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Sonntag, 10. April 2016

Tipps vom 04.04. - 10.04.2016

Willkommen, meine Woche war gezeichnet von einem Set an eingekauften Pepsi-Flaschen, die es glatte zwei Mal schafften, beim Öffnen meinerseits aufzuschäumen sowie meine Klamotten zu versauen. Cola ergibt gewiss kein so schlimmes Stigma wie Kotze oder anderes übelriechend verfärbendes Zeug, aber es klebt Zucker an meinen Händen und jetzt, da die Sonne rauskommt, wird es gefährlicher denn je, sich zur Außenwelt zu begeben. Also wurde sich endlich mal intensiver an ein längerfristiges Projekt gesessen, das ich hoffentlich in nicht allzu ferner Zukunft für jedermann ersichtlich verwirklichen kann (Tipp: Es hat auch schon mit reichlich Schreibarbeit zu tun, an die 30 Seiten gibt es bereits). Dementsprechend geringfügig fiel mein Kinoeinsatz auf, umso mehr kam zwischendurch auf heimischen Bildschirmen zustande. Da ich sogar einen Haufen legitimer Kritiken zusammenbekommen habe, wäre der Begriff eines Kurzberichts nicht unbedingt angebracht, von daher führe ich alles wie sonst auch auf, soviel muss sein:




BASIC INSTINCT - Paul Verhoeven und Joe Eszterhas, was haben sich da zwei gefunden. Das psychologische Spiel mit eigentlich trivialen Oberflächen beherrschen beide ausgezeichnet, so wie sie Provokation in Genre-Topoi akzentuieren, die Gewalt und die Lust daran mit intensiver Analyse zur Verführung ausstellen und das Wechselverhältnis von Opfer und Täter zu einem Akt der Ekstase ballen - man bemerke in dem Sinne allein die Intro-Sequenz, stilecht mit Eispickel und Penis in abwechselnden Stößen. Die aus jener verbindlichen Autorenschaft geborene Einheit „Basic Instinct“ erzählt sodann auch die fruchtende Begegnung von Detektiv Nick Curran (Michael Douglas) und Krimi-Autorin Catherine Tramell (Sharon Stone). Zunächst glaubt man das Puzzle schnell zusammenfassen zu können, schließlich hat man als Zuschauer alles Mörderische beobachten dürfen und die gleichsam siegessicher in kollegialem Zynismus witzelnde Tatortuntersuchung vonseiten des Morddezernats sind gewiss Anzeichen, anhand derer uns Verhoeven und Eszterhas auf eine willkommene Spur voller knackiger Lösungen einladen wollen. Doch obwohl Kumpel Gus (George Dzundza) ebenso lachend zur Abgeklärtheit beiträgt, ist der Fall kein simples Unternehmen. Im Gegenteil: Die Top-Verdächtige Tramell mag als Femme Fatale herausstechen, doch ihre wasserdichte Kälte ist zu perfekt für ein Urteil, so wie sie auch ihr Gegenüber galant durchschauen kann. Gleichsam stilisiert das die Inszenierung anhand ihres Terrains, das die irdischen Grundelemente (insbesondere Wasser und Feuer) um sie herum vereint, sowie mithilfe des Scores von Jerry Goldsmith, der Catherines Thema als Markenzeichen der Kontrolle aufdreht.


Nick (der wohl unschuldigste Name für einen Cop) scheint es noch nicht zu wissen, dass er sich in sie verliebt bzw. wir als Zuschauer wissen noch nicht, warum sich da eine herrlich perverse Chemie stimmig ergibt. Im Verlauf von Verhör und Recherche herrscht nämlich beiderseits ein Vorwissen über den jeweils anderen, schon in etwa Vertrauen. Catherine entpuppt sich durchaus als Verführerin, spielt gerne mit Wahrheit und Fiktion, so wie sie Leben und Tod im Werk reflektiert, sodann sogar Nick zum Sujet auserwählt, an dem sich das Geschriebene wie bei seinen Vorgängern bewahrheiten lassen könnte. Nick ist aber nicht minder davon besessen, sie „festzunageln“, seine Vermutungen und Theorien bestätigen zu lassen, schlicht als Mann ein Statussymbol zu erobern. Anhand dessen erfahren wir als Zuschauer aber erst die Wahrheit über ihn, was er von seiner Persönlichkeit unter disziplinärem Zwang zurückhält, welche Ängste, Schuldgefühle und Leidenschaften ihn verfolgen. Der Trieb schlummert in ihm und womöglich möchte er diesen an Catherine zunächst exerzieren, ehe er jedoch schnell dem Reiz ihrer pointiert eingesetzten Präsenz verfällt, „den Fick des Jahrhunderts“ bei ihr zu erleben. Von solchen Ambitionen kann man nur verschlungen werden, es herrscht demnach ein wahrhaftiger Sadomasochismus, der auf Tuchfühlung mit vermeintlichen Mördern geht und von Angesicht zu Angesicht behauptet, die Handschellen anlegen zu können, während er im Bett bereits bewusst per Seide angeleint wird und den Tod erwarten kann. (Vermeintliche) Geheimnisse werden zudem bereitwillig verraten, die Konsequenzen dessen mit Impulsen der Wut im gesetzestreuen Apparat begegnet. Da kann man von Glück reden, das Verhoeven und Eszterhas insofern auch schlicht keine Scham kennen, höchstens zeigen.


