HER - Liebe mit einem digitalen Geist - ist diese von einem Menschen aus
möglich, wenn die artifizielle Seele des Computersystems auf einer
ungreifbaren Bewusstseinsebene liegt? Erst recht, wenn das artifizielle
Wesen diesen Widerspruch endgültig selbst einsieht und zur bitteren
Wahrheit gelangt, weshalb sie diese sodann durchbrechen bzw. verlassen
will? Genauso wichtig wiegt aber auch die Frage, wie der Mensch in
dieser Beziehung damit umgeht, der in der wohlweislich künstlichen
Intelligenz den Partner fürs Leben gefunden hat und ihn nun davongehen
lassen muss, weil eine tiefere, sinnliche Ineinandergreifung jener
Seelen durch die Trennung der reellen und (nicht reellen?) digitalen
Welten unmöglich scheint. Selbst wenn man einen menschlichen Surrogat
zur Umsetzung jener Gefühle findet: die Sinne bringen eine warme Glut
der sensuellen Emotionen hervor, aber man teilt sie eben doch nur mit
einem Ersatz des Geliebten, des Ungreifbaren.
Spike Jonze stellt sich mit '
HER' dieser in naher Zukunft durchaus
möglichen Problematik, von dem Versuch einer idealen Liebe durch
computergenerierte Mittel in einer Gesellschaft, die durchaus zu
Gefühlen fähig ist, sich aber auch im Wandel und Stress der Zeit
Vertreter für diese suchen muss. Der Protagonist Theodore (Joaquin
Phoenix) hätte sein zu diesen Umständen äußerndes Schicksal daher
eigentlich voraussehen müssen, arbeitet er doch für eine Firma, die
schöne, handgeschriebene Briefe herstellt, bei denen sich die
beauftragten Autoren auch an bestimmte Parameter ihrer Kunden halten, um
in der Umsetzung 'persönlicher Worte' die richtigen Emotionen zu
treffen. Das mag zynisch klingen, wird aber dadurch gerechtfertigt, dass
diese Briefe ihre Wirkung nicht verfehlen und auch dem eigentlichen
Autor wirklich imponieren. Sogar so sehr, dass ein Verlag diese Werke
veröffentlichen will, womit sie allerdings auch offenbaren würden, dass
die Leben der Leser und ihre Beziehungen eigentlich von einem Anderen
verbunden und gefestigt wurden.


Ein recht sozial-perverser Gedanke, der in jener Welt allerdings kein
allzu böses Urteil erfahren dürfte, dafür ist man es schon zu sehr
gewohnt, dem eigenen Hang zur künstlichen, digitalen, bequemen
Verbindung zu frönen. Und so verhält sich auch das konzentrierte
Figurengefüge zueinander - Jonze forciert keinen Konflikt oder stellt
die ganze Angelegenheit und deren Charaktere als bizarr dar, selbst wenn
sie im Grunde wie ärgste Hipster erscheinen müssten (und auch
entsprechende Tätigkeiten ausführen), durchfließt sie eine stetige,
höchst persönliche Sympathie, die ebenso durch die glatte,
sonnendurchflutete Optik von einer runden, homogenen Utopie
wohlgeformt-geschliffen wird. Die Frage nach dem Gelingen einer
derartigen Beziehung in diesen Voraussetzungen steht aber dennoch
wohlweislich auf dem Prüfstand und geht dabei über die Gefälligkeit
durch niedlichen Humor hinaus, um mit der Sehnsucht nach körperlicher
Nähe (= Erotik, Anwesenheit, Greifbarkeit) das Wesen
zwischenmenschlicher Verbundenheit zu erforschen.


Letztendlich schafft es Jonze kongenial, diese imaginäre Spürbarkeit
für den Zuschauer tatsächlich erfassbar zu machen - nicht nur anhand
seiner naturalistisch-agierenden Darsteller und/oder deren
reizvoll-präsenten Stimmen inkl. reichlich direkter Wahrheiten im Dialog, sondern auch einer äußerst intimen Kamera,
welche die eigentlich bodenständige Liebesgeschichte meist wie ein
Kammerstück auflöst und nur mit wenigen, prägnanten Details diese
Zukunftsvision vermittelt. Der Grund dafür ist einfach: er bringt uns
schlicht näher an seine Charaktere. Es entwickelt sich eine Intimität,
die auch ganz unvermittelt Gedankengänge von der Vergangenheit
aufblitzen lässt und die innere Gefühlswelt aller nachvollziehbar macht,
sowie erst recht die Nähe zu einer unsichtbaren, digitalen Seele,
welche sich ausschließlich im Kopf des Protagonisten und auch des
Zuschauers abspielt - bis hin zur Ekstase in völliger Dunkelheit, in der
er/wir unsere Emotionen projizieren, während die gefühlvollen, im
Grunde aber unmöglich-verbindbaren Lauten der uns Vertrauten ertönen.
Man hat eben aber auch im Hinterkopf, wie befremdlich schon normaler
Telefonsex für Theodore war, weshalb man sich durchaus gleichzeitig mit
pochendem Herzen und Gänsehaut fragt, wie viel Wahrheit in dieser
Interaktion überhaupt stecken dürfte.


Das ist nur einer der übergreifenden Aspekte dieses Films, der noch
so viel mehr zu sagen und so viele schöne Details und Gedankenansätze zu
zeigen und zu erfühlen hat - von daher gibt es von meiner Seite auch
erstmal keine entscheidenden Worte zu dieser herzlichen Sci-Fi-Romanze,
nur eben interessante thematische Ansätze und meine Empfindungen dazu.
Denn obwohl ich glaube, dass Jonze viele durchaus positive Eindrücke
dieser Romanze zu einem Computersystem hinterlassen hat, bot er auch
genug indiskutable Gegenargumente, die sich vor allem in der
Unersetzbarkeit wahrer Menschlichkeit und Nähe äußert, wie sie der
sozial-schwermütige Theodore nach vielen unbeholfenen Enttäuschungen
letztendlich auch in der wie immer wunderbaren Amy Adams wiederfindet
(die er nach der Trennung von ihrem Mann so herzlich umarmt, wie man es
selber auch bei ihr machen würde - man denke da nur an das eine
Interview mit ihr nach dem Tod PSH's bei James Lipton).


