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Sonntag, 14. Januar 2018

Tipps vom 08.01. - 14.01.2018


Liebe Leser,

nun schau mal einer an, ich habe seit langem mal wieder einen neuen Post innerhalb einer Woche nach dem letzten zusammengekriegt. Unglaublich, dass ich mir das selbst beweisen musste, aber in diesem Fall klappte es vor allem dank meiner neuesten Methodik, jede Filmbesprechung auf eine reguläre Notizseite zu beschränken - handschriftlich wohlgemerkt, damit sich nicht so viel im Nachhinein verändern ließe. Das hat doch Potenzial für die Zukunft, newa? Mir ist natürlich bewusst, dass es noch eine abgespeckte Version von dem ist, wie es zu manch anderen Zeiten hier abging, ich hoffe, dass ich da nicht euren guten Willen mit überstrapaziere. Aber nichtsdestotrotz, bevor wir uns den jüngst versammelten Empfehlungen widmen, möchte ich noch einige Bonusmaterialien erwähnen, welche ich über die Tage besonders genossen habe. In erster Instanz sei da der Audiokommentar Mike Siegels (der Mann, der immer frägt sagt) auf der neuen Blu-Ray zu Sergio Corbuccis „Leichen pflastern seinen Weg“ genannt, welcher sich recht gemütlich dem technischen Know-How und biographischen Einzelheiten jener Produktion widmet, freimütig oft ins Detail geht und den Kern damit umso größer schürt, bis dann auch noch pralle Zitate die Schnüre legen. Es zeigt sich eine ganz bescheiden agierende Liebe zum Sujet (selbst der Hinweis auf Filmfehler ist eine sehr versöhnliche Angelegenheit), gepaart mit der richtigen Portion „Ich finde es scheiße, dass...“, die ich mir dann auch spontan zur vollen Länge gab. Und dass die Abtastung einer zeitbedingt verranzten 35mm-Kopie des Films ebenso an Bord ist, stimmt umso froher.


An zweiter Stelle möchte ich sodann das Bonusmaterial der 3. Staffel „Twin Peaks“ hervorheben, an dem man gut und gerne den ganzen Tag aufopfern mag, so wie sich die Behind-the-Scenes-Impressionen des Jason S. zu knapp 5 Stunden ballen. Der Rahmen dazu gibt sich als außerweltliche Fly-on-the-Wall, was entgegen bloßen Footage-Abarbeitens einigermaßen gut als Wahrnehmungssubversion/-Obsession gen inszenierten/echten Lebens funktioniert. Ab und an wirkt es auch kitschigst verkopft, wenn es davon ausgeht, dass einem der Kontext zu allem Gezeigtem nicht bekannt wäre. Sehr stark dagegen ist der Eindruck davon, wie David Lynch Regie führt und welch Ekstase selbst dort zu Tage tritt, wie er seine Mitwirkenden in Stimmungen lockt und stürzen lässt. Zum Ende jedes fertig gedrehten Parts gibt es sodann ein Abschiedsritual und man hängt da wie jeder Anwesende mit drin in Geschehen und Emotionen. Größtenteils bleibt dieses Werk vermittelter Transfixion natürlich ein Porträt des Regisseurs an sich und da wird es intim in Überlänge, auch frustrierend bei manch Produktionsumstand. Dann ist man auch mal am Set-Runnen zuhaus, wenn die Erkenntnisse länger auf der Maloche ruhen bleiben - bei aller vorgezeigten Schaffensstärke findet man dennoch ein Gros an Inspiration, kann ich nur empfehlen. Übrigens, es gibt nun auch endlich einen Termin für die deutsche Veröffentlichung der Heimkino-Variante jener Staffel - und zwar der 22. März! Vormerken und nachmerken, jajaja!

Gut, die Geschichten sind durch, nun folgen noch zwei Erlebnisse aus meiner Welt der Träume, welche ich die Woche schon über Twitter geteilt hatte. Danach legen wir aber mit den Filmen los, versprochen - ich möchte die hier nur chronologisieren, damit ich zum Ende des Jahres nicht wieder solange nach ihnen suchen muss:


So, genug der totalen Erinnerung, jetzt kommt das Spektrum an vorbehaltsloser Empfehlung (u.a. geborgen aus dem letzten FILMABEND via Siegfried Bendix sowie dem auf Twitter und Co. stattfindenden #Japanuary) zu euch in Herz und Hirn - möchte ich jedenfalls hoffen. Dabei biete ich wieder zwei Varianten an, wie man sich diese einverleibt - einerseits kann man aufs jeweilige Bild klicken und von dort aus lesen/vergrößern, etc.; andererseits habe ich wieder eine Videovariante produziert, in die ihr unten anklicken und reinlauschen könnt, wie ich die berüchtigten Texte vorlese. Ich bin mit den Formaten noch in der Testphase und kann mir vorstellen, dass sich eins in Zukunft an dieser Stelle durchsetzen wird - oder auch ein ganz anderes? Welches nur? Müsst ihr mir sagen! Schnuppert mal rum, jetzt!^^


(Robert Sigl, 1989)

(?, 1965)

(Tetsuya Yamanouchi, 1966)

(Hideaki Anno & Shinji Higuchi, 2016)

(Karl Hartl, 1937)

(Eckhart Schmidt, 1986)

Und hier haben wir die Videovariante für jeden, der meine enorm idealisierte Handschrift beim besten Willen nicht entziffern kann und sich sowieso wundert, ob sich mein Stoff überhaupt vorlesen lässt:



BONUS! Filme, zu denen ich was zu sagen habe und die es diese Woche nicht in die reguläre Tipp-Sparte geschafft hatten oder halt noch ergänzend hier stehen, weil ich letzten Endes mehr Zeit über hatte:

DIE MÖRDER SIND UNTER UNS (Wolfgang Staudte, 1946)
Hätte ich gerne in längerer Textform empfohlen, da die Nachkriegseindrücke weit kritischer ins Mark gehen als z.B. „...UND ÜBER UNS DER HIMMEL“, doch den tief verwundeten Abgleich aus Nihilismus und Hoffnung erlebt man am besten in seiner Stimmung an sich, als dass ich diese polemisch wiedergeben müsste. Im Endeffekt halt auch trotz aller Kernigkeit wie zeithistorischen Relevanz in der Kontinuität des UFA-Stils angesiedelt, zum Schluss hin zudem etwas daneben gegangen in Sachen mutiger Darstellung (Wozu diese Modellaufnahme z.B.?).

STORM HUNTERS (Steven Quale, 2014)
Ein typisches Prozedere an Katastrophenfilm-Topoi wirbelt als souveränes Spannungsstück durch den Mittelstand Amerikas. Das heißt, dass es reichlichst um Familie geht, aber auch um mediale Reizüberflutung/Ethik, da die Wetterwissenschaft inzwischen Infotainment in allen Klassen hergibt, so wie jene Katastrophen alljährlich die USA heimsuchen. Das Klima zwischenmenschlicher Konflikte löst sich dann auch „San Andreas“ nicht unähnlich in knackigem Hypermelodram auf und bietet Handheld-Bilder an potenziellem Albtraumfutter, was weit mehr fordert als von der Tele5-Prämisse zu erwarten wäre.

HIDE YOUR SMILING FACES (Daniel Patrick Carbone, 2013)
Ach ja, der atmosphärische Konzeptfilm unter 80 Minuten. Man weiß bei dem Genre meistens schon im Voraus, dass man gen Schlussakt die Sekunden runterzählen wird, wann das Werk die Gefühlsprämisse auserzählt hat - und da ist dieses US-Indie-Kintopp nicht allzu verschieden von seinen Epigonen, auch wenn es sich engagiert auf Coming-of-Age-Stationen jener Sorte einstellt, in welcher man Tod und Verlustängste reflektiert. Das ist natürlich künstlich geballter Diskussionsstoff, im bewährten Stil der Stille gebettet, aber zeitweise authentisch im Grusel vorm Inlandselend wandernd. Die Bärenszene gibt aber den Tiefpunkt dessen ab.

DER KLEINE aka DIE STADTWÖLFE (Klaus Lemke, 1983)
Der Münchener Prototyp von Lemkes eigenem „Die Ratte“, wenn man mal davon absieht, dass keine so reißerische Triebkraft wie Thomas Kretschmann zugegen ist. Macht sich sodann naturalistischer auf die Socken, Milieus und Nacht- wie Tagbegegnungen im schnellen Erfolg auf-/untergehen zu lassen. Der Road Runner gibt dazu das perpetuum mobile auf dem Soundtrack, doch der Film kann's nicht lassen, eher strukturorientiert zu agieren, als dass er sich, seine Figuren und deren gewohnt ambivalenten Männermythos aus distanzierter Tristesse hieven kann.

DER INDIANER IM KÜCHENSCHRANK (Frank Oz, 1995)
Da hatte mich die ganze Zeit irritiert, wie doof das Hauptkind immer frontal in die Kamera glotzen musste, ansonsten war der Film ja eine schön innige Seltsamkeit an Buddy-Movie binnen des multikulturellen New Yorks. Per tricktechnischem Zauberkasten werden Grenzen und Möglichkeiten der Freundschaft gelehrt, Respekt und Zeitpunkte des Abstands, zudem es ganz nebenbei noch um die kulturhistorischen Kernsätze/Versäumnisse amerikanischer Simultanheimat geht. Hat sich gefühlsmäßig aber mehr von E.T. abgeschaut, als ihm gut getan hätte.

