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Sonntag, 17. Juli 2016

Tipps vom 11.07. - 17.07.2016



DIE BETTWURST - Wenn Laien Vorbilder sein können: Rosa von Praunheims Spielfilmdebüt holt ein ungezwungenes Miteinander vor die Kamera, das aus der Begegnung zweier immens eigener Individuen (Dietmar Kracht und Luzi Kryn) eine Tüte voller Süßigkeiten entwickelt, die so gut wie gar keine Dramaturgie bemüht, dafür jedoch ein Freiraum zum Leben abseits der Norm, im Zelluloid volle Breitseite Laissez-Faire erschafft. Der erste Einblick in den Alltag bleibt da auch noch (zumindest auf der DVD) stumm, doch das Wesen Luzis kündigt schon einen Tanz an, der wie eine Geburtsphase für das kommende Erlebnis der Einzigartigkeit zu sein scheint. Unbeholfene Gestik, der ständige Blick in die Kamera und kurz darauf schon: Die Stimme! Jene lässt sich in Textform natürlich schwer beschreiben, aber man stelle sich das unbedarfteste Tantchen (Von Praunheims echte übrigens) vor, wie es ohne Wenn und Aber von Trivialitäten plappert sowie schlicht nicht aufhören kann, an Herzlichkeit zu punkten. Als Zuhörer ist man bei ihr sodann schnell an einem reizvollen Platz gelangt; heimelig, mütterlich, schrullig - von allem etwas, ehe sie sich in die Natur begibt und dort den Grabstein ihrer Mutter pflegt. Praunheim unterbricht Stille wie Frieden auch nicht, verlängert jene Sequenz sogar mit einem Hauch von Zen innerhalb eines Films, der seinen Ruf als absurde Komödie der Dialektik weg hat. Seine Form des Humors gelingt aber im Verlauf auch deshalb, weil er ohne Ankündigung aus der Fassung tritt, nicht wirklich filmisch denkt.


Der Charme leitet sich gewiss auch aus der Freiheit eines Amateurs ab, so wie die mangelnde technische Sorgfalt individuelle Eckpunkte sowie Tempi im Naturalismus erschafft, keinen Deut auf Nachahmung setzt, aber alsbald eine unglaublich idealistische Liebesgeschichte erzählt, deren Hauptakteure man sich nur schwer und somit umso beglückender vorstellen kann. Luzi trifft nämlich in ihrem Zuhause Kiel (tolle Zeitkapsel davon übrigens) zufällig auf einen Hafengänger voller Ungewissheit, den ehemaligen Kleinganoven und aktuell wohnungslosen Dietmar - ein schüchterner Bursche von exzentrisch-enthusiastischer Art. Von der Außenwirkung her könnte man natürlich meinen, er sei schwul, im Rahmen des Films ist das jedoch kaum von Bedeutung, höchstens der Grund für einen stilistischen Kontrast, wie man das Verhältnis von Mann und Frau für gewöhnlich hält. Im Folgenden kriegt man sodann eine Kohärenz mit, wie aus Freundschaft Liebe wird. Das mit dem „Wie“ ist in dem Fall natürlich eine delikate Angelegenheit, so spontan man zusammen die Belanglosigkeiten von Eis und Tanz im Restaurant bis hin zur Gartenarbeit mitnimmt, eigentlich in etwa die langweiligsten Themen im Spektrum des Ereignislosen aufgreift und doch so persönlich füttert, dass man die naive Euphorie der Beiden nur ansteckend finden kann - erst recht, wenn der Nachbarshund vorbei schaut, im Hintergrund Von Praunheims Anweisungen zu hören sind. Das alles verpackt sich zudem in einen provinziellen Chic Ende der 60er/Anfang der 70er Jahre, so trist und bunt zugleich, dass selbst Pappe Charakter kriegen würde.


In solcher Manier wirkt die Romanze vielleicht noch ein Stück irritierender, gleichzeitig freut man sich über ihre Existenz, bedankt sich auch mit starkem Gelächter, wenn Luzi „Ich liebe dich“ mit derselben duften Intonation wie alles andere mehrmals hinterherjagt, während Dietmar in stammeliger Theatralik noch eine Schippe drauf legt, u.a. die Schönheit ihrer Haare (mehrere Perücken) lobt. Da hört es auch nicht im Bett auf, wenn er ihr den Morgen darauf seine Bedrängnis, von schweren Jungs (nicht den leichten Mädchen) von einst verfolgt zu werden, offenbart und somit quasi bei ihr einzieht, beim Haushalt mithelfen will und sich auch vielerlei Instruktionen dazu aufmerksam anhört. Mit der Menge an Drolligkeit muss man erstmal klar kommen, auch wie Luzi frei jeder Skepsis alles mitmacht, zumindest auf Ordnung setzt, weil Mann ja sonst nicht an sowas denkt. Die kleinen kecken Volksmund-Weisheiten an Erfahrung gehen nicht aus, ebenso die Freude auf Weihnachten und Farbfernsehen, die Dietmar als Kind entsagt wurden und Luzi nun mir nichts, dir nichts mit ihm nachholt. Wie sich der Film dann auch in die Begutachtung der Geschenke verliert, dem Dietmar mit dilettantischen Zooms beim Duschen zuschaut und sprunghaft wie nirgendwo sonst seine Tonspur zusammenklebt: Ein Gedicht! Der wahre Kracher offenbart sich aber nochmals in einem Finale voll verspielter Deftigkeiten, Akzente, vollkommen aneinander vorbeiredender Synchronisation, Über-Theatralik, Räuberpistolen sowie wackeliger Stege. Das Chaos regiert in stimmig-ausgelassener Unbeholfenheit, evoziert für sich eine Glaubwürdigkeit der Eigenarten, bei welcher man dem Austausch zweier grundsympathischer Bettwürste selbst in derer billigsten Unterwäsche stets lauschen möchte. Da darf der Abflug zum Glück nicht fehlen, auch wenn er nicht mal am Rande als solcher zu erkennen, trotzdem einer ist. Die Welt so erfrischend aufgeklärt und daneben in Empfang zu nehmen, Mensch, das wäre heute noch die Sensation!




REN SHE DA ZHAN aka CALAMITY OF SNAKES - Wenn man sein Leben lang regelmäßig Filme schaut und, wie in meinem Fall, allmählich an die 6000 von gesichteten Werken herankommt, stellt sich nicht unbedingt eine Krisis ein, ob es noch etwas zu sehen gäbe, sondern eher, was sich noch alles inmitten globaler Verfügbarkeit versteckt. Dabei geht es letztendlich gar nicht mal so sehr um Angeberei, wenn man sich dafür in einige Untiefen sowie Opiumhöhlen abgebrühter Abwegigkeiten begibt, Erschreckendes schöpft und sich von diesem verschlingen lässt. Auf derartigen Pfaden der Neugierde begegnete mir also Chi Changs taiwanesische/hongkongende Horror-Farce über ein Imperium an Schlangen, das Bauarbeiter, Bosse und Bewohner eines Wohnkomplex-Wolkenkratzers heimsucht. Fern jeder modernen Ethik ist die Kunst dieses Films zunächst durchaus eine handfeste Beleidigung für jeden Tierfreund, so wie garantiert Hunderte bis Tausende von Schlangen hier auf Zelluloid ihr Leben lassen und morbide Schrauben um unsere Augen drehen, welche unser Gewissen plagen und doch bis zum Schluss bannen. Wie viel das über eine perverse Faszination meinerseits erzählt, möchte ich glaub ich nicht mal wissen. Die Konstellation ist jedenfalls nochmal eine andere als eine à la Umberto Lenzis „Die Rache der Kannibalen“, wenn der Tier-Snuff hier auf eine Größenordnung angesetzt wird, die einfach nur absurd scheint, bereits von Anfang an einen Bagger mit mehrfacher Wucht auf eine Schlangengrube einschlagen lässt, bis dieser voller Blut eingesaut ist.