Michael Douglas ist da als mehr oder weniger freiwillig Gehörnter durchaus im Fokus der Kohärenz, so wie er sich später im Verlauf der Jahre ohnehin durch Filme wie „Enthüllung“ und „The Game“ als gereizter Spielball der Gefühle zeichnete. In seiner Perspektive, bei Hatefucks in Form von Verfolgungsjagden, Vergewaltigungen oder Brüllkonzerten, zeichnet sich die perfide Spannung sodann mit einer Eleganz aus, die durch Brutalität eine Befriedigung im Schock findet, im Designer-Outfit nicht anders kann, als ans Fleisch kommen zu wollen. Der „Basic Instinct“ denkt nun mal mit Hormonen, flirtet wider besseren Wissens mit der Gefahr und verweigert sich energisch, von Außenstehenden anhand konventioneller Kriterien verstanden werden zu können. Diejenigen, die sich hier untereinander verstehen, machen sich aber ebenso das Leben schwer. Nick liebt gewiss noch seine alte Flamme Beth (Jeanne Tripplehorn), andersrum läufts genauso, doch sie stehen sich nicht nur innerhalb von Berufswegen im Weg, können nicht offen miteinander umgehen. Bei Catherine verläuft genau das erst recht in Extreme - da er sich selbst aber erst wirklich an ihr erkennt, was er bisher vermied, macht es die Bindung umso bedeutender. Es entsteht unvermeidlich der Homme fatal, an dem zudem seine besten Freundschaften absterben. Bei Verhoeven sind die Transformationen immer brutal, im Vergleich zu seinen anderen Filmen mag da (vor allem zur zweiten Hälfte hin) die Konzentration ein bisschen ins Schwanken kommen, je verzwickter Eszterhas seinen ausgekochten Pulp als Erzählkino durchkaut. Aber schon gewusst? Sex ist auch nicht perfekt. Sex kann zärtlich und krass zugleich sein, Krallen in die Haut fahren lassen, für die sich keiner entschuldigen muss. Wenn sich Menschen entschieden verknüpfen, machen sie es nicht unbedingt aus schlichter Nettigkeit, sondern aus einem Funken, einer Leidenschaft, einer Verbindung heraus. Die lassen sich allesamt in den irrsten Bahnen wiederfinden, selbst wenn man sich von gegensätzlichen Seiten des Gesetzes ausfragt, wie es ist, jemanden umzubringen.




BÖSE SAAT - Basierend auf dem Theaterstück von Maxwell Anderson, welches wiederum auf dem Roman von William March basiert, kommt die ultimative Verfilmung des Ganzen unter Mervyn LeRoy, „Böse Saat“, womöglich etwas didaktisch an, wenn mit bestechender Kohärenz die Psychologie von Mutter und Tochter unter einem Dach gezeichnet wird, sobald sich herausstellt, dass das Mädchen den mörderischen Soziopathen durchscheinen lässt. Das heißt, sie verschleiert ihr Wesen mit allzu perfidem Perfektionismus, der anderen nicht auffallen mag und ohnehin den Anstand schlechthin repräsentiert, doch als der Daddy vom Daddy's Girl aus zur Arbeit beordert wird, entfesselt sich ein Schauspiel aus Nerven, Schuld und Muttergefühlen vor den fassungslosen Augen des Matriarchats vor Ort, als allmählich klar wird, dass das Kind ohne jede Empathie in den Tag hinein lebt und keine Skrupel kennt. Gestandene Psychologen sehen nur die Unschuld (insbesondere durch Evelyn Varden gefördert, siehe auch „Die Nacht des Jägers“), doch die Zweifel türmen sich, während man als Zuschauer mehrere Emotionen am Prozedere durchmacht: Schock, Witz im Kontrast individueller Reflexionen, Kopfkino der finstersten Sorte, Suspense; allen voran Konflikte, anhand derer Verklärung mit den Opfern in Berührung kommt sowie der Schmerz im Mütterlichen geteilt wird. Nicht gerade erklärungsscheu versucht der Film dabei einige kriminologische Schritte zu etablieren, die entgegen des kontemporären Konsens über die Erfassung der Oberfläche, sprich der kulturellen Begebenheiten hinaus schauen und vom vererbten Genfehler aufs Übel stoßen.


Don't judge a book by it's cover, allgemein gesagt. Die Melodramatik der Offenbarung obliegt da einer strikten, aber einvernehmenden Konstruktion, welche in ihrer Ausweitung minimalistischer Szenarien das Verhängnis der Wissenden umso stärker vermittelt. Dieser Quer- und Einschnitt ins Herz mittelamerikanischer Naivität findet dann auch neben den „Blinden“ gleichsam gemeine Personen, doch selbst für diese geht das Mädchen zu weit. Das ergäbe beinahe bunten Camp, wenn denn die Leistungen des Ensembles nicht auf einem derartigen hohen Level mit Präsenz und Realismus glänzen würden. Patty McCormack als ausschlaggebende Rhoda ist in dem Sinne schon eine unfassbar giftige Wucht, die fix-niedlich Frau Mutter und andere Gönner manipuliert, gleichsam für Kleinigkeiten lügt und mordet. Doch das zentrale Highlight schlummert mitunter in Eileen Heckart als Hortense Daigle, welche als Verbliebene von Rhodas Opfer eine Existenz der Verzweiflung derartig schmerzhaft im Gewissen ankommen lässt, obgleich sie aus alkoholisierten Impulsen handelt. Ihre Pein wird im Dialog dann zwar reinforciert, ohnehin kommen die Anzeichen der Dramaturgie teilweise mit vergnügter Eindeutigkeit durch, doch grundsätzlich ist LeRoys Inszenierung ein feinfühliges Martyrium einer Mutter, die zwischen den ethischen Verpflichtungen zu Tochter und Recht steht - getrieben von einer fast vergessenen Vergangenheit, die sie jetzt binnen der Bestätigung aller Vermutungen dort vorfinden muss, was ihr eigentlich am liebsten ist.