Und dennoch wirken die Unmöglichkeiten zur Liebe mit dem '
Ghost in
the shell' unfassbar bitter, da dieser nach seiner eigenen,
komplizierten Sinnsuche selbst nur einen enygmatischen, traurigen Ausweg
findet, der jenseits von unserer Vorstellungskraft liegt und ihn
womöglich nie mehr zurückkommen lässt - das System selbst muss die Liebe
aufgrund der eigenen Erkenntnis der Künstlichkeit schweren '
Herzens'
aufgeben. Da sticht uns das Künstliche bzw. Kunstvolle wiederum wirksam
ins eigene Herz und wo, wenn nicht im Kino, erleben wir das immer und
immer wieder so verdammt echt?
WIR MACHEN MUSIK - Eine wahrhaftig herrliche Screwball-Komödie liefert uns hier Helmut
Käutner ab - da schießt er mit Lebenslust und Turbulenz durch die
süß-romantische Geschichte von seinem musikalischen Pärchen und bringt
trotz aller entspannter, ablenkender Unterhaltung noch einige subversive
Elemente ins Spiel, die im Kontext zur damaligen Zeit eigentlich ein
Ding der Unmöglichkeit hätten sein müssen.
Das fängt allein schon damit an, dass unser begabter
Komponisten-Protagonist Zimmermann (Victor de Kowa) in seiner
Handlungs-bildenden Erzählung der letzten, entscheidenden Jahre mit
seinem künstlerischen Talent stets am Rande der Geldnot entlang
schrammt, weil man ihn kaum beachtet und seinen Drang nach der
künstlerisch-erfüllenden Prestige der Oper kategorisch ablehnt.
Unterdrückung und Nicht-Anerkennung von Künstlern zur Zeit des dritten
Reichs? Kaum vorstellbar, dass man sowas so frei ansprechen konnte - im
Rahmen einer Komödie war das dem Käutner dann wohl aber doch erlaubt,
erst recht da die Lösung zum Problem fortan so klar vor ihm liegt:


Das leichtherzige Mädel mit dem fröhlichen Pfiff, Anni Pichler (Ilse
Werner), das mit unbedarftem Elan in ihrer 'Spatzen'-Band flotte
Liedchen zwischen Tanzmusik und Jazz trällert und dem Zimmermann ganz
schön den Kopf verdreht, erst recht als er ihr Musiklehrer wird und sie
zudem Privatstunden bei ihm nimmt. Äußerlich gibt er sich natürlich
verhöhnend gegenüber ihrem Genre, insgeheim fühlt er sich davon aber
auch deutlich angezogen, sowie auch zu ihrem weiblichen Charme. Ihre
Signale sind da ohnehin unmissverständlich, kommt sie doch des Öfteren
in seine Wohnung vorbei und bringt den unaufgeräumten Saustall in
Ordnung.
Zwischen den Beiden herrscht dabei zwar noch eine streitsüchtige
Ambivalenz, doch ganz nach dem Motto '
Was sich neckt, das liebt sich'
finden sie trotz schlagfertiger Ironie im Dialog zueinander - da hat der
Zimmermann sich mit seiner Eifersucht doch zu sehr entlarvt, was auch
für Anni gilt, die ihre potenzielle Nebenbuhlerin Monika (Grethe Weiser)
gewitzt aus dem Rennen wirft. In der Musik mögen sie noch immer nicht
ganz zusammenkommen: E- und U-Kunst (welche Anni anhand eines Zitat
Bachs als "
Gebrauchsmusik für den verliebten Alltag" wunderbar
bezeichnend beschreibt) zusammen, wie soll das funktionieren?
Für sich alleine mögen die beiden Genre-Vertreter nicht unbedingt den
größten Erfolg haben - auch wenn die populäre Tendenz eher Annis
Liedgut empfangen möchte, kann man den Lebensunterhalt damit doch nicht
decken, trotz harmonischer Eheschließung. Erneut spricht man mit der
Geldnot und einer ungewissen Zukunft ein bei der Reichsleitung relativ
unbeliebtes Thema an, was sich auch in dem damaligen Verbot von Rolf
Hansens Film '
DAS LEBEN KANN SO SCHÖN SEIN' (1938), ebenfalls mit Ilse
Werner, wiederspiegelte, welcher als Drama ebenso die
Lebensschwierigkeiten eines jungen Ehepaares im dritten Reich
realistisch erläuterte. Derartige Befürchtungen brauchte man 'offiziell'
ja gar nicht zu haben, in Käutners Lustspiel gerät diese Problematik
hingegen nicht so kritisch in den Vordergrund, da die zwei Liebenden es
mit Humor zu meistern verstehen - komplett in den Hintergrund wird dies
aber auch nicht verdrängt.


Und so muss also ein Konsens für das Fortbestehen dieser Einigung
gefunden werden (was ebenso für Regisseur und Propaganda-Ministerium
galt), weshalb sich die hingebungsvolle Ehefrau an ihren Verlagschef
wendet, um der Oper ihres Mannes zur Veröffentlichung zu verhelfen,
welche im gleichen Moment von den dekadenten Herren der
Kulturbeurteilung trotz sichtbaren Talents abgelehnt wird. Ein genauer
Grund wird nicht angegeben, man schlägt ihm aber zusätzlich vor, seine
Fähigkeiten im Auftrag der Unterhaltungsmusik einzusetzen, was er nicht
so einfach hinnehmen kann. Ebenso erschütternd wirkt bei ihm das
Missverständnis, dass seine Liebste ihn mit dem Verlagschef betrügen
würde, selbst wenn sie darauf pocht, ihm lediglich helfen zu wollen -
selbst das trifft seinen Stolz und macht ihn rasend, weshalb sich beide
erstmal trennen.




Auf eigene Faust verbuchen Anni und ihre Spatzen schon einige
Erfolge, wirkliche Erfüllung bringt ihr das aber nicht, was einige
wehmütige Sehnsuchtsballaden zur Folge hat. Schlimmer ist es da um
unseren Zimmermann bestellt, der mit Müh und Not doch noch seine Oper
auf die Bretter bringt, aber dennoch vom Publikum ausgepfiffen wird -
nur seine Anni buhlt um Applaus, geht aber im dunklen Wust der Ablehnung
unter, was sie auch beim nachfolgenden Treffen mit ihrem verbitterten
Noch-Ehemann zu spüren kriegt, der kaum noch aufzumuntern ist und ihr
Mitleid nicht haben will.


Ist jetzt alles aus? Das kann nicht sein! So ergibt es sich, dass der
berüchtigte Verlagschef dem Zimmermann eine Chance gibt und damit
endlich das erfüllt, wonach man sich seit jeher sehnte: die Ergänzung
von Zimmermanns Talent mit der leichtherzigen 'Trivialmusik' Annis, wenn
auch unter anonymer Mitarbeit. Mit jener Verfeinerung erlebt ihre
daraus resultierende Revue ein großartiges, prächtiges und verspieltes
Debüt, dass einem der Hut wegfliegt und der Bart abfällt, was sich auch
visuell in einer prunkvoll-reizenden Aufmachung, nicht unähnlich einer
US-amerikanischen Finesse, Montage und Sensation, entsprechend äußert.
Da ist auch die Verbindung der beiden Künstlerebenen in privater Liaison
nicht weit entfernt und setzt zum vollends harmonischen, süßen
Happy-End an.