SKINNER ...LEBEND GEHÄUTET (Mark Herrier, 1991)
Diese Hommage ans Horrorkino der Gimmicks ist beinahe Richtung „Demoni“ oder „Matinee“ unterwegs, als waschechte Liebeserklärung zu begeistern, doch ehrlich gesagt war nur der erste Fake-Film ein Sonderschmaus, während der Rest allzu frustrierend billig abgefrühstückt wurde. Die Phantom-Der-Oper-Variante der Rahmenhandlung hätte eben nur als Gerüst für episodenhafte Topoi-Sammlungen getaugt; sobald sie für sich selbst Nervenkitzel erzeugen soll, kommt die Inspiration zu unentschlossen - mal übernatürlich, mal als Standard-Slasher. Als naives B-Movie ist POPCORN (so der Originaltitel) trotzdem nicht zu verachten.

TIGER, LÖWE, PANTHER (Dominik Graf, 1989)
Eine deutsche Fingerübung, an Woody Allen ranzukommen - hastig in seiner wortgewandten Konfrontation der Neurosen, Mann/Frau enervierend, bittet der Film den Zuschauer also, sich hinten anzustellen. Er muss nämlich jetzt sein Theater durchziehen! Die Hysterie reißt nicht ab, Regisseur Graf bleibt entsprechend flott im Schnitt und scheucht sein Ensemble kultivierter Uneinigkeit mit stets direkten Ansagen ins Amerikanische. Die Erkenntnisse sezierter Beziehungsfragen reichen von Ironie bis Frust, sind aber eher durchstilisiert denn involviert. Kann aber sein, dass an dem Film bewusst eitle Witzfiguren vorgeführt werden sollen - bin mir noch nicht so sicher.

HANNAH TAKES THE STAIRS (Joe Swanberg, 2007)
Mumblecore ohne besondere Vorkommnisse. Greta Gerwig und Mitspieler sind wie so oft bei Swanberg full frontal nude, legen dementsprechend die Seelen offen, wie weit Depressionen zurück bzw. in gegenwärtige Zweisamkeitsdilemmata (gleich 3 hintereinander) reichen. Der Gesprächsstoff dazwischen ist in seiner Beiläufigkeit leider etwas dolle distanziert und mit dem laschen Aufhänger eines TV-Writers-Room ausgestattet, umso lieber hat man die stichfesten Selbstzweifel und Strukturen hemmender Rücksichtnahme, selbst in ihrer eher sporadischen Anwesenheit. 



Huch, warum ist der Bonus nochmal so ein Riesensegment geworden? Na was solls, ich habe geliefert, ihr dürft nun entscheiden: Soll ich den Blog so in Zukunft halten? Braucht ihr bei den regulären Tipps beide Präsentationsformate oder seid ihr mit einer Variante der Empfehlungen zufrieden? Oder soll alles doch wieder so werden, wie es früher schon einmal war? Weiß ich selber grade am wenigsten, so helft mir doch auf die Sprünge, diese Beschäftigungstherapie sinnvoll zu nutzen! Wie immer meine ich es nicht so dramatisch, aber ihr wisst ja: Wer kein Feedback bekommt, wird Katzenfutter. So oder so vielen Dank, dass ihr es wieder bis hierher geschafft habt - solch treue Leser sind auch nach all den Jahren an Blog-Aktivität meinerseits stets sehr geschätzt, kann ich nicht oft genug beteuern. Stellt euch an dieser Stelle ein pochendes Herz vor und man sieht sich dann beim nächsten Mal, wenn nicht sogar zwischendurch wie gehabt auf Facebook, Twitter oder Instagram (jetzt mit Live-Lesungen zu unregelmäßigen Zeiten!).

Sonntag, 6. März 2016

Tipps vom 29.02. - 06.03.2016

Diese Woche sah es erneut etwas mager aus, was die Sichtung von Filmen anging, da muss ich mich entschuldigen, aber nun ja, ab und an steckt das Leben halt dahinter, da will ich keine Illussionen schaffen. Ich hab es zumindest in zwei Kinovorstellungen geschafft, auch wieder reichlich Gutes wiederholt und mich zwischendurch auch erneut an "Eine schrecklich nette Familie" herangewagt, sobald die tägliche (Schnitt-)Arbeit daheim erledigt war. Abseits dessen war die Woche ohnehin ziemlich verrückt - es fing bei den Oscars voll aufdringlicher political correctness an, dann musste sich um eine (noch immer) defekte Kochplatte in der Wohnung gestritten werden und Frau Mutter war das Wochenende auch noch zu Besuch. Alles nicht so schlimm übrigens, wie zur MRT unter die Röhre geschoben zu werden, mit einer Kanüle voller Kontrastmittel im Arm 20 Minuten lang in (gut belüfteter) Enge zu verweilen und dabei sogar melodramatisch klassische Töne à la "Opfergang" über Lautsprecher serviert zu bekommen - Galgenhumor deluxe. Doch selbst dieses Ereignis malt man sich anfangs schlimmer aus, als es eigentlich ist - es ist keine Schande zuzugeben, die Tage zuvor eine Panikattacke hinsichtlich dessen zu erleben, ahnungslos und allein den Weg antreten zu müssen. Wer es nicht selbst erlebt hat, wird die Furcht davor vielleicht nicht ganz verstehen, doch es macht schon bange, eventuell (aber natürlich recht unwahrscheinlich) die Diagnose eines Gehirntumors erhalten zu können (die Möglichkeit sollte im Rahmen der Behandlung eben ausgeschlossen werden und so war es dann auch), nur weil man vor knapp einem Monat noch mit Gleichgewichtsstörungen sowie einer Art Benommenheitsschwindel zu hadern hatte.

Wer sich mein Video zu "Chibi-Robo!" zu Gemüte führt, sieht die damit verbundene Konzentrationsschwäche und Ermattung übrigens voll in Aktion, wenn auch zusammengeschnitten wie nur möglich. Inzwischen haben sich die Symptome aber auf ein kaum noch spürbares Minimum verzogen und auf den MRT-Aufnahmen, die man mitkriegt, lässt sich auch nichts Besorgniserregendes erkennen. Wie dem auch sei, ist die Angst, die man danach hinter sich gelassen hat, eigentlich kaum noch zu toppen, von daher wird man im Nachhinein so oder so ein bisschen lockerer. Bezeichnenderweise verselbstständigte sich das bei mir sodann am selben Tag noch in einem Kinobesuch für den Western-Klassiker "12 Uhr Mittags" von Fred Zinnemann. Obwohl da in den ersten 10 Minuten irrtümlicherweise "Faustrecht der Prärie" lief, sodann für die eigentliche Vorstellung auf Digital umgesattelt werden musste, ein älterer Sitznachbar bei jedem Satz von Grace Kelly wie ein sexistischer Wicht zu prusten anfing und mein rechter Arm sich zudem noch vom Einstich der Kanüle per Muskelkater erholte, war es mir alles egal. Witzigerweise hat es Gary Cooper dabei auf der Leinwand nicht leichter, gedenkt sich dem Schergen Frank Miller (!) zu stellen, erhält allerdings keinerlei Hilfe von der Stadtgemeinschaft, für die er Jahrzehnte lang als Sheriff gedient hat - alle haben ihre nachvollziehbaren Gründe, doch die Verzweiflung unseres Helden der Rechtschaffenheit steht ihm mit wehmütigen Rhythmus von Dimitri Tiomkins Soundtrack ins Gesicht geschrieben; genauso die Abgeklärtheit, mit der er sich aus der Realität der Genügsamkeit verabschiedet und (beinahe) im Alleingang das schaffen muss, wofür ihm eigentlich genug Ressourcen zur Verfügung stehen dürften.

