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Sonntag, 19. Juli 2015

Tipps vom 13.07. - 19.07.2015



DIE BRUT - "[...] Wohlweislich hält Cronenberg die Auftritte der Brut klein und erfasst stattdessen den Zerfall von geliebten Mitmenschen sowie vom Frieden der Familie. [...] Zeitgleich offenbart sich nach der Therapie bei anderen Patienten lymphatische Krebsbildung – ein Körperhorror, wie man ihn von Cronenberg erwartet, und wie gehabt als Symbol des von Menschenhand mutierten Menschen steht. Das Grauen kommt aus uns und richtet uns in der privaten Zelle, welche wir für sicher glaubten. Die Brut fängt im Gehirn an, breitet sich in der Familie aus, findet schließlich sogar in die breitere Gesellschaft und verstümmelt ohne Reue. [...] Deshalb bleiben auch trotz des Endes jener unnachgiebigen Zellen und ihrer „Bienenkönigin“ Narben sowie Traumata; insbesondere bei Candice. Das Erlebte lässt sich auch für den Zuschauer, sogar über den Abspann hinaus, nicht wegwünschen, weil der Film trotz seiner fantastischen Elemente ungemein nah an die Urängste des Menschen herantritt [...]"


(Die komplette Kritik gibt es auf CEREALITY.NET zu lesen.)




GNADENLOS SCHÖN - Die Fassade von Schönheitswettbewerben und deren Verlogenheit sind die Grundlage für diese semi-satirische Mockumentary. In dem Sinne ist auch der Erfolg der Witze entweder von plumpen Klischees oder auch gewitzt hintergründigen Beobachtungen gezeichnet. Naivität und schwarzer Humor wechseln sich ab, während die einerseits gesteltzte und andererseits kurzweilige Stilistik der Reportage ein kleinstädtisches Narrativ erschafft, bei dem Sabotage und Vetternwirtschaft gegen die kleinen Menschen arbeiten. Zudem stellt sich dabei auch der Kostenfaktor der Produktion heraus, welche gerne mal länger in bestimmten Kulissen verweilt, um vielleicht die eine oder andere Improvisation zu erwirken. Im Gegenzug kommen dann aber auch Schauwerte zum Vorschein, die keck und luftig zu visuellen Gags sowie schick choreographierten Show-Einlagen motiviert. Dusselige High-School-Typen haben da auch leichtes Spiel, genüsslich dumm aus der Wäsche zu schauen. Kirsten Dunst gibt da als Protagonistin mit plakativer Charakterzeichnung der Ambition (wie bei allen anderen Charakteren auch) den sympathischen Ton des Teenie-Leichtsinns an, doch für heutige Zuschauer stellt sich vor allem im Spielfilmdebüt einer jungen blonden Amy Adams ein Lichtblick dar, der mit schillerndem Gelächter und flottem Sex-Appeal jede Szene stiehlt.


Lässt sich von der religiösen Engstirnigkeit und (kriminellen) Meinungsmanipulation Kirstie Alleys sowie ihrer Filmtochter Denise Richards nicht sagen. Und dann gibt es noch immer wieder wahrhaftig ungemütliche Momente, die zwischen Gag und allzu wahrem Schock hin- und herpendeln - siehe die ehemalige Teen-Prinzessin in der Bulimie-Klinik, welche später per Rollstuhl auf die Bühne zur Performance gekarrt wird. Teils bitterböse, dieser Film; von den unbedarften Charakteren zur unbewussten Morbidität angesetzt, welche im Kleinstadt-Zirkus fern des Konsens den Wohnwagen-White-Trash empathisiert und gleichsam deren Traum von Schönheit aufträgt. Natürlich ist dieser letzten Endes eine insolvente Enttäuschung, wie auch hinter den Kulissen des amerikanischen Traums reichlich Hässlichkeit entlarvt wird. Dieses Grundthema beherrscht der Film in Mengen, bis hin zur Redundanz eines dreifachen Finales. Ganz entschieden dringt er in jenen Horror dann zwar nicht vor und könnte eh noch mit knackigerem Esprit an die Sache gehen. Doch an sich schleift er sein Gesellschaftsbild gar nicht mal so doof durch den Dreck - nur eben ab und zu.




