Sonntag, 7. Januar 2018

Das Filmjahr 2017 im Rückblick


Liebe Leser,

sacht ma, was hat uns 2017 gematert, wa? Obwohl, vom Gefühl her lief es doch noch ganz geschmeidig, wenn man bedenkt wie man’s sich mit der ´16 so verkracht hatte – man musste halt ne Menge von dessen Mock jetzt ausbaden und da ist natürlich noch genug zu ackern dran. Aber musstet ihr so zig Zahn-OPs mitmachen wie meiner einer? Die waren schon der schrecklichste Stress in Quadrat. Allerdings kann man ich mich neben der übermäßigen Einspritze von Betäubungsmitteln dann doch an blockweise Schübe medialer Unterhaltung erinnern, die mich über Monate hinweg bestens bei Laune hielten. Videospiele waren wieder groß in der Gunst, Kinners, ich hatte mich von Frühling bis Sommer um den Giganten DOSHIN aufm Gamecube gekümmert – nun gegen‘s 4. Quartal führte sich zudem die Nintendo Switch mit der Odyssee SUPER MARIOS ein, dass ich in Sachen Selbstbeschäftigung hoffentlich nie zur Ruhe komme. Der junge Schreiberling hier hat nämlich inzwischen die runde 30 erreicht und man soll sich ja stets so jung fühlen wie die paar kleinen grauen Haare die man am frühen Morgen neu sprießen sieht – huch, da blitzt das Kinn auf einmal, irres Feeling! Das geht in Serie, wie’s scheint – und wie sich die Geschichte so ergibt, habe ich eine gewisse Stückzahl von DEM Format ebenso am TV oder eher anderswo online aufgelesen (einmal allgemein drüber geschrieben habe ich ebenso hier). Ein bisschen Weiterbildung in Sachen Mike Judge brachte mich für 8 Staffeln lang zum „King of the Hill“ und seine neueren „Tales from the Tour Bus“, über „Vice Principals“ hinweg ließ sich eine zweite Staffel „Stranger Things“ mit sehr bekannteren Mustern ihrerseits auf familiäre Entscheidungsgewalten ein, weshalb das große Erwachen in der Rückkehr „Twin Peaks“ dann doch unerreicht bleiben musste (obwohl der Electric-Sun-20-Prozess gegen Tim Heidecker ebenso großartig ausfiel). 

Kaffee wurde trotzdem nicht nur dort, sondern bei mir zu jeder Gelegenheit versüppelt, insbesondere als wir hier in Hamburg eine kleine Filmtruppe gründeten, die noch immer etwas in den Wehen liegt, aber trotzdem schon einige feine Stoffe ins theoretische Kintopp-Mekka schleuste. War allerdings auch unter dem Banner eines Jour Fixe aufbereitet, für den meine Wenigkeit früher als gewohnt und damit vollkoffeiniert in die Zukunft blicken durfte. Wer weiß, was 2018 da alles noch bei rauskommt. Vielleicht wieder mal mehr an Kinobesuchen (nur so 38, eine davon war immerhin eine todschicke Premiere unter Freunden) oder an Texten auf dieser Seite, denn die wurden ein bisschen vernachlässigt unter allen anderen abseitigen Aktivitäten, geb ich ja zu. Nicht, dass viele dem hinterher getrauert haben, aber vom Pflichtbewusstsein her wollte ich zumindest doch nochmal intervenieren, die Lust am Schreiben wiederentdecken. Hatte ja doch auch viele Pressevorstellungen besucht, die bis heute auf ein Feedback meinerseits hoffen dürften. In diesem Sinne habe ich den besten Zeitpunkt erwischt, da die Zeit des Jahresrückblicks in den Fingern des Online-Bloggers geschrieben steht! Also habe ich die letzten Wochen im Dezember genutzt, alles Revue passieren zu lassen (und ggnf. einiges soweit es ging nachzuholen), was 2017 im Kino lief (bereits 2016 gesehenes ist da leider raus), oder auch nur Direct-To-DVD rauskam, (wo auch immer in der Welt) On-Demand verfügbar war und im Festival-/Presserahmen vorstellig wurde. Die Auswahl ist bestimmt nicht für jedermann legitim, was derjenige eventuell für OFFIZIELL 2017 hält, aber ist doch wurscht, den verpeilten Vertriebswegen weltweit könnte man doch eh mal das Augenlid aufklappen, was das Optimum an Verfügbarkeit angeht. 


Bis dahin ziehe ich Bilanz im Gegenwärtigen, schließlich ist’s ja nicht mal so, als ob ich alles gesehen hätte aus den letzten 12 Monaten – endgültig ist halt nur der Tod, aber mein Gimmick dieses Mal hat schon fast was von der Geschichte Mose‘, denn auf einem echten Stück Papier verewigt stehen meine Meinungen nun gleich vor euch. Immerzu 2 Filme nebeneinander habe ich in mein Notizbuch à A5-Seiten auf ihre Wirkung oder Qualitäten hin zusammengefasst. Meine Sauklaue habe ich an gewissen Stellen nochmal etwas korrigiert, damit ihr euch nicht zu sehr einen bei der Identifizierung von Buchstaben abmüht, aber die gefällige Computerschreibe ist da trotzdem noch weit von ab. Muss halt was Besonderes sein und ist insofern nur schlüssig, wenn nicht unbedingt jeder was bisher mit meinem Zeugs was anzufangen wusste. Immerhin habe ich es in Videoform umgesetzt – ansonsten habe ich danach noch so manchen Schwank zu erzählen, könnt ihr ja runterscrollen, es gibt Top Tens, kleine Extrageschichten, Reposts von Sachen, die außerhalb des Blogs noch für Furore sorgten und 1,2 ergänzende Kritiken oder so – vielleicht schmuggelt sich unter all dem auch noch ein bisschen Kunst! Man liest sich, jetzt, gleich oder wann auch immer – freut mich auf jeden Fall, dass ihr irgendwie dabei seid, nett von euch! Nun aber erstmal viel Spaß mit den Filmstullen 2017, bringt etwas mehr als eine Stunde Zeit dafür mit:



Tja, das waren doch jetzt ganz schön viele Eindrücke aus der flotten `17, hattet ihr alle aufgestellten Kandidaten gekannt? Wie dem auch sei, ein jeder würde an dieser Stelle bestimmt noch nachfragen wollen, welche mir von diesen denn gegenwärtig am liebsten waren (zu den schlimmsten muss man glaub ich nichts mehr sagen) – da lass ich doch gerne aufklären, klar, ihr sollt nicht umsonst so weit gekommen sein.

10. POWER RANGERS

9. JIM AND ANDY: THE GREAT BEYOND

8. GET OUT

7. THE WAILING – DIE BESESSENEN

6. DIE TASCHENDIEBIN

5. DIE VERSUNKENE STADT Z

4. WESTERN, 3. GOOD TIME

2. THE FLORIDA PROJECT

1. BRAWL IN CELL BLOCK 99


Und wisst ihr was? Letztes Jahr hatte ich an dieser Stelle auch meine liebsten Erstsichtungen des Jahres genannt, also Filme, die so gar nix mit der aktuellen Spannweite, in unserem heutigen Fall also 2016-2018 etc., zu tun haben. Einige habe ich bis zur Mitte des Jahres auch hier besprochen, aber andere danach wiederum nicht, obwohl so viele schöne dabei waren. Dieses Jahr versuche ich wieder die regelmäßigere Vermittlung derer an euch, aber ehedem kriegt ihr hier eine weitere schöne Liste aufgetischt, was sich zu 25 Stücken herzlichst in meinen Fundus verirrte und auch an euch empfohlen werden dürfte:

DIE SCHÖNE UND DAS UNGEHEUER (Juraj Herz, 1978)
CATHY'S FLUCH (Eddy Matalon, 1977)
THE LOVELESS (Kathryn Bigelow und Monty Montgomery, 1981)
I AM HERE...NOW (Neil Breen, 2009)
HIMMELSKÖRPER (Lawrence Dane, 1984)
VIER STUNDEN VON ELBE 1 (Eberhard Fechner, 1968)
DIE LIEBENDEN (Louis Malle, 1958)
FRANKENSTEIN MEETS THE SPACEMONSTER (Robert Gaffney, 1965)
UNHEIMLICHE BEGEGNUNG (George P. Cosmatos, 1983)
DIE FERIEN DES MONSIEUR HULOT (Jacques Tati, 1953)
DAS BROT DES BÄCKERS (Erwin Keusch, 1976)
DIRTY TIGER (Amin Q. Chaudhri, 1988)
ZAZIE (Louis Malle, 1960)
GEFÄHRLICHE BRANDUNG (Kathryn Bigelow, 1991)
SATISFACTION (Joan Freeman, 1988)
BLOOD FEAST (Herschell Gordon Lewis, 1963)
DAS NORTHVILLE MASSAKER (William Dear und Thomas L. Dyke, 1976)
DIE ABFAHRER (Adolf Winkelmann, 1978)
DER TEUFEL VON KAPSTADT (Hermann Kugelstadt, Alfredo Medori und Wolfgang Schleif, 1962)
HINTER KLOSTERMAUERN (Harald Reinl, 1952)
IM HERZEN DES HURRICAN (Hark Bohm, 1980)
EMANUELLE - INSEL OHNE TABUS (Enzo D'Ambrosio und Humberto Morales, 1976)
DRAGON BLADE (Daniel Lee, 2015)


Im Grunde ist das aber auch nur eine kleine Auswahl unter vielen Schätzen, die bei Filmabenden und anderen Großereignissen freundschaftlicher Vorführung gefunden wurden (man erinnere sich an die Großaktion VOTE THE FILMABEND, deren riesige Twitter-Wählerkampagne sowie dem schockierenden Endergebnis!) – wenn ich da wirklich alles Sehenswerte auftischen würde, bleibt danach ja gleich die Frage „Warum?“ da stehen, woraufhin ich keine Texte zum Beweis vorlegen könnte. Das wäre doof!

