Sonntag, 17. Mai 2015

Tipps vom 11.05. - 17.05.2015



BREAKING THE WAVES - Allein schon, wie diese Gemeinde ist, in der Bess (Emily Watson) untergekommen ist. Ohne Umschweife spürt man an da Unbehagen, eingezwängte Seelen und eine Feindseligkeit dem Fremden gegenüber - eine omnipräsente Selbstgeißelung, die sich über den gesamten Film streckt, wie ein Alptraum von der fernen Vergangenheit: Es gibt keinen Ausweg und man bleibt schlicht hängen in so einer Zwischenwelt aus ultrakörnig-klinischer Realität ohne Lust, Laune und Leben.


Sowieso fühlt man sich machtlos und versteht die fehlende Empathie des Ringsherum einfach nicht, als wäre man ein junges Kind und von Würde ausgeschlossen. Kein Wunder, dass man da sofort bei Bess ist - die reinste Unschuld und wohl deshalb von der Umwelt so fern des Verständnisses in der Rolle des Sorgenkindes unterdrückt, auf dass sie durchweg für "nicht gesellschaftsfähig" befunden wird.


Und wenn sich doch das Glück und die Liebe in Form von Jan (Stellan Skarsgård) ergibt, ist ihre Gefühlswelt so intensiv, dass sich schließlich scheinbar alles gegen sie richten muss - nicht von einem sadistischen Drehbuch aus, sondern durch die "Menschenkenntnis" der "Normalen". Wie niederschmetternd diese Gefühle ankommen, lässt sich nicht in Worte fassen. Auch weil Bess' Güte keine Grenzen kennt, von der nur allzu menschlichen Sehnsucht besessen ist.


Doch Widerstände, Schicksale und Menschen der gemeinschaftlichen Entsagung zwingen sie dazu, um Gnade zu betteln und anhand ihrer hilflosen Naivität in eine Passion zu verfallen, der sich kein Glaube gewachsen sieht; dennoch verurteilt. Was an den Handlungen aller Seiten womöglich richtig oder falsch ist, steht durchaus von außen zum Diskurs, aber hier lässt sich nichts rationalisieren oder ideologisch festsetzen.


"Breaking the Waves" ist auf dem Wege ein erschöpfendes Monument des Leidens aus reiner Liebe; extrem in der Opfergabe und ein einziger leidenschaftlicher Todesstoß. Als Zuschauer zerbricht man jedoch bedingungslos mit; der Schmerz treibt einen in die Enge der Provinz und Krankenhäuser bis hin zu tosenden Wellen und metallenen Ruinen - weil nichts innigster brennt als diese Sympathie mit der unvergleichlichen Bess.




MAD MAX: FURY ROAD - "[...] Millers Inferno ist dabei weder am Konsens noch an Konventionen des postapokalyptischen Genres gebunden. Quasi als Erfinder jenes grandiosen Endzeit-Actiongenres folgt er seinen eigenen Regeln und tüftelt mit ungebrochenem Elan daran, sich selbst zu überbieten: noch schroffer, noch bombastischer, noch wilder. Die „Fury Road“ ist in ihrer Form die Ekstase einer künstlerischen Karriere und eine unnachgiebige Quelle des flammenden Wahnsinns. So dringlich, bizarr und einzigartig wie im Grunde Alejandro Jodorowskys „Der heilige Berg“ – eben ein Schrei der Kreativität. [...]"



(Die komplette Kritik gibt es auf CEREALITY.NET zu lesen.)




VERBOTENE SPIELE - Bei René Clément wird Humanismus schon in den ersten paar Minuten groß geschrieben, wie hart einen selbst das inzwischen recht gängige Szenario vom zweiten Weltkrieg in Frankreich trifft. Eben auch deshalb, weil die kleine Paulette (Brigitte Fossey) Opfer höherer Mächte wird und im sprachlosen Chaos Eltern wie auch Hund Jock verliert. Als unschuldige Seele weiß sie nicht so recht, was dies alles bedeutet und ihr Gefühl der Hilflosigkeit überträgt sich sofort auf den Zuschauer; bricht einem das Herz, wie man kaum drauf vorbereitet sein kann.


Cléments recht direkte Herangehensweise schreckt nun mal nicht davor zurück, einige unangenehme Wahrheiten auszupacken - ein abgeklärter Realist will er trotzdem nicht sein. Dafür ist seine Inszenierung eben filmisch aufgeklärt, kurzweilig geschnitten und mit musikalischer Begleitung versehen - jedenfalls so angemessen, wie er es für die Charaktere und ihre Umstände hält. Schließlich steht das Wohl des Kindes und die Erhaltung des empathischen Grundgedankens an vorderster Stelle. Drum ergibt sich für Paulette die Flucht aufs Land, zum beinahe gleichaltrigen Michel (Georges Poujouly) und seiner Familie.


Dort eher abseits vom Krieg, ist das Leben bescheidener, einfältiger und ruppiger, aber nicht minder herzlich. So hilft man der Kleinen aus purer Selbstverständlichkeit und bietet ihr ein vorläufiges Zuhause an. Allen voran Michel nimmt sich ihrer an, wird Beschützer und Unterstützer, das für sie unverständliche Grauen ringsherum zu verarbeiten. Angefangen mit ihrem Hund, vergraben sie sodann zusammen Tiere, beten für diese und suchen sich dafür Kreuze zusammen - eine Faszination, die man unter Erwachsenen für morbide halten könnte, in kindlichen Augen aber einem spielerischen Gemeinschaftssinn folgt. Sowieso beachtlich, mit welcher Leichtigkeit Regisseur Clément hier die drollige "Frechheit" vom Kindsein einfängt und ohnehin ein Landleben porträtiert, das immer zwischen Gemütlichkeit und der Gefahr von außen hadert. Kein Wunder, dass man sich da als Zuschauer ebenso stets im Lachen und Weinen einpegeln muss.


In diesem Zwiespalt der privaten Geheimnisse muss es dann auch zur gesellschaftlichen Konfrontation kommen, was die entwendeten Kreuze angeht - Missverständnisse der Blasphemie und persönlichen Fehden hetzen dort die Nachbarn aufeinander, obwohl der Ursprung ganz unbedarfter Natur ist. Hier steigt also im kleinen Rahmen ein Konflikt zwischen Zeitgenossen auf, wie er außerhalb des Dorfes in totaler Zerstörung schon seit Langem am Werke ist. Und selbst wenn die Verhältnisse aufgeklärt werden, folgen für Paulette und Michel sodann die Konsequenzen, die ein jeder in gewisser Weise im Krieg machen musste: Verstecken, Kapitulation, Bestrafung, Verhandlungen, Verrat und schließlich Trennung. Nichts ist in solchen Zeiten nun mal sicher, selbst auf dem unbeflecktem Lande.


Und irgendwie will keiner Verständnis für die Schwere dieser Situation unter den Kindern haben, höchstens die Tiere - seien es nun die toten, denen die Beiden in der Mühle ein liebliches Denkmal gesetzt haben oder der alte Uhu, der müde und vielleicht für hundert Jahre über dem Zeitgeschehen wacht. Er trägt für Michel das Kreuz der Erinnerung über sich, während zum Schluss hin alles ungewiss und verloren wie am Anfang des Films bleibt. Da wird einem innerhalb von leicht über achtzig Minuten Laufzeit mal sowas von einprägsam die Erfahrung individueller Opfer im Krieg klar - schade bloß, dass sich die Welt daran noch immer kein absolutes Beispiel genommen hat.




