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Sonntag, 6. März 2016

Tipps vom 29.02. - 06.03.2016

Diese Woche sah es erneut etwas mager aus, was die Sichtung von Filmen anging, da muss ich mich entschuldigen, aber nun ja, ab und an steckt das Leben halt dahinter, da will ich keine Illussionen schaffen. Ich hab es zumindest in zwei Kinovorstellungen geschafft, auch wieder reichlich Gutes wiederholt und mich zwischendurch auch erneut an "Eine schrecklich nette Familie" herangewagt, sobald die tägliche (Schnitt-)Arbeit daheim erledigt war. Abseits dessen war die Woche ohnehin ziemlich verrückt - es fing bei den Oscars voll aufdringlicher political correctness an, dann musste sich um eine (noch immer) defekte Kochplatte in der Wohnung gestritten werden und Frau Mutter war das Wochenende auch noch zu Besuch. Alles nicht so schlimm übrigens, wie zur MRT unter die Röhre geschoben zu werden, mit einer Kanüle voller Kontrastmittel im Arm 20 Minuten lang in (gut belüfteter) Enge zu verweilen und dabei sogar melodramatisch klassische Töne à la "Opfergang" über Lautsprecher serviert zu bekommen - Galgenhumor deluxe. Doch selbst dieses Ereignis malt man sich anfangs schlimmer aus, als es eigentlich ist - es ist keine Schande zuzugeben, die Tage zuvor eine Panikattacke hinsichtlich dessen zu erleben, ahnungslos und allein den Weg antreten zu müssen. Wer es nicht selbst erlebt hat, wird die Furcht davor vielleicht nicht ganz verstehen, doch es macht schon bange, eventuell (aber natürlich recht unwahrscheinlich) die Diagnose eines Gehirntumors erhalten zu können (die Möglichkeit sollte im Rahmen der Behandlung eben ausgeschlossen werden und so war es dann auch), nur weil man vor knapp einem Monat noch mit Gleichgewichtsstörungen sowie einer Art Benommenheitsschwindel zu hadern hatte.

Wer sich mein Video zu "Chibi-Robo!" zu Gemüte führt, sieht die damit verbundene Konzentrationsschwäche und Ermattung übrigens voll in Aktion, wenn auch zusammengeschnitten wie nur möglich. Inzwischen haben sich die Symptome aber auf ein kaum noch spürbares Minimum verzogen und auf den MRT-Aufnahmen, die man mitkriegt, lässt sich auch nichts Besorgniserregendes erkennen. Wie dem auch sei, ist die Angst, die man danach hinter sich gelassen hat, eigentlich kaum noch zu toppen, von daher wird man im Nachhinein so oder so ein bisschen lockerer. Bezeichnenderweise verselbstständigte sich das bei mir sodann am selben Tag noch in einem Kinobesuch für den Western-Klassiker "12 Uhr Mittags" von Fred Zinnemann. Obwohl da in den ersten 10 Minuten irrtümlicherweise "Faustrecht der Prärie" lief, sodann für die eigentliche Vorstellung auf Digital umgesattelt werden musste, ein älterer Sitznachbar bei jedem Satz von Grace Kelly wie ein sexistischer Wicht zu prusten anfing und mein rechter Arm sich zudem noch vom Einstich der Kanüle per Muskelkater erholte, war es mir alles egal. Witzigerweise hat es Gary Cooper dabei auf der Leinwand nicht leichter, gedenkt sich dem Schergen Frank Miller (!) zu stellen, erhält allerdings keinerlei Hilfe von der Stadtgemeinschaft, für die er Jahrzehnte lang als Sheriff gedient hat - alle haben ihre nachvollziehbaren Gründe, doch die Verzweiflung unseres Helden der Rechtschaffenheit steht ihm mit wehmütigen Rhythmus von Dimitri Tiomkins Soundtrack ins Gesicht geschrieben; genauso die Abgeklärtheit, mit der er sich aus der Realität der Genügsamkeit verabschiedet und (beinahe) im Alleingang das schaffen muss, wofür ihm eigentlich genug Ressourcen zur Verfügung stehen dürften.

Quasi ein in etwa misantrhopisches Happy-End, wenn man so sagen will (auch ein Abgesang auf einen oder mehrere Western-Mythen), zumindest eins, von dem aus es sich weiter Richtung Selbstbewusstsein blicken lässt (und nicht in einer haltlos starrköpfigen und destruktiven Art wie in "Ein Mann wie Sprengstoff", ebenfalls mit Cooper); Furcht konfrontiert und bezwungen werden kann, auch wenn es nicht als Sieg herausgestellt werden muss. Also bin ich erneut vor die Kamera getreten und im fixen Durchlauf (fast alle) meine neuen Errungenschaften vom Februar binnen meiner Mancave vorgestellt. Von Ansteckern über Poster bis hin zu Büchern und natürlich Filmen ist ein Arsenal an tollen tollen Sachen vertreten (Nicht im Video, aber auch neu im Archiv: "Die Angst des Tormanns beim Elfmeter", "Poltergeist" - siehe hier). Das Schöne ist: Es kommt im März so oder so noch mehr zusammen und auch wenn schon meine guten Vorsätze für dieses Jahr, erst recht im Bezug auf Optimismus, vom Schicksal offenbar derartig entschieden auf die Probe gestellt werden, sind der eine oder andere Filmabend, Hamburger, Bücherhallen-Leihfundus, Freundschaften, Familie, Alf oder eben ein "Batman v Superman" stets nicht allzu weit entfernt. Es wird auch mal wieder besser und ich werde auch mal wieder mehr hier schreiben, im Moment lässt sich mit folgendem Video wie gesagt aber auch was anfangen. Und Achtung, danach hab ich doch noch eine Filmbesprechung in Textform in petto, also Augen aufhalten und viel Spaß mit dem ganzen Kram :D