Zumindest von zweien jener Filmabende, die einstweilen wieder Siegfried Bendix veranstaltete, hatte ich noch die eine oder andere Randnotiz aufgeschrieben. Diese bisher unveröffentlichten Schriftstücke möchte ich euch ungern vorenthalten:

Vom 11. Juni 2017: Freunde, ich muss euch davon berichten, welche konstant guten Filme mir gestern wieder beim Filmabend unter Leitung von Siegfried Bendix binnen Hirn wie Herz verpflanzt wurden, natürlich hauptsächlich aus den 80ern!

Mit Kevin Reynolds' „Fandango“ hatten wir unverhofft (kommt oft) einen Film der jüngst verstorbenen Glenne Headly erwischt, doch die innere Tour an sich - im Rückblick auf die Einberufungs-Zukunftsängste Richtung Vietnam nochmal so richtig die Sau rauslassend - via extrem gewitzten (!) Kevin Costner und Co. ist so lebhaft ausgefallen, da ist Abenteuer und Action nicht nur reine Floskel - passend dazu erweitert einen der Wortschatz der deutschen Synchro den Horizont, was es an Quarkomaten und allerlei bislang noch zu sagen gab!

Gleich danach tourte unsereins durch den „River of Death“ Steve Carvers, wo gleichsam Tierwelt, Sonnenuntergänge und Retro-Zeitkolorit (1945-1965) in die Abenteuer-Kolportage lockten. Michael Dudikoff als Haudegen ergab eine drollige Marke, die Dschungelatmo ein Pendel zwischen Lohn der Angst, Jodorowsky, Inka-Man und Apocalypse Now - irre, dass da im Kampf gegen Altnazis trotzdem eher ein Antiklimax geborgen wurde, aber die dramaturgischen Eigenarten sind ja durchweg Eiscreme pur. Wir hatten übrigens auch Eiscreme in der Bude.

Film Nr. 300 im Rahmen unserer kontinuierlichen Veranstaltung hätte nicht besser ausgewählt werden können: John Carl Buechlers „Troll“, ein gewitztes Fantasy-Horror-Kammerspiel inmitten der Harry-Potter-Sippe, bei dem sich die Situationskomiken so beiläufig und doch irrwitzig ballen, wie einen auch nach der x-ten Wiederbegegnung jede Kreatur anekelt - selbst wenn diese niedlich sein soll. Mrs. St. Clair in jung und alt teilt zudem gut aus, Michael Moriarty die kugeligsten Papa-Peinlichkeiten, die kleine Wendy totalen Burgerfresser-Scheißgör-Fun. Es wird zum Ende hin etwas doll ungelenk mit dem Ranken-Spuk, aber solche Makel bleiben eh eher sympathisch hängen; genauso wie einige neue Kernsätze, siehe „Aber das ist doch ein Champignon“.

Die vierte Runde am Abend wurde James Landis' „The Sadist“ reingeschickt, ein Film, wo uns Stabsangaben und Co. (vermeintlich) neu waren, immerhin mit Kameramann William Zsigmond am Start, der zusammen mit der Prämisse im Grunde ziemlich modernes Spannungskino-in-one-place zu stilisieren wüsste. ABER obwohl 1963 sicherlich schon weit mehr ging in Sachen cineastischer Psychologisierung, waren die ideologische Anklagen gegen den terrorisierenden Psycho im Mittelpunkt erstmal sehr platt - und dann war jener (Arch Hall Jr.) auch noch der drübberste Macker; den konnte man 0 für voll nehmen, es war ein Lachknüller vom Anfang bis zum Ende. Wir mussten aber auch zwischendurch unterbrechen, denn die Leute von Pizza Max waren nach nicht mal 20 Minuten nach Bestellung bei uns vor Ort. Lecker!

Es ging daraufhin wieder mit den Rädern ins Gefecht, denn Tom Donnellys „Quicksilver“ brachte Kevin Bacon und Kurierkollegen auf den Sattel sowie in die Pedale. Innerhalb von fast 2 Stunden Fahrzeit wurden da jedoch krasse Stimmungen durchprobiert, als wär's ein Querschnitt des gewohnten Filmabendprinzips: Erst heiter in den 80ern, musikalisch-montiert und mit kecken Typen in der Startposition, dann mit Crime-Elementen und dramatischen Milieu-Studien/-Romantiken zur Börsen-Yuppie-Reagonomics-Parabel bleiernd, bis am Ende die fieseste Räudenaction abgezogen wird. Schade, dass Donnelly danach wohl nicht mehr allzu Bedeutendes zu erzählen hatte.

Mit der sechsten Begegnung kam dann die Ansage: „Alpha City – Abgerechnet wird nachts“. Das Kraftwerk via Eckhart Schmidt macht sich mit Claude-Oliver Rudolph so roh und dick, dass man sofort in der Dichte gefährlichster Liebe stecken bleiben will. Eine brennend dynamische Süchtigkeit, die sich in der Durchforstung von Clubs, Hotels, Knasthöfen und allerlei verliert, um sich am größten Fang der Stadt, Raphaela, beweisen zu können. Kaputte Typen deluxe, gefangen in schaurigen Selbstverständlichkeiten sowie einem Berlin gnadenloser Schnitte und Perspektiven. Alle kanzeln sich gegenseitig ab, doch deren brutales Dunkel ist trotz Stilisierung (erst recht im Dialog) die Sprengkraft an Lebendigkeit, sogar mehr noch als „Fandango“.

Weils an solchen Abenden aber immer einen Absacker gibt, traf es zu guter Letzt „Vamp“, dass der so am wenigsten beachtet wurde. Aber selbst schuld, denn jene Vermengung an College-Deppen-Humor und Neon-Vampir-Chic hat eben einfach nur so seine Handvoll Ideen, die in dem Leerlauf an pubertären Belanglosigkeiten jede Stringenz vermissen lassen. Grün und Pink haben sich als allgegenwärtige Farbgebung eben auch schnell entschlüsselt - und so bissbefreit, wie das Strip-Milieu auf seine misogynen Schauwerte runtergebrochen wird, ist man ohnehin besser mit dem Kurzweil von „From Dusk Till Dawn“ beraten. Die markante Grace Jones darf dementsprechend so gut wie gar nix machen, die um sie hier erbaute Exzentrik wirkt da erst recht schier behauptet. Gut, dass Siggis Katze dann wieder öfter vorbeigeschaut hatte, gab's doch noch Unterhaltungswerte!
So, das war das Resümee, mes amis! Nächstes Mal bin ich wieder mit der Filmauswahl beauftragt, wünscht mir Glück, dass jenes Ensemble einen auch so entzückend durch den Abend begleiten, verstören, begeistern und amüsieren kann!

Vom 6. August 2017: Wow, dieser gestrige, von Siegfried Bendix kuratierte Filmabend! Ein kleiner Bericht dazu, weil ich mich danach so fühle, als ob 1 Konzert das Hirn durchgerädert hätte: Top-10-Highlights (teilweise aus altbekannten Lagern), neue Absurditäten im Ultrarausch und natürlich 1 1/2 Programmplätze mit dem Absacker-/Rausschmeißer-Syndrom im Rückenmark; hier ging innerhalb von knapp 12 Stunden so einiges!

Step Up 3D – Make your move“ gab den idealen Auftakt, wieder von Jon M. Chu in eine familiäre Runde an *Schmetterlingen im Bauch* tänzelnd - per 3D-Faktor mit verspielter Marke auf Hyperchoreos, den Filmemacher-Dream sowie den Ausbruch aus der FriendZone hinsteuernd, während sich obdachlose Dancekönige ein ultra ausgestattetes Lagerhaus (nicht) leisten können, für den World Jam proben und als Pirates gegen das Haus der Samurais antreten. Moose und Ladyfriend Camille kriegen sich da irgendwann auch in die Wolle, machen später aber eine schön lange Steadicam-Fahrt lang das New-York-Musical wieder salonfähig, dass „La La Land“ vor Neid einkäckert. Besser als die Vorgänger auch: Die Musikauswahl, ließ sogar Alicia Keys Empire State of Mind ordentlich lang ausspielen! Honk-Dialoge sind ebenso zahlreich auf der Tonspur vorhanden und das dramaturgische 1x1 weiß einige effektive Kniffe anzuwenden, die den bisher besten Step Up bilden.

Patrick Swayze kehrte daraufhin als Geächteter „Dirty Tiger“ ins Americana-Kaff zurück und weil ein gewisser Amin Q. Chaudhri diesen Film zu verantworten hat, ist die Perspektive darauf schlicht nicht von dieser Welt: Eine melodramatische Überforderung, bei der sich jede Szene in den Stimmungen verirrt, Handlungen und Figurennetze mit stets scharf geladenem Doppelschrot zusammentreibt! Verdammt impulsiv und in der Menschlichkeit dementsprechend kurios wie konfus, in eine so irritierend wehleidige Sippe hineinheiratend, dass sich diese pro Minute mehrmals auf den Kopf stellen kann oder katatonisch in der Bude hockt. Permanent drückt der Score zudem ein Schicksal auf, dass die Katharsis eines Douglas Sirk heraufbeschwören will, stattdessen in provinziellen Hackfressen landet, die auf der Reunion-Disco Schwangere umkippen lassen, später Rocker zum Tiger-Dreschen engagieren und sowieso darum buhlen, wie „eine schöne Beerdigung“ die Familie wieder einen könnte. Nicht eine Sekunde wird da belanglos, so stark das alles via Untiefen (u.a. inzestuös) bis zur Hirnschmelze verwundert, mit Fieber auf das Inferno der Herzlichkeiten zurennt.

