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Sonntag, 21. Januar 2018

Tipps vom 15.01. - 21.01.2018


Liebe Leser,

ja is doch Bombe! John Carpenter feierte am 16. seinen 70. Geburtstag, David Lynch am 20. seinen 72. und das nächste Glück folgt sogleich: Es gibt auch diese Woche eine neue Reihe an Tipps und auch wenn ich mit deren Formatierung noch das eine oder andere Hühnchen zu rupfen habe (allen voran, da die Youtube-Zahlen von letzter Woche sehr unterirdisch in die Röhre schauen, quasi unter 10 Klicks): Sei's drum! Es geht weiter auf zweifachem Wege, via leserlicher Handschrift und Videoversion zum Anhören. Hilft mir ja auch, sich doppelt abzusichern, insbesondere darin, was man vielleicht noch immer falsch macht. Zum Beispiel: Ausgerechnet das Wort 'Fixierung' hat es in hiesiger Kollektion an die 3-mal reingeschafft - da will man schon originell sein und macht dann gerade in der Konzentration Abstriche. Was ich ja auch festgestellt hatte: Letztes Mal war die Bonussektion überraschend reich ausgefallen und gefiel mir textlich fast schon besser als die Haupttipps. Irgendwie muss es doch eine Synergie zwischen all diesen Ansätzen geben - hmm, ich wünschte, ich hätte die schon raus. Bis dahin gilt wohl erstmal noch die jüngst angefangene neue Staffel „Ich bin ein Star, holt mich hier raus“ durchzuscannen - oder zumindest die Übertragung vom Bayrischen Filmpreis, die via 3sat erheblich bieder-ernüchtern konnte, was in hiesiger Branche grade vom Lob heimgesucht wird (toll dagegen, wie die Preisträger darauf reagierten, wer ihnen die Preise übergab). Aber jetzt doch noch was Wesentliches zum Thema aus meiner Privatwelt: Ich war wieder in der Bücherhalle in Hamburg zugegen, ausgerechnet am einzigen Tag, der hier Schnee(matsch) aufs Asphalt brachte. Ganze 10 Scheiben konnte ich wieder für mich ergreifen und einige von denen sind nun schon als Topkandidaten vertreten. Bewundert mich! Impressionen aus jener Ära:

Ein Beitrag geteilt von Christian Witte (@wonderwitte) am

Wie kann man das noch steigern? Ganz einfach, indem ich die Einleitung hier allmählich abbaue und mit den Filmtipps anfange! Du, es sind einige bekannte Künstler wieder am Start, gleich bei dem ersten wollte ich dann doch einiges seit langem mal gerade rücken (bei der letzten offiziellen Erwähnung seinerseits war ich weniger nett) und einen zurückkehrenden Kandidaten hatte ich letzte Woche erst für mich entdeckt. Gebt euch die Sondierungs-Papers:


(Rudolf Thome, 1994)

(Kazuhiko Yamaguchi, 1970)

(S.S. Rajamouli, 2015)

(Bret McCormick, 1986)

(Steven Quale, 2017)

Obacht, hier kommt die Videofassung, ihr Königstiger/innen:



Ich hatte die Woche über noch einige mehr oder weniger empfehlenswerte Filmbeispiele auf der Pfanne, aber eine bestimmte Konstellation dazu muss ich euch genauer erklären und das wird vielleicht NOCH spannender als die Bonussektion von letzter Woche, also: Ich hatte das ne Zeitlang irgendwie in den Knochen und zudem Stück für Stück mit Hentschel besprochen, nun doch endlich Es, also die Neuverfilmung von dem hier über die Bühne zu bringen, aber wie so oft mit modernen Horrorfilmen hab ich mich was schwer getan! Den Streifen wollte ich nichmal im Kino sehen, weil man den Jumpscares da so schlecht entkommen kann - und es ist halt absehbar und zum Kotzen, dass das Genre mit dem Stilmittel knapp 90% des jeweiligen Narrativs ausmachen kann bzw. mich frustriert. Allerdings lenkte mich was in diesem Kosmos, nun eine Handvoll Bilder von den ganzen grotesken Kreaturen des Films zu finden - und schon war es geschehen: Da wollte ich mich überwinden, denn die sahen gruseliger aus als jedweder Jumpscare. Das ist schon mal ein Anfang! Sollte es sich bewahrheiten, dass man mitreden könne? Nun, ich habe mir den Film für einen möglichst hellen Nachmittag aufgehoben, also den am Freitag, weil's früher nicht ging. Da passierte ja zuvor was: Ich hatte eine weitere Nachholung zu meistern, nämlich Christian Petzolds Barbara, der hier bestimmt schon seit 4 Jahren rumliegt. Nun, Nina Hoss bzw. ihre Rolle wird die Erinnerungen bestimmt nicht los, wie lange sie nicht nur auf meinem Fernsehtisch, sondern auch im DDR-Knast verweilen musste. Der Schatten dessen ist im ganzen Film zu spüren, welcher Bürger und Bürgerinnen dem damaligen Staat gemäß in theoretischer Freiheit/Intimität beobachtet, auf dass untereinander durchweg manierliche Subtilität herrscht. Ganz bezeichnend für einen Film, der sich inhaltlich und inszenatorisch damit beschäftigt, wie man jemandem etwas beibringt - vor allem, wenn dieses unter Strafe steht. Offene Geheimnisse trägt der Petzold also undramatisch in der Suggestion voran - und das ist halt gut, aber vielleicht nicht komplett ergiebig, viel daraus zu entwickeln, außer wie unsere Protagonistin lernt, Menschen vor Ort helfen zu wollen statt zu fliehen. Eine ganz ambivalente Aufwärmphase. Da ist mir zum Schluss hin auch ein kleines Gedicht eingefallen:

So, der Punkt an der Sache ist aber derjenige, dass Ronald Zehrfeld dieses räudige Anatomie-Bild Rembrandts bei sich im Büro hängen hat und das dann noch anhand von Nahaufnahmen durcherklärt. Bäh, das mit der Hand ohne Haut, da schüttelt's mich. Aber pass auf, Lesermensch: Einen Tag später sollte sich dieses Bild als Omen erfüllen, da ich mich entschloss, noch eine weitere neue Stephen-King-Verfilmung vorzuschieben. Es handelt sich natürlich um Das Spiel aka Gerald's Game. Wie genau der Film letztendlich mit der Rembrandt-Impression zusammenhängt, möchte ich lieber nicht offenbaren, da es sich als absolut schreckenerregendes Trauma angehangen hat, das man besser nicht erleben will. Regisseur Mike Flanagan schafft es in dem Moment, den Schmerz seiner Hauptfigur so prekär wie es nur geht zu vermitteln, jedenfalls mehr als ihm sein Kammerstück an Vergangenheits-/Gegenwartsbewältigung im Vorn- und Nachhinein möglich ist. Als glattes Spannungsstück ist der Film ja auch nicht schiefgegangen - die inner-psychologischen Spielereien Kings sind nun mal irgendwie ziemlich doof. Oder sie reichen halt für eine Kurzgeschichte, die Carla Gucino und Co. in eine kitschige wie unausgegorene Endphase der Sonnenfinsternis-Symbolik/Katharsis tragen müssen, während nicht nur deren Angekettet-Sein an „127 Hours“ erinnert. Das Unbehagen gegenüber Pedo-Dad-Kindheitserinnerungen ist da auch so ein Punkt, der effektiv eingesetzt ist, aber in seiner gut gehandhabten Austauschbarkeit nur bedingt nachhallt. Ganz im Gegensatz zu dem einen Moment. Und wo gab's einen letzten Endes bei Es? Hmm, unter Umständen am Ende. Es war kein gruseliger oder ekliger, aber halt der innigste Stichpunkt einer Sommerbegegnung im Kollektiv, die zeitgleich Abschied von der Hilflosigkeit des Kindseins ist. Allerdings ist's echt eines der wenigen Elemente, die der Film für sich selbst zielsicher treffen kann - ansonsten umgibt er sich in eher mechanischer Amblin-Hommage mit dem, was sich Nostalgie und Angst schimpfen ließe (Tiefpunkt: Die Szene, in der Henry Bowers per Steinwurf gedemütigt wird). Da können die Kids noch so derbe untereinander juxen: Das Drumherum bestimmt jede Richtung ihrerseits ins stets beliebig inszenierte Gruselkabinett der Schockerfratzen, drängt einem geradezu nervös Retro-Popkultur auf und kommt auch charakterbezogen - bei den Vorlagen! - eben nur selten über Genre-Stereotypen hinaus. Man will doch nicht zu viel riskieren, obwohl eine höhere Altersfreigabe als die des TV-Zweiteilers bedient wird.