SONNE, SAND UND HEISSE SCHENKEL aka JUNG, SCHÖN UND LASTERHAFT - (Gesichtet im Rahmen des BIZARRE CINEMA im Metropolis Kino Hamburg, 35mm, dt. Fassung)

Mal wieder einer von der Sorte „Genussfilm“. Wer die Reize der beiden Hauptdarstellerinnen Gloria Guida und Dagmar Lassander zu schätzen weiß, kann schon insofern erfreut sein, dass Regisseur Silvio Amadio ihnen hiermit gewiss eine Liebeserklärung schenkt. Diese mag in der dramaturgischen Dimension vielleicht mit der Sprache eines Groschenromans erscheinen und vom Budget her nicht allzu viel Aufwand sowie herzliches Schmuddelfilmflair vorzeigen (allein dieser Soundtrack), doch offene Filmfreunde empfangen derartig schludrige Präsentationen eben als freundschaftliche Bodenständigkeit, aus der sich Massen an Potenzial ergeben - bezeichnenderweise verheimlicht der Film auch seine Quasi-Adaption von Françoise Sagans „Bonjour Tristesse“ und verhält sich stattdessen durchweg eher so, wie es ihm gerade passt, was wiederum eine ungeheure Lebhaftigkeit hervorbringt. Jene Methodik findet sodann schnell die Schönheit in der Kulisse vor, in den Körpern der Frauen sowie deren jugendliche Sprunghaftigkeit. Euphorisch kombiniert der Film dies mit elliptischer Erzählung, pendelt schon nach dem Vorspann zwischen den Zeiten hin und her und ergänzt auf die Art trotzdem punktgenau die Wahrnehmung der jungen Angela (Gloria Guida) zu ihrer neuen Stiefmutter in spe, Irene (Dagmar Lassander), für welche sie sich schon allmählich ein kleines Komplott zusammen mit Inselficker Sandro (Fred Robsahm) ausdenkt. 


Diese Jugend heutzutage... doch fern moralischer Verurteilung besitzen Amadios Charaktere im Grunde ein unbedarftes Wesen, umgeben sich allesamt mit wilden und gleichzeitig heimeligen Dekors unter der angenehmen Hitze des Ambientes und feiern bar jeder Verantwortung Freiheit, Liebe, Natur und Klamotten, während die Sonne so gleißend von der Leinwand strahlt, wie sie in der Naivität der Intrigen auch trügen kann. Angelas zentrales Spiel mit den Gefühlen (inklusive Versteckspiel unter grotesken Felsmassiven) basiert nämlich durchaus auf kindlicher Motivation, geht lediglich mit Vermutungen im Geheimen gegen Irene an, ehe sie diese überhaupt kennen lernt. Mit gleichsam keckem Esprit inszeniert sie sodann eine Zuneigung für Irene, obwohl der Film gerne damit spielt, wie viel Wahrheit doch darin stecken könnte. Erotik ist natürlich ein bindendes Glied in diesen Verhältnissen und bietet Amadio vor allem reichlich Freiraum zur Verinnerlichung von Blicken und im lauen Wind glänzenden Frisuren (Lassanders Rot lässt die Sinne explodieren!) sowie zur Begutachtung der unbekümmerten Nacktheit Guidas, doch neben dieser Zeigefreudigkeit ist das Narrativ ohnehin mit der Chemie der Verführung gepfeffert, welche vor allem den Frauen des kleinen Ensembles zusteht, bei dem die Männer eher im Hintergrund verbleiben. Selbst Sandro, der sich als Lover zwischen drei Damen versucht, hat nicht allzu viel zu melden, kommt mit seinen Anmacher-Allüren bei Irene erst recht nicht weit, ferner blickt er stetig tiefer in eine der mehrmals vertretenen J&B-Whisky-Flaschen.


Ein Arschloch macht der Film aber auch nicht aus ihm, sind ja alles junge Menschen - mit Buggy, Mode und Teleobjektiv ausgestattete Touristen der seligen Lust, in die sich die um eine Generation ältere, aber kaum weniger bezaubernde Irene ebenso hinein verlieren könnte, wenn ihre Zuneigung zu Frauen denn nicht aufgrund tragischer Erfahrungen unter einem schlechten Stern stehen würde. In ihr schlummert die Verletztlichkeit - Angela ist sich dessen im Leichtsinn der jungen Unschuld noch nicht bewusst und spielt dann auch mit der Liebe, als dass sie die Bedeutung derer in ihrem Leben schon wirklich erfahren hat. Visuelles und Dramatisches kreuzen sich dabei übrigens nicht allzu kalkulierbar zur Filmerfahrung zusammen - die Fühlbarkeit bleibt jedenfalls nimmer auf der Strecke, wenn geballte Sehnsucht in den Bildern und Handlungen der Figuren steckt, Motive und Komplexe derer im Unterbewusstsein der Sinnlichkeit jedoch stets weiterlaufen und für Impulse sorgen, welche die Schwärmerei für das weibliche Geschlecht und das Ambiente zwar bis zum Ende nicht als Heuchlerei oder Fantasterei entlarven, wohl aber die Macht der Reize aus der Funktion als Spielzeug herausheben. Von einer möglicherweise konservativen Schlussmoral emanzipiert sich Amadio aber auch, indem er sich stets die Freiheit nimmt, verspielt zu bleiben und das Korsett formaler Strenge sowie Bedeutungsschwangerschaft zu vermeiden.