Die Lasten, späten sowie drastischen Konsequenzen, die Mama Christine (Nancy Kelly) davon nimmt, sobald es kein Entkommen mehr aus der Schuld gibt, sind letztendlich auch in einer bitteren Katharsis zusammengefasst, die im Ansatz zwar mit Genre-Reizen hantiert, die mehr oder weniger bewusste Schuld des Kindes jedoch äußerst effektiv als tieftraurige Herzensangelegenheit des Films herausstellt, ehe der Schlusspunkt wieder in einen pechschwarzen Humor einschlägt. Die Blitze des Schicksals sind hier märchenhaft und riskant zugleich, aber ihre brutalen Ansagen kommen in dem Fall auch nicht von ungefähr, sind selbst in höheren Kreisen durch Vorurteile, Selbstüberschätzung und Klassismus verwurzelt. Die „Böse Saat“ überwältigt da trotz ihres hohen Alters weiterhin, nicht nur weil sich die universelle Ursprünglichkeit vom Titel in den Narrativ ausschlägt oder von der Novelle zur Theaterbühne bis hin zum Status als Hollywoodproduktion adaptiert wurde. Sie schöpft ihre Frische nämlich auch aus einer qualitativen Perfektion, die nicht mal Rhoda emulieren könnte; die eben an Schauspiel, Inszenierung und Charakterbeobachtung so glaubwürdig im sowie abseits vom Zeitkolorit ankommt, dass die kontinuierliche Gewissheit des Wahns auch Jahrhunderte später bitterböse im Innersten zuschlagen dürfte.




POLYESTER - John Waters gelang mit diesem Coup ein respektabler Sprung Richtung Mainstream, wenn dieser auch erst mit „Hairspray“ wirklich komplettiert wurde. Hier schon jedoch zeichnet sich eine schön subversive Zweigstelle ab, die anhand wiedererkennbarer Muster des Melodrams die wilde Herzlichkeit im Geiste der „Pink Flamingos“ infusiert. Francine Fishpaw (Divine) erlebt dabei im Grunde eine wilde Amalgamation aus Bresson und Sirk binnen des knallbunten Baltimore, wenn das Kleinbürgerliche mit giftigem Sadismus auf die unschuldige Hausfrau eindrischt, wobei die fiesesten Früchte schon aus der Familie an sich heraus wachsen. Das verschrobene Dekor spendet da nur wenig Trost, gleichsam lockt Francines Nase sie ebenso oftmals vom Schleier des Suburbanen in den amoralischen Gestank. Kein Wunder aber, dass Waters diese Wechselwirkung mit offenen Armen empfängt und dem Zuschauer als gewitztes Gimmick voll sadomasochistischen Potenzials unter die Nase reibt: Odorama lautet das Motto seines Geruchskinos, welches, ähnlich dem Format eines William Castles, zur Zuschauerpartizipation einlädt und an entsprechenden Stellen fiese Gerüche zum Freirubbeln inne hat. Als Zuschauer der Gegenwart hat man nur wenige Möglichkeiten, dieses Erlebnis von einst zu rekreieren, lediglich zur amerikanischen DVD-Ausgabe findet man exklusiv die entsprechende Karte des Gestankpanoramas vor, aber die lohnt sich allemal.


Wo es unter mancher Nummer (die sodann auf dem Bildschirm an entsprechenden Stellen aufblinkt) noch nach neuem Auto und nettem Parfüm riecht, schnüffelt man alsbald auch an den ranzigen Tomaten und dem fettigem Käse einer Pizza-Karambolage, ehe ein Stinktier seine Aufwartung macht und zusammen mit dem Räudenduft eines Gasofens den Höhepunkt der Widerlichkeit abgibt. Beim Film selbst kommt man in der Hinsicht ebenso auf seine Kosten, so wie vor allem Francines Ehemann ihr voller Kaltschnäuzigkeit sowie Freveleien begegnet und sie im Verlauf auch durch erbarmungslose Demütigung in den Wahnsinn und Alkohol treibt. Daran nicht unbeteiligt, bringen sie ihre Kids ebenso an den Rand der Verzweiflung: Lu-Lu (Mary Garlington) rasselt schamlos durch jedes Fach durch und lässt sich vom Oberlumpen Bo-Bo schwängern, ehe sie sich voller garstiger Fröhlichkeit nach einer Abtreibung sehnt. Francines Sohn Dexter (Ken King) ist ebenso kein Musterbengel, zieht sich Drogen durch die Nase und tritt in seinem Horror-Fetisch wildfremden Frauen auf die Füße, wodurch er sodann landesweit von der Polizei gesucht wird. Francine steht am Abgrund, lediglich Cuddles Kovinsky steht ihr zur Seite, prall und urig als sorgenlos naives Zentrum der Grundempathie unterwegs, wie sie eben nur von Edith Massey gespielt/verkörpert werden kann. 


Die Freundinnen helfen sich mit brachialen Konsequenzen aus, Waters' Regie macht dabei jeden erfahrenen Schock zum vergnügten Moment aus Hass und Häme, Intrige und Ekel, ohne seine Protagonisten der Lächerlichkeit preis zu geben - wie soll das auch gehen, wenn wirklich allesamt drübber wider der Gefälligkeit agieren? Überspitzung schließt eben Herzlichkeit nun mal nicht aus, selbst sobald Francine dem Mann ihrer Träume, Todd Tomorrow (Tab Hunter), verfällt und meint, dass es jetzt wieder aufwärts gehen dürfte. Wie so oft im Leben wird es aber erstens schlimmer und zweitens als man denkt, wie auch die Besserung der Kleinen mit brutaler Methodik im Konservativen erwirkt wird. Der Frieden ist hier ebenso lachhaft wie der Terror, letztendlich siegt dann auch das Mörderische aus der Unschuld heraus, wie es lustiger und ungelenker nicht eskalieren könnte. Eine dufte Duftnote vom Dirigenten deftigster Zeitgeistbeobachtung, wie eh und je direkt aus dem Herzen glücklich verdorbener Americana.




