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Sonntag, 18. Februar 2018

Nichts von der Berlinale (Tipps vom 05.02. - 18.02.2018)

rolf zacher sylvie winter priyanka chopra kangana ranaut amy jonhston

Liebe Leser,

huch, da hatten wir doch neulich unser erstes Päuschen im Jahre 2018, kann ja mal passieren. Doch nun gelobe ich feierlich: An Empfehlungen sparen wir nicht! Seit langem ist es zudem zufälligerweise geschehen, dass ich in vollen digitalen Absätzen zum Schreiben kam und so an die 3000 Wörter aufstellen konnte. Die Liste an besprochenen Filmen war bei einer zusätzlichen Woche Glotzaction inkl. Filmabend (hier der Song of the Night übrigens aus dem toll verpunkten NYC-Musikdrama „TIMES SQUARE - IHR KÖNNT UNS ALLE MAL“) eben auch lang geworden, obgleich mir wirklich nicht danach war, allesamt aufzuführen. Um ehrlich zu sein, kommt ein dicker Schwall derer (u.a. einer mit ewigster Sperrfrist/querverbunden zu einem der Filme in dieser Ausgabe) wahrscheinlich erst in nachfolgenden Ausgaben zustande. Einige Beispiele der Filmwelt wurden allerdings schon binnen sozialer Medien meinerseits verarbeitet. Zum einen ging die Causa „OFFENE WUNDE DEUTSCHER FILM “ um, welche auf Twitter einen kleinen Kommentarstrang an Enttäuschung eröffnete:

Ob die „VERFLUCHTE LIEBE DEUTSCHER FILM“ mehr kann, als verlorene Relikte an Aufbruchstimmung via lose verknüpfter Anekdoten vom Filmemachen und Eindrücken ohne Eindruck vom jeweiligen Film zu suggerieren, wird sich am 19.02. im WDR zeigen. Ich werde berichten, habe aber jetzt schon einen Ausschnitt vom deutschen Film parat, der da „KINDERSPIELE“ hieß - ein BRD-Sozialdrama des Kindermissbrauchs und Coming-of-Age während der Sommerferien binnen früher 60er Jahre (das Zeitkolorit hatte ich wie schon bei „DIE HEARTBREAKERS“ nicht sofort erkannt), welches ich das letzte Mal sah, als ich selbst so an die 7 Jahre alt war. Ein fiebriger Problemfilmreißer, der sich aus toll geballten, aber trotzdem nicht allzu dramatischen Alltagseindrücken wie diesen zusammenstellte:

Ein Beitrag geteilt von Christian Witte (@wonderwitte) am

Was will man da noch bei der Berlinale antanzen, frage ich euch? Laufen ja eh nur so arg politisch-problematische Filme wie „Isle of Dogs“, ganz klar ein Skandal vom Formate „O.K.“. Allerdings, wie der Zufall so will, geht es hier erstmal gleich mit weiteren Abenteuern von Teutonen weiter! Ein anderer, ausgerechnet in Berlin spielender Film kommt auch noch vor, aber erst in der Bonussektion - ansonsten dürfte mein internationales Spitzenprogramm (von dem ein Werk in diesem Jahr auf der B... fortgesetzt erscheint) jedem über die Runden helfen, dem Anfahrt und Kosten gen Landeshauptstadt zuviel des Guten sind. Also lass ich jetzt mal das einleitende Labern und wünsche Lesespaß auf allen Ebenen:




LIEBE, SO SCHÖN WIE LIEBE (Klaus Lemke, 1972) – In München eröffnet sich ein Kaleidoskop der Lebensfreude, wo Tränen so bruchstückhaft Erinnerung sind wie Gegenwart, Zukunft und Sonnenschein ebenso binnen der Wahrnehmung umherspringen. Bei Lemke geht die Liebe immer Umwege ein, liegt aber stets wie Samt überm Prozedere frei dramaturgischer Stichpunkte. Ein Stück weit französische Avantgarde und sonstige geläufige Experimentierfreude der Ära aufsaugend, macht sich dies Ding noch nicht ganz so vollkommen eigen wie alles danach, aber immerhin „Negresco****“ liegt hier gefühlt schon um Äonen zurück, erst recht, was die improvisatorische Enthemmung angeht. Rolf Zacher und Sylvie Winter finden sich da unter Hochzeiten, Mädel-WGs und Betrügermaschen (vom Rundfunkvertreter bis zum Hundefänger) im Blumenfeld wieder, durchziehen per Grimasse und Alltagsschnack Straßen wie Biergärten, ehe die Idee vom Wanderzoo aufblüht. Wie so oft eine simple Prämisse, in der die Eigenarten des Einzelnen das komischste Gewicht des Ganzen aufmachen, beseelt zum „Lebewohl, Tristesse“ mitreißen und sich utopisch vom Kapitalismus abstreifen, während der Flirtfaktor zig Blüten auf die Leinwand zaubert (ein besonders cool grinsender Marquard Bohm macht da den Gipfel an Glück geltend). Allen voran Peter Przygoddas Schnitt macht sich da frei im Best-Of vom Delirium des pudelwohlen Kommunengedankens, wie sich die Welt als Manege besser behandeln ließe. Auch wenn die Verquickung aus Impressionen teilweise den Bogen ins Verkopfte überspannt: Wer Sommer will, kriegt ihn hier schon früh frei Haus, jetzt auch offiziell bei Youtube in schrottiger VHS-Qualität!




SENSUELA (Teuvo Tulio, 1973) – Als Kuriosum über die Korrumpierung von Lappen eröffnete sich uns binnen des letzten Filmabends das Werk des Finnen Teuvo Tulio, der Jahrzehnte vor diesem seinem frühen Schlusswerk schon stets die Himmelspforten der Melodramatik zu erreichen schien und jene hier wiederum mit deftigem Sexappeal garniert. Schnell stellt sich die Frage (abgesehen von „Ist das jetzt Armando Bo?“), worauf man sich dort einlässt, sobald Tonspur und Bildersprache bizarre Draufsichten im Eise bieten – zwischen zweckmäßiger Setkulisse und hypergrellen Naturaufnahmen pendelnd, wo ausgestopfte Tierrümpfe genauso echt erscheinen sollen wie die Aneinanderreihung an Rentier-Kastrationen von naturvölkischer Schönheit zeugen. Im Verlauf ballern sich solche Auswüchse des Merkwürdigen zwar etwas kleiner raus, doch sobald Lappenmädel Laila ihrem Lieblingsnazi Hans Müller nach Helsinki folgt und dem traditionsbewussten Vater damit schwer an der Ehre rumrüttelt, wird sich ausgepellt – und das nicht zu knapp! In jener verruchten Primärfarbenhölle gerät die Unschuld an den falschen, dann an den vermeintlich guten Kerl; manch Mitbewohnerin fetzt sich mit Freiern und im Folgenden frohlockt man höchst ungelenk zwischen See und Sauna. Dazu kriegt man permanent einen Querschnitt vom Schaffen Tschaikowskys (oder auch psychedelische Party-Grooves) auf die Lauscher, während sich nackte Haut und kuriose Detailaufnahmen drum herum abwechseln – Ren und Stimpy lassen grüßen. Dem Leiden in der Fremdbestimmung entgeht Laila aber gewiss kaum und so steigern sich die Fiesheiten ihr gegenüber derart überbordend, dass zwar kaum die Produktionskasse, aber dafür noch der Grad an Desorientierung im visuellen Angriff mithalten kann. Eine schier unterhaltsame Kettenreaktion an Plump- und Geilheit, die in diesem Gesellschaftsschicksal nach Puschkin losgetreten wird!