Ach ja, dann gab's die Sache mit dem „Robot Jox“ - jene Schlacht der Stahlgiganten wusste große Ambitionen in eine Empire-Produktion zu packen; Regisseur Stuart Gordon hat sich da auch bemüht, alles aus dem denkbar begrenzten Budget herauszuholen. Für die Spielfilmlänge muss man aber auch halbwegs kaschierte Längen der Unausgegorenheit in Kauf nehmen, die immer wieder einen Ansatz für die potenzielle Sci-Fi-Satire à la Verhoeven, den Einblick in eine Dystopie voll weltpolitischer Territorial-Entscheidungen via Robotermatch bieten. Hat aber auch was für sich, dass der Film jene Fehler der Weltordnung/-zerstörung eher beiläufig auflöst, die Prozesse weitgehend nüchtern und für sich selbstverständlich in die Samstagskloppe leitet, wo man US-Kämpfer Achilles u.a. vorher einen Feigling schimpft, weil er nach dem Unfalltod 300er Zuschauer schlicht keinen Bock mehr hat. Spione und Test Tube Fighters gesellen sich noch zur Macho-Sackgasse, die sich zur Sinnlosigkeit des Kämpfens verabredet, eine umso schönere, archaische Schlussnote findet.

Der Höhepunkt kam zur Mitte, es war „Ein komischer Heiliger“ zugegen - einer dieser schönen Klaus-Lemke-Filme, in denen Cleo Kretschmer und Wolfgang Fierek durch München gurken, mehrere dolle Schnapsideen in Angriff nehmen und sich stets so drollig kontrastieren, dass da eine Beziehungsfrage zwischen Bibeljünger und Kneipenhure entsteht. Die jeweils wechselnden Bekehrungsversuche kriegen dermaßen viel vom Umgang beider (selbst schon plan- bis hilflos wirkender) Hauptdarsteller mit auf den Weg, dass man nicht aus dem Lachen rauskommt, eine Erfrischung ganz dem Sommer entsprechend abkriegt, während die Zwei Bahnhofsmissionen, Krankenhäuser, Vergnügungsviertel und Klamotten nach Grad der *Bequemlichkeit* abklappern. Liebenswerte Chaoten sind ja nichts Seltenes, auch nicht im deutschen Kino, aber die unvergleichbare Note hiesigen Duos ist in Sachen Frechheit, Naivität und Alltagsimprovisation doch nochmal eine dicke Spur wahrhaftiger. Außerdem kam zu dem Zeitpunkt auch unser bestelltes Abendessen vorbei!

Weiter fetzen sollte dann auch die „Killer Party“, doch jenes kanadische Exemplar an 80er-Horrorkomödienkultur scheint sich teilweise doch stark selbst aus dem Weg zu gehen. Anfangs bekommt man hingegen noch Filme-im-Film auf die Hirnrinde eingejuxt, Sequenzen der Genre-Ekstase zielsicher, doch beim Hauptplot der Aprilscherze gen College fehlt irgendwie wieder jene Dynamik ins Abwegige. Klar, es wird in einer Tour geprankt, aber das Prozedere deckt sich eher so brav mit Konventionen ein, dass man allmählich die Minuten herunterzählt. Immerhin ist das noch immer weit weniger am Nerven/Langweilen als solche offensiven Pansen wie „Vamp“ und die versammelten Schwesternschaften haben ohnehin eine luftige Attraktion inne, dass der Film gerne eher mit denen abhängt. Am Ende wird's zudem dämonisch und mörderisch (wie 1 blutleerer Evil-Dead-Abklatsch), aber irgendwie auch so null schlüssig, was sich aus dem ganzen Budenzauber ablesen sollte, erst recht in einem Genre und Jahrzehnt voller Knalleffekte. Naja, trotzdem: These are the best times of our lives, 2 Ohrwürmer pro Film schafft ja auch nicht jeder!

Es ging dann nochmal ein bisschen weiter zurück in Sachen Horror - Gore-Meilenstein „Blood Feast“ von Herschell Gordon Lewis durfte bewundert werden, doch viel aufregender als die versammelten Grausamkeiten (mit krassem DIY-Charme) waren die Frische der *unbeholfenen* Inszenierung, die Dialoge in ihrer aufgeregten Verschleppung und Reiterationsgeilheit („vor 5000 Jahren!“), die Phrasen und Gesten der 60er mit Rollenmodellen des Camp, diese von Lewis selbst komponierten Wikinger-Trommeln und Orgelbahnen - alles gepaart mit jenen abstrus harschen Gewaltszenarien und der überaus himmlisch beknackten Konklusion sowieso. Es muss wohl nicht extra erwähnt werden, dass hier schon die ersten Runden an Alkohol bemüht wurden, aber auch ohne den Party-Faktor würde diese urige Horrorschau eine sympathische Figur machen - und das mit einer waschechten Barbie als Hauptopfer!

Das Schlusslicht des Abends und in dem Sinne der ideale Rausschmeißer war sodann trotz Christian Slater und Milla Jovovich mit „Kuffs – Ein Kerl zum Schießen“ gefunden. Ich meine, ist ja schon ein Krampf, dass Harold Faltermeyer hier auf dem Score nichts anderes kann, als seine Axel-F.-Theme-Variation x-mal runterzuleiern, aber hey, passt ja zum Protagonisten, der ach so innovativ dauernd die vierte Wand bricht, um als Ferris-Bueller-Ersatz den normalsten Cop-Scheiß binnen San Francisco zu unterwandern (oder wie man die Anpassung daran, hin zu Recht/Ordnung/Frau/Baby, noch so nennen mag). Hey man, wow, was ein Jungspund, der dann auch einige stilistische *Neuheiten* der 90er auf den Weg mitbekommt, wahrscheinlich als 'Baby Driver' seiner Zeit auf eine permanente Pose der Coolness geeicht ist, von deren pubertierischem Humor man aber schneller die Schnauze voll hat, als man kultverdächtig und tendenziell misogyn aufsagen kann. Dumpfe Zoten und dramaturgische Nichtigkeiten sind da mit inbegriffen, ebenfalls einige nicht bloß zufällig gewitzte Ideen und Hundepartner Django, aber reicht dann auch nach 100 Minuten, die sich zentral wiederum mit den urältesten, trockenen Bösewicht- und Korruptionsbelanglosigkeiten beschäftigten - wie beim Baywatch-Film, urgh.

Sei's drum, das war's wert, Leute!!! Und sowieso: Der nächste Filmabend steigt hoffentlich noch diesen Monat wieder bei mir, ich feile noch am Konzept dazu, aber die Auswahl ist jetzt schon ein Himmelfahrtskommando, nach dem wahrscheinlich keiner mehr die Augen zukriegt - See you there!


Ganz schön was los, can you dig it? Die letzten 3 Filmabende im Jahr hatten wir sogar richtig Event-mäßig aufgezogen – und da sind diese extra angefertigten Poster bestimmt ein doller Beweis für!


Aber drei Texte hatte ich auch so noch über, welche seit meinen letzten hier getätigten Post, den Geschichten aus dem Sommerloch, zustande kamen. Lass ma schmökern!




FÜNF BLUTIGE STRICKE - So, ich habs seit Ewigkeiten mal wieder ins Metropolis geschafft und wie angekündigt die erste Installation des Bizarre-Cinema-Dezembers beschaut! Mein Foto ist sodann der gewohnten Rotstichigkeit der 35mm-Kopie nachempfunden, doch für einen Italowestern von dem Kaliber war das sogar ganz passend! Antonio Margheriti treibt hierin Richard Harrison schnörkellos (man darf auch doll konventionell sagen) auf Rache an - wie später auch als NINJA-JÄGER verteilt der Herr hier als 'Rocco' FÜNF BLUTIGE STRICKE unter den Mördern seines Kumpels Ricky, wandert von Kaff zu Kaff, stellt sich mal provokant wie ballertalentiert an die Bar, dann ins Sheriffsbüro, bandelt alle paar Meter auf streng behaupteter Beziehungsbasis mit der Kneipenhostesse Miss Jane an. Bei dem straffen Vorgehen voll planloser Schergen und tödlichen Pokerspielen, hin zur Sonnenglut des blind folternden Werner Pochath (als The Kid) - inkl. Bier/Schussduellen und sexploitiger Unterwäscheparade Špela Rozins -, entpuppt sich unser Held zudem als desillusionierter Halbblut-Indianer. Im Finale unter Totgeglaubten geht er zudem fiebrig in den Verästelungen der Unterwelt auf, einem Sarg bzw. einer Gruft aus Schwefel, Dynamit und Gold. Hier ist keine Katharsis vorfindbar, ebenso keinerlei anderweitige Spielereien binnen des Schmerz an Geradlinigkeit, dafür filmisches Geschick nahe des Gruselns im Nichts, welches Margheriti mehr als oft glückte. Ein bewusst (un)befriedigender Blick auf den Mythos hallt im Bleischrei nach, bei dem aber die vielen Charakternasen und Eigenarten im Whiskyrausch/Totengräber-Kleinunternehmer-Tratsch und allerlei trotzdem nicht witzlos ausbleiben - man siehe allein den Titelsong mit seinen Sprachfetzen der Beschwörung, die angekündigten Leichen in der Präsenz der Dame im Kartendeck oder eben auch die aus einer offenbar vollends fremdartigen (16mm? Anderer Film?) Quelle eingefügte Schlusseinstellung, die das Metropolis präsentierte. Glad to be back.