ASPHALT VIBRATION - RAPPIN' - In der Kunst der freien Adaption eines kontemporären Zeitgeist zu Unterhaltungszwecken gehörte die Cannon Group einst zur Meisterklasse. Einer ihrer stärksten Stürmer in der Hinsicht, Joel Silberg, war nach dem Überraschungserfolg von „Breakin'“ dann auch der ideale Mann, um den nächsten Trend aus afroamerikanischer Musik- und Lifestylekultur binnen des selben Jahres so einzufangen, dass ein wildes Märchen kollektiver Aktivitäten zustande kam. Urban angesiedelt, bedient er sich dabei bezeichnenderweise der Legende von Robin Hood, um John Rappin' Hood (Mario Van Peebles) sodann in seine Hood wiederkehren zu lassen. Jenes Ghetto ist eine Versammlung herzlicher Stereotypen, gleichsam gedenken fiese Bauspekulanten, das Viertel für den kapitalistischen Fortschritt einzureißen und in die Heimatlosigkeit hinein zu manipulieren. Jene Widersacher kommen im Verlauf drastisch und plakativ, also einem „Death Wish 3“ nicht unähnlich, auf den Plan - bei Hood ist nach seinem Knastaufenthalt aber Sense in Sachen Gewalt und Kriminalität. Seine Wut lässt er höchstens noch an Klobecken aus, die wahre Erfüllung findet er jedenfalls im Rap.


Und der ist wie in einem Musical beinahe omnipräsent, im Freestyle durch den Alltag unterwegs, derartig nett und gewitzt, wie er seit N.W.A. nicht mehr sein wollte. In dieser Ära jedoch vermag er wahre Wunder zu schaffen oder eben die Freundschaft zu akzentuieren, wobei Silbergs Selbstverständlichkeit zu jenem Stilmittel einige außerordentlich aus dem Abseits einfliegende Sequenzen zustande bringt. Ganz gleich, wo die beliebigste Szene anfängt: am Ende ist man völlig außer sich, welche Pfade sie eingeschlagen hat und wer da nicht bis zum Platzen mitlachen kann, ist selber schuld. Ein beinahe permanenter Beat hält Spannung, Kurzweil und Rapeinsatz sodann bei der Stange, die aberwitzige Verquickung dessen ergänzt sich sodann mit einem erheblichen Räudenfaktor durch Meisterraudi Duane (Charles Grant), welcher mit seiner Gang jedes „Fest“ der friedfertigen Community stets spruchreif verdirbt. Jedes Konfliktpotenzial kommt einem da mit Knalleffekt entgegen, ebenso wenn John Hood seinen kleinen Bruder auf den rechten Weg bringen will oder die Liebe mit Dixie (Tasia Valenza) wieder anheizen möchte. Diese Ambitionen führen ihn zum Hineinschnuppern in die Musikindustrie, aber noch oft genug auf die ihm immens wichtige Straße, um das Unrecht von oben gegen die Mitbewohner aufzuhalten. 


Die Resultate naiver Selbstgerechtigkeit schaffen teilweise sogar den Sprung ins Slapstickhafte, der Bogen des Ganzen ballt sich jedoch vor allem mit variierenden Rap Acts zusammen, die im stilechten 80's Synth-&-Scratch-Sound ebenso rhythmische Montagen aus High-Energy und Story ergeben. Die dramaturgische Richtlinie ist dabei durchaus sogar noch minimalistischer ausgestattet als ein „Breakin'“, doch das Spektrum an Sozialdrama, Romantik, Battle, Beef, weißen Hoschis und weißen Schergen, sanften wie taffen Brüdern, geht mit Antrieb auf die schmerzfreien Barrikaden und darf sich zudem mit einer def'tigen Slang-Synchro brüsten. So schmierig der Realismus des Ambientes dabei auch eigentlich keinerlei Hoffnung zulassen dürfte, reißt der Ansporn neuer Inspiration hier letztendlich dennoch das Winterfell ein und sobald sich der Schlusspunkt entschieden aus der Enge der Realität abkoppelt (eine schöne Vorschau auf Silbergs „Lambada“), ist der Tag auch für den Zuschauer gerettet und die Reagan-Ära um ein Zeichen jugendlichen Eigensinns reicher. Eben nur echt bei Cannon erhältlich.




CONVOY BUSTERS - Bei Darsteller Maurizio Merli gibt es nimmer ein Pardon, so aufgedreht seine Figuren die Selbstjustiz innerhalb des Polizeiapparates ausüben und sich schon gar nicht um die Rechte von Zeugen, Verdächtigen und Tätern scheren. Regisseur und Koautor Stelvio Massi konzentriert diesen Hang des Poliziottescos hiermit in ein narrativ äußerst freies Konstrukt aus Korruption, Drogen- und Waffenschmuggel sowie bleihaltiger Ermittlung, bei dem sich Merlis Kommissar Olmi (!) von seiner besten Seite präsentieren darf: Ein wütender Schweinehund, der sich in durchweg bestätigter Brachialkompetenz durch zynische Sprüche, Verhöre sowie noch zynischere Gangster schlägt und ballert. Die simplistische Direktheit der Gewalt erinnert hier nicht von ungefähr ans Groschenromanformat, gleichsam bugsiert sich Regisseur Massi mit der Kamera ständig auf Merli und seinen Schnurrbart ein, die selbst in den entlegensten Spiegelflächen eine Perspektive des harten Durchgreifens repräsentieren. Als Privatmann erlebt man ihn daher eher selten, doch wenn es soweit ist, stellt er sich geradezu drollig im Alltagston dar, welcher dennoch wie abzusehen mit Flirteinlagen des weiblichen Geschlecht angefüllt ist. Machos in Paradise! Der Herr ist aber vorrangig mit seinem Job verheiratet, also ist auch der Film stets scharf darauf, jene Paarung zu euphorisieren, was zur Folge hat, dass Olmi mehrere Einsätze betreut, die mit dem anfänglichen Hauptfall mal sowas von rein gar nicht in Verbindung stehen.


