzte schon beinahe unbemerkt das Betäubungsmittel ins Fleisch. Ein paar Minuten Wartezeit brachten die Wirkung an den Mann und nach gefühlt zehn Sekunden und einigen beherzten Griffen/Zangen an der Kauleiste war der Übeltäter auch schon rausgebastelt, obgleich das Knirschen und Brechen des Zinken noch den ganzen Tag über im Ohr blieb. Die Moral von der Horrorstory: Nach dem Eingriff gings mir in etwa nie besser und auch sobald die Betäubung wieder außer Kraft war, konnte ich mich weder über Schmerzen noch über Blutungen beklagen. Also: Ab zum Filmclub am selben Abend! Der Weg dorthin wurde lediglich vom Konvoi des türkischen Außenministers unterbrochen, der dank seiner Räudenpropagandatour mittelschwere Staus verursachte und eine Handvoll fahnenschwingender Dösbaddel inklusive Ghettoblaster mit Polizeischutz adelte. Live vor Ort einfach dran vorbei gehen, hat auch was für sich, aber ansonsten ist ja wie schon alle Wochen zuvor nicht gut Kirschen essen mit der ganzen Problematik. Zumindest kann ich noch froh sein, mir eine Krankenversicherung und derart unkomplizierte Zahnbehandlungen leisten zu können, anstatt mich der brandaktuellen Trumpcare geschlagen geben zu müssen. Das deckt soweit den persönlichen Bezug zum Weltgeschehen dieser Woche ab, ansonsten gab es noch soviel an Mord und Totschlag und allerlei, das ihr sicherlich schon im Nachrichtenportal eures Vertrauens nachgelesen habt, also: Geschenkt! Wem aber noch vertrauen, wenn die CIA überall ihre Lauscher auf hat, hmmmmmmmmmmm? Man, dieser Assange; ein Tool muss eben tun, was ein Tool so tool muss, selbst wenn's wie mit Hillary mehr als wackelig und parteiisch ausschaut. Boah, verschon' uns mit deiner halbgaren politischen Bildung, Witte, höre ich euch da jetzt sagen – Euer Wunsch sei mir Befehl! Schließlich habe ich ja noch die eine oder andere Kuriosität aufgegriffen (ergo nicht unbedingt nur die Blödheiten der Goldenen Kamera), wie diesen einen Totalausfall, der Pro7 bei der Ausstrahlung der Simpsons am Montag ereilte – Klickt hier für einen Eindruck jener Dauerwerbesendung für Le Snotterie. Außerdem:

Und sowieso hoffe ich natürlich, dass ihr alle einen schönen Weltfrauentag am Mittwoch verleben konntet! Zu Ehren jenes Tages kommt diese Ausgabe an besprochenen Filmen ja sowieso schon zu spät, aber in zwei Titeln ist jeweils eine Ikone der Weiblichkeit genannt, im Werk dazwischen sind allenfalls noch leichte Damen zugegen. Wie gesagt, gute Vorbereitung ist nicht unbedingt mein Steckenpferd, dennoch hoffe ich, dass diese Tipps, von denen zwei ja auch noch etablierte Klassiker sind, ein jeweils aufregendes Klettern in sozialen Strukturen darstellen, von denen unsere Titelhelden Sehnsucht und Eigensinn abkriegen, nicht nur unbedingt Schüsse ins Bein, ins Fell oder glatt durch den Schuh, sondern anhand eines spannenden Umgangs mit ihrer natürlichen Umgebung sowie eines erkenntnisreich verrückten Konflikts mit bislang unbekannten Neuigkeiten auf dem Pfad der (Selbst-)Zerstörung! Also dann: Paris, Hamburg, New York, Skull Island, ihr Weltmetropolen unserer Zeit – wir sind startklar!




