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Sonntag, 16. Oktober 2016

Tipps vom 10.10. - 16.10.2016 (Spektakel USA! - Zweiter Teil)

Labello Leser,
wieder mal schreibe ich Euch auf den letzten Drücker von den Ereignissen und Filmen dieser Woche, in welcher nach perplexen TV-Debatten, erhängten Terroristen, furchtbaren Wetterlagen und etlichen parasitären Hashtags erneut die Frage gestellt werden muss: Was soll das eigentlich alles noch bringen? Gut, zum Ende dieses Blogeintrags wird Frank Capra einen Meisterspruch ins Gewissen schießen lassen, den man stets bestätigt sehen kann. Spoiler: „No man is a failure who has friends.“ - und ehrlich gesagt, war Freundschaft auch die Quelle meiner schönsten Erlebnisse in diesen Tagen (siehe u.a. „Der Hund im Film“), obgleich ich nicht mal die nötigen Mittel zusammen gekriegt habe, um es am Wochenende aufs diesjährige Indigo Filmfest zu schaffen. Es gab noch die eine oder andere Enttäuschung mehr (die größte: Tsui Harks „Die letzte Schlacht am Tigerberg“), welche ich hier ausbreiten könnte, aber im Endeffekt sind die privaten Dramen so nichtig, dass ich von Vornherein viel mehr Spaß daran habe, herauszufinden, was eine so massive Angriffsfläche wie Amerika für einen chronisch-eskapistischen Undercut-Träger wie mich so krankhaft und reizvoll macht. Aus diesem Grund habe ich also erneut meine Außenseiterglubscher verstärkt über den Teich hinweg auf Jahrzehnte der Nation im Film gerichtet, auf dass das „Spektakel USA!“ nun knapp einen Monat später eine angemessene Fortsetzung erhält und analysiert, was sich (wenn überhaupt) aus dem wahllosen Potpourri an Eindrücken, auch fürs Leben außerhalb Amerikas, lernen lässt. Meine schriftstellerischen Ambitionen sind aber, wie man sich bei einem wöchentlichen Output wie diesem hier vorstellen kann, nicht immer ein einziger Segen, da ich mich mental irgendwie jedes Mal erst auf Hochtouren bringen muss, um knapp 700 Wörter für einen Film schreiben zu wollen, da ich noch immer von Vornherein stets in frage stelle, ob es überhaupt hinhauen, gar gelesen oder veröffentlicht wird. Aufregung und geistige Schranken sind also Wiederholungstäter, die ich mit Energydrinks, KitKat und „am Samstag werde ich alles aufschreiben“ zu stillen versuche, während man auch noch damit umgehen muss, überhaupt erstmal gute Filme zu erwischen - und wenn man sie erst hat, kriegt man die Panik, ihnen gerecht werden oder zumindest all die cleveren Sachen, die man sich während der Sichtung gesagt hat, in Textform umsetzen zu wollen. Ein Teufelskreis.


In einigen Fällen ist man dann auch ganz froh, wenn ein Film nicht allzu gut ist, um einer genaueren Besprechung unterzogen werden zu können. Sowas wie Steven Spielbergs „Always - Der Feuerengel von Montana“ zum Beispiel ist als himmlische Romanze über die Grenzen der Sterblichkeit hinweg leider nicht so ergiebig, wie man es sich erhofft. Ein kecker Richard Dreyfuss kann sich da irgendwie nie auf Augenhöhe mit dem Zuschauer treffen, obgleich Spielberg trotzdem einen Pathos zwischenmenschlicher Nostalgie an der Sehnsucht zu Holly Hunter stilisieren will, die aber wie alles am Film durch ein arg kalkuliertes bis lebloses Melodram plätschert, welches als „Unglaubliche Geschichten“-Episode schon passives Interesse hervorgerufen hätte, hier jedoch nur im technischen Aufwand die meiste Sorgfalt erhält. Audrey Hepburn als Engel Hap kann jetzt auch nicht soviel reißen. Oder halt Doug Limans „Swingers“, derart geballt als Produkt der Neunziger konzipiert, dass es keinen Hehl aus seinem Good-Fellas/Tarantino-Abklatsch macht, in der persönlichen Reflexion des jungen Jon Favreau als sensibler Typ mit Ex-Freundin-Komplex sodann allzu gerne von der behaupteten Coolness und Abgeklärtheit der Leinwandhelden lebt, bis der Umgang mit Frauen einen genauso ausgedachten Gegenentwurf über die Nachahmung hinweg erfordert, der wiederum alles am idealisierten Abbild der Ära bestätigt und Eigenständigkeiten in gewollt kultigen Dialogen zu entdecken glaubt. Selten wird man einen Film sehen, der jenen Zeitgeist der hängengebliebenen Pubertät sowie seine Lebenserklärungsversuche so kapital trifft, aber auch verinnerlicht und (nicht nur dem Verständnis der Geschlechter wegen) retroaktiv mega ungeil macht - ohnehin bleibt dann die Frage, ob Favreaus unpersönliche Filme vielleicht seine einzig Guten sind. Ich schaudere schon vor „Made“. Wie dem auch sei, ist eine Ära nicht durch einen einzigen Film kaputt zu machen, weshalb das Spektakel USA sodann zu folgenden Werken einlädt, an denen ich meine behaupteten Lebenserklärungsversuche abarbeiten kann - wie eh und je voller Fremdwörter und Schachtelsätze, gelobt sei das Bloggen!




Todd Haynes war mit „Safe“ um 1995 herum vielleicht einer der ersten wenigen Regisseure, die einen haarscharfen Revisionismus an den Achtzigern ausgeübt hatten. Denkt man an jene Ära zwischen Reagan und Bush Sr. zurück, fällt einem höchstens verstärkt der satirische Ansatz ein, mit dem die kulturelle Selbstreflexion sich selbst in medialer Form zu sezieren pflegte (siehe nächsten Film). Haynes bietet sich zwar ebenso zur bitteren Ironie an, als könne man ihn beinahe mit Todd Solondz verwechseln (ist mir schon einige Male passiert), doch der psychologische Horror, den er am Abbild jenes kontemporären Amerikas zeichnet, ist nochmal eine andere Liga. Das San Fernando Valley (bewusst in der Spätphase um 1987 eingefangen) ergibt sich insofern als Schauplatz fingierter Zufriedenheit und erkälteter Sozialmodelle, im Korsett stylischer Architektur und ebenso hipper Tagesabläufe von Aerobics bis hin zum Dinner mit angeblichen Freunden geglättet, welche von Kopf bis Fuß die Oberflächlichkeit feiern, gleichsam gute Ratschläge zur Problembehandlung geben können, die im forciert-optimistischen Aufwärtsschwung der Reaganomics keine Zeit haben für Details oder gar Neuigkeiten außerhalb aller aufgesetzter Ideale. Julianne Moore als eine Carol von mindestens zwei in Haynes' Filmographie droht darin zu ersticken, als Hausfrau dem Wahnsinn zu verfallen, obgleich die Gründe dafür eher vage gehalten werden, sicherlich an der Gesamtheit des Zeitgeists kranken sowie von einer permanenten Vernachlässigung gekennzeichnet sind, die schon von Ehemann Greg (Xander Berkeley) sowie Stiefsohn Rory ausgeht und auch nie im für gewöhnliche Filme typischen Charakterwandel zur Läuterung bewogen wird.


Das Prozedere geht hier ohnehin keinen festgelegten Weg ein, so wie man aus den ersten Deutungen Richtung Melodram à la „Opfergang“ glaubt, einem Aufbau an individuellen Charakterstärken beizuwohnen, ehe Haynes seine Carol im Wendekreis der Selbstlüge zur Verwahrlosung durch New-Age-Quacksalber anleitet. Das ist kein leichtes Risiko, so wie jene Frau von Anfang an mehr wie ein Prototyp der Naivität und Unschuld scheint, ihrer Selbstzerstörung unbewusst durchs System gereicht und somit auch funktionell für Haynes' Interpretation der 80er wird. Die effektive Musikgestaltung, wie in zeitgenössischen Hongkong-Horrorfilmen mit Brian Eno ausgestattet, weist da ebenso von außen den Weg innerer Tragik, welche omnipräsent um den gesellschaftlichen Schein des Seins wabert, auf dass mehrere Hüllen der Wahrnehmung hier ihr Spiel mit dem Zuschauer treiben und sich kritisch begegnen. Jene entschiedene Subjektivität gleicht sich aber noch insofern mit Carols eigenem Wesen ab, wenn der Smog der Stadt so eindrücklich auf sie abfärbt, dass ihre kontinuierlich ansteigende Krankheit eben durchaus von dort rühren könnte, auch wenn es sich rational gesehen des Öfteren widerspricht. Psychotherapeuten und Toxikologen wissen ebenso keine klare Diagnose zu stellen, also ist der nächste Schritt bei einer so losen Definition wie jene zu Carols MCS/Twentieth-Century-Disease eben unqualifiziert und hoffnungserweckend zugleich, wie garantiert schnell das Selfhelp-Prinzip in geradezu kultischen Gruppensitzungen die Heilung verspricht. Nicht, dass der Grad der Verzweiflung da abbrechen würde, wenn die Berührung mit alltäglichen Gegenständen, Produkten und sogar Menschen zum No-Go wird, die Angst als ständiger Begleiter auf die Lippe beißen lässt, sprich eine einfache Frau manipuliert, die im Angesicht horrender Nachrichten um Immunschwächen und Co. auf wenigstens eine Anlaufstelle des Vertrauens treffen möchte.