Ohnehin entsteht ein Bruch zur zweiten Hälfte hin, in der nochmals ein anderer Fall an anderer Dienststelle begonnen wird, dessen Lösungen sich wie eh und je mit Ballermännern sowie genüsslich zusammengespinnten Aufklärungen ergeben. So sieht sein Job nun mal aus, gleichzeitig lässt man anhand jener Abwechslung auch davon ab, den Zuschauer mit ach so langweiligen Ermittlungsschranken zu begegnen. Stets heißt es dann im Endeffekt: „Sie hatten recht, Olmi“. Spannung kann sich daher nie wirklich entwickeln, stattdessen wird der Film zur Schaubühne für Olmis reaktionäre Ideologie, die in den richtigen Momenten wenigstens nicht zu asozial gegen die Kriminellen vorgeht und auch mal, mit einigen Konsequenzen verbunden, das Ziel verfehlt. Der Film zieht sich damit selbst vorsorglich aus der Schlinge, in seiner elliptischen Erzählung versperrt er sich ohnehin einer kohärenten Absicht - wenn er sich dessen auch nicht wirklich bewusst zu sein scheint. „Convoy Busters“ leistet sich so einige unfreiwillige Lachvorlagen, gleichsam wird die Figur Olmis auch in überspitzte Situationen männlicher Kernigkeit hinein konstruiert, dass sich jenes Schauspiel mit einer Distanz aus Unfassbarkeit und Lächerlichkeit äußerst unterhaltungsfördernd beobachten lässt. Wie Olmi dann auch dazu kommt, die aufreizende Lehrerin Anna (Olga Karlatos) klarzumachen, ist eine haarsträubende Angelegenheit für sich, ebenso ihre innigen Stunden zu zweit inklusive weltfremden Dialogen und einer Auflösung, die in ihrer Form schlicht kein gewöhnliches oder überhaupt funktionierendes Narrativ ergibt.


Sei es drum: Die Power des Primitiven lässt sich nicht komplett abstreiten, allen voran Stelvio Cipriani pumpt die Synths mit Nitro-Sequenzen auf, wenn Blut, Glas und Autos durch die Luft fliegen. Dazwischen spannt sich der Leerlauf immer in eine gewisse Erwartung zum nächsten Einsatz auf - Ballern als Ersatzsex -, dementsprechend wird per Exploitation auf die Kacke gehauen, wenn Olmi zum Schuss kommt. Im stilistischen Saft steht der Film aber durchaus etwas unbeholfen, wenn er kurz vor Schluss noch in ausgiebigstem Detail die Vertriebswege der Schmuggler nachzeichen muss, als hielte er sich für einen Melville. Im Gesamteindruck zum Belanglosen hin kann man nur richten: Was für ein Relikt, idiosynkratischer als die Polizei erlaubt. Von daher auch gar nicht mal uninteressant für Genrefreunde und so zurückgeblieben in einem Weltbild, welches sich zudem nicht mal wirklich rechtfertigen kann, dass es irgendwie zu Herzen rührt und zugleich frustriert, wenn man es sich denn mit vollem Ernst an die Brust nehmen will, obgleich der Film keine derartig dringliche Angriffsfläche bietet. Massi und Merli, hach, wie schmierig die Beiden nur Schmiere stehen können...




THE HUNTSMAN & THE ICE QUEEN - "[...] Huntsman & Huntswoman lassen sich aber nicht unterkriegen, lieben sich in geheimen Dampfbädern, rauschen mit Pfeil und Bogen, Axt und Faust in den Eigensinn hinein. Wird auch langsam Zeit, so wie sich der Katalog an Referenzen über knapp zwei Stunden formt und seinen Hang zur Exposition nicht lassen kann. [...] Den Drive bestimmt ohnehin jemand anderes: der Huntsman. Sein verschmitztes Draufgängertum ist sich für keine Rauferei zu schade; Schroffheit, Humor und Sehnsucht vereinen sich in diesem Diener der Adventure-Kompetenz, selbst als der Film nochmals sieben Jahre weiter springt. [...] Deshalb entscheidet der Film sein Schicksal letztlich auch nicht auf dem Schlachtfeld, sondern im Thronsaal unter Liebenden und Schwestern, korrumpierter und wahrer Liebe, Ignoranz und Einsicht. Die Bezwingung der inneren wie äußeren Eismauern schließt es sodann imposant ab. [...]"



(Die komplette Kritik gibt es auf CEREALITY.NET zu lesen.)