MÄDCHEN HINTER GITTERN - Zwischen Frauengefängnisfilm und klassischem Melodram verordnet, ist Alfred Brauns Film für sein Entstehungsjahr 1948 eine angenehm verruchte wie herzliche Angelegenheit. In klassischer Struktur kommt man per Schwarz-Weiß-Stimmung in eine Mädchenbesserungsanstalt voll bunter Charakterdamen, die sich nichts schenken, aber neben allem Zynismus auch als einfache Menschen geliebt werden wollen. Dazwischen stehen noch reichlich deftige Sprüche und unbequeme Wahrheiten über die Herkunft einer manchen Verurteilten, ob sie nun vom eigenen Vater rangenommen, zum Arbeiten im Bumsladen gezwungen wurde oder der schämenden Frau Mutter aus den Händen eines missbrauchenden Freundes helfen wollte. Manche haben auch gestohlen, wie der berlinernde Springteufel „Würmchen“ (Gina Presgott); Neuzugang Ursula Schumann (Petra Peters) schließt sich hingegen schüchtern von den anderen ab, weil sie aufgrund ihres Delikts des Raubmordversuchs eh von den Anderen ausgeschlossen wird. Obwohl Würmchen sich ihrer annimmt, strebt sie des Nächstens mit Blick zum vergitterten Fenster an eine Todessehnsucht heran, die mit symphonischer Tragik noch wirksamer auftreten könnte, würde der Film keine Zwischenstufe zur bekannten Exploitation-Note des Genres darstellen. 


Aber obgleich darin schon gewisse Formeln zu erkennen sind, behilft sich Brauns Film einem Dialog, welcher mit Milieu-naher Rotzigkeit weit natürlichere Töne anschlägt als ein Melodram ehrlich gesagt zu jener Zeit im Stande war. Das betrifft vor allem den Bereich Schlagfertigkeit, doch in der Verknappung der Menschlichkeit ist überraschend wenig mahnende Ideologie vorhanden, wie sie inzwischen umso plakativer eingesetzt wird. Klar gibt es eine Texttafel am Anfang und Ende des Films als thematische Klammer, doch innen drin geht es schlicht um menschliches Verständnis gegen die Ausbeutung der weiblichen Schützlinge. Aufseherin Ilse Heidenreich (Ruth Hausmeister), auch „Heidin“ genannt, hat da in allen Fällen mehr Rücksicht inne als ihr „Boss“ mit Damenbart, Irmgard Rechenberg (Gabriele Heßmann), und vermutet sodann, dass mehr hinter der Geschichte Ursulas steckt. Tatsächlich öffnet sich im Folgenden eine Rückblende um die Ereignisse, die jenes Fräulein Schumann hierher brachten: Ein räudiger Atelier-Maler als Ersatz-Papi, der sich an sie heran machte und an den Antiquitätenhändler Breuhaus (Richard Häussler) ansetzte, bis sie sich jedoch in diesen verliebte und den geplanten Raub seines Hauses verhindern wollte. 


Ihren persönlichen Weg sowie ihre Schuldlosigkeit kann man dabei schon an einer Symbolik absehen, die Braun direkt von Kollege Veit Harlan übernommen zu haben scheint: Eine Statur der „Maria des Orients“, welche sich, so erklärt Breuhaus, von den Menschen abwandte und schließlich zu ihnen zurückfand. Wie man daran vermuten darf, ist die Handlungsentwicklung recht geradlinig, aber auch spaßig wie (für jene Zeit) deftig - inklusive Brüste! Ein bisschen freches Türmen ist da auch mit inbegriffen, wie auch Enttäuschung, (Un-)Schuld, Ziellosigkeit und ein nicht unkritisches Männerbild eine Rolle spielen. Jedenfalls bürgt der Film für mehr Charakternähe, als der Titel vermutet; dennoch besitzt der Gesamteindruck einen nur halbgaren Ernst, der einen auf klischeebesessene Nachfahren wie „Freistatt“ vorbereiten kann, hier zumindest mit stimmungsvoller Professionalität aufbereitet wurde. Es gilt wie immer: Schicksale hinter Gittern, ob für Mann oder Frau, fördern stets die Empathie zu Tage. Für den Anfang ist dieses Genrebeispiel ganz ordentlich.