LADY BLOODFIGHT - FIGHT FOR YOUR LIFE (Chris Nahon, 2016) – Mehr als solide wird hier die bekannte Filmsage vom Kumite (siehe „Bloodsport“, falls Verständnisbedarf besteht) wieder aufgegriffen und mit einer Riege an ausschließlich weiblichen Fighters versehen, bei denen es womöglich am innigsten denn je darauf ankommt, Wut und Güte im Einklang zu bringen – erst recht, was deren Spektrum an nie ganz abgeklärten Geschichten aus der Vergangenheit angeht. Rivalitäten sind da eher Mauern des Schweigens zwischen den Meisterinnen Shu (Muriel Hofmann) und Wai (Kathy Wu), die ihren Groll Jahre lang mit sich tragen und in dieser Zeit auch jeweils nach Schülerinnen suchen, die sie beim nächsten Knochenbrecherwettbewerb in Hongkong vertreten können. Mit viel Ballast und Talent verschlägt es die Amerikanerin Jane Jones (Amy Johnston, Rollenname schon vor „Twin Peaks“ gepachtet) jedenfalls knapp 5 vor 12 in Richtung Shu, um die Umstände zum noch immer an ihr nagenden Tod des Vaters aufzuklären und zudem Kasse gegen ein schlechtes Leben zu machen. Shu nimmt Jane unter ihre Fittiche, hat Anlaufschwierigkeiten wie auch Momente wahren Wunders mit ihr, dass sich aus derer Freundschaft ebenso beim Zuschauer ne Menge tut. Im Kontrast dazu sind Wai und ihr Kick-Azubi Ling (Jenny Wu) mit Straßenkloppe sowie Todesgriffen in der City unterwegs, sich als besonders rabiate Haudegen vorzubereiten, obgleich da so oder so reichlich vom inneren Konflikt der Meisterin auf die Novizin abgedrückt wird. Regisseur Chris Nahon, der in diesem Fall auch den Schnitt an sich führt, hat da ein tolles Händchen für den Spiegel der Ideologien, mit der audiovisuellen Aufbaustimmung und Wanderlust binnen derer weiß er sich zudem sicherlich selbst zu feiern, wo das Budget sonst etwas gedrückt haben dürfte. Vom Fokus aufs Zwischenmenschliche lässt er aber nimmer ab, lässt eine ganze Stange mehr als bloße Klischees austauschen und das mag ein Grund dafür sein, dass die folgenden Kampfszenen erst so richtig spannend werden, wenn eine dramatische Wende/Wunde dahinter steht - und die gibt es zuhauf, eben ob Frau aus Rache handelt, gegen reißende Bestien antritt oder davon läuft, wenn anderen der Preis dabei stimmt. Bei solch emotionalen Prämissen lässt sich das Simplistische daran nie so ganz abschütteln, der starken Umsetzung dessen wegen ist man trotzdem voll drin, bis zur Konklusion klassischster Katharsis - wobei der erhöhte Reue-Level vonseiten finsterster Seelen nochmals ein I-Tüpfelchen dazu gibt. Das hat doch mal großes menschliches Format!




DIE EISPRINZESSIN UND DAS BIEST – DIE WAHRE GESCHICHTE VON TONYA UND NANCY (Larry Shaw, 1994) – Als TV-Adaption der berühmt-berüchtigten Eiskunstlauf-und-Kniescheibenattentat-Intrige um Tonya Harding (Alexandra Powers) und Nancy Kerrigan (Heather Langenkamp) hätte man es sich sehr leicht übers Reißerische hermachen können, doch von Anfang an wird sich positioniert, dass die Ambivalenz des Falls bislang wohl auf der Strecke blieb sowie an der Medienlandschaft an sich abfärbt. Überraschend selbstreflexiv – also weniger vom Ego oben herab, aber ähnlich mit Formaten pendelnd wie Oliver Stones „Natural Born Killers“ – gibt sich das bereits durchinszenierte Alter Ego von Drehbuchautor (Dennis Boutsikaris) die markige bis prätentiöse Blöße, wie er den inneren Kontext der Geschichte entschlüsselt zu haben glaubt. Als Fairy tale vom lebenslangen Konkurrenzdenken (mit gemeinsamen Ziel I'm going to Disneyland) streuen er und der Film sodann offen exploitative Verquickungen einer Lebensdramaturgie, die sich fingierter Talking Heads (mit Namen wie „Harding Supporter“ oder „Network Executive“) bedient und sogar den „Rashomon“ raushängen lässt, wie jedwede Partei den Entschluss zu entscheidenden Handlungen empfunden hat bzw. mit involviert war. Die größte Spannung darin liegt natürlich auf der Person Tonyas, die hier wie irl voller Sympathieschwankungen gezeichnet wird, dies jedoch allen voran als Opfer permanenten Drucks, Fremdbestimmung und Manipulationswillen aus versagter Liebe. Gatte Jeff (James Wilder) gibt da das Zentrum an emotionalem Missbrauch ab, welcher aber auch nicht ganz die Frage klärt, warum ausgerechnet er ihren Ehrgeiz so weit, also auch an sich selbst, treiben ließ. Diese Serie an Verletzungen mit Wechselwirkung montiert der Film entsprechend rasant auf den Medienzirkus hin, wo selbst ein solch unschuldiges Küken wie Kerrigan von den Vorteilen der PR überrumpelt/überzeugt wird, wo sie doch ebenfalls noch nicht wirklich da angekommen ist, alles an Tonya und sich im Zusammenhang zu verstehen. Die Filmrechte werden hingegen schon verhandelt und Sender reißen sich um den Stoff, ihn aus der Schlagzeile schnellstens in die Primetime zu bugsieren - war man den Goldmedaillen, dem Stellenwert der USA bei den Olympischen Spielen und der öffentlichen Wahrnehmung ja schuldig. Letzterer zeigt man hier aber auch, dass an der Geschichte gewiss nicht alles (aber in Bezugnahme bewährter Stilismen bewusst vieles) einem Movie-of-the-Week-Drama, stattdessen einer schwarzen Komödie entspricht - u.a. wie tollpatschig die Verschwörung zum Attentat und deren Kerle per Macker-Attitüden von statten gingen; wie wenig Ahnung allerdings auch von Nöten war, solch ein kleinkariertes Verbrechen binnen der Sportlernische auszuführen. Muss man alles mal sacken lassen, welches Urteil man zur Angelegenheit noch stemmen kann, wenn dieses Portrait eskalierter Abhängigkeiten dazu ohnehin mit der eigenen Abhängigkeit von Manipulationen argumentiert.


Endhiran


ENTHIRAN (S. Shankar, 2010)/KRRISH 3 (Rakesh Roshan, 2013) – Zwei Blockbuster aus Indien, die sich vielerlei Elemente großspurigen Unterhaltungskinos teilen und in meiner Meinung daher irgendwie gleich auf liegen (was nicht nur damit zusammenhängt, dass ich sie mir beide letztens zufällig in der Bücherhalle Hamburg gegriffen hatte, ehrlich jetzt). Macht ja auch Sinn, wenn sich die jeweiligen Hauptdarsteller stets mindestens auf Doppelrollen einlassen, bei denen sie Wissenschaftler und Schöpfung zugleich repräsentieren, während die Filmerfahrung um sie herum in (bilingualer) Überlänge gefühlt jede mögliche Leinwandstimmung auf die Spitze treibt. Kommerzielle Experimentierfreude im Überfluss, sozusagen. Komplizierte Stoffe bedienen beide nicht, eher verzwickte Gebilde an Eindrücken, bei denen das Nacherzählen mindestens so viel Kopfzerbrechen bereitet wie das bloße Erleben - wohlgemerkt mit einem Produktionsstandard und Tempo aufgewertet, der dem ollen Kasten Hollywood das Wasser reichen kann, nur eben noch Bock an seiner selbst zu haben scheint. Klar klaut man sich wie eh und je Schauwerte und ganze Handlungsstränge an Topoi aus der westlichen Kultursphäre zusammen, aber das mindert jene Pulverfässer an Überraschung wohl kaum, zumal die soziologischen Eigenarten da erst recht einen ganz prägnanten Stellenwert einnehmen - ungefähr so wie die obligatorischen Musical-Inserts im Choreo-Rausch. Auffällig sind in diesen Fällen u.a. Kernsätze Richtung Heirat, Nachwuchs, Treue und Ehre, an denen sich vielerlei Tabus, Ängste (vor Viren, Mutanten, bösen Wissenschaftlern, deutschen Terroristen, etc.), die ganze Bandbreite an Schamgefühlen und Männlichkeitsidealen, aber auch kollektiv symbolisierte Hoffnungen auf Frieden erkennen lassen. Der Kontrast dieser meist konservativ angehauchten Werte mit dem wilden Potpourri an Genre-Exzessen wirkt dementsprechend befremdlich, irgendwo zwischen Anbiederung aus Gottesehrfurcht und permanenter Entgleisung verortet, die dem Publikum mehr zutraut als es mitunter zugeben mag. Da lässt man z.B. auf eine versuchte Gruppenvergewaltigung den befreienden Roboter-CGI-Prügelwust folgen; an anderer Stelle werden Menschen aus dem Feuer gerettet, eine nackte Frau verpixelt in Sicherheit geflogen und aufgrund ihrer verletzten Ehre im Anschluss von einem Truck überfahren - solch exemplarische Sequenzen sind, wie man sich vorstellen kann, Herausforderungen ohne Vergleich. Wobei „Enthiran“ im Vergleich doch mehr von jenem Kaliber auffährt als „Krrish 3“, welcher mit seinen Orgasmen an Innovationswundern und Opferbereitschaft aber trotzdem die meisten Vertreter seiner Superheldenepigonen in den Schatten stellt. Überhaupt, was sich an Effekten entfesselt, hat ja teilweise schon Youtube-Geschichte geschrieben, wenn Dampfwalzen an Robot-Klonen über die Straßen fegen oder das „Man of Steel“-Finale binnen der Werbefläche-Wolkenkratzer Mumbais noch überknallt wird. Aber egal wie wüst, mal mehr, mal weniger hochwertig die Effekte ins Auge ballern: Das Happy-End mit Dank an alle Mitwirkenden im Plot ist gewiss: Hier hat man zusammen wirklich Unmengen an Wahnsinnsabenteuern/Entertainment durchgestanden und auch voneinander gelernt, was Liebe und allerlei bedeutet. Das Gefühl beruht auf Gegenseitigkeit.