Die schönste surreale Komödie kann ja nur von Louis Malle kommen, direkt um 1960 eine vorzeitige Überhöhung des Nouvelle-Vague-Schnittprinzips anleitend, sobald das deftig turbulente Top-Kid „Zazie“ die Metropole Paris aufmischt. Den kompletten Titel inkl. deren Zustand „in der Metro“ wollte man sich zur hiesigen Erstaufführung wohl der reinen Faktenlage wegen nicht gönnen, dafür die FSK-18-Freigabe angesichts einer Slapstick-Anarchie im Überschallmodus, welche Alltag, Autoritäten und Co. kreuz und quer ins audiovisuelle Tohuwabohu jagt, den urbanen Schlafrock der Identitäten sowie sozialen Muster bis in die Nacht hinein abschält. Nicht mal ansatzweise so maßgeregelt leichtfüßig wie z.B. „Tatis herrliche Zeiten“, gibt sich die Stadtdynamik urigster Typen, Mädels und allem dazwischen zu alledem auch gerne dafür her, eine Kanonade der Enthemmung binnen permanenter Reibung zu bilden, eben eine Zufriedenheit im Überschäumen der Energien darzustellen, wenn sich Liebe, Frust, Arbeiterklasse, Rotlichtmilieu, Tourismus und viel zu volle Vehikel auf allen Wegen treffen, in den Straßen ineinander verkeilen sowie an der Spitze des Eiffelturms balancieren. Bei Ein- und Ausfahrt in jene Gegend kriegt man noch nen wohligen Pfiff mit auf den Weg, das Tempo wird beim Empfang durch Onkel Gabriel (Philipp Noiret) aber schon an jeder Framerate vorbei geschossen, wo auch der Umgangston dazu, wer wie stinkt, in eine rhetorische Pointe von vielen mündet. Erwartungen lassen sich zwar gerne etablieren, doch die Göre (Catherine Demongeot) und ihre Gesellen umspielen jede reelle Schlussfolgerung per Fingerschnips der Inszenierung – Positionensprünge, Stopptricks, ein Stimmungskaleidoskop in Eastmancolor: Wo Stummfilme und Zeichentrick zuvor schon des Mediums Lust am Experiment zum Eskapismus ausgelotet hatten, bringt Malle seine Demontage/Glorifizierung der Stadtvielfalt aus der Kinderperspektive zur Eskalation, ohne es auf das gesellschaftskonforme Ideal des Kindseins zuzuschneiden, stattdessen dessen Chaos der Fantasie einen Spielplatz anzubieten, der sich selbst stets zur Jagd aus Leidenschaft zum Gegenüber, Überfluss und Geltungsdrang motiviert. Exemplarisch dafür geht auch Vittorio Caprioli auf die Barrikaden, sich mehrfacher Rollen anzunehmen, im Wirrwarr der eigenen Antagonistenfunktion jeweils den aristokratischen Kidnapper, Markthändler, Flic und Fascho mit wie ohne Bart zu steigern.


Kleider, Kohärenz und individuelle Stilführung verknoten sich da voller Selbstverständlichkeit zur Lächerlichkeit, ebenso die Kulissen in einer Montage unmöglicher Höhenflüge und spontaner Transformationen, bis auch der typischste Klamauk aus dem Kintopp knallrot wird, Zazie alles und jedem ein „Leck mich am Arsch“ gönnt, durchweg keck und froh auf Reisen jenseits jeden Streiks und aller Physik geht. In der boulevardesken Posse (nach dem Roman von Raymond Queneau) drum herum wimmelt es dann natürlich auch von Stereotypen erwachsener Verzweiflung, ebenso überzuckerter bis pathetischer Träumerei, die sich zeitweise noch scheut, ihr wahres Gesicht zu zeigen, u.a. Zazies zig Fragen zur Homosexualität ausweicht, obgleich das (ohnehin androgyne Jeans-) Kind von allem gespielten Regelzwang Bescheid weiß, sodann die Befreiung anstichelt, so wie die Travestie darauf schon aus der Litfaßsäule springt bzw. zur Nacht hin die große Feier vorausschickt. Da lässt sich zeitgleich die Mütterlichkeit, Würde und Ruhe der Freundin Gabriels, Albertine (Carla Marlier), gewiss nicht verpassen, sobald an ihr und dem verrückten Ensemble drum herum der Jazz zum Zeitraffer der Neon-Strahlen angestimmt wird, das wilde Leben binnen der Reizüberflutung in Geborgenheit bettet. Doch auch wenn der lange Tag der Blödelballerei irgendwann sein Ende in der Vervielfachung und Erschöpfung des Enthusiasmus finden muss, kann sich der Zuschauer schlicht keiner Ruhepause ausgesetzt fühlen, so wie sich das Tänzeln der Entrückung auf viele kleine Schönheiten und Überraschungen stützt, in seiner Entladung das Spektrum filmischer Erzählung verquickt und dessen Mittel bricht, ehe die große Keilerei zum Schluss wiederum das Erwachsensein im Kreise der Kindlichkeit feststellt. Prompt fallen alle Ziegelwände, sodann knallen Schüsse aus der Schuhsohle und Rückprojektionen um die eigene Achse, dass sich das ganze Studio aus den Angeln hebt. Auf die Frage der Mutter hin, was sie so alles erlebt hätte, hält sich Zazie dennoch halbwegs unbeeindruckt zurück, schließlich sei sie vor allem um einiges gealtert. Was für ein Troll, aber zumindest einer, der uns am Wunderland herzlicher Frech- und Freiheiten teilhaben lässt, bis die Schwarte kracht.





