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Sonntag, 23. April 2017

Tipps vom 17.04. - 23.04.2017 (Zwischen Weltall, Inseln und Amerika)


Liebe Diebe des Herzens,

es ist wieder mal Zeit für eine obligatorische Ankündigung zum Formatwechsel: Die Herrschaft der langen Texte ist vorbei, die rasante Meinungsbekanntgabe nimmt Überhand! Zumindest für diese Woche, denn ich brauche meines Erachtens doch immer mal die eine oder andere Regenerationsphase. Ich bin quasi wie eine Aufziehpuppe, weshalb ich an dieser Stelle auch jedesmal ungefähr dasselbe sagen muss - es hilft nichts, irgendwie muss ich ja zu Flow und Ebbe kommen. Ihr erinnert euch hoffentlich daran, wie viel Text ich zu Ostern anbieten konnte - das volle Fass lässt sich in unserer ökonomisch erpressbaren Ära aus Frust wie Überfluss eben nicht mit Muckipower und Anti-Denkfaulheit aus dem Perpetuum mobile heraus umsetzen, insbesondere, wenn man inzwischen bei Ausgabe 223 dieses Blogs angekommen ist! Achtung Mitleid: Zudem ist es leider auch seit jeher das Schicksal des Durchschnittsschreiberlings à la moi, dass die Menge an lesenswerten Filmreflexionen wie eine Flut vom Bildschirm aus aufschlägt, in den Sand (am Meer) eingesaugt wird und sofort wieder für die nächste Welle zurückfließen tut, weil die Physik und die Erde und der Mond... Ja, dieser Vergleich ist jedenfalls so raffiniert, dass er im Grunde schon meinen Lieblingsfilm der letzten sieben Tage vorwegnimmt, aber bis dahin lassen wir noch ein bisschen Spannung ins Land ziehen und lachen, lachen, lachen, ohne an morgen zu denken, ha. Soll heißen: Vorerst halte ich chronologisch einige Eindrücke fest, die bei Gelegenheit sicherlich noch ausbaufähig sind, fürs Erste aber aus Prinzip und Übersichtlichkeit Empfehlungen zusammenzimmern, was in der Filmwelt so alles ging - inmitten von Doppelgängern, Asteroidenschauern, Geschlechtsakten jenseits der Milchstraße, versagten Liebeswünschen, Mordssalven an Musik und Blei sowie Krebs bis hin zum Frieden auf die Insel, die kein Mann (allein) ist. Wie sehr sich dieses Intro bewahrheitet? Lest selbst, Freunde!


Zunächst mal gebe ich zu Protokoll, dass ich letzten Samstag mit Siegfried Bendix im All war. Jene (den Science-March antizipierende?) Space-Night hatte mit sechs enorm kosmischen Filmen zu tun, die allesamt mehr Schuss in den Lenden hatten als der erste Blick auf die letzten Jedi – als Startschuss dazu fungierte natürlich der vierdimensionale Angriff vom „Star Crash – Sterne im Duell“, jener Wundertüte via Luigi Cozzi, die sich voll kindlichem Elan und prallem Herzen in eine interstellare Schlacht zwischen Märchen, Antike und Freundschaft jenseits von Zeit und Raum stürzt. Stella Star (Caroline Munro) ist da sicherlich der kecke Unschuldsblickfang binnen der Lichterkette kunterbunten Sternenstaubs, doch wie sie sich mit Kollege Akton (Marjoe Gortner) und Roboter Elle/Al versteht, gehört mit zu dem Drolligsten, was man sich bei jenen Touren über mehrere kostengünstig irdische Planeten auszumalen vermag – zusätzlich angetrieben von Effekten aus Harryhausen-Tagen, sprich Rückprojektionen, Matte-Paintings und Stop-Motion galore, während die Modelle am Neonregenbogen vorbeiflirren, alle Laser irre zurren und auch mal einen Schmelzprozess vom Formate Draculas initiieren. Es wird nie langweilig, dafür sorgen schon Spandex-Raumanzüge, galaktische Bikinis und aus dem Englischen importierte Anreden wie Emperor (Christopher Plummer!), Imperial Battleship sowie Count Zarth Arn (Joe Spinell), doch neben den von ihnen besetzten Lavalampen-und-Alufolie-Kulissen macht insbesondere Laune, wie unsere Heroes jeden spontanen Abenteuerzweig flugs und froh auf sich nehmen, mal gegeneinander jetten, dann doch zusammen das Festland aufmischen und David Hasselhoff zwischen Höhlenmenschen aufsuchen. Bei der Abwechslung staunt sogar „Einer gegen das Imperium“. Zu toll dann auch, wann und wie Elle nervös wird, wozu er noch und nöcher programmiert ist, wie sweet Stella ihn als Freund für die Frau von Welt(all) einschätzt – je mehr man lacht, desto exponentieller fiebert man um deren Schaffen, da hilft John Barrys Leitmotiv (ausgerechnet auf den späteren E.T. verweisend) auch gehörig mit, wie herzlich das Script zudem Wiederbegegnungen und aufopfernden Zauber von Leinwandsehnsüchten her hinein strukturiert.




So ist’s nun mal mit dem italienischen Hauruck-Flair, komischerweise kam es schon beim nächsten Film, „Goldorak – Kampf der Welten“, erneut zum Einsatz, welcher als Zusammenschnitt der in den Siebzigern erarbeiteten Tokusatsu-Anime-Serie gleichen Heldens einen Titelsong vom Stiefel Europas beherbergte. Die Episoden dazu liefen allem Anschein nach auch hierzulande, denn auf der DVD gibt es auch eine kontemporär teutonische Sangeskreation zum Trommelfellabziehen – indes ist gerade die Synchronisation vielleicht die Sensation zum Film, welcher vier Folgen des Getümmels aneinanderreiht und insofern reichlich dramaturgische Stringenz vermissen lässt, Redundanzen und lose Enden des Serienformats umso gleichgültiger zu kaschieren versteht. Als animierte Variante von Flickwerken wie „Roboter der Sterne“ hat man also zig Zerstörungsorgien zwischen Megamaschinen und Monstren auf der Glotze, ehe man im Figurenensemble utopischen Sci-Fis durchblickt, das im Rahmen seines Zeitgeists schon generisch wie Sau agiert und fachsimpelt, allerdings keineswegs im Wurmen mangelt, wenn man so mir nichts dir nichts in die jeweiligen Belange des Einzelnen sowie dessen im Team hineingeworfen wird. Böse Herrschaften aus dem All werfen dann noch alle 20 Minuten eine neue Weltenkillermethode auf unseren Planeten, die jugendlichen Identifikationsfiguren in ihren fliegenden Vehikeln kriegen dazu noch einen Bauerntölpel plus Sohnemann in Heidi-Proportionen dazwischen geschnitten; ebenso Mitmenschen, die in der Reflexion merkwürdiger Ereignisse beinahe unter Zugzwang stehen, so flott diese im Narrativ eintreffen.


Die turbulent rabiate Animationsweise leistet ebenbürtige Zerstörungswut an der Kohärenz des Zuschauers, parallel dazu lernen wir eine junge Bikermaus namens Maria kennen, deren Großvater ihr schon in der zweiten gemeinsamen Szene verrät, dass sie nicht seine Enkelin sei, während das Melodram um sein Ableben sowieso im Eiltempo inklusive Rückblick auf weit entfernte Planeten ins Kurzzeitgedächtnis hinein stilisiert wird. Kann der Kopf das aushalten, wenn manche Kerls der Nicht-Enkelin/Rächerin in spe gegenüber dann noch die urigsten Jugendbegriffe aus dem Nichts dranformulieren? Es fördert jedenfalls mehr Aufmerksamkeit herauf als die Kämpfe binnen gespaltener Berge, Täler und Städte, die von UFOs und Superrauben heimgesucht werden, was eventuell durchaus beeindrucken könnte, wenn es denn real verfilmt wäre – so erschöpft sich die Tour etwas, wenn man auch vielerlei tolle Namen für die jeweiligen Waffenmanöver erwarten darf. Schöner sind aber doch die gemeinsamen Stunden auf dem Pferdehof, inklusive Übungen fürs kommende Reitturnier, Trainingsneckereien für Motorrad- und Raumgleiterskills unter dem wachsamen Auge der Lords aus der Ferne, welche noch Ninjas in die Stratosphäre lotsen, bis der ganze Zorres schlussendlich einen riesigen Asteroiden auf die Erde zu schleudern droht. Ein Happy-End ist gewiss, so wie es quasi nächste Woche schon eine neue Schurkerei zu sehen gäbe, doch da bricht der Film genauso inkonsequent ab wie ein „Krieg der Infras“. War trotzdem eine Gaudi zum Dusseligwerden.
  

Komisch, dass man Ishirô Honda im Vergleich immer mehr als braveren Zeitgenossen des phantastischen Kinos einschätzen muss, aber das hemmte „Frankenstein und die Monster aus dem All“ nicht allzu sehr, nach mehreren wahrgenommenen TV-Ausstrahlungen binnen der Kindheit noch überraschende Spitzen anbieten zu können. Der darin enthaltene Blick in die Zukunft anno 1999 bringt den Angriff der Kilaaks via Hitzkopf Katsuo (Akira Kubo) in die Umlaufbahn, der anhand legerer Gert-Günther-Hoffmann-Stimmgabe zwischen Mond und Erde pendelt („Independence Day 2“ bedient sich gerne daran, was wiederum den Bogen zu Emmerichs Godzilla schlägt), mit bleihaltiger Skepsis auf die üblen Pläne der Invasoren schließt, dass er seiner Freundin sogar die Ohrringe vom Läppchen rausreißt, wenn er einen außerirdischen Peilsender darin vermutet. Solche Drastik findet dann noch angenehmere Partner in provinziellen Gegenden, welche ähnliche Kügelchen vorfinden sowie mit der Neugier des Nachbars teilen; später wird ein Chef der Raumfahrtpatrouille noch angesichts fortschreitender Anti-Alien-Strategien um Kaffee bitten, den ein Kollege im Hintergrund freiwillig zuzubereiten schwört – nette Leute! Mächtig gewaltig wird es dann, wenn alle bekannten Kaiju von der Monsterinsel weg globalen Terror verbreiten, die bewährte wie grandiose Tsuburaya-Miniatur-Parade abfahren und am Fuji wieder zueinander finden. Nicht, um Matthew McConaughy vorm Selbstmord zu bewahren wohlgemerkt, sondern um noch gigantischere Kugelkuppeln zu entdecken und King Ghidorah im Tag-Team plattzumachen, die Besucher von weit oben wieder in ihr Urschleimschneckenhaus zu bugsieren. „Destroy all monsters“ lautet das amerikanische Motto zu diesem Film, doch die wachsen einem selbstverständlich am meisten ans Herz – so sehr, dass sich Herr Bendix schon auf das Sichten der vorherigen Abenteuer von Godzillas Sohn Minya freut. Dem werde ich gerne nachkommen, klare Sache!