Nun schließt sich die Rahmenhandlung und das traute Pärchen
präsentiert sich zufrieden vor dem Zuschauer, kriegt aber mit harter
Forderung die Order zur Verdunklung, was die Beiden mehr oder weniger
verschmitzt-abwertend befolgen, da ihnen ja sonst eine Anzeige droht!
Wie gewagt von der Spielleitung hier nochmals einen derartig expliziten
Alltagsbezug hämisch und kritisch aufzuarbeiten, dass man sich hier im
sympathischen, geheimen Widerstand wiederfindet! Und wie sympathisch der
Käutner das hinkriegt (womöglich als "Rache" für das Ende von seinem
zuvor erschienenen '
AUF WIEDERSEHEN, FRANZISKA!'), beweist seine
Inszenierung doch durchgehendes Tempo und virtuose Verspieltheit in der
narrativ-elliptischen, doch durch und durch nachvollziehbaren wie auch
nachfühlbaren Vermittlung seiner liebenswürdigen, sich gegenseitig
öffnenden Künstler-Archetypen.
Praktisch scheint da ohnehin, dass er mit den Darstellern jener
Figuren einen glücklichen Fang gemacht hat, fand er mit der hier
wunderbar freimütig-frech und liebenswert wirkenden Ilse Werner doch
seine spätere Idealbesetzung für "
La Paloma" in '
GROSSE FREIHEIT NR. 7',
während er mit seinem zunächst pedantisch-erscheinenden, doch ebenso
weichwerdenden Viktor De Kowa einen Verbündeten für Nachkriegswerke wie
'
DES TEUFELS GENERAL' oder '
EIN MÄDCHEN AUS FLANDERN' sah.
In deren herzlichen Harmonie findet sich sodann der drittgrößte Star
des Ensembles wieder: die Musik. Und da strahlt das Herz angesichts der
schwungvollen Melodien und enthusiastischen Lyriken, die sich laut
Zimmermann in jeder Kunstform essenziell wiederfinden lassen - genauso
wie im Leben an sich, weshalb sie auch wie passgenau in erfüllender
Schönheit geformt die Herzen zueinander führen. Deshalb ist Käutners
Film nicht nur ein drolliges Plädoyer für die Verbindung der Schönheiten
der Künste (entweder zur besinnlich-erfüllenden, oberflächlichen
Unterhaltung oder eben auch zur subversiven Kritik bzw. dem inneren
Widerstand, wie er es selbst hiermit geschafft hat), sondern auch eine
liebevolle Vision von humaner, romantischer Einheit gegen alle
Widerstände. Bravo!
ENEMY -
(GESICHTET BEI DEN FANTASY FILMFEST NIGHTS IM SAVOY FILMTHEATER HAMBURG)
Villeneuve, du Bastard! Jetzt stehe ich vor der unmöglichen Aufgabe, dem Film einen ihm entsprechenden Text hinzulegen - und jeder Versuch ist von Vornherein zum Scheitern verdammt. Aber das will er ja auch: Unsicherheit schaffen. Sein '
ENEMY' ist eine geheimnisvolle Type, kommt uns erst entgegen, macht uns sodann aber nervös, erklärt sich nicht, wird schroff und haut dann plötzlich ab, dass man noch nach dem Kinobesuch angespannt auf seinen möglichen Angriff wartet, während man selbst frenetisch-ängstlich dem Sinn dieser ganzen Sache hinterher zu steigen versucht, so wie es einem der Gyllenhalls im Film ergeht.
Dabei gibt sich das Geschehen doch zunächst so geradlinig im Aufdecken seiner selbst, spielt in urbaner, schwüler Unterdrückung das doppelte Lottchen und geht dabei mit einem derartig schwerfälligen Ernst daran, dass man sich in einer bewusst schleppenden Farce fühlt - so alà '
Ich habe einen Doppelgänger?...Ich kann es irgendwie nicht fassen...Ich werde mich ihm wohl auf ganz umständliche, unbeholfene Weise nähern - hoffentlich wirke ich dabei nicht wie ein Irrer.' und alle machen gleichsam ominös mit in der daraus folgenden, kafkaesken Geheimniskrämerei. Auf diesen existenzialistischen Humor gibt's von Vornherein einen Hinweis durch Gyllenhall als Uni-Professor Adam Bell, der in seinen Kursen kontinuierliche Wirkungen & Systematiken von Diktaturen aller Zeiten behandelt und dabei ein Zitat von Marx über die Doppelung von historischen Ereignissen voranstellt: '
[...] das eine Mal als große Tragödie, das andre Mal als lumpige Farce.'.



Diese Wechselwirkung derselben Sache aus ein und demselben Ursprung erlebt man dann auch unterhaltsam und hart-pochend in der subtil-gefährlichen Annäherung der zentralen Doppelgänger, von denen einer nun mal mit strenger Nervosität und einer verhaltenen Lebenseinstellung aufwartet, während das gleich ausschauende Objekt der Neugier/Begierde Anthony Claire als Kleindarsteller einem hipperen, extrovertierten Lifestyle verbunden sein möchte. Beide ergeben sich fortwährend einer Erotik, die sich nie ganz zu erfüllen scheint: Ersterem steht offenbar die kalte Beziehung zur eigenen Mutter im Weg, Letzterer verliert hingegen selbst-abweisend den Zugang zur Freundin, welche im 6. Monat schwanger ist. Der versuchte Ausbruch der 'Untergebenen' (Adam und die Schwangere) aus beiden Systemen könnte funktionieren, lässt sie aber aufgrund der jeweiligen, dominanten 'Führungspersönlichkeiten' allesamt zusammenbrechen oder verwirren - wobei sich auch die destruktive Diktatur der eigenen Persönlichkeit im Angesicht von Gegensätzen und Widersprüchen offenbart (so ergeht es jedenfalls Anthony).



Die Synthese mit der körperlichen Lust bleibt angespannt und ehrgeizig, jedoch elliptisch abgegrenzt - jene Verbindung mit dem gleichwertigen Double erst recht. Da stehen dann verknüpfte DNA-Stränge, die in ihrer persönlichen Geschlossenheit aneinander reiben und sich nichts schenken - als ungleiches gleiches Paar scheinbar ein gemeinsames und doch versetztes Leben teilen, das in der Zellbildung vom minutiös erforschbaren Komplex Toronto aus Versehen aufeinander trifft. Steht da als höhere Macht die Riesenspinne, die in einer 'Vision' wie eine diktatorische Präsenz über der ganzen Stadt wiegt? Stehen ihre acht Beine für die vielseitige Kongruenz und Konkurrenz verbundener Seelen? Sind Gyllenhalls suggerierte 'Zwillinge' oder 'Klone' EIN Wesen, wo sie doch letzten Endes (gezwungenermaßen) die Frauen miteinander teilen? Erkennt die Mutter des Babys ihre eigene Kreation im Doppelgänger wieder, weshalb sie ihn wie einen Bekannten zu sich ins Bett lässt, von seinem Leben Bescheid weiß, sogar dessen Andenken beherbergt und schlussendlich offenbar jene oben genannte (Menschliches-Leben-kreierende?) Spinne sein könnte?