VAMPIRE'S KISS - Wer mal erleben will, wie es ist, Nicolas Cage kompletten Freiraum im Schauspiel zu gewähren, kommt an diesem Film von Robert Bierman einfach nicht vorbei. Was sich ursprünglich als Metapher auf die Abhängigkeit der Workaholic-Mentalität in der 80er-Jahre NYC versteht, ist die ideale Plattform für ein Gros an Unfassbarkeiten, bei dem Hauptdarsteller Cage derartig ungehalten exaltiert, dass man sich im Verlauf glatt das eigene Seelenwohl weglacht. Der groteske Großstadtvampir giert hier nach Blut, Sex und zielloser Macht; terrorisiert Angestellte und kauert sich im nächsten Moment in dunkle Ecken hinein - bis die nächste Sitzung beim Psychiater jede Neurose willenlos bekräftigt und im Büroalltag zur absurden Manie verkommen lässt.


Verzweiflung und Sucht reichen sich hier die Hände zur stimmungsvollen und stürmischen Ekstase. Später geht es sodann tief ins Strobo-Discoleben hinein, stilecht mit Plastikzähnen aus der Spielzeugkiste - für dieses Rollenspiel wurde Cage geboren und da wird selbst der Film machtlos gegenüber. Die surreale Verklärung kann da nur in den puren Wahn folgen und konzentriert sich in Mini-Apartments und Bürokomplexen zur intensiven Grundfläche der ausweglosen Obsessionen; eben zum abwegigen Hochgenuss in Glubschaugen und existenzialistischer Verausgabung. Wer hier nicht vorsichtshalber zur Weinflasche greift, ist von Vornherein verloren, da man sich schlicht in die Klapsmühle lacht. Ein Wunderwerk entfesselter Schauspiellust.




BRIEF EINER UNBEKANNTEN - Graziös erzählt, vermittelt Max Ophüls das hin- und hergerissene Schicksal Lisas (Joan Fontaine), welche heimlich und unglücklich in Nachbar und Konzertpianist Stefan (Louis Jourdan) verliebt ist - zu ihrem Bedauern ein ganzes Leben lang. Ihre ganz eigene Form der Zuneigung findet nie wirklich Halt, bleibt aber gegenüber den Verhältnissen bescheiden, wenn auch unendlich von Sehnsucht befallen. Drum schlägt sie auch alle Angebote aus, die ihr Gutes wollen oder sogar für sie vorbestimmt sind. Stattdessen hält sie ihre wahre Liebe im Geheimen und verklärt sich gegenüber dem Äußeren, aus Glaube am inneren Willen - eben eine Art schüchterne Obsession.


Irgendwann gelingt ihr sogar das Glück, sich ihm zu nähern, doch sie kommt nicht ganz aus sich heraus und ist eher stille Genießerin. Dennoch ist der Zauber zum Greifen nah - jedenfalls geht sie davon aus, auch weil Stefan ihr ein Versprechen abgibt, dass er als Lebemann jedoch allmählich, doch nie wirklich vergisst. Etwas fehlt ihm doch, benennen kann er es allerdings nicht. Zeit macht das mit einem, doch bei Lisa scheint die Zeit nie wirklich abzuklingen, auch weil die narrative Struktur den Sachverhalt eben so stringend konzentriert, dass sich die Unerreichbarkeit ihrer individuellen Erfüllung aus Entsagung als Lebensmotiv abzeichnet.

 
Wie die Wendeltreppe der Erinnerungen für sie zur zwiegespaltenen Heimat der Belebung und Enttäuschung wird, ist sodann die audiovisuell prägendste Eigenschaft von Ophüls' Regie an dieser oft verfilmten Literatur-Adaption, die hier mitunter mehr durch Schauspiel und Geschichte mitreißt. Sollte man ihm aber nicht zur Last legen, dafür geht er so stimmig mit seinen fokussierten Charakteren und dem klammernden Zeitkolorit um, wie es bei weitem nicht jedem gelingt. Ohnehin ist die Sinnlichkeit in den Blicken und Gesten des voneinander verlaufenden Paares schon eine vereinnehmende Essenz, die mit der kurzweiligen Laufzeit schnörkellos menschliche Sensibilität darlegt. Eben ein Melodram alter Schule.




CRY-BABY - Dieser Doo-Wop-Rockfetzer von John Waters hat bei einer Laufzeit von unter neunzig Minuten (löblich!) reichlich Energie, um gerne noch eine Weile länger dabei bleiben zu dürfen. Die wilde Sause vom 1950er Liebeskampf zwischen den abgefahrenen Drapes und den ultraspießigen Squares versteht sich dabei jedenfalls als freimütige Komödie und dreht ihr liebevoll rekreiertes Zeitkolorit zur bunten Groteske auf. Da liefert Johnny Depp als Titelheld Wade Walker selbst ohne Maske die intensive Supershow vom aufmüpfig-romantischen Halbstarken, der um die Gunst der hin und her gerissenen Allison Williams (Amy Locane) buhlt. Zusammen mit seinen aufgebretzelten Freunden (u.a. Traci Lords und Kim McGuire als legendäre 'Hatchet-Face') geht es jedenfalls anhand eines ungenierten Rock'n'Bop-Gestus in die Vollen, um der suburbanen Feindseligkeit eine Spur des Exzesses entgegenzusetzen.


Die Damen strecken ihre Brüste spitz heraus, eher wird mit der Zunge als mit den Lippen geküsst und saftige Prügeleien unter Teenagern dürfen ohnehin nicht fehlen. Das darauf aufgebaute Camp-Musical freimütiger Gesangsnummern und eifersüchtiger Fressen nimmt sich nicht wirklich ernst, doch sobald die Fascho-Squares den fiesen Krieg anzetteln, eskalieren die Konsequenzen zu handfester Wahrhaftigkeit. Zumindest in diesem Rahmen wirken sie dramaturgisch hart spannend ein, weitab der gängigen Naivität vermeidet die omnipräsente Plakativität im Grunde keinerlei soziale Ungerechtigkeiten und Schicksalsschläge - selbst wenn diese schließlich per absurder Drolligkeit aufgelöst werden. Da will man als Zuschauer gerne bis zur eventuellen Katharsis mitziehen, diese kommt allerdings früher als gedacht - jedenfalls glaubt man das, so kurzweilig "Cry-Baby" in die Vollen geht.


Der Fundus an blödeligen Reaction Shots, Cartoon-Soundeffekten, Jailhouse-Choreographien, Provinz-Satiren und räudigen Intrigen im Machtspiel des gesellschaftlichen Ansehens macht schließlich keine Gefangenen; höchstens Kirschkuchen mit Morgensternen als Füllung. Und wenn das schon keine krude Vorstellung genug wäre, liefert Gross-Out-Pionier Waters natürlich noch Tränen ins Auge, die so dickflüssig wie Sperma sind und gierig aus Gläsern getrunken werden können. Es räudet sehr - und lässt Tanzbein wie Lachmuskeln schwingen! Eben waschechter Zelluloid-Pop auf der Überholspur.




DER FREMDE AM SEE - Die unaufgeregte Sinnlichkeit schmeichelt ein, trügt allerdings auch die Stimmung - das lässt sich sowohl für die inhaltliche Ebene von Alain Guiraudies Film wie auch für dessen gestalterische Wirkung an sich sagen. Denn die wonnige Erotik der Natur will zur oberflächlichen Körperlust keine Gesichter kennen lernen; jedenfalls erst so richtig, sobald das Herz mitspielt - zudem in einem hitzigen Wechselspiel aus Furcht und Liebe, für das Protagonist Franck (auch egoistische) Kompromisse der Abhängigkeit eingeht, während weiterhin scheinbar lockere Verhältnisse von Cruising sowie schlicht asexueller Freundschaft angestimmt werden sollen. Dementsprechend behutsam und konkret - ohne extravagantes Kamerahandling und musikalische Untermalung, zudem auf ein konzentriertes Areal befestigt - stellt sich die Inszenierung dem inneren Konflikt, der von außen hin schwelgt, sich jedoch von Sonne und Schönheit blenden lässt.