Was man gerne auch tun will, ist „Star Force Soldier“ von Paul W.S. Anderson aufzufrischen – ein Film, in dem Kurt Russell wiederum das macht, was er tun muss. Dem Soldatendasein in der weit fortgeschrittenen Zukunft jenes Neowesterns auf fremden Globen, nach einem Drehbuch von David Webb Peoples („Erbarmungslos“), sind hier eben entmenschlichte Funktionen effektiven Tötens aufgebrummt, die sich in der Tilgung der Gefühle trotzdem nicht vom Pflichtbewusstsein zivilen Schutzes abtrennen können, selbst wenn die Hardliner der Militärindustrie zum baldigen Austausch bereits willenlose Superkiller genmanipulieren – so ewig aktuell hallt das Ganze natürlich nach, dass Gary Busey mit Trump-Frise vorbeischaut. Russells Söldner lebt also den Film über einen inneren Schmerz vor, der unter versteinerter Miene mit Vermittlung und Empfang der Empathie kämpft, Traumata als Befehl verrichten muss und sich nur umso belasteter in eine Kolonie an Verlorenen und Ausgeschlossenen integrieren kann. Der Versuch dessen ist so zentral und sensibel im Film präsentiert, dass man der damaligen Abneigung durch Kritik und Publikum nur wenige Argumente abnehmen kann – höchstens beim Aufbretzeln der martialischen Schlussphase im Widerstand, ikonographisch zwischen Vietnam, Bosnien und dem Alamo eingeordnet, macht sich Anderson mehr für knallschattige Schauwerte des Kräftemessens warm, als dass der humanistische Geist inklusive UN-Blauhelm-Emulat vollends obsiegt. Klassisches Meucheln zwischen den Erzfeinden Gut und Böse hat natürlich trotzdem stets etwas für sich, vor allem, wenn es in derartiger Kompromisslosigkeit aufbereitet wird, sich mit einer sinnlichen Schlagkraft bei Regen ins Gesicht greift, wie es seitdem höchstens in „Batman v Superman“ wiedergesehen wurde. Die letzten Einstellungen zu neuen Welten, mit der nächsten aus Ruinen geborgenen Generation im Arm, zudem auch entschieden weg vom selbstverständlichen Salut, hat sowieso etwas Bewegendes im Universellen/Universum an sich, so in etwa: Das Überleben geht ständig auf Reisen, die Kämpfe und Krämpfe der Unschuld durch alle Dimensionen wie Parteien des Seins im Schlepptau.



So, die nächsten zwei Filme im planetarischen Wechselreigen waren dann auch erneut solche, die ich schon von Vornherein kannte und in diesem Rahmen für aufmerksame Genossen empfänglich ausstellte, deshalb nur noch einige Ergänzungen (?) zu „Sternenkrieg im Weltall“ und „Armageddon – Das jüngste Gericht“: Beide sind weiterhin unglaublich stark darin, einen emotional abzuholen, obgleich man bei Bays Ausflügen von Ölplattform zur NASA zum Asteroiden binnen 2 ½ Stunden Laufzeit mehrmals die Orientierung verliert, trotzdem im Überschallmodus irgendwann auf die Gipfel an Americana stürmt, als wäre man zur furiosesten Oper der Welt und darüber hinaus geladen – verständlich, dass wir eine dicke Flasche Rotwein dazu gebucht hatten, denn vieles daran ist in seinem hyperakzentuierten Überschwang (wie meine Wenigkeit auch) strunzdumm in den 90ern hängengeblieben. Kinji Fukasakus heimeliges Epos leuchtender Nüsse, anachronistischer Folkloren-Adaption und lichter Helden murmelte sich davor jedoch schon in wärmere Gefilde aus Edelmut und Koexistenz japanisch-amerikanischer Freundschaft ein - mit einem solch effektiven Pathos auf der Schulter, wie er im Vergleich zu Lucas‘ Vorlage/vorzeitiger Verarbeitung eben jener Nippon-Topoi immerhin hochdynamisch Bock auf die Erde an sich macht, Liebe und Güte durch die Toei-Schächte strahlt, dass jeder Einzelne im Ensemble das Zeug zum Mutmacher hat. Die Melodramatik daran prägt sich in der deutschen Kinofassung schon stark ein, doch der Blick zur Originalversion offenbart noch eine gute Handvoll mehr ungeniert rührseliger Schlüsselmomente, was sich natürlich kein Freund des Films entgehen lassen sollte. Zisch und Pep des Astro-Schlachtengewitters bleiben da wie gehabt ein tolles Stück Affektkino, die Melancholie Vic Morrows sowie der fantastische Wortwitz von Robo-Kumpel Beba mit inbegriffen, selbst wenn diese ebenso vor Aerosmith und Ben Afflecks Tiervergleichen auf die Knie fallen würden.




Meine Damen und Herren, jetzt schauen wir aber mal wieder auf den Boden unseres Planeten hinunter, denn als einzelner Passagier buchte ich mehrmals Reisen nach Santo Domingo binnen der Dominikanischen Republik, wo ein Joe D’Amato unserseits um 1980 herum eine Vielzahl erotischer Filme am Stück kredenzte. Stab und Ensemble gleichen sich also je nachdem mehr oder weniger mit denen aus „In der Gewalt der Zombies“, weshalb es ein Leichtes war, sich in das Areal zwischen Städten und Palmenstränden via Trauminseln wieder hineinzufinden bzw. diese tiefer zu erkunden. Eher weniger simpel war es allerdings, jene daraus entwickelten Narrative im Nachhinein auseinander zu halten. Am beachtlichsten blieb mir „Orgasmo Nero III – Schwarze Haut auf weißem Sand“ (so ein X-Rated-Nachholtitel, man kann auch beim O-Namen „Sesso Nero“ bleiben) dennoch in Erinnerung, jens vielschichtige Requiem für eine Variante Mark Shannons (Rollenname: Mark Lester!), die vom Prostatakrebs angefressen zu dem Ort und zu der Frau (Annj Goren) zurück sucht, welchen er Zeit seines Lebens nacheiferte, dass die Überkompensation im Aktionismus des steifen Glieds immer heftigere Entgnügungen am Miteinander ausübt und bittersüße Schmerzen dazu erleiden muss. Die Freiwilligkeit Marks dazu ergibt erst recht das Rückenmark der hier verlebten Tristesse unter heißen Sonnen und Damen, welche er im Schatten der eigenen Erschöpfung so verzweifelt und grob mit Spritze am Bein verbraucht, obgleich eine lebensrettende Operation und Ehefrau in New York auf ihn warten würden; er sich jedoch den letzten Wunsch erfüllen will, einem vergänglichen und längst vergangenen Glück hinterherzujagen.


Auf dem Pfad zerstört er auch gerne eine Unschuld (Lucia Ramirez), die bereits genug in der Unterschicht zu leiden hatte, vor kurzem erst von seinem intellektuellen, Schulen bauenden Kumpel eingekauft wurde – die sozialen Hüllen und Ideale fallen zwangsläufig auch bei solchen Modellen mit ideologischem Segen, Mark bleibt jedoch durchweg der Schmiermisanthrop des übersättigten Jet-Sets schlechthin. Trotzdem graut es einem davor, wie seine Zeitgenossen (u.a. George Eastman, wieder mal als verrückter Grieche) darin pendeln, sich um ihn zu sorgen sowie ihn leiden sehen zu wollen, genauso steht es mit Nico Fidencos finsteren Tönen, selbst wenn sie in den sinnesverstärkenden Bossa Nova übergehen. D’Amato nimmt da durchaus einiges von „Shame“ vorweg, wenn auch mit einem übernatürlichen Element in der Präsenz der Verflossenen als Geist, deren Vergeltung aus versagter Liebe Mark ebenso in Kauf nimmt, wenn er schon nicht mehr Herr seiner Sinne ist, sich in Visionen seiner Schwächen und rassistischen Vorurteile säuft. Angst und Penisneid vorm schwarzen Mann paralysieren ihn, ehe er zum Biest vor Ort geballter Enttäuschungen wird, die Außenwelt abstreift und vollends regressiv in die Illusion der Vergangenheit taumelt. Das sagt mehr über Realitätsbezug, Abhängigkeit und Gültigkeit innerhalb wie abseits von Beziehungen aus, als einem lieb ist. Im Delirium und Gruppensex unter Sonnenstrahlen kommt der Bezug zur „Letzten Frau“ von Marco Ferreri zum Schluss hin dann sicherlich nicht von ungefähr, so brutal und eisern leidend ist man dennoch nicht immer mit dem Werk D’Amatos in Kontakt.



Belegen lässt sich das u.a. an den simultan bewerkstelligten Reißern „Porno Holocaust“ und „Hard Sensation“, die vergleichsweise schroffer und schlichter auf die Bestätigung der per Packung versprochenen Reize eingehen (abgesehen vom Holocaust-Begriff, sollte man anmerken). Ersterer Film stieg mir allerdings trotz längerer Laufzeit (knapp 110 Minuten) leichter übers Zwerchfell, was auch daran liegen mag, dass allesamt viel netter zueinander sind - erst recht Shannon als Captain O’Day in seinem Verhältnis zu Lucia Ramirez als Forscherin Annie, die zusammen mit Simone (Dirce Funari), der Gönnergräfin (Annj Goren) und Dr. Lemoir (George Eastman) einige biologische Extremitäten auf derselben Insel wie in allen diesen Filmen zu erforschen gedenken. Da kommt noch zu späterer Stunde ein Ein-Mann-Zombie-Faktor ins Spiel, bis dahin leistet sich der Film jedoch mehrere Abstecher in die Ablenkung per Fleisch, in jedem Szenario mindestens einmal ficken zu wollen. Das Beste daran ist, dass die Charaktere solche Wünsche auch explizit aussprechen, jene Gelegenheiten trotz der Gefahr dramaturgischer Schlappe wahrzunehmen – selbst Shannon muss in der Menge an Flutsch und Weg mal ein verhaltenes „Nein, danke“ anbringen, ehe er sich doch wieder zu tollen Überschäumungen zwischen Sonnenglut und Wellenschlag überreden lässt. 


Eastman hingegen zieht in solchen Situationen ja immer wunschlos glücklich von dannen, doch als Autor jener Filme - in ihrer Varianz zum selben Ambiente nicht unbedingt die simpleste Kolportage - ist solche Bescheidenheit erst recht lobenswert oder Zeichen eines kompliziert ausgelebten Minderwertigkeitskomplexes. D’Amato nutzt den Effekt daraus so oder so, dass das letztendliche Monster ganz wie Frankenstein nach Verständnis giert sowie ein Ungeheuer der Triebe ergibt. Das Verständnis zu schwarzen Männern ist in dem hardcore-italienischen Rahmen natürlich weit hinter der Zeit geblieben, aber bis zum Ende hin noch versöhnlicher, als es der groovende Showeffekt per Doppelpenetration noire zu Beginn hinkriegt - Annj Goren geht in jeder Lage aufs Ganze! Vergnügter Ulk begegnet einem dann ebenso am Rettungsboot und ist da durchaus die Antithese zur Rape-and-Revenge-Klaustrophobie von „Hard Sensation“, welcher anhand der zuvor genannten Zutaten zeitweise eher den Anschein macht, die kollektive Erniedrigung, Machismo und Sexismus als Lust auf den Zuschauer übertragen zu wollen. Haut erwartungsgemäß nicht so ganz hin, obwohl sich alle Männer hier als Etappenschweine der Grausamkeit aus Macht entlarven; die Sympathie unter Beihilfe von Alessandro Alessandronis Score konstant bei den gefangenen Frauen liegt, obgleich die Kamera sie im Blowjob geißelt. Mark Shannon rotzt sich da als Haupträude eines entflohenen Knasttrios am Fiesesten einen von der omnipräsenten Goldkette ums Genick, kriegt aber auch erst so in der letzten Minute sein Fett weg, was der Film mit einem tragischen Bündnis zum Vergessen quittiert, dessen Tragweite ich viel lieber und früher genutzt gesehen hätte. Naja, nächstes Mal läuft’s bestimmt wieder besser zwischen Joe und mir.