Bezeichnenderweise liest Irene in einer Szene auch einen „französischen Roman“, den sie sehr interessiert verschlingt, bei dessen intellektueller Haltung sie aber auch Verständnis zeigt, dass diese eigentlich auch „überflüssig“ wäre - gleichsam bringt der Film auch nebenbei Sigmund Freuds Theorien zu Wort, ohne sich an diese allzu lange klammern zu wollen (siehe auch „Emanuelle Nera und ihre wilden Hengste“, ebenso mit Lassander). So lässt sich auch dieser im Deutschen schon gar nicht mal so falsch, aber auch unterschätzt betitelte Film reflektieren, dessen hormoneller Appeal nicht bloß primitive Exploitation hergibt, sondern als Mogelpackung mit den hellen Strahlen allzu menschlicher Freuden kokettiert und an seiner ganzen Ausstrahlung auch nicht vergisst, die Liebe im Individuum und dessen Fragilität empathisch zu beleuchten. Selbst wenn man dabei eine sexy Sause mit Sonne, Sand, heißen Schenkeln sowie Spaghetti und tollen Sprüchen Marke Schier/Eder empfängt, erhält die Subversion im Endeffekt mehr an Gehalt, als der allgemeine Anspruch zu sehen glaubt. Dabei sind Amadios Bildkompositionen gerade in ihrem eigentlich kleinen Rahmen eine kleine Sensation - und seine Darstellerinnen fern forcierter Allüren absolut hinreißende Herrscherinnen der Leinwand.

Sonntag, 23. August 2015

Tipps vom 17.08. - 23.08.2015

Diese Woche stand CEREALITY komplett im Zeichen des Witte. Ganze acht Filme durfte ich besprechen und jeden Tag der Woche also mit Content betreuen. Natürlich ordne ich wieder nicht in chronologischer Form, sondern von den oberen Besten zu...dem Bonus-Zeugs...Drum fangen wir erstmal mit der Fortsetzung unserer Hans W. Geißendörfer-Retrospektive an, hier ausnahmsweise natürlich chronologisch:




PERAHIM - DIE ZWEITE CHANCE - "[...] Seine Buße hört niemals auf und so kapselt er sich auch entschieden von Begleitern aus alten Tagen ab, allen voran der Nachtklubsängerin Rosa, welche ihn noch immer verzweifelt liebt, aber inzwischen zum Wrack mutiert ist. Perahims Abstand von jener Welt, die ihn immer wieder hineinzuziehen versucht, bringt aber auch das Humane in ihm hervor und zeigt Güte wie Anstand; selbst gegenüber solchen, die ihm in Hinterhalt an die Gurgel wollen. Die verletzt er zwar in Notwehr, ruft aber auch den Krankenwagen. Catran lässt dafür die Handschellen klicken, so verdreht ist die Moral jener Umstände und unnachgiebig in ihrer Verfolgung. Es wundert daher wenig, dass der Zusammenbruch bevorsteht und sich nicht aus der Konfrontation von Gut und Böse bildet. [...]"


(Die komplette Kritik gibt es auf CEREALITY.NET zu lesen.)




STERNSTEINHOF - "[...] So zeichnet er ein Bild der Gesellschaft um die Jahrhundertwende bis vor den Ausbruch des ersten Weltkriegs, das vor Dreck und zwischenmenschlicher Giftigkeit nur so strotzt. [...] Jeder trägt sein Kreuz mit sich und sieht zu spät ein, was richtig und was falsch für ihn war; was sich im Geheimen abspielte oder gut gemeint verdeckt wurde. Vieles darin geschieht aus Selbstsucht, aber auch aus sozialer Unfähigkeit, welche die Eltern geformt haben und so dysfunktional belassen, dass sich die provinzielle Zwietracht zu einem Krebsgeschwür heranbilden muss. [...] Doch Stille bleibt Stille und die Eskalation knallt umso brutaler, je enger der Raum in seiner offenen, doch kargen Natur wirkt. Deshalb ist der „Sternsteinhof“ ein unterdrückendes Monstrum von Film, welches das Perfide am Menschen in seiner Unausweichlichkeit bis zum Ende durchzieht. [...]"


(Die komplette Kritik gibt es auf CEREALITY.NET zu lesen.)

Jetzt alles außerhalb von Geißendörfer:




LOVE EXPOSURE - "[...] So entwickelt sich das Ringen um Liebe, Glauben und Selbstaufgabe zu einem unberechenbaren Drama, das Wut und Provokation nicht zurückhält, aber in seiner Selbstverständlichkeit immense Charaktertiefe besitzt. Das würde über die Erwartungen hinausgehen, wenn es denn im Verlauf Erwartungen geben könnte. [...] Aus diesem Grundgedanken schöpft Sono eine natürliche, doch widersprüchliche Vielfalt. Kastrationen, Schwertkämpfe und Bombenanschläge, Blutfontänen, heilige Schriften, desolate Familienhäuser und Psychen, Gehirnwäsche, Freundschaft unter Ganoven, Action, Coming of Age, Romantik, Melodram, Traumata und so viel mehr: Wo soll man anfangen? [...]"