OSTFRIESISCH FÜR ANFÄNGER - Als seichte, stereotype und durchgefördert-überraschungsbefreite Provinzkomödie dazustehen, die ihr Lokalkolorit genauso behauptet zur Inszenierung nutzt wie ihre jeweiligen Charaktereigenschaften gen null - das wäre ja nur eine Sache. Das billigende Zeugnis einer nach rechts rückenden Stimmungslage abzugeben, welche sich gefällig darin gibt, die Integration von Ausländern als Weg äußerer wie innerer Gleichschaltung zu definieren und jene Menschen erst zu dulden, gar sympathisieren, sofern DIENSTLEISTUNG deren vorrangigster Lebenssinn darstellt - das gibt Gregory Kirchhoffs Film was von dem braunen Anstrich, der seit dem 24.09.2017 offiziell mit im Bundestag sitzen darf...oder auch an Martin Schulz' Plattmacherthese Arbeit <-> Sprache <-> Freundschaft erinnert. Das abgehängte und verschuldete Vorurteilskonzentrat von nebenan via Didi kriegt dabei die Feelgood-Note auf den Weg, dass er sich als kleiner Mann vom Franchise-Apparat und dessen Konformität der Globalisierung emanzipieren darf, stattdessen weltweit die Konformität seines traditionsbewussten Dorfmiefs als Mr. UWE-Hinrichs-Marke verschifft, obwohl da Miniaturschiffsingenieur Abdullelah natürlich die ganze Arbeit für reinsteckt (nächster Schritt Outsourcing?). Währenddessen guckt jede hier vertretene Bürokratenkarikatur neoliberal-weltfremd aus der Wäsche, zudem sie ihre Integrationsteilnehmer erst per Plattdeutsch-Deckel-für-jeden-Topf zu Staatsdienern normativster Güte erklären kann, aber genauso lernen muss: Plattdeutsch ist ebenso deutsch, hört ihr dat von da oben noch? Der dennoch ans Neoliberale angepasste Film zelebriert die flächendeckende Weisung der Anpassung zudem stilistisch wie dramaturgisch so gelangweilt wie er nur kann, dass er selbst für rassistische Alltagsfloskeln und Übergriffe keine sonderlich kritische Aufregung evozieren will, dem Zielpublikum zuliebe. Läuft halt alles glatt und volkstümlich-skurril nach TV-Einheitsformat inkl. einer Mindestmenge reumütigen Zusammen-sind-wir-stark/Familie-Sentiments - aber hey, einmal sieht man sogar Didis Pimmel (huch)! Alles insgesamt also quasi "Da wird man ja wohl noch als Deutscher über uns selbst (und alle anderen) lachen dürfen!", wobei ab und an auch ankommen soll, dass das Gefühl der Überfremdung von illusorischem (laut Film aber auch verständlichem, weil partout um Verlustängste ringendem) Ego aus Trotz herrührt und sich stattdessen für Toleranz begeistern sollte - sagt zumindest ein Plakat in diesem formvollendet plakativen Referenzbeispiel Ressentiments-wiederkäuender und Reflexionsbedürfnis-verwässernder Culture-Clash-Klamotten.




THE SQUARE - Ist schon komisch, dass „The Square“ trotz 142 Minuten Laufzeit so kurzweilig ausgefallen ist, obwohl Östlund die eigene Filterblase - vom Inhaltlichen her sowie für seine Verhältnisse - eher hemdsärmelig und ideenarm aufrüttelt, sie teilweise bestätigt. Exemplarische Zutaten gefällig? Man bedenke allein die idealisierte Sicht auf eine offenbar humanitär-populistische Presse, das klischeebehaftete Bild vom Yuppie-Jungunternehmer, den Familie und Kollegen vernachlässigen Ego-Workaholic sowie den unvermeidlichen Handlungsstrang zur aktuellen Empörungskultur, welcher von Oliver Stone und Konsorten stammen könnte. Ganz zu schweigen vom alles ausformulierenden Mann/Frau/Machtposition-Dialog zwischen Östlund-Alter-Ego Claes Bang und Elisabeth Moss, der allenfalls gehobenem Rom-Com-Standard entspricht und nur dadurch kaschiert wird, dass der alltägliche Voyeurismus im Gegenschnitt mitschaut/uns als Zuschauer erwischt (großes Plus dagegen deren prä- wie postkoitale Vertrauenskonflikte). Schwerstes Manko allerdings: Warum torpediert der Film sein Narrativ Zu-spät-kommender/heuchlerischer-Menschlichkeit zudem per gen rechts retardierenden Chicken-Ciabatta-Gags, Antanztricks-Äquivalenten & Brüllaffen-Tiervergleichen, sobald er die Pole vom Bettlerleiden und eitlen Wegschauen der Elite kontrastiert? Jene Vorurteile sowie deren Lächerlichkeit werden der bewussten politischen Unkorrektheit wegen nicht gebrochen, im Gegenzug erlebt die übergreifende Sehnsucht Zurück zu den Wurzeln/zur Natur da jedoch eine schwere Geburt, wenn für deren jeweilige Begriffe der Gerechtigkeit wieder (Ober-)Grenzen am beidseitigen Rande des Gewaltamoks festgestellt (zumindest später nochmal hinterfragt) werden - Endstation Nihilismus? Gut, meistens reicht es noch für Bilder von wohlhabenden Menschen, die an Obdachlosen vorbeigehen - immer und immer wieder, weils vielleicht nicht jeder beim ersten Mal versteht. Der Sog moralischer Hypothesen dorthin macht ja zugegebenermaßen dennoch durchweg Laune, findet dafür steile/tiefe Treppengeländer sozialer Miseren sowie einen kollektiven Staffellauf an (in ihrer Inkonsequenz sowieso emotional geißelnden) Schuldgeständnissen und Selbstjustizeinbahnstraßen, dass genug Fragen des eigenen Handelns im Nachhinein über bleiben. Ist eben die ambivalente Qualität des Squares, dass er viele Wahrheiten in simplifizierter Form einpasst, nach und nach greifbar macht. Doch der Film selbst weiß die im kontemporären Gesellschaftsbild eingeflochtenen Widersprüche der Kurzsichtigkeit eben eher nur via flacher Vorführung zu reihen, als dass er einen konkreten Gegenangriff wie jenen gegenüber Östlund-Surrogat Nr. 2 Oleg provozieren könnte - es mangelt schlicht an echtem Mut binnen des inneren wie äußeren Kunstgewerbes. Klar, immer noch differenzierter und reichhaltiger gelungen, als ausschließlich Auf's Maul zu verlangen, aber die spürbare Nähe zum Nachklang eines „Fight Club“ hätte mMn weit entschiedener vermieden werden können - siehe „Höhere Gewalt“.




Den sah ich übrigens auf dem FILMFEST HAMBURG 2017, wobei ich zu meiner Schande zugeben muss, dass ich diesmal nicht Vollzeit mit am Start war, auch gleich alles davon mitzunehmen. Drei Erinnerungen in Sachen Podiumsdiskussionen habe ich aber gerade auch nochmal aus meinen Überlieferungen rausgekramt, ähem:

Vom 10. Oktober 2017: Meine bislang einzige Erfahrung mit dem Programm des #FFHH2017 (ehe ich Donnerstag dort auch endlich mal einen Film sehen werde) war letzten Sonntag eine Diskussionsrunde zum Thema WELTVERTRIEB, u.a. mit Vertretern von ARRI. Ein einziges, bekanntes Trauerspiel ohne Momente des Hinterfragens binnen jener Beteiligten (abseits einiger Publikumsfragen), wenn sich die hiesige Filmwirtschaft und deren externe Kräfte selbst erklären wollen: Für diesen und jenen Verleiher passen wir uns an, nur der gewisse Prestige-Stoff wird in der Vorproduktion gefördert und verschlimmbessert, den internationalen Kunden werden ausschließlich die bekannten Erfolgsrezepte vorgestellt (Flüchtlingsthematiken laufen in Europa angeblich gen null z.B.) und gefreut wird sich vor allem über Glücksgriffe wie „Highway to Hellas“ (sinngemäß "da wurde sich über Griechen, aber auch über Deutsche lustig gemacht und das fanden alle gut") oder „Über Barbarossaplatz“, die anhand ihrer Plakativität schon derart geglättet sind, solche Entscheider zu erreichen, die vom Filmschaffen an sich keinen blassen Schimmer haben. Genau die Leute (wussten teilweise nix von länderspezifischer Zensur, verkaufen dem Publikum jene Erfahrung aber als Neuheit) hängen in den Gremien, hier dann auf der Bühne ab und schämen sich in ihrer Mutlosigkeit regelrecht vor einem differenzierteren Filmangebot, vor Werken außerhalb jeweiliger Normen, dass es sogar zu Aussagen kommt wie "Da kann der Film auch 3 bayrische Filmpreise gewonnen haben, der wird garantiert nur hier laufen.", mäßig sowieso, aber zumindest könnte man ausnahmsweise einen Oscar anpeilen. Aber bringt ja eh nix, weil wir mit gesichtslosen Kinderfilmen schneller UND hauptsächlich die Kohlen verdienen. Mich betrübt es ja durchaus noch, solche neoliberalen Spießerattitüden innerhalb der Filmwelt immer wieder mal bestätigt zu sehen. Da kann man sich gerade so noch freuen, wenn wie heute bekanntgegeben wird, dass beim Regiepreis Metropolis nicht nur unmögliche Klappspaten wie Lars Montag und Til Schweiger nominiert, sondern auch die cineastischen Großtaten eines Roland Klick gewürdigt werden.