 
Der kriminalistische Thrill und die leidliche Erfüllung individueller Zuneigung ziehen allerdings allmählich die Schlinge zu; verdrängen Wunschträume ewigen Sommers und offenbaren moralische Wahrheiten, die ihre Eskalation so lautlos und doch direkt ausleben wie zuvor schon der Samenerguss ins Bild schoss. Zum Schluss hin bleibt in der Aussicht auf das Schicksal Francks eine finstere Ungewissheit und gleichsam eine unvermeidliche Gewissheit, wie es der Gesamteindruck des durch und durch ökonomischen Films von Vornherein implizierte. Das geht ganz natürlich runter wie Schweißtropfen in der Sonne und gibt sich als Filmerfahrung erfrischend und spannungsgeladen - eine facettenreiche Lichtquelle voll windiger Eleganz und körperlicher Intensität.




FÜR IMMER ADALINE - "[...] Die Dimension der Traurigkeit mag sich dabei nicht vollständig auf den Zuschauer übertragen, da der teils haarsträubende Verlauf des Films vor allem gegen Ende zu lieblich seine Klammern schließt. Doch die Regie Kriegers kennt keine Scham und auch keine Ironie darin, sich dem Sujet trotzdem so ambitioniert wie nur möglich anzuvertrauen und vor allem seiner Titelheldin übergreifende und zeitlose Würde zu verleihen. Das lässt den Film vielleicht größer aussehen, als er eigentlich ist (die verschiedenen Zeitebenen des Lebens von Adaline werden meist nur zweckmäßig angerissen), doch wird er deshalb auch dann besonders schön, wenn er die Verletzlichkeit seines High Concepts verinnerlicht. [...]"



(Die komplette Kritik gibt es auf CEREALITY.NET zu lesen.)




DAS EMPIRE TEAM - Nicht unabsichtlich zwischen "Breakfast Club" und "Clerks" verordnet, zieht das titelgebende Ensemble an neunmalklugen sowie problembehafteten 90's Stereotypen einen realitätsfernen Arbeitsalltag auf, der die Problematiken des Teenager-Typus innerhalb von 24 Stunden zusammenfasst und spekulatives Unterhaltungskino per Drehbuchrealität umsetzt. Entscheidend sympathisch ist dabei die Versammlung effektiver Genre-Gesichter (Liv Tyler, Renée Zellweger, Robin Tunney) sowie energetischer Soundtrack-Einsätze, wobei das standardisierte Narrativ von gemeinschaftlicher und individueller Wunscherfüllung einen schon gut am Laufen hält; dennoch eine episodenhafte Abwegigkeit zur Schau stellt, die Pop, Pillen, Suizid, GWAR, Schlager, Groupie-Sex und Hasch-Brownies in die redundante Struktur eines Plattenladens zu pressen versucht.


Alles führt selbstverständlich in die Arme der Naivität wie auch der Großteil der Konflikte in kindischer Aufregung sowie hysterischem Brüllgehabe aufgelöst wird. Mit ein bisschen Fremdscham darf man schon rechnen, doch Harmlosigkeit und unbeholfener Eskapismus heben gerne die ohnehin dramaturgisch uneindringliche Nutzlosigkeit des Ganzen auf. Insgesamt ein netter Retro-Bonbon, bei dem sich die größte Aufregung an Rock, "Pizzas" und BH's heran hängt: niedlich, doof, prätentiös, ansatzweise romantisch und anhand eines höchst simplen Gerechtigkeitsgefühls sogar stückweise charmant - und so witzlos, dass man trotzdem lacht.




HARUSHI - DAS BLANKE SCHWERT DER RACHE - Regisseurin Kao Pao-Shu weiß, wie man relativ schnell mit knackiger Martial-Arts-Action überzeugen kann: So darf Wang Yu als akrobatischer Speerkämpfer Lung Ti bereits im Intro einen übermütigen Meister bezwingen, während Sonne und Sand im brüllenden Schnittgewitter herumpeitschen. Ein Heimvorteil kommt zudem für den hiesigen Zuschauer zustande, da Thomas Danneberg jenen Titelhelden spricht, wobei auch der Rest des Ensembles von ausgelesener Berliner Qualität ist. Doch fernab davon besitzt der Film ohnehin dieses ganz stimmige, professionelle Flair Hongkonger/Taiwanischer Expertise. Kulissen, Requisiten und technische Umsetzung anno 1971 strahlen da eben mehr Hingabe als so manche x-beliebige Knochenbrecher von der Stange aus - von den flinken Choreographien und exzessiven Blutbeuteln ganz zu schweigen.


Auch kommen einige effektive Finishing Moves zusammen, die Wang Yu in überdurchschnittlich aufregender Inszenierung vollführen darf. Es hilft eben auch ungemein, wenn man anhand einer schnellen Etablierung einen recht gewitzten und fähigen Helden innerhalb dieses Genres charakterisieren kann. Hängt der Kerl doch glatt Trauben-spuckend auf einem Baum ab und schlägt daraufhin Fieslinge in die Flucht, welche die hübsche Miss Yen (Chiao Chiao, deren halbe Turmfrisur mit Kopf quasi als visuelles Leitmotiv stets komplett von der Spitze an gefilmt werden muss) und den kleinen Ni Chiu (ein Bettlerjunge, der sich immer frech als blind ausgibt, um Silbermünzen zu erhaschen) wegen einer geheimnisvollen Bambusrolle bedrohten. Fortan wird Ni Chiu der fröhliche Sidekick Lungs und begleitet ihn à la "Lone Wolf & Cub" auf eine blutige Eskorte, die irgendwann wieder in Miss Yens Kneipenhütte zum hinausgezögerten Showdown der Mächte führt.


Hier verläuft sich der Spaß des Films ein wenig in der Belagerung der Nacht, wo vorher noch einige physikalische Unmöglichkeiten geübt wurden und plakative Schurken en masse gegen Lung antraten. Dennoch baut Regisseurin Kao auf souveräner Spannung, findet mindestens einen kreativen Szenenübergang (von einem blutigen Rücken zu einem in der Nacht) und entfesselt vor allem zum Schluss hin ein saftiges Heckmeck, bei dem gar nicht mal das komplette Happy-End durchgeführt wird; dennoch Frieden im Lande herrscht - mit einem gehörigen Leichenberg und einem undefinierbar-aus-welchem-Film-Italosoundtrack oben drauf. Ehre unter Männern und fürs Vaterland sind da selbstverständlich auch mit im Spiel, doch hier ist das lüsterne Aufspießen im Flattermodus trotzdem wichtiger als jede Politik. Insgesamt also ein recht handfestes und kurzweiliges Süppchen für Eastern-Gourmets - je nachdem, wie viele Tiefflieger jener Zunft man im Vornherein kennengelernt hat.




ROCK OF AGES - Narrative Qualitäten zu benennen, fällt einem nach Ansicht von Adam Shankmans 80's-Rock-Musical einigermaßen schwer - zumindest ist das Ensemble vom Pro und Kontra des exzessiven Stargeschrammels in seiner verzweigten Drängelei nicht immer konzentriert. Manchmal muss man da auch mit dem eigenen Interesse für einige Subplots im Zwei-Stunden-Komplex kämpfen, doch im Vordergrund überzeugt nun mal ein euphorisches Best-Of an Gitarrenhymnen, das genauso emotional auf den Zuschauer einwirkt wie es auch für die Gefühlsäußerungen der Charaktere gedacht ist. Das entschädigt mit gleißenden Lichtshows und Choreographien, während der offensichtliche Reiz der Noten in Sachen Romantik und Sex seine bunte Auslotung findet. Ob nun schroff oder süß, hetero- oder homosexuell, auf der Showbühne oder in der Strip-Bar: Das Neonlicht bietet für jeden was vom verheißungsvollen Erfolg in individuellen Talenten und Gefühlen und wird jenseits wirtschaftlicher Diktatur zum entscheidenden Motivationsfaktor des haarigen Abenteuers.