(Die komplette Kritik gibt es auf CEREALITY.NET zu lesen.)




TÖDLICHE VERSPRECHEN - EASTERN PROMISES - "[...] Der Film spielt ausgerechnet zu Weihnachten. Derartige Emotionalisierungen sind zwar effektiv, aber eher das Werk des Drehbuchautors Steven Knight, dessen Handschrift in vielerlei Hinsicht überschwappt. [...] Solche Ideale von Gerechtigkeit und Ehre beißen sich normalerweise mit dem blanken Schrecken Cronenbergs, wenn man nicht auf „Die Brut“ zurückblickt und erkennt, wie sehr ihm dort die Sorge ums Streitobjekt Kind ans Herz ging. [...] Es geschieht eine Übersetzung, die auch hinsichtlich des Tagebuchs im Film vollzogen wird – ganz zu schweigen von der Verständigung im multikulturellen Ensemble der Unterwelt, in der es viele Stichwörter fürs Lebensende, doch auch für Vergebung gibt. [...]"


(Die komplette Kritik gibt es auf CEREALITY.NET zu lesen.)


 

VACATION - WIR SIND DIE GRISWOLDS - "[...] Die gesamte Bagage ist somit ein vertrottelter Albtraum ohne geerdete Kontraste. Zwar ist die Lust zur Urlaubssause zunächst bescheidener Natur, doch ab Beginn der Reise verläuft alles ins Extrem. Sobald das Maß für alle schließlich voll wird, wirkt dies redundant, so oft die Toleranzgrenze schon überschritten wurde. Hier lassen Daley und Goldstein das Geschick von Harold Ramis und John Hughes aus dem ersten Teil vermissen, bei dem jene Grenze mit jedem Malheur kontinuierlich angestaut wurde und sich schließlich zu einem wahnwitzigen Nervenzusammenbruch überlief. [...] Und obwohl die Konstellation im Vergleich zum Original eher wie ein Cartoon wirkt und entsprechend doofe CGI-Effekte liefert, kommt auf diesem Weg zumindest eine Kurzweiligkeit zustande, die sich als Gagparade ad absurdum führt. [...]"



(Die komplette Kritik gibt es auf CEREALITY.NET zu lesen.)


Bonus-Zeugs:




SOUTHPAW - "[...] Der größte Anreiz, sich diesen Film einzuverleiben, stellt allerdings die Beziehung zwischen Billy und seiner Tochter Leila dar. Hauptsächlich liegt das an dem beachtlichen Schauspiel der jungen Oona Laurence. Aber auch sonst manifestiert der gemeinsame Dialog sowie die nachvollziehbare Sehnsucht der Getrennten eine Stärke des Films, die einige aufrichtige Momente der Menschlichkeit in ein ansonsten überzeichnetes Werk injiziert. An allen Ecken wird nämlich emotionalisiert und manipuliert, jede Entwicklung mit Pathos und Härte geschwängert, während Gyllenhaal und Kollegen vor allem solide fluchen und Fuquas Inszenierung zwischen Langeweile und Style hin- und herpendelt [...] Doch im Endeffekt fuchtelt er auch nur um Konventionen herum. [...]"



(Die komplette Kritik gibt es auf CEREALITY.NET zu lesen.)




KNIGHT OF CUPS - "[...] Das Gesamtkonzept leerer Menschen in leeren Leben bleibt auch als filmische Erfahrung leer. Anachronistische Sequenzen des Reichtums und dessen verschlossener Zwischenmenschlichkeit sowie abstraktes Gesprächsgut allein können nun mal keine Tiefe oder Bewegung erzeugen, wenn keine Kontraste oder gar Beobachtungen jenseits der Oberfläche passieren. Schlimmer noch: Es bleibt kaum Raum, um als Zuschauer das Innere oder nur die Bilder erforschen zu wollen, so eindeutig und künstlich jeder Zusammenhang aufgetischt wird – und das, obwohl der Film, auch explizit in seinem letzten Kapitel, nach Freiheit strebt. [...]"



(Die komplette Kritik gibt es auf CEREALITY.NET zu lesen.)




HITMAN: AGENT 47 - "[...] Skip Woods, der als Drehbuchautor zurückgekehrt ist, hat offenbar noch mehr von seinem Handwerk verlernt – und Verleiher Fox scheint entgangen zu sein, dass jener Herr mit „Stirb Langsam 5“ reichlich Karten zum Spielen verloren hat. [...] Und obwohl die Action ein bisschen Spaß von Bach abverlangen könnte, unterminiert er diesen mit platten Computereffekten (sogar unter Niveau der Vorlage) und einem chaotischen Schnitt. Dennoch könnten diese Szenen mit ihren herrlich dümmlichen Stunts Highlights in diesem gänzlich farblosen Prozedere darstellen, wenn sie nicht deutlich nach Fahrplan abgewickelt worden wären und sich vehement Konsequenzen verwehren würden. [...] Im Endeffekt heißt es: Meiden um jeden Preis. Oder die Erwartungen so weit herunterschrauben, dass man sich als Zuschauer selbst egal wird."



(Die komplette Kritik gibt es auf CEREALITY.NET zu lesen.)