Nebenbei sieht man anderen Mitgliedern der Arbeiterklasse dabei zu, wie sie die schlängelnden Tiere mit Spaten zerteilen, kurz darauf zeigt sich die Selbstverständlichkeit der Ausweidung auf grellen Marktplätzen, welche Herz und Blase des Tieres zur Begutachtung herausstellen. Eine extremisierte Geräuschkulisse bedrängt den Zuschauer umso mehr in eine filmische Mauer des Fleisches, zur perfiden Empathie mit einem Leiden, dass der Film selbst erschaffen hat. Die Reihe verlängerter Einstellungen an Quälereien, Verbrennungen und Kämpfen mit Madern setzt sich im Verlauf gewiss fort und setzt dafür sogar rockige Source-Musik ein, zumindest einmal auch aus Goblins „Zombie“-Score entliehen. Nicht von Vornherein abschreckend ist jedoch der Kontext, in dem diese Sachen passieren und von einem fremdartigen Filmverständnis berichten, das kulturell bedingt andere Formen des Taktgefühls mit sich bringt, dennoch westliche Schauwerte zu bedienen versucht, darüber hinaus jedoch komplett daneben einen geradezu reizvollen Schlund von 90 Minuten Länge erschaffen kann. Wohlgemerkt hat der Film seine Längen, wie er damit sodann seinen Schlangen entspricht, das Handlungsangebot bleibt dementsprechend simpel und doch eine ungewohnte Erscheinung.


Der an allen Ecken und Enden sparende Monopolist Francis Chang gibt sich seinem Architekten Chu Cheng Fung dabei anfangs noch als volksnaher Mann jenseits der Bürokratie, sein Respekt gegenüber Natur und Aberglauben lässt jedoch sofort zu wünschen übrig, wenn er manchen herbeigeeilten Visionen kein Vertrauen schenkt und stattdessen Massen an Schlangen tötet, um den Bau voranzutreiben. Sein Architekt kämpft trotz weiterer lukrativer Angebote wie ein waschechter Howard Roark durchweg mit dem Gewissen ob seiner Integrität, doch er bleibt wie seine Liebesgeschichte nur Stichwortgeber für einen sich bald entfaltenden Horror, den man dem Profit halber einzudämmen versucht. Ein bisschen „Der Weisse Hai“ schwingt durchaus mit, wenn die Ausbeutung ihre Opfer erfordert und Chang stur bleibt, doch die Ballung an Eskalationen erreicht hier nochmals fiebrigere Dimensionen, wenn der Reichtum nicht bloß die Armen gegen noch ärmere Tiere aufhetzt, sondern zudem einen Meister bestellt, der in hypnotisierender Zeitlupe voller Gross-Out-Momenten die Schlangen beherrscht sowie via Martial Arts bekämpfen kann. Der Höhepunkt an Absurditäten passiert sodann bereits zur Mitte des Films, wenn eine gigantische Boa im Lagerhaus zum „Duell der Giganten“ einlädt, durch die Lüfte fliegt und würgt, ehe der alte Mann zurück beißt, sie wie in „The Hateful Eight“ erhängt und dennoch nur wenig Entlastung für eine Inszenierung aufbietet, die sich an Dynamik und Räudigkeit zugleich kaum satt sehen kann - im Gegenteil!


Sobald das einst gefährdete Hochhaus nämlich bezogen wird, ergibt sich ein Spektrum an Bewohnern, das den Film mit überborderndem Slapstick anfüttert, angeführt vom trotteligen Assistenten Changs, Mr. Ma, sowie einer etwas beleibteren Dame, die sich voller Eifersucht durchs Buffet schlemmt und dafür mit einer Montage zu fressenden Schweinen bedacht wird. Der auf Tod und Leiden erbaute Hedonismus bleibt aber einem „High-Rise“ und „Shivers“ ähnlich nicht allzu lange aufrecht, so wie die Schlangen sich in Massen rächen, die letzte halbe Stunde Laufzeit terrorisieren, an denen man sich nur ein schweres Bild von Dramaturgie und charakterlichen Verhältnissen machen kann, ehe die unwirklich floreszierende Seuchenbekämpfung in den zurückeroberten Moloch eindringt und doch nicht das Feuer ungebändigten sowie moralisch fragwürdigen Filmschaffens aufhalten kann. Solch ein Chaos voller Widerwärtigkeiten und Kontraste im schludrigen wie packenden Rahmen kriegt man nur noch selten zu sehen, offenbart natürlich erneut die teils unergründliche Psychotronik asiatischer Genre-Arbeit, ist aber selbst für erfahrene Semester keine schlicht goutierbare Angelegenheit. Verstörung und Wahnwitz liegen nah nebeneinander, wenn sich dieses Ungetüm an Film mit Massen an toten Tieren brüstet und diese bizarr zurückschleudern lässt, bis das Inferno an Urängsten aus der Grube heraus in den Himmel jagt.




STREETDANCE: NEW YORK - "[...] Weibliche Emotionen verschießen schon Tränen, wenn eine flüchtige Bekanntschaft eine Chance auf ein besseres Leben ausschlägt, gleichsam unvermittelt kommen in der U-Bahn-Station wilde Dance Battles zustande, die mit dem Knalleffekt von „Tokyo Tribe“ mithalten können. Tanzsequenzen sowie wortwörtliche Duelle werden ohnehin das Highlight individualistischer Katharsis, ob nun beim Benefizbankett zum Tango gegen den schnöseligen Nebenbuhler oder bei den Ballettübungen unter Altmeister Kramrovsky. [...] Schließlich verlässt sich der Film im Verlauf auch nicht darauf, den Zwang des Realismus zur dramaturgischen Vermittlung vorherrschen zu lassen. Eher verstärkt er seine Klischees und Topoi zu Spaßgaranten, um die inneren Überraschungen eines Jedermann zu akzentuieren. [...]"


(Die komplette Kritik gibt es auf CEREALITY.NET zu lesen.) 