"Don't stop believing, hold on to that feeling" wird da nicht umsonst zum ultimativen Motto dieses eskapistischen Märchens. Umso stimmiger prägt sich sodann der Drive des niedlich naiven Performance-Ulks ein, da Hauptdarstellerin Julianne Hough mit unbekümmertem Elan Unschuld, Sexyness und den Glauben an die Musik verkörpern kann - dagegen kann nicht mal die gebündelte Macho-"Pracht" von Tom Cruise und Alec Baldwin in langhaariger Montur was anrichten. Dass beide Ebenen sich zum glittrigen Fun zusammenwerfen, ist jedenfalls so oder so ein unfehlbares Erfolgskonzept - es hätte jetzt nur noch gefehlt, dass man sich von der Story her mehr auf emotional beglückenderes Potenzial konzentriert hätte. Nun ja, man kann nicht immer in allen Belangen ein Best-Of erhalten - Spaß an jener Imperfektion sollte man sich dennoch erlauben dürfen.




WANG YU, DER STÄHLERNE TODESSCHLAG - Im Grunde ist jenes Werk ein dumpfer Thailand-Klopper, wie er zu jener Zeit in mehrfacher Ausführung produziert wurde. Selbst dramaturgisch schon nicht allzu komplexen Genre-Vertretern wie "Wang Yu kennt kein Erbarmen" (vom selben Regisseur, Ting Shan-Hsi) unterlegen, ist die Geschichte um Banditen, Rauschgift, Bruderehre und Rache zur Zeit des alten Chinas (? - komischerweise wird hier mit "großen" Summen wie 500 oder 1000 Yen verhandelt) ein Standardstück, das sich durch möglichst viele Prügelszenen schleift.

Am interessantesten wirkt da vielleicht noch der Umstand, dass Titelheld Wang Yu und seine urkomische Sherpamütze (?) so dreimal hintereinander in demselben Bordell Schergen wie auch Polizei aufmischen; auch mit der Klinge Blut an die Wände verteilen - fern jeder gesetzlichen Konsequenzen. Schön ruppig, geradlinig und auch ziemlich dumm, ab und an im Grenzbereich des Unmöglichen. So lässt sich der Film im Grunde schon solide aushalten, doch er wäre nicht der Rede wert, hielte er nicht eine der deppertsten Synchronisationen seines Fachs inne.

Diese wurde nämlich offenbar als Exportsynchro von französischen Sprechern auf deutsch gemünzt und besitzt neben einem teils obskuren und schlicht falschen Wortschatz zudem eine unbeholfene Akzentenvielfalt, welche die Gestelztheit der 08/15-Produktion so unfreiwillig hervorhebt, dass man aus dem Lachen nicht mehr herauskommt - auch weil das Lachen des Ensembles durchweg erzwungen klingt und der auch noch reichlich protzige Dialog in fast robotischer Rhythmik daherkommt.

Man muss es erlebt haben, um es zu glauben, drum gibt es hier mal einen offiziellen Youtube-Link zum Film, den man nicht missen sollte, selbst wenn der Film nicht jedermanns Kost sein wird:

Sonntag, 10. Mai 2015

Tipps vom 04.05. - 10.05.2015



ICH SEH, ICH SEH - Ein konzentriertes Kraftbündel vom Horror, die eigene Mutter nicht mehr wieder zu erkennen. Dabei lockt einen der Film von Veronika Franz und Severin Fiala per meisterhafter Suggestion gerne auf die falsche Fährte; konstruiert in ländlicher Lage bewusst ein Designer-Eigenheim der Klaustrophobie, in dessen Dunkelheit sich so manche Geheimnisse lagern lassen - bis sie dann doch im reißenden Licht der Furcht entdeckt werden. Die Erlösung in Maisfeldern, Hagelkörnern und Trampolinen währt dabei auch nur von kurzer Haltbarkeit, da hierin ebenso mentale wie auch physische Mauern aufgebaut werden. Das fängt mit kleinen abwegigen Anzeichen an und verstärkt sich zu arretierenden Eskalationen, welche die Zelle der Familie in den Schlund der Vermutung, Kontrolle und Frustration hinein wirft.


Ein wahr gewordener Alptraum zieht auf, wie auch die soziale Verklärung keine Gegenwehr anbieten möchte - sind ja schließlich noch Kinder, die sich in die von außen hin abstruse Angst hineinsteigern. Es trifft den Zuschauer aber hart im Herzen und im Gewissen, wenn die Normalität der Fürsorge unberechenbare Tiefen einzugehen droht. Doch was sich zunächst im Kopfkino ausbreitet und nach Entlastung sehnt, wird in der schlussendlichen Heimzahlung der Wahrheitsfindung noch verstörender und grausamer - wohlgemerkt mit kleinen und unscheinbaren Elementen des Haushalts, wie auch schon die Provinz des Umfeldes schlicht mit schweigsamem Druck den Atem anhalten lässt. Die dazugehörigen Bilder und Stimmungen schneiden sich dabei wie die ebenfalls präsente Zahnseide konkret und dominant ins Fleisch, jedoch auch nur deshalb, weil sich das kleine Ensemble wahrhaftig gegenseitig erledigt.


Ohne zuviel verraten zu wollen, sei gewiss, dass sich die Mutter und ihre Kinder hier mächtig kaputtmachen können - bis hin zum eruptivsten Schrei, vor dem man sich seit Langem mal wieder im Kino fürchten darf. Beim kontinuierlich beengenden Psychogramm des Films kommt man eben ins Schlottern, ohne den künstlichen Schreck zu erfahren. Urängste mütterlicher Abhängigkeit und kindlicher Unschuld reiben hier unnachgiebig aneinander; sind zwar bestimmten Genre-Tropes nicht abgeneigt, legen aber einen fesselnd finsteren Impuls frei, der trotz aller Kompromisslosigkeit noch die Hoffnung in der Flucht des Geistes sieht. Dafür muss erst alles brennen, doch in der darauffolgenden Dunkelheit lässt sich auch alles wiederfinden. Kein Happy-End natürlich, aber insgesamt eine spannende Schock-Spezialität aus österreichischen Landen.




DAS FEST - Thomas Vinterbergs Pionierwerk der Dogma-95-Bewegung bringt schon gut auf den Punkt, was sich alles Hassenswerte und Unangenehme im Konzept der Familienfeier abspielt - die Eruption dessen hat dementsprechend knackig den Hau weg und geht zudem auf Hardcore-Tuchfühlung. Stilistisch unmittelbar per losgelöster Handkamera und ruppiger O-Tonkulisse in allzu vertrauten Home-Video-Signalen eingefangen, verdreht er sein Ensemble von der gemütlichen Verklärung in die eingerissene Fassade des bürgerlichen Wohlstands hinein, auf dass schon eine gewisse Katharsis der Wahrheit einkehrt, aber auch ausweglose Spannung.


Bei diesem ungehaltenen Sturm der Gefühle steckt der Horror in der Maßregelung der familiären Einheit, doch der Zusammenhalt der Opfer bündelt noch ein neues Herz zusammen. Es braucht dafür u.a. Hass, Schuld und Offenbarungen, um das Fest der Befreiung entfachen zu lassen - und das, während das Gros der Gäste trotz der Enttarnung die feierfreudigen Scheuklappen aufsetzt. Hier erlebt man also einen durchweg starken und urigen Tobak im Ausbruch aus patriarchalischen Würgegriffen. Ein Grund zum Feiern!




HEATHERS - Eine schonungslosere Satire auf die asozialen Mechanismen des US-amerikanischen Schulalltags dürfte es vor Todd Solondz nicht gegeben haben - und auch sonst ist Michael Lehmanns sowohl spritzig-zeitgenössischer wie auch komplexer Teenie-Albtraum ein schwarzer Schocker, der zeitlos den Arm des Konsens zwiebelt. Dabei werden schon gezielt Stereotypen der schulischen Gesellschaft mit zynischer Abgeklärtheit angepackt, doch im Humor dessen sind Unschuld und Naivität weiterhin nicht ausgeschlossen.