Sonntag, 2. August 2015

Tipps vom 27.07. - 02.08.2015

Bevor es mit den Tipps losgeht, ist es nur recht, darauf hinzuweisen, dass ein neuer Monat begonnen hat. Und das bedeutet natürlich:

Habt ihr ein Glück, falls ihr eine Ladung Sex braucht. Denn unser Video für den Kinomonat August via CEREALITY.NET hält reichlich heiße Eindrücke bereit - wie auch immer das geschehen konnte :) Im Folgenden die große Sause für 1 1/2 Minuten, viel Spaß^^



Oh, und natürlich gibt's dazu erneut einen Artikel mit fünf bestechenden Empfehlungen zu sichten. Wir denken aber auch an alles - Also, ran an den Speck!

http://www.cereality.net/thema/filmempfehlungen-im-august-085422


Und los geht's mit Filmen, Filmen, Filmen!




THE LOOK OF SILENCE - "[...] Oppenheimers Inszenierung wandert daher im Gegensatz zum Vorgänger entlang entschiedener Stille und fordert eine konkretere Erzählweise. Denn wie kann dem Schrecken, allein in seiner nacherzählten Form, auch anders entgegengekommen werden als mit Sprachlosigkeit? [...] So wie sich der Zuschauer in diesem Komplex der versagten Kommunikation fühlt, ist der Druck unausweichlich und nur mit tosenden Emotionen quittierbar. Oppenheimers Film ist dennoch nicht bloß im Schock gefangen, sondern noch gemäßigter als sein subversiver Vorgänger, da durchweg Versuche der Hoffnung, Einsicht und Vergebung in aller (auch selbstauferlegter) Unterdrückung von den Handelnden unternommen werden. [...]"


(Die komplette Kritik gibt es auf CEREALITY.NET zu lesen.)




SICARIO - "[...] Hält grundsätzlich Ambivalenz zu seinen Figuren und deren Moralvorstellungen. Dieses versuchte Gleichgewicht greift zwar auf reduzierte und glaubwürdige Dialoge zurück. Allerdings gerät die narrative Struktur vor allem in der zweiten Hälfte zeitweise ins Stocken, je mehr Szenarien die Relevanz des Themas bestimmen und hinter die Menschen auf allen Seiten blicken. [...] Nach einer gewissen Zeit nimmt das Prozedere allerdings wieder Fahrt auf und gelangt folgerichtig in einen Abgrund des beidseitigen Verbrechens, in dem Infrarotkameras noch weniger Sicherheit geben, je mehr Blut sich auf der Linse sammelt. Dort steigt der meisterhaft inszenierte Druck, aber auch der Hang zur ideologischen Offenbarung. Andere Filmemacher bewegen sich in solchen Fällen auf Messers Schneide – Villeneuve gelingt galant die Kurve. Dies ändert nichts an der Tatsache, dass diese Kurve zu einem Genrefilm führt, der trotz seiner betroffenen wie herausfordernden Weltsicht mit teils einfachen Leitbildern arbeitet. [...]"


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RABID - DER ÜBERFALL DER TEUFLISCHEN BESTIEN - "[...] Die damals aktive Porno-Darstellerin Marilyn Chambers bietet sich in ihrer Rolle einerseits den Männern an, welche fast allesamt angehende Verführungskünstler abgeben und genauso hemmungslos dem Sex-Appeal verfallen wie auch infiziert werden – ein alltäglicher Mechanismus der Hormone, der nun aber statt zur Fortpflanzung zum Verderben verdammt. Neben dieser ironischen Brechung des Images von Frau Chambers als begehrenswertes Lustobjekt stellt sie jedoch andererseits die Verletzlichkeit des Menschen hinter jener unhaltbaren Lust dar. [...] Regisseur Cronenberg inszeniert hier noch eher geradlinigen Horror im Dienste einer simplen Etablierung wissenschaftlicher Experimente, gefolgt von der Umkehrung derer Absicht als Aneinanderreihung variierter Eskalationen. Doch inmitten der Grundprämisse setzt er schon auf Zwischentöne der existenziellen Angst und wie sie im Verhältnis zum Körper, zu Vertrauten und Geliebten sowie zur Gesellschaft stehen. Auch, wie diese allesamt ihre sozialen Stützpfeiler wegbrechen lassen. [...]"



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KERN - "[...] Der hier per Wiener Wohnen im Gemeindebau lebende Veteran des deutschsprachigen Autorenfilms birgt jedoch in seinem Eigensinn eine superbe Grundlage zur Dekonstruktion der dokumentarischen Inszenierung. Weil er Filmemacher ist, kann Kern nicht widerstehen, die Kontrolle zu übernehmen; weil er aufgrund von Diabetes und Fettleibigkeit am Stock gehen muss, ist er folglich an seine Fünfzig-Quadratmeter-Wohnung gebunden und deshalb eine optisch wie thematisch herausfordernde Macht; weil seine Stimmung in der Konfrontation mit der Kamera (bewusst) schwankt, ist eine Einordnung in dramaturgische Muster obsolet und 101 Minuten Laufzeit von stürmischer Abwechslung geprägt – in größtenteils statischen Beobachtungen, die dem Stil des Produzenten Ulrich Seidl nachkommen, aber auch dessen Hang zur Inszenierung gewitzt offenlegen. [...]"