Ein paar neue Gestalten sollte man ja immer Woche um Woche mit ins Boot holen, daher begrüße ich Walter Bockmayer und seinen Lebensgefährten Rolf Bührmann, die anno 1983 als Regisseure und Autoren im „Kiez – Aufstieg und Fall eines Luden“ aufgeräumt haben, eine Chronik von hoher Absturz- wie Pointenleistung zu installieren. Bockmayer inszenierte zuvor schon die Bühnenfassung der Vorlage aus der Feder Peter Greiners, für die Leinwand begibt man sich jedoch umso effektiver in die steilsten Ecken der Siffigkeit, welche Hamburg für den Berliner Cowboy Knut (Wolf-Dietrich Sprenger) zu bieten hat. Der hagere Antiheld mit Dalton-Brüder-Schreckschussvisage knüpft sich jedoch so fix wie er ins Ambiente reinräudet gleich ein Opfer vor, dessen ausgebeutete Naivität im Grunde schon jedes Mitleid in die Theorie verfrachtet, ganz gleich, welch brutale Prozesse der Film an ihr via punkiger Gnadenlosigkeit (u.a. von der Gruppe „Die Partei“, einigen Hafenschenken-Evergreens und Pete Tex) amplifiziert: Heinke (Katja Rupé), frisch vom Dorf in den Kneipen verloren und direkt in den Kerl verliebt, weil der tagein tagaus rödeln kann und einen als erste sexuelle Erfahrung scheinbar blind bumst, trotzdem kaum noch ein Frühstück, geschweige denn Kost und Logis des Stundenhotels abbezahlen kann. Also gibt es von ihm ganz kalt und manipulativ verklickert die Forderung, dass sie doch auf den Strich gehen könne. Tja, das soziale Elend nimmt seinen Lauf und fetzt sich von Freier zu Freier, was seine Wahrhaftigkeit spätestens dann gegen „Babystrich im Sperrbezirk“-Vibes eintauscht, sobald die Synchro einige Kleindarsteller äußerst drübber übernimmt und ohnehin durchweg das Spencer/Hill-Klatschen für Prügeleien einsetzt. Nicht, dass die Milieu-Situationen zudem spekulativ ausfallen würden, doch der Umgangston scheut sich vor jeder noch so subtilen Exposition, wenn er stattdessen verbale wie non-verbale Eskalationen en masse anleiern kann.