Der Paranoia im Geiste spürt Haynes schon binnen der kahlen Kulissen des Wohlstands nach, wo die Farbe eines Sofas schon profunden Stress mit sich bringt und die hypnotisch körnenden Wellen des Fernsehens wie die Ruhe im Gift schlechthin wirken. Die körperliche Unberechenbarkeit, die Carol erreicht, geht ebenso ins Mark, wenn der Kontrast der erzweißen Dauerwellen-Gefälligkeit in behaupteter Empathie versammelt drum herum steht. Der Dauerzustand des Zynismus kommt mit der Realität eben kaum klar, was sich auch beim Personal der Wrenwood-Klinik zeigt, das seine Patienten pseudo-experimentell formt und Individuen mit Floskeln abspeist, während das Leiden zum Geschwür manifestiert, das Beharren auf Safe Places einen Teufelskreis der Abschottung schafft, in dem der Tod beinahe schon eine Chance für den nächsten Zerfall ergibt. Zeitgleich mit dem mentalen Bruch in jenen Verhältnissen erfährt Carol jedoch auch genuine Nettigkeiten im Kreise der Selbstgeißelnden, mehr noch als in der eigenen Familie, innerhalb derer Gatte Greg eher hilflos als wirklich antagonistisch zumindest um eine Umarmung fragt. Gegen Ende hin sind die Fronten sogar zugänglicher als zuvor zueinander, wie ein Vorzeichen für die 90er Jahre weiter zur Menschlichkeit schreitend und doch nicht ganz an der Wahrheit dran, wenn die Außenwelt dafür zudem komplett abhanden kommt. Sicherheit als illusorischer, temporärer Begriff selbsterfüllender Prophezeiungen - zu der Komplexität hat Haynes eventuell dann eben auch keine stimmige Aufklärung parat, so wie er zunächst noch den Grundton des Desolaten stilisiert, im Verlauf jedoch vom Entschiedenen abweicht und trotz seiner grausamen Pointen der Entmenschlichung selber schon im eigenen Film verloren/draußen wirkt, Carol ebenso wie ein Opfer ihrer selbst stehen lässt. Harter Stoff! Die Übernahme des Narrativs sowie seiner Implikationen passiert wohl an allen Ecken und Enden, deshalb wirkt auch der Abspann wie ein letzter Blick durch den Spalt finsterer Mauern, aus sicherer Distanz im Schrecken des vergegenwärtigt-vergangenen Daseins zurückgelassen.




Daraufhin wieder direkt in die Achtziger zurückzublicken, könnte in manchen Fällen kontraproduktiv wirken, doch bezüglich Danny De Vitos „Der Rosenkrieg“ wäre ein Hinauszögern schon mal ein Riesenfehler - ganz so wie eine Ehe. Mit kräftigem Biss kaut sich die Satire nämlich durch alle Lagen einer Scheidung, bis der Tod ins Eigenheim fährt, vorher aber lässt es der Film nicht aus, wenigstens die genuine Grundlage für eine stattgefundene Liebe binnen Multiorgasmen bewusst zu machen. De Vito tritt dafür sogar in zweifacher Form als Erzähler auf, ist er doch neben seiner regieführenden Funktion als Sleaze-Anwalt und messerscharfer Mittler Gavin D'Amato vertreten, der seinem neuesten Klienten die Geschichte der Roses, sprich Oliver (Michael Douglas) und Barbara (Kathleen Turner), rekonstruiert. Solch eine Perspektive darf sich stilistisch in den Kosmos katapultieren und hebt durchaus mehrmals vom Erdboden ab, voll mit groß aufgespannten Studiokulissen, krassen Perspektiven und Rückprojektionen zur Repräsentation der überlebensgroßen Ambitionen im Wohlstandsamerika innerer Spaltung, das sich eine pompöse Vasenanbaureihe nach der anderen leistet. Eine richtig schöne Stilübung per Split Focus Diopter (der deutsche Begriff ist mir entfallen, sorry, bros) verknüpft sich zudem mit den Grundpfeilern charakterlichen Bezugs, wenn beide Parteien ebenbürtig scharf im Bild bleiben, die jeweiligen Positionen auch narrativ dem Schlagabtausch harren, sprich dass die Dimensionen an Persönlichkeit, Wunschdenken und Enttäuschung stets greifbare Rahmen erhalten. Dass sich unser Paar aber beim gegenseitigen Aufbieten innerhalb einer Auktion kennenlernt, sollte schon Auskunft darüber geben, um was sich in Zukunft noch gestritten wird, wenn das kapitalistische Konsumgewissen in vollen Zügen zuschlägt, mit Stufen des Glücks süchtig macht, wie Hund und Katz entzweit.


Jenes Verhältnis ist dann auch der Antrieb für einen treffsicheren Strom der Beobachtung, in dem die Eskalation des Zynismus für abnormal viele garstige Pointen sorgt, von jeder Seite der Ehe einen Umgangston aus der Hölle der Zweisamkeit schöpft, ohne das Menschliche an ihnen aus den Augen zu verlieren (etwas, was das französische Quasi-Remake „Mama gegen Papa - Wer hier verliert, gewinnt“ gar nicht erst versuchte). Inwiefern sich da die Sympathien des Zuschauers immer wieder untereinander verschieben, wird aber auch kein absehbares Unterfangen - obgleich sich die Handlung vom Ursprung her eher auf Barbaras Seite schlägt, ihre Sehnsucht zur Eigenständigkeit empathisiert und Oliver eher als rücksichtslosen Trottel des narzisstischen Zeitgeists zeichnet, sind deren beiderlei Ansätze zum Umgang mit der Scheidung in etwa Zerfleischungsakte mit Zyankali (oder Haustier) zum Nachtisch. Wer das Haus und dessen Mammutsmemoriblia bekommt, wird sodann der größte Streitpunkt eines kontinuierlichen Zerfalls, bei dem das Prinzip familiarity breeds contempt schon seinen stimmigen Anteil des puren Hasses liefert, beim Herzinfarkt des Gegenübers Endorphine ausstoßen lässt, im Gegenzug nachvollziehbar verletzt, ehe der Kampf um das Selbstverständnis der Egos alle Körper brachial durch die Gegend schmeißt. De Vito ist diese Aufregung Gold wert, Höhen und Tiefen der menschlichen Spezies in der Selbstreflexion zum Heidenspaß zu gestalten, welcher Idiotie und Sadismus gleichermaßen vereint sowie auf jedermanns demütigende Ader umgemünzt werden kann, wenn Güter und sozialer Status die Gefühle bestimmen, bis diese mit Schmackes in der Fresse landen. Oliver hat halt nach Schlägen verlangt, weil's männlich ist.


Die inszenatorische Dynamik steigt dafür nach dem Formate Beelzebubs ins Geschehen ein, involviert im Überschwang bestialischer Dualität mit oscarreifen Sounds und brutalisiert-schlichten Eindrücken, die auf Fische pissen, Jeeps aufs Oldsmobile einrasten lassen, Katzen überfahren, inzestuöse Küsse suggerieren, Weihnachtsbäume abfackeln, Füße in verschiedenen Tempi zur Leistengegend beordern und Kronleuchter zu Boden zwingen, wobei die lakonische Qualität in Dialog und visueller Abgeklärtheit als Kontrast umso brülllauniger heraussticht. Die blutgeile Entlastung in der Katharsis für den Zuschauer ist da selbst bis zum Schluss der Rahmenhandlung gegeben, dass man der Schnee herbeizaubernden Moral der Geschicht' zweifellos abnimmt, sich selbst nicht allzu ernst nehmen zu wollen - die eigentliche Nähe zum Prozess des Abschlachtens aus vergangener Liebe jedoch, so unbemerkt und überspitzt sie auch erscheinen möge, macht erst die saftige Blutwurst des Films aus, so intensiv er an der Bosheit in der Bindung bohrt und die Ironie der gesamtmenschlichen Zuneigung binnen der Abhängigkeit von Monetenmengen offenbart. Dass das Bekenntnis zum menschlichen Abfallhaufen eben nicht ausschließlich einen Hort des stillen Leidens abgeben muss, spannend daherkommt und turbulent um die eigene Existenz wetzt, bekräftigt zudem eine Euphorie zur menschlichen Existenz, die De Vito als Regisseur komischerweise selten angerechnet wird, obwohl sein „Rosenkrieg“ durchaus einen Bekanntheitsgrad, jedoch keinen wirklichen Evergreen-Status errungen hat. Wahrscheinlich war das Wiedererkennen finsterer Krätze manchen Zuschauern dann doch zu viel fürs Ideal im Strudel der Achtziger - umso inniger lässt sich die Selbsterkenntnis knapp 30 Jahre später empfangen, wie stark und gemeinsam am gegenseitigen Abtreten gearbeitet werden kann.