Bis dahin haben wir wieder ein bisschen an amerikanischen Stoffen in petto – James Mangolds Debüt „Liebeshunger – Hungry for Love“ nämlich, das per Originaltitel „Heavy“ weit weniger platt klingt, hat es mir nämlich auch angetan, die Schwierig- und Selbstverständlichkeiten des sozialen Kontakts via Pizzabuden-Mitbesitzer Victor (Pruitt Taylor Vince) mit zu verfolgen. Obwohl sich der Rahmen auf provinziellere Sehnsüchte der Arbeiterschicht und solche, die es werden wollen, konzentriert, als es Mangolds aktueller „Logan“ von außen hin unternimmt, merkt man denselben Macher zwischen jenen auseinander klaffenden Wunden an, die ihre jeweils zentralen Individuen am Eingeständnis derer selbst zweifeln und Kreuze machen lassen. Keiner mag mit den Gegebenheiten brechen, Beerdigungen in die Wege leiten oder eine Trennung aus gewohnten Mustern vornehmen – man träumt von einem Ziel der Sicher- und Geborgenheit, doch in der Unterwürfigkeit zur eingelebten Desillusionierung Amerikas und seiner Tankstellenmärkte auf Valium (immer mit Schaukelpferd davor, von dem Hunde wie Kinder ausreißen) bleiben diese verbaut. Nicht unbedingt aus Dickköpfigkeit gegenüber nötigen Veränderungen (in diesem Fall: Weg vom Speck), eher, weil man allen Seiten nach zu urteilen ein Narr sein müsste, diese in Angriff zu nehmen. Die neue und blutjunge Aushilfe Callie (Liv Tyler) hat eben schon einen Beau, alles andere als der beste Hengst im Stall, aber eben das, was schon ist, was selbst sie nicht ändern kann, obwohl der Wille in den Tränen steckt und man es sich als Zuschauer fast so sehr wünscht wie Semi-Kupplerin/Victors Mutti Dolly (Shelly Winters).


Moms Ableben per Herzinfarkt hinterlässt schließlich einen Sog für den ohnehin schon auf Zurückhaltung gepolten Sohnemann, der fehlplatzierte Schuldgefühle und Beziehungsunfähigkeiten zu einer allumfassend zerstörerischen Mischung aufbereitet, noch mehr (auch wortwörtlich) in sich hineinfrisst, wenn das Diner, eben der Treffpunkt aller, immer mehr Fragen ans Gewissen stellt und das Schlechteste aus dem Egoismus des seit jeher Festgewachsenen fördert. Amerika frisst sich bei Mangold oftmals aus dem Innern nach oben=unten, u.a. anhand von Kollegen wie Delores (Deborah Harry), die einem beim Aussichtszaun zu aufsteigenden Flugzeugen noch Süßes vorsäuseln kann und im nächsten Moment Gemeinheiten aus Frust in die Wege leitet, so abgeklärt sie auch an einem Tresen arbeiten muss, der in seiner Gemütlichkeit oftmals auf „Blutgericht in Texas“-Ebenen aufleuchtet. Die Methodik an Hinweisen und Konstruktionen, mit denen Mangold dahin arbeitet, hat er übrigens bis heute nicht abgelegt – es herrscht hier wie dort der Zwiespalt, einen inneren Weg mit deutlich identifizierbaren Mittlern per Script zu unterfüttern, wie sie eher in Filmen denn in der Realität funktionieren, eben die Funktion an sich repräsentieren und doch noch mit einem Feingefühl gehandhabt werden, wie es ihnen vom Genre her normalerweise nicht zuteilwird. Mangold weiß seine geliebten Dysfunktionalen eben in der Filmsprache (erst recht in der höchst exemplarischen Einnahme der Darsteller) zu verinnerlichen, selbst wenn das Drehbuch mit Pflichten auf der Kippe steht, dennoch singuläre Ereignisse und Figuren ins Erfahrungsspektrum des Verdrängens und Verlangens nach Liebe zulässt, wie es einem unsteten ewigen Wanderer wie Wolverine ebenso ins Gesicht geschrieben steht. Die angeschlagenen wie anschlagenden Erwartungen zur Männlichkeit sind hier natürlich stiller als 2017 im Clinch, letztendlich fahren eh alle nebeneinander im selben Auto gen (n)irgendwo, bis sich die Wege trennen und es da ja doch weitergeht.




Wir kurven dagegen weiter zum „Point of Terror“ in Los Angeles lang, genau dorthin, wo uns Peter Carpenter letzte Woche schon zur „Blood Mania“ einlud. Mir war da noch nicht ganz bewusst, in wie viele Bereiche jenes Films er seine Hände stecken hatte, umso deutlicher tritt das hier zum Vorschein, wo ich zunächst noch vermutete, dass Robert Vincent O’Neill erneut die Führung übernommen hätte. Denkste! Alex Nicol heißt der Regisseur hiesigen Erotikthrillers, doch das ist im Grunde banane und einerlei. Inhaltlich gleichen sich die Filme fast bis aufs Haar – also gut, zumindest in den Grundzügen geht es wie dazumal um einen von Frauen umgarnten Toptypen (Carpenter), der seiner Geldsorgen wegen mit einer reichen Dame anbandelt, welche jedoch einen Knacks in der Psyche hat und besonders dann um die potenziellen Besitztümer wettert, wenn eine jüngere Unschuld aus Familienkreisen zu Besuch kommt und besagtem Manne bis zum Trauring den Kopf verdreht…was üble Konsequenzen nach sich zieht! Ganz wie bei Mangold sind die doppelten Lottchen an Filmerfahrung aber keineswegs solche, die sich gegenübergestellt von selbst aufheben, dafür kommt der jeweilige Elan dann doch immerzu auf die tollsten Eigenarten und offenbar sowieso von Carpenter selbst. Schade, dass er, der binnen beider Filme auf Beerdigungen vorstellig wurde, noch im selben Jahr, 1971, einer Gehirnblutung erlag – an ihm ist ein fesches Multitalent verloren gegangen, das vielleicht mehr den Hansdampf in allen Gassen ergab, aber eine solch selbstüberzeugte (nicht immer selbstsichere) Exploitation auffuhr, dass es nur allzu schmackhaft knisterte.


Man siehe dieses Mal allein das Intro, in dem der Herr Hippie’esken Soul am Vorhang vortanzt und mitsingt, den Sänger/Songschreiber Tony Trelos mimt und höchstwahrscheinlich nicht höchstselbst auf der Tonspur trällert. Ja, sieht leicht unbeholfen aus, aber den Mann kann man nur liebhaben; die Schnittstelle zwischen Tony Curtis und Ryan Gosling sehe ich ihm weiterhin an und genauso angenehm gestaltet sich auch sein Beuteschema zur Weiblichkeit. Die erste Freundin ist wieder eine rothaarige Schönheit, Sally (Paula Mitchell), und ein motivierender Anker inmitten seiner Behausung als halber Beachbum, der hinter der fitten Fassade um den Ehrgeiz gegenüber Mutter und Skeptikern auf Lebenszeit ringt, was er in einem One-Take und Schoße genialer Konkretheit so nah wie möglich zum Ausdruck bringt, Carpenter vor unseren Augen transzendierend privat wird. Damit er also die Katharsis erreichen kann, weil es ihm keiner an dieser Stelle abschlagen kann, meldet sich der Zufall in der Standsonne an, in Gestalt der Ehefrau des invaliden Plattenmoguls Martin Hilliard (Joel Marston, fantastisch am Quängeln und mit Phil-Hartman-Ton in der Stimme): Andrea, gespielt von keiner geringeren als Dyanne Thorne, epochenmarkierende Sadomasochistin aus den Ilsa-Filmen. Die gefährliche Verführung ihrerseits ist da allzu absehbar, sobald sie Tony unter ihre Fittiche nimmt, es aber eher insofern auskostet, ihren Gatten vor Eifersucht rasend zu machen – obwohl sie sich da gegenseitig an die Gurgel gehen wollen, funktioniert wohl genau das schon seit einiger Zeit als Beziehungsgrundlage. Das Essig-Syndrom im Menschen!


Mit Tony als neuer vom Mister bezahlter Plattenbengel scheint jedoch eine Spitze der Frechheit erreicht, bei der es kein Zurück mehr gibt. In der Sippe sind die um mehrere Köpfe geworfenen Ultimaten dann auch so blutrot wie Tomaten, mit Farben geizt der Film sowieso nicht, wenn er das Muster mörderischer Intriganz und Erpressung sogar mit den Signalen des Stierkampfs ausstattet. Über welches aus „Blood Mania“ übernommene Element ich mich dann aber doch am meisten freute, war die Rückkehr von Leslie Simms als per Trockengift schnatternde und trinkfreudige Kumpeline Fran – die Frau leuchtet selbst mit unschmeichelhaftesten Perücken und Leopardenfellklamotten auf, dass ich mich frage, warum Tony nicht einfach mit ihr um die Häuser zieht. Gute Freunde werden sie hier ja so oder so, null problemo. Die Kontrolle behält allerdings Andrea, zwingt Tony (und - siehe den tollen Couch-Schlagabtausch - sich selbst) in Abhängigkeiten, die mich an „Love and Mercy“ erinnern ließen und auch hier von einem Engel in blond, Hilliard Tochter aus erster Ehe Helayne (Lory Hansen), errettet werden, mit welcher die schönsten Freizeitaktivitäten unternommen werden, ehe die Provokationen an Eskalationen ihren im Titel erwähnten High-Point erreichen. Der verausgabt sich bis dahin vielleicht mit weniger Sexappeal und Delirien, als es bei O’Neill der Fall war, aber das ordnet ihn vielleicht sogar kurzweiliger in jene Variante der Hardboiled-Seifenoper ein, zwischen deren tollen Damen (und dem perfekten Barpärchen nebenan, als käme es der Funktion aus „Begegnung“ gleich) sich Peter Carpenter deutlich pudelwohl fühlt und dennoch allesamt hart gegeneinander sowie gegen ihn als Versager aus Stolz und Ambition antreten lässt.



  
Gegen sich selbst und die eigenen Schwächen arbeiten zu wollen, tja, darum geht es auch in meinem schon ganz oben angekündigten Darling innerhalb dieser Filmwoche: „Emanuelle – Insel ohne Tabus“. Wieso springe ich gerade auf den Film an, wenn er Laura Gemser ausnahmsweise mal nicht durch Joe D’Amato in die Welt der Sinnlichkeit führen lässt? Ich hätte mir die Frage jedenfalls nicht bei ihrem Einstand als „Black Emanuelle“ im (ich übertreibe mal:) gesteigerten Sextourismus von Bitto Albertinis gleichnamigen Film stellen müssen, aber diese italienisch-venezolanische Koproduktion von Enzo D’Ambrosio und Humberto Morales hat sich auf eine ganz eigene Art ins mediale Vergnügen meinerseits eingepflanzt, welche ihre Hingabe zum Wandel eines Individuums so friedfertig und ehrlich wie die Wenigsten ihrer Epigonen angeht. Im Sinne einer gefühlsmäßigen Orientierung kann man anfangs durchaus einen Mittelweg zwischen „Robinson Crusoe“ und „Die blaue Lagune“ für sich erkennen, doch selbst wenn man auf dem verlassenen Eiland des dort gestrandeten Daniel (Paolo Giusti) begrenzte Möglichkeiten des Erzählens vorzufinden glaubt, konzentrieren sich dann doch zielsichere Erkenntnisse zu Leben, Liebe, Selbsterkenntnis und Respekt für alle Lagen des Daseins heraus, was angesichts der schmuddeligen Umstände ein kleines Wunder darstellt. Beim Rückzug auf eine Insel wie diese liegt es natürlich gerade dann immer im Auge des Betrachters, wie der Entzug, die (un)freiwillige Flucht und die Reflexion zur eigenen und Fassung des Films - der sich natürlich nicht vollends dem Sleaze und seinen extensiven Streicheleinheiten entziehen wird - zu werten ist.