Tja, das ist nun also die ganze Geschichte dazu - es kam natürlich noch zu anderen Sichtungen im Verlauf der letzten 7 Tage: Ich hatte versucht, Maniacs - Die Horrorbande nach all den Jahren wieder was abzugewinnen, nachdem Siegfried Bendix mir von seinen jüngst ernüchternden Erfahrungen zum Film erzählte - die Auffrischung der Erinnerung meinerseits hat wiederum auch nicht viel zum Sinneswandel beigetragen, aber die netten Ideen der High-School-Patchwork-Clique zwischendrin glitzerten mir in HD fast ein bisschen Euphorie vor, ehe das Finale auf 30 Minuten gestreckt wurde. Dasselbe könnte man beinahe über Popstar: Never stop never stopping sagen, nur dass die Lonely-Island-Mockumentary im Sekundentakt mit Gags an mir vorbei schoss, die allesamt semi-clever auf ein Nix an verballhorntem Reunion-Pathos zusteuerte. Etwas fantasielos, aber auch wieder nur das, was man erwartet hat, also tut's keinem weh. Im berüchtigt geheimnisvollen Filmclub gab es nach langem erbitterten Hin und Her Hierankl - ein Versuch, anhand deutschen Arthouse-Topcasts aufbrausenden wie psychologischen Heimatfilm anno 2003 miteinander zu verkuppeln, was gleichermaßen in drübberen Eskalationen und naturalistischer Trivialgestik ausartet. Die Zitatkunst Josef Bierbichlers sollte man sich jedenfalls nicht entgehen lassen und Barbara Sukowa spielt ihre vielleicht beste Kristina Söderbaum. Ansonsten zeugt das an einem Wochenende ausgebadete Ballungsgebiet gelebter Lügen von eher spekulativer Erfahrungsdichte.




Wenn ich jetzt raten müsste, würde ich behaupten, dass wir am Ende des dieswöchigen Blogeintrags angekommen sind. Ach ja, was kommt denn dann nächstes Mal auf uns zu? Nun, einige Sachen aus der Bücherhalle werden garantiert noch abgearbeitet, ebenso der Fundus an zig weiteren #Japanuary-Kandidaten, die vor Monatsende noch ihren jeweiligen Zettel erhalten müssen. Gleich zu Anfang der Woche gibt's zudem wieder einen Minifilmabend, bevor sich der nächste große allmählich ankündigt. Wer weiß, was da alles laufen und hier eventuell besprochen wird? Mindestens zwei Leute und einer davon bin ich höchstselbst! Ich hoffe, ihr da draußen seid dann ebenso wieder dabei und fleißig am Lesen, bis dahin wünsche ich allesamt eine tolle Zeit, viel Gesundheit und wenig Geldsorgen - ist ja das wichtigste in dieser Gesellschaft, immer einen Job zu haben, da freuen sich auch die Leute in der Werbung ständigst. Ciao!