Wer gestern Abend jenen Zettel (siehe Detailshot) vor Ort und ohne Ticket voller Entsetzen in sich hinein lesen musste, hatte leider die Arschkarte gezogen, denn #thefloridaproject war ein Knallbonbon! Im von Natur aus übertriebenen Staate Florida wird selbst der soziale Bodensatz Spielplatz, in den Regisseur Sean Baker vielerlei kontemporäre Stadien des Elends einbauen kann, gleichsam optimistisch kindische Albernheiten en masse vom Zaun bricht. Passiert zudem in einem beiläufigen Kurzweil, der sich emotionalem Händehalten konsequent verweigert und so leicht im Alltag der Daseinskonflikte schlendert, wie er im Nachhinein auch mehrere Bomben anhand dessen zünden kann. Willem Dafoe, die Kids und Mutti Halley sind da ohnehin die drolligste Zündschnur am Dauerbrennen! Tja und wer's gestern nicht sehen konnte, muss bis März 2018 auf den hiesigen Kinostart warten, upsi daisy.
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Vom 13. Oktober 2017: Eine positive Wende hatte das #FFHH2017 für mich gestern ja nicht nur dem „Florida Project“ wegen, sondern auch anhand der „Klappe-Auf“-Gesprächsrunde mit Joya Thome im Festzelt erreicht. Per Crowdfunding und anderen kleinen Quellen einen freien (auf Verdacht sag ich auch mal: guten) Kinderfilm drehen, alle gewollten Ideen umsetzen, authentisch casten können und dabei offenbar noch in durchweg lockerer Stimmung verbleiben, da die finanzielle Bindung hinter der kreativen steht: Digga, die Frau lebt das Leben, welches wir uns immer vorstellen und das nicht bloß irgendwelchen Nepotismus wegen. Solche Erfolgsgeschichten machen mich happy, eben dass es außerhalb der Wirtschaftsgeilheit doch noch was werden könnte mit der hiesigen Filmlandschaft.

Vom selben Tag: Habt ihr dieses #FFHH auch wieder kuriose Publikumsfragen/-Anmerkungen mitgekriegt? Bei „Königin von Niendorf“ z.B. hatte ein etwas betagterer Geselle kritisiert, dass Erwachsene im Film vor Kindern Bier trinken und dass es gar nicht ginge, die mit Zigaretten zu zeigen (in Wirklichkeit habens zwei 24-jährige im Film gemacht) - und die gefährliche Mutprobe, dazu fiele ihm gar nichts mehr ein, absolut nichts für seine Enkelkinder, der Film; „Lesen Sie mal Kalle Blomquist!“ etc. Lupenreines Napolablabla halt. Und Joya Thome nur so: „Menschen in meinem Umfeld rauchen, auch als ich klein war.“


Aber es bestand trotz alledem noch Anlass zum Träumen, mit Filmbezug, wer hätte das gedacht! Einiges davon hatte ich mir sogar notiert und dabei folgende Sinneswerke für die Nachwelt ersonnen:

Vom 06. Januar 2017: Was von „Paterson“ im Hirn hängen blieb: Heute einen Traum gehabt, in dem sich ein Bus tagein tagaus mit Hilfstruppen durch die Fluten und Täler von Meck-Pomm kämpfte, inklusive Regen im Dunkeln und gestrandeten Berühmtheiten auf dem Weg, während meiner einer Haltestellen/blockierte Wege mit schicker Begleiterin per Laser wegballerte, zwischendurch Konversation und Gameboyzocken betrieben wurden.

Vom 13. März 2017: Hui, es gibt wieder Stoff zur Fernanalyse bzw. eine verstrahlte Traumstory direkt aus meinen luziden Spitzen binnen Schlummerlands, stilecht im Trailerformat voller Brisanz: Man stelle sich einen diffusen Polit-Spionage-Horror-Thriller vor (mMn garantiert schlimm von Justin Kurzel inszeniert), in welchem ausgerechnet der olle Marvel-Loki einen öligen Vorzeigediplomaten abgibt. Seine Sonnenbrille sitzt - im Vergleich zum sonst Paul-Ryan-mäßigen Aufzug - ziemlich nach europäischem Flair ausgerichtet auf der Nase, doch sobald er den Staatsempfang seiner Person vom Flur aus mit Verschluss der Hotelzimmertür abwürgt, übt er sich im Topos geheimnisvoller Machenschaften via Koffer. Krasser noch: Ein ultradubioser Berater seinerseits (Michael Fassbender) ist schon vor Ort und schnappt sich sodann spontan (also von 0 auf 100 in 2 Sekunden) eine Rammelnummer mit Rooney Mara im Sitzen weg. Stört dem Tom-Boy jener Grad der Räudigkeit? Pass auf: Hiddleston schnupft sich Koks vom Badezimmerspiegel hoch, grölt einer kollektiven Rugby-Ramme gleich „N***er! N***er!“ in den Marmor ringsum hinein, ehe er darauf jedoch plötzlich den blutverschmierten Finger Michis hinter sich sieht, welcher wohl gerade was übel schmoddrig Übermenschliches verbrochen hat und dasselbe mit ihm vorhaben könnte. Body-/Buddyhorror im Alt-Right-High-Rise? Uff. Je später man ins Bett geht, desto stärker bemüht sich das Hirn wohl um die größte Starpower/Albtraumballung.

Vom 3. Oktober 2017: Heutzutage heißt es Hype, Hype, Hype, wohin man auch klickt! In meinen Träumen lief vor kurzem zumindest schon mal EIN neuer Blade Runner (siehe Illustration). Da ging's um 3 verschmitzte Ex-NSA-Agenten, die im Roadtrip durch die BRD Industrieanlagen besuchen und kuriose Verhörmethoden vor Ort anwenden, um Schläfer zu ermitteln. Was auch immer :D



Zum Abschluss: 

Nun, was blieb uns denn sonst noch alles vom Jahr über? Ich weiß es nicht so genau, ich kann’s nur stationsweise rekonstruieren – z.B., dass ich einmal einen 24-Stunden-Filmtag hinter mir hatte, was vielleicht auch dafür sorgte, was an Lücken weiterhin noch über ist. Ich plane für 2018 eine ähnliche Aktion, aber einen genauen Termin möchte ich nicht festlegen, urgh. Was ich guter Vorsätze wegen nicht nochmal mache: Ein 6er-Pack Donuts in Pressevorführungen mitnehmen. Netterweise wollte ich die rumgehen lassen, während man sich mit „Downsizing“ rumplagen musste, aber keiner außer Siegfried Bendix und mir hatte zu dem Zeitpunkt Lust/Hunger drauf. Also durfte ich 5 pralle Donuts den Film lang durchfressen, aber das war noch das Beste an der Projektion. Interessant waren auch die Umstände, wie ich zum neuen „Transformers“ kam; hauptsächlich, da vormittags bei der U-Bahn-Fahrt Richtung Kino schon dickste Independence-Day-Wolken auftauchten, ehe ich die volle Ladung Schauer abbekam, als ich von der U Stephansplatz zum Cinemaxx rennen musste. Sobald der Film fertig war, schien draußen schick die Sonne. Soviel zum Sommer, der in hiesiger Stadt sogar G20 zu bieten hatte! Überall Action! Und Glühwein gab’s auch einmal, zum neuen beschissenen „Jumanji“! Ich wünschte, der hätte geholfen. Vielleicht hätte der auch „Sully“ besser gemacht, den man im kleinen Saal des Passage Kinos sehen musste – so als würde ich den in meiner Wohnung sehen, nur leiser und mit mehr Leuten vor mir. Einer der schönsten Vorführungen hatten wir allerdings mit „Siebzehn“ abbekommen – lief im 3001 Kino an der Sternschanze, war sehr gemütlich mit den neuen (?) Stühlen und lieben Pressekollegen, unter denen sich zig gute Kalauer austeilen konnten. Der schönste Kinomoment bleibt allerdings „The Book of Henry“ vorbehalten, der mit seiner Schlusspointe „Nur die Moral muss stimmen“ den Riesenlacher schlechthin erzeugte – hoffentlich nicht nur bei Bendix und mir. Ach ja, Ruben Östlund und Claes Bang hatte ich direkt vor meiner Nase, als nach dem Filmfest-Hamburg-Screening von „The Square“ noch ein kleines Meet-and-Greet (klingt wie was von Aardman) stattfand, aber ich hab mich aus deren Angelegenheiten rausgehalten, immerhin ne Goldene Palme in natura gesehen. Wenn’s hilft? 


Nun denn, mit mehr interessanten Geschichten aus dem Dickicht der Hamburger Kinowelt kann ich im Augenblick nicht dienen – oder sie sind zu privat, als dass sie mit Film zu tun haben. Keine Sorge, ich habe niemanden auf irgendnem Kinoklo gebumst - und btw, mit dem Thema #MeToo fangen wir an dieser Stelle am besten auch nicht an, das würde kein Ende nehmen, was da alles an die Öffentlichkeit geriet. Aber ich kann das Gespräch mal fix sehr geschickt überleiten und zusammenzählen, wie viele Filme ich genau im Jahre des Herren 2017 gesehen hatte! Also, in Sachen Neusichtungen kam ich auf 617, insgesamt - also mit Wiederholungen eingerechnet -, waren’s sogar 709! Das ist eine nette Steigerung, wenn man bedenkt, dass die letztjährige Quote bei 568/703 lag. Ich kann nur hoffen, dass die Zahlen 2018 ebenbürtig stark bleiben oder noch besser werden – für diesen Zweck habe ich zum Abschluss noch eine Reihe an Filmen aufgestellt, die mich durchaus interessieren (sollten sie denn auch alle in diesem Jahr erscheinen – einer meiner Most-Wanteds 2017, „Altar Rock“, kam letztes Jahr z.B. noch nicht):

Dragged across Concrete, The Commuter, On the beach at night alone, Der Seidene Pfaden, Wendy 2 – Freundschaft für immer, Death Wish, Thelma, Streetdance: Broadway, Hold the Dark, The Outsider, War Party, Isle of Dogs, The Happytime Murders, Mid `90s, Lean on Pete, I Tonya, Bad Times at the El Royale, Boy Erased, Action Point, The Beach Bum, A Beautiful Day, Backseat, The Favourite, The Old Man and the Gun, Mary Poppins Returns, Damsel, Apostle, The Week of,
The House that Jack built

Huch, das sind ja nich allzu wenige – und es sind nicht die einzigen, klar man! Inwiefern ich über sie über sie berichten werde, hmm, bleibt abzusehen. Bevor ich da wieder solche euphorischen Versprechungen mache wie letztes Jahr (die ich subsequent natürlich nicht einlösen konnte), lasse ich die Zukunft wie gehabt im Leben offen. Bei Gelegenheit könnt ihr ja hier vorbeigucken oder ich schicke es euch an die Haustür, je nachdem. Ich will auf jeden Fall versuchen, eventuell wieder was Reguläreres abzuliefern und trotzdem mit dem Job abseits des Schreibens in Einklang zu kommen. Alles ein Work-in-Progress, wir haben ja die Zeit, nicht wahr? Bis dahin: Tschüß und auf Wiedersehen/-lesen!