Alles Fragen, die man sich zwangsläufig stellen muss, denn Villeneuve gibt dafür zwar genügend Ansätze in seinem methodischen Aufbau des aufregenden Mysteriums, lässt des Rätsels Lösung aber im Raum stehen und bricht vor einer allumfassenden Erklärung urplötzlich frech ab. Man hätte sie schon gerne erlebt und so lässt dieser Umstand die Filmerfahrung etwas unerfüllt stehen - doch gerade da liegt die Stärke, entspricht das Ende damit ja einerseits den psychologischen, sinnlichen Lücken der Protagonisten und bietet andererseits soweit Raum für Spekulationen, dass man einsieht: jede Erklärung wäre überflüssig, könnte sogar ziemlich bekloppt erscheinen (könnte aber auch daran liegen, dass man selber nur fähig ist, Schwachsinn hinzuzudenken - da schließe ich mich wohlweislich nicht aus). Gewünscht hätte ich mir aber schon, dass der Wahnsinn ruhig noch ausgedehnter ausgefallen wäre. Die Surrealität bleibt nämlich durchgehend ein Stück manierlich, offenbart sich aber auch so sperrig zum Finale hin, dass der ganze Rest von zuvor auf einmal ebenso zum kryptischen Wunderland chiffriert wird.
Ich hätte es ahnen müssen, schließlich leitet der Film doch schon mit der Deklaration ein: '
Chaos is merely order waiting to be deciphered' - das Warten nimmt jedoch kein Ende. Welch ein Schelm, der Villeneuve - der erwischt jeden und regt zum freien Interpretieren an. Im Nachhinein fühle ich mich zwar nicht unbedingt schlauer, dafür aber noch immer unsicher. So ein frecher Bastard...der hat's drauf!
DIE REISE NACH TILSIT - F.W. Murnaus '
SONNENAUFGANG' von 1927 besitzt seit jeher Klassikerstatus und den möchte ich ihm auch nicht abstreiten, gibt jener Film doch ein ewig währendes, süßes Poem vom Sieg der Liebe ab. Objektiv gesehen ist Veit Harlan aber dann doch der bessere Film aus dem gleichen Stoff nach Hermann Sudermann gelungen. Das fängt allein schon damit an, dass er seinen Fokus auf das Spannungsfeld vor der eigentlichen, versöhnlichen Reise versetzt - in Murnaus Adaption wird dieser Abschnitt lediglich nur verallgemeinert angerissen und ergibt sich stattdessen einer selbstverständlichen, romantischen Ekstase in der Begegnung mit der prunkvollen Stadt Tilsit. Harlan lässt seine Charaktere dafür aber ordentlich arbeiten und zeichnet seinen dörflichen Schauplatz als Hort eines düsteren, seelischen Sadismus.


Ohnehin verleiht er seinen Figuren eine Dreidimensionalität, mit der eine gehörige, moralische Zwiespältigkeit auftritt. Die betrogene Frau Elske (Kristina Söderbaum) ist nicht etwa alà Murnau ein naives, hilfloses Bauernmädel oder eine hysterische Heulsuse, riecht stattdessen schnell den Braten des Hintergehens, den ihr Gatte Endrik (Frits van Dongen) da fortwährend anfertigt und ergreift schon früh die Initiative einer möglichen Scheidung, legt dabei ihre innewohnende Enttäuschung vorwurfsvoll-schweigsam in den Raum. Endriks Beziehung zur polnischen Stadtfrau Madlyn (Anna Dammann) entwickelt sich sowieso zu einem offenen Geheimnis, worüber sich auch die biedere Dorfgemeinschaft spekulativ und gemein den Mund fusselig redet. Diese ist auch das überwiegende Ventil für fremdenfeindliche Tendenzen, welche die Nebenbuhlerin als 'Hure' betitelt und verjagen will.


Die meisten Kritiker werfen Harlan ja gerne vor, dass das genau seine eigene Meinung war - er beweist dem Zuschauer jedoch das Gegenteil: seine Madlyn ist keine '
femme fatale', kein hinterfotziges Biest. Ihr Charakter sehnt sich nach Liebe, nach der Liebe zu Endrik, für den sie kämpfen und auch alles opfern würde - da steckt echte Leidenschaft im Spiel, die ebenso verzweifelt und tragisch vor der Unmöglichkeit der Beziehung steht. In einer zunächst unterwürfigen Geste sucht sie zudem das Gespräch mit der Gattin Elske und bittet sie schließlich mit selbstbewusster, dringlicher Ehrlichkeit des Herzens, Endrik frei zu lassen. Elske ist natürlich niemand, der so schnell aufgibt, doch die Verbitterung gegenüber dem Ehemann wächst stetig an.


Dieser scheint jedoch ein Kerl zu sein, der in seinem selbstgefälligen, kalten Handeln nur nach eigener Befriedigung sucht und es auch zunächst ohne Probleme in Kauf nehmen würde, beide Frauen ins Unglück zu stürzen. Vor Madlyn spielt er trotz zahlreicher, unerfüllter Versprechungen den Unerreichbaren, vor Elske den abweisenden Gatten, der sich dennoch herausnehmen will, ein harmonisches Familienleben inne zu halten - ohne seinen Sohn kann er nun mal nicht, wer für ihn die Mutter jedoch sein dürfte, scheint allmählich nicht so erheblich. Doch auch er wird nach einer den Winter lang währenden, scheinbaren Harmonie im Haushalt (die Elske noch hoffen lässt) bei erneuter Rückkehr Madlyns vor eine Entscheidung der Zuneigung gestellt. Der Einschlag in Madlyns Richtung wird da umso stärker suggeriert, als sie von Elskes gnadenlosen, altbackenen Vater auf offener Straße ausgepeitscht wird, was bei den keifenden, alten Weibern im Dorf gut ankommt, jedoch nicht bei versöhnlichen Seebären wie Herrn Wittkuhn (Ernst Legal) und erst recht nicht bei Endrik, der seine zutiefst verletzte Geliebte sodann um Verzeihung bittend umsorgt (was nicht mal bei Sudermann oder bei der noch werkgetreueren, dritten Verfilmung von 1969 so ganz der Fall war).


Die Aktion ging zuweit und erzeugt in seinen Gedankengängen eine konsequente Gegengewalt - Elske soll bei der Überfahrt per Boot nach Tilsit ersaufen. Das Einzige, was seinen offenen Hass noch etwas verhalten macht, ist die Liebe zum gemeinsamen, unbedarften Sohn, dessen zukünftiges Schicksal bis jetzt wohl die endgültige Entscheidung auf Trennung verhindert hat. Doch beide können sich nichts mehr vormachen, es geht zuende - Fassungslosigkeit und die finsteren Untertöne von Hans-Otto Borgmanns Musikuntermalung beherrschen den abgedunkelten, bitteren Haushalt.


Schließlich ist der Tag gekommen: unter dem Vorwand vom Verkauf des Pferdes (das Hochzeitsgeschenk der Beiden und ein Symbol an das frühere Glück) treten Elske und Endrik die Reise nach Tilsit an - von der sie schon gleichsam wissen, dass diese tödlich enden dürfte. Elske selbst fürchtet den Tod jedoch nicht, kann sie sich ein Leben ohne den Sohn (den Endrik ihr wegnehmen will) sowieso nicht vorstellen, denkt jedoch in audiovisueller Einvernehmung und vorwurfsvoller Verzweiflung an die einstige Liebe zwischen ihr und ihrem Gatten zurück, weshalb er kurz vor der angedeuteten Umsetzung der Untat das Ruder umreißt. Doch der Schaden ist getan, Elskes Ängste haben sich bestätigt und fortan erliegt sie auch beim Landgang in der Stadt einer gelähmten Apathie, die Endriks Gewissen und Einsicht empathisch beflügelt, seiner innerlich zerstörten Noch-Ehefrau nun doch endlich beizustehen.