Deshalb jagt der Film an sich auch keinem vollen Realitätsverständnis hinterher, sondern überspitzt nur allzu gerne seinen Zucker, stellt diesem das Morbide entgegen und bringt sowohl Vergebung als auch furchtsame Ermattung fürs Radikale auf. Faszination und Verständnis für Aussenseiter sind da sowieso gegeben, aber ebenso nicht vor giftig-genüsslicher Kritik sicher. Kein Wunder, dass Drehbuchautor Daniel Waters danach für "Batmans Rückkehr" ein ähnlich cleveres Kabarett der Kontraste aufzog.




THE TEXAS CHAINSAW MASSACRE 2 - "[...] Hoopers Film glorifiziert den Schrecken nicht, sondern veräußerlicht die brodelnde Gewalt eines Landes, das seine Faszination zum Bösen nicht verarbeiten möchte. Kein Wunder also, dass die Sawyers nun unter einem verlassenen Ferienpark hausen, der die Schlacht um Alamo und andere historische Gewaltmomente zum Vergnügen aufbereitet. So stößt Lefty einmal hinter eine Wand, auf der eine Illustration von gegeneinander kämpfenden Indianern und Konföderierten verzeichnet ist, und schon rotzen reichlich Gedärme heraus. Der Abstieg ins finstere Metzellager der Sawyers gleicht so einem Einblick in die Hölle (mit jenen schrillen Bewohnern als entweidende Verwandte der Drei Stooges), zeigt aber auch das wahre Gesicht eines amerikanischen Ideals, das sich allmählich selbst zerfleischt. [...]"



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LIFEFORCE - "[...] Genauso haltlos wie das brennende Verlangen nach Sex läuft der Film also seiner hormonell anregenden und ebenso von Lebenssaft abhängigen Vampirfrau hinterher. Er rast mit Vollgas dem Blut, dem Wahn und urbaner Zerstörung entgegen, während sich das Raumschiff anhand eines Laserstrahls am Himmelszelt daran wie mit einem Strohhalm ergötzt und ständig mehr verlangt. [...] Selbst wenn das Böse mit dem Schwert bezwungen wird, spritzen die Seelen atemlos ins Mutterschiff, das sodann zum nächsten Planeten vorantreibt und kein abgeschlossenes Ende bereithält. Tobe Hooper und Co. frönen in ihrem Gesamtkonzept eben der unbedingten Geilheit. Und da ist jedes Mittel recht, um den Reizen des fantastischen Invasions-Horrors ohne Rücksicht auf Verluste oder Sachschäden zu folgen. [...]"



(Die komplette Kritik gibt es auf CEREALITY.NET zu lesen.)




ESCOBAR - PARADISE LOST - "[...] Der Freiraum wird so klein, dass im Versteck nur noch ein Loch fürs Auge oder fürs Ohr am Telefonhörer übrig bleibt, an dem man machtlos die Konsequenzen der Naivität vorbeiziehen sehen und hören muss. Schließlich öffnet sich doch noch die Gelegenheit für eine Genre-gerechte Katharsis im Rückschlag, doch ist diese nur von kurzer Dauer. Stattdessen bleibt Nick der Spielball einer selbst ernannten Gottheit, deren Wege abgesehen vom Selbstschutz unergründlich, doch grausam sind. Alle Wege enden entweder im Blut oder in der Gefangenschaft – das Paradies ist verloren [...]"



(Die komplette Kritik gibt es auf CEREALITY.NET zu lesen.)




PITCH PERFECT 2 - Nach zwei Pressevorstellungen in den letzten zwei Monaten, jeweils einmal im starken O-Ton und einmal (nicht ganz so stark) synchronisiert, darf ich nun auch offiziell verkünden, dass mir die Fortsetzung der etwas unebenen A-capella-Komödie von 2012 im Vergleich mal echt gefällt. Zum einen liegt das unter Anderem am optimierten Gag-Gehalt, der nun am laufenden Band sympathische Pointen austeilt (und dieses Mal mit weniger unbeholfenen Lesbierinnen-Gags aufwartet); zum anderen am erhöhten und schmissiger geschnittenen Gesangsfaktor, der in seiner Kurzweiligkeit stets für dufte Laune und einige feuchte Augen sorgt.


Klingt belanglos? Ist es auch mit frecher Entschiedenheit, aber sei es drum: Als eskapistisches College-Character-Piece besitzt der Film genau die Freimütigkeit, die liebenswert zum Fun einlädt sowie jenen ambitionierten Zusammenhaltsfaktor unter Mädels, der im ersten Teil noch eher dem Konkurrenzdenken weichen musste. Stattdessen ist das freudige Wiedersehen angesagt sowie die gemeinsame Bezwingung der deutschen Supergruppe "Das Sound Machine", obwohl deren Performances die offensichtlichen Highlights des Films darstellen. Da wird selbst Anna Kendrick ganz wuschig.


Doch was wäre all der Spaß ohne die emotionale Umschließung des Ganzen, in der sich unsere Acabitches einen Kopf drum machen müssen, was sie mit ihrer Zukunft anstellen, obwohl sie das Wirken und die Freundschaft im Chorus am Liebsten für immer und ewig durchziehen möchten. Sie müssen eben ihre eigene Stimme und die Liebe wie ein Licht in der Nacht noch finden. Damit kann sich so manch Heranwachsender identifizieren - auch dank der krassen Auswahl an 90's Jamz, bei denen gerne der ganze Körper mitschwingt, während die Lachmuskeln noch am Arbeiten sind. Eine filmische Ertüchtigung also, bei der man sich gerne öfter als zweimal effektiv beglücken lässt - ganz goldiges Langfilmregiedebüt von Elizabeth Banks.




SUPERGIRL - Zu meiner eigenen Überraschung musste ich jetzt doch feststellen, wie niedlich ich diesen Film fand - insbesondere wohl wegen der goldigen Helen Slater als Titelheldin. Aber auch so verkörpert ihr Charakter eine ungeniert gutmütige Naivität, die nicht nur mit großen Augen, breitem Lächeln sowie toll wechselnden Haaren und Klamotten glänzt. Komisch nur, dass aus jenem Umstand (Sie kommt aus dem All in unsere Welt) kein pointiertes Fish-Out-Of-Water-Narrativ entwickelt wurde - und das obwohl sie ja tatsächlich mit komplettem, Boobs betonendem Kostüm aus dem Wasser in unsere Wälder geschossen kommt; wie ein Kind Flora und Fauna bewundert und darin unbedarft schwebt.


Schon kurz darauf legt sie sich nämlich mit potenziellen Vergewaltigern an und geht danach aus einer reinen Laune (oder der Lust nach Zusammengehörigkeit) heraus ganz unschuldig aufs Internat. Eine Phase, die insofern zur Charakterentwicklung genutzt wird, dass sie ein paar Mädels (allen voran Maureen Teefy als Lucy Lane) kennenlernt, ein paar Streiche und außerirdische Kräfte vereitelt sowie einige drollige Anpassungen an das Mädchendasein vollführt - BH-Ausstopfen und Kussübungen vor dem Spiegel inklusive.


Das intergalaktische Coming-of-Age verschiebt sich schlussendlich eher auf die Prüfung gegen einige der obskursten Bösewichte der Comicfilm-Geschichte: Die pure Faye Dunaway als Provinzhexe Selena und ihre planlose Klatschgenossin Bianca (Brenda Vaccaro), die aus irgendeinem Grund in einer Geisterbahn hausen und auf Black-Magic-Männerfang gehen, wenn sie mal keinen ironischen Smalltalk halten. Ein wunderbar abwegiges Gespann, wie auch der Film an sich irgendwie nicht weiß, worauf er hinaus will, außer vielleicht in die Quelle des beglückenden Eskapismus.