OXFORD BLUES - Der stärkste inszenatorische Griff, den sich Regisseur Robert Boris leistet, ist sein initiativer Charakter- und Prämissenaufbau per Zeitungsausschnitten im Intro. Er geht dabei von der Romantik eines jugendlichen Stalkers aus, der seinem Schwarm aus den USA ins vereinigte Königreich folgt, dem Beischlaf und der sonstigen konservativen Art der Eroberung wegen. Es wäre äußerst gruselig, wäre derjenige nicht Rob Lowe als mittelschichtiger Haudegen Nick, inklusive Sonnenbrille und College-Jacke, der sich in Las Vegas mit Minijobs verdient macht, zumindest aber ein Rudertalent sondergleichen vorweist. Auch bei der Damenwelt kommt das verschmitzt-naive Schlitzohr gut weg, doch bei vielerlei Optionen mag sein Herz ganz dem Hitzkopf entsprechend nur auf eine Karte setzen - und die nennt sich Lady Victoria (Amanda Pays). Energisch und rücksichtslos gemogelt schafft er es sodann auch in ihre Nähe nach Oxford, wo sich die Unterhaltungswerte vom Culture Clash binnen einer archetypischen Coming-of-Age-Geschichte der achtziger Jahre effektiv im Zuschauerinteresse einklinken. Nicks Nebenbuhler sind da ebenso eine Klasse für sich, eben unter anderem Julian Sands und Cary Elwes, womit sich die Konflikte der jeweiligen Seiten des Teichs auch im ideologischen Diskurs ansetzen. Der lässt sich sodann allerdings eher im Wettbewerb austragen, ob nun um die Gunst der Herzen oder binnen elitärer Rudermannschaften. 


Mitten drin als Alternative dabei, erweist sich Ally Sheedy erneut als wahre Herzensdame mit kumpeligem Spleen, die unseren Ein-Bahn-Helden sowie gestandene Charakterfressen wie Bruce Payne sodann ordentlich zu kommandieren vermag. Ohnehin besitzen Synchro und zwischenmenschlicher Umgang die Qualitäten leichter Teen-Spritzigkeit, nur schleppt sich das Prozedere geradliniger voran als es das Intro verspricht. Nicks Anliegen und Bewährungen sind im Verlauf auch nicht mal so ausgeprägt, dass man sein Gelingen darin kaum erwarten kann, gleichsam denkt der Film auch selten daran, sein eingeschlagenes Ruder an Mustern herumzureißen - auch wenn manch Wandlung mehr oder weniger realistische Anstriche besitzt. Einige Sequenzen schaffen da durchaus die Empathie zur Begegnung von Demütigung und Demut sowie mentalen Mauern und Gewissensbissen im Angesicht einer noch formbaren Persönlichkeit. Letztendlich mangelt es dem „Oxford Blues“ aber an dringlicher Energie, zudem stellt er sich etwas doll brav an, um die Katharsis der Verantwortung zu vermitteln. Sympathisch, wenn auch bräsig, lässt er sich ordentlich weggucken, doch für die Reise nach Oxford empfiehlt sich durchaus ein Gruppenticket, um die Besichtigung etwas redseliger aufzulockern.

Sonntag, 27. März 2016

Tipps vom 21.03. - 27.03.2016 (Nicht feiertagsfreies Ostern-Special)

Hallo liebe Leser, ich wünsche Euch einen frohen Ostersonntag! Wer meine wöchentlich designierten Blogeinträge dieses Mal als Osterei empfinden will, darf das gerne tun, jedenfalls werde ich wie gehabt in letzter Zeit zunächst mit einem Kurzbericht über die vergangene Woche starten und die Filme dazu kurz anreißen, obgleich die zentralen Sichtungen auch so mit voller Ausstattung präsentiert werden. Wie dem auch sei, ist allen voran ein Erfolg im Privaten zu vermelden, da ich nun eine neue Kochplatte in der Wohnung habe und zur Einweihung endlich wieder Spaghetti machen konnte. Bei der Inspektion zur Gerätschaft wurde zudem festgestellt, dass nicht nur zwei Sicherungen rausgesprungen waren, sondern dass eine davon auch rein gar keinen Einfluss auf die Stromversorgung der Wohnung hat. Irre mysteriöse Sache, jedenfalls muss jetzt noch festgestellt werden, inwiefern eine Eigenverschuldung bei der defekten Kochplatte besteht - drückt mir die Daumen, dass da die Hausverwaltung die Kosten übernehmen muss. Abseits dieser fesselnden Alltagsgeschichten (ich hab noch im Alleingang zwei neue Poster angeklebt), kann ich beruhigt festhalten, dass es tatsächlich doch ein Leben nach „Batman v Superman“ (siehe unten) gibt. Der Filmabend am Freitag hat so einige erfrischende Erkenntnisse in der Hinsicht geliefert, die wie folgt aussehen: 

 
Bei der Neusichtung von „Beavis und Butt-Head machen's in Amerika“ behalten sich der krude Animationsstil und die pubertäre 90er-Jahre-Dumpfbacken-Haltung noch immer eine gute Menge Charme und tolle Humorsalven vor, wie sie binnen der Serie schon erfolgreich lässiges Abhängen im Generation-X-Americana aufbot. Was beinahe als Zwang dagegen wirkt, ist die Filmwerdung durch einen halbgaren Crime-&-Terror-Plot, der unsere Jungs nicht nur auf einen landesweiten Roadtrip außerhalb ihrer Komfortzone schickt, sondern auch noch paranoide Geheimdienste auf ihre Fährte lockt. Das zweckmäßige Prozedere mit seinen Running Gags des Missverständnisses („Wir haben es hier mit absoluten Profis zu tun!“) sowie einige animierte Musiknummern als Lückenfüller können jedoch nicht kaschieren, dass ein Abenteuer mit B&B eigentlich keine achtzig Minuten durchhält und vor allem im dritten Akt gänzlich erschöpft, wenn den Charakteren noch nicht mal eine Art Entwicklung widerfährt. Das wiederum würde sich aber auch gegen den anarchischen Geist des Duos richten, von daher könnte man hier von Konsequenz sprechen. Letzten Endes bringt es aber vielleicht doch mehr, sich einfach je nach Belieben mehrere Folgen der MTV-Show anzuschauen und den Witz der brachialen Adoleszenz in Portionen einzunehmen. 