Quasi ein in etwa misantrhopisches Happy-End, wenn man so sagen will (auch ein Abgesang auf einen oder mehrere Western-Mythen), zumindest eins, von dem aus es sich weiter Richtung Selbstbewusstsein blicken lässt (und nicht in einer haltlos starrköpfigen und destruktiven Art wie in "Ein Mann wie Sprengstoff", ebenfalls mit Cooper); Furcht konfrontiert und bezwungen werden kann, auch wenn es nicht als Sieg herausgestellt werden muss. Also bin ich erneut vor die Kamera getreten und im fixen Durchlauf (fast alle) meine neuen Errungenschaften vom Februar binnen meiner Mancave vorgestellt. Von Ansteckern über Poster bis hin zu Büchern und natürlich Filmen ist ein Arsenal an tollen tollen Sachen vertreten (Nicht im Video, aber auch neu im Archiv: "Die Angst des Tormanns beim Elfmeter", "Poltergeist" - siehe hier). Das Schöne ist: Es kommt im März so oder so noch mehr zusammen und auch wenn schon meine guten Vorsätze für dieses Jahr, erst recht im Bezug auf Optimismus, vom Schicksal offenbar derartig entschieden auf die Probe gestellt werden, sind der eine oder andere Filmabend, Hamburger, Bücherhallen-Leihfundus, Freundschaften, Familie, Alf oder eben ein "Batman v Superman" stets nicht allzu weit entfernt. Es wird auch mal wieder besser und ich werde auch mal wieder mehr hier schreiben, im Moment lässt sich mit folgendem Video wie gesagt aber auch was anfangen. Und Achtung, danach hab ich doch noch eine Filmbesprechung in Textform in petto, also Augen aufhalten und viel Spaß mit dem ganzen Kram :D






SONNE, SAND UND HEISSE SCHENKEL aka JUNG, SCHÖN UND LASTERHAFT - (Gesichtet im Rahmen des BIZARRE CINEMA im Metropolis Kino Hamburg, 35mm, dt. Fassung)

Mal wieder einer von der Sorte „Genussfilm“. Wer die Reize der beiden Hauptdarstellerinnen Gloria Guida und Dagmar Lassander zu schätzen weiß, kann schon insofern erfreut sein, dass Regisseur Silvio Amadio ihnen hiermit gewiss eine Liebeserklärung schenkt. Diese mag in der dramaturgischen Dimension vielleicht mit der Sprache eines Groschenromans erscheinen und vom Budget her nicht allzu viel Aufwand sowie herzliches Schmuddelfilmflair vorzeigen (allein dieser Soundtrack), doch offene Filmfreunde empfangen derartig schludrige Präsentationen eben als freundschaftliche Bodenständigkeit, aus der sich Massen an Potenzial ergeben - bezeichnenderweise verheimlicht der Film auch seine Quasi-Adaption von Françoise Sagans „Bonjour Tristesse“ und verhält sich stattdessen durchweg eher so, wie es ihm gerade passt, was wiederum eine ungeheure Lebhaftigkeit hervorbringt. Jene Methodik findet sodann schnell die Schönheit in der Kulisse vor, in den Körpern der Frauen sowie deren jugendliche Sprunghaftigkeit. Euphorisch kombiniert der Film dies mit elliptischer Erzählung, pendelt schon nach dem Vorspann zwischen den Zeiten hin und her und ergänzt auf die Art trotzdem punktgenau die Wahrnehmung der jungen Angela (Gloria Guida) zu ihrer neuen Stiefmutter in spe, Irene (Dagmar Lassander), für welche sie sich schon allmählich ein kleines Komplott zusammen mit Inselficker Sandro (Fred Robsahm) ausdenkt. 


Diese Jugend heutzutage... doch fern moralischer Verurteilung besitzen Amadios Charaktere im Grunde ein unbedarftes Wesen, umgeben sich allesamt mit wilden und gleichzeitig heimeligen Dekors unter der angenehmen Hitze des Ambientes und feiern bar jeder Verantwortung Freiheit, Liebe, Natur und Klamotten, während die Sonne so gleißend von der Leinwand strahlt, wie sie in der Naivität der Intrigen auch trügen kann. Angelas zentrales Spiel mit den Gefühlen (inklusive Versteckspiel unter grotesken Felsmassiven) basiert nämlich durchaus auf kindlicher Motivation, geht lediglich mit Vermutungen im Geheimen gegen Irene an, ehe sie diese überhaupt kennen lernt. Mit gleichsam keckem Esprit inszeniert sie sodann eine Zuneigung für Irene, obwohl der Film gerne damit spielt, wie viel Wahrheit doch darin stecken könnte. Erotik ist natürlich ein bindendes Glied in diesen Verhältnissen und bietet Amadio vor allem reichlich Freiraum zur Verinnerlichung von Blicken und im lauen Wind glänzenden Frisuren (Lassanders Rot lässt die Sinne explodieren!) sowie zur Begutachtung der unbekümmerten Nacktheit Guidas, doch neben dieser Zeigefreudigkeit ist das Narrativ ohnehin mit der Chemie der Verführung gepfeffert, welche vor allem den Frauen des kleinen Ensembles zusteht, bei dem die Männer eher im Hintergrund verbleiben. Selbst Sandro, der sich als Lover zwischen drei Damen versucht, hat nicht allzu viel zu melden, kommt mit seinen Anmacher-Allüren bei Irene erst recht nicht weit, ferner blickt er stetig tiefer in eine der mehrmals vertretenen J&B-Whisky-Flaschen.


Ein Arschloch macht der Film aber auch nicht aus ihm, sind ja alles junge Menschen - mit Buggy, Mode und Teleobjektiv ausgestattete Touristen der seligen Lust, in die sich die um eine Generation ältere, aber kaum weniger bezaubernde Irene ebenso hinein verlieren könnte, wenn ihre Zuneigung zu Frauen denn nicht aufgrund tragischer Erfahrungen unter einem schlechten Stern stehen würde. In ihr schlummert die Verletztlichkeit - Angela ist sich dessen im Leichtsinn der jungen Unschuld noch nicht bewusst und spielt dann auch mit der Liebe, als dass sie die Bedeutung derer in ihrem Leben schon wirklich erfahren hat. Visuelles und Dramatisches kreuzen sich dabei übrigens nicht allzu kalkulierbar zur Filmerfahrung zusammen - die Fühlbarkeit bleibt jedenfalls nimmer auf der Strecke, wenn geballte Sehnsucht in den Bildern und Handlungen der Figuren steckt, Motive und Komplexe derer im Unterbewusstsein der Sinnlichkeit jedoch stets weiterlaufen und für Impulse sorgen, welche die Schwärmerei für das weibliche Geschlecht und das Ambiente zwar bis zum Ende nicht als Heuchlerei oder Fantasterei entlarven, wohl aber die Macht der Reize aus der Funktion als Spielzeug herausheben. Von einer möglicherweise konservativen Schlussmoral emanzipiert sich Amadio aber auch, indem er sich stets die Freiheit nimmt, verspielt zu bleiben und das Korsett formaler Strenge sowie Bedeutungsschwangerschaft zu vermeiden.


Bezeichnenderweise liest Irene in einer Szene auch einen „französischen Roman“, den sie sehr interessiert verschlingt, bei dessen intellektueller Haltung sie aber auch Verständnis zeigt, dass diese eigentlich auch „überflüssig“ wäre - gleichsam bringt der Film auch nebenbei Sigmund Freuds Theorien zu Wort, ohne sich an diese allzu lange klammern zu wollen (siehe auch „Emanuelle Nera und ihre wilden Hengste“, ebenso mit Lassander). So lässt sich auch dieser im Deutschen schon gar nicht mal so falsch, aber auch unterschätzt betitelte Film reflektieren, dessen hormoneller Appeal nicht bloß primitive Exploitation hergibt, sondern als Mogelpackung mit den hellen Strahlen allzu menschlicher Freuden kokettiert und an seiner ganzen Ausstrahlung auch nicht vergisst, die Liebe im Individuum und dessen Fragilität empathisch zu beleuchten. Selbst wenn man dabei eine sexy Sause mit Sonne, Sand, heißen Schenkeln sowie Spaghetti und tollen Sprüchen Marke Schier/Eder empfängt, erhält die Subversion im Endeffekt mehr an Gehalt, als der allgemeine Anspruch zu sehen glaubt. Dabei sind Amadios Bildkompositionen gerade in ihrem eigentlich kleinen Rahmen eine kleine Sensation - und seine Darstellerinnen fern forcierter Allüren absolut hinreißende Herrscherinnen der Leinwand.

Sonntag, 24. Mai 2015

Tipps vom 18.05. - 24.05.2015



DANCER IN THE DARK - Bei Lars von Trier steht die Frau des Öfteren mit ihrem Schmerz im Mittelpunkt. Das heißt, die Eindrücke, die sie von der Umwelt erfährt, spürt man als Zuschauer mit, wie auch seine vom Dogma-95-Manifest-abgeleitete Gestaltung die unmittelbare Nähe zu ihr sucht. Von daher muss man bei diesem seinen Werk von 2000 ein paar Hürden überqueren, um die erneute Variante jenes Gedankens genuin wahrzunehmen - ganz abgesehen von manch entscheidenden Handlungsentwicklungen ins bewusst Melodramatische sowie natürlich der übergreifende Umstand, dass sich das Narrativ in ein Björk-Musical rahmt. Damit wird nicht jeder Vorlieb nehmen können, allerdings stellt sich besonders reizvoll heraus, worin die stille und Grausamkeiten auf sich ladende Protagonistin Ventile der Verarbeitung findet, welche der Unnachgiebigkeit des bergab verlaufenden Lebens entgegen steuern und zur versteckten Katharsis verhelfen: Fantasie, Musik und Film.


In verträumten Sequenzen, die Selmas (Björk) Alltag anhand von Umgebungsgeräuschen zur energetischen Revuenummer transformieren, strebt ihr Eigenleben in süßer Verpackung nach (V)Erklärungen zur Umwelt. In völliger Ruhe und Bescheidenheit sucht die schüchterne Fabrikarbeiterin nämlich noch innerhalb urtümlichster Americana den Anschluss, unterhält Freundschaften zum konzentrierten Provinz-Ensemble und lebt zudem ihre Liebe zur Musik in der örtlichen Theatergruppe aus. Der vollen Zugänglichkeit entsagt sie dennoch, hütet stattdessen sorgsam Geheimnisse, anhand derer Präsenz sie auch niemanden an sich heran lässt. Wohl deshalb kommt Nachbar und Vermieter Bill (David Morse) trotzdem zu ihr und gesteht ihr Probleme, die ihn von innen auffressen und die er niemandem sonst mitteilen kann - allerdings verrät sie ihm zum Trost ihr unausweichliches Schicksal: Sie wird bald blind werden und hat deshalb reichlich Geld für die absehbare Operation ihres Sohnes gespart, der genauso wenig von ihrer Erbkrankheit weiß.