LOONEY TUNES - BACK IN ACTION - Joe Dante versuchte sich hier erstmals (leider auch einmalig) dort auszutoben, wo er sich in Sachen Dynamik seit jeher orientiert hatte, in „Gremlins 2“ zweifellos am offensten hommagierte: Die Looney Tunes - Bugs Bunny, Daffy Duck, Schweinchen Dick, Road Runner und Co., alle sind sie vertreten und für Puristen nochmal ursprünglicher gefasst als im wilden Mash-Up von „Space Jam“. Obwohl jener Aspekt, die anarchische Varietätenshow der Cartoon-Chaoten als unbedarfte Spaßmacher binnen realer Welt zu integrieren, derartig gelingt, hatte Dante laut eigener Aussage und vielerlei Berichten enorme Einschränkungen in punkto kreativer Freiheit. Die Vermarktungstauglichkeit z.B. interveniert bemerkbar anhand der menschlichen Komponente von Sicherheitskraft/angehendem Stuntman DJ Drake (Brendan Fraser), der mit Hinblick auf die Entführung seines Geheimagentvaters Damien Drake (Timothy Dalton) den Großteil des Plots vorantreibt, die titelgebenden Zeichentricksler ziemlich spärlich motiviert mitschleppt. Letzteres kann natürlich relativ gesehen werden, so gelockert das Narrativ vom Film aufgenommen wird, vielleicht sogar weniger packt, als dass es die Plattform für reichlich Gags und andere kreative Auswüchse der Tunes hergibt. In der Hinsicht kann der Film seine Stringenz zwar gewiss nicht die vollen 90 Minuten durchhalten - erst recht, wenn er gen Akt Drei mehrere globale Sprünge bewältigt -, die bunte Parade an Pointen und Meta-Jokes kommt allerdings mit konstantem Karacho zur Geltung.


Vorwiegend ergibt sich dies aus der Dynamik/Rivalität zwischen Bugs und Daffy, wie sie hier nun innerhalb der Warner-Bros.-Studiomauern um Umfragewerte und Karriere buhlen, während manch andere Maskottchen längst im Nebenjobs gelandet sind, der politischen Korrektheit wegen Imagewechsel pflegen müssen oder auch zu den Bösen des Waffenkonzerns ACME, angeführt von Steve Martin als Oberhonk, wechseln. Klingt nach ganz schön viel Roger Rabbit in dieser Klamauk-Kiste, wenn auch noch längst nicht so geladen an charakterlich zuspielender Formvollendung sowie dem Konflikt zwischen Real und Irreal als Grundader der Spannung. Bei Dante ist der freimütige Blödsinn schon eine Selbstverständlichkeit, gleich nebenan beim Rummel des Filmemachens, als Casino-Besitzer oder Arbeitskräfte allgemein tätig. Kein Grund also, auf Regelmäßigkeiten zu achten, genauso nach Laune lässt Dante auch Mitglieder seiner Stammbesetzung cameo'en, zur Mitte hin auch einfach mal Ikonen des steinernen B-Movie-Sci-Fi der 50er Jahre - ganz zu schweigen von den Referenzen zu seinem eigenen Werk. Solch kecke Einwürfe voll audiovisueller Verspieltheit helfen durchaus auch bei der Wandlung von Marktforscherin und Love-Interest Kate (Jenna Elfman), die zur unverhofften Begleiterin von DJ und Konsorten wird, um nicht selbst im Karriereaus an Fehleinschätzungen zu enden.


Looneys wie Dante geben eben nicht nur an ihr durch, dass die alte Garde noch nicht ausgedient hat und das originäre Konzept keiner Anpassung oder Anbiederung bedarf, um gelungene Lacher zu liefern, die Fühler stattdessen in vielerlei mehr Richtungen ausstrecken sollte - die Beweisführung erfolgt sogar am eigenen Film, der ohne seine Handlung auskommen könnte, so wie sich diese noch bemüht, ein Blockbuster-Abenteuer auf großer Bühne vorzuführen, um letztendlich doch nur als Verbindungsstück von fixem Shtick und Sketch-artigen Episoden zu gelten, in denen auch mal mehrere Zeichenstile der Jahrhunderte am Spaß teilhaben dürfen. Zumindest ist all dies auch mehr als nur halbwegs nach bewährter Manier gestaltet und rasant in der Eskalation an Sarkasmus/Wortspielen, auf dass der Old-School-Spirit eine ehrbare Plattform erhält. Von kassentechnischem Erfolg war jene Angelegenheit leider nicht gekrönt, wohl aber auch ironischerweise der fehlenden Unterstützung in Sachen Marketing geschuldet, nachdem die Produktion einige Umkosten, Reshoots und weiteres Misstrauen dem Endprodukt gegenüber hervorbrachte. Ein verkalkulierter Jammer, wo doch soviel temporeiches Potenzial in dieser Marke Studio-übernehmenden Wahnsinns steckt und im Serien-Format auch weiterhin Fuß fassen kann, nicht bloß in den verwandten „Tiny Toons“ und „Animaniacs“ der 90er.




INDEPENDENCE DAY: WIEDERKEHR - "[...] Er übernimmt sich in der Zusammenkunft seiner Charaktere mit solch Sprunghaftigkeit, dass man in dramaturgischer Hinsicht von mangelnder Geduld sprechen kann – oder von einer inszenatorischen Verwandtschaft mit Klaus Lemke. [...] Für Freunde des gepflegten Honk-Faktors regnet also eine seltene Sternschnuppe die Leinwand herunter, an der ungeniert Flachwitze und Grinsegesten im Angesicht totaler Vernichtung angewendet werden. Und nicht nur nostalgische 90s Kids erkennen den Unterschied zur Ironiefabrik Marvel, wenn ein Emmerich seine im Kriegskitsch romantisierten Dumpfbacken ausstellt, die ihren Bad-Ass-Pathos von selbst lächerlich machen, ohne es zu merken. Mit jener Qualität an Käse lässt sich dennoch nicht unterminieren, wie beiläufig das Massensterben via CGI nun hingenommen wird [...]"


(Die komplette Kritik gibt es auf CEREALITY.NET zu lesen.)

Sonntag, 14. Juni 2015

Tipps vom 08.06. - 14.06.2015



OVER THE TOP - "[...] Doch dieser weiß seinen Sohn zu motivieren, auf dass er sich der Herausforderung stellt und aufs Ganze geht. Selbst wenn er verliert, hat er es immerhin versucht. Dieses Credo gilt nicht nur im persönlichkeitsbildenden Rahmen des Films, sondern steht auch bezeichnend für Menahem Golan und seinen Produktionspartner Yoram Globus. Als Bosse der Cannon Films hatten sie weiß Gott keinen guten Ruf oder das nötige Know-how. Doch selbst in schwierigen Zeiten, wie dem Entstehungsjahr von „Over the Top“, gingen sie auf volles Risiko und steckten mehrere Millionen in ihre bis dahin kostengünstigen Projekte, um zumindest den Versuch zum Durchbruch in die Mainstream-Industrie gewagt zu haben. Nun ist es streitbar, ob sie mit Würde oder Dummheit verloren haben – das Vermächtnis zeigt sich allerdings im noch steigerungsfähigen Prozedere von „Over the Top“. Der Titel ist Programm. [...]"



(Die komplette Kritik gibt es auf CEREALITY.NET zu lesen.)




COOL BLADES - NUR DER SIEG ZÄHLT - Es wäre eher kontraproduktiv, näher darauf einzugehen, was dieses ganz besondere Beispiel verdrehter 90er-Jahre-Kultur ausmacht - oder wie allein die deutsche DVD vom Label MCP zu diesem Streifen aufgebaut ist. Was man zumindest an Infos rausspucken kann, ohne den ganzen Spaß an der Sache zu unterminieren: Es gibt Rollerskates und Surfboards, stumpfe und verliebte wie bekloppte Teenies, druchweg dusselige Eltern, ein flottes Erzähltempo (allerdings ohne echten Schluss) sowie plakative Soundtracks und spekulativen Pop zwischen High-School-Komödie, Romanze und Sportfilm. Eben auch voll mit Deppen und Einfältigkeiten, doch dann wieder überraschend durchgedreht und überwältigend taktlos. Eben etwas ganz Besonderes für erfahrene Genre-Zuschauer, da der Film ein Bündel an Überraschungen bereithält. Aber das muss man selbst erlebt haben - vom Hörensagen allein wird man nicht die totale Dröhnung erhalten.