DIE NACKTE UND DER SATAN aka DES SATANS NACKTE SKLAVIN - Mit verrückten Ärzten ist nicht zu spaßen und selbst im deutschen Nachkriegskino kam man irgendwann nicht umhin, deren Phantasterei in entsprechend spekulative Horrorkonzepte umzusetzen. Victor Trivas, globaler Regisseur und Autor russischer Abstammung, bringt daher einen internationalen Narrativ von eben jenen wissenschaftlichen Maniacs auf die deutsche Leinwand, wie es nur recht wenig mit der kontemporären Gegenwart gemeinsam hatte, aber dennoch als klassisches Genrewerk amüsiert sowie an die Horrorvorstellungen moderner Technik jenseits des Todes appelliert. Die Film-Noir-artige Ausleuchtung sowie sinestre Orgeln erzeugen da schon geographisch losgelöste Stimmung, später werden die Polizeiwagen auch mit der Aufschrift „Police“ durch die Gegend kurven. Höchstens die Besetzung und deren Rollennamen wie Irene, Dr. Brandt und Co. werden das Entstehungsland verraten, anders sieht es da hingegen mit dem Entstehungsjahr aus.


Produzent Wolf C. Hartwig und seine Rapid-Film werkeln hier nämlich schon anno 1959 recht stilbildendes Exploitation-Kino zusammen, das sich weder davor geniert, längere Passagen per Striptease-Einlagen im Tam-Tam-Club zu überbrücken, noch den Schrecken in jazzigen Grooves, Zooms, Karate-Schlägen und hanebüchenen Schrei-Dialogen einzufangen. Charakterliche Motivationen basieren dabei ohnehin auf plakativem Groschenroman-Niveau; die Verspieltheit im Körpertausch bzw. in der Enthauptung ohne Tod reizt in dem Sinne ebenso mit Naivität aus dem Effektlabor, wie es damals womöglich als Schock funktionierte und heute noch immer kurzweilig unterhält. Das Ensemble gibt sich da auch keine Blöße und behält zudem trotz allen Quatsches eine Intensität inne, an der Zynismus, Unschuld, Wut und Grusel zur genüsslichen Theatralik aufspielen. Horst Frank gibt in dem Sinne am hässlichsten Gas; Helmut Schmid darf ungewohnt unbeholfen spielen, während Karin Kernke und Michel Simon Opfer der verzerrten medizinischen Hoffnung werden.


Dagegen stehen nach Antworten verlangende Haudegen wie Dieter Eppler, Christiane Maybach und Paul Dahlke, doch erst im Zusammenspiel aller erwähnter Faktoren entsteht die Eskalation einer kriminalistischen Wahrheit, die im Feuer der Nacht endet und genügend Leichen zur wilden Trivialjagd beiträgt. Im Gleichgewicht der interessanteren Aspekte dieses Films bildet aber die Sehnsucht zur körperlichen Erotik und unheilvollen Vollkommenheit zur Mitte hin die nachhaltigste Qualität, welche aber nicht so weit geht, wie man es gerne hätte - obwohl mindestens ein Moment der körperlichen Unvollkommenheit beinahe mit jenem Höhepunkt von José Padilhas „Robocop“-Remake mithalten kann. In allen Fällen und jeweiligen Zuschauerverständnissen bietet sich hier ein (zudem sprachtechnisch) uriges Stück deutscher Kinogeschichte an, das als Baustein des hiesigen Horrorfilms nicht gänzlich ausgeklammert werden sollte, aber gleichsam herrlicher Bockmist bleibt.




THE DEATH OF "SUPERMAN LIVES": WHAT HAPPENED? - Man, dieser "Superman Lives" hätte ein echt schöner wilder Film werden können. Ich meine, zumindest was Kostüm-, Set-, Creature- und Effektdesign angeht, wäre der Streifen eine Krönung sondergleichen - wirklich viel mehr über das Projekt erfährt man in dieser Dokumentation eigentlich nicht. Sie hilft schon nach, wenn man eins der kontemporären Drehbücher als oberobsessiver Räude gelesen hat (Hier!) und sie legt zudem schönes Archivmaterial frei, an dem man sehen kann, wie Tim Burton den guten Nic Cage zum außerirdischsten Clark Kent unter Menschen stilisiert hätte (Stichwort: Micky-Maus-Shirt). Der narrative Ablauf sowie der thematische Kern des Ganzen bleiben bei Jon Schnepps ansonsten recht umfangreicher (sprich: zu langer) Chronik allerdings eher außen vor, obwohl er abgesehen von Cage alle Entscheidungsträger im Interview hatte. Und Herrgott, Jon Peters steckt einen dabei mit seinem Enthusiasmus zur ungehemmten Phantasterei mehr an, als es Burton allein schon schafft.