Wir verbleiben sodann weiterhin in Amerika, um einen weiteren unterschätzten Vertreter seiner entsprechenden Ära zu würdigen. Als Teil einer Trilogie an Filmen ist „Jackass: Nummer Zwei“ vielleicht sogar die Spitze des Eisbergs für jenen Widerspruch binnen der USA, selbst im omnipräsenten Zwang der Autoritäten krass grelle Anarchie leben zu können. Vieles kommt dabei in Jeff Tremaines Ballung an Daredevil-Persönlichkeiten zusammen, was die mediale Unsterblichkeit von Humor und Eigensinn angeht, während zeitgleich unter George W. Bush Krieg, Korruption, Angst vor Terror und Armut fruchteten: Basierend auf der MTV-Sendung ab 2000 macht es sich der Freundeskreis um Johnny Knoxville, Steve-O, Bam Margera und Co. zur Aufgabe, beknackte Stunts und teilweise vollgekackte Streiche auszuführen, die Richtung Gross-Out und Co. einen weiten Bogen ums körperliche Wohl machen, darin beinhart die gegenseitige Belustigung finden, wenn untereinander zu Mutproben motiviert wird, die durchweg mit cartoonesken Umrahmungen und Verkleidungen zur Pointe bewusster Hohlbirnen aufrufen. Manche darin gesetzten Kontraste sind schon so steinalt und effektiv wie alle noch vor dem 20. Jahrhundert in Steinplatten geritzten Grundlagen der Komödie, hier auf Bollwerke zelebrierter Selbstzerstörung fixiert, wie sie die Looney Tunes oder Tom und Jerry per Zeichentrick anboten, nun per Räudenfaktor eine erneut arg konservative Gesellschaft be-/unterwanderten, die davon nicht genug kriegen konnte. Insofern bildet sich hier repräsentativ auch das Bindeglied zwischen dem Phänomen der Reality-TV-Schwanzlurche und der kommenden Generation an Internet-Pansen, deren virale Clips nicht allzu fern von Jackass' Vignettenstruktur, somit eben auch vom Kurzfilmschub der einstigen Kinocartoons aus agieren.


Da passt es nur zu gut ins Bild, dass „Jackass: Nummer Zwei“ - für viele (nicht nur besorgte Bürger) schon eine Unmöglichkeit, dass jenes Konzept eine Fortsetzung produzieren konnte - sowie Youtube beidesamt 2006 auftraten, jemand wie Steve-O inzwischen zehn Jahre später als Gast bei einem Let's-Play-Kanal wie Game Grumps auftaucht und Schockcomedy-Kanäle wie FilthyFrank oder Maxmoefoe alle Grenzen dieses Undings „Guter Geschmack“ sprengen, Millionen Abonnenten horten. Abseits vom offensichtlichen Erbe des Nachäffens ist der Film an sich noch immer ein geladenes Bündel an genitalen Einfällen und abartig witzigen Grausamkeiten, das schon in der Eingangssequenz mit brutaler Wucht aufs Zwerchfell einschlägt, die Unberechenbarkeit wilder Tiere im Gesamtkonzept vorweg greift und bezeichnenderweise eine Vorstadtkulisse dafür verwüstet, in die sich unsere Heini-Helden des Sadomasochismus auf der Flucht vor wilden Bullen verirren. Im Folgenden ist sodann auch alles zum Abschuss freigegeben, um die Selbstverwirklichung der amerikanischen Freiheit/Saftsackqualität voranzutreiben: Arschlöcher zum Bierschlucken, die Haustreppe als Schlittenhügel, Türklingeln als Köder für Schläge mit hydraulischen Schaumfäusten, Pferdesperma als Getränk und Pferdescheiße als Zwischenmahlzeit, Angelhaken als Wangenpiercing, Blutegel für die Augapfelbehandlung, etc., etc., die Liste geht bis zu 90 Minuten Länge weiter. Darin enthalten sind aber auch grandiose Installationen des Todesmuts à la Evel Knievel, wie die Wippschaukel im Stierrodeo, Loopings fürs Mini-Moped und Abschussrampen für Rollstühle mit Raketenantrieb. Für Inklusion ist also durchaus gesorgt - musikalisch auch Slayer, Turbonegro, Elvis, Morricone, Strauss und Karon O vereint -, wie zudem die Schattenseiten Amerikas einen schnittigen Auftritt hinlegen, wenn ansonsten für Demonstranten gedachte Massenabschreckungsanlagen mit Gummigeschossen an den Protagonisten ausprobiert werden. Der Höhepunkt ergibt sich in der Veräppelung der Terrorgänsehäute, wenn Danger Ehren als fingierter Al-Quaida-Araber einem Taxifahrer Angst machen soll, dieser aber als Eingeweihter zurückschlägt, den Stereotyp am Schauspiel runterputzt und alles noch dadurch getoppt wird, dass der falsche Bart aus den Sackhaaren der Crew besteht. 


Pranking the prank passiert hier ohnehin mehrmals auf Kosten potenzieller Eitelkeit (vor allem beim verkappten Emo-Tool Margera), so kichernd entgegengenommen wie das gegenseitige Bewerfen mit Medizinbällen im Dunkeln, eben dem Showfaktor der latent-homoerotischen Buddies wegen, die beinahe ständig Matrosenmützen als Topoi des glucksenden Dumpfbackentums auf die Murmel platzieren. Das nennt man Hingabe, welche sich gleichsam nicht vor nackten Tatsachen scheut, stets auch am Schamgefühl fingert, wenn im Bad-Grandpa-und-Grandma-Kostüm schlapprige Brüste und Hodensäcke aus Versehen an die frische Luft geraten, fassungslose Reaktionen aus allen Gesellschaftsgruppen eingefangen werden, während „Fuck the pain away“ von Peaches auf der Tonspur bratzt. Wundert es da noch, wenn John Waters auftaucht und Wee Man per Zauberstab verschwinden lässt? Dass Johnny Knoxville T-Shirts mit dieser Katzen würgenden Schweinebacke Woody Woodpecker als Motiv vorführt? Oder dass die große Musicalnummer zum Schluss („The Best of Times“ aus „Ein Käfig voller Narren“) einen Technicolor-Querschnitt vom Showbiz zum kleinen Mann hinüber zur Ära des Westerns macht, bis Knoxville Buster Keaton hommagiert und wie seine Zeitgenossen von einem Seil über die Bühne geschossen wird? Alle Hände greifen hier eben in die Bärenfalle, lachen, schreien, furzen und feiern dem Schmerz entgegen - der Kurzweil regiert unter sich selbstverstümmelnden Kerlen, welche ihre Maskulinität ad absurdum ins Vollhonkterritorium treiben und als Fortsetzung ihrer selbst sowie der gesamten Humorevolution Amerikas stehen, auch wenn sie selber passiv proklamieren: „Fuck art, let's dance!“ Ist eben alles an ihnen selbstverständlich wie subversiv im Lifestyle verankert binnen der patriotisch-prolligen Counter-Culture-Stuntmen-Posse, die querbeet schwachmatisch um den Globus turnt oder zuhause im Sturz von antiken Fährrädern verreckt.




Weiter und wahrscheinlich als letzte Instanz seiner selbst fährt das aktuellste Sujet dieser Woche auf, da „Phantasm: Ravager“ eben als fünfter „Phantasm“-Teil den Abgesang auf Don Coscarellis Horror-Saga darstellen soll. Kollege Daniel Hartman führt zwar Regie, doch das Abenteuer fusioniert vielerlei Faktoren der Reihe zu einem mehr oder weniger stimmigen Ganzen zusammen, das einerseits unter den Markenzeichen des digitalen Low-Budget-Horrors dieser Tage leidet und mit schlapper Kameraleistung übergroße Visionen via After Effects versucht, in der Erdung der Mittel andererseits aber näher am Herzstück des Erstlings liegt, als es alle Fortsetzungen bisher schafften. Der eigensinnigste Umstand aus diesen aber, nämlich dass „Das Böse“ im Verlauf der Jahre zu einem Star-Vehikel für Reggie Bannister umgebaut wurde, bleibt auch hier bestehen. Dass jener Herr im Angesicht seiner potenziellen neuen Flamme Dawn auch betont, wie „epic“ seine Geschichte bis dahin geraten sei, birgt genauso viel Widersinn im Vergleich zum Ursprung, nach dessen hauptsächlich emotionaler Veräußerung eines jugendlichen Traumas weit mehr Augenmerk auf den Mythos um den Tall Man und Co. gelegt wurde. Mit solch einem Fan Service legt der neue Film ebenso zum Startschuss an, lässt vorangegangene Ereignisse unter dem neuen Arrangement des Titelthemas Revue passieren, wobei Reggie in karger Wüstenlandschaft den Voiceover gibt und alsbald von seiner eigenen Coolness sowie fliegenden Silberkugeln eingeholt wird, nachdem er seine alte Karre von einem nerdigen Dieb zurückentwendet hat.


Jene narrative Plattform wird aber jäh unterbrochen und sieht Reggie als greisen Pflegefall im Altenheim wieder, obgleich er sich durchaus fehl am Platze und mit den Erinnerungen eben noch im vorherigen Szenario glaubt. Fortan spielt der Film also mit mehreren Realitätsebenen, durch die sich Reggie durchzukämpfen versucht und daran verzweifelt, ob er nun den Tricks des Tall Man (Angus Scrimm, leider in seiner letzten Rolle) untertan ist oder nicht. Die metaphysische Parade erlaubt sich im kostengünstigen Rahmen auch einige falsche Fährten sowie manch behäbige Neustarts, wenn unser Protagonist durchweg sein Bewusstsein - zu welcher Dimension auch immer - hinterfragt, was dennoch spannender zu entschlüsseln ist als der erhöhte Gore-Anteil, der mehr und mehr Blut aus der Zackenkugel sprudeln sowie Zwerge angreifen lässt, um Horrorbauern ihre Schauwerte inklusive CGI-Nachhilfe zu liefern. Einige effektive Jumpscares tummeln sich ebenso darunter, gekoppelt mit Retroflashbacks wie man sie in der Menge höchstens aus Teil 4 kannte. Am allerliebsten zeigt sich der Film anhand seines Reggies jedoch wieder von dessen unbeholfen charmanter Seite, wenn es um das weibliche Geschlecht geht. Mal mit kecken Gentleman-Gesten aufwartend, mal zu dusselig mit der Tür ins Haus fallend und im hohen Alter noch auf Anfang Dreißig aus, ist er durchaus eine Spur sympathischer unterwegs als die neue Womanizer-Tour von Ash in „Ash vs Evil Dead“ und greift dafür sogar ein paar Mal zur Gitarre, um beseelt schmalzige Songs fürs eventuelle Techtelmechtel zu stammeln. Kurz darauf packt er dann aber auch Samurai-Schwerter, Kettensägen und Knarren in seinen Wandersack ein, um den bösen Kugeln besonders überbordernd einzuheizen, was sich anhand des Production Value eben nie so richtig dynamisch herauspellen kann, aber durchaus an die Jungskino-Ader des Erstlings und parallel dazu an bekannte Ortschaften zurückführt, die alle paar Minuten jedoch ebenso von Greenscreen-Lösungen verebbt werden.