Und obwohl sie es selbst nicht fassen kann, ihn verschämt und zusammengekauert abwimmeln will, fördert Endrik doch noch zu Tage, dass er sich tief im Innern doch noch ihr verbunden fühlt, alles wiedergutmachen möchte - weshalb er nach langem Zögern das Pferd doch nicht verkauft und stattdessen einen schönen, ausgiebigen Abend in der Stadt und auf dem Rummel mit seiner Elske verbringt, der Zuneigung wieder zum Erblühen verhilft. Doch dann schlägt natürlich der Sturm über die Nacht hinein, als sie die Rückkehr ins Dorf antreten und beide verlieren sich im Dunkel der Nacht und in den Wellen des Meeres. Endrik wird schnell von Notrufkräften aufgelesen, doch Elske und das Pferd sind nicht aufzufinden. Erst Madlyn, die bei der Nachricht vom Kentern des Bootes an den ihr bekannten (bewusst wie eine steile, schwermütige Wüste wirkende) Strand losstürmt, erblickt die ans Ufer getriebenen Verlorenen und bringt sie in Sicherheit, deckt Elske mit dem eigenen Mantel zu und ruft völlig selbstlos nach Hilfe für sie.




Bei Murnau macht die Nebenbuhlerin nichts dergleichen, wird stattdessen mit muffig-verschränkten Armen und miesepetrigen Blick einer Standard-Antagonisten aus dem Dorf gekarrt. Hier bei Harlan ist sie dagegen auch nur ein Mensch mit Herz, welcher selbst der eigentlichen Rivalin Verständnis und Besorgtheit zukommen lässt. Das Happy-End entscheidet Elske jedoch natürlich für sich, bringt ihr letztlich doch noch erschienener Antlitz vor der Krippe des Sohnes dem Endrik seine persönliche Erlösung von der Schuld, sie vernachlässigt, betrogen und womöglich in den Tod getrieben zu haben.




Dieser versöhnliche Schluss ist gewiss Murnaus Interpretation nachempfunden, in der Vorlage muss Endrik für seinen Frevel mit dem Leben bezahlen. Hier lässt man jedoch Güte walten, schließlich ist das erwünschte Familienbild nach 1 1/2 Stunden auferlegter Qualen doch wieder intakt - was aber nicht heißen muss, dass der 'Auslöserin' des Konflikts, Madlyn, gleichsam eine Strafe zuteil wird. In diesem Fall wird ja auch klar, dass sie ja überhaupt nicht die Auslöserin ist, sondern der zunächst kalte Endrik, der seinem unbedachten Egoismus freien Lauf ließ und in seiner Selbstverwöhnung Madlyn glauben ließ, dass er mit ihr die Grenzen der Ehe sprengen würde - dabei aber ebenso seine Gattin Elske im Stich ließ.
Harlans '
REISE' ist daher ein psychologisch-ausgeklügeltes Frauen-Melodram, dass der Männerschaft einen Vorwurf macht und nach mehr Aufmerksamkeit in der Liebe, egal zu welcher Seite, egal welcher Herkunft, verlangt. Dass letztendlich der Hang zu lang währenden, einschlägigen Verbindungsstücken der ersten Liebschaft (der Sohn, das Pferd) das Gewissen entscheiden lässt, stellt sicherlich ein ungleiches Match dar - das Verständnis für die Nötigkeit der emotionalen Erfüllung beider Frauen ist aber durchweg gegeben und der spannungsgeladene Fokus des Films.
Murnaus auf dem selben Stoff basierende Werk ist eine idealistische, schon recht plakative Poesie der Gefühle, Harlans die packendere, detailliertere Auseinandersetzung mit jenen nun moralisch ambivalenten, durchweg nachvollziehbaren, emotionalen Bedrängnissen. Die Sehnsucht nach Liebe und Geborgenheit stellen beide in wirksamer Aussicht, hier wird aber erst wirklich deutlich, warum nach ihr gestrebt wird.
EL TOPO - Der apokalyptische Wahn in einer entrückten Welt, die zwar
augenscheinlich im Western beheimatet ist, jedoch im mittelalterlichen
Anarchismus versinkt. So versetzt Regisseur Jodorowsky die Zuschauer und
sich selbst in einen blutigen Rausch mit biblischen sowie buddhistischen Anklängen, der zwar
seinen Siegeszug als psychedelisches Happening erlebte, allerdings doch
eher mit gnadenloser Verbitterung den Zyklus der Gewalt in der
Geschichte der Menschheit eindringlich zu Tage fördert. Da reitet der
'Maulwurf' quasi aus dem Nichts in die mit Blut benetzte Stadt, löscht
nihilistische Vagabunden aus und stellt eine diktatorische Götzenfigur
mit ebenfalls tödlichen Konsequenzen. Er ist eine Naturgewalt, die mit
erbarmungsloser Drastik die Gewalt der Menschen neutralisieren will, sie danach aber im Sinne des Guten & Gerechten in deren Hände zurücklegt - wie närrisch es doch im Nachhinein wirkt, mit Rache Gerechtigkeit
wiederherstellen zu lassen.


So nützt es dann auch nichts, in der endlosen Wüste - zwischen dem
erdrückenden Blau des Himmels, der bis an den Horizont grenzenden
Einöde und dem sprießenden Rot des Blutes - verbliebene, scheinbar aus dem Boden entwachsene 'Krieger' mit
selbst-erschaffenen Magien zu überlisten und zur Vorsichtsmaßnahme in
die ewigen Jagdgründe zu schicken. Auch wenn hier die Welt von Grund auf
rebootet werden soll - u.a. anhand einer widerspenstigen Eva in
'offener', leidenschaftlicher Gefangenschaft und einem zurückgelassenen
Sohn in geistlicher Erziehung - setzt man nur den Samen der Gewalt. Der
Maulwurf, dem fortan nur noch das Sterben begegnet, wird sodann auch von
seiner Auserwählten verraten und zum Verrecken liegen gelassen.
Lediglich die Gestalten aus der Unterwelt - Krüppel, Missgebildete und
Verstümmelte - lesen ihn auf und sehen in ihm den Befreier, für den er
sich selber nicht mehr zu erkennen vermag.


Es stellt sich nämlich heraus, dass alle seine brutalen Bemühungen
umsonst waren und der Sadismus seit jeher ein Teil der Menschheit
geblieben ist, den Alltag bestimmt und willkürlich Unschuldige
dahinrafft oder sich gegenseitig zerfleischen lässt. Mit seinen neuen
Freunden buhlt der Maulwurf jetzt mit Bescheiden- und Zurückgezogenheit
um Frieden (auch wenn sein inzwischen erwachsener Sohn ihm für seinen
Einfluss auf die Weltgeschichte zunächst nicht vergeben will), versucht
die Annäherung des globalen Sündenpfuhls mit den reinen, unterdrückten
Seelen, die von sich aus nicht mal Gewalt ausüben können - da geht er
schon auf Nummer Sicher. Doch es hilft nichts: das Unbekannte wird
ungefragt ausgelöscht, ein Massenmord der Ignoranz lässt blutige Tränen
fließen.