DIE REISE INS ICH - In einer Kinowelt, in welcher nur noch immer größer und brachialer gedacht wird, ist es doch eine recht goldige Erfrischung, den Spaß im Verkleinern zu finden. Und dabei ist noch gar nicht mal vom demnächst anstehenden Ant-Man die Rede. Joe Dante schafft das Heldentum immerhin schon fern des ausgewiesenen Superhelden am neurotischen Martin Short, in dem eines Tages - durch die fantastische Reise des Spielberg'schen High Concepts - der draufgängerische Dennis Quaid drin steckt. Auf das Potenzial naiv überspitzter Sci-Fi-Paranoia folgt sodann ein stimmiges Arsenal an Situationskomiken, bei denen Motivation und Hormone ganz entscheidende und auch visualisierte Faktoren sind. Irrwitzige Verfolgungsjagden, Wissenschaften und eine herrlich verkopfte Lebenshilfe schießen hier durch die Blutbahn, während der Eskapismus im Kurzweil plakativ, aber nimmer abgestanden den Nervenkitzel antreibt. Das Spektrum an Erfindungen ist hierbei nie wirklich logisch, belässt seinen Anspruch allerdings entschieden am Erfindergeist der Leinwandunterhaltung - gänzlich ohne Steifheit und Anbiederung; schlicht aus den Charakteren heraus. Da ist Dante aber trotzdem ein bisschen in der oben angesprochenen Comic-Welt angekommen. Kann aber von Natur aus nur ein launiger Streifen sein, von daher gehört es sich eben so am Besten. Mehr sollte man bis hierhin vielleicht nicht verraten, der Spaßfaktor bleibt lieber der Sichtung an sich überlassen. Fun Fact: Kam hier in Deutschland in jener Woche raus, in der ich geboren wurde :D


 

TOKYO TRIBE - "[...] Das bringt absurden Spaß und ein gewisses Maß an Erschöpfung, allerdings auch eine Grenzenlosigkeit des Wildseins, wie man es dieser Tage höchstens noch von „Mad Max – Fury Road“ kennt. Endlose Eindrücke reißen sich fern entschiedener Auflösungen um die Aufmerksamkeit von Aug und Ohr; Martial Arts und Gangs mit Samurai-Panzern verbünden sich anhand von Rap Battles zum bunten Handgemenge gegen die Bösen; härtegeprüft und superräudig fetzt sich die Musik durch überschwängliche Plansequenzen voll slapstickhafter Einzelbilder. Wie so oft im asiatischen Kino stellt man fest: So etwas hat man noch nicht gesehen. Ob es für jedermann gut zu goutieren geht, steht auf einem anderen Blatt. Ohnehin bleibt neben dem reinen Unterhaltungsfaktor pausenloser Maxime nicht viel übrig. [...]"



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DIE CITY COBRA - "[...] „Bei Leuten wie dir hört das Gesetz auf. Du verdienst keine Rechte, Scheißkerl.“ Wie bei fast allen extremeren Filmen der achtziger Jahre ist es auch hier schwierig, als Zuschauer eine Balance zu finden, die den hitzigen Unterhaltungsfaktor des Films anerkennen und der dort herrschenden ideologischen Infantilität genügend Distanz zum aktuellen Zeitgeschehen zugestehen kann. Der Fokus auf Stil, Mode und Coolness hilft gänzlich amüsierend über die Runden, wie auch das Spektrum an Kommunikation in seiner Macho-Logik selbst damals schon als unfreiwilliger Humor hätte durchgehen müssen. Wäre natürlich gelacht, wenn man als junger Mann nicht doch eine Art vorbildlichen Reiz in der „City Cobra“ erkennen könnte. Doch darin überwiegt wohl mehr deren freie und draufgängerische Haltung als das politische Wunschdenken Cobrettis. Und wenn man ehrlich ist: Seine kleine Romanze mit Ingrid ist eine recht süße Angelegenheit. [...]"


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GLEN OR GLENDA - Ein Mann legt sich selbst offen - und alle dürfen zusehen, ohne dass jeder Zuschauer zum Ende hin überhaupt davon weiß. Das ist der schönste Reiz an Edward D. Wood Jr.'s Debütfilm „Glen or Glenda“. Was zunächst als schnelle Sexploitation gedacht war, wandelte sich unter seiner Ägide zum Plädoyer fürs Verständnis in Sachen Transvestitismus - einem ganz privaten Sujet, welches seine eigene Persönlichkeit ausmachte und ebenso nicht jedem seiner Mitmenschen bekannt war. In Tim Burtons „Ed Wood“ zeigt sich dies sodann auch so, dass nicht mal Woods damalige Freundin Dolores Fuller davon wusste und erst beim Lesen seines Drehbuchs die Anhaltspunkte verknüpfen konnte. Umso spannender gestaltet sich deshalb die Metaebene in „Glen or Glenda“, da Wood und Fuller in den Hauptrollen scheinbar so ziemlich die Beziehung aufspielen, in welcher sie sich zu der Zeit selber befanden. Dass dies im Rahmen eines Aufklärungsfilms gehalten wird, offenbart in dem gesteltzten Schauspiel eine Unschuld und Ungewissheit, die eben aus der Realität des Ganzen rührt. Allen voran Wood als Glen/Glenda - ohnehin unter dem Pseudonym Daniel Davis auftretend - schafft darin eine zärtliche wie verletzliche Aufarbeitung, die entgegen aller technischer Fauxpas' des Films tief in die Innenwelt seines Erschaffers schaut und somit unfreiwillige Lacher im Zaum hält. 


Gesellschaftliche Missverständnisse und Spekulationen treten dabei aus dem Off als Zeichen des urbanen Trubels auf, der mit seinen Eindrücken der Moderne schlicht entmenschlicht und alle Optionen der Selbstfindung im ignoranten Glaskasten abgeschlossen hat. Später lässt diese kalte Realität Glen/Glenda auch noch fallen: Im Selbstzweifel darüber, ob er seiner Barbara vor der Hochzeit noch seine Neigung beichten soll, verliert er sich in einen Alptraum der auferlegten Schwäche. Menschen zeigen auf ihn und lachen ihn aus; Visionen sexueller Perversion ringen um seine überforderte Aufmerksamkeit; ein Baum in Form eines Y-Chromosoms fällt auf Barbara, weshalb Glen und Glenda gleichsam die Rettung versuchen; kurz darauf spielt ihre Weiblichkeit geradezu geisterhaft mit ihm herum, wie auch ihr Angora-Pullover ihn durchweg lockt - der Voice Over lässt da wie gehabt bei Regisseur Wood keine Zweifel. Wie sich aber die berauschenden Traumsequenzen genau deuten lassen, bleibt dem Zuschauer aber ein Geheimnis, präsentiert aber selbst in deren klobigem Setdesign (doch stimmungsvoller Lichtgestaltung) genau die Welt, in der sich Wood zeitlebens fühlen musste. Sowas abstraktes wirkt bis heute reizvoll, wie auch die Funktion von Altstar Bela Lugosis als Gastrolle im Film jenseits des Erklärlichen arbeitet. 