Ihr zärtlicher und zerbrechlicher Umgang mit individuellen Schwierigkeiten wird ihr jedoch kontinuierlich zum Verhängnis und obwohl fast jeder Verständnis sowie Hilfe für ihre Lage aufbringen möchte/würde, ist sie wie gefangen in ihrer gütigen Naivität. Die Flucht aus diesem Ringen mit der eigenen Wahrheit den Mitmenschen gegenüber findet sie eben dann auf der Leinwand und derer musikalischen Glückseligkeit, welche sie nimmer aufhören sehen will. Von Trier wird letzteren Wunsch zum Schluss hin insofern umkehren, dass er den wahrhaftigen Schmerz der Realität nicht verschweigt, aber ihr trotzdem das symbolische Ende gibt, dass sie in dieser Form am liebsten kennengelernt wie auch vermieden hat. Man kann dann auch nicht anders, als für ihren Charakter mitzuleiden, doch ebenso darf ihr in Gedanken ablaufendes Glück als wahrhaftige Erfüllung wahrgenommen werden. Dafür muss man aber auch die Konsequenz in Kauf nehmen, dass Selma auf diesem Wege ihr Prinzip der Geheimnisbewahrung nie wirklich abstellen und sich auch dann nicht erklären wird, selbst wenn ihr dadurch erhebliche Lasten genommen werden könnten.


Als Zuschauer frustriert das natürlich - allerdings nicht, weil man sie eventuell nicht nachvollziehen könnte, sondern weil man im Leben öfter ebenso handelt. Bei manchen zeichnet sich das in bloßen Notlügen ab, andere neigen bis hin zur Selbstzerstörung. Und wie lässt sich die Konfrontation mit diesen eigenen Verhaltensweisen besser verschleiern, als in der Ablenkung in Fantasiewelten hinein? Von Trier geht sodann an genau jene Orte, macht die Motivation der Gefühle zu solchen Tagträumen greifbar, lässt aber gleichsam nie von den realen Gegebenheiten locker - ist ja nur ehrlich. Kein Wunder also, dass die Kontraste der Entsagung, zwischen schmerzhafter Opferbereitschaft und ätherischer Lust zum Surrealen, immer intensiver werden und schlicht belasten. Schließlich wird hier kein Konsens eingegangen; Gefühlsausbrüche steigern sich mit der zunehmenden Enge der Situation, anhand derer trostlosen Zellen auch die gedankliche Tanzmusik nur schwer gegen ankommen kann.


Die kalten Tränen lassen einen fassungslos dastehen, bis das Unausweichliche seinen Schatten wirft. Selbst die leidenschaftlichste Menschlichkeit kann hier nichts mehr retten, vielleicht aber noch ein letzter Song, der am Besten nie aufhören darf. Bei Von Trier ist der schmerzliche Schritt zum Ende aber doch noch ein Zeichen der Gnade, wie er seiner Figur der Selma ohnehin ein sperriges und doch offenes Denkmal schenkt. Sein garantiert sehr persönlicher Film meint zwar, dass manche Geheimnisse nicht geteilt werden sollten und eine erzwungene Offenbarung von persönlichen Schwächen ebenso nicht der selbstverständlichste Weg sein sollte. Dass dennoch ungemeine Schönheiten in jenen Eigensinnigkeiten schlummern und das Recht haben, für sich selber leben zu wollen, stellt er dennoch zweifellos klar. Das macht die Ansicht dieses Films vielleicht nicht eindeutiger, aber versöhnlicher. Zumindest zeigt sich hier, dass nicht alles ausnahmslos trist sein muss, was denkbar schwierig ist.


Zur Cannon-Retrospektive habe ich diese Woche zwei Filme besprochen, die ich an dieser Stelle schon mal empfohlen hatte. Da ich auf das Neugeschriebene schon wirklich stolz bin, möchte ich Euch diese Links nicht vorenthalten:




LOVE STREAMS - "[...] „Love always finds a way“ und auch, wenn das Leben mal sinnbefreit (oder in Cassavetes’ Fall scheinbar am Ende) erscheint, lässt sich immer noch eine Abbiegung im Fluss finden. Das ist so ziemlich der relativierendste Satz, mit dem man den Gesamteindruck von „Love Streams“ beschreiben könnte. Doch ein gleichsam überwältigendes wie unbeschwertes Werk zu bewerten, ist kein hundertprozentig festlegbares Ziel. Was auch daran liegt, dass es vollkommen bewusst mit dem komplizierten Konzept der Liebe verwurzelt ist, welches an sich schon essenziell unberechenbar ist. Es ist demnach auch das, was die dargestellten Figuren hauptsächlich vorantreibt und sich dennoch nicht mit großen identifizierbaren Zeichen ankündigt. Man kann als Zuschauer nicht anders, als sich irgendwann bereitwillig in den Rausch des Films einzuklinken und ebenfalls dramaturgische wie filmische Formalitäten außer Acht zu lassen. Er kann einem nicht viel erzählen, sondern stattdessen nur zeigen. [...]"



(Die komplette Kritik gibt es auf CEREALITY.NET zu lesen.)




SHY PEOPLE - BEDROHLICHES SCHWEIGEN - "[...] Diese lang währende Isolation wird nun aber mit einer Invasion der Integration quittiert, worin beide sich nur verhalten miteinander verstehen können, weil sie schlicht zu spät kommt. Umso schwerwiegender setzt die Natur einen drauf, indem sie mit dicht bewachsenen Wurzeln oder auch unendlich scheinenden Flüssen den Horizont versperrt. Alle reiben sich zwangsläufig aneinander, bis in der Hitze des darin versuchten Zusammenseins nur noch individuell entschieden wird, was richtig oder falsch ist; was Zeichen der Zuneigung oder Ablehnung sind. Gefällig, schön oder überlegen sind diese bisweilen unbedachten Entscheidungen jedenfalls auf keiner Seite und Kontschalowski porträtiert sie mit einem Mut, der auch heute keine Selbstverständlichkeit darstellt. [...]"



(Die komplette Kritik gibt es auf CEREALITY.NET zu lesen.)




FAHRRADDIEBE - Ein Film, in dem jedoch fernab gängiger Filmrealität gegen alle Widerstände im Leben konsequent verloren wird - wie es nun mal meist eher der Fall ist. Diese Pionierleistung des Neorealismus zeigt aber auch, dass man Im Leiden zumindest nicht alleine bleibt, selbst wenn man die vertrautesten Mitmenschen im Drang zum rettenden Glück hetzt, Hoffnungen sowie Ideale des Überlebens willen enttäuscht und als Illusion offenbart. Wie soll man aber auch als Einzelner kleine wie große Schwierigkeiten überleben, wenn schon Kleinigkeiten alles aufs Spiel setzen und die Voraussetzungen fürs komplexe Ganze von oben sabotieren? Wo dann auch das gesamte Umfeld mit derselben Erfahrung vertraut ist und sich ebenso geballt als verschlissene Menschlichkeit abgefunden hat? Hilfsbereitschaft weicht da dem Eigennutz oder dem gängigen "Da kann man leider nichts machen." - nicht gerade aus gleichgültigem Egoismus, sondern aufgrund von mehr oder weniger abgeklärten Stadien der Angst und Abgebrühtheit innerhalb der gesellschaftlichen Erfahrung.


Das braucht sich als Strom an urbanen Bürgern nicht weiter erklären, selbst wenn der herzensgute und etwas naive Plakatierer Antonio (Lamberto Maggiorani) so leidenschaftlich sein Fahrrad sucht, mit dem sich erst Beruf und Lebensunterhalt für die Familie bewerkstelligen lassen. Der eventuelle Klau, den man im erdrückend stilisierten Nachkriegs-Rom ohnehin mit Anspannung erwarten muss, führt sodann zu einer Reise des Frusts, bei dem auch Sohn Bruno (Enzo Staiola) mit ansehen muss, wie sein Vater in der Verzweiflung durchgehend abgewiesen wird. Kollegen und Polizei versuchen da noch die Unterstützung, sehen aber auch schnell die Aussichtslosigkeit des Unternehmens ein, weil das Verschwinden als eines von vielen schnell im Strom der Gesamtmisere "Leben" untergeht. Aufgeben ist dennoch keine Option, wohl aber eher, weil man keine andere Wahl hat. Es ist ja nicht so, dass Vater und Sohn keine Lebhaftigkeit mehr vorweisen können - immerhin versuchen sie, zu vergessen und den Tag noch so gut es geht angenehm zu verleben, auch wenn dieser mehr von der Sehnsucht des Findens getrieben wird als von der Unbedarftheit, die man sich im Ansatz ausgedacht hatte, bis alles wieder niedergeschmettert wurde.