 
Noch weit naiver gab sich sodann das Abenteuer Schulde in Joel Silbergs „Lambada - Heiß und gefährlich“, einer Sozialstudie nach dem Format von Silbergs eigenem „Breakin'“ und daher durchaus in einer Parallelwelt der frühen neunziger Jahre angesetzt, in welcher sich die unterprivilegierten Gruppen des modernen Amerikas im Neon-Schützengraben des Clubs No Man's Land treffen und die Polizeikarren von der Decke sowie obskure Ohrringe hängen lassen, während sie den titelgebenden verbotenen Tanz, Salsa und Hip-Hop abhotten. Zwischen diesen Welten macht sich Kevin Laird, selber aus einer mexikanischen Familie in den Mittelstand hinein adoptiert, darin bewährt, Oberwelt und Unterwelt als Lehrer in Mathematik zu unterrichten. Tagsüber hilft er seinen Schülern also gewitzt mit Brille und Krawatte auf die Sprünge, nachts tanzt er sich mit Lederjacke in die von ihm gegründete „Galaxy High“ als Blade (!) hinein und hofft so, allen seinen Schützlingen eine Zukunft anbieten zu können. So glatt kann es aber nicht ablaufen, auch wenn manche Störfaktoren die hüftschwingende Erotik des Lambadas mit sich bringen. Allen voran Schülerin Sandy entdeckt die Funktion ihres Lehrers als Daywalker und fängt umso mehr an, von ihm zu schwärmen, was ihm so gar nicht in den Kram passen mag und mit der Eifersucht ihres Ex Dean einige Eskalationen aufkommen lässt. Ramon (Shabba-Doo aus „Breakin'“), Nebenbuhler auf der Tanzfläche, gibt sich ebenso störrisch, obgleich Blade auch an sein Potenzial zum Großartigen glaubt. Die Konflikte zwischen Sehnsucht, dem Glauben an das Gute und mehreren Widerständen der Gesellschaft bringen da nicht nur querbeet bunte Eindrücke hervor, welche aus der Sicht eines 10-jährigen entkommen zu sein scheinen, sondern auch wilde Ausflüge in die Welt der Träume sowie spontane Musical-Nummern im und außerhalb des Klassenraums. Dazu gesellt sich eine lehrreiche Probe an Theorien im Billardspiel, welche schließlich in einem groß aufgezogenen Superquiz im dritten Akt mündet, welches das Duell um Arm und Reich ins Glück der Chancengleichheit entlässt. Die Irrungen und Wirrungen der hier wirkenden kindlichen Gerechtigkeit stemmen sich im Verlauf immer mehr vom Sex des Lambadas ab, gleichsam macht das Ensemble, allen voran Sandy, eine Wandlung zur aufrichtigen Moral durch, die bereits früh in Charakteren wie Big Boss, dem Besitzer vom No Man's Land, auftaucht und dort mit einer Herzlichkeit ansetzt, wo man es im Milieu allgemein eher negativ gezeichnet sieht. Das ist sodann auch zwangsläufig mit Handlungsentwicklungen verbunden, deren Kulturverständnis überzeichnet und drollig wirkt, abseits dessen ohnehin nonkonform dem amerikanischen Traum entgegen schaut. So entschieden da jedoch im Leben gefeiert wird, Körper in ihrem auslassenden Tanz das Selbstbewusstsein des Individuums anfeuern, mathematische Formeln beigebracht werden und Pepsi an jeder Ecke steht, möchte man fast hoffen, dass sich das Dasein der Menschheit wirklich mal was davon abschaut. 

 
Ein eher fehlgeleitetes Vorbild für den Kapitalismus (nach der US-amerikanischen Selbstverwirklichung in „Beavis & Butt-Head“ sowie „Lambada“ die Konsequenz schlechthin) präsentierte sich sodann in der Ayn-Rand-Verfilmung „Ein Mann wie Sprengstoff“, doch diesen Film von King Vidor hatte ich bereits an jener Stelle besprochen, wobei ich an der Meinung von einst nicht wirklich viel ändern würde. Es wirkt eben noch immer irrsinnig, die Relevanz der künstlerischen Integrität auf Kosten eines Baus für eine soziale Einrichtung zu extremisieren, über deren Funktion die Stimme des Erschaffers stehen soll. Da zudem die Einflussnahme des Kollektivs sowie die Selbstaufgabe im Angesicht des größeren Nutzens als Zeichen des Faschismus zu stilisieren, präsentiert ein allzu fragwürdiges als auch widersprüchliches Verständnis von Demokratie, das in der Dreiecksbeziehung um Howard Roark, dem idealen Mann, wiederum für ein emotional bizarres Bild der bewussten Unterwerfung sorgt. Menschlich gesehen liegt da so einiges im Argen, inszenatorisch fesselt das Melodram der Architektur weiterhin, wenn auch das ideologisch geladene Drehbuch von Ayn Rand selbst dermaßen empathiebefreit klotzt, dass man es nicht fassen mag. Wie provokant soll das erst ausarten, wenn sich Zack Snyder an den Stoff herantraut? Daraufhin musste jedenfalls erstmal wieder eine Ladung Menschlichkeit her und da eignete sich Werner Jacobs' „...denn die Musik und die Liebe in Tirol“ ganz hervorragend zu, welchen ich schon einmal im Detail hier besprochen hatte. 