SAVAGE DOG (Jesse V. Johnson, 2017) – Eine große Pulp-Sause mit einem zunächst auf Vergangenheitsbewältigung hoffenden und bald übelst rächenden Scott Adkins, der im Indochina der 50er Jahre mit Exilnazis, Kampfturnieren und Erpresserbanden zu tun haben muss, ehe er sich seines zerstörtes friedliches Lebens anhand blutiger Körper- und Waffenekstase revanchiert. Der große Männermythos platzt dabei aus allen Adern und Gliedmaßen, was ihr jetzt gerne als parodistisch abstempeln könntet oder halt als farbenprächtiges Ventil der Gefühle. Er wird nämlich melodramatisch grell in eine Kulisse gebettet, die mit ihren Pappmaché-Bühnen der großen Geste (auch solche der Wiedergutmachung zwischen Vater + Tochter, aus zweiter Hand) allein verpflichtet ist, weshalb sich Regisseur Johnson mehr Schluderei erlaubt als ihm selbst manch Direct-to-DVD-Aficionado zugestehen dürfte. Es ist aber eine Sache, absichtlich schlecht zu agieren und eine andere, anhand solcher Grand-Guignol-Maßnahmen wahre Euphorie vortreten zu lassen - und sei es auch jene zum Böse-Töten auf großem Fuße. Das erinnerte mich alles nicht von ungefähr an den Film-in-Film von „The Act of Killing“, obwohl Johnson sicherlich weniger am Vorführeffekt verdrängter Schuld gelegen ist als dass er daran erstmal die Katharsis seines Genres auslebt, aber wer weiß? Bei Adkins‘ Charakter, der sich hinter seiner Geschichte als Ex-IRA-Terrorist zu verstecken versucht, ist eine gewisse Synergie nicht von der Hand zu weisen. Die Gestaltung des Films birgt in ihrer klaren Rächer-Dramaturgie so oder so eine enthemmende Kraft gegen das Krasseste an Ungerechtigkeit, wo der schnellst erkennbare Charme des Unbeholfenen flugs zur Geilheit des Überwältigungskinos gepeitscht wird und trotzdem stets phantastisch bleibt (Keith Davids Voiceover mit inbegriffen). Die Powermuskeln und rotzigen Ansagen Adkins‘ gegenüber seinen Überbösewichten helfen dem gleichsam mächtig auf die Sprünge, aber er macht’s auch nur aus Liebe, selbst wenn er sich ihr nach den ersten Anschlägen nimmer zeigen kann, wenn ihn der Impuls zum Töten genauso schwer loslassen kann. Für den Zuschauer ist das nicht unbedingt eine große moralische Zerreißprobe, aber dafür sehr direkt im Schussfeld unbedarften/ungehaltenen Action-Kintopps gelegen.




MONSTER HUNT (Raman Hui, 2015) – Zur Abwechslung etwas auf Jingoismus und Propaganda allgemein verzichtend (ich möchte meine Hand dafür nicht ins Feuer legen), geht hier ein chinesischer Fantasy-Blockbuster auf Touren, ein Baby von Monsterkönig vor bösen Machthabern kaiserlicher Krone zu retten. Die wollen es zusammen mit anderen Fabelwesen im Goldpalast zur Verköstigung anbieten, indes jene Artgenossen von Kindheit an gejagt werden und sich daher hinter falscher Menschenhaut verstecken müssen. Die Transformationen dazu erinnern ans Tohuwabohu aus Zeiten des „Tarzerix“, ähnlich überfordernd spontan springen die CGI-Eindrücke in Brutalitäten wie Absurditäten um, wenn’s dann trotzdem niedlich sein soll. Selbst als landesspezifisch Eingeweihter schaut man kaum schlauer aus der Wäsche, was im folkloristischen Spektakel vergangener Jahrhunderte für selbstverständlich gehalten wird, wenn sich z.B. flüchtende Monster vor unserem Protagonisten die Bäuche aufschlitzen und ihm ein Ei in den Mund stopfen, damit er voll schwangeren Bauches das Kind in Rübenform heranwachsen lassen kann. Die Heldensage behilft sich zudem einiger Disney-gerechter Musicalnummern und Martial-Arts-Kunststücke, doch man wird so oder so das Gefühl nicht los, dass das Gehirn einem gerade einen Streich spielt. Abseits dieser allgemeinen Irritation, wo man überall landet, besitzt das Abenteuer schlicht alle Zutaten puren Kinos: Zaghafte Liebe, Glücksspiel, Slapstick, Kulleraugen, den Schmerz erzwungener Trennungen, gefälschte Identitäten (positiv wie negativ), Superheldenkräfte, magisches Blut sowie eine total senile Oma. Die Erwähnung, dass es mehr oder weniger auch um Familie geht und da zudem am Empathischsten ankommt, könnte ich mir auch sparen - aber bei solch einem ausufernden Film ist diese nur recht und billig.


The Pack


DIE MEUTE (Robert Clouse, 1977) – Einer von 2 Hundefilmen des Santa Clouse (seine „Night Eyes“ brachte ja Windhunde als Riesenratten zum Vorschein), wobei dieser hier ein ganzes Stück konventioneller auf die Genre-Topoi der Zeit zurückgefallen ist. Zu fast jeder Spezies lässt sich eben ein derart langsam steigerndes, grundsolides Spektakel an Angriffseffekten und Verteidigungsmaßnahmen bei konzentriertem Insel/Hütten/Kleinstadt-Setting finden. Dennoch legt er einiges an Spannung in der human condition an, insbesondere wie der ideale Mann zu sein hat. Unter mehreren Vertretern des Geschlechts zeigt er Fehler und Vorzüge, Feigheit und Heldentum, übelstes Lästern und Verkumpele, Hilfebedürftigkeit und praktische Methodik dessen auf. Im Hunde spiegelt er das meiste davon ebenso wider, wobei die Masse/Meute (mit Ausnahme eines tragisch Ausgesetzten) eben aus reiner Tollwut handelt, so dass Joe Don Baker als Nachfahre der Western-Heroik neues Eigenheim und Patchworkfamilie verteidigen muss - so energisch nach Plan und bald auch auf eigener Faust, dass es beinahe selbstironisch ankommt. Gibt zudem viel Wortwitz vonseiten der deutschen Synchro oben drein; im Film an sich zudem eine tolle versöhnliche Note, die von der Gewalt weg Michelangelos Erschaffung Adams referenziert. Eva ist in diesem Film hingegen mehr so Hausfrau (mit Cujo-Moment!), Witwe, Blondchen und viel mehr nicht (man beachte aber noch ihr Drohen mit der Peitsche!). Doch wer sie als Fußabtreter benutzt, wird genauso von Hunden zerfleischt wie die anderen inkompetenten Sturköpfe im Ensemble. Der Hang zur moralischen Konsequenz hat erneut Hochsaison! Zudem ergibt das „Alles muss man selber machen“ Bakers einen schön stringenden Backdrop für eine Hundehorrorkernigkeit, die jeden potenziellen Spannungsschauplatz erwartungsgemäß mit Schauwerten abarbeitet, dabei immerzu einige (auch visuell) charmante Kleinigkeiten an Gruppendynamik und Bewältigungstechniken an der Leine führt. Nicht mehr und nicht weniger.

Übrigens, da gab's ja noch DIE Story zum Film:


Ok, jetzt aber noch der letzte Tipp, jo:




THE VIOLENT YEARS (William Morgan, 1956) – Eine Mädchenbande aus bestem Hause geht allmählich auf die Barrikaden, wie viel Verbrechen sie sich selbst unter ihrer platinblonden Queen Bee erlaubt und kriegt‘s letztendlich mit Blei und moralinsaurer Keule quittiert. Bis zur Rückkehr zu Gott - unter den Drehbuchplädoyer-ablesenden Augen des Familienrichters - vergehen in diesem flotten Portrait einer radauenden Jugend kaum 50 Minuten, innerhalb derer der Krimi jedoch herzlichst naiv Randale spielen geht! Der Tankstellenraub zur Einleitung birgt da ähnlich holprige Noir-Fatalitäten wie spätere Überfälle bei Tag (?) an scheinbar derselben Landstraße, wo einem Pärchen der Pullover entwendet und der mimisch überforderte Kerl dazu im Off gruppenvergewaltigt wird. Ebenso markant inszeniert William Morgan via einem Script von Meister Ed Wood eine Teen-Orgie, bei welcher die wüsten 21-Jährigen nach doppeltem Whisky und Alter ausschauen, ein vorbeikommender Reporter dazu ziemlich toll Empörung ins Gewissen runter schmettert. Morgans visuelles Gespür für dramatische Hackfressen lässt dabei eben wie immer kein Auge trocken, wenn diese mit der Action ihrer Zeit zu gehen versuchen. Die gänzlich von Subtilität befreiten K.O.-Tropfen an Kolportage verteilt allerdings jene Sequenz, in welcher die Mädels ihr Schulzimmer verwüsten und daraufhin von der Polizei mehr oder weniger belagert werden. Mit dem aufgeregten bis melodramatischen Dilettantismus darin lässt es sich gut beisammen verwundern, da hat der christliche Lösungsansatz zum Schluss - ebenfalls auf der Überholspur des Trivialexzesses - natürlich das Nachsehen. Wäre ja auch höchst langweilig, wenn nicht.