Sonntag, 14. Januar 2018

Tipps vom 08.01. - 14.01.2018


Liebe Leser,

nun schau mal einer an, ich habe seit langem mal wieder einen neuen Post innerhalb einer Woche nach dem letzten zusammengekriegt. Unglaublich, dass ich mir das selbst beweisen musste, aber in diesem Fall klappte es vor allem dank meiner neuesten Methodik, jede Filmbesprechung auf eine reguläre Notizseite zu beschränken - handschriftlich wohlgemerkt, damit sich nicht so viel im Nachhinein verändern ließe. Das hat doch Potenzial für die Zukunft, newa? Mir ist natürlich bewusst, dass es noch eine abgespeckte Version von dem ist, wie es zu manch anderen Zeiten hier abging, ich hoffe, dass ich da nicht euren guten Willen mit überstrapaziere. Aber nichtsdestotrotz, bevor wir uns den jüngst versammelten Empfehlungen widmen, möchte ich noch einige Bonusmaterialien erwähnen, welche ich über die Tage besonders genossen habe. In erster Instanz sei da der Audiokommentar Mike Siegels (der Mann, der immer frägt sagt) auf der neuen Blu-Ray zu Sergio Corbuccis „Leichen pflastern seinen Weg“ genannt, welcher sich recht gemütlich dem technischen Know-How und biographischen Einzelheiten jener Produktion widmet, freimütig oft ins Detail geht und den Kern damit umso größer schürt, bis dann auch noch pralle Zitate die Schnüre legen. Es zeigt sich eine ganz bescheiden agierende Liebe zum Sujet (selbst der Hinweis auf Filmfehler ist eine sehr versöhnliche Angelegenheit), gepaart mit der richtigen Portion „Ich finde es scheiße, dass...“, die ich mir dann auch spontan zur vollen Länge gab. Und dass die Abtastung einer zeitbedingt verranzten 35mm-Kopie des Films ebenso an Bord ist, stimmt umso froher.


An zweiter Stelle möchte ich sodann das Bonusmaterial der 3. Staffel „Twin Peaks“ hervorheben, an dem man gut und gerne den ganzen Tag aufopfern mag, so wie sich die Behind-the-Scenes-Impressionen des Jason S. zu knapp 5 Stunden ballen. Der Rahmen dazu gibt sich als außerweltliche Fly-on-the-Wall, was entgegen bloßen Footage-Abarbeitens einigermaßen gut als Wahrnehmungssubversion/-Obsession gen inszenierten/echten Lebens funktioniert. Ab und an wirkt es auch kitschigst verkopft, wenn es davon ausgeht, dass einem der Kontext zu allem Gezeigtem nicht bekannt wäre. Sehr stark dagegen ist der Eindruck davon, wie David Lynch Regie führt und welch Ekstase selbst dort zu Tage tritt, wie er seine Mitwirkenden in Stimmungen lockt und stürzen lässt. Zum Ende jedes fertig gedrehten Parts gibt es sodann ein Abschiedsritual und man hängt da wie jeder Anwesende mit drin in Geschehen und Emotionen. Größtenteils bleibt dieses Werk vermittelter Transfixion natürlich ein Porträt des Regisseurs an sich und da wird es intim in Überlänge, auch frustrierend bei manch Produktionsumstand. Dann ist man auch mal am Set-Runnen zuhaus, wenn die Erkenntnisse länger auf der Maloche ruhen bleiben - bei aller vorgezeigten Schaffensstärke findet man dennoch ein Gros an Inspiration, kann ich nur empfehlen. Übrigens, es gibt nun auch endlich einen Termin für die deutsche Veröffentlichung der Heimkino-Variante jener Staffel - und zwar der 22. März! Vormerken und nachmerken, jajaja!

Gut, die Geschichten sind durch, nun folgen noch zwei Erlebnisse aus meiner Welt der Träume, welche ich die Woche schon über Twitter geteilt hatte. Danach legen wir aber mit den Filmen los, versprochen - ich möchte die hier nur chronologisieren, damit ich zum Ende des Jahres nicht wieder solange nach ihnen suchen muss:


So, genug der totalen Erinnerung, jetzt kommt das Spektrum an vorbehaltsloser Empfehlung (u.a. geborgen aus dem letzten FILMABEND via Siegfried Bendix sowie dem auf Twitter und Co. stattfindenden #Japanuary) zu euch in Herz und Hirn - möchte ich jedenfalls hoffen. Dabei biete ich wieder zwei Varianten an, wie man sich diese einverleibt - einerseits kann man aufs jeweilige Bild klicken und von dort aus lesen/vergrößern, etc.; andererseits habe ich wieder eine Videovariante produziert, in die ihr unten anklicken und reinlauschen könnt, wie ich die berüchtigten Texte vorlese. Ich bin mit den Formaten noch in der Testphase und kann mir vorstellen, dass sich eins in Zukunft an dieser Stelle durchsetzen wird - oder auch ein ganz anderes? Welches nur? Müsst ihr mir sagen! Schnuppert mal rum, jetzt!^^