Jener Exzentriker hingegen könnte seine ganze Herangehensweise erklären, wenn man ihn ließe, doch Regisseur Schnepp konzentriert sich eben eher darauf, wie umgekrempelt der Look gegenüber dem altbekannten aussah. Natürlich ist das recht reizvoll; jede bizarre Note mehr im gegenwärtigen Superheldengenre ist ein Segen und jener Film hätte schon früh einen Zenit erreicht, der mit Eindrücken eines kosmischen Untergrunds überschäumt und dennoch eine lebhafte wie hochdramatische Geschichte zum Außenseiter darbietet. Letzteres erfährt man in der Doku an sich nicht unbedingt auf die stimmigste Art, aber man kann ja immer noch nachforschen und mehr erfahren oder dies zumindest dann auf ein Kopfkino stützen, das nicht mit Schnepps halbgaren Rekreationen Vorlieb nehmen muss. Technisch könnte ohnehin mehr gehen, aber: ist ja ein Kickstarter-Projekt für Hardcore-Fans, bei dem Schnepp schon im Intro seine Legion an Nerds anspricht, da ist man schon über jede nähere Investigation zu bisher unerhältlichen Materialien glücklich.


In dem Sinne macht die Doku auch glücklich und natürlich auch traurig, dass ein derartiger Fiebertraum mit Millionenbudget nicht zustande kam. "Jodorowsky's Dune" hat da ja schon dasselbe Narrativ erzählt, dessen Sujet sogar noch ferner von der Realisation entfernt war, aber konnte wirklich nachfühlen lassen, wie ein derartiger Film mit seinem Inhalt die Kinowelt verändert hätte und auch gewissermaßen verändert hat, auf dass man selber Bock bekommt, etwas Eigenes zu starten. Hier blickt man ebenso zurück, was hätte sein können, aber es wirkt mehr wie eine spröde, doch toll ausgewählte Kunstgalerie als eine Erforschung des filmischen Inhalts. War vielleicht auch gar nicht das Anliegen, aber für irgendwas muss es ja gut sein und in dem Fall ist die Neugier vielleicht erstmal gestillt, aber noch längst nicht erschöpft. Von daher: Kann bitte jemand ein Paralleluniversum öffnen, aus dem man "Superman Lives" fischen könnte? In den DC-Comics passiert sowas auch ständig!

Sonntag, 7. Juni 2015

Tipps vom 01.06. - 07.06.2015

Zunächst einmal das Wichtigste wie bei jedem neuen Monatsanfang:

Es ist wieder soweit: Ein schick montiertes Video zum Filmmonat Juni findet sich via CEREALITY in eure Sinnesgänge! Schmeißt das Tanzbein an, liebe Leute und hoffentlich findet ihr für Euch den einen oder anderen interessanten Filmeindruck im schönen Schnittgewitter:



Und es geht natürlich nicht ohne einen Artikel mit spezielleren Empfehlungen, denn so ganz ohne helfenden Input wollen wir Euch ja nicht dem Gros an Filmen ausliefern - also ran an den Speck:

http://www.cereality.net/thema/filmempfehlungen-im-juni-065004

Viel Spaß beim Schauen und Lesen und allem anderen, was diesen Sommer ausmacht ;)


Und weiter geht es nun wirklich mit den Tipps dieser Woche:




ED WOOD - "[...] „Ed Wood“ schenkt seinen Figuren als Film über liebenswerte Versager eben nichts, stellt deren eigentümlichen Zauber aber dennoch in den Vordergrund, ohne hemmende Sentimentalitäten darauf zu klatschen oder Respekt vorzugaukeln. Stattdessen bleiben alle in ihrer eigenen Welt, die sie ebenso zynisch zerreißen können oder an ihr scheitern; erleben dort schließlich doch noch das individuelle Gelingen, welches im wahren Leben versagt blieb, hier jedoch in entschieden künstlicher Schönheit aufblüht. Objektiv gesehen ist selbst das natürlich hässlich, doch der gute Filmemacher will es so und geht erst recht darin auf, bis man selbst in den trivialsten Gesten die persönliche Poesie entschlüsselt. Tim Burton gelingt nicht nur eine Ode an den abwegigen Kultfilm, sondern bestärkt auch herzlich den individuellen Geist, der jedem von uns innewohnt."