Regisseur Vittorio De Sica unterstreicht dies anfangs vielleicht etwas zu eindeutig emotionalisierend, weist mit festem Schwarzweiß und melodramatischer Musikpräsenz das soziale Mitleid aus. Später findet er darin dennoch eine ehrlich beobachtende Leichtigkeit und auch Euphorie, die mit Spannung die Entspannung erwarten möchten und in der Erkundung vieler Wege beinahe Abenteuerlust erzeugen; Hoffnung sowieso. Letztendlich stellt sich die Gestaltung aber der letzten Konsequenz, die im Alltag für Außenstehende als trivial empfunden werden müsste, hier aber als Verinnerlichung eines persönliches Schicksals herzzerbrechende Empathie erzeugt. Deshalb ist die eher pessimistische Ausgangslage des Films auch kein nüchternes oder gar zynisches Urteil über den Zustand der Welt geworden, sondern ein Hilferuf, der die Einsicht humanistischer Gemeinsamkeit illustriert und nachfühlen lässt - selbst wenn diese auch in antagonistischer Funktion bei verschiedenen Gesellschaftsgruppen wirken muss. Jeder für sich und Gott gegen alle.




KING KONG GEGEN GODZILLA - Jun Fukuda ist einer dieser Genre-Regisseure, die selbst in der gefälligsten Auftragsarbeit (?) ein Gefühl für eine ganz eigensinnige Welt suggerieren können - zumindest ist seine Vision eines publikumswirksamen Godzilla-Abenteuers derartig poppig, wild und von einer dennoch durchweg heimeligen Atmosphäre beherrscht, wie bei keinem weiteren Regisseur jener kinderfreundlichen Kaiju-Phase.


Liegt vielleicht auch daran, dass seine hier entfaltete (und oft recht feurige) Action voll naiver Jungsfantasien von coolen Archäologen, flotten Interpol-Agenten, Wissenschaftlern, Insellegenden, Weltraumaffen und "Ki-Borgs" dem niedrigbudgierten und somit irgendwie grenzenlosen Pop des 70er Jahre Bahnhofskinos erlegen ist. Jedoch wirft er nicht schlicht alle Zutaten in einen überfordernden lauten Topf, sondern konzentriert alles auf seltsam abgelegenem Festland nahe am Meer, doch fern von den gängigen Bildern der Großstadt.


Dazu legt er Easy-Listening-Musik auf, die einem Jess Franco gerecht werden dürfte, wobei die Setdesigns tatsächlich an jenen klobigen Eurochic herankommen, der hier auch ansonsten nur von sonniger Natürlichkeit oder geheimnisvollen Höhlen umgeben ist. Kein Wunder also, dass sich so manche hysterisch ungelenken Faustkämpfe auf einer Couch abspielen. Aus dieser überwiegenden Unaufgeregtheit entsteht eine Greifbarkeit, die gleichzeitig schnell zur Sache kommt, wenn es um die reißerische Naivität geht, an der sich der Plot entlang schwingt.


Der Nervenkitzel ist dabei purer Humbug, aber soll ja auch so. Spartanische Dialoge kommen mit purer Selbstverständlichkeit jenseits ausgefüllter Charaktertiefe zu den obskursten Schlussfolgerungen; realitätsfremde Techniken werden als hilfreiches Wissen gehandelt; erwachsene Männer führen Selbstgespräche, in denen sie das Allgemeinwissen proklamieren, dass Godzilla ja ein Freund von Anguirus sei; ein Inselmonster kann aus kilometerweiter Entfernung durch eine flatterhafte Ballade erweckt werden.


Das sind nur einige Beispiele jenes selbstgefälligen und einladenden Kosmos, den Fukuda mit Spaß und Heiterkeit entfaltet. Mit Samthandschuhen agiert er dabei allerdings auch nicht: Wo schon die Gefechte unter Menschen und schrulligen Aliens mit spritzendem Kunstblut, Foltermethoden und anderen peppigen Mordvarianten aufwarten, gehen die Monster in den Kostümen erst recht aufs Ganze - ohne sich zulange aneinander aufzuhalten. Der oftmals an sichtlichen Fäden gezogene King Kong/Mechagodzilla reißt Anguirus schon das Maul auseinander, worauf auch Vorbild Godzilla im Zweikampf ordentlich ausbluten darf.


Im Anschluss jedoch sammelt dieser aus irgendeinem Grund die Kraft von mythischen Blitzen ein und kann Köpfe verdrehen, bis selbst der oft angekündigte, aber etwas unnütze King Shi-Saar vor Ehrfurcht nur noch das Feld räumen kann. Alles nun mal abwegige Erscheinungen einer Kinoära, in welcher die Unschuld viele Möglichkeiten offen ließ und stets abseits des Alltags zum Fantasieren motivierte. Eskapistische Ambitionen wie diese versprühen noch immer eine Schönheit, die auf schrabbeligen 35mm-Kopien lebendiger wirkt als manch witzlose Ansprüche der Wirklichkeit - zumindest ab und zu sollte man sich das gönnen dürfen.




ROCK 'N' ROLL HIGH SCHOOL - Vielleicht der konsequenteste Film, wenn es darum geht, den Geist der Jugend gegen den Schulapparat gewinnen zu lassen - und das auf eine Art, welche durchweg drollig wie ungestüm daher kommt. An der Vince Lombardi High School, welche Allan Arkush und Joe Dante entwerfen, ist der Powerchord nämlich schon der König auf dem Schulhof, bevor die totalitäre Rektorin Togar (Mary Woronov) ein gleichsam plakatives Regiment aufzieht. Die Kontraste sind hier auf beiden Seiten grell und comichaft, weshalb die „Rock 'n' Roll High School“ zu einem Irrsinn einlädt, der fernab der Realität, nicht jedoch der Menschenkenntnis agiert und somit exakt einfängt, wie Aufmüpfigkeit in der Adoleszenz beglücken kann.


Dabei ist dramaturgisch, abgesehen vom ständigen Kampf zwischen Schüler und Lehrkörper, nicht allzu viel gegeben - der Drang nach musikalischer Ekstase, kindlicher Unschuld und einem Stück von der süßen ersten Liebe lassen dennoch empathisch mitziehen, während der verhonkte Reigen an Looney-Tunes-Situationskomiken mit permanenter Überspitzung entzückt. Jede Unterrichtsstunde wird da sofort mit lautem Missmut quittiert; erst die ruppig befreienden Töne der Ramones bringen Leben in die Bude, bis die Pulte krachen und Pauker machtlos keifen. An vorderster Spitze der flotten Rebellion: Die spitzenmäßige Riff Randell (P.J. Soles) und ihre ebenso niedliche Mauerblümchen-Kumpanin Kate Rambeau (Dey Young). Wie in vielen solchen Filmen geht es auch ihnen um die Errungenschaft einer Jugendromanze, doch der vordergründige Beau Tom Roberts (Vincent van Patten) ist selbst als populärer Boy der planloseste Sehnsuchtssympath.


Ohnehin überrascht der Film mit einer abwegigen Unförmigkeit, die wahrscheinlich aufgrund des Roger-Corman-Budgets manchmal nicht weiß, wo es langgeht, aber dennoch entschiedenes Gaga-Kino für Junge und Junggebliebene betreibt. So träumt Riff neben ihrer Schwärmerei für (ausgerechnet) Joey Ramone davon, Songs für dessen Band zu schreiben - was so in etwa die niedrigste Ambition ist, die man im Musikbusiness haben könnte; zudem noch mit Notenblättern in der Tasche, die jene Pizza mampfenden Punks eh nicht lesen könnten. Da kommen natürlich poppig-dusselige Begegnungen und Tagträume zusammen, die vor allem die naiven Wünsche des Zuschauers erfüllen, aber mit einer Energie zuschlagen, bei der schlicht alles erlaubt ist - vor allem, wenn es um Mäuse geht.


Hier lässt sich wahrhaftig nichts ernst nehmen, aber es darf sich durchweg vergnügt gewundert werden, welch überschwänglicher B-Movie-Quatsch als nächstes mit ehrlicher Unbedarftheit eintritt. Das mündet dann logischerweise nicht erst zum Schluss hin in eine blanke Anarchie, die in bunter Montur und mit dem Geist des Rock 'n' Roll in der Luft regelrecht infantilen Terrorismus der hämischsten Sorte anzettelt, ohne selbst nur einen Funken moralische Festigkeit beim Zuschauer übrig lassen zu wollen. Es geht drunter und drüber und ist selbst von anderen Vertretern des Genres rotzig abgekapselt. Auf jeden Fall eine nicht nur musikalisch erquickende Wiederentdeckung wert.




STAYING ALIVE - Sylvester Stallone entfernt seine Fortsetzung des „Saturday Night Fevers“ von einer halbwegs glaubwürdigen Milieustudie und versetzt den ambivalenten Protagonisten Toni Manero (John Travolta) nun in einen unnachgiebigen Taumel des oberflächlichen Showbusiness. Jedes zweite Szenario, in das er hinein stapft, hält einen neuen ultraplatten 80's Discorock-Track bereit; fordert sofort zum Tanz auf, um alles von ihm abzuverlangen, damit aus der aussichtslosen Karriere doch noch was wird. Die Straßen von New York sind da nur zweckmäßige Verbindungsstücke, lassen höchstens Cameos von Stallone selbst zu, aber ansonsten ist hier das Menschsein eher in körperlicher Ambition gefordert, weshalb Toni sein Ventil in der rücksichtslosen Hoffnung vom Aufstieg und der gleichzeitigen Liebe zu zwei Frauen sucht.