Der Film entspricht qualitativ eben dem Hin und Her eines Klassentreffens, wenn er es sich offensichtlich auch teilweise zu einfach macht und oftmals anhand von Dialogen etabliert, aber dann noch einen drauf setzt, wenn er zur Postapokalypse übergeht, wie es sich Roger Avary einst für Teil Vier vorstellte. Vieles spielt sich dabei in zumindest ordentlich ausgeleuchteten Korridoren ab und bemüht sich um Action auf suggestiv globaler Ebene, doch dankenswerterweise bleiben diese Eindrücke minimalistisch ausformuliert, während Reggie weiterhin in der mentalen Krisis pendelt sowie einige Figuren von früher überraschenderweise ebenso ihre Aufwartung machen. Es sind gewiss recht einfache dramaturgische Strukturen, die alles etwas uninspiriert zusammenführen, doch im Großen und Ganzen sind die bizarren Zutaten der Reihe trotzdem stets so eigen an Ort und Stelle, dass man den Film mit wirklich keinem anderen Genrebeispiel dieser Tage verwechseln könnte. Der grundnaive sowie aufrichtige Hang zu den Hauptcharakteren ist ohnehin über knapp 40 Jahre hinweg eine Konstante geblieben, die aus dem Homemade-Faktor noch ein dickes Herzstück des Persönlichen an die Oberfläche dringen lässt und mir in der Endphase - zum ersten Mal seit Teil Eins - sogar einige Tränchen abringen konnte. Da ist nicht mal ausschließlich Nostalgie im Spiel, sondern noch andere essenzielle Werte wie Freundschaft und Mitgefühl, von denen man ja so oft hört und welche in diesem Film ganz klar aufeinander aufgebaut sind, auch wenn die narrativen Sprünge zunächst einen anderen Eindruck hinterlassen, trotzdem nicht ganz so clever sind, wie sie zu sein glauben. Da ist er wieder, der Frust am Film, der nicht mal unter den noch so unwahrscheinlichsten Umständen etwas Ganzes hätte werden können und doch mehr als etwas Halbes ist. Auf jeden Fall verbleibt er über der Standardambition „Von Fans für Fans“.




Liberty Films - so lautete der profund-amerikanische Name von Frank Capras Produktionsfirma, die abseits des regulären Studiowesens ebenso ganz eigene Projekte, auch auf selbstständigem Vertriebsweg, zu stemmen versuchte. Wie so oft in der Filmgeschichte (siehe American Zoetrope oder gar United Artists) war der Misserfolg dessen wie prädestiniert und beinahe wie ein Omen mit dem Narrativ des ersten Outputs jener Firma, „Ist das Leben nicht schön?“, verbandelt. Dort ist George Bailey (James Stewart) ausgerechnet zu Weihnachten dem Selbstmord nahe, da seinem Familiengeschäft binnen der Bailey-Bonds-Bank der Konkurs sowie rechtliche Folgen drohen, weshalb sein Schutzengel aus den Weiten des Weltalls, Clarence (Henry Travers), die Geschichte seines Lebens erzählt bekommt, ehe er zur Rettung schreiten kann. Fortan erleben wir als Zuschauer ebenso den Werdegang des mittelamerikanischen Stehaufmännchens, welches heutzutage wohl als Gutmensch bezeichnet werden würde, so wie er von Anfang an ohne Wenn und Aber auf seine Mitmenschen achtet und dafür so einiges opfern muss: Sein Gehör auf dem linken Ohr; seine Möglichkeit, aufs College oder gar ins Ausland zu reisen; später sogar eine angemessene Hochzeitsreise. Er lässt sich jedoch nicht unterkriegen, so sehr der raffgierige Mr. Potter (Lionel Barrymore) auch die Macht über die Kleinstadt Bedford Falls zu erhaschen versucht und ihm folglich durchweg das Leben schwer macht, während er nebenbei vielerlei Freundschaften schließt und sogar nach reichlich Zweifeln der Entsagung mit der ganz und gar reizenden Mary Hatch (Donna Reed) zusammenkommt. Selbst familiäre Schicksalsschläge kriegt er angemessen auf die Reihe so wie er auch die Ideale gutgläubiger und ehrlicher Menschen im Auge des Kapitalismus verteidigt, weil es ihm eben nicht egal ist, dafür jedoch in die Fußstapfen seines Vaters treten muss, obgleich er mit seinem Leben noch so viel anderes vorhatte.


So keck und sozial Bailey seine Situationen auch stets aufzunehmen versucht; ausgelassenes Tanzen, Feiern und Flirten nicht ausbleiben: Der Würgegriff des Geldes umweht beinahe jede Phase des Films und wird selbst bis zum Schluss nicht aufgelöst, selbst wenn sich das menschliche Miteinander für bestimmte Zeit aus der Patsche helfen kann, mit was für einer Gesellschaftsform es sich eben arrangiert hat und doch von Capra im Subtext kontinuierlicher Krisen auf konzentriertem Raum hinterfragt wird. Das ist aber auch einer von vielen Aspekten, die in seiner phantastischen Ballung jener amerikanischen Werte Platz nehmen, welche jene Nation trotz nachgeholten Klassikerstatus des Films via endloser TV-Ausstrahlungen seitdem größtenteils vergessen zu haben scheint. Wie zuckersüß und temporeich die Güte hier für selbstverständlich gehalten, Armen und Immigranten jenseits des Profits ausgeholfen wird und der Einsatz eines Mannes soviel Gutes bewegen kann, hat natürlich etwas Märchenhaftes und wird insofern dadurch verstärkt, dass Capra volle Gestaltungskontrolle über seine Kulissen hatte und praktizierte (siehe die Parallelen zu Coppolas „One from the heart“ oder eben „Der Rosenkrieg“) sowie ohnehin ein Abbild an Generationen und Jahrzehnten im Laufe der Zeit zu 130 Minuten Länge darzustellen vermochte. Selbst der Kunstschnee im Film musste für eben diesen erst neu erfunden werden. Ferner noch schlägt er die Brücke zwischen Charles Dickens, „Twilight Zone“ und „Zurück in die Zukunft“, wenn er Bailey dem Muster-Antagonisten Potter wegen so weit an die Grenzen der Geldnot bringt, dass dieser sich wünscht, niemals geboren zu sein, was ihm Clarence als so eindringliche Vision der Verwahrlosung darbietet, dass er umso glücklicher in die Realität zurück will. Mal abgesehen davon, dass zum Schluss beinahe jeder Begegnung mit einer Änderung forciert gewitzelt werden muss - als ob man den Zuschauer nicht zu sehr belasten möchte - und der Wandel von Bedford Falls zum Nachtclubmekka Pottersville eher spießige Urängste anspricht, kommt die letztendliche Katharsis jedenfalls nicht von ungefähr auch im Zuschauer an.


Dem gehen nämlich einige außerordentlich kraftvolle Szenen der Selbstlosigkeit voraus, wie zum Beispiel Baileys Initiative in der Kindheit, als er dem alten Mr. Gower (H.B. Warner) vor einem gravierenden Fehler bewahrt sowie am Tod dessen Sohnes Anteil nimmt. Oder die mit Abstand stärkste Standhaftigkeit in der Verzweiflung, als er seinen Mitbürgern und eben Kunden binnen der Bankkrise sein eigenes Geld bzw. Glück leiht, anstatt dass allesamt zu Potter wechseln und von diesem abhängig werden. Jene Impulse des Gerechtigkeitsgefühls sind durchaus publikumstauglich getrimmt und vom Spannungsbogen her wie aus einem Melodram jener Ära übernommen, doch an wahrhaftigen Emotionen mangelt es Capras semi-magischen Realismus im Endeffekt kaum, da es ja schon in sich schlüssig bleibt, kohärent und konsequent an den Gezeiten menschlicher Sehnsüchte wie Entbehrungen operiert und durchaus nicht jedes Szenario (zu welchem Grad auch immer) für die Leinwand verkitscht, wenn man die Handhabe denn überhaupt so benennen mag. Wie brutal dann auch Baileys Wutausbruch rührt, wenn die Kacke am Dampfen ist, jede Nettigkeit untereinander vergänglich wird und er selbst im heimeligen Kreise den Frust ins Haus schleppt, welcher sich weitere Schranken baut, bis er komplett vom Glauben abfällt und jede noch so kleine Spur vorherigen Screwballs in Tränen ausbricht: Das ist selbst unter Einberechnung aller filmischer Konstruktion ein beklemmendes Schauspiel, wie Mensch sich eben des Öfteren in solche Lagen der Ratlosigkeit hineinlebt und glaubt, alleine zu sein. Dass Capra die Art Menschenkenntnis auf eine spirituelle (nicht rein religiöse) Fantasie treffen lässt, kristallisiert den echten Horror, den totalen Albtraum unter der Oberfläche für den bewussten Zuschauer irgendwie erst recht heraus (Bailey ist laut Versicherungspoliz tot mehr wert als lebendig), wie er auch die Gegenthese der existenziellen Pein im Finale so stark auf den Punkt bringt, dass man dem Wahr-Werden dessen nach sehnt UND den Sinn des Lebens entschlüsselt glaubt - ungefähr äquivalent zu „WarGames“. Auch wenn man danach sentimental geschimpft werden dürfte, wird man es jedenfalls schwer haben, Capras Umgang mit der Tristesse als behauptet zu bezeichnen, wenn man nur ein Fünkchen vom Optimismus und Widerstandsbewusstsein der „Liberty Films“ an sich wiedererkennen kann.