Bonus-Zeugs:

michael keaton chloe grace moretz fifty shades of grey nukie

TOD DEN HIPPIES!! ES LEBE DER PUNK! (Oskar Roehler, 2015) – Ja, das ist er!! Der offensiv-provokant daherkommende Krawallfilm, der kaum die Hälfte seiner Laufzeit in jenem Modus übersteht, ehe man das Geschehen im Innern als nichtssagend abgeschrieben hat. Krass, ne, „Arschficken für alle“, „Heil Hitler“ und so, hoahoahoa, darf man das sagen?! Also… Nicht, dass Roehler dem Dasein des Punks da ungerecht gegenüber wird, so wie Tom Schilling von Internat-Gammlern rüber zu Berliner Peep-Schuppen und Speed-Zombies wechselt, wo sich eben gleichsam Ideologien sowie deren Ikonen in pausenloser Hysterie zuwichsen. Er versucht sich sogar noch mit einer dem Milieu entsprechend illusorischen Love-Story aus dem No-Future-Slime und etwaigen Bullenschweinen zu kämpfen, scheint allerdings wiederum selbst so gar keinen Bock zum letzten Schub nach oben zu haben. Stattdessen sucht er im Eiltempo weitere Schockbilder bzw. Ausrufezeichen, welche dem Feuilleton als Skandal sauer aufstoßen dürften. Nice try, aber werte Leser: Lieber nochmal auf „TIMES SQUARE“ zurückgreifen.

AMERICAN ASSASSIN (Michael Cuesta, 2017) – Ey Junge, du da, komm mal rüber! Nee, ich bin kein Anwerber, aber pass auf: Dieser harte Action-Thriller hier zeigt dir, was so alles hinter den Kulissen globalen Terrors geschieht; voll mit Kopfschüssen, Folter und islamistischen Fieslingsfratzen, dass dir keiner deiner Red-Pill-Forenfreunde dumm kommen kann, was du danach so alles weißt und auch an Moves kannst, um Leute effektivst zu killen! Krass, oder? Was? Nee nee, kein Stück wie Waschlappen Jason Bourne, hier gibt’s immerhin auch ein CGI-Wasserbombenfinale, ganz schön heftig! Und schau mal, der „Homeland“-Typ im Regiestuhl wird ja wohl wissen, wie taff und übermenschlich Geheimagenten heutzutage sein müssen, oder? Der kennt sich aus, muss man wissen, basierend auf einem authentischen Bestseller! Der Maze-Runner-Macker hier dringt sogar in eine IS-Zelle ein, um seine Freundin zu rächen – und das ist erst der Anfang, man! Boah, der sticht auf die alle ein, blutig wie Sau! Aber jetzt mal im Ernst: Das passiert alles JETZT, Freundchen, Iraner und dat, alles Hi-Tech! Achte mal drauf! Und sowieso: Alle 10 Minuten eine Action-Szene, versprochen, ist nicht langweilig, ich schwör‘s!

FIFTY SHADES OF GREY - BEFREITE LUST (James Foley, 2018) – Vollends lustbefreit schließt sich die Trilogie an S/M- und Domestizierungsromantik so ab, dass man selbst der (wenn überhaupt existenten) Fangemeinde keinen Gefallen tun dürfte. Eine Pop/Poppen-Montage nach der anderen (auch mal nach einer Autobahnraserei) flirtet stets verstohlen mit dem Koitus und kann bei vorherrschender Verklemmtheit nicht mal selbstgefällig geschimpft werden - dennoch sind jene Sequenzen vorrangig im Einsatz, einen losen Spannungsbogen über geheimnisvolle Verfolger, Vergangenheitsbewältigung und Selbstbestimmung in Gang zu bringen, welcher bereits in den Vorgängern nur ein Placebo von hohlster Wirkung war. Lief bei Joe D’Amato vielleicht nicht doll anders ab, wusste den Zuschauer aber (auch inszenatorisch) weit geiler zu verführen. Nebenbei wird darüber spekuliert, ob ein Freund unseres Pärchens seine Freundin betrügt und zum Schluss hin zudem eine wiederum lasch aufgelöste Entführung geboten, die jedermann ein glückliches Familienleben beherrscht. Das war’s?

CARRIE (Kimberly Peirce, 2013) – Was für ein Frustfilm... Höchstens noch für Masochisten interessant, die sich an King’schem Arschlochverhalten gar nicht satt sehen können. Die schlimmst-plakativen Impulse jenes Autors werden jedenfalls für einen Reißer nach vorne gefiltert, welcher alles an seinen Figuren und Konflikten lediglich am Effekt erkennt und nur diesen ausspielen lässt. Eben ganz an eine Zielgruppe anbiedernd, deren Empathieverständnis bei der „Purge“ stehen bleiben dürfte: Den Mainstream-Horrorbauern von heute und gerne auch solchen, die in Facebook-Nostalgie-Gruppen gemeinsam Regression üben. Dass daran aber wohl noch Teens in Sachen Anti-Mobbing moralisch belehrt werden sollen, ist an Schrecken kaum zu überbieten. Mein Beileid dem eigentlich soliden Cast, der stets auf heißen Sohlen vor dem Film zu fliehen scheint.

NUKIE (Sias Odendal und Michael Pakleppa, 1993) – Ein südafrikanisches E.T.-Imitat, das die Sehnsucht getrennter Brüderlichkeit anhand von Aliens und Natives zugleich parallelisiert. Für diese Erkenntnis durchlebt man eine gefühlte Ewigkeit an x-mal-wiederholten Außenaufnahmen, witzlos daherlabernden Tieren und Missionars-Altbackenheiten, die allesamt gegen jedwedes Charaktergehalt oder sonstige Unterhaltungswerte resistent zu sein scheinen. Die Savanne blödelt belangloser als jeder „Die Götter müssen verrückt sein“, ihre Protagonisten reden bei omnipräsenter Entdynamisierung zudem des Öfteren davon, wie müde sie schon wieder seien. Gähnen auf allen Ebenen. 

UTOYA ISLAND (Vitaliy Versace, 2012) – Auf der Suche nach der fixen Kontroverse schleust Pseudo-Maverick-Moviemaker Versace das Breivik-Massaker durch ein Nichts an Narrativ, welches schneller rum ist als man glaubt und doch kaum schleppender im Amateur-Bodensatz voranschreiten könnte. Ein Bruchteil regional verwirrter Charakteretablierungen (US-Norweger im Hormonrausch) hier, ein Haufen mieser After-Effekte da - gestreckt anhand ewiger (spannender?) Spaziergänge im Wald und abgeschlossen vom Kollektivbegräbnis in gottesehrfürchtiger Echtzeit: Das alles ist nun echt nicht der Rede wert, zumal sich ganz amerikanisch nie eingestanden wird, dass Knarren an allem Übel schuld sind.

Sonntag, 14. Juni 2015

Tipps vom 08.06. - 14.06.2015



OVER THE TOP - "[...] Doch dieser weiß seinen Sohn zu motivieren, auf dass er sich der Herausforderung stellt und aufs Ganze geht. Selbst wenn er verliert, hat er es immerhin versucht. Dieses Credo gilt nicht nur im persönlichkeitsbildenden Rahmen des Films, sondern steht auch bezeichnend für Menahem Golan und seinen Produktionspartner Yoram Globus. Als Bosse der Cannon Films hatten sie weiß Gott keinen guten Ruf oder das nötige Know-how. Doch selbst in schwierigen Zeiten, wie dem Entstehungsjahr von „Over the Top“, gingen sie auf volles Risiko und steckten mehrere Millionen in ihre bis dahin kostengünstigen Projekte, um zumindest den Versuch zum Durchbruch in die Mainstream-Industrie gewagt zu haben. Nun ist es streitbar, ob sie mit Würde oder Dummheit verloren haben – das Vermächtnis zeigt sich allerdings im noch steigerungsfähigen Prozedere von „Over the Top“. Der Titel ist Programm. [...]"



(Die komplette Kritik gibt es auf CEREALITY.NET zu lesen.)




COOL BLADES - NUR DER SIEG ZÄHLT - Es wäre eher kontraproduktiv, näher darauf einzugehen, was dieses ganz besondere Beispiel verdrehter 90er-Jahre-Kultur ausmacht - oder wie allein die deutsche DVD vom Label MCP zu diesem Streifen aufgebaut ist. Was man zumindest an Infos rausspucken kann, ohne den ganzen Spaß an der Sache zu unterminieren: Es gibt Rollerskates und Surfboards, stumpfe und verliebte wie bekloppte Teenies, druchweg dusselige Eltern, ein flottes Erzähltempo (allerdings ohne echten Schluss) sowie plakative Soundtracks und spekulativen Pop zwischen High-School-Komödie, Romanze und Sportfilm. Eben auch voll mit Deppen und Einfältigkeiten, doch dann wieder überraschend durchgedreht und überwältigend taktlos. Eben etwas ganz Besonderes für erfahrene Genre-Zuschauer, da der Film ein Bündel an Überraschungen bereithält. Aber das muss man selbst erlebt haben - vom Hörensagen allein wird man nicht die totale Dröhnung erhalten.