Die eine, Jackie (Cynthia Rhodes), ist dabei die verständnisvolle Unschuld in Person; die andere, Laura (Finola Hughes), der verführerische Star, welcher Toni zum persönlichen Spielball der Lust macht. Für wen er sich entscheidet, bleibt den ganzen Film über die Frage und äußert sich weniger in romantischen Treffen oder Charaktermomenten, sondern spielt sich fast durchweg im Rahmen des Tanzens und der Musik ab. Auf die Dauer weiß nicht nur Toni, wie ihm der Kopf steht - als Zuschauer wird man ebenso vom Schweiß der gemeinsamen Proben und von den funkelnden Lichtern der Großstadt geblendet, während die Spandex-Uniformen sowie Stirnbänder quietschen und sich ihre Träger mit hitzigen Blicken geistig ausziehen und penetrieren. Liebe ist hier ein gefährliches Spiel; in der Fassade des Erfolges aber auch trivial, kindisch und ausbeuterisch.


Aber Toni ist da als maskuliner Underdog so leichtgläubig wie töricht und arrogant - eine überzeugte Erfolgsgeschichte, die eigentlich ständig Fehler macht, wie sie sich auch aus Verzweiflung an die Verlockungen von Fame & Fucking hängt; dabei die Menschen verletzt, die wirklich an ihn glauben und sich dabei ebenso nur mit der Kraft der Musik und des Tanzens ausdrücken können. Stallones dramaturgischer Kindergarten nimmt sich dabei ein gutes Stück zu ernst - doch er macht sein Konzept beeindruckend wett, sobald in der ultimativen Broadway-Aufführung von „Satan's Alley“ alle charakterlichen Verhältnisse innerhalb der Bühnenshow zur Ekstase geführt und als beinahe metaphysisches Schauspiel zwischen Gut und Böse in biblischen Proportionen suggeriert werden.


Dieser vor Rockmusik, Laserlichtern, Nebelschwaden und Rotlicht lüsterne Sinneszerfetzer bringt alle Hormone in Wallung und macht den Ausdruckstanz zur teuflischen Peep-Show. Wenn dieser Film eine Klitoris hätte, würde sie hier auf jeden Fall mit voller Kraft aufgerieben werden und mehrmals hintereinander kommen. So wie sich hier die Hüften ineinander stoßen und im heißen Schnitt- und Kameragewitter zum Pseudo-Sex ihres Lebens ansetzen, wird man schlicht überwältigt. Die Atemlosigkeit muss sich aber dennoch mit einem unentwegten Grinsen abklatschen, wie naiv und vorhersehbar sich alles letztendlich auflöst und sowieso noch eine ziemlich unverschämte Pointe oben drauf setzt.


Stallone macht es eben auch besonders doof, wie sich Manero und Co. ihren Traum erfüllen und dabei durchweg einen persönlichen Ernst vorschieben, der zwischen Macho-Gehabe und bockiger Hilflosigkeit keine rechte Empathie herauf befördert. Doch wer braucht das schon, wenn das Abhotten eben die komplette Macht errungen hat? „Staying Alive“ ist da die manische Verkörperung eines Rhythmus, der unbeeindruckt und doch verschwitzt in die Selbstgefälligkeit hetzt - ein Lebensgefühl ohne Limit und meist blind für echte Gefühle, aber am Ende auch von sich selbst überrascht. Eben einfach „Das große Zappeln“.




GAMERA GEGEN GAOS - FRANKENSTEINS KAMPF DER UNGEHEUER - Regisseur Noriaki Yuasa geleitet Godzilla-Konkurrent Gamera hier erstmals in die Gefilde kinderfreundlicher Unterhaltung; somit wird anhand des jungen Protagonisten Eiichi (Naoyuki Abe) schon früh und in naiver Selbstverständlichkeit eine versöhnliche Verbindung zum Schildkröten-artigen Monsterich geschaffen, die allmählich auch den Erwachsenen einleuchtet. Die hören ohnehin öfter auf das Kind, als auf gesunden Menschenverstand - wie gehabt sind Militär und Wissenschaftler meist ratlos und müssen alles bis zum Erbrechen erklärt bekommen. Eiichi fallen dann immer die besten Ideen ein, die er auch sofort im Kontrollrat mitteilen kann, da er ja einmal auf Gameras Rücken reiten durfte - ein Traum für jedes Kleinkind. Dementsprechend kindisch ist dann auch das restliche Spektakel um eine Monsterschlacht in hügeliger Provinz, bei der man die pappigsten Effekte und Kulissen zu Gesicht bekommt, die kostengünstiger B-Movie-Charme nun mal zulässt.


Der poppig frische Look und die bunte Kinderparade der Miniatur-&-Gummikostüm-Karambolage bilden da ein Gesamtkonzept drolliger Trivialunterhaltung, über die man sich in seliger Retro-Sympathie amüsieren darf. Alles ein bisschen klobig, spekulativ, infantil und mit aufgeregter Frohmütigkeit gestaltet, muss hier nichts anmutig sein. Hier muss es schlicht knallen und einen möglichst einfachen Kampf von Gut gegen Böse abgeben, bei dem Gamera als Freund aller Kinder sogar in telepathischer Verbindung mit diesen steht, während Rivale Gaos als Monster in den Wäldern vor allem nachts herum spukt und in besonders auffälligen Bluescreen-Kompositionen Menschen auffrisst. Neben der ganzen Kurzweiligkeit ist aber auch eine politische Absicht des Ganzen abzusehen. Nicht nur, dass die Erwachsenen einem kleinen Kind, sprich der Zukunft Japans blind vertrauen - auch die Bauern des Dorfes, welches von Gaos unter Beschlag genommen wird, sehen irgendwann ein, dass die heroisch-liberalen Bauarbeiter ihre vorteilhafte Straße durch die Gegend hindurch anfertigen dürfen.


Anfangs leisten die Anwohner ja noch bis zur Sabotage erheblich demonstrativen Widerstand und schmieden Pläne, möglichst viel Geld aus der Sache zu erpressen. Doch das Sinnbild für diese aufhaltende Starrköpfigkeit, Gaos, steht irgendwann derartig thronend über dem Gebiet und ihrer Lebenssicherheit, dass alle zur Verhinderung jener "bleibenden Schäden" zusammenarbeiten. Die Schlauen wissen halt, wie es voran geht und da sind die neunmalklugen Eiichi und Gamera an vorderster Stelle; offenbaren immer wieder neue Arten, den Fiesling aus seiner Höhle zu locken und ihm kontinuierlich den Garaus zu machen. In der Ausübung dieser leider dann doch immer irgendwie fehlschlagenden Ansätze zieht sich der Film zur zweiten Hälfte hin etwas; versucht dies mit slapstickartigen Witzfiguren sowie wissenschaftlichen Idiotentests zu kaschieren.


Dann jedoch zieht er sich wieder mit knalligen Konfrontationen heraus, in denen die Viecher nicht nur Städte und Karren sowie Natur-Geröll zersäbeln, sondern sich zudem gegenseitig blutig zerfleischen - alles in pink und grün, aber abgetrennte Gliedmaßen machen visuell so oder so einen bleibenden Eindruck. Hier gibt es nun mal klotzige und primitive Schauwerte am laufenden Band, aber für einen Kinderfilm ist das ein liebenswert ausgelassener Stumpfsinn, den jeder Kaiju-Fan bis zu einem gewissen Grad genießen dürfte. Bei allen anderen Zuschauergruppen bin ich mir nicht so sicher.




ANGEL - Diese Milieu-Exploitation von Sleaze-Regisseur Robert Vincent O'Neill führt den Zuschauer durch eine uneinige Achterbahn der Emotionen und Stimmungen, welche innerhalb von knapp neunzig Minuten zwischen Prostitutions-Thriller, Schuldrama, Psychohorror und Straßenkünstler-Räudenhumor auf dem per Handkamera abgewickelten Hollywood Boulevard wechselt, als wollte sich das Drehbuch unbedingt für David Lynch anbieten. Die fünfzehn-jährige Schülerin Molly (Donna Wilkens) verdient sich nämlich nachts als Bordsteinschwalbe Angel ihre Kohlen und unterhält dabei mehrere abgeklärte Freundschaften mit den obskuren und liebenswerten Gesichtern der Nacht, ehe ein (lachhaft-plakativ stilisierter) Serienkiller (John Diehl) sein Unwesen treibt und Angels Kollegen nekrophil richtet. Die Polizei tappt im Dunkeln und niemand fühlt sich sicher, doch der Zusammenhalt des Milieus stützt sich gegenseitig auf, während alle so gut es geht mitmachen, den Fall aufzuklären - notfalls auch mit Selbstjustiz.