(Robert Sigl, 1989)

(?, 1965)

(Tetsuya Yamanouchi, 1966)

(Hideaki Anno & Shinji Higuchi, 2016)

(Karl Hartl, 1937)

(Eckhart Schmidt, 1986)

Und hier haben wir die Videovariante für jeden, der meine enorm idealisierte Handschrift beim besten Willen nicht entziffern kann und sich sowieso wundert, ob sich mein Stoff überhaupt vorlesen lässt:



BONUS! Filme, zu denen ich was zu sagen habe und die es diese Woche nicht in die reguläre Tipp-Sparte geschafft hatten oder halt noch ergänzend hier stehen, weil ich letzten Endes mehr Zeit über hatte:

DIE MÖRDER SIND UNTER UNS (Wolfgang Staudte, 1946)
Hätte ich gerne in längerer Textform empfohlen, da die Nachkriegseindrücke weit kritischer ins Mark gehen als z.B. „...UND ÜBER UNS DER HIMMEL“, doch den tief verwundeten Abgleich aus Nihilismus und Hoffnung erlebt man am besten in seiner Stimmung an sich, als dass ich diese polemisch wiedergeben müsste. Im Endeffekt halt auch trotz aller Kernigkeit wie zeithistorischen Relevanz in der Kontinuität des UFA-Stils angesiedelt, zum Schluss hin zudem etwas daneben gegangen in Sachen mutiger Darstellung (Wozu diese Modellaufnahme z.B.?).

STORM HUNTERS (Steven Quale, 2014)
Ein typisches Prozedere an Katastrophenfilm-Topoi wirbelt als souveränes Spannungsstück durch den Mittelstand Amerikas. Das heißt, dass es reichlichst um Familie geht, aber auch um mediale Reizüberflutung/Ethik, da die Wetterwissenschaft inzwischen Infotainment in allen Klassen hergibt, so wie jene Katastrophen alljährlich die USA heimsuchen. Das Klima zwischenmenschlicher Konflikte löst sich dann auch „San Andreas“ nicht unähnlich in knackigem Hypermelodram auf und bietet Handheld-Bilder an potenziellem Albtraumfutter, was weit mehr fordert als von der Tele5-Prämisse zu erwarten wäre.

HIDE YOUR SMILING FACES (Daniel Patrick Carbone, 2013)
Ach ja, der atmosphärische Konzeptfilm unter 80 Minuten. Man weiß bei dem Genre meistens schon im Voraus, dass man gen Schlussakt die Sekunden runterzählen wird, wann das Werk die Gefühlsprämisse auserzählt hat - und da ist dieses US-Indie-Kintopp nicht allzu verschieden von seinen Epigonen, auch wenn es sich engagiert auf Coming-of-Age-Stationen jener Sorte einstellt, in welcher man Tod und Verlustängste reflektiert. Das ist natürlich künstlich geballter Diskussionsstoff, im bewährten Stil der Stille gebettet, aber zeitweise authentisch im Grusel vorm Inlandselend wandernd. Die Bärenszene gibt aber den Tiefpunkt dessen ab.

DER KLEINE aka DIE STADTWÖLFE (Klaus Lemke, 1983)
Der Münchener Prototyp von Lemkes eigenem „Die Ratte“, wenn man mal davon absieht, dass keine so reißerische Triebkraft wie Thomas Kretschmann zugegen ist. Macht sich sodann naturalistischer auf die Socken, Milieus und Nacht- wie Tagbegegnungen im schnellen Erfolg auf-/untergehen zu lassen. Der Road Runner gibt dazu das perpetuum mobile auf dem Soundtrack, doch der Film kann's nicht lassen, eher strukturorientiert zu agieren, als dass er sich, seine Figuren und deren gewohnt ambivalenten Männermythos aus distanzierter Tristesse hieven kann.