DIE REISE INS ICH - In einer Kinowelt, in welcher nur noch immer größer und brachialer gedacht wird, ist es doch eine recht goldige Erfrischung, den Spaß im Verkleinern zu finden. Und dabei ist noch gar nicht mal vom demnächst anstehenden Ant-Man die Rede. Joe Dante schafft das Heldentum immerhin schon fern des ausgewiesenen Superhelden am neurotischen Martin Short, in dem eines Tages - durch die fantastische Reise des Spielberg'schen High Concepts - der draufgängerische Dennis Quaid drin steckt. Auf das Potenzial naiv überspitzter Sci-Fi-Paranoia folgt sodann ein stimmiges Arsenal an Situationskomiken, bei denen Motivation und Hormone ganz entscheidende und auch visualisierte Faktoren sind. Irrwitzige Verfolgungsjagden, Wissenschaften und eine herrlich verkopfte Lebenshilfe schießen hier durch die Blutbahn, während der Eskapismus im Kurzweil plakativ, aber nimmer abgestanden den Nervenkitzel antreibt. Das Spektrum an Erfindungen ist hierbei nie wirklich logisch, belässt seinen Anspruch allerdings entschieden am Erfindergeist der Leinwandunterhaltung - gänzlich ohne Steifheit und Anbiederung; schlicht aus den Charakteren heraus. Da ist Dante aber trotzdem ein bisschen in der oben angesprochenen Comic-Welt angekommen. Kann aber von Natur aus nur ein launiger Streifen sein, von daher gehört es sich eben so am Besten. Mehr sollte man bis hierhin vielleicht nicht verraten, der Spaßfaktor bleibt lieber der Sichtung an sich überlassen. Fun Fact: Kam hier in Deutschland in jener Woche raus, in der ich geboren wurde :D


 

TOKYO TRIBE - "[...] Das bringt absurden Spaß und ein gewisses Maß an Erschöpfung, allerdings auch eine Grenzenlosigkeit des Wildseins, wie man es dieser Tage höchstens noch von „Mad Max – Fury Road“ kennt. Endlose Eindrücke reißen sich fern entschiedener Auflösungen um die Aufmerksamkeit von Aug und Ohr; Martial Arts und Gangs mit Samurai-Panzern verbünden sich anhand von Rap Battles zum bunten Handgemenge gegen die Bösen; härtegeprüft und superräudig fetzt sich die Musik durch überschwängliche Plansequenzen voll slapstickhafter Einzelbilder. Wie so oft im asiatischen Kino stellt man fest: So etwas hat man noch nicht gesehen. Ob es für jedermann gut zu goutieren geht, steht auf einem anderen Blatt. Ohnehin bleibt neben dem reinen Unterhaltungsfaktor pausenloser Maxime nicht viel übrig. [...]"



(Die komplette Kritik gibt es auf CEREALITY.NET zu lesen.)




DIE CITY COBRA - "[...] „Bei Leuten wie dir hört das Gesetz auf. Du verdienst keine Rechte, Scheißkerl.“ Wie bei fast allen extremeren Filmen der achtziger Jahre ist es auch hier schwierig, als Zuschauer eine Balance zu finden, die den hitzigen Unterhaltungsfaktor des Films anerkennen und der dort herrschenden ideologischen Infantilität genügend Distanz zum aktuellen Zeitgeschehen zugestehen kann. Der Fokus auf Stil, Mode und Coolness hilft gänzlich amüsierend über die Runden, wie auch das Spektrum an Kommunikation in seiner Macho-Logik selbst damals schon als unfreiwilliger Humor hätte durchgehen müssen. Wäre natürlich gelacht, wenn man als junger Mann nicht doch eine Art vorbildlichen Reiz in der „City Cobra“ erkennen könnte. Doch darin überwiegt wohl mehr deren freie und draufgängerische Haltung als das politische Wunschdenken Cobrettis. Und wenn man ehrlich ist: Seine kleine Romanze mit Ingrid ist eine recht süße Angelegenheit. [...]"


(Die komplette Kritik gibt es auf CEREALITY.NET zu lesen.)




GLEN OR GLENDA - Ein Mann legt sich selbst offen - und alle dürfen zusehen, ohne dass jeder Zuschauer zum Ende hin überhaupt davon weiß. Das ist der schönste Reiz an Edward D. Wood Jr.'s Debütfilm „Glen or Glenda“. Was zunächst als schnelle Sexploitation gedacht war, wandelte sich unter seiner Ägide zum Plädoyer fürs Verständnis in Sachen Transvestitismus - einem ganz privaten Sujet, welches seine eigene Persönlichkeit ausmachte und ebenso nicht jedem seiner Mitmenschen bekannt war. In Tim Burtons „Ed Wood“ zeigt sich dies sodann auch so, dass nicht mal Woods damalige Freundin Dolores Fuller davon wusste und erst beim Lesen seines Drehbuchs die Anhaltspunkte verknüpfen konnte. Umso spannender gestaltet sich deshalb die Metaebene in „Glen or Glenda“, da Wood und Fuller in den Hauptrollen scheinbar so ziemlich die Beziehung aufspielen, in welcher sie sich zu der Zeit selber befanden. Dass dies im Rahmen eines Aufklärungsfilms gehalten wird, offenbart in dem gesteltzten Schauspiel eine Unschuld und Ungewissheit, die eben aus der Realität des Ganzen rührt. Allen voran Wood als Glen/Glenda - ohnehin unter dem Pseudonym Daniel Davis auftretend - schafft darin eine zärtliche wie verletzliche Aufarbeitung, die entgegen aller technischer Fauxpas' des Films tief in die Innenwelt seines Erschaffers schaut und somit unfreiwillige Lacher im Zaum hält. 


Gesellschaftliche Missverständnisse und Spekulationen treten dabei aus dem Off als Zeichen des urbanen Trubels auf, der mit seinen Eindrücken der Moderne schlicht entmenschlicht und alle Optionen der Selbstfindung im ignoranten Glaskasten abgeschlossen hat. Später lässt diese kalte Realität Glen/Glenda auch noch fallen: Im Selbstzweifel darüber, ob er seiner Barbara vor der Hochzeit noch seine Neigung beichten soll, verliert er sich in einen Alptraum der auferlegten Schwäche. Menschen zeigen auf ihn und lachen ihn aus; Visionen sexueller Perversion ringen um seine überforderte Aufmerksamkeit; ein Baum in Form eines Y-Chromosoms fällt auf Barbara, weshalb Glen und Glenda gleichsam die Rettung versuchen; kurz darauf spielt ihre Weiblichkeit geradezu geisterhaft mit ihm herum, wie auch ihr Angora-Pullover ihn durchweg lockt - der Voice Over lässt da wie gehabt bei Regisseur Wood keine Zweifel. Wie sich aber die berauschenden Traumsequenzen genau deuten lassen, bleibt dem Zuschauer aber ein Geheimnis, präsentiert aber selbst in deren klobigem Setdesign (doch stimmungsvoller Lichtgestaltung) genau die Welt, in der sich Wood zeitlebens fühlen musste. Sowas abstraktes wirkt bis heute reizvoll, wie auch die Funktion von Altstar Bela Lugosis als Gastrolle im Film jenseits des Erklärlichen arbeitet. 


„Pull the strings!“ ist da sein ständiger Befehl als scheinbarer Puppenmeister, der in suggestiver Montage über die Menschen wacht und sich an ihnen amüsiert. Im unheilvollen Loop des Gewitterdonnerns und zwischen Dekorationen des Morbiden thronend, ist sein Einfluss auf das irdische Reich so mysteriös wie ehrfurchteinflößend - da wird nicht umsonst gern rumort, wie sehr David Lynch der Film gefällt. Manche Einstellungen, wie Glen/Glendas lethargisch-hypnotischer Gang an Lugosis Stuhl, gefolgt vom metaphysischen Transfer in eine andere Persönlichkeit, könnte nicht nur optisch ohne Weiteres „Twin Peaks“ (man denke allein an David Duchovnys Rolle) und „Lost Highway“ sowie deren Hadern der Identitäten vorwegnehmen. Doch so surreal Woods Verarbeitung seines Transvestitismus von statten geht und mit herzlicher wie intensiver Verletzlichkeit um Verständnis bittet, so hartnäckig versucht die sanktionierte Rationalisierung der Filmproduktion, eine wissenschaftliche Zurückhaltung des individuellen Impulses nach dessen melodramatischer Ekstase zu erwirken. 


Wohl deshalb kommt gegen Ende hin nochmal eine Art Adaption der Christine-Jorgensen-Story ins Spiel, die als Kompromiss der ursprünglichen Auftragsarbeit übrig geblieben ist und somit eher wie neutralisierendes Beiwerk daher kommt - obwohl es sich zum Schluss hin auf dieselben Pfade der Glen-or-Glenda-Storyline begibt. Als Opfer der Umstände bleibt „Glen or Glenda“ also nicht formvollendet, doch das passt irgendwie wieder zum dargestellten Thema an sich. Auf jeden Fall funktioniert der Film grandios als Spiegelbild eines Künstlers, der persönliche Obsessionen und markttaugliche Verpflichtungen trotz mangelndem (oder naivem) Fachwissens verbinden wollte und dies (auch unfreiwillig) als Gesamtkunstwerk technischer Unfertigkeit umsetzte. Ein schönes Kleinod.