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MISSION: IMPOSSIBLE - ROGUE NATION - "[...] Spätestens beim Besuch der Wiener Oper zu Giacomo Puccinis „Turandot“ findet „Rogue Nation“ ein ausgeklügeltes Katz-und-Maus-Spiel voll gewitzter Choreografie und Musikalität, bei dem Technik, Gewalt und Schönheit zur hymnischen Spannung beitragen. [...] Was aber den Spaß unterminiert, ist vielleicht ein Zeichen der Redundanz im Bestehen einer Serie, wenn sie durch McQuarrie zu den Wurzeln zurückgebracht wird: Es wird zum Schluss fast gewöhnlich, als es stilecht nach London (!) geht. [...] Größtenteils ist er eben doch launig, teilweise schön blöd und durchaus souverän. Doch „gut genug und geschickter als der Großteil momentaner Blockbuster“ lässt sich eben nicht mit „selbstverständlich klasse“ gleichsetzen. [...]"


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Sonntag, 19. Juli 2015

Tipps vom 13.07. - 19.07.2015



DIE BRUT - "[...] Wohlweislich hält Cronenberg die Auftritte der Brut klein und erfasst stattdessen den Zerfall von geliebten Mitmenschen sowie vom Frieden der Familie. [...] Zeitgleich offenbart sich nach der Therapie bei anderen Patienten lymphatische Krebsbildung – ein Körperhorror, wie man ihn von Cronenberg erwartet, und wie gehabt als Symbol des von Menschenhand mutierten Menschen steht. Das Grauen kommt aus uns und richtet uns in der privaten Zelle, welche wir für sicher glaubten. Die Brut fängt im Gehirn an, breitet sich in der Familie aus, findet schließlich sogar in die breitere Gesellschaft und verstümmelt ohne Reue. [...] Deshalb bleiben auch trotz des Endes jener unnachgiebigen Zellen und ihrer „Bienenkönigin“ Narben sowie Traumata; insbesondere bei Candice. Das Erlebte lässt sich auch für den Zuschauer, sogar über den Abspann hinaus, nicht wegwünschen, weil der Film trotz seiner fantastischen Elemente ungemein nah an die Urängste des Menschen herantritt [...]"


(Die komplette Kritik gibt es auf CEREALITY.NET zu lesen.)




GNADENLOS SCHÖN - Die Fassade von Schönheitswettbewerben und deren Verlogenheit sind die Grundlage für diese semi-satirische Mockumentary. In dem Sinne ist auch der Erfolg der Witze entweder von plumpen Klischees oder auch gewitzt hintergründigen Beobachtungen gezeichnet. Naivität und schwarzer Humor wechseln sich ab, während die einerseits gesteltzte und andererseits kurzweilige Stilistik der Reportage ein kleinstädtisches Narrativ erschafft, bei dem Sabotage und Vetternwirtschaft gegen die kleinen Menschen arbeiten. Zudem stellt sich dabei auch der Kostenfaktor der Produktion heraus, welche gerne mal länger in bestimmten Kulissen verweilt, um vielleicht die eine oder andere Improvisation zu erwirken. Im Gegenzug kommen dann aber auch Schauwerte zum Vorschein, die keck und luftig zu visuellen Gags sowie schick choreographierten Show-Einlagen motiviert. Dusselige High-School-Typen haben da auch leichtes Spiel, genüsslich dumm aus der Wäsche zu schauen. Kirsten Dunst gibt da als Protagonistin mit plakativer Charakterzeichnung der Ambition (wie bei allen anderen Charakteren auch) den sympathischen Ton des Teenie-Leichtsinns an, doch für heutige Zuschauer stellt sich vor allem im Spielfilmdebüt einer jungen blonden Amy Adams ein Lichtblick dar, der mit schillerndem Gelächter und flottem Sex-Appeal jede Szene stiehlt.


Lässt sich von der religiösen Engstirnigkeit und (kriminellen) Meinungsmanipulation Kirstie Alleys sowie ihrer Filmtochter Denise Richards nicht sagen. Und dann gibt es noch immer wieder wahrhaftig ungemütliche Momente, die zwischen Gag und allzu wahrem Schock hin- und herpendeln - siehe die ehemalige Teen-Prinzessin in der Bulimie-Klinik, welche später per Rollstuhl auf die Bühne zur Performance gekarrt wird. Teils bitterböse, dieser Film; von den unbedarften Charakteren zur unbewussten Morbidität angesetzt, welche im Kleinstadt-Zirkus fern des Konsens den Wohnwagen-White-Trash empathisiert und gleichsam deren Traum von Schönheit aufträgt. Natürlich ist dieser letzten Endes eine insolvente Enttäuschung, wie auch hinter den Kulissen des amerikanischen Traums reichlich Hässlichkeit entlarvt wird. Dieses Grundthema beherrscht der Film in Mengen, bis hin zur Redundanz eines dreifachen Finales. Ganz entschieden dringt er in jenen Horror dann zwar nicht vor und könnte eh noch mit knackigerem Esprit an die Sache gehen. Doch an sich schleift er sein Gesellschaftsbild gar nicht mal so doof durch den Dreck - nur eben ab und zu.