Sonntag, 2. Oktober 2016

Tipps vom 26.09. - 02.10.2016

Liebe Leserüben,
diese Woche übe ich mich wieder in der Art Vorsorge, deren Ausgang man sich auch von der Rente erhoffen möchte, wenn diese denn mal nicht kontinuierlich auf höhere Altersgrenzen sowie sinkende Prozente gepusht würde. Old Man Witte weiß, wovon er spricht, so wie er schon knapp vier Jahre lang in diesem Ausgabenformat die Rädchen dreht, deshalb werden jene Zeilen hier schon zur Mitte der Woche geschrieben, um hoffentlich eine Fülle an bewundernswerten Texten bzw. Filmempfehlungen anbieten zu können - und das, obwohl ich nicht mal an arg lästige Werbeträger gebunden bin, die mich bezahlen würden! Der einfache Grund für diese Maßnahme rührt daher, dass das Filmfest Hamburg begonnen hat und ich als Euer werter Schreiberling die Tage über verstärkt vor Leinwänden sitzen oder vor diesen auch mal ausschlafen werde. Sollten die Ansprüche regulärer Berichterstattung an hiesiger Stelle dieses und nächstes Mal also nicht erfüllt sein, bitte ich dies zu entschuldigen. Als Ausgleich dazu legen wir zumindest noch einige extern via Cereality.net veröffentlichte Artikel oben drauf, zu deren beinhalteten Filmen auch einige gehören, die auf dem Festival laufen. An oberster Stelle gibt es daher schon mal folgendes Highlight hiesiger Saison zu bewundern, ehe der weitere Ertrag der Woche zu Felde rückt:




DIE HÄNDE MEINER MUTTER - "[...] Die Zeilen zwischen den potenziellen Urteilen sind dann aber erst recht Anlass für Eichinger, die Ambivalenzen im Selbstverständnis und Bruch des elterlichen Vertrauens zu untersuchen, Traumata offen zu rekreieren, ohne als Voyeur dessen zu agieren oder die Gegenwart dazu als funktionelles Trauertal zu stilisieren. [...] Insofern ist der Diskurs in der Gegenwart auch weniger triebgesteuert, als dass die zeitliche Probe der Ungewissheit ihre Aufwartung macht [...] Wut und Trauer werden impulsive Begleiter in jenen Geständnissen vom und im Intimen, doch Eichinger bleibt nichtsdestotrotz eher subtil in der Fütterung einer eventuellen Katharsis. Klärung ist schließlich das Ziel, auf dass die Leidenden hinführen wollen, anstelle einer ohnehin zwecklosen Strafanzeige oder einer kaum weniger möglichen Entfremdung. [...]"


(Die komplette Kritik gibt es auf CEREALITY.NET zu lesen.)
  



Dem deutschen Verleih war der kurze Titel von Tsui Harks Regie-Erstling „Dip Bin“ einst wohl etwas mager, so wie er seitdem als „Die Todesgrotten der Shaolin“ mit lautmalerischer Intonation für Aufmerksamkeit zu sorgen versucht. Obgleich sich vom Titel her eine Standardplatte von Eastern anbieten könnte, ist der Film schon ein früher Vorreiter jener obskuren Mordwerkzeuge, die Hark in seinen Filmen seit jeher gerne zentral als Signal surrealer Qualitäten verwendet: Waren es in „Knock Off“ z.B. Nanobomben in Jeans, bringen hier ausgerechnet Schmetterlinge den Tod. Das Prozedere um diese Idee verläuft insofern ebenso eher ungewöhnlich, wenn Topoi und Typen der Shaolin-Sparte in ein Whodunit? binnen verlassener Festungsmauern geführt werden. Die unerklärlichen Massaker türmen Leichen auf, die vielleicht von historischer Distanz her noch nicht so verstörend wirken, wie es sich in einem kontemporären Narrativ à la „Söldner kennen keine Gnade“ empfinden ließe, doch das Ausmaß menschlicher Korruption und verlorener Moral geht hier bis zum Finale hin durchaus in die Vollen. Ehemalige Mitstreiter werden des Erbes wegen verraten, Kämpfe aufs Überleben des Egos ausgetragen, selbst wenn sogenannte „Weisen“ (u.a. Eddy Ko und Chiang Wang) hinzugezogen werden: Warum nicht über Leichen gehen und jedes Ideal ad absurdum führen, wenn die Güter locken? Kein Wunder also, dass sich Harks Ambiente in einer Verwahrlosung zeigt, die kaum Platz hat für prunkvolle Dekors der Marke Shaw Brothers, auch wenn seine Figuren durchaus über die Bescheidenheit reeller Vorgaben reichen. Visuell ergiebig gestaltet er daher u.a. solch einen Umhang wehenden Deadpan-Helden wie Tian Feng (Shu Tong Wong), der mit mysteriösem Charme Operettenhaftes vermittelt, während eine kecke Seilzauberin wie Grüner Schatten (Michelle Mee) aus jeder Ecke ins Bild zu hüpfen imstande ist. Diese Energien bahnen sich ihren Weg durch Phasen, die ansonsten im Überfluss an Exposition versinken würden, gleichsam erzählt sich seine Variante der Postapokalypse verstärkt durch ihre Perspektiven.


Kamera und Soundtrack als mitreißendes Ausdrucksmittel sind in jenem Umfeld keine Selbstverständlichkeit, weshalb Hark in seinen Perspektiven noch stets viele kleine Ideen versteckt, die zeitweise ins Morbide überlaufen. Da landet man auch wieder bei den Schmetterlingen, teilweise in extremen Nahaufnahmen oder in Massen zum Flug bewegt, an Gläser und blutige Körper beklebt, dass sich der Giallo ins alte China einmischt. Wie es zu solch einer Hysterie gekommen ist, wird dann meist ein Fall für Rückblenden als Verstärkung des Gefühls verlorener Menschlichkeit, parallel dazu gelangt das Ensemble des Öfteren in die titelgebenden Grotten voller versteinerter Finsternis, in deren Ecken stets die nächste Überraschung lauert. Was hat es dann noch mit dem schweigenden Mädchen oder dem Autor auf sich, dessen gefälschte Schriften wohl ebenso zum Ausbruch des Bösen beigetragen haben? Nichts und niemand ist folglich sicher, weshalb die mörderischen Verzweigungen zunehmen, Geheimnisse sich mit dem Tod verteidigen, bis die massive eiserne Klaue inklusive Rüstung zuschlägt. Jener brachiale Stoßhammer bewegt die letzten Akte dann auch allmählich zur kunstvollen Action hin, die Hark in Zukunft noch weiter ins Phantastische ausbauen würde, allerdings ist die Eskalation des Todes hier eben auf ein bitteres Klimax ausgerichtet, nicht fern vom Nihilismus später Spaghetti-Western an Parteien gegenseitiger Verrohung aufgestockt, in denen jede Offenbarung das Falsche am Menschen aufdeckt. Freundschaft ist letzten Endes auch ein wankelmütiger Begriff, aber zwischen den Zeilen präsent wie auch die Unschuld der Schmetterlinge erst vom Menschen zum Todesinstrument umfunktioniert wird - das übrigens in einer Sequenz, welche die Schönheit zerebraler Umnachtung im Tiere schöpft, während der Täter dazu auf frischer Tat ertappt nicht mal die Flucht ergreift, in der Abgeklärtheit des Ausweglosen auch nicht gefasst wird. Grausig und verrückt verdichtet sich das Ganze selbst im Angesicht einiger Längen, die Harks wilde Impulse noch in gewöhnlichen Signalen der damaligen Filmlandschaft zu verschlüsseln versuchten, doch die Grundlagen des Hongkong New Wave Cinemas sind in der Atmosphäre schon so fest verankert, dass der Lebenssaft nur zu gütig auf die Bilder nieder fließt.