MATINEE - DIE HORRORPREMIERE - Wenn Joe Dante seinen Idealismus zum Kino alter Schule - besonders jenes voll schaumännischer Qualität nach Art jener Altmeister wie William Castle - mit der Sensibilität des Coming-of-Age zur Zeit der Kuba-Krise verknüpft, ist im Umkehrschluss selbstverständlich Freude zum Film die Hauptdevise. Da wird es auch völlig gleich, ob die Mischung vom Tempo oder vom Ton her gänzlich stimmig verläuft (tut sie übrigens nicht). Wenn die Realität der Angst und Ungewissheit im Angesicht der liebevoll erschreckenden Leinwand in ein ganz eigenes, beklopptes Weltuntergangsabenteuer geschmissen wird - im Nachhinein mit gut lehrsamen Schrecken entlastend, wohlgemerkt -, ist die Abendvorstellung befriedigend gerettet. Warum wiederhole ich denselben Satzbau innerhalb eines Abschnittes? Völlig wurscht, so wie auch Dante fast genauso viel Arbeit in seinen Metafilm "MANT" steckt und diesem gefühlt ein Drittel der Laufzeit von "Matinee" widmet - nicht zu vergessen dazu auch noch eine glanzvoll emulierte Screwball-Komödienszene mit der jungen Naomi Watts! Das muss doch anlocken, oder? Eben!


Mit solch einer Mentalität lässt sich gut was anheizen und verdienen, zeigt ja auch John Goodmans Charakter Lawrence Woolsey - ein kindischer Produzent des einfachen Volkes und niedrigen Budgets, der wie Roger Corman oder Menahem Golan stets auf dem Sprung für neue ausgefallene Filmtitel ist und die Trickkiste der Gimmicks versteht, wie er auch das Herz sowie die innigsten Träume des Filmfreundes treffen kann. Einer davon heißt Gene (Simon Fenton) und ist besonders heiß auf Monsterstreifen. Wenn diese auch gruseln sollen, lassen diese sich leichter bewerkstelligen als das Fehlen des Vaters, der zum Einsatz berufen wird (und der von der Familie so vermisst wird, als wäre er schon des Todes) sowie die Eingliederung in den Schulalltag. Besonders gemein geht es da jetzt nicht unbedingt zu - Freunde hat man ja, doch die Zeichen der Zeit lassen sich auch nicht verleugnen. Allen voran die störrische Sandra (Lisa Jakub) weist da auf die Unsinnigkeit vom Duck & Cover beim Atomangriff hin wie sie auch die Segregation der farbigen Kinder anprangert.


Regisseur Dante erwirkt allerdings keine Eskalation dieser dramatischen Verhältnisse, findet die Katharsis dessen eher über Umwege im cartoonhaften Kino-Matinee, bei dem die Kids zu wahren Helden ihrer eigenen Geschichte werden, mit den recht plakativen wie eher filmisch motivierten Erwachsenen mithalten können und die nettesten Mädchen abkriegen, während der Tag gerettet wird. Wie all dies anhand von Missverständnissen, Eifersucht und Paranoia zusammen kommt, verläuft schon ein Stück holprig und auch weit hergeholt - da darf man auch ruhig von Längen sprechen, die aber schon dem etwas eingekniffenem Drehbuch geschuldet sein dürften. Der Enthusiasmus der filmfördernden Botschaft stimmt nämlich schon - es hapert nur irgendwie am zeitweisen Stillstand des Prozederes, der auch dadurch entsteht, dass der Ansatz stark entwickelter Charaktere vom niedlichen Chaos überschattet wird.


Was soll man sich aber auch beschweren? Ein Film mit Kanten und Ecken bleibt eh besser hängen, sag ich da nur - selbst wenn sich zum Beispiel der Subplot um Herb Denning und Bob nach circa zwei Szenen wieder im Sande aufgelöst hat, obwohl im Vornherein nicht gerade der schwächste Fokus dazu aufgeboten wurde. Nicht so schade wie in Dantes "Explorers", jener Verlust an Dick-Miller-Potenzial, aber natürlich uneben. Sehen wir es mal positiv: Man hat wenigstens was zum Diskutieren - wenn alles glatt laufen würde, wäre der Film auch keine waschechte Hommage am B-Movie. Da bleibt "Matinee" konsequent: Mal herzlich, mal peinlich, mal zart, mal aufbrausend, mal ulkig, mal traurig und so weiter und sofort. Immer noch besser als so eine Atombombe im Nacken - deswegen ist Kino stets für jedermann und -frau zur Stelle. Obwohl der Film hier eher Jungs ansprechen dürfte und auch bestätigt, wie romantisch es auf den Sitzen abgehen kann. Im Film geht sowas immer - toll, nich? 




JURASSIC WORLD - "[...] Das Böse hat hier nur wenige Facetten, wie auch die Logik hinter der Geschichte eher dem Spaß als der Spannung eines Crichton-Technohorrors verpflichtet ist. Hat man das einmal akzeptiert, kann man einige verballhornende Qualitäten im Überdruss der Männlichkeit finden, während der charakter- und handlungstechnische Aufbau direkt zur Sache geht und in der Kombination mehrerer Action verheißender Schauplätze glänzend bei Laune hält. Hierin kommt eine elegante Eskalation zustande, die neben dem erneuten Zusammenbruch des Verhältnisses zwischen Mensch und Urvieh noch einen Fortschritt in Regionen des ausgelassenen Stumpfsinns wagt. Die enthemmende Haltung, die daraus entsteht, siedelt das Franchise in der Grenzenlosigkeit trivialer Unterhaltung an und schafft beglückendes Unterhaltungskino, an dem sich kleine wie große Machos ausleben können. [...]"



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TAXI - "[...] Solange Alex nämlich in derselben Stadt bleibt, kommt sie auch immer wieder zu jenen zurück, die sie von sich wissen will und denen sie dennoch nicht entsagen kann. Sie erlaubt sich aber nicht aufzutauen, wie auch der Film um sie herum keine dramaturgische Linie verfolgt. Als Charakterporträt beobachtet er stattdessen individuelle Sackgassen, an denen sich alle treffen und aufreiben. Der Jargon ist schroff und die Abhängigkeit von Kohle und Liebe umso schroffer. Wie weit will man dem Menschsein entgehen oder es solange unterdrücken, dass es in der Verhältnismäßigkeit der Dinge noch am erträglichsten ist? [...] Doch wie Alex in ihrer ambivalenten Distanz zum Objekt der Begierde wird, so ist auch Kerstin Ahlrichs Film eine interessante Ausnahmeerscheinung, welche man gerne tiefer erforschen möchte, bis das Taxameter den Höchstwert erreicht."


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ANTBOY - DIE RACHE DER RED FURY - "[...] Dabei behilft man sich vieler Versatzstücke des Genres: die Betonung auf den Status des Außenseiters, das Nutzen und Bezweifeln von Superkräften, die Dualität zwischen öffentlicher Wahrnehmung und geheimer Identität, die hilfsbereiten Sidekicks ohne Superkräfte und natürlich die obligatorisch plakativen Bösewichte, vor denen man die Stadt beschützen muss. Hasselbach und sein Drehbuchautor Anders Ølholm konzentrieren diese Genre-Obligationen jedoch auf den provinziellen Schauplatz Middellund (gespielt von unserem Hamburg), der in seinem gemütlichen Mikrokosmos kein Spektakel verlangt und somit mehr Raum für den kindgerechten Charakteraufbau übrig lässt – was teilweise effektiver wirkt als bei gewissen Blockbuster-Vorbildern. [...]"



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FRAUEN BIS ZUM WAHNSINN GEQUÄLT - Möchte man Dagmar Lassander in ihrer Blütezeit studieren (und ganz ehrlich: Es spricht nichts dagegen), ist dieser angenehm mediterrane Thriller besonders gut geeignet. Ohnehin hat hier selbst der sexuell unterwürfige Sleaze anhand der Synchronstimme von Klaus Löwitsch Stil, von kameratechnischer Seite aus sind die italienischen Profis selbstverständlich ebenfalls konkurrenzlos. Bei dieser audiovisuellen Erotik sollte man aber durchweg eher mit steifen Glied mitdenken, anstatt die Denkmurmel anzukurbeln. Wie sich nämlich die intriganten Mechanismen zum Wahnsinn der beeinflussbaren und ausgebeuteten Minou (Lassander) steigern - In etwa: "Moment mal, ich schwöre es euch, die Wohnung war letztes Mal noch voll mit Möbeln, die jetzt nicht mehr da sind - was mich wie eine Irre aussehen lässt." - und das Mysterium im hanebüchenen Twist-Crescendo vollendet, ist an Genre-Einfältigkeit kaum zu übertrumpfen (Spoiler: Für kein Geld der Welt würde man so eine ergebene Seele von Ehefrau umnieten wollen - meine Meinung).