Für Molly/Angel zieht sich die Schlinge aber allmählich zu, da ihre Gratwanderung zwischen unschuldigem Schulalltag und intensivem Nachtleben nicht unbemerkt bleibt und abseits vom Verständnis ihrer Freunde noch Lieutenant Andrews (Cliff Gorman) auf den Plan ruft. Alle jahrelang aufgebauten Fassaden beginnen zu zerreißen, während die Mordserie auf den Straßen ihren unvermeidlichen Höhepunkt findet. Solch ein wildes Konzept kann durchaus schon allein auf beiden Beinen stehen, doch gerade aufgrund der unterfinanzierten Größenordnung überschreitet Regisseur O'Neill mehr als einmal bereitwillig die Grenzen des guten Geschmacks, ohne sichere narrative Zielrichtungen zu versprechen. Sein Film besitzt eine spekulative wie schamlose Eigendynamik, die sich vergnügt im Genre-Schleim wälzt und dennoch melodramatische Charaktertiefen aufreißt, auf die man schlicht nicht weiß, wie man reagieren soll.


Sein Irrwitz mag ein soziopolitisches Anliegen vom Leben auf der Straße haben, doch die reißerische Geballtheit geht dermaßen in die Vollen, dass ein unterhaltsames wie abstoßendes Kuriosum entsteht. Was sich der Film da vielleicht noch verkneift, sind wahrlich explizite Exzesse von Hardcore-Sex und Splatter-Innereien - stellvertretend dafür sind obligatorisch überflüssige Duschszenen, blutige Klingen und der lebhafte Griff zur Selbstverteidigung per Tussi-Knarre nicht weit weg und ganz dem frechen Charme der Exploitation entlehnt. Dennoch steht über allem ein Tunnelblick der umsorgten Verstörung, der Verdrängung und Entlarvung von verstoßener Mutterliebe, der sich sowohl in Angel als auch im Killer Billy Bob äußert; dem Film somit eine weitere bizarre Note verleiht, die er stolz an seinen ohnehin schon undefinierbaren Mix an Auswüchsen hängt. Das Jahrzehnt der 80er Jahre bringt eben wieder mal unvergleichliche Untiefen im filmischen Kosmos hervor, die man mit besten Willen nicht erklären, nur erleben kann.




GODZILLA - DER DRACHE AUS DEM DSCHUNGEL - Kaijus greifen Japan an - wie oft man sich derartige Filmstoffe anschauen kann, ohne von der Langeweile gepackt zu werden, ist jedem selbst überlassen. Dennoch dürfte Shigeo Tanakas Eintrag in die Gamera-Reihe der Firma Daiei selbst alteingesessenen Fans ein Grinsen hervorzaubern - und nicht etwa, weil sein Film besonders gut ist. Denn am Standard des gängigen Genre-Prozederes wird nicht gerüttelt, dafür macht zur Abwechslung mal das menschliche Ensemble mehr Laune als die destruktiven Monstren, weil dessen Motivationen und Entscheidungen von knuddeliger und gleichsam ruppiger Schwachsinnigkeit sind. Nach einem fast schon obligatorischen Intro, in welchem Gamera (in der deutschen Fassung Barugon oder zumindest eine Variation davon genannt) mit Energie-absorbierender Zerstörung auf die Erde zurückkehrt und im Folgenden für knapp vierzig Minuten Laufzeit vergessen wird, entschließt sich Pilot Keisuke Hirata (Kojiro Hongo) dazu, seinen Job aufzugeben, da er eine eigene Fluggesellschaft gründen will.


Dafür braucht er aber Asche und so folgt er dem Vorschlag seines Bruders, mit einigen Halsabschneidern auf eine Insel in Guinea zu stranden, in deren Höhlen ein überaus wertvolles Opal aus dem zweiten Weltkrieg lagern soll. Plakative wie hübsche Inselbewohner, Fledermäuse an Drahtseilen und tödliche Skorpione sollten da schon üble Vorzeichen geben, doch die schwitzigen Macho-Kerle aus der rücksichtslosen Zivilisation geben mit vorlauten Sprüchen Gas und sprengen sich zum Eigennutz gegenseitig in die Luft. Doch wie es schon bei King Kong war, bringt auch hier Mitgebrachtes von mysteriösem Ursprung reichlich Trubel in die urbane Zone, denn aus dem Opal schlüpft niemand Geringeres als Barugon (in der deutschen Fassung als Godschilla ausgerufen)! Die Gier von Keisukes Kollegen Onodera (Kôji Fujiyama) kennt dennoch kein Halten: Ohne Opal schlägt er Krüppel und Frauen nieder, verbrennt deren Wohnungen und will sich sogar als Ersatz den Diamanten schnappen, mit dem das Militär im späteren Verlauf des Films Barugon zu besiegen gedenkt - wie sich letzteres erklärt, solltet ihr werten Leser lieber auf eigene Faust herausfinden.


Was nämlich als Konfliktlösung gegen die haushohen Ungeheuer konzentriert wird (unter originellen Namen wie "Operation Diamant" und "Operation Regenbogen"), steht im harmonisch-verballerten Verhältnis zu deren obskuren Fähigkeiten voller Eisstrahlen und Regenbogen (!). Gleichzeitig verfolgt der Film aber besonders aufgeregt jene parallelisierende Charakterentwicklung von der Ambivalenz zwischen Gut und Böse, die sich sowohl an Keisukes Zweifeln zu seinem ungerechten Handeln abzeichnet wie auch an der Funktion Gameras, letztendlich aus Instinkt und Rachedurst zum unfreiwilligen (?) Retter der Menschheit zu werden. Die Wiedergutmachung kommt für beide natürlich aus naiver Genre-Logik, aber das umfasst ja ohnehin den gesamten Fluss des Films, wie auch sein Lager an ehrlichen wie doofen Trivialdialogen durchweg käsige B-Movie-Unterhaltung aufbietet und jedes hohe Tier so dumm macht, dass alles doppelt und dreifach erklärt werden muss. Und Monster in Gummianzügen, zusammen mit schicker Pyrotechnik und einer Menge lila Blut (im Flusswasser vermischt den "Lost River" vorwegnehmend) machen noch immer Spaß - wie schön für mich!




RAN AN DIE BRAUT - Tommy O'Haver nimmt mit seiner indirekten Umwandlung des Shakespeare-Evergreens „Ein Sommernachtstraum“ schon ein bisschen die Stilistik vorweg, die er in „Ella - verflixt und zauberhaft“ anwendete: Das verulkte Teenie-Alltagsleiden in ausgiebiger Tanz- und Gesangslaune, wobei sich die phantastischen Elemente hier eher in Tagträumen veräußerlichen und einen Zauberwald vom Schlage Ridley Scotts „Legende“ zur Konzentration des eigentlichen Figurenkonflikts gebraucht. An der realistischen Oberfläche rast dieses nämlich recht selbstbewusst durch die Mechanismen des High-School-Frusts anhand von Protagonist Berke Landers (Ben Foster), der jüngst von seiner Freundin Allison verlassen wurde und nun versucht, ihr Herz durch seine Beteiligung am Schul-Musical zurückzugewinnen sowie von Boygroup-Mitglied Striker (Shane West) loszureißen.


Dabei sieht er natürlich nicht, dass die Schwester seines besten Freundes Felix (Colin Hanks), Kelly (Kirsten Dunst), eher mit ihm anbandeln möchte und dennoch selbstlos dabei mitmacht, Berke bei der Wiedervereinigung mit Allison zu helfen. Dramaturgisch simpel, macht sich der Film schon einen gewissen freimütigen Spaß aus seinem Narrativ und unterfüttert dieses mit einer humoristischen Abgeklärtheit, die den emotionalen Nukleus eher in parodistischen Pop einwickelt und somit dem Ganzen gegenüber eine lockere Perspektive einnimmt. Spitzen der ausgelassenen Farce findet „Ran an die Braut“ sodann in Martin Shorts exaltierenden Schultheaterregisseur Dr. Oates oder aber auch in der überaus destruktiv-tollpatschigen Dora Lynn Tisdale (Kylie Bax).


Ausgelassene Quatschköpfe wie Sisqó und ein bewusst comichaftes Spiel der Liebschaften, vor allem durch den genüsslich intriganten Shane West, geben dem unnachgiebigen Lustspiel angenehm freche Töne, ohne dass der Film trotz alledem seine innere Spannung hintergeht. Gegen Ende löst sich das Ganze sodann auch weniger im privaten Rahmen auf, sondern in der Verknüpfung mit der Metaebene der Theateraufführung - welche dafür ohnehin freimütig modifiziert wird und für die individuelle Katharsis jeden Spaß mitmacht. Der etwas andere Jugendspaß, natürlich von Charakterfressen in den Nebenrollen bevölkert, die heute so manche Blockbuster anführen und dennoch selten so spritzig agieren durften wie hier.