MÄDCHEN HINTER GITTERN - Zwischen Frauengefängnisfilm und klassischem Melodram verordnet, ist Alfred Brauns Film für sein Entstehungsjahr 1948 eine angenehm verruchte wie herzliche Angelegenheit. In klassischer Struktur kommt man per Schwarz-Weiß-Stimmung in eine Mädchenbesserungsanstalt voll bunter Charakterdamen, die sich nichts schenken, aber neben allem Zynismus auch als einfache Menschen geliebt werden wollen. Dazwischen stehen noch reichlich deftige Sprüche und unbequeme Wahrheiten über die Herkunft einer manchen Verurteilten, ob sie nun vom eigenen Vater rangenommen, zum Arbeiten im Bumsladen gezwungen wurde oder der schämenden Frau Mutter aus den Händen eines missbrauchenden Freundes helfen wollte. Manche haben auch gestohlen, wie der berlinernde Springteufel „Würmchen“ (Gina Presgott); Neuzugang Ursula Schumann (Petra Peters) schließt sich hingegen schüchtern von den anderen ab, weil sie aufgrund ihres Delikts des Raubmordversuchs eh von den Anderen ausgeschlossen wird. Obwohl Würmchen sich ihrer annimmt, strebt sie des Nächstens mit Blick zum vergitterten Fenster an eine Todessehnsucht heran, die mit symphonischer Tragik noch wirksamer auftreten könnte, würde der Film keine Zwischenstufe zur bekannten Exploitation-Note des Genres darstellen. 


Aber obgleich darin schon gewisse Formeln zu erkennen sind, behilft sich Brauns Film einem Dialog, welcher mit Milieu-naher Rotzigkeit weit natürlichere Töne anschlägt als ein Melodram ehrlich gesagt zu jener Zeit im Stande war. Das betrifft vor allem den Bereich Schlagfertigkeit, doch in der Verknappung der Menschlichkeit ist überraschend wenig mahnende Ideologie vorhanden, wie sie inzwischen umso plakativer eingesetzt wird. Klar gibt es eine Texttafel am Anfang und Ende des Films als thematische Klammer, doch innen drin geht es schlicht um menschliches Verständnis gegen die Ausbeutung der weiblichen Schützlinge. Aufseherin Ilse Heidenreich (Ruth Hausmeister), auch „Heidin“ genannt, hat da in allen Fällen mehr Rücksicht inne als ihr „Boss“ mit Damenbart, Irmgard Rechenberg (Gabriele Heßmann), und vermutet sodann, dass mehr hinter der Geschichte Ursulas steckt. Tatsächlich öffnet sich im Folgenden eine Rückblende um die Ereignisse, die jenes Fräulein Schumann hierher brachten: Ein räudiger Atelier-Maler als Ersatz-Papi, der sich an sie heran machte und an den Antiquitätenhändler Breuhaus (Richard Häussler) ansetzte, bis sie sich jedoch in diesen verliebte und den geplanten Raub seines Hauses verhindern wollte. 


Ihren persönlichen Weg sowie ihre Schuldlosigkeit kann man dabei schon an einer Symbolik absehen, die Braun direkt von Kollege Veit Harlan übernommen zu haben scheint: Eine Statur der „Maria des Orients“, welche sich, so erklärt Breuhaus, von den Menschen abwandte und schließlich zu ihnen zurückfand. Wie man daran vermuten darf, ist die Handlungsentwicklung recht geradlinig, aber auch spaßig wie (für jene Zeit) deftig - inklusive Brüste! Ein bisschen freches Türmen ist da auch mit inbegriffen, wie auch Enttäuschung, (Un-)Schuld, Ziellosigkeit und ein nicht unkritisches Männerbild eine Rolle spielen. Jedenfalls bürgt der Film für mehr Charakternähe, als der Titel vermutet; dennoch besitzt der Gesamteindruck einen nur halbgaren Ernst, der einen auf klischeebesessene Nachfahren wie „Freistatt“ vorbereiten kann, hier zumindest mit stimmungsvoller Professionalität aufbereitet wurde. Es gilt wie immer: Schicksale hinter Gittern, ob für Mann oder Frau, fördern stets die Empathie zu Tage. Für den Anfang ist dieses Genrebeispiel ganz ordentlich.




DIE NACKTE UND DER SATAN aka DES SATANS NACKTE SKLAVIN - Mit verrückten Ärzten ist nicht zu spaßen und selbst im deutschen Nachkriegskino kam man irgendwann nicht umhin, deren Phantasterei in entsprechend spekulative Horrorkonzepte umzusetzen. Victor Trivas, globaler Regisseur und Autor russischer Abstammung, bringt daher einen internationalen Narrativ von eben jenen wissenschaftlichen Maniacs auf die deutsche Leinwand, wie es nur recht wenig mit der kontemporären Gegenwart gemeinsam hatte, aber dennoch als klassisches Genrewerk amüsiert sowie an die Horrorvorstellungen moderner Technik jenseits des Todes appelliert. Die Film-Noir-artige Ausleuchtung sowie sinestre Orgeln erzeugen da schon geographisch losgelöste Stimmung, später werden die Polizeiwagen auch mit der Aufschrift „Police“ durch die Gegend kurven. Höchstens die Besetzung und deren Rollennamen wie Irene, Dr. Brandt und Co. werden das Entstehungsland verraten, anders sieht es da hingegen mit dem Entstehungsjahr aus.