Sowieso bleibt im Gesamtverlauf nicht viel mehr hängen als die Manipulation einer Frau in reißerischer Montur - stilsicher, na klaro, aber darüber hinaus nur bedingt aufregend...selbst für Zuschauer mit Sado-Fetisch. Klingt alles irgendwie zynisch und trivial - ist es auch. Dennoch spürt man die Sinnlichkeit aus den poppigen Marmor-Dekors und sexy Kleidern tropfen (weniger aus den schrecklichen Perücken), wie auch die Intensität der Fesselung ihre schaurigen Spuren hinterlässt. Darunter schlummern gerne noch Reize der Freien Liebe und Ambivalenzen zur Unterwerfungsfantasie, wobei der Film an sich letztere selber nicht ganz abschütteln kann/will. Im Zweifelsfall bleibt einem immer noch die niedliche Schildkröte, die völlig unbedarft über die Akte krabbelt - da strahlt die Lassander eh am Vergnügtesten und der Zuschauer ebenso. Ein bisschen mehr von diesem Easy-Going hätte dem Film echt nicht geschadet.




POLIZEIREVIER DAVIDSWACHE - Das Hamburg der frühen sechziger Jahre lebt hier in seiner ganzen Milieu-Verruchtheit auf; wird in und um St. Pauli als nicht unbedingt unrealistische Studie präsentiert, welche sich durch mehrere lose Episoden definiert. Im Fokus liegen dabei am Ehesten noch die Machenschaften von Ex-Knacki Bruno Kapp (Günther Ungeheuer), der die naive Dame Margot (Hannelore Schroth) um Kohlen prellen will und statt Zuneigung zu ihr lieber Umtriebigkeit in den berüchtigten Vergnügungsvierteln pflegt - den dubiosen Machenschaften zuliebe, versteht sich. So lernt man noch andere Gestalten der Nacht sowie deren unlautere Mechanismen kennen, anhand derer unter anderem Freier gebeutelt und junge Mädchen zum Anschaffen verleitet werden. Als abgeklärtes und trotz aller Härte immer etwas machtloses Zentrum der Gesetzeshüter zeigt sich sodann das Revier Davidswache, dessen kalte Wände erst die richtigen Gedärme des ganzen Films ausmachen.


Allen voran der erfahrene Hauptwachtmeister Glantz (Wolfgang Glantz) sieht sich da einem Ensemble an urig bölkenden und saufenden Gestalten freiwillig ausgeliefert, das zu jeder Tagesstunde am Tresen Anzeige erstatten oder gerade zur Wahrung der eigentlichen Spießbürgerlichkeit entlassen wird. Wenn das noch nicht reicht, sind Amtsgerichte und Kriminalbeamte hier untereinander natürlich ebenso störrisch. Jenes Ambiente schlägt eine reizvolle Balance zwischen Reportage-Stil und Spielfreude am Räudenfaktor, gänzlich überzeugend funktioniert der Film in der Hinsicht allerdings nicht. Der Umgangston ist schon durchweg ruppig, aber in der Bearbeitung beispielhafter Fälle verlässt man sich überwiegend auf Allgemeinplätze gängiger Kolportage. Der lose, doch präsente dramaturgische Rahmen beißt sich ohnehin mit dem im Intro verstärkt angesprochenen Anspruch des Films, eine dokumentarische Wahrheit zu repräsentieren.


Auf die Echtheit von Handlung und Menschen wird hingewiesen, obwohl gestandene Genre-Schauspieler die Szenerie bewandern - da soll es schon reichen, dass deren Namen weder im Vorspann noch im nicht vorhandenen Abspann genannt werden. Sei es drum: Der Großteil der Mannschaft kriegt den norddeutschen Schnack ordentlich hin und als gebürtiger Hamburger dürfte Regisseur Jürgen Roland mit seiner Erfassung der Verhältnisse richtig und hart liegen. Was ihm allerdings an reißerischer Spekulation mangelt, mangelt ihm zugleich an filmischer Besonderheit. Für den gestandenen Krautsploitation-Fan bietet sich also nicht immer die Maxime an, dafür ist „Polizeirevier Davidswache“ als Frühwerk des Genres immerhin noch eine ganz souveräne Leistung mit Hang zur etwas mutigeren Freizügigkeit.


Aufbrausender, zackiger und schnackiger ging es aber beispielsweise schon anno 1958 beim Hamburg-Krimi „Das Mädchen mit den Katzenaugen“ zu. Dagegen ist Jürgen Rolands Film noch ein leicht verhaltener Übergang vom Melodramatischen zur neuen Härte, die sich später in zweierlei Richtungen entwickelte: Einerseits in den pseudo-aufklärerischen Sleaze eines Rolf Olsen oder Ernst Hofbauer und andererseits in die Kompromisslosigkeit eines Roland Klick. Auf jeden Fall ist die Unterwelt hier wie eh und je ein Schauplatz für erregenden Filmstoff sowie eine Zeitkapsel sondergleichen. Zur Horizonterweiterung in Sachen Film an sich sind aber andere Werke über St. Pauli (auch von Roland selbst) doch noch besser geeignet.




GAMERA GEGEN GUIRON - FRANKENSTEINS MONSTERKAMPF IM WELTALL - Nach dem eher halbseiden aufgewärmten "Gamera gegen Viras" und seinem Übermaß an Archivmaterial läuft die Kaiju-Sause um den außerirdischen Gegner Guiron wieder zur Höchstform der Beklopptheit auf - wenn auch weiterhin auf circa fünf Minuten alte Filmausschnitte zurückgreifend, die zeigen, welche Kinder Gamera bisher rettete. Auch diesmal wird er sodann Schutzherr für zwei freche Jungens, die es in ihrer Neugier auf einen fremden Planeten zieht. Akio (Nobuhiro Kajima) und sein amerikanischer Kumpel Tom (Christopher Murphy, der partout nicht schauspielern kann) entdecken nämlich anhand ihres Teleskops ein UFO und nehmen Reißaus, obwohl Frau Mutter (Yuko Hamada) zur Schlafenszeit befohlen hat. Die ist ohnehin etwas abgebrühter drauf als die Erwachsenen in sonstigen Gamera-Streifen und glaubt keinerlei fantastische Geschichten, die ihr die Kinder erzählen, obwohl Ausserirdische und Riesenmonster bereits seit mehreren Filmen zum Alltag gehören. Unabhängig davon, würde es aber auch jedem schwer fallen, die kleinlauten Geschichten des Schwesterchens Akios zu glauben, welches aber schon von Vornherein nicht auf die Reise mitgenommen wird, da "das nichts für Mädchen ist" und sie schlicht zu feige dafür sei. Das nennt man mal entschiedenes Jungskino!


Deshalb sind unsere Protagonisten wiederum wie gehabt neunmalklug und fassen unbedacht jede Technik an, die sie in die Finger kriegen können, bis sie ohne Weiteres alle Umstände ihres Umfelds analysieren und verstehen können. Jedenfalls gelangen sie auf den Planeten Terra, auf welchem Guiron, ein Echsenviech mit einem riesigen Messer als Kopf, schon mal kosmische Varianten früherer Gamera-Feinde, die Gaos, ziemlich explizit zerschneidet. Da kann man sich auch vorstellen, wie brutal es später der stets für die Kids leidenden Superschildkröte ergehen wird. Man kann nur schwer nachvollziehen, warum diese Reihe an Kinderfilmen gerade in punkto Gewalt weit grausigere Bilder zu zeigen imstande war, als es Toho zu wagen pflegte. Durch das immens klobigere Ambiente kommt allerdings auch eine obskure Schere zwischen Unschuld und Exzess zustande, die äußerst goldig unterhält. Von Vorteil ist dabei ohnehin, dass der Anteil an Monsterkämpfen nochmal erhöht wurde und dabei wie gehabt einige selten dämliche Tricks anwendet.


Doch auch im Rahmen des menschlichen Geschehens ist das triviale Vergnügen sicher: Akio und Tom lassen sich nämlich von zwei hübschen außerirdischen Frauen, Barbella (Hiroko Kai) und Florbella (Reiko Kasahara), hinters Licht führen, dass diese es auf ihrem Planeten ja trotz technischer Fortschritte so schwierig hätten und gerne ein neues friedliches Zuhause auf der Erde finden möchten. Denkste! Ressourcen ausschöpfen und die Menschheit unterjochen ist eher der Plan - und das fängt man am Besten damit an, indem man wortwörtlich die Gehirne der Eindringlinge frisst. Eine Horrorvision, die jedem Grundschüler einfallen sowie Schrecken einjagen würde, weshalb sie im Grunde auch recht austauschbar mit den Antagonisten des Vorgängerfilms ist - selbst das Set ist in etwa dasselbe. Ein bisschen Eroberungsfantasie oder auch die Zuneigung zu einer Mutterfigur schwingt da allerdings auch in den Jungs beim Anblick der flotten Weltraummädels mit - weshalb sie umso williger in ihre manipulativen Fallen geraten. Insbesondere Akio lässt sich da auf einiges ein, wie er auch grundsätzlich die ideologische Führung übernimmt und sich eine Welt "ohne Kriege und Autounfälle" wünscht.