Und da macht er es mir nicht leicht, ihn an euch Leser weiterzuleiten, wenn seine bislang erhältlichen Versionen aufgezoomt und breiig aufs Meer gondeln; die nicht immer kostenintensive Schludrigkeit in Kamera, Schnitt und Tempo ebenso wohl kaum dem Standard entspricht. Wie man’s von mir kennt, sehe ich gerade da aber einen Reiz auf Augenhöhe, der hier z.B. in recht fixen Fragmenten alles zu erzählen schafft, wie Daniel auf das im Meer verfahrene Boot gekommen, im Parallelschnitt von Einsam- und Mittellosigkeit umzingelt ist. Die außergewöhnlichen Töne von Marcello Giombinis Soundtrack machen den einnehmenden Druck der Situation erst recht greifbar, wenn auch eben eher mit solch unruhigem Wabern, das auch auf der Bildebene eine Schönheit voller Widersprüche stattfindet. Jedenfalls klebt man fortan ganz fest an Daniel und seiner nach innen gekehrten Rastlosigkeit dran, die auch dann nicht aufhört, sobald er die rettende Insel bar jeder Ressourcen erreicht. Dass solche Schicksale einen nicht gleich derart stilistisch erschlagen und nerven müssen wie ein „Swiss Army Man“ versteht sich hoffentlich von selbst, entsprechend entschleunigt geht dieser Mann also auf Spurensuche zur Selbstversorgung und trifft dabei via behutsamen Herantasten auf das Geschwisterpaar Heyde (Gemser) und Juan (Nicola Paguone), die seit jeher mit ihrem Vater Antonio (Arthur Kennedy) im Alleingang die Insel bewohnen. Interessant ist bereits da schon, wie Daniel dem Typus des barschen Stadtmenschen in der Situation entgeht, Vorsicht und den personal space beherzigt, ohne sein Gegenüber von Vornherein für dumm zu verkaufen.


Es bahnt sich hier also eine feine Sache Richtung Menschenkenntnis an, bei deren Freizügigkeit in erster Linie mal nicht von Sex die Rede ist. Man merkt Antonio auf jeden Fall schon mal eine harte Linie des Protektionismus an; eben einen Kauz, der nichts von der seiner Meinung nach verkommenen Außenwelt an sich und seine erwachsenen Kids hinein lassen will – so basisch jene Eigenschaften auch klingen, sind Dialog und Umgang zwischen den Parteien dann doch nicht allzu sehr vom Topos gekennzeichnet und leiten ihre Positionen ohnehin mehrmals zur Differenzierung an. Kann auch sein, dass ich sowas übersehe, wenn man daran teilnehmen darf, wie Heyde und Juan der ungenierten Unbedarftheit und Neugier wegen Daniel helfen, dass sich da über die ersten kleinen Gesten (u.a. Feuer, Harpune und Hochprozentiges) ein Austausch entwickelt, von dem alle etwas haben, eben geteilte Plätze anstatt geteiltem Leid. Die insofern noch vorhandene Sucht zur Spritze schlägt bei Daniel zwar immer wieder unter Krämpfen durch, doch am Genesungsprozess dazu öffnet der Film erst recht eine Vielzahl von Stärken: Die Balance zum Natürlichen lässt sich im audiovisuellen Schwebezustand erfassen, die Sympathien bleiben an jeder Person größtenteils auf einem hohen Level und die Beobachtung moralischer Kontraste funktioniert eben hauptsächlich als solche. Die buntesten Zoten bleiben bei Antonio haften, ansonsten bietet der Film eben einen relativ schwärmerischen, doch intimen Diskurs (entgegen) des Alltäglichen – zudem entschlossen abseits des Alltags in der Zivilisation.


Das kann man dem Film als Fantasieerfüllung anrechnen, klar, insbesondere, was die Zuneigung Heydes angeht, doch jene natürliche(re) Erfassung des Zwischenmenschlichen hatte mich zeitweise sogar an die Leichtig- und Knappheit eines Hong Sang-soo erinnert. Gewagte und naive These, ich weiß, weise aber gleichsam auch darauf hin, exemplarisch zu beachten, wie Daniel mit einem schließlich vorbeikommenden Fischer parliert, wie die Entscheidungen im Nachhinein dazu ausfallen und überhaupt wie sich allesamt von bestimmenden Mustern lösen, die teilweise auf ewig über Kino und Realität zu thronen scheinen. Sind wie gesagt durchweg kleine Gesten in einem Werk, das solche Ansätze von außen hin nicht zu erwecken wagt, aber in die verliebt man sich ja bekanntermaßen am ehesten ganz unverhofft. Ich war sogar überrascht, wie der Film letztendlich seine titelgebenden Tabus auflöst, wie packend die Grenzerfahrungen darin zusammenkommen und trotz aller Konflikte über den eigenen Schatten springen können. Solche emotionalen und aufrichtigen Pfade findet man sonst eben auch eher in unterschätzten Begegnungen wie derer mit der „Dark Tide“, wenn es um den Stellenwert des Echten im Genre geht. Falls man also da schon von den Socken war, wie sich die Elemente mit dem Menschen ergänzten und ihre gemeinsamen Aktionen auf eine Dreieinigkeit des Wiedererkennbaren, des Romantischen und des Trivialen einstellen konnten, dann dürfte man hier ebenso ganz geschmeidig die Sehnsucht inhalieren.

Sonntag, 19. März 2017

Tipps vom 13.03. - 19.03.2017


Luobo Losor,

mein Kommentar zur Weltpolitik sieht sich wieder mal...nee, das lassen wir in dieser Ausgabe kurzfristig aus; bitte, macht es euch gemütlich. So, diese Woche probieren wir stattdessen erneut eine kleine Reform in der Vermittlung meiner Tipps binnen der großen wunderbaren Welt des Films. Weil mir nämlich auch so viele auf einmal untergekommen sind und meine letzten 7 Tage quasi im Alleingang bestimmt haben, ist die schriftstellerische Zuwendung Richtung Tagebuch auf meine Entscheidung hin wieder angesagt. So spare ich mir einigen Druck, alle nennenswerten Streifen (abgesehen von Kinobesuchen, die eventuell nochmal extern erscheinen) unter einen Hut zu bringen und kann mir zudem erlauben, die Umstände miteinzubeziehen, unter denen ich ihnen begegnete, ohne jene bestimmten und gelegentlich zur Ausschöpfung neigenden Rahmen einer Kritik bzw. einer Ein-Satz-Kritik erfüllen zu müssen. Bei letzterem hatte ich zumindest eine gar nicht mal so unwirksame Resonanz erhalten, da sich Rudolf Thome dieser angenommen und auf seinem Blog verlinkt hat – gab gleich mal einen Höchststand an Klicks, wie ich ihn seit der Neujahrs-Ausgabe nicht gesehen hatte. Aber ab und an muss eine Auszeit drin sein - ich werde älter und bestimmt kein frisches Kraftwerk an intellektuellen Ressourcen mehr, Woche für Woche über 5000 Wörter aufs digitale Blatt zu bringen. Ist für die meisten Leser offenbar auch angenehmer, auf kürzestem Weg auf die Aussage eines Textes/einer Empfehlung hinzusteuern, also komme ich dem mal entgegen – zumindest ausnahmsweise und weil mir die wie immer fehlende Zeit im Weg steht. Gut ist daran ja sowieso, dass man meint, schneller voranzukommen, also schauen wir mal nach, was ich am Samstag und Sonntag so zu Papier gebracht habe. Anmerkung: Im folgenden erlebt ihr, wie ich meinem Intro von Film zu Film immer massiver widerspreche.




So dann, hier kommt „Rodan – Die fliegenden Monster von Osaka“, eine klassische Monsterschau vom Initiator des jahrzehntealt-japanischen Kaiju-Kanons, Ishirô Honda höchstselbst. Ist auch einer der wenigen Filme, welche ich dieses Mal für mich allein sichtete, was immer etwas problematisch verläuft, weil ich dann öfter dazu geneigt bin, zwischendurch vom Fernseher weg auf den Computer zu schauen, insbesondere, wenn der Mitreißfaktor des jeweiligen Filmes gerade nicht allzu viel von einem abverlangt. Dabei spricht hier durchaus einiges dafür, dranzubleiben, wenn der erste Farbfilm (Eastmancolor) des Toho-Monster-Gerangels noch im Vollbildformat aufgelöst ist, von Wurzeln der Bescheidenheit zeugt, in denen Giganten zur Invasion des Gewohnten voran traben und kurz darauf Flug wie Absturz lernen. Aus den Minenschächten kommen also die übergroßen Käfer rüber ins Eigenheim um den Vulkan Aso getrampelt, verscherzen es sich mit der Arbeiterklasse und sind doch ebenso nur Anwohner einer prähistorischen Gemeinde, die sich nun zu zweit per Flügelschlag aus den jeweiligen Eiern schält, in ihrer Angst das unbekannte Wesen Großstadt zertrampelt. Die Paranoia um Heimatgrenzen und Fortschrittsmahnung ist natürlich kein thematisch unbekannter Topos der 50er, hier hauptsächlich einem Horror-Eskapismus dienlich, der seine Wirbelwinde der (unfassbar detailgetreuen) Zerstörung zum Nervenkitzel statt zur tragischen Ermattung eines „Godzilla“ anwendet, geradlinig auf das Genre saust wie ballert. Vielleicht liegt es auch an der zurechtgestutzten Exportfassung, das dabei so wenig emotionales Klammern präsent ist, der Nukleus charakterlicher Bindung per Voiceoverüberschuss ankommt – dennoch ergibt der Weg des Ingenieurs Shigeru (Kenji Sahara) keinen uninteressanten Spiegel zum Auftauchen von Rodan und Co., vom Kollegen- wie Gedächtnisverlust in der Katastrophe der Entdeckung hin zur Pärchenbildung sowie mit einer sorgevollen Miene der herbeigeführten Selbstzerstörung der Monster schmollend/delirierend. Das Ende vermittelt am ehesten die Flügelspannweite des unbedingten Miteinanders, was unter dem flotten Ensemble an Einsatzbesprechungen und -umsetzungen leicht untergeht, bis dahin explosives Kurzweil aus dem Fieber mythologischer Synonyme geschlagen hat.




Nach knapp einem Tag Pause, der mit einer gehörigen Einheit Schnittarbeit zusammenhing (die Woche war da durchweg was los, warum auch nicht, wenn man einen Job hat?), war ein Minifilmabend im Hause Bendix angesetzt, weil es u.U. doch ziemlich müßig gewesen wäre, einige der drei enthaltenen Filme alleine schauen zu müssen. Der Aja-Effekt setzt ein, wenn man z.B. dessen aktuellste Arbeit, „Das 9. Leben des Louis Drax“, auf die Mattscheibe wirft – eine höchst mäandernde Melange aus gedämpften Stimmungen, die sich anfangs für Tim-Burton-Vergleiche warm machen will, als Romanadaption aber auch zig Strecken des charakterlichen Zermürbens anwendet, die entweder in der Komaklinik oder in Rückblenden verweilen, welche einen Twist von höchster Vorhersehbarkeit erraten/bestätigen lassen. So wie sich der audiovisuelle Ernst auf steife Schablonen/Figuren forciert (exemplarisch dafür mit leading man Jamie Dornan ausgestattet), weiß sich Regisseur Alexandre auch nicht weiter zu helfen, als eine permanente Überstilisierung zum magischen Realismus hin zu versuchen, die um redundante aerial shots und Glow-Effekte kreist, ohnehin darauf hofft, dass wir die Sentimentalisierung zu einem übertrieben neunmalklug arschlöchrig morbiden Problemkind schlucken, welches sein Beinahe-Ableben so abfeiert, als wäre es „In meinem Himmel“. Bereit für dessen quirlige Erklärungsversuche von einem „Recht auf Beseitigung“ (der Begriff wird so cute auf Hamster- wie Menschenleben angewandt, als sei es keine Problematik mit Würgereiz)? Oder für die handlungsübergreifende Misogynie, welche bitchy Kommissarinnen und Ehefrauen mit der traumatischen Hilfebedürftigkeit einer jungen Mutter (Sarah Gadon) kreuzen lässt, deren Vertrauenswürdigkeit zu sonnigen Affären hin eine Psychopathin nach „High Tension“-Format unterjubelt? Es ließe sich über so vieles aufregen, doch wie, wenn man vorher einzuschlafen droht; Aja einen durch die Informationsbeschaffung Dornans schleppt; das Rätsel/Whodunit? um den verloren geglaubten Vater Louis, Pete (Aaron Paul), nebst dem obligatorischen Cameo an Jumpscares zugunsten eines Tearjerkings für #NotAllMen heult; übernatürliche Klischees an die Schläfe klebt und mit mäandernder Dramaturgie in eine Menschenkenntnis anno 1960 aufschlägt?