Gewiss gelingt ihm das mit toughen Girls, obskuren Setdesigns (Hurra für die Phantomzone - sogar mit vertrocknetem Leichnam à la "Man of Steel") und einer guten Menge dusseliger Romantik - ob nun jene aus Pseudo-Hypnose erwachten Liebe zwischen Supergirl und Ethan (Hart Bochner) oder die geradezu selbstverständliche Zuneigung zwischen Lucy Lane und Jimmy Olsen (Marc McClure). Mit ähnlicher Selbstverständlichkeit überrascht der Film ohnehin den erfahrensten Genre-Kenner; entwickelt humorvolle Unsinnigkeiten wie die plötzliche Diktatur Selenas anhand eines riesigen Berges oder Peter O'Tooles Drang zum "Squirten".


Man könnte meinen, John Boorman hätte zeitweilig den Regiestuhl übernommen; dazu passt auch das metaphysische Riesenmonster aus Selenas magischer Kugel, mit der sie sich auch quasi in der ganzen Welt umschauen kann - weil sie es nun mal kann. Und weil Dunaway hier offenbar spielen kann, wie sie wollte, bietet sich hier ein Camp-Traum vom feinsten an! Wem das jetzt alles zu weit vom Superman-Mythos entfernt klingt, sollte sich zumindest noch damit begnügen können, dass Supergirl ein pflichtbewusstes und freundliches Ideal repräsentiert, das sich neben der Sehnsucht zur Rettung von Welt und Mitmenschen zudem ohne Hindernisse die Freiheit nimmt, mit netten Typen zu knutschen, die ohnehin voll begeistert davon sind, dass sie fliegen kann. Mal ehrlich: Wer wäre das nicht?




CRAZY LOVE - LIEBE SCHWARZ AUF WEISS - Mit gut abgeglichenen Teenie-Komödien aus den 1980ern kann man nicht viel falsch machen - so ist auch hier der pubertäre Drang nach Liebe und Sex der Entscheidungsfaktor der paarfixierten Persönlichkeitsbildung, wobei das Konzept jenes gängige Wer-mit-Wem insoweit umspielt, dass jene einzig Richtige für Protagonist Michael (C. Thomas Howell), Toni (Lori Loughlin, "RAD"), anhand von poetischem Briefverkehr freiwillig aber frustriert die Mittlerin zwischen ihm und der heißesten Braut der Schule, Debby (Kelly Preston), wird. Wie gehabt geht die Dramaturgie natürlich darauf hinaus, dass er erst relativ spät erkennt, was wahre Liebe bedeutet; erfüllend wirkt es trotzdem.


Liegt womöglich an der kurzweiligen Ensemble-Arbeit des recht naiven Films, der sich neben den Allgemeinplätzen des High-School-Lebens zudem erlaubt, jene romantisch ausgeschmückten Briefe Tonis noch zu einem Subplot weiterzuentwickeln, bei dem die jeweiligen Eltern glauben, dass ihr Partner eine Affäre mit jemandem hätte. So kommt es dann immer zum Wechselspiel zwischen dem komplizierten Paarungsverhalten der halbstarken Teens und dem Verhängnis der Erziehungsberechtigten, wenn sie ihren angeblichen Verehrern nachstellen und sich so auch vor ihren Kids verstecken müssen. Weiß Gott nicht die hohe Schule der Komödie und teilweise entschieden honkig, aber allein durch die umschmückenden Eckdaten eine genüssliche Zeitkapsel.


Jan Hammer am Score lässt es nämlich Synth-gerecht krachen, Fred Ward gibt den wütenden Dad, alle Frat Boys sprechen in Neon-Clubs und Frittenbuden vom Fuck-around-the-clock, ein paar schöne Brüste werden ebenso ausgepackt und dennoch haben alle eine altersgerechte Unschuld inne - das Stichwort dafür schlechthin: Lori Loughlin. Insgesamt ist der Film ein ganz bescheidenes und stimmiges Liebeskarussell aus einem Jahrzehnt voller ähnlich gelagerter und auch noch weit besserer Filme, aber wer dem Genre was abgewinnen kann, dürfte hier eine ganz sympathische Wahl treffen. Und wer noch mit der Entscheidung hadert, sich nach diesem Film umzuschauen, darf seine Öhrchen mal für diesen feschen Titelsong aufstellen:






DUFF - HAST DU KEINE, BIST DU EINE - Ein Film, aus dem man einfach nicht enttäuscht hinausgehen kann, da er von außen genau das repräsentiert, was er auch liefert: Die gängige Teenie-Komödie voller Genre-Konventionen sowie dem ewig gleichen Narrativ des "hässlichen Entleins", das sich zur Ballschönheit mausert und den liebsten Kerl abkriegt. Daran ist natürlich alles in Ordnung und manchmal ist das Erleben jener Wunschfantasien ohnehin Balsam für die Seele. Wenn dann aber wie hier noch ein knackiger Wortwitz mit einigen abwegigen Pointen am Start ist, hängt man sich umso lieber rein - auch wenn gewisse Längen nicht zu verleugnen sind. Ebenso unbeholfen, aber von Connaisseusen der Materie mehr als erwünscht: Die Einarbeitung von Social Media zur Zeichnung des Zeitgeistes - allerdings nicht so planlos-erklärwütig wie z.B. in "Kiss the Cook".


Die Ära der Cyberbullys bietet sich nun mal nicht zur Zeitlosigkeit an, wohingegen die Rollenmodelle der High-School-Comedy hier mit entschiedener Selbstverständlichkeit zur Handlungsentwicklung aufgewendet werden. Die clevere und satirische Keule fortschrittlicherer Varianten aus bereits vergangenen Tagen darf sich zwar nur im Ansatz blicken lassen, doch dafür entschädigt die sympathische Figur Mae Whitmans als titelgebende "DUFF" (Designated Ugly Fat Friend - keine Ahnung, wie die deutsche Synchro das handhabt), Bianca Pepper. Sobald sie nämlich im Intro als Kultfilmfan offenbart wird und Poster von "Woodoo - Die Schreckensinsel der Zombies" und "Maniac" an der Wand hängen hat sowie mit sarkastischer Schüchternheit im drolligen Casual Look abhängt, kann man sich (subjektiv gesehen) nur verlieben.


Obwohl, man wird sich mitunter eher mit ihr identifizieren, denn solch liebenswerten Idealfällen begegnet man nun wirklich nicht jeden Tag. Die unsichere Aussenseiterin sehnt sich aber wie immer in derartigen Filmen nach Akzeptanz und am besten auch der Liebe - erst recht, sobald sie Stück für Stück vom Schulalltag, sozialen Schemata und Viral Videos in die unwürdige Enge getrieben wird. Ihr netter, doch zackiger und populärer Nachbar Wesley (Robbie Amell) will ihr da ein bisschen auf die Sprünge helfen. Das lässt allmählich und relativ natürlich eine süße Liebe zwischen dem ungleichen Paar entstehen, doch Handykameras folgen ihnen auf Schritt und Tritt. Die Öffentlichkeit kennt dafür nur Häme.


Hier wird die Agonie der permanenten medialen Erfassung illustriert, die nun allzu stimmig in die Mechanismen des Schulalltags einfließen, wie es abermals heimliche Nachrichten, Tagebucheinträge und schlichte Gerüchte schafften. Es hat sich nicht viel geändert, in Sachen Stil und Storytelling erst recht nicht, bringt aber weiterhin die erwartete Erleichterung, sobald die designierte Verstoßene mit individuellem Selbstbewusstsein aus sich herauskommt und die Blicke hinter sich zieht. Wobei Frau Whitman nun absolut keine schicken Klamotten braucht - attraktiv ist sie schon von Anfang an. Eben ganz nett wie der Film an sich.