Pull the strings!“ ist da sein ständiger Befehl als scheinbarer Puppenmeister, der in suggestiver Montage über die Menschen wacht und sich an ihnen amüsiert. Im unheilvollen Loop des Gewitterdonnerns und zwischen Dekorationen des Morbiden thronend, ist sein Einfluss auf das irdische Reich so mysteriös wie ehrfurchteinflößend - da wird nicht umsonst gern rumort, wie sehr David Lynch der Film gefällt. Manche Einstellungen, wie Glen/Glendas lethargisch-hypnotischer Gang an Lugosis Stuhl, gefolgt vom metaphysischen Transfer in eine andere Persönlichkeit, könnte nicht nur optisch ohne Weiteres „Twin Peaks“ (man denke allein an David Duchovnys Rolle) und „Lost Highway“ sowie deren Hadern der Identitäten vorwegnehmen. Doch so surreal Woods Verarbeitung seines Transvestitismus von statten geht und mit herzlicher wie intensiver Verletzlichkeit um Verständnis bittet, so hartnäckig versucht die sanktionierte Rationalisierung der Filmproduktion, eine wissenschaftliche Zurückhaltung des individuellen Impulses nach dessen melodramatischer Ekstase zu erwirken. 


Wohl deshalb kommt gegen Ende hin nochmal eine Art Adaption der Christine-Jorgensen-Story ins Spiel, die als Kompromiss der ursprünglichen Auftragsarbeit übrig geblieben ist und somit eher wie neutralisierendes Beiwerk daher kommt - obwohl es sich zum Schluss hin auf dieselben Pfade der Glen-or-Glenda-Storyline begibt. Als Opfer der Umstände bleibt „Glen or Glenda“ also nicht formvollendet, doch das passt irgendwie wieder zum dargestellten Thema an sich. Auf jeden Fall funktioniert der Film grandios als Spiegelbild eines Künstlers, der persönliche Obsessionen und markttaugliche Verpflichtungen trotz mangelndem (oder naivem) Fachwissens verbinden wollte und dies (auch unfreiwillig) als Gesamtkunstwerk technischer Unfertigkeit umsetzte. Ein schönes Kleinod.




MATINEE - DIE HORRORPREMIERE - Wenn Joe Dante seinen Idealismus zum Kino alter Schule - besonders jenes voll schaumännischer Qualität nach Art jener Altmeister wie William Castle - mit der Sensibilität des Coming-of-Age zur Zeit der Kuba-Krise verknüpft, ist im Umkehrschluss selbstverständlich Freude zum Film die Hauptdevise. Da wird es auch völlig gleich, ob die Mischung vom Tempo oder vom Ton her gänzlich stimmig verläuft (tut sie übrigens nicht). Wenn die Realität der Angst und Ungewissheit im Angesicht der liebevoll erschreckenden Leinwand in ein ganz eigenes, beklopptes Weltuntergangsabenteuer geschmissen wird - im Nachhinein mit gut lehrsamen Schrecken entlastend, wohlgemerkt -, ist die Abendvorstellung befriedigend gerettet. Warum wiederhole ich denselben Satzbau innerhalb eines Abschnittes? Völlig wurscht, so wie auch Dante fast genauso viel Arbeit in seinen Metafilm "MANT" steckt und diesem gefühlt ein Drittel der Laufzeit von "Matinee" widmet - nicht zu vergessen dazu auch noch eine glanzvoll emulierte Screwball-Komödienszene mit der jungen Naomi Watts! Das muss doch anlocken, oder? Eben!


Mit solch einer Mentalität lässt sich gut was anheizen und verdienen, zeigt ja auch John Goodmans Charakter Lawrence Woolsey - ein kindischer Produzent des einfachen Volkes und niedrigen Budgets, der wie Roger Corman oder Menahem Golan stets auf dem Sprung für neue ausgefallene Filmtitel ist und die Trickkiste der Gimmicks versteht, wie er auch das Herz sowie die innigsten Träume des Filmfreundes treffen kann. Einer davon heißt Gene (Simon Fenton) und ist besonders heiß auf Monsterstreifen. Wenn diese auch gruseln sollen, lassen diese sich leichter bewerkstelligen als das Fehlen des Vaters, der zum Einsatz berufen wird (und der von der Familie so vermisst wird, als wäre er schon des Todes) sowie die Eingliederung in den Schulalltag. Besonders gemein geht es da jetzt nicht unbedingt zu - Freunde hat man ja, doch die Zeichen der Zeit lassen sich auch nicht verleugnen. Allen voran die störrische Sandra (Lisa Jakub) weist da auf die Unsinnigkeit vom Duck & Cover beim Atomangriff hin wie sie auch die Segregation der farbigen Kinder anprangert.


Regisseur Dante erwirkt allerdings keine Eskalation dieser dramatischen Verhältnisse, findet die Katharsis dessen eher über Umwege im cartoonhaften Kino-Matinee, bei dem die Kids zu wahren Helden ihrer eigenen Geschichte werden, mit den recht plakativen wie eher filmisch motivierten Erwachsenen mithalten können und die nettesten Mädchen abkriegen, während der Tag gerettet wird. Wie all dies anhand von Missverständnissen, Eifersucht und Paranoia zusammen kommt, verläuft schon ein Stück holprig und auch weit hergeholt - da darf man auch ruhig von Längen sprechen, die aber schon dem etwas eingekniffenem Drehbuch geschuldet sein dürften. Der Enthusiasmus der filmfördernden Botschaft stimmt nämlich schon - es hapert nur irgendwie am zeitweisen Stillstand des Prozederes, der auch dadurch entsteht, dass der Ansatz stark entwickelter Charaktere vom niedlichen Chaos überschattet wird.


Was soll man sich aber auch beschweren? Ein Film mit Kanten und Ecken bleibt eh besser hängen, sag ich da nur - selbst wenn sich zum Beispiel der Subplot um Herb Denning und Bob nach circa zwei Szenen wieder im Sande aufgelöst hat, obwohl im Vornherein nicht gerade der schwächste Fokus dazu aufgeboten wurde. Nicht so schade wie in Dantes "Explorers", jener Verlust an Dick-Miller-Potenzial, aber natürlich uneben. Sehen wir es mal positiv: Man hat wenigstens was zum Diskutieren - wenn alles glatt laufen würde, wäre der Film auch keine waschechte Hommage am B-Movie. Da bleibt "Matinee" konsequent: Mal herzlich, mal peinlich, mal zart, mal aufbrausend, mal ulkig, mal traurig und so weiter und sofort. Immer noch besser als so eine Atombombe im Nacken - deswegen ist Kino stets für jedermann und -frau zur Stelle. Obwohl der Film hier eher Jungs ansprechen dürfte und auch bestätigt, wie romantisch es auf den Sitzen abgehen kann. Im Film geht sowas immer - toll, nich? 