(Die komplette Kritik gibt es auf CEREALITY.NET zu lesen.)




INVASION U.S.A. - "[...] Eine stetig eskalierende Folge an Sequenzen, in denen mehrere Panoramen amerikanischer Gesellschaftsherzstücke ihr Eigenleben unter Beweis stellen und in der plötzlichen Einkehr des Schreckens demoliert oder vom (mehr oder weniger) zufällig eintreffenden Matt beschützt werden – mit ebenso brachialer Waffengewalt und explosiver Finesse. Dramaturgisch gesehen werden hier simple Muster erfüllt, aber so konsequent elliptisch gebrochen, dass man eine natürliche Wechselwirkung zwischen Gut und Böse wahrnimmt, die außerhalb der direkt gezeigten Realität wirkt. Matt Hunter braucht sich dann ab einem gewissen Punkt auch überhaupt nicht mehr erklären, woher er etwas weiß und wieso er gerade etwas im richtigen Augenblick machen kann – so wie er aber auch einsehen muss, dass er nicht überall gegen seine Feinde zurückschlagen kann und noch immer genug Mitmenschen im Herzen Amerikas seinem Erzfeind Rostov zum Opfer fallen. [...]"



(Die komplette Kritik gibt es auf CEREALITY.NET zu lesen.)




ZWISCHEN NACHT UND MORGEN/AUGEN DER LIEBE - Dieser Überläuferfilm, der von 1942 bis 1944 gedreht, aber erst 1951 veröffentlicht wurde, ist für Freunde des psychotronischen Melodrams eine besondere Empfehlung wert. Regisseur Alfred Braun hatte schon als Autor von ähnlichen Filmen wie „Opfergang“ und „Immensee“ ein gutes Händchen für derartige Stoffe, weshalb hier sogar deren Spielleiter Veit Harlan selbst als Ko-Autor und Produzent mitwirkt. Wenn man den Film allerdings betrachtet, könnte man sogar von einer noch stärkeren Involvierung seinerseits ausgehen. Nach einer filigranen Kamerakranfahrt durch die Wohnung des jüngst siebzig gewordenen Professor Mochmann (Paul Wegener) sinniert dieser nämlich zu den Pianotönen Beethovens anhand einer Statur des römischen Lichtgottes über sein Alter. „Zwei Gesichter - das eine schaut nach vorn in die Zukunft, das andere aber, das schaut rückwärts...auf das, was war.“ Sodann ergänzt er sich mit seinem Privatpianisten über das jüngste Geschehen, welches sich in seiner Klinik abspielte: Schwester Agnes (Käthe Gold) verliebte sich dort allmählich in den blind gewordenen Bildhauer Günther Imhoff (René Deltgen), obwohl Mochmann sie sich gerne als seine Lebensbegleiterin für seine letzten Jahre gewünscht hatte - man merkt: Der Schatten des zweiten Weltkriegs und dessen Todessehnsucht blieben auch diesem Film nicht verborgen.

Wie dem auch sei, scheint eine Heilung für Imhoff in Aussicht, wenn auch mit großen Risiken verbunden. Mochmann schiebt die Operation daher unabhängig von seinen Gefühlen zu Agnes vor sich her, während Imhoff versucht, ihrem Gesicht eine ehrwürdige Statur zu widmen. Darin findet er noch den meisten Nutzen in seinem momentanen Leben, da er sich aufgrund seiner Behinderung als halber Mensch sieht - eine Selbsterkenntnis, die sein Freund Dr. Lamprecht (Hans Schlenck) allerdings verneinen muss; dabei in reißender Kamerafahrt zu einer Beethoven-Statur an eben diesen erinnert. Doch Imhoffs ehemalige Verlobte Gerda (Mady Rahl), die einst mit vollem Körpereinsatz für ihn Modell stand, warnt Agnes vor seiner emotionalen Härte in der Erschaffung einer Gottheit in Marmor. Und so ist es dann auch, dass sie sich beim Anblick seiner Kreation kaum wiedererkennt, da sie ihre eigene Schönheit als seine bescheidene Helferin nicht wahrhaben will und Angst davor hat, dass sie seinem Ideal nicht entsprechen würde, wäre die Operation ein voller Erfolg - die Büste ihres Antlitzes verfolgt sie sogar bis in den Schlaf!