Passt ja auch zu der asozialen Klientel, mit der sich Knut allmählich so vertraut macht und trotz aller Querelen als quasi-familiäres Bündel bewandert/anschnauzt. Da lässt er sich sogar eine Zigarette auf dem Arsch ausbrennen, um als Aushilfsbarkeeper die paar Kröten eines Saftladens vor Gangstern zu verteidigen, die allerdings auch nur von Kumpel Nil (Rainer Philippi) angeheuert wurden, welcher ihm jene Stellung ohnehin der reinen Schuldentilgung wegen verschafft hat. Der Macker mit Sonnenbrille, Hut, schroffster Tanztalente und übertrieben abgeklärter Attitude kreischt tatsächlich die verrücktesten Ausbrüche ins Geschehen hinein, bringt Knut aber noch zum Dreier binnen der Verführung Minderjähriger in die Kiste, wie er ihm auch die im Innern ausgehöhlte Ditte (Brigitte Janner, fast schon einer älteren Schwester Rupés gleich) sowie einen Klunkerraub von bisher ungesehener Grobschlächtigkeit andreht. Letzteres bringt Kurt dazu, ihn zu verpfeifen, was nur bedingt vom Ehrgefühl eines „Scarface“ zeugt, als von einem unausweichlichen Hang zur Konfrontation mit Ego-Vorteil. Knut scheißt auch partout auf die Haus- und Kinderträume von Heinke, schlägt bei schreienden Nachbarn pflichtgemäß beinahe alle Wände ein und bölkt die Vermieterin mit fuchtelnd behaartem Gehänge an, wenn er müde und mit vollen Taschen aus der Nacht zurück getorkelt kommt. Der Mann ist eine schön hässliche Vollkatastrophe, der Lage entsprechend auch auf Prügelkurs mit sich sowieso gegenseitig fetzenden Transvestiten, die nicht bloß jede Beerdigung mit Schmackes aufstacheln können, wenn sie im Dauerzustand der Hysterie dieses Films - wie schon die Gespräche unter Frauen - auch nur als kleinere Flamme agieren (Auftritte der Bockmayer-Entdeckungen Hella von Sinnen und Dirk Bach sind trotzdem zu begutachten).


Kleinere Durchhänger in der Dramaturgie werden ohnehin nicht vermieden, schließlich ist eher der „Fall des Luden“ die vorherrschende Gefühlslage bei dem Arsenal an Notlügen, polierten Fressen und Exploitation, das den Vergewaltigern Heinkes eine Buddel aufmacht, später auf der Flucht mit Ditte in den Geldbeutel der Schwester/Schoß des Schwagers greift, um sich beim Saus und Braus vom Fick und Sauf schließlich in die Haare zu kriegen. Scherge Charly (Karl-Heinz von Hassel) ist mit „geilen Porno-Stories“ und Eichelcreme allerdings dann noch der treuere Dreh- und Angelpunkt für Geschäftsniete Knut, der die Schnauze wie auf Knopfdruck irgendwann auch wieder voll hat und Ditte zum Ausraster einer ohnehin schon verlorenen Existenz verleitet, der sich vielleicht Caterina Valentes „Kismet“ drüber legt, jener Romantisierung - wie man sie auch dem ortsansässigen Kintopp von Rolf Olsen ansah - aber kaum noch gerecht werden will. Die 80er sind weit fieser als Tetanus-Quelle belichtet, mit der Spritze an jedem Geschlechtsteil und der Krankheit dazu dran, im Ballungstempo einer Reißer-Kolportage zwar ultravulgärer, aber nicht minder am Abgrund wie „Paul“ zugegen, dementsprechend aber auch stilistisch nicht so vordergründig an Tristesse beladen, wie man jetzt von den geschilderten Prozessen vermuten könnte. Das menschliche Drama spielt seine Schockwirkung eher im Hintergrund aus, Bockmayer und Co. schaffen insofern eine Übertönung nach „Polyester“-Prinzip, bei dem selbst der brutalste Schlag - den haushoch sich selbst kaputtformulierenden Typen sei dank - zuallererst als Zwerchfellangriff funktioniert. Kommt wohl auch darauf an, wie weit der moralische Abstieg beim Zuschauer von Vornherein fortgeschritten ist, doch wenn sich ein Film der Beihilfe freut und trotzdem auf die moralische Gnade der Elbe hoffen kann, dann dieser „Kiez“.


Ein-Satz-Kritiken für zwischendurch!

Das Hochzeitsbankett“ - Als Culture-Clash-Dramödie noch in manch durchkonstruierter Prämisse und Schicksalsmelodramatik voll emotionaler Erpressung eingeordnet, hält sich Ang Lee dennoch überwiegend behutsam im Interessenkonflikt an Generationen auf, das sich binnen vielerlei Notlügen aus Tradition am Bekenntnis zur Homosexualität vorbeizuschmuggeln versucht und die Wahrheit als Staudamm familiärer wie individueller Liebe kontinuierlich anschwemmt, sobald die Eltern aus Taiwan zu Besuch kommen und auf einen Stolz hoffen, den der Sohn lediglich in der Scheinehe erfüllen kann, während die Inszenierung tolerante Signale eines Kompromiss zwischen den Welten sendet, aber in einer wahrscheinlich noch belastenderen Ballung an offenen Geheimnissen endet lässt.