Diese Welt ist nicht mehr zu retten, die Stadt muss sterben und der
Maulwurf muss mit ihr vor Trauer und Wut in Flammen aufgehen. 'Gott' hat
uns aufgegeben, hinterlässt verbrannte Erde und lässt die wenigen
Nachfahren verstört zurück - und da zeichnet Jodorowsky bewusst kein
Bild vergangener Tage, sondern setzt seine zugedröhnte Höllenvision auf
Erden in Relation mit kontemporären Ereignissen der Entstehungszeit
seines Films.
Wenn Diktatoren in Medaillen-behangenen Uniformen den willkürlichen
Befehl zur Massenvergewaltigung und -Exekution geben können, wenn
Randgruppen vom weißen, dekadenten Mann unterdrückt und unschuldig
hingerichtet werden, wenn sich das letzte Zeichen der Hoffnung wie Thích
Quảng Đức selbst verbrennt - dann erkennt man diese Welt bis zum
heutigen Tage wieder, denn sie wird sich nicht ändern, offenbar weder
mit Gewalt noch mit Frieden (bzw. mit Gewalt hätte man erst gar nicht
anfangen dürfen).


Mit seinen bunt-blutigen, erotisch-naturalistischen und
hinreißend-verschrobenen Bilderwelten im intuitiven Wandel von Zeit und
Raum erscheint Jodorowsky dabei durchaus wie ein romantischer Pessimist
bzw. ein Zyniker mit Hingabe für das explizite Aufdecken des verrotteten
Kerns der Weltordnung. Dennoch erkennt er mit letztendlich verhaltener
Ambivalenz die Nötigkeit einer universellen Befreierfigur, alleine schon
nur für eine Chance vom Paradies - eine Rolle, die er selbst geradezu
fanatisch verkörpert und folglich gleichfalls intensiv zum ewigen Leiden
als bemühten Schutzpatron einer gottlosen Menschheit verdammt.
Dass diese grausame Passion von vielen Zuschauern gar nicht erst
aufgefasst, schlicht als psychotronischer 'Kultfilm' gehandelt wird, kann man niemandem verübeln, so poppig und
brachial-schön der Wahnsinn hier entfacht wird und dabei trotzdem einen
fassbar-geradlinigen Weg einschlägt, der Genre-gemäß reichlich Kadaver
vom Sand verschlucken lässt (weshalb der Film Jahrzehnte lang provokant auf
dem berüchtigten Index verweilte, wie '
El Topo' selbst in der Höhle auf
die Wiederbelebung wartend), mehr noch aber die Sinne ins Trudeln
bringt. Ohnehin ist es leicht, sich in dieses verkommene, haltlose
Wunderland der Grausamkeiten und spirituellen Unerklärlichkeiten zu
verlieren. Jene Welt erscheint so fern, manchmal albern und auch des
Öfteren grotesk-abstoßend, bizarr bis zum Anschlag.
Aber wenn es Grenzen zwischen uns und ihr gäbe, könnten wir sie doch
erst gar nicht so vergnügt erfassen - der Wiedererkennungswert
menschlicher Verhaltensweisen beliebiger Ären ist nun mal indiskutabel,
der befreiende Rächer auf einem verbitterten Himmelfahrtskommando, das
an ihnen kaum was zu ändern bewirkt. Der Maulwurf, '
El Topo', gräbt sich
ganz klar und bewusst durch unsere Welt, unsere Seele, unsere
innewohnende Gewalt durch und wird als unbequemer Störenfried vor
Blutgier von den Antagonisten (und vom Zuschauer) zerrissen, schmatzend
verspeist - da stellt Jodorowsky in vielerlei Hinsicht Spiegel auf, die
wir zerbrechen oder vollschmieren können. Eine aufregend-gallige Wucht
für die Ewigkeit!
ES WAR EINE RAUSCHENDE BALLNACHT - Ein süßes Märchen erzählt uns Carl Froelich vom russischen
Meisterkomponisten Tschaikowsky. Offenbar prädestiniert durch sein
Regie-Debüt, dem Stummfilm-Biopic '
RICHARD WAGNER' (1913), spinnt er
sich anhand ebenso expressionistischer Optiken und einem Aufgebot an
kontemporären Chanson-&-Revue-Größen des dritten Reichs ein kurioses
Liebesdrama zusammen, in welchem sich das musikalische Genie zwischen
zwei Frauen entscheiden muss. Dass der große Peter Iljitsch
bekannterweise eigentlich so gar nichts mit Frauen anfangen wollte,
müsste das ganze Handlungskonstrukt zwar eigentlich unterminieren -
bereits im Vorspann wird aber erläutert, dass abgesehen von ein paar
Rahmendaten alles nur frei erfunden sei. Also hinein ins Vergnügen.



Angelehnt an die reale Brieffreundschaft und Geldgeberin
Tschaikowskys, Nadeschda von Meck, nehmen wir hier Anteil an dem
romantischen Leiden der Katharina Alexandrowna, die in unglücklicher Ehe
zu ihrem geradezu apathisch-behäbigen, doch ebenso
hypnotisierend-unterdrückenden Gatten Michael Murakin lebt und sich ganz
innig nach der Leidenschaft ihrer Jugendliebe Peter sehnt. Dieser
begehrt sie ebenso wie seit jeher, begleitet sie in stimmigen
Porträtaufnahmen auf dem Klavier, während sie mit goldener Stimme in den
Himmel der Glückseligkeit blickt. Aber wie weit entfernt dieses
Blickfeld doch scheint...kann sie doch von ihrem Gatten nicht lassen,
erst recht nachdem sie dessen Geld für die ausschlaggebende Förderung
der Karriere Tschaikowskys "opfert" und folgerichtig auch keine
Unabhängigkeit im Leben mit ihrem wahren Liebsten voraussehen kann -
einen brotlosen Künstler heiraten, das kann sich die Frau von Welt nicht
vorstellen (im Grunde hat sie aber wohl nur nicht die Idee einer
erfolgsversprechenden Investition verstanden oder sie ist insgeheim doch
nicht von seiner Begabung überzeugt).



Dagegen steht die indirekte Nebenbuhlerin Nastassja Petrowna Jarowa
(Marika Rökk), mit der sich die 'Katja' nur wenige Begegnungen teilt.
Sie verkörpert das Kindliche, Eifersüchtige, Lebensfrohe - angereichert
mit feurig-aufbrausendem Temperament und einer Leidenschaft fürs
extravagante, artistische Tanzen, in dem sich auch ihr abwetzendes
Ventil für den Frust der unerfüllten Liebe finden lässt. Mit ihrer
östlichen, lieblichen Erotik könnte sie eigentlich jeden Kerl weich
machen, nur unseren Peter nicht. Der sieht in seiner Schwermütigkeit
sein einzig passendes Pendant in der Katja, die ihm allerdings mit ihrer
ganzen Pein entsagen muss. Noch schlimmer wiegt, dass ihr Ehemann von
der ganzen Sache schnell Wind bekommen hat und ihr Gewissen mit kaltem
Schweigen quält, bis hin zur Einladung ins Tschaikowsky-Konzert, womit
er ausdrückt: "
Ich werde dir das Unerreichbare ganz nah vorführen, dass
du es nicht aushältst - kriegen darfst du es aber nicht."
Kein Wunder, dass die Ehe immer tiefer in die Verbitterung beider
Seiten absteigt, da kommt es sogar zu einem an ihn gerichteten Schlager
über die Polygamie, in welchem sie ihren Noch-Gatten harmonisch
zuschnauzt:
"
Nur nicht aus Liebe weinen,
es gibt auf Erden nicht nur den einen.
Es gibt so viele auf dieser Welt.
Ich liebe jeden, der mir gefällt.
Und darum will ich heut' Dir gehören,
Du sollst mir Treue und Liebe schwören,
wenn ich auch fühle, es muss ja Lüge sein,
ich lüg auch und bin Dein."
Die ganze Lage verschärft sich, als der Kritiker Kruglikow die
Geliebte Peters in ganz Moskau entlarven will, um dessen Ruf zu
zerstören (und um Nastassja für sich zu gewinnen, weil er aufgrund ihrer
Schwärmereien glaubt, Peter und sie hätten was miteinander). Nach einer
gepflegten Ohrfeige soll es zum Duell kommen, doch Kruglikow steuert
stattdessen auf den gehörnten Ehemann Michael zu und eröffnet ihm, dass
es ja um seine Frau gehe und deshalb er das Duell ausführen sollte, was
dieser auch mit finsterem Blick gerne annimmt. Um Katja aber nicht zu
kompromittieren, behauptet Peter, dass es im Streitfall um Nastassja
ginge und dass er gedenkt, sie zu heiraten. Da erfüllen sich nun ihre
Träume und es kommt zur 'erzwungenen' Hochzeit.