FREISTATT - "[...] So handelt es sich entgegen der historischen Hintergründe seines Titel gebenden Ambientes um einen lupenreinen Genrefilm, wie es ihn zuletzt vielleicht mit Manfred Purzers „Randale – Junge Mädchen hinter Gittern“ (1983) gab. Regisseur und Koautor Marc Brummund legt nämlich eine Sause hin, die trotz ihrer technischen Ernsthaftigkeit als klassischer Exploitation-Reißer durchgeht. [...] Der große Spaß in diesem Abenteuer kommt aber daher, dass es einem nicht mehr vorgaukeln möchte, als es verspricht. So wird jede Handlungsentwicklung und jeder Satz zur Pointe, während der Grundgedanke die Empathie am Laufen hält und gleichsam auf den Magen schlagende Spannung erzeugt. [...]"



(Die komplette Kritik gibt es auf CEREALITY.NET zu lesen.)




PAYCHECK - DIE ABRECHNUNG - Nein, was habe ich mich gefreut. John Woos letztes Hurrah für Hollywood ist, mit heutigen Augen gesehen, ein spekulatives Spaßbündel und schlicht verballertes High-Concept-Kino vom Feinsten. Alles an Charakteraufbau und Storytelling ist (bewusst?) von so weit hergeholt, dass die Unfassbarkeit nimmer stoppt - jedes Element findet auf die urigste Weise zu seiner Drehbuch-Einmaleins-Designation, die so phantastisch durchgeplant ist, dass man rein gar nichts daran ernst nehmen kann. Tiefere Gefühlswelten werden deshalb zugunsten knackig-dämlicher Oneliner und Etablierungs-Overkills für Dummies eingetauscht.


Dafür herrscht natürlich ein ausgelassener Schwachsinn, der sich dementsprechend mit Woo's visueller Verspieltheit deckt. Interessant ist dabei zwar der sporadische Einsatz der Kamera als unterstützende Perspektive für Afflecks Charakter, die somit gerne auch mal seine Desorientierung visualisiert; ansonsten poppt die bunte Montage reichlich wilde Klischees und die obligatorische weiße Taube ins Auge, auf dass der Film selbst für 2003 unglaublich overstated und grell daherkommt. So legt er aber auch einen aberwitzigen Fokus auf eigentlich belanglose Gesten wie ein Händeschütteln oder Afflecks variierende "Helden"grimassen, als wäre man in einem unbeholfenen B-Movie gelandet.


So fühlt sich der unwürdig auf Philip K. Dick basierende Zukunftsthriller wie die ähnlich realitätsfernen Eurospy-Eskapaden der 1960er Jahre an - stilecht mit einem Gadget-Helden, gegen den von allen Seiten intrigiert wird, der dufte kombinieren und fighten kann, sein Herz allerdings nur für eine Special Lady offen hat sowie explosive Sachschäden mit (teils per Steinzeit-CGI gelöster) Hau-Drauf-Raffinesse und einem verschmitzten Grinsen übersteht. Honk-Coolness in naiver Reinkultur inklusive esoterischem Bullshit - so lässt sich dieses gewollte und herrlich verbockte Blockbuster-Allerlei des infantil-futuristischen Sci-Fi-Stumpfsinns ausgezeichnet empfehlen.




DAS VERSPRECHEN EINES LEBENS - "[...] Dort am Strand kreuzen sich die Wege der Väter und Söhne dieser Welt und betreten die Ruinen des Schlachtfelds, welche auf beiden Seiten noch immer Wunden einreißen können. So schreckt Regisseur Crowe auch nicht davor zurück, die Gewalt des Konflikts niederschmetternd und direkt Revue passieren zu lassen. Der Verzicht auf Rührseligkeit und oberflächliche Musik-Emotionalisierung wirkt hier derart treffend nach, dass Crowes scheinbare Mühelosigkeit in der Inszenierung nur zu bewundern ist. Seine einfachen Gesten der Menschlichkeit müssen sich jedoch ab der zweiten Hälfte stetig verkomplizieren, lenken vom Weg Joshuas ab und legen das Schicksal der gesamten Türkei in seine Hand. [...]"



(Die komplette Kritik gibt es auf CEREALITY.NET zu lesen.)

BONUS-ZEUGS:




ABOUT A GIRL - "[...] Alles zu bezeichnend für einen Film, der sein Taktgefühl zugunsten sonniger Einwegbilder eintauscht, die für alle Phasen im Leben eine möglichst einfache Lösung finden und meinen, dafür nicht einmal die Beweggründe des menschlichen Problems verstehen zu müssen. Hauptsache, man darf sich über die leicht verdauliche Trivialisierung morbider Neigungen sowie der Suizidproblematik amüsieren, solange dabei ja nicht allzu provokante oder gar neue Ideen zur Umsetzung angewendet und die Sicherheit eines Happy End versprochen werden. Kein Wunder, dass gerade so was mit Fördergeldern und dem Prädikat „Besonders wertvoll“ belohnt wird."



(Die komplette Kritik gibt es auf CEREALITY.NET zu lesen.)

Sonntag, 3. Mai 2015

Tipps vom 27.04. - 03.05.2015

Bevor es knackig mit den Tipps losgeht, gibt es erstmal wieder einen kleinen, aber feinen Blick auf den Filmmonat Mai zu erleben - und zwar in der Form eines weiteren Videos via CEREALITY.NET!



Und weil wir da wie gehabt nicht nur auf Bilder setzen, haben wir auch an die fünf Empfehlungen zum Monat parat - bevor ihr noch mehr zu lesen habt ;)

http://www.cereality.net/thema/filmempfehlungen-im-mai-054803

So und weiter geht's mit den speziellen Tipps dieser Woche - geht ab, wa? :D




LOVE & MERCY - "[...] Regisseur Pohlad dringt dort intensiv in den Charakter vor und zieht die Spannung im Angesicht missbräuchlicher Widerstände an einem Mann auf, der zeitlebens in kindlicher Unschuld gefangen steckt und von Vaterfiguren seelisch ausgebeutet wird; der Außenstehende und Geliebte von sich abweist, damit diese an seinem Bruch nicht ebenso zerbrechen. Die audiovisuelle Vermittlung (unter anderem mithilfe eines Scores von Atticus Ross) stellt sich aber nie über die Belange des Charakters, sondern unterstützt sie mit gemäßigter und dennoch effektiver Sinnlichkeit. Die Montage übernimmt dabei nur eine mentale Surrealität, die zwar gleichsam aussperren und in brutale Tiefen vordringen kann, aber auch keinen spekulativen Schauwert abgibt. [...]"

(Die komplette Kritik gibt es auf CEREALITY.NET zu lesen.)




FOOTLOOSE - Da ich im Vornherein schon das Remake gesehen habe, wurden mir natürlich Story-technisch keine grundlegenden Überraschungen offenbart - doch meine Einschätzung darauf zu basieren, wäre ja wohl mal übelst unfair. Immerhin wirkt die dramaturgische Konstellation hier so dermaßen eigenwillig, dass alles ein Stück weit ruppiger und saftiger im Vergleich zur Neuverfilmung wirkt.

Was einem an der Charakterisierung des Ganzen aber das Hirn wegbrezelt, ist der permanente Slang der deutschen Synchro, mit dem die Teens sich dermaßen kryptisch zuräuden, dass man kaum noch weiß, was als Kompliment oder Beleidigung gemeint sein könnte; weshalb man aus dem Lachen nicht mehr rauskommt - ganz zu schweigen von mehreren abwegigen Situationen der provinziellen Anti-Tanzkultur, die trotz gemäßigter Visualisierung auf die kognitiven Barrikaden gehen.


Am stärksten beeindruckt dabei aber neben dem erlesenen Soundtrack die schon an Bipolarität grenzende Lebensmüdigkeit des Love Interests Ariel Moore (Lori Singer). Die prügelt sich sodann noch härter mit den Fieslingen des Films, als es Kevin Bacons gutmütiger und doch rebellischer Ren MacCormack tut. Immerhin hat er trotzdem den Hau weg, wenn es darum geht, gegen das unsinnige Tanzverbot anzustinken und lässt daher neben Momenten der Romantik nichts unversucht, knackig choreographierte Rechtschaffenheit walten zu lassen.