Um diese Zweifel des Individuums im Angesicht zahlreicher erklärter Sehnsüchte ging es stets in Harlans besten Werken und hier wie dort treibt es Regisseur Braun entschieden in die Gedankenwelten der Charaktere. Die Chronik vom Unfall, die ihn blind machte, lässt Imhoff als kontrastreiche Tragik Revue passieren, welche in der Überblendung zum Feuer stattfindet und ihn in seiner persönlichen Passion ganz klein und schwelgerisch zwischen Marmorstatuen umher wandern lässt. Die Körper schimmern da formvollendet im Licht, während Wellen des Unterbewusstseins über den verinnerlichten Bildern der Vergangenheit schweben. Ebenso ätherisch verlaufen später auch die jeweiligen Operationsszenen, wenn auch mit einer intensiven Spannung klinischer Ungewissheit verbunden - die Instrumente der Medizin erscheinen nun mal von allein kalt, welches Potenzial soll man sonst nur in ihnen sehen können? Dort scheint dann nur wenig Licht von oben herab, während hinten um Mochmann herum der Rauch aufsteigt und die Augen über dem Mundschutz nach Hoffnung ringen. Die Musik Wolfgang Zellers beherrscht dort ebenso angespannt, doch mit langen Noten, die Szenerie, von deren Ausgang man erst zum Schluss vollständig unterrichtet wird.

Alfred Brauns Film ist da spannend wie er sich auch im eigenen Mikrokosmos von physischen wie psychischen Wänden umgeben lässt. So gerät die Gefühlswelt mit zärtlicher Zerbrechlichkeit nach außen; versteckt sich sogar vor jedweden Glück, da die Zukunft fern jedes Glückes scheint; visualisiert im inneren Auge sodann die Angst vor dem Sterben des Menschseins oder eben dem unendlichen Leid. Imhoffs Kunst jedoch vermag es, diese Unendlichkeit in ewige Schönheit umzusetzen und Glück zu leisten, wo man im wahren Leben noch darauf warten und bangen muss. Ein bezeichnender Satz, der sich aus seinen Dialogen herausnehmen lässt, lautet dann auch: „Glauben sie, dass man das Schöne nur mit den Augen sieht?“ Alfred Brauns Film schaut dabei zwar durchweg auf eine Realität ohne Ausweg, doch seine Charaktere sehen bereits jenseits des Vorstellbaren in sich in eine seelische Tiefe, von der aus jede Zukunft entgegengenommen werden kann. Leicht verdaulich wird es damit noch lange nicht und zeugt gerade in der Offenbarung jener Gefühlswelten sowie daraus gewonnenen Wahrheiten von beinahe grausamer Ehrlichkeit; natürlich weiterhin in den Genre-Regionen des gängigen Melodrams verordnet und an der audiovisuellen Oberfläche entsprechend als Opfer einer großen Liebe überspitzt. Im gleichen Zug kann der Film aber auch Verständnis und Würde hervorbringen, die seiner Entstehungszeit so fremd wie nur irgend möglich sein konnte. Es spricht auf jeden Fall nichts dagegen, diesen Film und seine Facetten zu sehen, wenn man ihn denn mal in die Finger bekommt - leicht erhältlich ist er nämlich wie so oft leider nicht.