Samstag, 9. September 2017

Geschichten aus dem Sommerloch



Liebe Leser,

Lange Zeit war's relativ still an hiesiger Stelle. Ich kann auch nicht versprechen, dass sich der Zustand demnächst verbessern würde, doch ich wollte zumindest nicht so tun, als ob die letzten (über) 4 Monate rein gar nichts an Schreibkraft meinerseits zustande kam. Nicht, dass ich mich anhand akademischen Prädikats wirklich als kompetenter Schreiber bestätigen könnte, aber wie gehabt eh wurscht. Das Sommerloch mag jedenfalls einiges an Aushöhlung hinterlassen haben, doch der eine oder andere Film, beziehungsweise eine ganz tolle Serie, waren mir bei der gelegentlichen Auffüllung behilflich. Ich war sogar derart kreativ, innerhalb jener Texte zweimal „Synecdoche, New York“ als Referenz zu erwähnen. Jawoll, diese Trauben lassen glauben! Ohne weitere Umstände, Leute, packt mit den Händen an und zieht euch fürs Erste folgende Buchstabensuppen ausm Hole, du Mole:




TWIN PEAKS : THE RETURN - Interessant war ja, festzustellen, wie die allgemeine Vorstellung vom „Twin Peaks“-Revival im Vornherein davon gebannt zu sein schien, dass die Heimkehr den zentralen Appeal des Ganzen ausmachen würde. Ist ja nichts Neues beim Retrorausch jedweder Fangemeinden und Massenmedien in der Wiederholungsschleife, doch nach Jahrzehnten der Enthaltsamkeit vom Americana-Derwisch blieb im Mainstream wohl schon nach der ersten Folge die laute Verwunderung „Wasn das?“. Keine Ahnung, wen David Lynch und Mark Frost damit genau verprellt haben, waren Serie und Film doch schon längst Antithesen ihrer jeweiligen Medien; auch in der thematischen Ausgangslage kaum das, was man für gewöhnlich mit Nostalgie adeln würde. Sie rissen anhand des Mordes an Laura Palmer indirekt eine Angriffsfläche im Gewissen der Moderne auf, die allerdings zeitgleich von einem Höchstmaß an urigen Absurditäten gekittet wurde - das war im Kontrast wohl Entlastung genug, das man sich bei Querköpfen wie Andy, Lucy, Dr. Jacoby, Nadine und Co. geborgen fühlen konnte. Die Rückkehr um 2017 schließt die traumatischen Umstände von einst aber keineswegs aus, weshalb da der Hund begraben liegen könnte, dass Regisseur Lynch mit Staffel 3 nun wie anno „Fire walk with me“ etwas verstoßen neben der Spur läuft, wenn er anderes als die bloße Führung ins eingemachte Nest leistet. Klar, das Antanzen einer gewissen Nostalgie bleibt auch ihm nicht fremd (sein Gesamtwerk ist da schon Hinweis genug), doch sein Weg nach Hause (à la „The Straight Story“) ist nicht von ungefähr über mehrere Ecken gedacht und beschwert: Hässliches schlummert wie eh und je im mythischen Idyll der Naivität, Schmerzen binnen Erinnerungen zeigen sich sogar mehrmals als offene Strudel, hinein in Zwischenwelten, -zeiten und -personifikationen, dass man es mit der Angst zu tun bekommt.


In der Konstellation jenes Epizentrums USA (hier zeitweise als „dark age“ definiert) setzt sich aber dann doch allen voran der Wehmut durch, unvermeidlich angesichts des Spektrums an Gefühlen, dem hier im Eigenantrieb zugesehen wird – beiläufige Hyperpointen und Alltagssubversionen mit Lachkrampfgefahr finden ihren Platz, gleich im nächsten Moment womöglich schon Impulse an Phantomschmerzen, Morden, Schuldgeständnissen und Bescheidenheiten der Unschuld (ohnehin sind manche Episoden vollständig davon beherrscht, Ambivalenzen und Nuancen, Liebe und Gewalt mehrerer Frau-Mann/Mann-Frau-Beziehungen zu vergleichen). Alles besitzt Gewicht, nicht unbedingt solches narrativer Konsequenz, aber jenes an Lebenserfahrung, wie man diese innerhalb von knapp 18 Stunden Laufzeit auch recht umfangreich schildern kann, bis auch die unwahrscheinlichsten/unscheinbarsten Parteien dafür sorgen können, dass es den Mitmenschen und ihnen selbst besser geht. So weitläufig „The Return“ dann auch über die Grenzen der titelgebenden Kleinstadt hinweg erzählt, sich gegebenenfalls verläuft, so intim wirkt das Gesamtbild dann schließlich doch: Rund, berauschend und gefährlich wie die vielen goldenen bis Bob-reichen Kugeln oder eben zärtlichst befremdlich wie das bezeichnende „The world spins“ auf dem Soundtrack. Gerade dann wirkt es doppelt schwer, die Saga bis hierhin als abgeschlossen betrachten zu können, da Lynch im Runden die Unendlichkeit auffädelt, Transformationen von Zeit und Identität (eben auch die Definition des zurzeit weltweit grassierenden Heimatgedankens) als Spannungsbarometer einsetzt, ehe er sich anfangs überhaupt mit dem Pathos einer Wiederbegegnung/-vereinigung brüsten würde/könnte. Lässt sich im Nachhinein auch bestimmt nicht so leicht wenden, wenn eine gute Handvoll der an der Serie Beteiligten vorher, kurz nach oder schon während der Dreharbeiten verstorben ist.


Recht stimmig also, dass der Pathos, wenn er denn eintritt, meistens über mehrere externe Etappen, in schmerzhafter Distanz/Sehnsucht kommuniziert wird – ob nun am Telefon, als Botschaft aus dem Jenseits, als Fotografie und Tagebucheintrag, als Tunnel in die Vergangenheit, sowieso oft anhand musikalischer Führung Badalamentis/The Platters‘ und vieler weiterer gefeaturerter Acts (deren Auftritt immer irgendwie traurig stimmt, da er meist das Ende einer Folge signalisiert). Dieselben Mittel (inkl. SMS) werden gleichsam von der Finsterworld des bösen Cooper und Co. genutzt, welche insbesondere den elektronischen Dimensionenspiegel beherrschen und in Kooperation mit vielerlei Lost Highways umso stärker ausdrücken, was in weiter Ferne alles so nahe liegt. Komischerweise schwingt da ebenso was Versöhnliches mit, letztendlich ist es eben auch Lynchs Anliegen, Traum wie Albtraum der menschlichen Existenz darin abzugleichen, dass es kein Entkommen gibt, wie die Fehlerhaftigkeiten/das Einmischen wiederum freudigste Heimeligkeiten und Shellshocks deluxe draus erschaffen. Solche Zwischentöne der Irritation sind für wahr ein Segen in der Hinhaltetaktik hiesiger Seriendynamik, aber keineswegs bloße Fuck-You-Attitüde gegenüber dem Publikum oder gar eine prätentiöse Leere – dafür fördert Lynch z.B. einfach zu viel Aufregung für eine Lucy, die das Prinzip Handy noch immer nicht versteht, aber wohl gewählte Möbel online bestellt; dafür spielt und trumpft er zu gerne mit den ansteigenden Zufällen der Langeweile auf wie sein großes (in Sachen Dougie doll spürbares) Vorbild Tati; dafür verdichtet er zu geschickt die Erwartung und Furcht vor dem Ungewissen und Unberechenbaren. Sein Fokus auf retardierende Momente offenbart ohnehin Schichten an Einsamkeit, die sich in ihrer Präservation der jeweils eigenen Funktion auszeichnen (siehe Big Ed und seine Tankstelle, Bushnell an der Spitze der Versicherungsfirma mit Poster des Vergangenen im Rücken), im Gegenzug Extreme soziopatischer Eigenbrötlerei in die Welt setzen (z.B. Richard Horne, Sarah Palmer, Dr. Amp).