Bone Tomahawk“ - Der erfrischend unaufgeregte Neo-Western-Gegenentwurf von S. Craig Zahler hantiert zwar ausgiebig mit Topoi und Typen des Genres, bleibt dem Selbstzweck einer Bedienung von Erwartungen jedoch per konsequenter Entschleunigung fern, deren naturalistische Schlichtheit zwar nicht durchweg an Essenz gewinnt, wenn das Ensemble mit den einfachsten Sinnlichkeiten, Idealen und Sehnsüchten seiner Ära in den moralischen Diskurs gerät, binnen der durchweg ebenso pragmatisch gehaltenen Einkehr an Gewalttätigkeiten aber umso stärker nachwirkt, wenn jeder Pathos im Halse stecken bleibt, zwischen den Zeilen zwar auf die Versprechungen des letzten Opfers setzt, in dieser Referenzarbeit strikter Verdammnis aber auch mehr als oft als Stein in den Sand ohne Horizont fällt.

Rauchzeichen“/„Pink“ - Weitere Begegnungen mit Rudolf Thomes Werk sind garantiert, doch diese Spätzünder an verkappten Altherrenfantasien, von der Degeto geförderten Urlaubswochen und weltfremden Berührungsversuchen zur Natur allgemein sowie den Konflikten wechsellauniger bis aufrichtiger Beziehungszufälligkeiten ziehen einen im Doppelpack bewusst weniger per Stringenz oder Überzeugungskraft mit, als dass sie mit der Trivialität ihrer Protagonisten auf natürlich absurde Pointen zusteuern, auch Kitsch im Tempo zielloser Redundanz zueinander führen, teils höchst spießige Ideale des Glücks (4 Hochzeiten und 2 Teiche) abspulen lassen, aber nimmer daran mangeln, ein liebenswertes Karussell kurioser Menschlichkeit zur Spontanität anzuregen und gelegentlich sogar der Faszination zur Beobachtung zu verfallen.

So, jetzt geht's weiter im Text!




Steht es überhaupt noch zur Debatte, ob es etwas Tristeres gibt, als über die Qualitäten eines etablierten Klassikers zu schreiben? Ich hadere beim Schreiben dieser Zeilen grundsätzlich mit der Frage „Müssen die Leser das wissen?“, insbesondere, wenn jene zu einem Beispiel wie „King Kong und die weiße Frau“ schon in Hülle und Fülle beantwortet wurden – doch einige persönliche Eindrücke zur unverbrauchten Größe des Films sollten durchaus noch drin sein, insbesondere wenn sein Erbe via „Kong: Skull Island“ etwas von dieser lernen könnte. Und das fängt einfach schon - ab den ersten schlicht und schmerzreich gereiften Sequenzen - bei der Charakterisierung des Menschenensembles an, das hier aus dem Alltag der Großen Depression Stück für Stück an ein Klimax des Kinos geführt wird, welches seine Maßnahmen des Eskapismus im Rausch des Entdeckens reflektiert, als Tauziehen der Gewalten umsetzt und in dessen unvermeidliche Selbstzerstörung klettert. „Beauty killed the beast“, weiß der Unternehmer und Reißaus-Regisseur Carl Denham (Robert Armstrong) im Angesicht seiner eskalierten Ambitionen zu sagen, wenn die Vergänglichkeit der Ablenkung, die brutale Offenbarung der Gefühle vom Empire State Building gestürzt wird. Die Begrifflichkeiten seines Zitats sind austauschbar wie so ziemlich jedes Kontrastprogramm, das sich in diesem Fall aus Größenverhältnissen und Ursprüngen bis ins Märchenhafte hinein bildet - sein Wille zur Verknüpfung jener Variablen bleibt aber durchweg ein ehrlicher; ideell auf eine Art Fortschritt gesteuert, die zwar den Kommerz vorspielt und sich trotzdem so menschlich darin verhaspelt, sein Hau-Ruck-Anliegen zur Neuerfindung als Zeichen der Empathie durchsickern zu lassen. Der naive Charme des einst sehr jungen Hollywoods kommt an Denham zum Vorschein und ist da weitab vom bestimmt schon präsenten, aber erst später verstärkten Zynismus zur Industrie – insbesondere, wenn er Ann Darrow (Fay Wray) zufällig beim hungergesteuerten Stehlen trifft und ihr eine Chance zum bezahlten Abenteuer der Schauspielerei anbietet.