DELTA FORCE - "[...] Wer nicht hören will, muss fühlen. Insbesondere die letzte halbe Stunde von „Delta Force“ lädt dann mit hanebüchener Entschlossenheit im Heldentum zu Glanzmomenten der Actionfantasie ein und eignet sich hervorragend als Relikt einer Popkultur, die den Kampf der Weltmächte als kindliches Spektakel aufbereitete. Ohnehin kann man dem Film seine Qualität nicht absprechen, darin als plakativer, doch souveräner Entführungsthriller Spannung aufkommen zu lassen. Die Einschätzung politischer Verhältnisse und die Funktion der Gewalt als Mittel der Überlegenheit hinterlassen in ihrer bis heute ungebrochenen Aktualität aber weiterhin einen bitteren Nachgeschmack, der auch nicht durch ansatzweise kritische Facetten im Wirken der Delta Force negiert wird. Das liegt aber auch daran, dass sich Regisseur Golan einer ernsten Absicht verpflichtet, die in ihrer Manipulation der Wirklichkeit exploitativ wirkt und wider besseren Wissens für ein Finale des Stumpfsinns herhalten muss. [...]"



(Die komplette Kritik gibt es auf CEREALITY.NET zu lesen.)




GAMERA GEGEN VIRAS - FRANKENSTEINS WELTRAUMMONSTER GREIFT AN - Dieser Teil der Gamera-Reihe präsentiert recht exemplarisch die eigenwilligen Stärken und Schwächen der kindgerechten Kaiju-Action. Das Negative zuerst: Aufgrund von Sparmaßnahmen griff man hier vermehrt auf Archivmaterial zurück, das Gamera in Kämpfen vergangener Filme zeigt - völlig gleich, ob nun in Farbe oder Schwarzweiß. Dennoch besitzt die Schlacht gegen Monster und UFOs des Planeten Viras weiterhin eigenständige Szenarien pappiger Miniatur-Explosionen, welche den Titelhelden derartig malträtieren, das keinerlei Leben mehr in ihm stecken sollte. Mit einer guten Menge verharmloster Splatter-Momente muss man bei Gamera komischerweise immer rechnen, obwohl seine Filme zu diesem Zeitpunkt entschieden für Kleinkinder und Junggebliebene konzipiert waren. So kommt auch der urige Fokus des Ganzen zusammen, da wieder mal zwei Kids, Pfadfinder Masao (Tôru Takatsuka) und Jim (Carl Craig), als neunmalkluge Helden wirken.


Zusammen spielen sie allerhand harmlose Streiche, bis zu jenem Tag, an dem sie einfach frech die Steuerungskabel eines U-Boots umlöten und bei dessen Fahrern für Verwirrung stiften. Schon bieten sie sich als Experten für die Unterwasser-Mechanik an und obwohl Wissenschaftler an der Fähigkeit der Kinder zweifeln, muss Masao nur mal kurz eine Kommunikationsuhr, mit der er Kontakt zu seiner Schwester hält, vorzeigen, um sie vom Gegenteil zu überzeugen - "Das ändert natürlich alles.", ist da die leichtgläubige Devise jener Erwachsenen dieses Films, die fortan eher im Hintergrund verbleiben. Stattdessen gehen Masao und Jim auf Erkundungstour und treffen dabei den Beschützer ihres Planeten, Gamera. Jedoch kommen sodann die Schergen des Planeten Viras hinzu, welche die drei Planscher verschiedener Spezies gefangen nehmen. Masao und Jim werden nämlich als Geiseln auf dem Raumschiff gehalten, da Gamera eine "besondere Neigung zu Kindern hat" und daher alles für die Aliens machen muss, weil diese die Kids sonst töten.


An Bord des UFOs, wo der Film den Großteil seiner Laufzeit verbringt, halten die Zwei durchweg analytischen Dialog darüber, was geschieht - u.a. darüber, dass das Schiff telepathisch gesteuert wird und ihnen je nach Wunsch Essen und Trinken bereitstellen kann oder auch wie die mysteriösen Crew-Mitglieder durch Röhren fliegen. Sie selber kriegen letzteres nicht hin, was sie sich natürlich so erklären, dass sie wohl zu klein dafür wären und Erwachsene ihnen eh keinen Spaß lassen. Auf diesem Wege und gepolstert mit drollig doofen Dialogen treffen sie in klobigen Kulissen schließlich auch auf das Monster Viras, welches sie verstehen kann, wie auch Gamera mit seinen ratlos hin- und herwanderten Augen kommuniziert. Viras ist jedenfalls zunächst auf ihrer Augenhöhe, kann sich aber später durch die Fusion mit seinen Lakaien zu haushoher Größe transformieren. Klingt aufwendig, sieht dem eingesparten Budget entsprechend aber ziemlich hemdsärmelig aus.