Kyle MacLachlan gibt sodann stets an erster Stelle jedes Abspanns den präsentesten Mittler jener Pole, wider aller Fan-Fiction in den Gezeiten von Gut und Böse treibend, lethargisch und empathisch zugleich, dann wieder skrupellos und mörderisch auf einer Apokalypse in spe operierend. Wolf im Schafspelz und umgekehrt, so läuft das halt mit Doppelgängern, in ihren Fähigkeiten als Weltenwanderer sowohl unsterblich als auch höchst vergänglich, irgendwie via Schicksal ablaufend und doch stets vom eigenen Willen (oder jenem des Gegenübers?) aufgeweckt. Diese Qualitäten sind dem gesamten Konzept von „Twin Peaks“ inhärent, jenem großen Blick mit der Lupe auf die kuriosesten Spontanitäten im Machtspiel menschlicher Natur. In dieser nun erlebten und wahrscheinlich einmaligen Phase durften Lynch und Frost jedoch am meisten experimentieren bzw. rumsauen, von Zeit und Raum unabhängig in die DNA des universellen Zwiespalts einsteigen, dann aber mindestens genauso verwundert wie der Zuschauer vor dem Spektakel verharren und fragen lassen, was jenseits dessen am Trigger sitzt (was man mit teils kruden Effekten zu fassen versucht und gerade dann umso schicklicher ins Unterbewusstsein buxiert wird). Es bleiben offene Wunden und lichte Mirakel, Anfänge und Enden inklusive bzw. fern der Hoffnung, am laufenden Band der post-industriellen Möbiusschleife zwischen Körper, Geist und Strom. Ich vermisse dieses ‚Serien-Phänomen‘ voll entrücktem Rhythmus jetzt schon mit einem schweren Kloß im Hals - diese Erinnerung an einen versiegenden, tollen Nicht-Sommer, der jeden Montag Kaffee und eine jeweils neue Folge springen ließ. Press replay wäre da eigentlich die einfachste Lösung, aber auch Futter für die Depression. Bipolar, depressiv, up and down and sideways, alles nur ein Traum, bis ins Mark emotionale Tretmine. „Twin Peaks“ weiß eben die Angst vorm Glück und das Glück der Angst zu ballen - ein Unikat der TV-Landschaft, established 1990.




FIRE SYNDROME - Habe dem Tobe zuliebe nochmal reingeschaut, da geb ich dann jetzt auch kurz was durch: Es liegt ja durchweg ein strahlender, fies qualmender bis lodernder Grad an Verstörung in der Luft, der sich wie gehabt bei Hooper auf ein delirierend ausgespieltes Fiebertraumszenario einschneidet. Infernalisch reichhaltige Perspektiven der Paranoia sind da wie eh und je im Strudel narrativer Paniksteigerung vertreten, passend dazu umgibt sich das Ganze mit Irrationalitäten, wirren Charakteristika auf der Flucht, während die Angst vor der Bombe die Angst vor einem selbst wird: Idealbesetzung Brad Dourif! Das vererbte Atom-Trauma vom 06. August 1945 *feiert* da mehrmals seinen Geburtstag, hinterm Geschenkpaket warten der Supergau sowie die Desillusionierung des Lebensgerüsts, wo hingegen schon ganz casual paranormale DJs angerufen werden, der Liebhaber der Ex weiterhin Hausarzt bleibt und einen fortan im Verlauf via radioaktiver Tor-Tour jagt. Das Gift des hier brachial aufgeschwommenen Unterbewusstseins glüht in fiesen Spritzen, aber auch schon im Neon-Licht-Telefon wie ohnehin das Feuer aus Löchern im Arm binnen todschickem Deco-Loft. Wasser und Feuerlöscher drauf peitschen die Sache erst recht an, mit der Wut klatschen die Flammen sodann dauernd an die Scheibe, hinüber in den Frust gegenüber anderen. Was nicht alles los ist bei den lebenden Fackeln inkl. nicht unsatirischem 50's-Flashback - voll urigem Gehalt, dass man endfix aus der Puste kommt und trotzdem verwundert abgewürgt zurückbleibt. Jenes finstere Abenteuer lungert wie so vieles von Hooper noch im unterschätzten Niemandsland, lasst euch dahin also gerne mal rüberhypen!




VALERIAN - DIE STADT DER TAUSEND PLANETEN - Das geht an keinem vorbei, dass hier ein „alter Mann“ (so wie es Jean Reno in Godzilla zu sagen pflegte), eben ein Old-School-Europäer am Werk war und trotzdem hatten es im Publikum so einige nicht gerafft, warum da so viele Franzosen im Abspann standen. Ja gut, mächtig viele Signale des Films arbeiten auf die Post-Avatar-Blockbusternote hin, aber Bessons Action-Ästhetik/Phantastik/Romantik ist nochmal ein anderer Schnack, was den emotionalen Gehalt zwischen Effekt und Kino am Menschen/Alien angeht. Da wirkt „Das Fünfte Element“ allerdings auch trotz 20 Jahren Altersunterschied gar nicht so lange her, wie sich der enthusiastische Schwall desselben Machers an der Melange vollster Stimmungen ergötzt und dennoch dem klassischen Abenteuerfilm folgt - so eigen, dass es Millennials bis in die Knochen irritieren könnte. Als globale Groß-Ko-Produktion (vorerst auch die teuerste aus Europa) dirigiert Besson einen mittelschweren Cineastentraum, bei den Rahmenbedingungen - Comicverfilmung, Star-Wars-Hommage und Culture-Clash-Sentiment in einer Tour -, ergibt die abstrahierte Substanz des Ganzen trotzdem mehr Event, idealerweise einen flotten Spaß für Jung und Alt, maximiert drollig.


Ein Erlebnispark tut sich auf, recht zentral im Narrativ, zugleich der Natur der Attraktion entsprechend mit Stereotypen, verfremdeten Klischees und Ressentiments angereichert, welche in dieser Zukunftsvision von der Erde rübergerettet wurden. Da sieht man exotische Genre-Topoi wieder, die einst bestimmt auch gut mit einer Note Protofaschismus der Vorlage einhergingen - und der olle Luc muss sich dann auch selbst immer wieder ermahnen, da die schiere Autorenfilmer-Lust entgegenzusetzen. In den ersten zwei Dritteln schafft er das mit futuristischen Gadgets, der glückspendenen Neuerfindung der Dimensionen, die sich als „Lucy“-Sequel fein herausputzt. In der Schlussphase spricht er hingegen allzu deutlich, aber gewiss nicht ohne ehrliches Anliegen den europäischen Grundschmerz an, den Holocaust via 6 Millionen ausgelöschter Pearls stellvertretend, gegen das Vergessen. Der friedfertige Exodus, die Vergebung aus tiefster Liebe (wieder die Essenz des Universums) steht in Aussicht, die Demagogen der Regierung und deren Putschroboter auf der Gegenseite. Es endet weniger spektakulär und melodramatisch, als es das US-Genrekino derzeitig lösen würde, das liegt auch am zentralen Pärchen - in der Erscheinung wohl bewusst fast noch Kids, als techtelmechtelnde Haudegen die Galaxie durchkreuzend.


Laureline/Delevingne ist beim femifetischisierenden Besson absehbar aktiver in der defensiven Kloppe zugegen, hilft Dane-in-Distress De Haan/Valerian vergleichsweise öfter aus der Patsche; dieser bleibt dennoch der verschmitzte Sunnyboy, ein Frauenheld ohne die Absicht dessen, wie seine Partnerin auch durchweg irgendwie als Püppie ins Geschehen geschmissen scheint. Die Zwei teilen sich eine schmale Dramaturgie Richtung Ehe (ich meinte das halt nicht zum Scherz mit dem Altmodischen), daneben aber auch eine überbordende Naivität, die selbst eine noch so überflüssige Militärblässe im Sci-Fi-Worldbuilding auszublenden weiß. Beziehungsweise: Als Zuschauer gehen einem solche Phasen von Natur aus eher am Arsch vorbei, solange die den Schub an Unterwegs stören. Besson legt seinen Fokus trotzdem mitnichten auf bloße, entmenschlichte Kinetik an, dafür ist er zu farbenfroh, dem Zauber von Ausstattung und Illusion, Schicht für Schicht verfallen - gerade am Anfang genießt er die impressionistischen Sprünge darin, jenes Mitschwingen zu weit entfernten Welten, was er später sowieso von Cara bis Rihanna körperbetont inszeniert, gefolgt von intersexuellen Transformationen in Körper und Geist, selbst bei den kuriosesten Fabelwesen.


Das Licht- und Laserspektakel wird da auch teilweise extra ulkig, in krassem Slapstick aufgelöst, wie es anno 2017 kaum fremdartiger wirken könnte - die auf Honkpointen zusteuernden Screwball-Zankereien zwischen Frau/Mann sowieso. Trivialer Käse ist in Sichtweite, natürlich umso greller in 3D, aber da auch als Unterhaltung mit offenen Karten spielend - solche, die sich zur Sinnlichkeit des Verwandeln, Verstecken und Aufdecken hin einen Ruck geben, selbst wenn sie manchmal arg plump aus den Wolken fallen. Mit der Atemlosigkeit ist das eben so eine Sache, dass sie selten 2 1/2 Stunden durchhält, Besson schreibt sich da ohnehin einige klaffende Holprigkeiten zurecht, welche die Brücke zwischen Eskapismus und Humanität auf die Schnelle schlagen wollen - letztendlich lässt sich mit seiner Haltung als Künstler eher empathisieren als mit dem Ensemble an sich, aber jene Qualität ist nicht minder schätzenswert. Umso stimmiger versteht er es, einen bauchigen Pathos seinerseits darin zu infusieren, der dem Überangebot an Effektoptionen ebenbürtig Tribut zollt wie der Sehnsucht zur Verbrüderung im Kleinen/Großen, der Unionsutopie demokratischer Konstitution. Zweifellos entsteht indes ein kauziges Taktgefühl, aber der brummige Herzschlag dessen gibt uns diesen Sommer wenigstens noch ein Unikat auf den Weg.