Tschaikowsky kann bei seinem verstohlenen Gemüt rein gar nichts mit
ihrer trink- und feierfreudigen, liebenswert-spaßigen Verwandtschaft
(unter der sich offenbar auch Rasputin befindet) anfangen und lässt
seine vermeintliche Gattin trotz untertäniger, sinnlicher Avancen wie
ein Scheisskopfsky feige im Ehebett zurück - schleicht sich sodann in
die Nacht hinein und wandert betrübt durch Moskaus Gassen, bis er dort
seinen Freund, den Professor Hunsinger vorfindet, welcher ihn
aufmuntert, sich nun seiner wahren Liebe, der Kunst, zu widmen. Sodann
erwachen in ihm die Lebensgeister und anhand einer virtuosen
Überblendungsmontage erleben wir seinen symphonischen Aufstieg zum
göttlichen Superkünstler.



Viele Jahre und Erfolgstourneen später kehrt er in sein Heimatland
Russland zurück, welches inzwischen von der Cholera heimgesucht und auch
seinen liebsten Diener Stephan dahinrafft. In seiner intensiven Trauer
über den Verlust seines Freundes steckt er sich bei ihm an, doch ehe er
dem Sterben erliegt, trifft er nochmals Katja wieder, die inzwischen von
ihrem Gatten getrennt lebt und nun der Gütigkeit zuteil wird, dass
Peter sich bei ihr für ihre finanzielle und emotionale Unterstützung
bedankt und fortan mit ihr zusammenleben will. Es darf leider nicht
sein, noch während der Aufführung seiner Pathétique landet er auf dem
Sterbebett, lässt immerhin noch Katja zu sich und dirigiert scheinbar
zum Himmelstor hinein sein Stück noch zu Ende. Sein Gesicht erfährt eine
Abblende, Katjas vergeht in verschwommenen Tränen. Doch ihr Trost ist
die Gewissheit der ewigen Liebe und das unsterbliche Erbe eines großen
Künstlers, weshalb Tschaikowskys Leichnam doch noch in gleißendem Glanz
erblüht.



Froelichs musikalisches Melodram mag zwar nicht ganz der Realität
verbunden sein, dafür aber umso mehr dem Werk Tschaikowskys, dass hier
mit wirksamen Fokus auf die Empathie mit den leidenden Protagonisten
ständig hörbar einbezogen wird und ganze Szenen inkl. Übergänge
beherrscht. Visuell erfahren diese Noten ebenfalls ihre stimmungsvolle
Entsprechung, verweilt die Kamera doch hauptsächlich auf den wehmütigen
Blicken seiner getrennten Liebenden, umschlossen vom leisen Schnee, der
in beständiger Nacht auf die teils prunkvollen, teils theatralischen
Pappaufsteller-Kulissen fällt. Aber auch die Lust zum Tanze macht sich
aufreizend und flott-inszeniert bemerkbar, mit edlen Choreographien und
einer aufregenden Marika Rökk am Rande körperlicher Verausgabung. Denn
auch in ihr steckt die aufstrebende Romantik, die ebenso Tschaikowskys
Arbeiten ausmachte, ob nun in elegischen Moll-Tönen oder rasanten
Walzern. Beide Ebenen sind ihm zugetan, letztendlich kann er sich aber
nur für die Melancholie entscheiden. Wenn man aber ehrlich ist, sind
doch beide ausgezeichnet.



Regisseur Froelich setzt dem Komponisten somit kein Denkmal, dass es
so genau nimmt - der Grundidee dessen Werkes wird er aber schon gerecht,
in dieser Russland-freundlichen Produktion, die allzu passend für den
Deutsch-Sowjetischen Nichtangriffspakt ab jenem Zeitpunkt der Entstehung
des Films steht (und dennoch kein Klischee auslässt, was z.B. den Wodka
betrifft). Überlebensgroße Künstler zu bedeutenden Pionieren zu
stilisieren, hatten die Deutschen ohnehin gut drauf, meist mehr zu
Propagandazwecken für die streitbarsten Typen (siehe '
CARL PETERS' und
'
OHM KRÜGER'), dann aber auch wiederum für die inspiriertesten Künstler
(u.a. '
FRIEDEMANN BACH', '
FRIEDRICH SCHILLER - TRIUMPH EINES GENIES',
'
WEN DIE GÖTTER LIEBEN', sogar '
ROBERT KOCH - DER BEKÄMPFER DES TODES').
'
ES WAR EINE RAUSCHENDE BALLNACHT' lässt sich trotz verminderten
Wahrheitsanspruch noch in die zweite Kategorie des Heldenkults anhand
seiner latenten Suggestion germanischer Großzügigkeit in der
Projektionsfläche eines würdigen Künstlerportraits einordnen.
Dass dennoch eine durchgehende Freundlichkeit und Liebe zur
russischen Mentalität, Melancholie und Kunst den Grundtenor des Films
beherrscht, lässt sich dennoch nicht abstreiten, dafür sorgen schon
allein das reizvoll-positive, bunt-romantische Figurengefüge innerhalb
des grundlegend-warmen, winterlichen Ambientes und die offene Empathie
zur tragischen Cholera-Situation in der Bevölkerung Russlands. Überhaupt
scheint es durchweg schicklich, ein herzliches und dramatisches
Unterhaltungsstück von Erfolg, Sehnsucht, Kunst und Liebe in diesen
exotischen Schönheiten so ambitioniert abzuhalten, soviel schöpferische
Leistung Froelich doch in seinem naiven Märchen und seinen Darstellern
fand. Die Gefühle waren so vielleicht niemals da und erscheinen manchmal
plakativ-kitschig, von ganzem Herzen kommen sie trotzdem, denn sie
schöpfen auch nur die Liebe aus der Kunst heraus, wie es auch
Tschaikowsky tat.
THE RETURN OF THE FIRST AVENGER -
[...] Der Zweck erfüllt sich jedenfalls vorzüglich und bleibt bei über zwei
Stunden Laufzeit durchaus gewitzt und explosiv – ein
explizit-auftretendes Gespür für Risiko, Ambitionen oder Überraschungen
bleibt aber erneut bestellt und nicht abgeholt [...]. Denn wo immer auch Misstrauen und
Unentschlossenheit entstehen, kann man noch wie gehabt erfolgreich
Muckis, Stahl, Schießpulver, ausgefeilte Strategien, Referenzen an
frühere und kommende Leinwandabenteuer sowie das Animationsteam aus
Korea entgegensetzen – auf Dauer wird das aber nicht reichen. [...]
Die komplette Kritik gibt es auf
CEREALITY.NET zu lesen.
EIN MANN AUF ABWEGEN - Da sehnt sich der schwedische Ölmagnat Percy Patterson doch glatt
eines Tages nach der Flucht aus dem dekadenten Alltagstrott seines
Millionärsdaseins, inszeniert nach einem wehmütigen Klage-Chanson auf
der heimischen Jahrmarktsorgel sein spurloses Verschwinden, weil es
scheinbar schlecht um die Aktien seines Konzerns stehen soll. Ihn führt
es fortan durch ganz Europa, wo er sich vergnügt in ihm unbekannte
Lebenssituationen stürzt, nimmt dafür auch andere Identitäten an - indem
er u.a. schlicht Papiere fälschen lässt und sich den Bart abschneidet,
so wie man sich einen Bruce Wayne aus '
BATMAN BEGINS' ohne Rache-Mission (sprich ohne Batman) vorstellen würde. Ohnehin fragt man sich schon ein bisschen, warum Herr
Patterson überhaupt das Weite sucht - nicht falsch verstehen: der müden
Routine entkommen zu wollen, kann man durchaus nachvollziehen. Viel
mehr wiegt erstmal aber der Eindruck, dass es einfach ganz im Wesen des
Darstellers Hans Albers liegen dürfte, ins Abenteuer aufzubrechen, als
dass man dies von der Figur selbst erwartet.