FREUNDINNEN - Es dauert echt eine ganz angenehme, doch repetitive Weile, bis Garry Marshall mit seiner Geschichte über das Auf und Ab einer Freundschaft voller Streitigkeiten, Süßigkeiten, Männergeschichten, Erfolgsgeschichten, Enttäuschungen, Glückseligkeiten, langen Musicalnummern, Rückblicken auf die Vergangenheit und Briefkorrespondenzen endlich zu einem dramaturgisch fesselnden Schicksalsschlag kommt und eben das Melodram aufbricht, dass er den ganzen Film über hätte zeigen sollen. Alles nur, damit sich die großartig-kitschige und emotional-effektive Montage zu Bette Midlers "Wind beneath my wings" zum Tearjerker deluxe auftürmen darf (hier nochmal für alle Fans: https://www.youtube.com/watch?v=yIw2Q5bYEgo). Alles ein Stück zu berechenbar, in den Dialogen eher cleverer Drehbuchrealität folgend, teilweise manipulativ as fuck und mit gehörigem Leerlauf zwei Stunden durchackernd, lohnt sich der Besuch der "Beaches" dann doch irgendwo. Für wahrhaft einvernehmende Frauenfilme kann man aber eher auf Werke von Edmund Goulding bis hin zu Lars von Trier zurückgreifen; Garry Marshall macht in dem Genre immerhin keine groben Fehler, holt sogar einfühlsame Performances aus seinem Pärchen heraus, aber in der Gesamtgestaltung nicht allzu viel Besonderes. Für ein Guilty Pleasure etwas bieder, aber auch nicht wirklich doof - lässt sich eben locker nebenbei weggucken.


 

BIG GAME - "[...] Größtenteils nur normal und so genügsam in der eigenen Komfortzone verortet, dass jede Charakter- und Handlungsentwicklung schon dadurch stimmig wird, dass alles aufgrund der einladenden und schnell erklärten Prämisse eben wirklich ganz schlicht gehalten werden kann (und wird). Für manche ist das vielleicht erfrischend einfach, aber darin komischerweise ab und an wieder nicht ehrlich genug. [...] Die Erfahrung dessen bereut man dennoch nicht, dringt der Film doch gegen Ende hin noch in die anarchische Freimütigkeit des Schwachsinns vor, die er durchweg verspricht, aber respektvoll zurückhält. Viele Erwartungen erfüllen sich dabei für eine Erzählung, deren Charaktere und den Zuschauer in einem vergnügten Selbstverständnis aufrechter Trivialunterhaltung. [...]"



(Die komplette Kritik gibt es auf CEREALITY.NET zu lesen.)




A WORLD BEYOND - Brad Bird und Damon Lindelof glauben, eine Renaissance des Blockbuster-Kinos anzuführen, bei der Spaß und Vorstellungskraft im Zentrum stehen, statt jene ausgelutschten Formeln explosiver Weltzerstörungsfantasien, wie wir sie heute zuhauf sehen - und anfangs scheint es den Beiden mit einer behutsamen Einführung zu neuen Welten zu gelingen. Durchweg geheimnisvoll lockend, wird dies allmählich flotter und mit jenem „sense of wonderment“ ausgestattet, den Steven Spielberg einst zur allgemeinen Unterhaltung anwendete. Ehe es aber wirklich losgehen kann, entpuppt sich dieses Intro mit seinem jungen Protagonisten lediglich als Rückblende und so muss im Folgenden noch die eigentliche Protagonistin, Casey Newton (Britt Robertson), etabliert werden. Die will ihrem Nachnamen gerecht werden und besitzt daher einen fast schon militanten Drang, Forschung und Inspiration durchzusetzen - eine Charakterzeichnung, die mit pointierten Phrasen und Reden für offensichtliche Vorahnungen ihres kommenden Weges sorgt; ungefähr so subtil, wie man es der etwas jüngeren Zielgruppe zutraut, obwohl Frau Robertson nicht wirklich in diesen geradezu kindlichen Rollentypus passt.


Sei es drum, Birds Regie findet immerzu virtuose Verknüpfungsarten und ambitionierte Frische, selbst wenn an ihr das austauschbarste Familien- und Schulleben sowie das gängige Narrativ vom Entdecken des Unglaublichen geübt wird. Das Problem ist allerdings das schleppende Drehbuch, das sich in seiner Episodenhaftigkeit eher als Fernsehserie eignen dürfte. Was man sich nämlich als Zuschauer am Ehesten wünscht, die Rückkehr ins berüchtigte Tomorrowland, wird soweit hinausgezögert, dass die letztendliche Offenbarung des Zustandes jenes Ortes nicht mehr so prägnant einschlägt, da der Kontrast zu den Eindrücken vom Anfang (also jene des Spaßes sowie der Entdeckungs- und Forschungsfreude) zu weit zurückliegt. Bis dahin versucht der Film anhand von Gags, Explosionen und irren Umkehrungen der Realität wahrlich sein Bestes, knapp neunzig Minuten lang den Unterhaltungspegel zu halten, ehe es lediglich in den letzten dreißig (?) Minuten dahin geht, wo der Cutter dieses Films, Walter Murch, mit seiner Regiearbeit „Oz - Eine phantastische Welt“ (1985) bereits vor dem zweiten Akt ankam. Nun ja, vielleicht lernt man in der Zeit die Charaktere kennen. Schön wär's. Die bleiben alle in ihrer Eintönigkeit stecken und dürfen höchstens aufgeschrieben clevere (nicht witzige) Wortgefechte sowie Steilvorlagen für die Thesen des Films abliefern, die dennoch der steten Einkehr immer aberwitzigerer Techniken, Begriffe und Kulissen hilflos ausgeliefert sind.


Da wird es schon einigermaßen repetitiv - zumal der angedachten Originalität nicht wirklich geholfen wird, wenn man problemlos Vorbilder wie das Werk Spielbergs, „Terminator“, „Matrix“ und ferner „Alice im Wunderland“ wiedererkennt. Kein Wunder, dass sich eine der euphorischsten Szenen in einem Nostalgie-Artikel-Laden abspielt, der reichlich Tie-In-Möglichkeiten zu Disneys „Star Wars“ sowie „Die Unglaublichen“ und „Der Gigant aus dem All“ (beide von Brad Bird) hervorruft. Früher war alles besser, nicht wahr, nicht wahr?! Hier und da wird aber neben dem vorgepredigten Drang zur Entdeckung und Begeisterung (George Clooney meint als ausgestoßener Protegé von einst, Frank, einige Male frustriert zu Casey, sie solle doch gefälligst ihre Vorstellungskraft nutzen) auf gewisse Ansätze eines Geheimnisses hingedeutet, das einen starken Payoff hergeben sollte, jedoch nie wirklich erfüllt wird. Leichter Spoiler: Es geht unter anderem um Franks enttäuschte und doch ungebrochene Liebe zu einem Robotermädchen, das er seit seiner Kindheit kennt, welches aber nie altern konnte - alles etwas zu sehr Pädo-Fetisch, als eine nennenswerte Erweiterung zum gegenwärtigen Topos "künstliche Intelligenz", wie er gerade dieses Jahr schon zu Genüge durchgekaut wurde („Chappie“, „Ex Machina“, „Avengers: Age of Ultron“, demnächst „Terminator: Genisys“, etc.).


Das ist eben auch ein befremdlicher Umstand des Films: Wie sich anhand nicht allzu unterschwelliger Reden und charakterlicher Mentalitäten herausstellt, legt er einen übermäßigen Wert darauf, eine Antithese zum derzeitigen Kino und dessen Gefälligkeit zur Apokalypse zu sein; trotzdem greift er noch auf die dramaturgischen Einfältigkeiten zurück, die gerade DAS ausmachen: Ein Showdown-Fight mit dem Menschheits-verdammenden Cyborg-Bösewicht; die Explosion eines großen Gebäudes/Doomsday-Machine; die eventuelle Erkenntnis, als Team zusammenzuarbeiten; der desillusionierte Insider aus der Vergangenheit, der auf dem Weg seinen Glauben an das Gute wieder erringt, etc., etc. Diese „mixed signals“ des Films sind ein schizophrener Krampf, wie er auch schon nicht damit zurechtkommt, seiner Botschaft ins Gesicht sehen zu können und anstelle dessen das trockene Prozedere zwischendurch beackert - wo er für sich rein gar nichts findet, außer die redundante Indoktrination, dass wir Menschen unseren gegenwärtigen Zustand besser hinkriegen könnten. Wie? Na durch positives Denken natürlich. Zumindest das lässt sich als konzentriertes Statement der Zwei-Stunden-Plus-Chose mitnehmen, alles andere bleibt unausgegoren im Raum stehen. Den Charakteren ergeht es ebenso, sind sie doch ungewisse Missionare für die Vision Birds und Lindelofs, ein Übergangswerk zu einem besseren und frischeren Kino herzustellen.


Dass dieses hier zum Schluss hin in seiner glattgebügelten Disney-Fassung nur gemäßigte und hochintelligente Persönlichkeiten aufnimmt und sich wie ein elitäres Netz über die Welt spannt, macht allerdings nicht nur ein bisschen Angst, sondern hält sich in seiner Aussicht so vage, wie schon der Weg dahin keine erhellenden Erkenntnisse oder Emotionen hervorbrachte - höchstens kurzweilige, aber nicht allzu einnehmende Unterhaltung. „A World Beyond“ ist letztlich mehr Leerlauf, denn ein wirklicher Film - seine Ambition deckt sich schlicht nicht mit der Umsetzung, die sich noch an stumpfen Klischees und kurz gegriffenen Charakterisierungen entlanghangelt, als müsse sie daran beweisen, wie schlecht es ums moderne Hollywood steht. Dabei ist zum Beispiel ausgrechnet der postapokalyptische „Mad Max: Fury Road“ jüngst mühelos und erfolgreich an solch einem Kulturpessimismus vorbeigefahren - selbst Tommorowland besitzt nun mal nicht jene Visionäre, die es verdient.