Zurückblicken möchte ich sodann auch auf das Debüt von Don Coscarelli, der inzwischen ja wieder in aller Munde ist dank der Rehabilitation seines „Das Böse“, in „Kenny and Company“ aber ebenso schon einige Vorzeichen dazu geliefert hat - und das wohlgemerkt in einem Kinderfilm. Die Vorstellung mag heutzutage angesichts der Genre-Affinität Coscarellis widersinnig wirken, doch die aufziehbaren Parallelen zum Nachfolger „Phantasm“ fangen nicht erst bei den gemeinsamen Darstellern A. Michael Baldwin und Reggie Bannister an. Obwohl dieser Film nämlich insgesamt einen episodenhaften Blick auf die Welt des jungen Teenagers Kenny (Dan McCann) wirft und dessen Mikrokosmos an suburbanen Konventionen, Freundschaften, Feindschaften, Familie, Liebe, Schule, Sommer und Halloween entfaltet, sind die Fragen um die menschliche Vergänglichkeit, um Leben und Tod ständige Begleiter im Querschnitt jenes Alltags. Die Ungewissheit in der Begegnung mit solchen Schwerpunkten ohne eindeutige irdische Lösung geht auch hier dem Trauma eines eventuellen Verlusts voraus, das sich im Wachstum des Bewusstseins selbst neben aller Unbedarftheit in der Kindheit schlicht ankündigen muss. Und da setzt Coscarelli so universell an, wie es jedes Kind treffen kann: Im Haustier, dem alten müden Hund, der eingeschläfert werden muss. Schon diese kleine selbstverständliche Einheit an Zuneigung erhält und erfüllt hier das dramaturgische Gewicht mehrerer Melodramen auf einmal, wird dabei in beachtlich konkreten und dennoch aufrichtigen Bildern vermittelt, dass es nicht nur bei der Zielgruppe als Tearjerker funktioniert, gleichsam aber auch keine Plattitüden dafür anleiern muss. Auch wenn nicht jeder dazu aufgewendete Diskurs durchweg in darstellerischer Glanzleistung verewigt bleibt (manche Dialoge stolpern dementsprechend von Vornherein schon auf halbem Wege), setzt sich jene Herangehensweise auch in der Darstellung aller Gefühlslagen durch. Kids fluchen, kriegen Stielaugen bei Pin-Up-Girls, schlagen und verarschen sich, sind bei der ersten Liebe aber schon im siebten Himmel, wenn Händchen gehalten werden und der große Nachbarjunge einen mal nicht aufgrund mangelhaften „Schutzgeldes“ vermöbelt - klingt inzwischen nach Allgemeinplätzen, doch in der US-amerikanischen Idealisierung der Familienbilder jener Ära (darauffolgende nicht ausgeschlossene) scheinen selbst Kids machtlos ihrem Schicksal ergeben, weshalb die kleinen Unterschiede hier folglich den Großteil des Vergnügens ausmachen. Manche sind dann auch so spezifisch geraten, dass sie aus Coscarellis eigenem Erfahrungsschatz münden dürften, was er umso enthusiastischer in Einzelsequenzen ballt, selbst wenn denen stets das Makabere anhaftet. Siehe z.B. die Streiche von Kenny und Doug (Baldwin), wenn sie ihre kleine Nervensäge von Kumpel, Sherman (Jeff Roth), in eine Mausefalle greifen lassen oder wenn sie eine ausgestopfte Puppe (die wie der Tall Man höchstpersönlich ausschaut) auf die Straße legen, um die Reaktionen anhaltender Autofahrer zu erhaschen.


Durchaus gewitzte Ablenkungen der Freiheit, die der Langeweile der Schule entkommen dürfen, wenn mal nicht der coolste Lehrer von allen, Mr. Donovan (Bannister), selbst die hoffnungslosesten Fälle zu motivieren imstande ist. Ansonsten bleibt da nämlich nicht viel mehr übrig als das Provinz-Chaos an Pee-Wee-Football-Turnieren, bei denen Kenny auch ab und an mal aufs Eigentor zuzulaufen droht oder eben das Tricksen mit Skateboards - und das vor den Neunzigern! Dazu gesellen sich natürlich noch einige rockende Grooves sowie eine Kamera, die sich die Linsen wohl auch mit Adrian Lyne teilen dürfte. Der audiovisuelle Fun daran übertrumpft sogar manch Ungeschicktheit in der Handhabung Coscarellis, der hier durchaus vom Home-Made-Charme profitiert (obgleich Kennys Abenteuer einst sogar von 20th Century Fox vertrieben wurden). Das reicht sogar bis zur Besetzung von Kennys Mutter, die (gar nicht) zufällig auch Coscarellis eigene ist, obgleich die elterlichen Rollen in diesem Kontext gewiss keine Idealisierung erfahren. Je mehr Facetten an Leben und Tod sich Kenny öffnen, desto weniger scheinen seine Eltern ihm dies verständlich machen zu können, was sich insbesondere am Vater (James E. dePriest) bemerkbar macht. Die Ungewissheit übernimmt alle Generationen, bei der die Hoffnung aufs Himmelreich als Ausweichpunkt am ergiebigsten gilt, der alte Nachbar hingegen an ein vollständiges Ende glaubt, nach dem die hinterlassenen Kinder für einen weiterleben. Schwieriges Terrain, das für junge Zuschauer übrigens auch nicht verwässert wird und im Verlauf für Begegnungen sorgt, die in blutigen Autounfällen („Moritz, lieber Moritz“ lässt grüßen) Machtlosigkeit demonstrieren, in Richtung Halloween jedoch die Übernahme des Individuums über das Mysterium Tod erlauben. Jener Prozess der Verarbeitung lässt dann auch das entscheidende Segment des Films auftreten, in dem Kenny und Co. Süßes oder Saures einfordern, in spukende Garagen vordringen, in Häusern alter Frauen auf Tuchfühlung mit Urnenasche gehen, Luftgewehre und echte Bleigeschosse zugleich um die Ohren geworfen kriegen. Aus dem Abenteuer ergeben sich noch einige Tricks, wie man den Oberraudi der Schule dingfest machen kann, vorher aber schon gibt Dougs Vater Big Doug (Ralph Richmond) als klamaukiger Kommissar Freifahrtscheine für gepflegten Schabernack. Erwachsene wie Kids machen hier eben ein starkes Spektrum an Sympathien aus, an dem Coscarelli sowieso eine grandiose Leichtfüßigkeit beweist, ein möglichst komplettes Abbild eines Lebenszustandes fern der Behütung und Ausbeutung zu zeichnen. Spaß, Herzschmerz, Angst und diese süßen Portionen an Katharsis ergeben hierin schon durchaus ein verwöhnendes Lunchpaket an Coming-Of-Age-Filmerfahrung, wie es im ohnehin frei schwimmenden Narrativ an Lebhaftigkeit wohl noch länger haltbar bleibt.




Ob es für die Menschheit jedoch noch Hoffnung gibt, stellt sich bei der Sichtung von Carlo Lizzanis „San Babila, 20 Uhr: Ein sinnloses Verbrechen“ infrage. Der semi-dokumentarische Spielfilm von 1976 befasst sich wie der im selben Jahr erschienene „Kenny and Company“ mit der Erfassung einer Jugend, die sich nicht unbedingt in einen Spannungsbogen einzwängen lässt und dennoch kontinuierlich mit der Vergänglichkeit ihrer selbst konfrontiert wird, ob sie nun will oder nicht. Massive Unterschiede klaffen jedoch in Sachen Milieu und Sympathie auf, da Lizzani den Tagesablauf junger Faschos italienischer Coleur ins Auge fasst, der garantiert in mörderischen Widerlichkeiten enden wird. Bis dahin ist das Portrait des enthumanisierten Hasses dementsprechend unangenehm, allerdings noch lange kein Konglomerat aus exploitativen Eindrücken und Anbiederungen zum ideologischen Urteil. Die Räudensprache der Jungs im straffen Leder-Style unterbietet natürlich jeden im italienischen Genre-Kino gebildeten Mangel an Empathie und lässt am zynischen bis rassistischen Wortschatz teilhaben, wie es schon beim „Ausbruch zur Hölle“ Methode war, doch die Aufarbeitung kollektiven Zorns sowie frustrierter Cliquenhierarchien geht eher in die Gefilde der Objektivität, obgleich durchweg gemäßigte Kolportage-Topoi die Richtung bestimmen. Man denkt u.a. an „Kidnapping - Ein Tag der Gewalt“, wenn die verwöhnten Mordskerle aus gutem Hause stammen, dort aber bereits unter Erziehungsberechtigten Unverständnis und Strenge vorherrschen, an denen sich Widerstand und Machtfantasien heranzüchten, auf dass der Hass auf andere oder in hedonistisches Gammeln umgesetzt wird - wer aus ärmlichen Verhältnissen kommt, lässt sich ebenso anziehen, wenn die Struktur untereinander zum dubiosen Weiterbestehen anheizt/zwingt. Impotenz und Rape Culture arten sodann gleichermaßen aus, gleich zu Anfang auf die Figur von Brigitte Skay, die in punkto weibliche Charaktereigenschaften nun alles andere als repräsentativ vorgehalten werden dürfte, mit ihrer ultranaiven Denke aber letztendlich zum Verhängnis der Kerle beitragen wird (Spielhallen-Verrohung à la „Zombie“ inklusive). Bis dahin ist sie aber auch gewissermaßen symptomatisch für die regressive Haltung, mit welcher die Bevölkerung Mailands auf dieses politisch-soziale Phänomen reagiert, nämlich mit beinahe völliger Ignoranz oder gaffendem Nichteingreifen. Besonders effektiv ballt Lizzani diese Lethargie einerseits schon im Umstand, dass er seine Laiendarsteller an Originalschauplätzen zur Rekreation aufspielen lässt (mehrere Einzelfälle wurden für die Filmhandlung in einen Tagesablauf konzentriert), andererseits fokussiert die Kamera auch die Reaktionen der Anwohner (mindestens ein Greis darunter hebt den rechten Arm gleich mit), wenn ein spontaner Nazimarsch über der Piazza San Babila vollzogen wird oder das Quintett an rechten Narzissten Dildos im öffentlichen Park vorführt. Die Präsenz der Provokationen geht erst recht ins Mark, da es dieser Tage wieder vielerorts ein allzu gewöhnliches Bild geworden ist, auch dass die Polizei auf Befehl von oben kaum einzugreifen wagt, wenn wieder mal ein kommunistischer Anhänger von einer ganzen Truppe mit Klappmesser und Stahlketten traktiert wird.