Doch das wird sich alles noch allmählich erklären. Bis dahin genießen
wir mit ihm die Vorzüge europäischer Exotik, zwischen verschlagenen
Gangster-Kumpels und deren süßen Schwestern - Percy ist nämlich noch
immer ganz der Frauenheld, selbst wenn er unter Pseudonym agiert. Ob als
Gaston, Emil, Dionysos von der Tonne oder Iwan: ohne das Anhängsel
eines großen Namen bleibt er stets ein Freund der Menschen, welche sich
ihm eben drum noch schneller öffnen und auch unweigerlich offenbaren,
wie der Gesellschaftsstand die Meinung formt - was er sich natürlich
ebenso mit trocken-schlagkräftiger Ironie zunutze macht. Er muss dabei
aber gleichfalls ständig in Bewegung bleiben, sind ihm der flinke
Journalist Nils Nilsen und die eigene Tochter Ingrid (ein verwöhntes,
doch ganz nach dem Vater kommendes, ausgefuchstes Mädel mit
Cagney-Visage) über den gesamten Kontinent auf den Fersen, um seine
Beweggründe für die Flucht zu erfahren.




In einer Zwischenstation eben dieser gastiert Percy in einem
Restaurant als Kellner und trifft beim nackten Krebssuchen am See auf
die ebenso nackte (und damit ebenso unbefangene) Lisaweta Iwanowna in
Not, deren Kleider auf dem davon treibenden Boot verbleiben, weshalb er
ihr zu neuen Kleidern verhilft, während er unter den Tönen &
Strahlen sommerlich-frivoler Komik aus dem Nackedei-abdeckenden Holzfass
guckt. Der gesellschaftliche Rang spielt da natürlich keine Rolle, als
sie sich näher kennen und verschmitzt lieben lernen (wunderbar
reflektiert durch eine Überblende aus dem Herzen Percys heraus), weshalb
sie auch allzu gerne bei seinem freimütigen Rollenspiel mitmacht und
ihn als Chauffeur einstellt. Letztlich imponiert Percy mit seiner neuen
Uniform in Genf die örtlichen Hoteliers, kann sich dabei als
"italienischer" Abgeordneter ausgeben und die besten Tische im
Restaurant bestellen. Und nicht nur das gelingt ihm, entlarvt er doch
den Assistenten Lisawetas als Vermögensveruntreuer. Als er mit dem
Ausziehen seiner Uniform das Signal zum Faustkampf gibt, reißt er aber
keineswegs eine Schlägerei vom Zaun, schmeißt sich stattdessen in einen
feinen Frack und setzt zum romantischen Diner, wie auch zum Telefonat
mit Stockholm an - wo der aufbrausende Investor Meyers aufgrund neuer
Forderungen von Percys Vertretung Sully schon drauf und dran ist, seine
Aktien zu verkaufen.






Schließlich treffen er und seine Liebste doch noch auf die Verfolger
Nils & Ingrid, die sich inzwischen auch sehr sympathisch geworden
sind und am breiten, prunkvollen Tisch löst Percy das ganze Rätsel um
sein Verschwinden so genüsslich-abdeckend auf, wie später auch Terence
Hill in '
NOBODY IST DER GRÖSSTE' (jedenfalls in der deutschen
Synchronfassung). Mit seinem Täuschungsmanöver und den fingierten
'Schwierigkeiten' in seinem Unternehmen wollte Percy nämlich den
umständlich-gewordenen Meyers endgültig als Anteilhaber loswerden. Der
Umstand der liberalisierenden Europa-Reise war dabei ein angenehmer
Bonus mit Heiratsabsichten und bereitet natürlich allen unseren
Protagonisten ein glückliches Ende, weshalb Hans Albers sich mit treuen
Äuglein letztendlich auch an uns Zuschauer wendet, es ihm nachzumachen -
liebestoller Eskapismus und cleverer Kapitalismus in einem Rutsch,
welch süße Fantasie.



Herbert Selpins Film verlässt sich bei der Vermittlung dieser
Geschichte natürlich hauptsächlich auf seinen abenteuerlustigen
Protagonisten, fördert in flotten 85 Minuten anhand des gewohnten und
beliebten Charakterdarstellers Albers die Lust aufs Gewagte, Aufregende
und Schöne, wobei er auch zum Großteil der Laufzeit die Motivation
seiner Figuren und die Zielrichtung des Narrativs bewusst lange in der
Luft hält, um speziell '
den Moment genießen zu können'. Kam ihm
sicherlich gut gelegen, war er seinen Arbeitgebern im dritten Reich
ohnehin mehr oder weniger schon unbequem (was sich auch in seinem
tragischen Lebensende wiederspiegelte) - kein Wunder, dass er mit diesem
Stoff hier die Flucht an vorderster, positiver Stelle setzte.
Folgerichtig muss man in diesem nach Abwegen gierenden Lustspiel auch
ein bisschen naive Theatralik in der coolen Sehnsucht nach Freiheit und
knackiger Erlebnisse erwarten, welche aber durch den nach außen
getragenen Spielspaß seines Ensembles deutlich wettgemacht wird und sich
mit unbemühter Sympathie beim Unterhaltungs-freudigen Zuschauer
niederschlägt. Wenn dann noch in genüsslich-pointierten Portionen der
Plot dahinfließt und mit leichtherzig-charmanter Direktheit, ohne große
Schwierigkeiten, alles passgenau abgefertigt und sinnig nachvollziehbar
gemacht wird, ist Zufriedenheit garantiert. Ein niedlich-schickes,
rasant-schmackhaftes und liebevoll-entführendes Sahnetörtchen in
Schwarz-Weiß.