JURASSIC WORLD - "[...] Das Böse hat hier nur wenige Facetten, wie auch die Logik hinter der Geschichte eher dem Spaß als der Spannung eines Crichton-Technohorrors verpflichtet ist. Hat man das einmal akzeptiert, kann man einige verballhornende Qualitäten im Überdruss der Männlichkeit finden, während der charakter- und handlungstechnische Aufbau direkt zur Sache geht und in der Kombination mehrerer Action verheißender Schauplätze glänzend bei Laune hält. Hierin kommt eine elegante Eskalation zustande, die neben dem erneuten Zusammenbruch des Verhältnisses zwischen Mensch und Urvieh noch einen Fortschritt in Regionen des ausgelassenen Stumpfsinns wagt. Die enthemmende Haltung, die daraus entsteht, siedelt das Franchise in der Grenzenlosigkeit trivialer Unterhaltung an und schafft beglückendes Unterhaltungskino, an dem sich kleine wie große Machos ausleben können. [...]"



(Die komplette Kritik gibt es auf CEREALITY.NET zu lesen.)




TAXI - "[...] Solange Alex nämlich in derselben Stadt bleibt, kommt sie auch immer wieder zu jenen zurück, die sie von sich wissen will und denen sie dennoch nicht entsagen kann. Sie erlaubt sich aber nicht aufzutauen, wie auch der Film um sie herum keine dramaturgische Linie verfolgt. Als Charakterporträt beobachtet er stattdessen individuelle Sackgassen, an denen sich alle treffen und aufreiben. Der Jargon ist schroff und die Abhängigkeit von Kohle und Liebe umso schroffer. Wie weit will man dem Menschsein entgehen oder es solange unterdrücken, dass es in der Verhältnismäßigkeit der Dinge noch am erträglichsten ist? [...] Doch wie Alex in ihrer ambivalenten Distanz zum Objekt der Begierde wird, so ist auch Kerstin Ahlrichs Film eine interessante Ausnahmeerscheinung, welche man gerne tiefer erforschen möchte, bis das Taxameter den Höchstwert erreicht."


(Die komplette Kritik gibt es auf CEREALITY.NET zu lesen.)




ANTBOY - DIE RACHE DER RED FURY - "[...] Dabei behilft man sich vieler Versatzstücke des Genres: die Betonung auf den Status des Außenseiters, das Nutzen und Bezweifeln von Superkräften, die Dualität zwischen öffentlicher Wahrnehmung und geheimer Identität, die hilfsbereiten Sidekicks ohne Superkräfte und natürlich die obligatorisch plakativen Bösewichte, vor denen man die Stadt beschützen muss. Hasselbach und sein Drehbuchautor Anders Ølholm konzentrieren diese Genre-Obligationen jedoch auf den provinziellen Schauplatz Middellund (gespielt von unserem Hamburg), der in seinem gemütlichen Mikrokosmos kein Spektakel verlangt und somit mehr Raum für den kindgerechten Charakteraufbau übrig lässt – was teilweise effektiver wirkt als bei gewissen Blockbuster-Vorbildern. [...]"



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FRAUEN BIS ZUM WAHNSINN GEQUÄLT - Möchte man Dagmar Lassander in ihrer Blütezeit studieren (und ganz ehrlich: Es spricht nichts dagegen), ist dieser angenehm mediterrane Thriller besonders gut geeignet. Ohnehin hat hier selbst der sexuell unterwürfige Sleaze anhand der Synchronstimme von Klaus Löwitsch Stil, von kameratechnischer Seite aus sind die italienischen Profis selbstverständlich ebenfalls konkurrenzlos. Bei dieser audiovisuellen Erotik sollte man aber durchweg eher mit steifen Glied mitdenken, anstatt die Denkmurmel anzukurbeln. Wie sich nämlich die intriganten Mechanismen zum Wahnsinn der beeinflussbaren und ausgebeuteten Minou (Lassander) steigern - In etwa: "Moment mal, ich schwöre es euch, die Wohnung war letztes Mal noch voll mit Möbeln, die jetzt nicht mehr da sind - was mich wie eine Irre aussehen lässt." - und das Mysterium im hanebüchenen Twist-Crescendo vollendet, ist an Genre-Einfältigkeit kaum zu übertrumpfen (Spoiler: Für kein Geld der Welt würde man so eine ergebene Seele von Ehefrau umnieten wollen - meine Meinung).


Sowieso bleibt im Gesamtverlauf nicht viel mehr hängen als die Manipulation einer Frau in reißerischer Montur - stilsicher, na klaro, aber darüber hinaus nur bedingt aufregend...selbst für Zuschauer mit Sado-Fetisch. Klingt alles irgendwie zynisch und trivial - ist es auch. Dennoch spürt man die Sinnlichkeit aus den poppigen Marmor-Dekors und sexy Kleidern tropfen (weniger aus den schrecklichen Perücken), wie auch die Intensität der Fesselung ihre schaurigen Spuren hinterlässt. Darunter schlummern gerne noch Reize der Freien Liebe und Ambivalenzen zur Unterwerfungsfantasie, wobei der Film an sich letztere selber nicht ganz abschütteln kann/will. Im Zweifelsfall bleibt einem immer noch die niedliche Schildkröte, die völlig unbedarft über die Akte krabbelt - da strahlt die Lassander eh am Vergnügtesten und der Zuschauer ebenso. Ein bisschen mehr von diesem Easy-Going hätte dem Film echt nicht geschadet.




POLIZEIREVIER DAVIDSWACHE - Das Hamburg der frühen sechziger Jahre lebt hier in seiner ganzen Milieu-Verruchtheit auf; wird in und um St. Pauli als nicht unbedingt unrealistische Studie präsentiert, welche sich durch mehrere lose Episoden definiert. Im Fokus liegen dabei am Ehesten noch die Machenschaften von Ex-Knacki Bruno Kapp (Günther Ungeheuer), der die naive Dame Margot (Hannelore Schroth) um Kohlen prellen will und statt Zuneigung zu ihr lieber Umtriebigkeit in den berüchtigten Vergnügungsvierteln pflegt - den dubiosen Machenschaften zuliebe, versteht sich. So lernt man noch andere Gestalten der Nacht sowie deren unlautere Mechanismen kennen, anhand derer unter anderem Freier gebeutelt und junge Mädchen zum Anschaffen verleitet werden. Als abgeklärtes und trotz aller Härte immer etwas machtloses Zentrum der Gesetzeshüter zeigt sich sodann das Revier Davidswache, dessen kalte Wände erst die richtigen Gedärme des ganzen Films ausmachen.


Allen voran der erfahrene Hauptwachtmeister Glantz (Wolfgang Glantz) sieht sich da einem Ensemble an urig bölkenden und saufenden Gestalten freiwillig ausgeliefert, das zu jeder Tagesstunde am Tresen Anzeige erstatten oder gerade zur Wahrung der eigentlichen Spießbürgerlichkeit entlassen wird. Wenn das noch nicht reicht, sind Amtsgerichte und Kriminalbeamte hier untereinander natürlich ebenso störrisch. Jenes Ambiente schlägt eine reizvolle Balance zwischen Reportage-Stil und Spielfreude am Räudenfaktor, gänzlich überzeugend funktioniert der Film in der Hinsicht allerdings nicht. Der Umgangston ist schon durchweg ruppig, aber in der Bearbeitung beispielhafter Fälle verlässt man sich überwiegend auf Allgemeinplätze gängiger Kolportage. Der lose, doch präsente dramaturgische Rahmen beißt sich ohnehin mit dem im Intro verstärkt angesprochenen Anspruch des Films, eine dokumentarische Wahrheit zu repräsentieren.