Da kann man sich lieber gleich darauf Sex, Drogen und Rock 'n' Roll via Catherine Hardwicke anlachen, welche mit „Plush“ von der edgy Goth-Bühne weg auf ein wildes Psychogramm der Abhängigkeit abzielt, das Personen und deren Stardom als Droge auszeichnet sowie in eine nicht minder mörderische Hysterie treibt. Ausschlaggebend dafür zeichnet sie flugs sowie mit kunterbunt kaschiertem Jason-Blum-Budget in der Tasche die Falle der Schnellschusskarriere vor, in der sich Rockstar Hayley (Emily Browning) umso schwerer zurechtfindet, sobald ihr Bruder per Überdosis das Zeitliche segnet, sie trotz Unterstützung von Ehemann Carter (Cam Gigandet) und Kids nur schwer darüber hinweg kommt sowie bei den Lyrics um fehlende Glieder schluchzt. Genau die richtige Zeit für den mysteriösen und bisexuellen Enzo (Xavier Samuel), der als Ersatz eine neue Hochphase der Kreativität bewirkt, allerdings auch nicht ohne Grund an Milo Yiannopoulos erinnert. Der Verführungskünstler fickt und slangt sich elegant in ihr Herz, bald aber auch ins Privatleben, nachdem ihre Rekapitulation einer joie de vivre vom Format naiver 80er-Musikvideos mehrere unerwünschte Hausbesuche, ohnehin Stalker und Misstrauen herbeifördert. Die Wendungen dieser Prämisse sind durchaus auf konservativem Thriller-Standard gegründet, ergeben aber eher die Plattform eines freimütigen Humors, den Hardwicke Kraft ihrer Unberechenbarkeit mit absurden Details am Rande füttert, Kinderzimmer voll ausgestopfter Tierköpfe an der Wand für voll nimmt, mit der Familie um Kojotenkotze jubelt und dem Gatten einen Zitronenbaum als Symbol ehelicher Beständigkeit zur Verfügung stellt, während sich die Schuld um den Betrug dessen in den Bauch hinein schwängert, trotzdem am verruchten Leder daran aufgeilt. NIN-Emulationen und Hundeleinen für die Kids ergeben also die Spitze des Eisbergs in jener Milieu-Kolportage Richtung Home Invasion, die größtenteils kecke Versteckspiele der Obsessionen gegeneinander ausspielt, im Schlussakkord den „Lonely Lady“-Schlauch zur Emanzipation von der Sucht auspackt und trotzdem eher ungezwungen auf Spaß bugsiert auf Versöhnung und Fortsetzung hofft. Schade, dass ich über den dritten Film im Bunde, Breaking Thru, nicht soviel zu sagen habe, außer, dass er knapp unterdurchschnittlich die Stationen jedes beliebigen Tanzfilms abklappert, immerhin noch ungewöhnlich entschleunigt und still am Zwist karrierebedingter Ambition teilnimmt und spontane Abblenden à la Téchiné nutzt, wenn er jene Tristesse binnen L.A. mal nicht ab und an mit Choreographien in der Totale unterbricht. Unbedingt harmlos und auf Youtube eingestellt, versucht er manch dramaturgische Spitzen in der Schlaftablettenüberdosis einer Kumpeline, doch das Ende hin zur Freundschaft und Erfolgs(miss)gunst im Team-Geist ist so abseh- wie austauschbar geraten, dass wir uns hauptsächlich eher über die Betonungen der Synchro amüsieren konnten.




Naja, ein Rausschmeißerstreifen muss auch mal sein, zu denen dürfte Andreas Dresens „Willenbrock“ aber sicherlich nicht zählen! Jene Romanverfilmung nach Christoph Hein habe ich im Rahmen meiner inoffiziellen Retrospektive zum Werk jenes Herrn D. gesichtet, bei dem ich mir Film um Film aufs Neue sicher sein kann, stets eine Wertung von 5,5/10 auszuteilen. Das läuft hier nicht anders, so wie sich Sympathisches (allen voran Axel Prahl im Zentrum) und potenziell Substanzielles von der Vergänglichkeit etablierter Sicherheiten im Verlauf ankündigt, allerdings auch in einer Ebbe des Auserzählens verläuft, dem etwas unentschlossenen Realismus wegen um seine Ballungspunkte schlendert und im Charakterkino sowieso auf Muster zurückgreift, die Dresen zuvor (wahrscheinlich auch danach) schon kultiviert hatte. Wie so oft fängt das mit versagten Wünschen an, mit der Überkompensation von dem, was man hat und unter vorgehaltener Hand kriegen könnte, je länger die Gewöhnlichkeit/Härte des Alltags anhält, sich selbst im konstanten Ehebruch (ebenso ein durchgängiges Thema dieser Ausgabe?) oder anderen Niederlagen auf Muster einstellt und mit der lockeren Zwischenmenschlichkeit klar Schiff machen muss, wenn die garantierte Eskalation eines jeden Dresen-Films als Gruppe vorstellig wird. Wenn Tilo Prückner da einen toten Hund reinschleppt, ist im Grunde schon der - jedenfalls für mich - bis jetzt härteste Schock im Oeuvre eingetroffen; ein Exkurs in die dunklen Ecken der Home Invasion (noch so ein Sammelbegriff der Woche) führt Dresen jedoch erst recht zu einer effektiven Stilübung gelungenen Terrors, die so spontan (naja, zumindest mit subtilen Ansätzen dorthin) eintrifft, wie sie bezeichnenderweise fortan die Grundstimmung des Films und dessen Figuren bestimmt. Natürlich bleibt Prahls Willenbrock dabei ein bodenständiger wie fehlerbehafteter Semi-Selbstversorger inkl. Sprüchelager und Ausredetechnik, der jede Facette der Eifersucht austeilt/einkassiert, sein Selbstbewusstsein je nach Situation forsch oder empathisch anwendet, sich vor der Wahrheit druckst oder auch mal andere deswegen anschnauzt. Hin- und hergerissen gibt sich wie gehabt auch die Inszenierung Dresens, mal mit leinwandtauglichen Kamerakränen auf Motivsuche, dann wiederum in grobkörniger Handarbeit am Wesen der Verzweiflung dran. Das fließt einigermaßen, lässt in den Darstellungen aber gleichsam das Pendel schlagen, wie echt oder vom Drehbuch konstruiert die persönliche Erfahrung wiegt, wo die Scheidungskinder lieber Leben oder Tod gestalten wollen, ob männliche oder weibliche Paranoia enervierender aufs jeweilige Gegenüber einwirken. Da bleibe ich wohl weiter auf der Suche nach dem Film Dresens, der mich vollends überzeugt - langweilig ist es bislang zumindest nicht geworden.




Freitag aber, ja das war wieder der Tag aller Tage, da der Filmabend auf dem Plan stand und sich mit Energy Drinks, Coke Cherry, Pizza, Burger und billigster Knabberbox für einen Ablauf an gemeinsamen Sichtungen zurecht kurbelte, der bis fünf Uhr morgens anhielt. Ich frage mich immer wieder, warum sich die Nachbarn noch nie gegen mich aufgehetzt haben, wenn ich bedenke, wie laut wir immer lachen und teilweise einen Bombast durch die Boxen jagen, der sich so wenig kontrollieren lässt wie die Filme an sich. Sage und schreibe sieben Filme ließen diesmal dementsprechend zum Durchräuden bitten und welches Werk dürfte sich da besser zum Startschuss eignen als Joe D'Amatos „Man-Eater – Der Menschenfresser“? Für mich war der Film nichts Neues, aber ein Wiedersehen unter sowie mit Freunden sollte in diesem Fall - so dachte ich - schon in etwa das replizieren, was halbstarke Provinzbengels und Mutproben unter Teens seit Jahrzehnten an dem Streifen erfahren, ob sich denn die berüchtigte Schlachtplatte bestätigen ließe, die diesem Mitinitiator der hiesigen Videoverbotswelle in den 80ern seit jeher nachgesagt wird. Die Schlüsselmomente dazu hab ich seit jeher nicht vergessen, insofern wurde aber durchaus der Blick dafür frei, wie extensiv die jeweiligen Aufbauphasen dahin für sich selbst stehen mussten, im halbseidenen Nervenkitzel allerdings durchaus von einer Naivität zeugen, wie man sie der pubertär zugeschnittenen Aufregung wegen auch von Hörspielen à la Larry Brent oder Dämonenkiller kannte. Richtig stark war es allerdings, einem Uneingeweihten genau das zu präsentieren, es ohnehin auch wieder mitzuentdecken, wie Tisa Farrow und sonstige basische Konsorten an einer geheimnisvollen Insel auflaufen und statt dem Urlaubs ihres Lebens einer Unheimlichkeit nach der anderen begegnen. Die ansteigende Furcht vor dem Unbekannten ergibt parallel dazu die Sehnsucht vieler Zuschauer, kommende Stufen des Grauens zu erfassen – dessen zeigt sich der Film erst recht bewusst, wenn er seine Vorzeichen dazu mit quäkenden Synths anstimmt, durchs Mark hinweg trivial spukt und dafür eine wunderbar ranzige 16mm-Optik im Urlaubslicht Griechenlands montiert.


Reichlich filler spielt da ein einladendes Klima vor, weitere blubbernde Elektronik die Ungewissheit auf mittelseichter See, zu der sich noch einigermaßen unbekümmert die Paare bilden, welche im Folgenden nach langsam eskalierender Slasher-Manier getrennt werden. Sogar eine Dreiecksbeziehung zwischen Julie (Farrow), Medium Carol (Zora Kerova) und „Kuckuck“-Mann Daniel (Mark Bodin) liest sich da die Leviten bei Anbruch der Nacht inklusive aller verschwundenen Anwohner und Passagiere, bis sie sich über den Friedhof jagen, aber umso furchtsamer zusammenhalten, wenn der Titelfiesling (George Eastman) zum Morden keucht, die blinde Henriette (Margaret Mazzantini) aus dem Weinfass jagt und eine Blutquote steigen lässt, die heutige Sehgewohnheiten trotzdem (auch in der Menge, erst recht im Kontext des ganzen Schauerschuppen-Setups) mit Leichtigkeit unterbietet. Zum Ende hin geschehen da einige skandalösere Einschnitte, allen voran der in den Mutterleib, doch wenn der Film eins verherrlicht, dann das überlange Erkunden der Insellandschaft sowie seines Prunkanwesens mitten drin, dessen finstere Geheimzimmer an „Die Rückkehr der Zombies“ erinnern, wie die Leichenkammern in den Schluchten auch an die Mumien in Werner Herzogs „Nosferatu“. Jene Phasen gehen aber auch zunehmend mit einer Albtraumlogik einher, wie sich die Protagonisten darin bewegen sowie plakativ miteinander parlieren, ihr Auseinanderdriften verschleppen oder selbst in Hörweite verspätet aufeinander reagieren, ein Leichentuch nach dem anderen abziehen und jene grotesken Schaurigkeiten darunter Stück für Stück per Zoom erfassen. Flotte Teens – runter mit den Screams. Der Kannibale vor Ort passt sich da nur allzu gut an den Film an, im Schleichtempo aus dem Nichts auftauchen zu können, im Geiste durch mehrere Morde zu schweben, so irrational der Hintergrund seiner selbst auch zusammengeführt wird, weiterhin an diese Entdeckungsehrfurcht klassischer Schauermärchen gemahnt, wo die Zuschauer währenddessen diskutieren, wie so etwas jedweden Tatbestand unter §131 erfüllen könnte. Kein Wunder, dass die geistige Fortsetzung dann auch „Absurd“ hieß, denn so wie sich dieses behäbige Spektakel an den eigenen Gedärmen verzehrt, kann man es umso quietschvergnügter als verträumtes Inselfieber für junge Abenteurer auf der Suche nach „Ab 18“ wahrnehmen.