TRANSFORMERS: THE LAST KNIGHT - Die Überforderung des Sommers an sich, von Hitze auf Gewitterkrawall und zurück binnen weniger Minuten umschlagend, war beim Kinobesuch zu Bays Neuestem on- und offscreen so stichfest wie schon lange nicht mehr zu erleben. Dementsprechend fetzte sich dann auch eine Sternstunde abstrakter Filmerzählung zusammen, wenn es knapp 150 Minuten an Zerstörungsstoff eiliger denn je hatten. Profunde dramaturgische Ansätze verebben hier meist im Strom an Aufregung, zwischen den USA, Kuba, dem UK, der Armee und dem All pendelnd - dass extreme Zeitsprünge von 1600 Jahren ebenso angesagt sind, ist dann sogar eher zweitrangig irritierend, da sich innerhalb dieser Szenarien zudem mehrere Tonarten auf einmal ballen. Und dann erwische mal eine Vorführung, welche die IMAX-Fassung voll wechselnder Bildformate zeigt! Beachtlich, dass ein Haudegen wie Cade Yeager da den Überblick behält, während von allen Seiten Scheiße gelabert wird, der von ihm beaufsichtigte Schrottplatz konstant in die Luft fliegt, dass er die Flammen im Wohnwagen noch für ganz niedlich hält – „Synecdoche, New York“ lässt grüßen.


Das bleibt aber auch das einzige Anzeichen an Gewöhnungssache bei Bay - seine visuelle und emotionale Choreographie ist wie auf Schlachtung eingestellt, darin wiederum enorm abenteuerlich im Sinne der Rücksichtslosigkeit einer Menschenzunft, die sich im mehr oder weniger geerdeten Bullshitting trifft. Schlechtes Flirten, schlechte Witze, ganz viel eskalierendes Zanken, tolldreiste Kids und keifende Nerds - nur die explizitesten Dialogzeilen an Etablierung und Was-gerade-geschieht-aber-auch-so-ersichtlich-ist hemmen vielleicht das juckelnde Drauf-Geschissen, wie man es u.a. von einem Klaus Lemke kennt. Wahlberg ist auch so eine Type, ey - und dann folgt ihm Sir Anthony Hopkins inkl. Butlerbot Cogman allzu willig hinterher, Leck-Mich-Attitüden an jeder Ecke (auch gegenüber epischen Filmemachens) hinzupissen, während sich die digitale Gewalt rundherum ohne Jux zum Soziopathen erklärt.


Bei deren Fieber zwischen kindlicher Spektakelgeilheit und industrieller Wut ist der Film mehrmals in Begriff, sich selbst zu zerfasern, dann lässt er sich jedoch immer neue Stilbrüche und Honk-Situationskomiken einfallen, dass jegliche Langeweile ein Unding wird. Keine Zeit, sich zu gewöhnen - und dann hat ein Autobot sogar nen breiten, französischen Akzent! Ein naives Minenfeld jagt das nächste und nicht zu vergessen: Da besteht durchweg Gegendruck vonseiten xenophober Regierungssöldner, später fliegt ein ganzer Planet auf die Erde zu, sowieso hat alles im Ritterorden um König Artus und Saufnase Merlin seinen Ursprung, aus dem der Film sowohl Zweikampf als auch Versöhnung zweier Welten zu schöpfen versucht. Zweiteres lässt sich in der haptischen Belagerung an Bildern etwas schleifen - sobald jedoch Primes Stunde geschlagen hat, wird The Last Knight sogar von einer sehnsüchtigen Tränendrüse in der eigenen Ekstase an durchgeschüttelten Helden ergriffen.


Da kommt Romantik aus dem Bauch gestrahlt, nebenbei und überakzentuiert zugleich im Wirbelwind der Elemente, Metalle und endlosen Rutschen - nach oben/in den Abgrund/zur Patchwork-Familie. Ich kann mich nicht erinnern, ob sich Bay jemals so entschieden vom Zynismus (abgesehen von dem gegenüber neunmalklugen Experten) verabschiedet hat - würde mich nicht wundern, wenn ihm allmählich auch der gegenwärtige Weltschmerz auf den Schultern hockt. Nicht falsch verstehen: Sein intensiver Klimax versteht es auch, die durchweg bestehende Konfusion - sowieso ein Schlagabtausch mit der Finsternis des Mittelalters - per Pathos-Ausrufezeichen zu entspinnen, dass man sich dieses sicherlich auch für die gesamte Laufzeit gewünscht hätte. Berechenbarkeit wird jedoch auf längere Dauer ohnehin der Tod des Kinos, von daher ist die Enthemmung im Chaos beim Last Knight gar nicht mal so verkehrt angesetzt, im Surrealismus umgeschriebener Weltgeschichte ohnehin ein irres Vieh.




WILLKOMMEN BEI ALICE - Fixe Einschätzung für jenen fixen Film: Vom Konzept her die Las-Vegas-Varietäten-Variante von „Synecdoche, New York“ (auch durch Jennifer Jason Leigh verbunden), auf medialen Ausmaßen/Wechselwirksamkeiten der Bipolarität erbaut - teilweise auch ebenbürtig radikal, mit (mitunter mehr) prägnanten Bildern den Konfliktstrudel der Selbstdarstellung verbrühend. Bei der Umsetzung wiederum geht das inhaltliche Gros daran nur im Ansatz auf: Inneres bleibt verplumpt als munter montierte Oberfläche im Auge und gibt größtenteils den zynischen Random-Gag-Spender à la „Haha, Borderliner, guck mal, wie MERKWÜRDIG die sind!“. Passt sich allerdings insofern der Umgebung und der manisch-depressiven Selbstreflexion der Show-im-Film-Prämisse an, kommt aber nie vollständig in die Nähe, irgendeine Perspektive im positiven wie negativen Sinne per Vorführeffekt zu entlarven. Stattdessen kommen der sozial dysfunktionalen Alice nach der turbulent (man kann auch sagen: spekulativ skurril) empfangenen Katharsis des Geldsegens auch noch Vorwürfe entgegen, eben gen dem typischen „I want my friend back“ via Best-Friend Gina, weil der Topos von der Vergänglichkeit des Ruhms ebenso nicht ausbleibt. Das schlägt nur noch mehr das Pendel aus, wie auch die normative Außenwelt auf das Showkonzept des „Welcome to me“ reagiert: Mal als Identifikationskult Marke „Sind wir nicht alle ein bisschen Bluna?“, mal mit kollektivem Entsetzen inkl. Einsatz von „Where is my mind?“ der Pixies. Dafür kann man den Film manchmal ganz schön hassen, aber ihm lässt sich dann auch reichlich zutrauen, selbst wenn es letztendlich aufs quirligste aller Genre-Selbstfindungstrips hinausläuft. Eine Satire des amerikanischen public eye arbeitet innerhalb dessen dennoch eher im Verborgenen, streckt seine Fühler anhand der ständigen Nähe zu Kristen Wiig jedoch noch so weit aus, dass eine wilde und zugleich (zwanghaft) selbst sterilisierende Bestandsaufnahme der USA, dem Geltungsdrang und der externen/internen Perversion dessen über bleibt.




ALIEN: COVENANT - Auch wenn sich Scott der ambivalenten Ehrenrettung vom Gesamteindruck her doch recht generisch und auf Abruf gewidmet hat, voll inszenatorischer Gleichgültigkeit gerade dann an der Immersion und Intimität vorbeidreht, wenn die Retro-Roots abgearbeitet werden müssen: Alle Szenen mit dem perversen Mengelandroiden David sind „Rheingold“ für wahrscheinlich jedes Rabbit-Hole, in das eine Serienmarke von dem Format noch springen kann und gleich so biblisch groß, dass Sir Ridley die Essenz seines „Exodus“ nachzuholen scheint; sowieso sein Publikum damit vor den Kopf stößt, wenn er es sich mal selbst erlaubt. Ein toller morbider Zirkus, der sich da des bloßen Erwartungsmandats eines (insbesondere optisch) blassen Space-Slashers wegen hinten anstellen muss. Immerhin lässt sich dessen Prämisse von der kontemporären Oberfläche her als abschreckende Parabel übers Anpacken gefühlter Wahrheiten (sowohl bei Mensch, als auch Maschine) bis hin in die tiefsten Zweifel christlicher Zweisamkeit lesen. Alle technischen Zeichen des Zeitgeists arbeiten dann aber gegen den Strom eigentlicher Geilheit, wenn sich solch ein Honk-Schnitt mit unfertigen Effekten koppelt, das eigentliche Ballerensemble per Hetzerei abstraft und knüppeldickdoofe Feel-This-Now-Mucke unter allem legt, was man von Katherine Waterstons oder Billy Crudups Spiel auch so ablesen könnte.


Es reicht ja sogar der Ausdruck in deren Einsatzklamotten, welche ich in ihrer praktikablen Drolligkeit so sehr mochte wie die erste Beschnupperung des neuen Planeten. Das Abenteuer daran lässt sich allerdings vom Fan-Service stören, bringt zwar einen schmissigen Eimer Splatstick & raw terror mit, welcher sich zum Ende hin aber ebenso straff absehbar eingearbeitet hatte. Eben ausgerechnet der Mittelteil zieht da am meisten mit und wie soll das gehen, wenn's dem Gros aller Filme selten gelingt? Nun, hier lässt sich eine verkreuzte Schöpfungs-/Holocaust-Geschichte bitten, dass man wieder beim nach allen unmöglichen Ecken greifenden Prometheus-Existentialismus andocken darf, ehe einen die ältesten Spielereien wieder in die Hyperschlafkammer eindrücken. Warum wir nicht sofort zur Feier anhand aller Räudenembryonen Wagner hören sowie beste Kosmetikprodukte à la „Joan Lui“ herstellen können, wird man sich wohl bis zum Fassbender-Hattrick fragen müssen, dann wirds aber auch höchste Zeit!

PS: Vor und nach der Vorstellung kam mein Handy mit dem eigenen Aus-Knopf nicht mehr klar, interpretiert jeden Daumendruck gar nicht, falsch oder erst viel zu spät - des Menschen Schöpfung ist eben niemals fertig, weiß auch Simply Rid'!