Auf die Echtheit von Handlung und Menschen wird hingewiesen, obwohl gestandene Genre-Schauspieler die Szenerie bewandern - da soll es schon reichen, dass deren Namen weder im Vorspann noch im nicht vorhandenen Abspann genannt werden. Sei es drum: Der Großteil der Mannschaft kriegt den norddeutschen Schnack ordentlich hin und als gebürtiger Hamburger dürfte Regisseur Jürgen Roland mit seiner Erfassung der Verhältnisse richtig und hart liegen. Was ihm allerdings an reißerischer Spekulation mangelt, mangelt ihm zugleich an filmischer Besonderheit. Für den gestandenen Krautsploitation-Fan bietet sich also nicht immer die Maxime an, dafür ist „Polizeirevier Davidswache“ als Frühwerk des Genres immerhin noch eine ganz souveräne Leistung mit Hang zur etwas mutigeren Freizügigkeit.


Aufbrausender, zackiger und schnackiger ging es aber beispielsweise schon anno 1958 beim Hamburg-Krimi „Das Mädchen mit den Katzenaugen“ zu. Dagegen ist Jürgen Rolands Film noch ein leicht verhaltener Übergang vom Melodramatischen zur neuen Härte, die sich später in zweierlei Richtungen entwickelte: Einerseits in den pseudo-aufklärerischen Sleaze eines Rolf Olsen oder Ernst Hofbauer und andererseits in die Kompromisslosigkeit eines Roland Klick. Auf jeden Fall ist die Unterwelt hier wie eh und je ein Schauplatz für erregenden Filmstoff sowie eine Zeitkapsel sondergleichen. Zur Horizonterweiterung in Sachen Film an sich sind aber andere Werke über St. Pauli (auch von Roland selbst) doch noch besser geeignet.




GAMERA GEGEN GUIRON - FRANKENSTEINS MONSTERKAMPF IM WELTALL - Nach dem eher halbseiden aufgewärmten "Gamera gegen Viras" und seinem Übermaß an Archivmaterial läuft die Kaiju-Sause um den außerirdischen Gegner Guiron wieder zur Höchstform der Beklopptheit auf - wenn auch weiterhin auf circa fünf Minuten alte Filmausschnitte zurückgreifend, die zeigen, welche Kinder Gamera bisher rettete. Auch diesmal wird er sodann Schutzherr für zwei freche Jungens, die es in ihrer Neugier auf einen fremden Planeten zieht. Akio (Nobuhiro Kajima) und sein amerikanischer Kumpel Tom (Christopher Murphy, der partout nicht schauspielern kann) entdecken nämlich anhand ihres Teleskops ein UFO und nehmen Reißaus, obwohl Frau Mutter (Yuko Hamada) zur Schlafenszeit befohlen hat. Die ist ohnehin etwas abgebrühter drauf als die Erwachsenen in sonstigen Gamera-Streifen und glaubt keinerlei fantastische Geschichten, die ihr die Kinder erzählen, obwohl Ausserirdische und Riesenmonster bereits seit mehreren Filmen zum Alltag gehören. Unabhängig davon, würde es aber auch jedem schwer fallen, die kleinlauten Geschichten des Schwesterchens Akios zu glauben, welches aber schon von Vornherein nicht auf die Reise mitgenommen wird, da "das nichts für Mädchen ist" und sie schlicht zu feige dafür sei. Das nennt man mal entschiedenes Jungskino!


Deshalb sind unsere Protagonisten wiederum wie gehabt neunmalklug und fassen unbedacht jede Technik an, die sie in die Finger kriegen können, bis sie ohne Weiteres alle Umstände ihres Umfelds analysieren und verstehen können. Jedenfalls gelangen sie auf den Planeten Terra, auf welchem Guiron, ein Echsenviech mit einem riesigen Messer als Kopf, schon mal kosmische Varianten früherer Gamera-Feinde, die Gaos, ziemlich explizit zerschneidet. Da kann man sich auch vorstellen, wie brutal es später der stets für die Kids leidenden Superschildkröte ergehen wird. Man kann nur schwer nachvollziehen, warum diese Reihe an Kinderfilmen gerade in punkto Gewalt weit grausigere Bilder zu zeigen imstande war, als es Toho zu wagen pflegte. Durch das immens klobigere Ambiente kommt allerdings auch eine obskure Schere zwischen Unschuld und Exzess zustande, die äußerst goldig unterhält. Von Vorteil ist dabei ohnehin, dass der Anteil an Monsterkämpfen nochmal erhöht wurde und dabei wie gehabt einige selten dämliche Tricks anwendet.


Doch auch im Rahmen des menschlichen Geschehens ist das triviale Vergnügen sicher: Akio und Tom lassen sich nämlich von zwei hübschen außerirdischen Frauen, Barbella (Hiroko Kai) und Florbella (Reiko Kasahara), hinters Licht führen, dass diese es auf ihrem Planeten ja trotz technischer Fortschritte so schwierig hätten und gerne ein neues friedliches Zuhause auf der Erde finden möchten. Denkste! Ressourcen ausschöpfen und die Menschheit unterjochen ist eher der Plan - und das fängt man am Besten damit an, indem man wortwörtlich die Gehirne der Eindringlinge frisst. Eine Horrorvision, die jedem Grundschüler einfallen sowie Schrecken einjagen würde, weshalb sie im Grunde auch recht austauschbar mit den Antagonisten des Vorgängerfilms ist - selbst das Set ist in etwa dasselbe. Ein bisschen Eroberungsfantasie oder auch die Zuneigung zu einer Mutterfigur schwingt da allerdings auch in den Jungs beim Anblick der flotten Weltraummädels mit - weshalb sie umso williger in ihre manipulativen Fallen geraten. Insbesondere Akio lässt sich da auf einiges ein, wie er auch grundsätzlich die ideologische Führung übernimmt und sich eine Welt "ohne Kriege und Autounfälle" wünscht.


Gegen Ende hin schwingt er dann auch die Keule der Botschaft, welche merkwürdigerweise weg von der Forschung in weit entfernte Galaxien will und stattdessen mehr für ein besseres Leben unter den Völkern auf unserer Erde einstehen möchte. Er hat seine Lektion gelernt, doch wer kommt für die Kosten des ganzen Invasoren-Schlamassels auf? Ohnehin darf er eine Menge Hausarrest erwarten, wo er doch einfach so mit Tom von zu Hause ausgerissen war und fortan bei der Polizei als vermisst galt. Ich weiß aus Erfahrung, dass man da nicht so einfach davonkommt, wie es der Film als buntes Abenteuer darstellt. Aber er macht sich einfach keinen Kopf drum und liefert stattdessen das unverhältnismäßig brutale und gleichsam drollige Spektakel dümmlicher Dialoge und Monster-Szenarien, das man in derartiger Kombi aus Kautschuk, Plastik und Pappe umso lieber ins Herz schließt.