DER INDIANER IM KÜCHENSCHRANK (Frank Oz, 1995)
Da hatte mich die ganze Zeit irritiert, wie doof das Hauptkind immer frontal in die Kamera glotzen musste, ansonsten war der Film ja eine schön innige Seltsamkeit an Buddy-Movie binnen des multikulturellen New Yorks. Per tricktechnischem Zauberkasten werden Grenzen und Möglichkeiten der Freundschaft gelehrt, Respekt und Zeitpunkte des Abstands, zudem es ganz nebenbei noch um die kulturhistorischen Kernsätze/Versäumnisse amerikanischer Simultanheimat geht. Hat sich gefühlsmäßig aber mehr von E.T. abgeschaut, als ihm gut getan hätte.

SKINNER ...LEBEND GEHÄUTET (Mark Herrier, 1991)
Diese Hommage ans Horrorkino der Gimmicks ist beinahe Richtung „Demoni“ oder „Matinee“ unterwegs, als waschechte Liebeserklärung zu begeistern, doch ehrlich gesagt war nur der erste Fake-Film ein Sonderschmaus, während der Rest allzu frustrierend billig abgefrühstückt wurde. Die Phantom-Der-Oper-Variante der Rahmenhandlung hätte eben nur als Gerüst für episodenhafte Topoi-Sammlungen getaugt; sobald sie für sich selbst Nervenkitzel erzeugen soll, kommt die Inspiration zu unentschlossen - mal übernatürlich, mal als Standard-Slasher. Als naives B-Movie ist POPCORN (so der Originaltitel) trotzdem nicht zu verachten.

TIGER, LÖWE, PANTHER (Dominik Graf, 1989)
Eine deutsche Fingerübung, an Woody Allen ranzukommen - hastig in seiner wortgewandten Konfrontation der Neurosen, Mann/Frau enervierend, bittet der Film den Zuschauer also, sich hinten anzustellen. Er muss nämlich jetzt sein Theater durchziehen! Die Hysterie reißt nicht ab, Regisseur Graf bleibt entsprechend flott im Schnitt und scheucht sein Ensemble kultivierter Uneinigkeit mit stets direkten Ansagen ins Amerikanische. Die Erkenntnisse sezierter Beziehungsfragen reichen von Ironie bis Frust, sind aber eher durchstilisiert denn involviert. Kann aber sein, dass an dem Film bewusst eitle Witzfiguren vorgeführt werden sollen - bin mir noch nicht so sicher.

HANNAH TAKES THE STAIRS (Joe Swanberg, 2007)
Mumblecore ohne besondere Vorkommnisse. Greta Gerwig und Mitspieler sind wie so oft bei Swanberg full frontal nude, legen dementsprechend die Seelen offen, wie weit Depressionen zurück bzw. in gegenwärtige Zweisamkeitsdilemmata (gleich 3 hintereinander) reichen. Der Gesprächsstoff dazwischen ist in seiner Beiläufigkeit leider etwas dolle distanziert und mit dem laschen Aufhänger eines TV-Writers-Room ausgestattet, umso lieber hat man die stichfesten Selbstzweifel und Strukturen hemmender Rücksichtnahme, selbst in ihrer eher sporadischen Anwesenheit. 



Huch, warum ist der Bonus nochmal so ein Riesensegment geworden? Na was solls, ich habe geliefert, ihr dürft nun entscheiden: Soll ich den Blog so in Zukunft halten? Braucht ihr bei den regulären Tipps beide Präsentationsformate oder seid ihr mit einer Variante der Empfehlungen zufrieden? Oder soll alles doch wieder so werden, wie es früher schon einmal war? Weiß ich selber grade am wenigsten, so helft mir doch auf die Sprünge, diese Beschäftigungstherapie sinnvoll zu nutzen! Wie immer meine ich es nicht so dramatisch, aber ihr wisst ja: Wer kein Feedback bekommt, wird Katzenfutter. So oder so vielen Dank, dass ihr es wieder bis hierher geschafft habt - solch treue Leser sind auch nach all den Jahren an Blog-Aktivität meinerseits stets sehr geschätzt, kann ich nicht oft genug beteuern. Stellt euch an dieser Stelle ein pochendes Herz vor und man sieht sich dann beim nächsten Mal, wenn nicht sogar zwischendurch wie gehabt auf Facebook, Twitter oder Instagram (jetzt mit Live-Lesungen zu unregelmäßigen Zeiten!).