Produzent Wolf C. Hartwig und seine Rapid-Film werkeln hier nämlich schon anno 1959 recht stilbildendes Exploitation-Kino zusammen, das sich weder davor geniert, längere Passagen per Striptease-Einlagen im Tam-Tam-Club zu überbrücken, noch den Schrecken in jazzigen Grooves, Zooms, Karate-Schlägen und hanebüchenen Schrei-Dialogen einzufangen. Charakterliche Motivationen basieren dabei ohnehin auf plakativem Groschenroman-Niveau; die Verspieltheit im Körpertausch bzw. in der Enthauptung ohne Tod reizt in dem Sinne ebenso mit Naivität aus dem Effektlabor, wie es damals womöglich als Schock funktionierte und heute noch immer kurzweilig unterhält. Das Ensemble gibt sich da auch keine Blöße und behält zudem trotz allen Quatsches eine Intensität inne, an der Zynismus, Unschuld, Wut und Grusel zur genüsslichen Theatralik aufspielen. Horst Frank gibt in dem Sinne am hässlichsten Gas; Helmut Schmid darf ungewohnt unbeholfen spielen, während Karin Kernke und Michel Simon Opfer der verzerrten medizinischen Hoffnung werden.


Dagegen stehen nach Antworten verlangende Haudegen wie Dieter Eppler, Christiane Maybach und Paul Dahlke, doch erst im Zusammenspiel aller erwähnter Faktoren entsteht die Eskalation einer kriminalistischen Wahrheit, die im Feuer der Nacht endet und genügend Leichen zur wilden Trivialjagd beiträgt. Im Gleichgewicht der interessanteren Aspekte dieses Films bildet aber die Sehnsucht zur körperlichen Erotik und unheilvollen Vollkommenheit zur Mitte hin die nachhaltigste Qualität, welche aber nicht so weit geht, wie man es gerne hätte - obwohl mindestens ein Moment der körperlichen Unvollkommenheit beinahe mit jenem Höhepunkt von José Padilhas „Robocop“-Remake mithalten kann. In allen Fällen und jeweiligen Zuschauerverständnissen bietet sich hier ein (zudem sprachtechnisch) uriges Stück deutscher Kinogeschichte an, das als Baustein des hiesigen Horrorfilms nicht gänzlich ausgeklammert werden sollte, aber gleichsam herrlicher Bockmist bleibt.




THE DEATH OF "SUPERMAN LIVES": WHAT HAPPENED? - Man, dieser "Superman Lives" hätte ein echt schöner wilder Film werden können. Ich meine, zumindest was Kostüm-, Set-, Creature- und Effektdesign angeht, wäre der Streifen eine Krönung sondergleichen - wirklich viel mehr über das Projekt erfährt man in dieser Dokumentation eigentlich nicht. Sie hilft schon nach, wenn man eins der kontemporären Drehbücher als oberobsessiver Räude gelesen hat (Hier!) und sie legt zudem schönes Archivmaterial frei, an dem man sehen kann, wie Tim Burton den guten Nic Cage zum außerirdischsten Clark Kent unter Menschen stilisiert hätte (Stichwort: Micky-Maus-Shirt). Der narrative Ablauf sowie der thematische Kern des Ganzen bleiben bei Jon Schnepps ansonsten recht umfangreicher (sprich: zu langer) Chronik allerdings eher außen vor, obwohl er abgesehen von Cage alle Entscheidungsträger im Interview hatte. Und Herrgott, Jon Peters steckt einen dabei mit seinem Enthusiasmus zur ungehemmten Phantasterei mehr an, als es Burton allein schon schafft.


Jener Exzentriker hingegen könnte seine ganze Herangehensweise erklären, wenn man ihn ließe, doch Regisseur Schnepp konzentriert sich eben eher darauf, wie umgekrempelt der Look gegenüber dem altbekannten aussah. Natürlich ist das recht reizvoll; jede bizarre Note mehr im gegenwärtigen Superheldengenre ist ein Segen und jener Film hätte schon früh einen Zenit erreicht, der mit Eindrücken eines kosmischen Untergrunds überschäumt und dennoch eine lebhafte wie hochdramatische Geschichte zum Außenseiter darbietet. Letzteres erfährt man in der Doku an sich nicht unbedingt auf die stimmigste Art, aber man kann ja immer noch nachforschen und mehr erfahren oder dies zumindest dann auf ein Kopfkino stützen, das nicht mit Schnepps halbgaren Rekreationen Vorlieb nehmen muss. Technisch könnte ohnehin mehr gehen, aber: ist ja ein Kickstarter-Projekt für Hardcore-Fans, bei dem Schnepp schon im Intro seine Legion an Nerds anspricht, da ist man schon über jede nähere Investigation zu bisher unerhältlichen Materialien glücklich.


In dem Sinne macht die Doku auch glücklich und natürlich auch traurig, dass ein derartiger Fiebertraum mit Millionenbudget nicht zustande kam. "Jodorowsky's Dune" hat da ja schon dasselbe Narrativ erzählt, dessen Sujet sogar noch ferner von der Realisation entfernt war, aber konnte wirklich nachfühlen lassen, wie ein derartiger Film mit seinem Inhalt die Kinowelt verändert hätte und auch gewissermaßen verändert hat, auf dass man selber Bock bekommt, etwas Eigenes zu starten. Hier blickt man ebenso zurück, was hätte sein können, aber es wirkt mehr wie eine spröde, doch toll ausgewählte Kunstgalerie als eine Erforschung des filmischen Inhalts. War vielleicht auch gar nicht das Anliegen, aber für irgendwas muss es ja gut sein und in dem Fall ist die Neugier vielleicht erstmal gestillt, aber noch längst nicht erschöpft. Von daher: Kann bitte jemand ein Paralleluniversum öffnen, aus dem man "Superman Lives" fischen könnte? In den DC-Comics passiert sowas auch ständig!