Gegen Ende hin schwingt er dann auch die Keule der Botschaft, welche merkwürdigerweise weg von der Forschung in weit entfernte Galaxien will und stattdessen mehr für ein besseres Leben unter den Völkern auf unserer Erde einstehen möchte. Er hat seine Lektion gelernt, doch wer kommt für die Kosten des ganzen Invasoren-Schlamassels auf? Ohnehin darf er eine Menge Hausarrest erwarten, wo er doch einfach so mit Tom von zu Hause ausgerissen war und fortan bei der Polizei als vermisst galt. Ich weiß aus Erfahrung, dass man da nicht so einfach davonkommt, wie es der Film als buntes Abenteuer darstellt. Aber er macht sich einfach keinen Kopf drum und liefert stattdessen das unverhältnismäßig brutale und gleichsam drollige Spektakel dümmlicher Dialoge und Monster-Szenarien, das man in derartiger Kombi aus Kautschuk, Plastik und Pappe umso lieber ins Herz schließt.




GAMERA GEGEN JIGGAR - FRANKENSTEINS DÄMON BEDROHT DIE WELT - Wieder mal muss Gamera ran - und warum? Weil die Verantwortlichen der Weltausstellung in Japan anno 1970 darauf kommen, eine mysteriöse Insel-Statur heranzuholen, durch deren Entwendung das Urzeitvieh Jiggar aus dem Untergrund gesprungen kommt. Dieses Riesenmonstrum beschwört mit hochfrequentierten Töten reichlich Unwohlsein herauf, wie es ebenso dem Titelhelden Gamera mit fiesen Abwehrkräften zusetzt. Per Düsentrieb in den Kiemen kann es durch die Gegend fliegen und mit stacheligen Geschossen die beliebte Riesenschildkröte kampfunfähig machen. Ja, Gamera darf wieder mal unverhältnismäßig grob leiden, wird durch alle Gliedmaßen aufgespießt und muss sich im Folgenden explizit Stück für Stück die metallenen Stachel heraus ziehen. Später wird er im Kampf noch vom phallischen Schwanzstachel Jiggars zur Schockstarre vergiftet, ehe er ihm diesen blutig abschlägt und sich im Angesicht zu dessen Audiobrutalitäten bis zum Anschlag Telefonmasten in die Gehörgänge schiebt.


Das ist schon mehr Horrorfilm, als es Godzilla zu jener Zeit schaffte, doch wie eigentlich immer bekommt Gamera seine Tipps wieder mal von drei (!) Kindern: Hiroshi (Tsutomu Takakuwa), der irgendwie immer die Popularität von Gamera in seinen Erläuterungen unterbringen muss; Tommy (Kelly Varis), ein blasser G.I.-Boy, dessen Vater die Ausgrabungsarbeiten um jene oben beschriebene Statur im Auftrag der Japaner anführt; zu guter Letzt Tommys Schwester Susan (Katherine Murphy), die noch zu jung ist, um mit den Jungs per U-Boot in Gameras Speiseröhre zu reisen. Mädchen nerven hier ohnehin (insbesondere Hiroshis Schwester), fast genauso wie die ganzen Erwachsenen, die nach knapp fünf Filmen noch immer nicht dahinter gekommen sind, dass Monster in ihrer Welt existieren, dass Gamera selbstverständlich der Freund der Menschen ist und dass man unbedingt auf die Einfälle von Kindern hören sollte, wenn es um die Verteidigung gegen jene Monster geht.


Den ganzen Spaß erlebt man hier von Neuem und da weiß man als Beobachter der ganzen Reihe schon gar nicht mehr, was man noch in einer Kritik wie dieser hinzufügen soll. Etwa, dass ein Großteil der Spezialeffekte wieder in Spielzeuggröße durchgeführt wurden? Oder dass das klobige Vergnügen im Monsterspektakel noch immer seinen Charme hat, vor allem da der Kontrast zwischen kindlicher Unschuld und saftiger Brutalität weiterhin befremdet? Muss man da überhaupt noch erwähnen, dass das Arsenal an flapsigen wie dümmlichen Dialogen absurde Selbstverständlichen am laufenden Band ausstößt? Ganz ehrlich: Wer Gamera schon einigermaßen kennt, weiß, worauf er sich hier einlässt - nur, dass zumindest dieses Mal keine Außerirdischen zur Stelle sind und Archivmaterial nur im Vorspann vorkommt. Immerhin! Ansonsten ist alles schön und gut für Freunde des naiven Kaiju-Kloppers, nur eben schon in gewisser Hinsicht ordentlich abgenutzt. Die Situation wäre aber umso besser, hätte man inzwischen mal die alte Kinosynchro zum Film aufgefunden. Zumindest ein Trailer ist übrig geblieben und kann hier in aller reißerischer Retro-Montur begutachtet werden:




BONUS-ZEUGS:




DIE BESTIE MIT DEM FEURIGEN ATEM - Einer der assigsten, wenn nicht sogar DER assigste Giallo, den ich bisher sehen durfte. Mal abgesehen davon, dass Dagmar Lassander sogar einige nackte Tatsachen vorweisen kann, ist alles an diesem Film schlicht hässlich. Liegt vielleicht schon an der DVD-Umsetzung mit ihrem verkorksten Matschbild und der dreißig Jahre nach Entstehungsjahr nachgereichten Synchronisation - doch wie Regisseur Riccardo Freda ohne jedes Taktgefühl seine durchweg schmierigen Figuren und Schauplätze aufeinanderprallen lässt, wird schon schnell zur Toleranzprobe für den Zuschauer. Passend dazu setzt er auf selbstzweckhaft explizite Greueltaten und Sexszenen, die weder vor der ständigen Rückblende zu einem Selbstmord, noch vor der grundlosen Nacktheit eines nicht gerade erwachsenen Mädchens zurückschrecken. Es ist alles billige Exploitation im Taumel wahlloser Zooms und klischeereichem Nihilismus, die von einem recht dürftigen Krimi-Konstrukt getragen wird und ansonsten noch eine launenhafte Oma bereit hält, die auch nicht viel besser ist als unser schier blasse Hauptprotagonist Detective John Norton (Luigi Pistilli). Dennoch lässt sich der Film aus einer bizarren Faszination heraus anschauen - wenn auch schlicht daher, wie unfähig er auf die Beine gestellt wurde und regelrecht anekelt. Ein unfassbares Stück Räudendreck, muss man erleben!





BIG BUSINESS - AUSSER SPESEN NICHTS GEWESEN - "[...] Dieses einfache Konzept erweist sich als nicht sonderlich erfüllend, weshalb der Film auf Running Gags und spekulative Kulturverständnisse en masse zurückgreifen muss. [...] Andererseits schafft die Melange der Kulturverständnisse aber einige bizarre Szenarien, welche über die bloße Erkennung von regionalen Anachronismen hinausgeht. [...] Ein Charlie Kaufman hätte womöglich die Gelegenheit beim Schopf ergriffen und daraus eine konsequente Meta-Satire erschaffen [...] Bis dahin kommt Ken Scotts Film allerdings nicht, dafür wird er umso plumper und beliebiger. Man kann immerhin froh sein, dass man sich selbst in solchen Fällen noch immer an manche Aspekte, ob nun freiwillig oder unfreiwillig komisch und hintersinnig, festklammern kann. [...]"



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MISS BODYGUARD - "[...] Wenn man schon keine Sympathie für den überkorrekten Umgangston Coopers fern jedes humanen Verständnisses empfinden konnte, wird man am schrillen und bockigen Sarkasmus der Frau Riva wahrscheinlich genauso zerbrechen. Fakt ist, dass sich in dieser Paarung keinerlei Chemie oder Kontraste entwickeln können, da ihr Dialog zu einem permanenten vorwurfsvollen Geräusch verkommt, das auf der Flucht nie aus der Ruhe kommt und sich zudem allzu willig in beliebigen Situationskomiken verliert. [...] Anne Fletchers Film ist wie jeder Zickenkrieg: zynisch, kindisch, frustrierend, auf dass nicht nur männliche Zuschauer schnell das Weite suchen wollen."



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FOR THE BLINDS - "[...] Ein behauptetes Verständnis für kunstgewerbliche Handgriffe führt schließlich zu wahllosen Schnittmustern, aufgesetzten Soundeffekten, billiger Bildverfremdung sowie Stativaufnahmen leerer Häuser und Straßen, auf dass in dieser Emulation einer künstlerischen Stimme doch noch eine Bedeutung entstehen solle. [...] Doch weder bekommt man etwas davon geliefert, noch erhält man zu irgendeiner Zeit das Gefühl für überhaupt etwas – abgesehen von Frust und Müdigkeit. Keiner der menschlichen Sinne wird angesprochen oder mit einer Form von Qualität belohnt. Ein sterbensöder Amateurfilm, der schon mehr als nur Film sein will, obwohl er nicht einmal dessen Regeln beherrscht."



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