Der Gönner wird ihr und der Crew Richtung Skull Island zwar partout die Gefahr verheimlichen (zeitgleich Spannung und Erwartungen aufpumpen), doch an ihm sieht man weder den Schürzenjäger noch einen Ausbeuter, wenn er die abendliche Stille (!) und Ungewissheit New Yorks mit dem schlichten Versprechen des Fluchtgedankens reanimiert, seine kurzzeitige Illusion als gemeinsames Ziel anspricht, das den Helfer im Ton des Schaumännischen entlarvt. Die Regisseure Merian C. Cooper und Ernest B. Schoedsack ziehen einen mitten in die Ära der Verzweiflung rein, fortan ist die Reise zu Kong eine willkommene Immersion, die ihre zeitgemäßen Ungleichheiten (auch den mehr oder weniger latenten Rassismus) trotzdem nicht verbergen kann, allerdings gleichsam thematisiert. An Bord des Schiffes Venture zur Expedition der inszenierten Naturdokumentation Denhams ist der delikat an der Lächerlichkeit vorbeischrammende Topos des chinesischen Kochs Charley (Victor Wong) ebenso vorhanden wie die Abneigung zur Präsenz einer Frau innerhalb der Mannschaft – Urheber letzteren Kontras ist John Driscoll (Bruce Cabot), welcher schließlich dennoch mit dem Wesen Anns per du sein wird, da die übergreifende Motivation des Neuen auch seine harte Schale weich klopft. Die Vorschau kommender Ereignisse setzt sich sodann auch an Testaufnahmen fort, in denen Denham (parallel dazu Cooper/Schoedsack) seine Schauspielerin zu Begeisterung, Furcht und Verführung vor dem Unsichtbaren anleitet, so wie die Szene nicht nur den Übergang vom Stumm- zum Tonfilm anspricht (Max Steiners Musik war hier auch als erste zur Untermalung von Dialogen im Einsatz), sondern auch den Quantensprung in der fortwährenden Involvierung von Spezialeffekten als neues Markenzeichen filmischen Erzählens vorwegnimmt. Bis dahin folgt noch die Begegnung mit dem Abziehbild eines urtümlichen Inselvolkes, das seine geheimnisvollen Traditionen zu hüten weiß und auch auf den Wegen behutsamer Verständigung nur dann zu einem Kompromiss des Kameraeinsatzes bereit ist, wenn Ann sowie ihre Erotik der Unschuld als Opfer zur Verfügung gestellt werden kann.