Das hat Charme und hält für knapp achtzig Minuten Laufzeit gut durch, doch gegen Ende muss der Spaß dann doch noch kurz für eine Konsequenz gebrochen werden, die im Verhältnis zum Restfilm recht ernst und so umso schrulliger daherkommt. Da das Schicksal der gesamten Welt auf dem Spiel steht, muss die Entscheidung getroffen werden, ob das UFO mit den Kindern an Bord abgeschossen werden soll. Masao und Jim sind bereit, sich für die gute Sache zu opfern (!), die UN hingegen untersagt jene Aktion. Welche politischen Akzente hier gesetzt werden sollen, ist mehr als zweifelhaft, doch das macht im Rahmen des Films wenig aus, da die cleveren Buben kurz darauf schon knackige Alternativen herausfinden. "Gamera gegen Viras" ist wieder mal Naivität in Reinkultur, allerdings hemmt sich der Spaß daran ein gutes Stück selbst, da die Hingabe dazu durch offensichtliche Einsparungen nur mit halbgarer Ehrlichkeit durchgezogen wird. Genug zum Lachen bekommt man dennoch geliefert, wie man auch rauhe Mengen an handgemachten Effektgewitter erhält. Für Genre-Fans und Freunde der Blödheit auf jeden Fall einen Blick wert.


BONUS-ZEUGS:




MEN & CHICKEN - "[...] Es geht um Artenvielfalt und das verständnisvolle Zusammenleben auf diesem Erdball – ein Ansatz, der im Verlauf seine prägnanten Momente erhält, aber meist aufgrund der leidlich aufgebauten Erwartungshaltung eher uneinig im Raum stehen bleibt. „Men & Chicken“ kann eben nur schwer Fuß fassen, wenn es darum geht, außerhalb des Eigenverständnisses zu locken. Er ist gewollt räudig und unangenehm, aber verklemmt sich damit auch gegenüber ehrlicher Charakternähe, da die Faszination zum Außergewöhnlichen durch Witzfiguren ersetzt wird und gegen Ende anhand derer um bizarr verstörende Empathie bittet. Dafür ist es dann strukturell zu spät, aber mit jener Aussicht ist eher einherzugehen, als mit dem bisherigen Versuch, dieses Ensemble als Unterhaltung zu empfehlen. [...]"



(Die komplette Kritik gibt es auf CEREALITY.NET zu lesen.)




CITY OF MCFARLAND - "[...] Dabei ist die Inszenierung von Regisseurin Niki Caro („Whale Rider“) an sich stimmig und mit austauschbarer, doch eleganter Mäßigung unterwegs. Ohnehin kann die Tragweite Costners als Antrieb des hoffnungsvollen amerikanischen Traums nicht verleugnet werden, blickt diese doch ebenso herzlich in den Horizont der Möglichkeiten wie ihre multikulturellen Schützlinge. Allerdings mangelt es dieser gutmütigen Vision an echter Leidenschaft. Das gesamte Konfliktpotenzial wird wie seine umgebenden Provinz-Panoramas in ätherische New-Age-Töne verpackt und mit Behutsamkeit ins Bett gelegt, auf dass am Morgen darauf alles wieder gut wird. [...]"



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KUNG FURY - "[...] Inhaltlich ohne halbwegs respektablen Anker unterwegs, kann sich „Kung Fury“ auch nicht auf eine Naivität berufen, mit der sich die Achtziger unbewusst selbst adelten. Was gerade wichtig wäre, um einen gewissen Humor zu finden. Was bringt nämlich die Aneinanderreihung von One-Linern, ohne deren Funktion als Pointe auf trockenem Boden beizubehalten? Hier will stattdessen der einst natürliche Zeitgeist kopiert und als gefälliger Style verkauft werden – frei von jenen technischen Unzulänglichkeiten, mit denen die einigermaßen aufrichtigen Unterhaltungsprodukte der Zeit zu hadern hatten. Wo bleibt aber der Unterhaltungsfaktor, wenn alles ein Witz ist, der sich selbst auf die Schulter klopft; wo schon die reine Ansammlung an Irrwitzigkeiten Lachstürme provozieren soll und trotzdem langweilig wird? [...]"



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