Bei der Stimmung kann man ja nur in der Mentalität der Achtziger verbleiben, insofern war gleich danach „Salsa – It's Hot!“ einprogrammiert, der als Cannon-Produktion erneut daraus Kapital schlagen wollte, was einem vom Titel weg bereits als Trend bekannt war und sich problemlos innerhalb eines austauschbaren Narrativs einsetzen ließ. Boaz Davidson hat dafür so einiges an Story, Drehbuch und Regie reingesteckt – und gelegentlich spürt man auch diese Coming-of-Age-Konfliktzonen eines „Eis Am Stiel“ in der kollektiven Dauerwelle, doch wenn man die Woche und Jahre zuvor schon gefühlt alle Karriereschwankungen eines Tanzfilms durchgeackert hat, kann man sie hier erst recht nach der Uhr stellen. Das funktioniert mit einer Ausdauer, die Davidsons geballte Reihung an hüftschwingenden Schauwerten sofort als Lückenbüßer erkennt, auch wenn die anfängliche Euphorie anhand des Hauptmackers Rico (Draco Rosa) noch so ansteckend traumtänzelt, dass man beinahe dem Wahnsinn verfällt. Im surrealen Stakkatoschnitt wird da schon die Werkstatt aufgemischt, innerhalb derer er die Versorgung der Familie (minus toter Vater, weshalb er für Schwester Rita den Patriarchen gibt) anstrengt, kurz darauf springt er sich einen Elvis aus der Dusche zusammen und steigt so galant in den 50's Chevrolet wie einst P.C. im „Wind der Liebe“ - ob er im Verlauf genauso daran knabbert, dass alles nicht mehr so recht klappen will, wenn's mit den Mitmenschen ringsum kaum noch hinhaut? Wer weiß... Jedenfalls steckt in ihm noch ein Mann der Träume; einer, der binnen L.A. zur Sensation gen Puerto Rico aufsteigen will (?) und dafür jede Nacht die Tanzfläche im La Luna aufwischt – mal mit der pausbäckigen großen Liebe Vicki (Angela Alvarado), mal mit der flotten Nummer Lola (Moon Orona), die er in seinem Schuppen so zutanzt, dass man die Metapher des Salsas als Sex x-mal expliziter wahrnimmt als in „Lambada“. Ständig hat man den Eindruck, dass die Leute nicht wissen, wohin mit ihrer Energie und das geht auch für eine Zeitlang gut, erst recht, wenn Davidson puertorikanische Geburtstagsfeiern mit Handpuppen und Schlägereien anreichert, darin bereits zwei Songs in Gänze abfrühstückt, während man sich gerade noch vom letzten heißen Feger erholt hatte – von der Kanonade an flapsigen Sprüchen ganz zu schweigen.


Ebenso knuffig bahnt sich da was zwischen Rita (Magali Alvarado) und Ricos Kumpel-mit-Harley Ken (Rodney Harvey, eine Mischung aus Tom Cruise und Mädchen Amick) an, was sich unter Geheimhaltung vor dem Aufpasser R natürlich so handfest aussprechen wird, wie man es sich erhofft – ebenso mangelt es dem Film nicht an Sequenzen grenzenloser Realitätssprengungen, die per Kenny Ortega („Newsies“) garantiert auch den hier inzwischen zu oft genannten Chazzelle-Streifen überbieten, thematisch wiederum versöhnlicher für die Freundschaft einstehen als jener Film, der hiesiges Milieu sogar offen verachtet. Und trotzdem ist Davidsons Interpretation letzten Endes eine ziemlich erschöpfende Übung im Konsens, die sich auf ihren Pfaden der Herausforderung die typischste Motivation für Ricos Karrierestänkereien erdenkt, eben Vicki als Tanzpartnerin fallen zu lassen, damit die böse Nachtclubchefin Luna (Miranda Garrison) ihren Willen bekommt, ihn natürlich nur des Image wegen ausnutzt und aufs Äußerste trainiert, bis wie in jedem Film aller Zeiten nichts mehr so wie früher läuft. Der Junge erhebt fast die Schwester gegen die eigene Schwester vor ihrem unverhofften Autounfall, d.h. die aufregenden Einzelmomente des Überschwangs bleiben im Film bestehen, wenn deren Wirkung eben auch mehr als oft auf dem Teppich bleiben. Klar, die Kamera will stattdessen, dass man auf die vielen Star-Auftritte von z.B. Tito Puente abgeht, genauso auf die Scheinwerfer-Farbgestaltung der Neon-Konkurrenz, binnen derer die Röcke so fetzig flattern, wie auch die Frise von Ricos Mom (Loyda Ramos) Szene für Szene an redundanter Schmierschicht gewinnt. Die Dynamik daran bleibt trotzdem in den Kinderschuhen stecken – und das, obwohl so viel junges Gemüse die Reize spielen lässt, Chefin Luna sowieso eher als tighte Superfrau Eindruck macht, als dass man ihr wirklich üble Absichten nachsagen will. Zum Ende hin glaubt man auch, dass der Film ihr die fiesen Macken austreibt (die Mimik zur Selbstironie haut Garrison eh an), so wie er Rico auch wieder dazu bringt, sich vom Arschlochdasein zurück ins glucksende Stehaufmännchen zu verwandeln. Aber näh, näh, solche Niedlichkeiten macht höchstens ein Joel Silberg klar, bei Boaz ist die Party dann doch wieder stereotypischer über die Boxen gelärmt.




Um der Ära noch ein mehr als würdigeres Beispiel der Großkunst nachzusagen, gab es allerdings sofort die „Satisfaction“ oben drauf, für die unsere gute Joan Freeman vom „Streetwalkin'“ weg in den Tourbus Richtung Strand gestiegen ist! Da richtet sie ihre Blicke auf Jennie Lee (Justine Bateman), Mooch (Trini Alvarado, verwandt mit denen aus „Salsa“?), Billy (Britta Phillips, „Jem and the Holograms“!) und Daryle (Julia Roberts!) als Mädelsband jungen wie rotzigen Rebellentums, die keinen Gig zustande kriegt und binnen NYC mit antagonistischen Honk-Visagen der Marke Aufs Maul zu tun hat, aber durchweg über diesen steht, wenn sich der Film sowieso eher für die spaßfördernde Gruppendynamik interessiert. Für Jennie Lee könnte die Uni rufen und unter den Augen des großen Bruders (Rico?) wäre das angesichts der miesen Monetenlage auch die bessere Option, doch der Rock 'n' Roll ist wie bei „Plush“ ein essenzieller Antrieb sondergleichen, welcher sich an dieser Stelle zudem anhand von Coverversionen fescher Hits dem Zeitgeist unabhängig in die Universalität des Genres stürzt, vom Intro an urbanes Happening und insbesondere in der deutschen Fassung den Jackpot der Verballerung juckeln lässt. Also 4real: In der permanenten Tour, wie der Film einen mit pointierten Slang-Granaten eindeckt, muss das Zwerchfell Überstunden machen – und das in einem Rahmen, der trotzdem eher naturalistisch auf die freche Schnauze des Ensembles zugeschnitten ist, mit Ausnahme von...dazu komm ich gleich. Vorher gesellt sich nämlich noch ein neuer Keyboarder aus der Nachbarschaft, Nickie (Scott Coffrey, mit Rick-Astley-Haarschnitt), dazu, der für ein verheißungsvolles Vorsprechen gebraucht wird, welches der Truppe einen ordentlichen Durchbruch verschaffen könnte, ehe sie sich noch mehr schlapprige Vans aus der Räuberkiste greifen muss.


Als wäre wieder „Magic Mike XXL“ angesagt, gehen die Träumer/innen also über beschwingte Roadtrips hin an Land bzw. an die kalifornische Küste und obwohl niemand so recht weiß, wann und ob und überhaupt, honkt's Nickie und seine Spießgesellinnen direkt in die Meisterbude von Ex-Plattenguru Martin Falcon (Liam Neeson!) hinein. Neeson sieht besoffen aus, aber sein Sprecher dichtet ihm gleich drei Fässer auf einmal an, so obertrüffelnd er den Chef markiert, eigentlich aber genauso zahm wie alle Ochsen oder eben Dobermann vor Ort, Hamlett, bölkt – der heimliche Star des Films. Obwohl, jener Begriff recht wankelmütig aufzufassen ist, da hier jeder seiner Rolle mehrere Top-Auftritte verschaffen darf. Mein Favorit ist ja Billy, die allein damit unterhält, dass sie je nach Position ihres Gesichtes Kathleen Turner, ScarJo oder Reese Witherspoon ähnelt; allerdings auch so einige der stärksten Momente jener Freimütigkeit reflektiert, mit der sich die Handhabung des Films ohnehin definiert. Aber wart's ab, vorher gibt der skeptisch trunkene Falcon die Ansage „Fußboden. Hinlegen. Abschnarchen.“ im Nebenkabuff seiner Hyperhütte durch, ehe die Chance auf den Selbstbeweis am nächsten Morgen dahingeht, dass eine grandiose Parade des Abchillens die Ansteckungsgefahr ihrerseits multipliziert. Was für 1 Life, Leute: Sand und Sonne auf der Laune spüren, spießigen Leudings die Meinung kommentieren, mit Hamlett turnen, später Fahrräder, Pferde und Jeep am Wasser perlen lassen, bevor man sich die Kerle der Ära angelt oder in die Pfanne haut. Da finden Film wie Zuschauer ihr Glück - bei der Gelegenheit wurde in der Runde auch das erste Bier angezapft und ich hoffe, man merkt es dem Text an, wie zufrieden man als Nachahmer mit jener Erfahrung sein könnte. Damit nicht genug: In der ortsansässigen Spelunke probieren die Ladies den einen oder anderen fetzigen Auftritt und ziehen da schon unbekannterweise mehr Fans an als die „Devils“, so ungefähr in dem Feeling der Euphorie ist es ja nur recht, dass sich da was zwischen Jennie Lee und Falcon anbahnt, doch man muss nicht glauben, dass sich daran jetzt der Hauptfokus abarbeitet, wer mit wem die Romanze angeschrieben bekommt.


Man findet sich halt untereinander, doch der Fun ist durchweg on their mind, manifestiert sich sodann im Zeitraffer-Volleyball-Match nach „Zazie“-Manier und pafft ohnehin mit Hund am Strand, bis die vergängliche Entsagung der Mädels von der Ungewissheit der Zukunft weg zwar Thema, aber kein Konflikt auf Dauer wird. Ist sowieso bemerkenswert, wie sich die charakterlichen Komplexe abseits einer expliziten Bemächtigung einspielen, auf Schicki-Micki-Parties Zorres machen und den Spaß daran unterschwellig mit ihrem Perspektivenmangel in Berührung bringen, dass es eben vom lockeren Handlungsgerüst aus tatsächliche Überraschungen mit empathischem Bezug zum frivolen Personal gibt, ohne dass der Film daraufhin im Trauerkloß abgammeln muss. Entscheidungen kommen und gehen, genauso Beziehungen und Bettgeschichten in diesem Zyklus der Lebenslust, der sogar dann kompakt und mit vollster Zufriedenheit zum Ende kommt, wenn man gerne auch 30 Minuten länger dort abhängen würde – am besten, man hört eben auf, wenn's am schönsten ist. Ich nenne das den „Paul“-Faktor und verknüpfe es zudem mit durchgeknallten Episoden/Dichtungsarien unter Kommando Suff-Neesons auf dem Boot, mit Ansagen zur Band „Blasefisch“, deren Publikum an „Feuerwehrleuten und Pappkartons“, mit Hamlett, Kotelett, Billys Pillensucht und Moochs Lockenpracht, dem Gruppenpennen und Marshmallowverbrennen an der Strandluft; allgemein mit einer Frauenpower, die das Menschsein genießt, auch für die Liebe aufdreht, am Ende jedoch keine Lektion daran erfahren/forcieren muss, sondern schlicht und ergreifend die treibende Kraft des Oberbegriffs „Satisfaction“ verwirklicht. Schade, dass Frau Freeman danach keine Regiearbeit mehr auf die Welt losgelassen hat und selbst mit den zwei Filmen, die an dieser Stelle besprochen wurden, eher im unterrepräsentierten mittelbudgierten Rahmen ankam – aber solch ein Geschick und gewinnendes Wesen kriegen viele nicht mal aus der zehnfach besetzten Filmographie ihrerseits heraus, möchte ich mal spekulieren.