Surreal übertrieben sind dabei die meisten Maßnahmen des Films, doch im Verlauf der zweiten Hälfte spielt er seine narrative Souveränität recht behutsam aus, um dem Freiheitsdrang der Jugend ihre pathetische Erhebung inklusive markiger Rockgitarre à la Jerry Bruckheimer zu liefern.

Das alles und noch viel mehr bietet ein sympathisches Filmerlebnis, das besonders erfolgreich jenen Rhythmus verfolgt, der entgegen dröger Gewohnheit unterhält. Hauptsache am Ende hängt die Lichterkette sogar an der Kamera dran, während Chris Penn (R.I.P.) das joviale Tanzbein schwingt. Pflichtveranstaltung für 80er Aficionados, Sehnsuchtsfreunde und solche, die es werden wollen, bis man sich totlacht.




AMERICAN FIGHTER - "[...] Regisseur Firstenberg probiert sich hier also an einem bestechend naiven Plot, der dementsprechend kurzweilig Schauwerte des bewährten Jungskinos aufleben lässt. Ninja Joe ist schon dank Dudikoffs Darstellung als charmant-schnörkelloser Muskelsympath ein Aufhänger der Identifizierung. Kumpel Jackson versichert ihm noch dazu eine unbedingte Unterstützung unter Waffenbrüdern, wie sie auch für Kinder verständlich sein dürfte: Sie zeigen sich gegenseitig, wie gut sie kämpfen können, und sind danach Ritter des Rechts – auch weil Joe mit Patricia gerne romantische Sonnenuntergänge auf dem Kawasaki-Bike erleben will. Ein Wunschtraum, der wie die sonstige Logik des Films eher einer beglückenden Genre-Erfüllung hinterher strebt und dafür gerne ins Unmögliche vordringt. [...]"

(Die komplette Kritik gibt es auf CEREALITY.NET zu lesen.)




NIGHT HUNTER - "[...] Natürlich sind solche Großkotzigkeiten reichlich übertrieben, da das Production Value eher mittelmäßiger Natur ist und der Regie in der Einhaltung enger Drehpläne gewisse Flüchtigkeitsfehler sowie andere Merkwürdigkeiten passieren. So darf man mäßige Kulissen und Achsensprünge bewundern, während zudem alle Szenarien wie schon bei anderen Golan-Globus-Produktionen von kultureller Unkenntnis gezeichnet sind. Gerade das macht aber den Hauptbestand an Spaß aus, wie fern jeder Subtilität grundlegende Gerechtigkeitsgefühle freigelegt und mit einem pointierten Best-of des Heldenvokabulars betont werden. [...]"



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KISS THE COOK - Wer auf Foodporn steht, muss zwar im Verlauf dieses dafür reichlich selbstzweckhaften Films einige Durststrecken in Kauf nehmen, aber wenn es brutzelt, dann richtig. Nur eben das ganze Drumherum ist nicht ganz so formvollendet gelungen - muss man zum wieder mal recht Kritiker-kritischen Film (siehe auch "Ratatouille") leider wiederum kritisch anmerken. Harmloser Kumpeltalk zur beruflichen Selbsterfüllung trifft da auf eine Vater-Sohn-Geschichte, die auf 90 Minuten effektiver nachwirken würde, hier aber für eine angebliche Leichtigkeit Platz machen muss, die den Prozess zur Substanz des Ganzen leider eher aufhält.

Ganz schlimmes Manko aber: Dieser penetrante Fokus auf Social Media, bei dem Favreaus Charakter und auch der Zuschauer wie in einem Grundkurs zum Internet ständig an der Hand herumgeführt werden müssen; sprich, wie Twitter funktioniert, was virale Reichweite verursacht, wie man mit Geotagging Kunden akquiriert, etc., etc. Spätestens in 10 Jahren wird der Film deswegen maßlos trottelig rüberkommen, aber schon in diesem Rahmen ist er von unzeitgemäßer Unkenntnis gekennzeichnet. Und so naiv bin ich auch nicht, dass ich den einen Miami-Etablierungsshot mit dem Flugzeug über dem Miami-Billboard nicht sofort aus "Bad Boys" erkennen würde.

Das alles hält den Film aber noch lange nicht auf, einen gewissen Charme sowie einige treffende emotionale (und gleichsam mediale) Momente zu schaffen, die aus reiner Schaffensfreude, Freundschaft und Aufrichtigkeit aufgebaut sind. Wie selbstverständlich jeder Topf zum Schluss hin seinen Deckel findet, macht die schon schleppende Erfahrung zwar nochmal ein Stück belangloser, aber immerhin darf hier das Kochen als Alternative zum Sex ausgezeichnet überzeugen. Lasst's euch schmecken!




THE LUCKY ONE - FÜR IMMER DER DEINE - Im Sparks-Kanon ist diese Verfilmung natürlich eine größtenteils arg austauschbare Sache, aber darin lassen sich kurz gesagt noch immer genügend Humor und kurzweilige Romantik-Schübe rausschlagen. Zac Efrons Blicke des Verständnisses kriegen dabei selbst mich rum, obwohl er gegen den Stapel an Klischees schon ein bisschen die krumme Wurst machen muss. Zudem hatte ich den Film mit meiner Mutter gesichtet, die hier ihren ersten Sparks erlebte - ihr Gesichtsausdruck war stets im Frust verankert, vor allem, wenn sie schon auf alle Plotpoints aus millionen Meilen Entfernung treffend spekulieren konnte. Es geht also gerne noch wahnwitziger im Oeuvre des Kitsch-Kings, fließt hier aber soweit technisch ganz souverän runter, wenn man denn schon ein Stück Toleranz für derartigen Einwegplunder aufbringen kann.


BONUS-ZEUGS:




TURM DER LEBENDEN LEICHEN - Gegen obiges Meisterwerk von Poster kann der Film leider unter keinen Umständen mithalten, dennoch hat er ein paar starke Exploitation-Unbeholfenheiten, ein lachhaftes Frauenbild, lumpige Effekte und zumindest zum Ende hin ein besonders ekelhaft aussehendes Monstrum inklusive Feuer und Explosion in petto - ganz zu schweigen von der dürftigen Synchro mit freundlicher Unterstützung von brachialer Logikunkenntnis; muss halt sein. Wenn doch bloß nicht diese verdammten Längen wären, ohgott, diese Längen. Dagegen kann der Mammutanteil an nackter Haut und irren Flashbacks in der ersten Hälfte leider nur bedingt was am klassischen und doch lahmarschigen Prozedere des britischen Grusel-Schlocks wettmachen. Habe es jetzt aber nicht bereut - mehr will ich mich nicht dazu äußern :D




DIE ABHANDENE WELT - "[...] Von Trottas Realitätsverständnis gründet sich hier auch auf einer Frauenromanfantasie, die voll spannungsfreier Selbstverständlichkeit Abziehbilder von Figuren zum Ziel der Familienzusammenführung finden lässt und dabei nicht einmal die Wirksamkeit der RTL-Sendung „Vermisst“ erreicht. Stattdessen werden triviale Konflikte beschrien und zigmal über dasselbe Maisfeld zur Besinnlichkeit gezwungen, dass es den Zuschauer einerseits auslaugt und andererseits massiv unterhält. Dennoch bleibt der fade Nachgeschmack eines unverschämt belanglosen Werkes, das von mehreren Stellen gefördert wurde und einer Regisseurin zugutekommt, die hier weder etwas Interessantes zu erzählen hat noch jenes Prozedere interessant inszenieren kann. [...]"



(Die komplette Kritik gibt es auf CEREALITY.NET zu lesen.)