Der Clinch mit dem Austausch an Ressourcen zieht sich offenbar durch alle Stationen der amerikanischen Geschichte, an diesem Punkt eskalieren dann auch die Selbstverständnisse parteilicher Ansprüche, die sich insofern entspannen, da King Kong ebenso an Ann Gefallen findet. Wir als Zuschauer verkumpeln uns aber mehr mit dem Riesenaffen, der da in seiner archaischen Stop-Motion-Form angestapft kommt, so roh und lebhaft in erstmaliger Verwirklichung auftritt, dass man sich selbst in einer historischen Begegnung wiederfindet. Allein auch dieses Dauergrinsen, wenn zur animatronischen Variante des Kopfes geschnitten wird! So durchschaubar die Effekte von Willis O'Brien jetzt teilweise auch sind, mit denen Kong und weitere Inselmonster zum Angriff übergehen: Ihre Bewegungen als Urzeitgiganten versprühen so, weit ab von der Perfektion, die sinnigste Lebendigkeit; kratzen sich, sind manchmal viel zu schnell sowie von Szene zu Szene unstet in der Größe, ohnehin fast schon lautlos für ihre Umwelt. Passt ja auch zur vorherigen Stille der Depression, an sich schon unwirklich verdichtet, hier jedoch anhand der Brutalität des Ganzen und der Riesenmauertür davor mit Gebrüll zum Ausbruch gebracht, indes die Mannen der Venture mehreren Viechern grausam zum Opfer fallen und Kong zum Schutze der holden Maid zudem den unfassbar spannenden Kampf mit einem Saurier eingeht. So ruppig wie das im magischen Dschungel vonstatten geht, trägt einen die Unberechenbarkeit mindestens so effektiv ins Eingemachte des Zelluloids wie die Urgesteine eines Méliès, doch was man eventuell eher als historisches Archiv empfinden könnte, wird emotional weiterhin als das achte Weltwunder innerhalb der Materie wahrgenommen. Es besitzt eben auch ein Großmaß an Persönlichkeit! Man bedenke, wie drollig Kong an Anns Klamotten schnuppert, im Gegenzug jedem Widersacher die Kiefer ausrenkt oder die Eingeborenen in eigenen Gebiss mampft, diese im nächsten Moment auf den Boden klatscht und platt tritt. Ist ja auch per Definition ein Monster, deshalb ist's ja auch ok, wenn Denham Betäubungsgasbomben auf die Kreatur wirft, Ann permanent vor Angst kreischt und mit John zur gemeinsamen Rettung an manch gefährlicher Liane hangelt – den verratenen Liebhaber an Kong vergisst man aber so schnell nicht.


Ebenso wenig diese Reminiszenzen/Schuldgefühle an den Prozess der Sklaverei, sobald Kong von seinem Königsdasein weg nach Amerika verschifft und des Entertainments wegen ausgestellt wird, was einen als Zuschauer fasziniert und doch ankotzt. Die Wut des Entwurzelten tritt da erst recht als Element des Mitgefühls auf, doch der Film maßt es sich trotzdem nicht an, innerhalb der Parteien einen Vorzug zu gewährleisten. Denham und sein Publikum (also auch wir) sind ihrer human condition wegen auf Angebot, Nachfrage und Enthemmung gegenüber der Alltagsschwere vor Ort, füreinander da und dennoch vom eigenen Drang höherer Ziele abhängig (gemacht). Kong ist ebenso von der Sehnsucht getrieben, von seinem Volk vergöttert, welches er der Liebe wegen rücksichtslos verspeist und binnen New York ebenbürtige Zerstörung anzettelt, wenn sein Status angesichts ihm unbekannter Mächte herausgefordert wird. Die Menschheit und der Riesenaffe erwischen sich da auf gemeinsamen Fuße, sprich: King Kong gegen die Große Depression auf der Spitze der Welt, deshalb lassen sich die Subjekte binnen „Beauty killed the beast“ in ihrer tief tragischen Wechselwirkung ja auch so einfach austauschen – ganz zu schweigen davon, wie stark man Kong auf diesem Wege ohnehin vermenschlicht wahrgenommen hat, dass Denham seinen Werken Beauty und Beast gleichberechtigt wehmütige Herzenstreue vermittelt. „Die Fabel von King Kong“ (Erstaufführungstitel) lässt sich u.a. bestimmt nicht ganz ohne jene Rhetorik wahrnehmen, mit welcher der weltweite Rechtsruck derzeitig auf seine nationalen Identitäten Anspruch zu nehmen versucht; jene Krise war anno 1933 sowieso keine Neuheit, in der Geschichte des zum Kultobjekt avancierten Kong aber schon darin entkräftet, wie universell die Größenverhältnisse auf sich gegenseitig abfärben sowie zur Begeisterung angeregt sind, aus verschiedenen Perspektiven im Aufeinandertreffen mit ihren Ängsten überrumpelt oder auch umarmt werden, Hürden des Menschenmöglichen überwinden, von diesem ebenfalls zu Fall gebracht werden können. Das nur mal kurz zu diesem Meilenstein der Filmgeschichte, der sich in unter 100 Minuten Laufzeit auf eine Reise des kollektiven Ichs im Verhältnis zur Leinwand und seinen Geschöpfen gemacht hat, bis heute bahnbrechende Neuheiten draus herbei gefördert hat.