Keine Tierart ist so menschenähnlich wie die Familie der Menschenaffen. Dieser evolutionäre Satz beweist, dass ich eine Grundschule besucht habe und so ungefähr zu jener Zeit konnte ich auch „King Kong – Frankensteins Sohn“ in den Morgenstunden gewisser Samstage im Fernsehen sichten, bereits dann feststellen, wie hoch ich meine Sympathie für einen Primaten von sogar weit größeren Proportionen als die eines Menschen einordnen konnte. Letzte Woche hatten sich die Nachwehen dessen schon am Original von 1933 gezeigt, da ward es eine ideale Gelegenheit, erneut den König des Dschungels zu besuchen, der sich nun anno 1967 auf der Mondinsel eingelebt hatte. So wie man als Zuschauer auch sagt: „Ich will den jetzt sehen“, so unverzüglich ist der UNO-Einsatztrupp unter der Leitung des tollen Trios um Commander Carl Nelson (Rhodes Reason), Lt. Commander Jiro Nomura (Akira Takarada) und Lieutenant Susan Watson (Linda Miller, sehr Ingrid-Steeger-like) mit dem U-Boot unterwegs, herauszufinden, was es mit der Kreatur voll Pelz im XXXXXXXL-Format auf sich hat. Vielleicht lässt die deutsche Kinofassung da wieder mehr als nötig aus, um uns auf das Geschehen vorzubereiten, doch dem schnellen Einstieg in eine entschieden unwirkliche Welt des möglichst Unmöglichen ist so oder so zu danken, wie so oft auf der Führung von Ishirô Honda basierend, der sich hier einer Rankin/Bass-Zeichentrickserie als Vorlage bediente, trotzdem haargenau in dem surrealen Eskapismus ausbricht, der den Staub jedes noch so versteckten Kinderherzens wegzuwischen im Stande ist. Im Zuge meiner Erkundungen zum Thema bin ich schon ein paar Mal auf den Begriff „utopischer Thriller“ gestoßen, was in diesem Fall ebenso als Deckel zum Dackel passt, sobald auf Anhieb die Machenschaften des geheimnisvollen Dr. Who (Hideyo Amamoto) binnen der Arktis starten - welcher übrigens bei jedem Gang aus fliegenden Vehikeln mit seinem Gefolge einzeln aussteigender Schergen gezeigt werden muss.


Der sinestre und hagere Fiesling mit grauer Überlegenheit auf der Haube will mithilfe eines maßstabsgetreu nach King Kong modellierten Mechanikongs (einst mit Nelson zusammen konzipiert, btw) das Element X aus den Tiefen eisiger Felsen bergen, um der noch geheimnisvolleren Vertreterin of no nation, Madame X (Mie Hama), so zu einem Aufrüstungsvorteil zu verhelfen, dass die USA und die Sowjetunion in die Knie gehen würden – eine Fabel so alt wie aktuell! Da seine Erfindung aber dem Druck der Strahlen nicht standhält, dennoch eine prima impotente Erscheinung in der faszinierend kühlen Kulisse des Miniatureises macht, dürfte bald ein ebenbürtiger Gast aus tropischen Gefilden einziehen. Dieser erwacht jedoch gerade erst, da Susan (gesprochen: Siusänn) von Inselwegen her die Bekanntschaft mit dem T-Rex Gorosaurus macht und da also weniger von den undefiniert futuristischen Waffen ihrer Boys gerettet wird, denn von der markigen Statur des Kong-King! Die Kaiju, unsere wackeren Männer im Anzug, haben sodann ein starkes Gerangel als Anspielung auf den Hauptkampf des Originals, verstärkt von dem wohl kawaii-gültigsten Design, das unseren Titelhelden je addelte, superniedlich animatronischen Großaufnahmen und Brusttrommeleien dazu, die höchstens ein King Homer noch ausstechen könnte. Selbst Nelson stellt mit stets trockener Selbstzufriedenheit fest, was der Bursche doch für große treue Augen hätte und wenn man da noch nicht ergriffen ist, dann spätestens beim Sad Theme vonseiten Akira Ifukubes, das vor allem dann einsetzt, wenn Kongs Schwarm Susan auf ihn einzureden versucht. „Da kann man nur eins sagen: Der Gorilla lässt schön grüßen!“.


Die beiden haben überhaupt eine schöne ergänzende Beziehung, so wie er sie und ihre Freunde auf der Flussfahrt zurück mit zielsicherem (witzigerweise nicht immer per Zeitlupenwucht eingefangenem) Schmackes vor einer riesigen (von Nelson ganz salopp hingenommene) Seeschlange rettet und im Folgenden auch höflich am U-Boot anklopft, um sie zu sehen zu können (ansonsten spielt er damit, wie ein Kleinkind in der Badewanne; wie gesagt: Die Nachvollziehbarkeit menschlichen Verhaltens reicht tief und das mein ich gar nicht mal ironisch im Vergleich zu „Skull Island“). Sie hat im Grunde natürlich mehr ein Auge auf ihren Kollegen auf Augenhöhe, Nomura, geworfen, doch diese schon recht mütterliche Fürsorge für den großen Freund Kong ergibt ein Herzstück an ausgedehnter Beobachtung, bei dem man die Inaktivität der ohnehin ungeschliffenen Dramaturgie umso lieber verzeiht – steckt ja auch genug Herzblut in der effekttechnischen Ausstaffierung ringsum, welche sich die Welt so baut, wie es ihr gefällt, da finden Freunde der Materie schon einen zeitlosen Hochgenuss. In der kuriosen Kohärenz geradliniger Selbstverständlichkeit zum Hypernaiven ist man trotzdem von den Socken, sobald Nelson seine Rede über die Forschungsergebnisse vor den Vereinten Nationen hält, als sei Frank Drebin am Pult; genauso kurz und schmerzlos hat sich Madame X spionagemäßig vor Ort ins Zeug geworfen, Dr. Who Daten zur Erfassung King Kongs weiterzuleiten, welchen er fortan mit Gas und Schiff ins Tiefkühlruhrgebiet abwirbt, per Hypnose an die Arbeit gehen lässt, wenn dieser sich die Zeit im 20 Meter hohen Käfig zwischendurch auch ordentlich vertristen muss – mMn eine offene Kritik am kapitalistischen Burnout, insbesondere mit Blick auf die Ansprüche der japanischen Wirtschaft.


Die Revolte droht zurecht und so wird unser Heroic Trio bei Tokio geschnappt, um Kong die falsche Sicherheit ihrer Präsenz zu gewährleisten. Man kann sich ja denken, dass unser Großer flugs den Braten riecht und vor Wut kocht, obgleich Dr. Who Susan und Nomura ausgerechnet in eine Eiskammer sperrt, welche sonst nur „Das rote Phantom“ überleben könnte. Potzblitz, wie fuchsteufelswild Kong dann sein Gatter in Stücke reißt, eigentlich die ganze Forschungsstation gen Ruine ummodeln dürfte! Wie es dann vom Sprung ins Wasser aus beinahe sofort nach Japan geht, ohnehin auf den höchsten Turm vor Ort, wenn Mechanikong Susan und die gesamte Bevölkerung bedroht (Element X, ne)! Wie undurchschaubar Madame X gute wie böse Seiten zu wechseln scheint, auf dem Frachter des Dr. Who selbst binnen angefeindeter Ambivalenz zu Grooves und Decors passt, wo unsere Protagonisten zuvor schon ein Wiedersehen mit dem Beinahe-Mörder Who in unbehaglichem Schweigen verlebten! Wie überflüssig die japanische Selbstverteidigungslinie wieder am Überangebot kugelresistenter Monstren vorbeifährt! Und und und...bis zum Ende wird man auf jeden Fall auf seine Kosten kommen, was die Massenunterhaltung anhand des Kintopp im globalen Großformat angeht – angeführt von einer unbedingten Liebe, die sich aufeinander stützen kann und als Kooperation im Gesamtpaket ein solidarisches Zeichen setzt, subversivem Größenwahn das Handwerk zu legen, obgleich die dunkle Seite der Mondinsel eben auch ihren Eigensinn mit Charme ausstellen darf, wie alles am Film die Liebe zum Pomp, zur Fantasie des Zelluloids erklärt, auch wenn die Direktive unbedarfter Sci-Fi-Pulp-Aufregung nur bedingt die inhärente Tragik des Titelhelden evozieren will. Sei's drum, ab und an gibt sich der Mensch ja ebenso noch ungeniert der Unschuld hin, da darf es der größte Menschenaffe von allen schon lange!




Als großartigen Einstand in die Ehrenrunde des traditionsreichen Filmabends wollte ich auch gerne mal Amir Shervan (R.I.P.) wissen, dessen „Samurai Cop“, „California Cops“ und „Killing American Style“ stets die ungewöhnlichsten Perspektiven und Umgangstöne aus dem Videomarkt der B-Action Amerikas förderten. Leider sind die relativ frühen „Young Rebels“ des iranischen Immigranten auf dem Gebiet etwas schnell erschöpft, was die Reflexion des Zuschauers zu ihnen angeht – also abseits dessen, wie brutal der überwiegend grünliche Weißabgleich durchweg an der Netzhaut rumort, zudem bis zum Schluss stets zur Steigerung fähig ist! Eine Reminiszenz an das frühe Zwei-Farben-System Technicolors? Bis dahin erlebt man einen Strom an Verfolgungsjagden, bei dessen Gleichförmigkeit und technischer Inkompetenz schnell vom roten Faden abgewichen werden kann. Hat natürlich auch mit der Desorientierung der Inszenierung zu tun, die auf der Suche nach cheap thrills Achsensprünge, fragmentarische Sequenzen, Tonschwankungen (ein Schrotflintenschuss wird zur Artillerie) und rapide unverschleierte Kulissenwechsel in Kauf nimmt – aber das wäre alles nicht so schlimm, wenn der Bezug zum charakterlichen Kuriosum mehr Atemraum über hätte. Lass diese Leute reden (gerne auch überdrübber nachsynchronisieren) und in ihrer Honk-Klamotte so sein wie sie schon ankommen, dann erhaschen sie schon die volle Aufmerksamkeit. Lässt du sie jedoch x-mal über denselben Pferdehof jagen und spärliche Shootouts reihen, ist der Witz binnen 90 Minuten aufs Ernüchterndste auserzählt. Ein frühes Highlight zeigt sich zugegebenermaßen schon am ellenlangen Striplokalbesuch, in dem die Damen innerlich nach tausend Schmerzen schreien, im Hintergrund jedoch durchweg von einem der hoschigsten Grimassenschneidern jenseits der Strandatzen-Liga angefeuert werden. Wie sich herausstellt, ist dieses platinblonde Lichtdouble von William Forsythe inkl. Plauze und Alk-Schweiß einer unserer Protagonisten sowie der Bruder von Muskelpaket Charlie (Jon Greene), welcher aufgrund der Schulden jener Verwandtschaft beim Migranten ausbeutenden wie killenden Mr. Vincenzo (Carlos Rivas) über die mexikanische Grenze fliegen muss, um einen gefährlichen Deal abzuschließen.