Wie gesagt, ein Stück Poliziotteschi schwimmt in jenen Eindrücken ebenso mit, doch aus Erfahrung weiß man inzwischen sowieso, dass eine Überhöhung nicht unbedingt gegeben ist. Parallel dazu verständigt sich die Ideologie der Rechten hier zudem mit intellektuellem Chic, reizvoll als existenzialistische Radikale der freien Meinungsäußerung ausgestellt (eine Vorschau auf die Rhetorik der Alt-Right), die Ordnung als Wehrmaßnahme zu forcieren meinen und dafür rücksichtslose Treibjagden zum Vergnügen aufpeitschen, Läden mit Hakenkreuzen beschmieren und Eisenkugeln per Steinschleuder in Kniekehlen schießen - die dunkle Seite einer ungebremsten Jugend ohne Zukunft, mit J&B auf dem Weg zum Bombenanschlag bei Roten. Lizzani wahrt dabei in allen Fällen die Distanz zu seinen stilisierten Subjekten zeitgenössischer Umstände, lässt höchstens mit Ennio Morricones minimalistisch-urigen Märschen nochmal eine Extraportion Ambivalenz durchsickern, die der offenen und doch kritischen Ader des Films vollends gerecht wird. Das Gesamtbild lässt ihn auch dem Zwang entweichen, eine Eindeutigkeit auf diese Umstände zu münzen, Gegenmaßnahmen vorzuschlagen oder den Zuschauer gar mit irgendeinem Charakter binnen jener Anti-Protagonisten sympathisieren zu lassen (via dem Rollenmodel eines Aussteigers z.B., Feiglinge gibt’s trotzdem). Letzteres fällt höchstens auf das Paar zurück, das im dritten Akt als Opfer einer Mutprobe vom Fascho-Mob verfolgt und gnadenlos niedergestochen wird, so wie junge Extremisten ihren (angeblich von weiten schon erkennbaren) Feinden/Andersdenkenden nur auf die Art zu begegnen fähig sind, wenn die verbale Selbstgefälligkeit nicht mehr Antrieb genug ist. Natürlich positioniert sich der Film da entschieden gegen solche Unmenschlichkeiten, so kalt und grausam sie per Inszenierung dargeboten werden und der potenziellen, metropolitanen Unbekümmertheit der Gegenseite gewiss nichts an Attraktivität abnehmen. Da ist die Balance nicht minder wertend wie der angeblich objektive „American Sniper“, wenn hier allerdings auch nachvollziehbarer an die menschliche Fassung appelliert und zum Schluss zudem die Mamasöhnchen mit Angst vor dem Knast aufgeboten werden - was zeitweise zur Spekulation überzuschwappen droht, selbst wenn man die Hassliebe der Jugendlichen zu ihrem Umfeld des Aufwachsens hinzuzieht. Die Passivität der unpolitischen Bevölkerung bleibt zwischen den Fronten dennoch am ehesten der am offensivsten moralisierte Gegenstand, der zudem nur im Off willens ist, auf einen Wandel hinauslaufen. Da dürfte man auch wie an einigen anderen Stellen des Films Konstruktion feststellen, aber eben auch eine, die zum Handeln oder Reflektieren anregt, ohne auf plakative Manipulation setzen zu müssen. Man muss sich eben nur darauf einlassen können, über 100 Minuten lang allzu wahren Kotzbrocken zuzuschauen.




Herrje, bei soviel aktueller politischer Relevanz ist daraufhin vielleicht wieder eine Rückkehr in unbelastetere Gefilde angesagt, möchte man von Vornherein beim kostengünstigen Direct-to-Video-Film „Die Rächer hetzen die Meute“ meinen. Jenes Werk fängt ja auch schon so an, dass man ein geballtes Vergnügen an Cheapo-Actionfilm zu erleben glaubt, wie es Amir Shervan quasi posthum mit unbeholfenen Schönheiten wie „Samurai Cop“ und „California Cops“ kultivierte. Über seinen Landsmann Jamshid Sheibani, der hier wiederum als Regisseur fungierte, ist gleichsam wenig Biographisches bekannt, höchstens wie im Falle Shervans Geburts- und Todesdatum, wobei sich in der Hinsicht einiges durchaus auch aus dem Film schöpfen lässt. Ohne viel vorwegnehmen zu wollen, porträtiert er im Zentrum seiner Geschichte die Perspektive einer persischen Immigrantenfamilie inmitten einer kalifornischen Kleinstadt nahe der Grenze zu Mexiko. Der Fakt, dass Sheibani 2009 in Los Angeles verstarb, reflektiert dann erst recht den aufrichtigen Einwanderer, dessen Kultur selbst in diesem eher trivialen Film um Integration bemüht ist sowie gegen Widerstände anzukämpfen hat. Die dramaturgische Goldader dazu bleibt zwar über weite Strecken eher versteckt, so wie der Semi-Dilettantismus der Produktion eben reichlich unsauberes Stückwerk hinterlässt, der Klimax dazu könnte in dem Rahmen aber kaum effektivere Symbole an Toleranz und Miteinander aufbereiten (hab übrigens vorhin ganz vergessen zu erwähnen, dass „Kenny and Company“ dafür ebenso einen Subplot mit einem mexikanischen Schulkameraden bereithält). Aber schau an, ich nehme wieder zu viel vorweg, dabei ist ja der eigenwillige Weg, den der Film in Richtung jener Schlussfolgerungen einnimmt, schon eine kleine Sensation. Nachdem der Vorspann mit Credits wie „Screenplay by: Shield“ schon urige Vorbereitungen trifft, setzt ein Voiceover ein, der - dem „Perser und die Schwedin“ nicht unähnlich - über die Nr. 1 unter den todsicheren Todesarten informiert: Drogen! Insofern wird das anklagende Entsetzen des Sprechers über den Einfluss auf nationaler Ebene sowie der Gefahr für Gemeinden und Kinder auch visuell begleitet: Dubiose Handlanger in 80er-Jahre-Vollmontur heben unscheinbare Kisten aus Booten, ein Haudegen kommt per Archivmaterial eines Zuges mit Koks im Gepäck an, mehrere Uni-Studenten setzen sich unauffällig zu einem Brillenträger, der bei helllichtem Tage Weißes gegen Bares anbietet. Dieses zehnminütige Segment erklärt die kriminellen Mechanismen selbst mit Fliegen auf der Linse, mag sie sodann aber eben am handlungsübergreifenden Beispiel näher erläutern. Ab hier verschwindet auch der Sprecher und macht die Bahn frei für ein geradliniges Szenario finsterer Machenschaften eines gewissen Mr. Macintosh, der Drogen in besagtes verschlafenes Nest schmuggelt und dafür reichlich Leichen in Kauf nimmt. Der letzte Kurier Curtis z.B. kriegt nach versagter Lieferung schon die Rache des Bosses zu spüren und kann nur knapp mit Schusswunde entkommen, der Zuschauer erhält hingegen (im Originalton schon) ein Inferno platt synchronisierter Kintopp-Dialoge, das genauso spekulativ agiert wie die Milieuzeichnung voller Sparmaßnahmen und Merkwürdigkeiten (allein die Geldscheine!) an goldigem Irrsinn und Schießereien im Waldstück nebenan aufstockt.


Zeitgleich heuert Macintosh den Bruder von Steve (Rand Martin) für weitere Aufträge an und bringt jenen naiven Arbeitssuchenden namens George in Teufels Küche, als die Polizei dem Ganzen auf den Fersen ist und der nicht ganz saubere Deputy ihn sodann erschießt. Steve will der Sache nach der Beerdigung auf den Grund gehen, doch sein Familienleben mit der Iranerin Mina (Fattaneh), welche zusammen mit weiteren Verwandten ein Restaurant in der Stadt leitet, hat Priorität. Das schlägt sich auch im Sohnemann Jeremy nieder, welcher mit dem der Familie Macintosh befreundet ist, wobei jener Patriarch seine bulligen Schläger bald zur Einschüchterung aufs Restaurant ansetzt. Es gibt reichlich Prügeleien, einige stumpfe Gags mit Kochmütze und wütende Sprüche von allen Seiten - nebenbei kommt Curtis auf der Farm der aufreizenden Nancy zur Genesung und hat sie alsbald geschwängert, doch als sein Kumpel Steve ihn wegen Macintosh zur Rede stellen will, reiteriert der in ansteigender Verzweiflung immer wieder nur „You don't unterstand!“. Doch Steve versteht es, ihn dennoch zum Handeln zu überzeugen, indem er an seine Verantwortung als werdender Vater appelliert, eine bessere Welt fürs Kind zu hinterlassen. Man sieht, der Ausdruck an Emotionen und dessen Figurennetz macht schon gehörigen Wirbel im abwegig vermittelten Americana, doch der wahre Clou folgt erst noch. So reagiert unser Ensemble plötzlich auf die Nachrichtenlage zur Islamischen Revolution in Iran um 1979, bei der amerikanische Botschafter als Geisel genommen wurden (siehe auch „Argo“) - was zuvor nach Reagan-Ära aussah, ist nun auf einmal ein Period-Piece. Das echte Nachrichtenfootage kursiert nun innerhalb des Films, zeigt ebenso Anfeindungen gegen iranische Immigranten in den USA, bringt Macintosh und seine Leute sodann dazu, explizit patriotische/fremdenfeindliche Pläne gegen Steves Familie zu schmieden, bis hin zur Aufforderung an den eigenen Sohn, sich nicht mehr mit Jeremy abzugeben. Solche Umstände ergeben die Geheimwaffe des Films, der anhand dessen pointierte Stationen der Angst sowie soziale Missverständnisse angeht, schon die Härte rassistischer Anfeindungen auf dem Schulhof zeigt sowie die Rücksichtslosigkeit der Ressentiments bei den Erwachsenen fortsetzt. Aufrichtige Existenzgründer iranischer Herkunft werden in deren Augen nämlich ebenso gleich Geiselnehmer - ein Shervan hätte meines Wissens nach nie derartig auf jene bitteren Erfahrungen aufmerksam gemacht, die Ausländern im Angesicht kollektiver Vorurteile widerfahren. Schließlich reißt Steve über gleichsam emotional motivierte Umwege allmählich der Faden und so verbündet er sich mit Curtis, Macintosh endgültig das Handwerk zu legen, während dieser dem potenziellen Familienglück von Curtis jedoch einen Strich durch die Rechnung macht und sich das Melodram entkoppelter Zukunft auf alle Parteien ausweitet - sogar auf die von Macintosh! Wer sich an meine Einleitung zum Film erinnert, wird das versteckte Happy End darin sicherlich noch nicht vergessen haben, doch angesichts aller Signale, die den Film zuvor in belanglos amateurhafte (darin natürlich auch charmante) Video-Action-Jagdgründe zu wiesen schienen, kommt das tragische Gewicht doch überraschend stark zur Geltung - selbst wenn ein Hühne wie Steve die Arme zum Neuanfang ausbreitet und im versynthten Pathos noch kräftig am Zeitgeist feilt.