GAMERA GEGEN JIGGAR - FRANKENSTEINS DÄMON BEDROHT DIE WELT - Wieder mal muss Gamera ran - und warum? Weil die Verantwortlichen der Weltausstellung in Japan anno 1970 darauf kommen, eine mysteriöse Insel-Statur heranzuholen, durch deren Entwendung das Urzeitvieh Jiggar aus dem Untergrund gesprungen kommt. Dieses Riesenmonstrum beschwört mit hochfrequentierten Töten reichlich Unwohlsein herauf, wie es ebenso dem Titelhelden Gamera mit fiesen Abwehrkräften zusetzt. Per Düsentrieb in den Kiemen kann es durch die Gegend fliegen und mit stacheligen Geschossen die beliebte Riesenschildkröte kampfunfähig machen. Ja, Gamera darf wieder mal unverhältnismäßig grob leiden, wird durch alle Gliedmaßen aufgespießt und muss sich im Folgenden explizit Stück für Stück die metallenen Stachel heraus ziehen. Später wird er im Kampf noch vom phallischen Schwanzstachel Jiggars zur Schockstarre vergiftet, ehe er ihm diesen blutig abschlägt und sich im Angesicht zu dessen Audiobrutalitäten bis zum Anschlag Telefonmasten in die Gehörgänge schiebt.


Das ist schon mehr Horrorfilm, als es Godzilla zu jener Zeit schaffte, doch wie eigentlich immer bekommt Gamera seine Tipps wieder mal von drei (!) Kindern: Hiroshi (Tsutomu Takakuwa), der irgendwie immer die Popularität von Gamera in seinen Erläuterungen unterbringen muss; Tommy (Kelly Varis), ein blasser G.I.-Boy, dessen Vater die Ausgrabungsarbeiten um jene oben beschriebene Statur im Auftrag der Japaner anführt; zu guter Letzt Tommys Schwester Susan (Katherine Murphy), die noch zu jung ist, um mit den Jungs per U-Boot in Gameras Speiseröhre zu reisen. Mädchen nerven hier ohnehin (insbesondere Hiroshis Schwester), fast genauso wie die ganzen Erwachsenen, die nach knapp fünf Filmen noch immer nicht dahinter gekommen sind, dass Monster in ihrer Welt existieren, dass Gamera selbstverständlich der Freund der Menschen ist und dass man unbedingt auf die Einfälle von Kindern hören sollte, wenn es um die Verteidigung gegen jene Monster geht.


Den ganzen Spaß erlebt man hier von Neuem und da weiß man als Beobachter der ganzen Reihe schon gar nicht mehr, was man noch in einer Kritik wie dieser hinzufügen soll. Etwa, dass ein Großteil der Spezialeffekte wieder in Spielzeuggröße durchgeführt wurden? Oder dass das klobige Vergnügen im Monsterspektakel noch immer seinen Charme hat, vor allem da der Kontrast zwischen kindlicher Unschuld und saftiger Brutalität weiterhin befremdet? Muss man da überhaupt noch erwähnen, dass das Arsenal an flapsigen wie dümmlichen Dialogen absurde Selbstverständlichen am laufenden Band ausstößt? Ganz ehrlich: Wer Gamera schon einigermaßen kennt, weiß, worauf er sich hier einlässt - nur, dass zumindest dieses Mal keine Außerirdischen zur Stelle sind und Archivmaterial nur im Vorspann vorkommt. Immerhin! Ansonsten ist alles schön und gut für Freunde des naiven Kaiju-Kloppers, nur eben schon in gewisser Hinsicht ordentlich abgenutzt. Die Situation wäre aber umso besser, hätte man inzwischen mal die alte Kinosynchro zum Film aufgefunden. Zumindest ein Trailer ist übrig geblieben und kann hier in aller reißerischer Retro-Montur begutachtet werden:




BONUS-ZEUGS:




DIE BESTIE MIT DEM FEURIGEN ATEM - Einer der assigsten, wenn nicht sogar DER assigste Giallo, den ich bisher sehen durfte. Mal abgesehen davon, dass Dagmar Lassander sogar einige nackte Tatsachen vorweisen kann, ist alles an diesem Film schlicht hässlich. Liegt vielleicht schon an der DVD-Umsetzung mit ihrem verkorksten Matschbild und der dreißig Jahre nach Entstehungsjahr nachgereichten Synchronisation - doch wie Regisseur Riccardo Freda ohne jedes Taktgefühl seine durchweg schmierigen Figuren und Schauplätze aufeinanderprallen lässt, wird schon schnell zur Toleranzprobe für den Zuschauer. Passend dazu setzt er auf selbstzweckhaft explizite Greueltaten und Sexszenen, die weder vor der ständigen Rückblende zu einem Selbstmord, noch vor der grundlosen Nacktheit eines nicht gerade erwachsenen Mädchens zurückschrecken. Es ist alles billige Exploitation im Taumel wahlloser Zooms und klischeereichem Nihilismus, die von einem recht dürftigen Krimi-Konstrukt getragen wird und ansonsten noch eine launenhafte Oma bereit hält, die auch nicht viel besser ist als unser schier blasse Hauptprotagonist Detective John Norton (Luigi Pistilli). Dennoch lässt sich der Film aus einer bizarren Faszination heraus anschauen - wenn auch schlicht daher, wie unfähig er auf die Beine gestellt wurde und regelrecht anekelt. Ein unfassbares Stück Räudendreck, muss man erleben!





BIG BUSINESS - AUSSER SPESEN NICHTS GEWESEN - "[...] Dieses einfache Konzept erweist sich als nicht sonderlich erfüllend, weshalb der Film auf Running Gags und spekulative Kulturverständnisse en masse zurückgreifen muss. [...] Andererseits schafft die Melange der Kulturverständnisse aber einige bizarre Szenarien, welche über die bloße Erkennung von regionalen Anachronismen hinausgeht. [...] Ein Charlie Kaufman hätte womöglich die Gelegenheit beim Schopf ergriffen und daraus eine konsequente Meta-Satire erschaffen [...] Bis dahin kommt Ken Scotts Film allerdings nicht, dafür wird er umso plumper und beliebiger. Man kann immerhin froh sein, dass man sich selbst in solchen Fällen noch immer an manche Aspekte, ob nun freiwillig oder unfreiwillig komisch und hintersinnig, festklammern kann. [...]"



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MISS BODYGUARD - "[...] Wenn man schon keine Sympathie für den überkorrekten Umgangston Coopers fern jedes humanen Verständnisses empfinden konnte, wird man am schrillen und bockigen Sarkasmus der Frau Riva wahrscheinlich genauso zerbrechen. Fakt ist, dass sich in dieser Paarung keinerlei Chemie oder Kontraste entwickeln können, da ihr Dialog zu einem permanenten vorwurfsvollen Geräusch verkommt, das auf der Flucht nie aus der Ruhe kommt und sich zudem allzu willig in beliebigen Situationskomiken verliert. [...] Anne Fletchers Film ist wie jeder Zickenkrieg: zynisch, kindisch, frustrierend, auf dass nicht nur männliche Zuschauer schnell das Weite suchen wollen."



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FOR THE BLINDS - "[...] Ein behauptetes Verständnis für kunstgewerbliche Handgriffe führt schließlich zu wahllosen Schnittmustern, aufgesetzten Soundeffekten, billiger Bildverfremdung sowie Stativaufnahmen leerer Häuser und Straßen, auf dass in dieser Emulation einer künstlerischen Stimme doch noch eine Bedeutung entstehen solle. [...] Doch weder bekommt man etwas davon geliefert, noch erhält man zu irgendeiner Zeit das Gefühl für überhaupt etwas – abgesehen von Frust und Müdigkeit. Keiner der menschlichen Sinne wird angesprochen oder mit einer Form von Qualität belohnt. Ein sterbensöder Amateurfilm, der schon mehr als nur Film sein will, obwohl er nicht einmal dessen Regeln beherrscht."



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