Das Geschäft geht natürlich in die Hose, das Realitätsverständnis noch tiefer zu Spackengangstern im willkürlichen Gegenschnitt, die aber nichts im Vergleich zu jenen Federalis darstellen, welche genau jene Cop-Karre vorfahren, die später auch von der via Vincenzo geschmierten Bullerei zum Reifenquietschen angeschmissen wird. Solche und ähnliche Unkenntnis zum Medium wird meist noch von der Beliebigkeit des Elektrosmog-Soundtracks akzentuiert, zuhauf entmutigend treten sodann aber zig überlange Entblößungen von drallen Damen auf, die nicht ungemütlicher oder unerotischer auf die Beschaffenheit ihres Körpers hinweisen könnten, sich Perlenketten durch die Schenkel ziehen müssen, während Robert Z'Dar (ebenfalls R.I.P.) als Joey Vincenzo lüstern drein blickt; mit dem Kinn mehr denn je wie eine Jim-Henson-Kreation ausschaut. Gegenspieler auf der Seite des Guten, Charlie, hat parallel dazu ein Poperzenkinn, Freunde wie Genza (Tadashi Yamashita) und Liebste Liz (Christine Lunde) an seiner Seite, doch deren Belange werden genauso wenig angepackt, wie der Film auch jede dramaturgische Wende gen Beiläufigkeit absaufen lässt. Solch ein Ansatz naturalistischer Gleichgültigkeit kann eine Menge Risiko fürs Interesse vonseiten des Zuschauers bergen, auf die Dauer aber ist man hier zwangsläufig irgendwann raus - wie gesagt erst recht, wenn die grüne Farbgebung beinahe schon bewusst verstärkt auf Grünflächen (Röcke, Gräser, Wälder, etc.) ausgerichtet ist und einen Gesamteindruck an geballtem Furznebel zu vermitteln scheint. Ausnahmsweise blicken natürlich noch einige Momente durch, welche dieses Delirium redundanten Ungeschicks unterbrechen – sei es ein Zwischenstopp auf dem Oktoberfest in der City oder der Auftritt des Sheriffs Aldo Ray, der sich anhand vielerlei Fucks und US-Flaggen mit einer Vorfahrin der „hässlichen Rachel“ (siehe „Battle B-Boy“) unterhält. Für Shervans Verhältnisse ist das trotzdem keine allzu sehenswerte Leistung geworden, noch so weit ab vom Enthusiasmus zur Emulation zeitgenössischer Topoi, welche er auch später nicht beherrschte; hier zumindest noch genau einen Oneliner drauflegen konnte, für dessen Einfallsreichtum andere Länder die Todesstrafe ausstellen würden.




Apropos Todesstrafe, ab auf Lebenszeit hieß es sodann für den „Todesmarsch der Bestien“ - ein weiteres jener hierzulande verbotenen Filmwerke, die ihrer Gewaltverherrlichung wegen bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag auf die Rehabilitierung warten müssen oder schlicht vergessen werden. Wie schon beim „Man-Eater“ ist die Entscheidung natürlich längst überholt, wenn der Film des Spaniers Joaquín Luis Romero Marchent auch weiterhin eher für eine Altersgruppe zu empfehlen ist, die den kollektiven Nihilismus des Ensembles entsprechend differenziert zu verarbeiten weiß. Aber was heißt das schon in einer Kinolandschaft, die per „Hateful 8“ genau in jene Kerbe zwischenmenschlicher Ambivalenz schlägt, binnen welcher die Endstation Hass zur Kältestarre höllischster Gewalteskalationen, Sadismen wie Zynismen angespannt wurde? Man wird sowieso im Rückblick überrascht sein, wie stark sich Tarantino an den „Cut-Throats Nine“ (so der US-Titel) orientiert haben muss – von der Kutsche binnen eisiger Berge aus (anhand der Pyrenäen dargestellt) an der Fußkette mit Lawman Sgt. Brown (Claudio Undari) und neun Mördern verbunden, entschleunigt man sich mit dem Gewehr im Anschlag und der Gnadenlosigkeit zischender Winde hinein in die Strafe ohne Wiederkehr. Das Ziel der Endzeit ist jedoch geballter unterwegs als erhofft, schließlich massakrieren Banditen die Kutscher, lassen deren Insassen nach dem ausgebliebenen Goldrausch im Graben landen. Slim (Marchant-Sohn Carlos) bricht sich das Bein, doch alle müssen ihn schleppen, um auf Befehl des Sergeants zu überleben – das kann nicht lange gut gehen und so brennt die Leiche bald dahin; der verkohlt überquollene Kopf liegt offen, die verbrannte Ferse wird vom Rest des Trecks mit der Machete abgetrennt.


Natürlich ein schonungsloses Bild, aber auch als Kälteschock menschlicher Untiefen inszeniert, den Brown-Tochter Sarah (Emma Cohen) als mitgehangene/mitgefangene Begleiterin voller Schrecken entdecken muss, während die Bande um das erwirkte Ableben des Kollegen kichert. Einer von diesen Herren soll auch der Mörder ihrer Mutter sein, umso schnittiger lässt Brown seinen Hass als Gleichgültigkeit gegenüber den Umständen ausstrahlen, bleibt höchstens energisch bei seiner Tochter zugegen und befürchtet stets das Schlimmste, zuckt aber kaum mit der Wimper, jemandem das Auge rauszuschießen, wenn der nicht zur (allenfalls vermuteten) Unterkunft fernab weitergehen will. Sympathien aufzubauen ist hier ein schier unmögliches Unterfangen und vielleicht das stimmigste Gegenargument im Streit um den Tatbestand Gewaltverherrlichung, wenn der empathischste Fixpunkt prägnant bei Sarah zu finden ist, während sich die Räuden ringsum mehr oder weniger an der eigenen Anspannung des Misstrauens schon von Vornherein dem (inneren wie äußeren) Sterben nahe wiederfinden, ohne es wissen zu wollen. Brown als Vertreter des Gesetzes ist ohnehin vorbelastet, vielleicht anfangs noch der Erzählerfunktion halber zur Identifikation tauglich, aber bald ebenso den Bestien nahe, bis sich die Position des Zuschauers/Sarahs irgendwann auch zum scheinbar Harmlosesten an der Kette, Dean Marlowe (Manuel Tejada), verschiebt, dessen Vergehen sich allenfalls auf einen Banküberfall beschränken. Der expliziten Hinwendung verweigert sich der Film allerdings, stattdessen durchwandert er mit seinem Cast die Zermürbung im Schlepptempo, wozu dann auch Rückblenden einzelner Akteure aufgeschlossen werden, in denen der Schmerz des Vergangenen bzw. Zerstörten noch zu drastischeren Momentaufnahmen der Agonie konzentriert wird.


Einer hatte sogar schon den Prozess des Todes am Strang erfahren, musste aber bis in dieses Fegefeuer hinein verharren. Mit solch apokalyptischer Aura wird den letzten Wanderern des Hasses auch die schlimmsten Schneestürme beschert, während ausgerechnet die Ketten ihr Gold hinter aufgemaltem Blei entblößen, die Machtverhältnisse sowieso umkehren, wenn den Browns die Erschöpfung zuerst ereilt. Ab hier wird es durchaus kritisch mit der Manifestation der Hölle auf Erden, mal auf das Gewicht der Suggestion belassen, mal auf die explizite Zerstörung menschlicher Form eingestellt, dass man sich in den verschlossenen Akten jedweder Kriegsfotografien verloren glaubt – siehe „O.K.“. Der Fäulungsprozess im Sinne eines Todesmarsches ist zudem auch einer der Worte, als Drohung meistens derart aus dem Nichts und zielgenau ins Kopfkino einschneidend, dass es einem im Halse stecken bleibt, im Gegenzug von der finster choralischen Musik Carmelo A. Bernaolas zum Ausdruck der Verstörung ohne Ausweg geführt wird. Diese Echokammer macht keine Gefangenen mehr, höchstens Opfer, auch ihrer selbst, wie es sich an den Halluzinationen des Feuerteufels Ray Brewster (Antonio Iranzo) zeigt, der vom rückwirkenden Kreislauf der Gewalt mindestens so intensiv gejagt wird, wie es sich die verbliebenen Recken im letzten Halt vor dem Fort gemütlich machen, dort umringt von Holz, Schnaps und vielerlei potenziellen Zeugen das vorwegnehmen, was hiesige Zuschauer jüngst erst als 70mm-Projektion nachempfinden durften. Mal ab von jenen beachtlichen Parallelen bewährt sich „Condenados a vivir“ natürlich auch so verstärkt eigenständig als Schrecken im Schnee, sprich als klaustrophober Open-Air-Terror, der auf den Brettern morscher Menschlichkeit bebt, bis er einem im Stillstand das Blut hinaus schlitzt, ggfn. schon im Gehen zum Würgegriff hochhebt. Die Leichen lassen sich noch zeitweise tragen, doch sie pflastern nicht nur der Inspiration Sergio Corbuccis nach den Weg, sondern legen schon so früh wie 1972 einen Härtefall der Entmystifizierung (in etwa auch Richtung Vietnam) vor, bei deren Geistern die Leinwand heute noch vor Furcht erstarrt.




Zu guter Letzt sei noch ein weiterer Tipp zum gepflegten Rausschmiss genannt: Nichts geringeres als die „House Party“! Wie bitte, die Sause mit dem schwarzen Comedy-Duo Kid 'n Play soll den Abdampfer signalisieren? Aber das nicht zu knapp, denn sie übt sich eher in der Erschöpfung als die „Young Rebels“, verdichtet ihr Sprüchelager mit einer Ballung auf zehnfachem „Satisfaction“-Niveau und macht in etwa so viele Bemühungen in Sachen Sympathiegehalt wie der „Todesmarsch der Bestien“. Vergleiche hin und her, es ist eben ein feierlicher Absch(l)uss der Synapsenfront gegeben, wenn man da eine humoristische Zuckerbombe serviert bekommt, die einen insbesondere in der Synchro derart überfordert und zugleich auf Blechpiraten an Klischees gestützt ist (z.B. die mindestens doppelte Nennung von „Negerküssen“ und „Da sehe ich schwarz“), bis die Ödnis den Rückzug nach Hause anmeldet. Regisseur und Autor Reginald Hudlin kann eben auch nur schwer kaschieren, dass hier ein Kurzfilm Pate stand, so wie er die Laufzeit mit laschen Situationskomiken füllen muss, unsere jugendlichen Helden des Abhottens binnen gedehnter Laufzeit eben am Coming-of-Age einer viel zu vollen Bude teilnehmen lässt, wer denn jetzt mit wem in die Kiste steigen darf und bei wem die Raps so richtig schick flowen. Die Posse ist so basic, wie sie sich auch mit einem zig-Absurditäten-konzentrierenden Antagonistentrio unter Leitung von Stab (Paul Anthony) begnügen muss, mit Gang auf die Straße rassistische Cops der Ära abhängt, den autoritären Dad (Robin Harris) auf den lautstarken Generationen-Konflikt schickt und am Ensemble ohnehin so illustren Namen wie „Stinkmorchel“ Bilal (Martin Lawrence) nachgeht, welche allesamt in einer Pausenlosigkeit chargieren, von der natürlich keine Unze Reflexion über bleibt. Stattdessen soll der ungenierte Fun am Plattendrehen und Freestyle noch die Stimmung beibehalten, während der kollektive Sexismus umso stärker den Zahn der Zeit vorzeigt, ehe man sich bei der obligatorischen Knasteinfuhr vor Analinvasoren behaupten muss. Was für eine dumpfe Tüte an verschlepptem Kurzweil, da hatte „Class Act“ weitaus mehr Abwechslung zu bieten, wenn man hier schon so gelangweilt ist, dass sich selbst außerhalb des Kontext eines langen, langen Filmabends lediglich auf die nächste Dialogverstrahlung hinab ins tiefste Blödeltal gefreut werden mag, obgleich man in der Menge trotzdem nimmer hinterher kommt. Aber haben wir's bereut? Keineswegs, meine Freunde, diese Woche war der Hammer!