Mensch ey, selbst in der Quote sinnbefreiter Unterhaltung scheint kein Kandidat dieser Woche ohne ein Mindestmaß thematisches Gewicht auskommen zu wollen - ist es denn zu viel verlangt, bei Sinnen betäubt zu werden und nach Art des Hauses „Beavis and Butt-Head“ Richtung Bildschirm kichern zu können? Nun, kurz vor Redaktionsschluss hatte ich doch noch das Glück mit unserem alten Kameraden Arizal, dessen „Strike Commando“ meinen Ansprüchen vollends gerecht wurde. Auf der Grundlage eines übersimplifizierten Rachethrillers setzt der Vietnam-Veteran Richard Brown (Christopher Mitchum) alles daran, seine Familie zu rächen, nachdem diese vom skrupellosen Drogenbaron Hawk (Mike Abbott, muskeldick wie nie) und seinen Handlangern ausgerechnet zum Geburtstag des kleinen Bobby überfallen sowie erschossen wurde. Nun ist Arizal als Regisseur ja nicht nur vom ersten Akt an ein Stück weit hölzern unterwegs, die Gefühlslage jener Ereignisse zu vermitteln, zu denen sich u.a. ein Vorspann à la „Die Rächer hetzen die Meute“ gesellen, das exploitative Prozedere an Vergewaltigungen und Ballereien schnell an der Selbstjustiz-Skala dreht, während eine Portion platten Melodrams ebenso über die Bühne geht. Das ist aber nur die Vorstufe für ein Spektakel an Scheiß-Egal-Mentalität, wie sie im indonesischen Action-Kanon jener Zeit für reichlich delirierende Haltlosigkeiten sorgte. Sobald Brown nämlich einen Killer nach dem anderen hinterherjagt und folglich von der Liste streicht, wird zwischendurch dafür gesorgt, dass jeder niedergeschossen und wirklich alles in die Luft gejagt wird. Die Lust an Schauwerten führt hier regelrecht erst zur Erfüllung der Mindestlänge eines Spielfilms, weshalb selbst Rückblenden Richtung Vietnam gleichsam explodierende Hütten und abgeknallte Bösewichte bereithalten. Die Musik von Billy J. Budiarjo könnte da nicht eintöniger vor sich her dudeln, während visuell die große Sause an Tod und Zerstörung rein von Mitchums zuckendem Auge herrührt, dieser dafür sogar eine Handvoll schlimmer Wortspiele auspackt und generell so talentfrei auf den Rachefeldzug geht, dass Distanz in Übermengen vorherrscht.


Zum Charme ergänzt wird diese Unbeholfenheit dann anhand absurder Ideen im zwischenmenschlichen Umgang, eben à la Scheiß-Egal mehrere Szenarien hintereinander mit Blei zu füllen, jeden Angreifer ohne große Aufregung zu erledigen und mittelschwere Mitstreiter des Verbrechens mehr oder weniger bewusst in den Tod zu schicken, wenn mal nicht die abwegigsten Impulse der Rache auf den Plan treten. Wird Brown da mal mit einem Brandeisen gefoltert, kriegt es ein anderer wenige Minuten später eben in den Allerwertesten geschoben, um mal ein Beispiel zu nennen. Bald kann sich der Film aber auch nicht mehr vor Überfällen retten, wie er sie innerhalb zahlreicher örtlicher Lokalitäten ballt und diese scheinbar ausnahmslos zerstört. Verfolgungsjagden reißen Stände um, lassen die Karren stets explodierend vom Weg abkommen und fahren den einen oder anderen Fiesling auch mal allzu echt um, wenn mal nicht der durch die Frontscheibe eingeschossene Holzstamm fingiert wird. Da helfen auch keine Trillerpfeifen, wenn ein ganzer Bahnhof vom Jäger sowie Gejagten heimgesucht wird, bis diese sich an den Schienen abquälen und so undynamisch wie auch im Gegenverkehr ungesicherter Straßen rattern, dass es umso pointierter kommt, wenn jeder Zusammenstoß Feuerbälle der Extraklasse hervorruft. Infolgedessen verpasst Hawk jedem seiner Kollegen am Versammlungstisch nach und nach ebenso eine Kugel in den Kopf, weil nichts in Sachen Brown läuft, was aber auch daran liegen könnte, dass Mitarbeiterin Julia (Ida Iasha) doppelt gemoppelt under cover dort arbeitet und dem Brownen des Öfteren zur Hilfe kommt. Das geht soweit, dass er sich in sie verliebt und einen Neuanfang planen könnte, während er sich über sein Motorrad mit Raketen und Uzi am Steuer amüsiert. Doch ob die Beziehung bis zum Schluss durchhält, ist in dem Genre eher zweifelhaft. Als Gegenmaßnahme bleibt jedenfalls immer noch der Griff zur nächsten Granate, wenn die Hauptbösen denn nicht mal an den Stuhl gefesselt mit Bomben Bekanntschaft machen und Brown stets sogar mit angeklebten Koteletten verschwinden kann. Zum Schluss geht es allmählich auch zu Felde, wo die Drogenfestungen Hawks kontinuierlich dem Boden gleichgemacht werden und jeder Sprung mit dem Motorrad Brown auf die Füße fallen lässt, bis er Hawk im mehr als antiklimatischen Kampf konfrontiert und dafür auch einen Freifahrtschein von der Polizei erhält. „I was just settling the scores.“ oder so ähnlich, darauf ein Handschlag mit dem Commissioner - eben eine saubere Leistung, dieser grandiose Saftladen an Kintopp-Rücksichtslosigkeit.




FINDET DORIE - "[...] Der Film versucht, sich ihrem Charakter anzupassen, doch seine Verbundenheit zur Vergangenheit hemmt jene Verselbstständigung, wenn Schauwerte und Storyelemente sowohl zum Einstieg einladen, als auch anhand von Subplots und Gastauftritten gehetzt Erwartungen abarbeiten, die sich eher forciert mit Dories Pfad kreuzen. So wie jene Meeresbewohnerin jedenfalls impulsiv vorgeht und aus Geistesblitzen ihr Handeln ableitet, ist die Not zur Selbstfindung zwar motiviert, doch vielerlei erste Schritte dorthin wirken eben Punkt für Punkt wie bereits vor dreizehn Jahren eingetreten. [...] Einiges an Standardisierung wurde dafür in Kauf genommen – sobald man sich aber von all den Zwängen löst, steht das Potenzial für eine herzliche Geschichte über die Hoffnung des Eigenen, des Bestehens von Herausforderungen, dem Ehrgeiz über den Status des Problemkindes hinaus. [...]"



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Bonus-Zeugs:




BAD MOMS - "[...] Eine Geschichte, in der das Spektrum charakterlichen Wandels zeitweise von Pegeln der Zufriedenheit abweicht, um letztendlich in genau dem spießigen Frieden zu landen, in dem man sich zuvor schon befand. [...] Hat man als Zuschauer den Anspruch, dem Kalkulierbaren ausgeliefert nicht der Langeweile zu verfallen? (Muss) jeder für sich beantworten [...], genauso wie die Fragen, ob auf technische Distinktion Wert gelegt oder wie hoch die eigene Humortoleranz eingeschätzt wird, die hier mit dem Üblichen Vorlieb nehmen muss: karikaturenhafte Stereotypen für jedes Geschlecht, mehrmals hinfallende Frauen, abgedroschene Wortgefechte, genitaler Wortschatz, alkoholisierte Zeitlupenexzesse zum Sound der (nicht mehr) aktuellen Hits – alles drin und mindestens so zündend wie eine neue „Simpsons“-Folge. [...] Letztendlich hält der Film in seinen versöhnlicheren Noten einige Überraschungen offen, die dem Leiden der Weiblichkeit einen Vorteil gegenüber einfältigeren Männerfantasien verschafft. [...]"



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AMERIKANISCHES IDYLL - "[...] So unschuldig die Prämisse auch klingt, ist McGregors Umsetzung ein Bündel fragwürdiger Charakterzeichnung und erzkonservativer Ideologien, das im pathetischen Drama auf Extreme der Plakativität setzt [...] Immer nur wenige Schritte vor der Initiierung des Charles-Bronson-Modus, ehe der Vater die Spur aufnimmt, ab und an im Thrillerterrain landet und bald ein Milieu totaler Verwahrlosung vorfindet. Letzteres ist als Stellvertretung linker Tendenzen natürlich zur Apokalypse der Indoktrination geschlussfolgert, dem Anliegen wegen frei von jeder Persönlichkeit, die das familiäre Bilderbuchprinzip dem Kind von vornherein schon nicht zugelassen hat, jetzt aber an verrotteten Zähnen und Gettozugehörigkeit leidet. [...] Die überdramatisierten wie simplistischen Konflikte reißen nimmer ab, als sei der Film so energisch mit der Naivität seines Protagonisten verbandelt, dass nur dessen Perspektive die richtige wäre. [...]"



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