 
Der folgende Sprung zu John Waters' „Pink Flamingos“ mag da etwas drastisch erscheinen, ergibt aber ebenso eine klare Linie von „Beavis & Butt-Head“, bis hin zu „Lambada“ und „Tirol“, wenn sich der krasse Dilettantismus hier von seiner bewusst schmutzigsten Seite, familiär wie ein Charles-Manson-Klan, zeigt und dabei mit vollem Selbstbewusstsein in die Schönheit des Amoralischen springt. Das absurde Amerika reibt sich im und abseits des White Trash als laute Show auf, die in Haus und Heimat, manchmal auch mit keckem Don't-give-a-fuck an der frischen Luft, eine schrille Apokalypse der damaligen Gegenwart entwirft und weiterhin gegen alle Formen des guten Geschmacks verstößt. Ein Genuss an Zuschauerüberforderung und anarchischer Theatralik, der dafür auch gerne ins Pornografische abdriftet, Ei und Huhn zugleich malträtiert, den Wettbewerb ums Verkommene als Herzenssache der Ambition mit Spucke, Blei und Sperma aufzeigt. Mit solchen Shocks kennt der Spaß kein Ende und wird im Amateur-Gestus ohnehin sympathisch überstrapaziert, hier dürfen die Untiefen der Menschheit bar jeder aufgezwungener Moral ganz sie selbst sein und sich radikal ins Bewusstsein ballern. Eine Mitternachtsparty, wie sie nur alle hundert Jahre zustande kommt - Divines Einladungen sind da weiterhin geltend. 

 
Zum Abschluss jenes Filmabends ging es aber noch ins „Feld der Träume“ und wie sich da wiederum die Verständigung des Individuums im großen Gefüge des Americanas äußerte, schlug nochmals ganz andere Töne an. Solche mystischen Selbstverständnisses verfolgen nämlich Kevin Costner, der den Anweisungen einer Stimme aus dem Nichts folgt und im Maisfeld neben seiner Farm ein Baseball-Spielfeld aufbaut. Die Familie ist seinem Plan gegenüber schnell aufgeschlossen, sogar dann, wenn die Geister von Shoeless Joe Jackson und Konsorten zum Spielen raus kommen. Damit fängt die Reise des Unmöglichen binnen einer Realität aus Hypotheken, entmenschlichter Wirtschaft und regressiver Bigotterie aber erst an, so begibt sich unser naiver Held mit Vaterkomplexen auf die Pfade Richtung Autor Terrence Mann (James Earl Jones), der sich dem Auffinden uramerikanischer Seelen zunächst widerspenstig, doch dann sehr gespannt anschließt. Schlussendlich haben sie sodann alle den Blick offen für die Magie ihrer einheimischen Mythen, dessen hier abstrakt vorgestelltes Selbstverständnis mit etwas aufgedrückter Sentimentalität, aber nicht zu leugnenden Reizen ein gemeinschaftliches Aufbegehren zu Güte, Glück und Seligkeit in der Fusion von Vergangenheit und Gegenwart verinnerlicht. Da stecken natürlich auch Bewältigung, nostalgische wie kritische Betrachtungen der Reagonomics drin und mit der verstrahlten Kohärenz des Narrativs sind Stimmung und Charakternähe des Films auch nicht immer vollends zu greifen. Der Schlusspunkt des Ganzen kommt aber auch universell im Herzen an und macht die Inkonsistenzen einigermaßen wett, wenn auch der Weg dahin heutzutage kaum noch von einem derartigen Mainstream-Produkt aufgenommen werden dürfte (schade drum), aber wer weiß.

Soviel zu den kürzer besprochenen Ereignissen dieser Woche, es folgen die detaillierten Kritiken zum Filmfundus an Empfehlungen:




REMAKE, REMIX, RIP-OFF - (Gesichtet beim dokArt Filmabend #78 im Metropolis Kino Hamburg in Anwesenheit des Regisseurs)

Dass sowas noch möglich ist: Abseits von distanzierender Ironie, High-Speed-Montage und sonstiger aufgesetzter Gefälligkeit befasst sich Cem Kaya adäquat sowie anhand starker Filmförderung mit dem im internationalen Auge als Nische empfundenen Phänomen des türkischen Kinos von einst, das seine Generationen jedoch in vielerlei Hinsicht begegnete, beeinflusste und reflektierte. Es geht in diesem Dokumentarfilm, der zudem ohne Voiceover oder emotionalisierende Tonteppiche auskommt, sodann auch nicht um die Allgemeinplätze eines Spektrums und Mythos billig produzierter Genreschätze, die vom Konsens zum Auslachen freigegeben werden. Stattdessen versteht Kaya die Unmengen an medialen Erzeugnissen eben schlicht als Markenzeichen der inländischen Kultur, deren Entstehung für wahr entgegen der Allgemeinheit funktionierte, jedoch als Ausdruck der Kreation eine stetige Welle an Transformationen erzeugte. Demnach verweigert sich Kayas Film auch einem gängigen Narrativ der Detailaufzählung mit Fazit Richtung Nostalgie oder sonstigem Pathos, das womöglich noch einen Abschluss im Kreislauf des Kreierens suggerieren könnte. Der Titel „Remake, Remix, Rip-Off“ gibt dafür schon eine gute Auskunft ab, die sich auch in der Haltung der Interviewpartner wiederfindet, welche in unaufgeregter Schlichtheit Anekdoten vom eigenen Wirken sowie der Strukturen des heimischen Filmapparates erzählen, der in jenen Tagen verstärkt aus der regionalen Marke Yeşilçam entstammte und als Massenmedium konstant Ware fürs Volk lieferte.


Da macht man sich auch keine falschen Illusionen bezüglich der Unterhaltungsfunktion jener Filme, wohl aber verklären Köpfe wie Çetin İnanç und Kunt Tulgar nicht ihren persönlichen Ansporn (auch zum bloßen Lebenserhalt), genauso wenig die Schwierigkeiten und Frechheiten (u.a. gestohlene Musik und Filmmaterialien, unversichertes Stuntwork), die sich innerhalb dieses wilden Westens des Filmemachens ergaben, auf bestimmte Publikumsgruppen sowie im Verlauf auch stärker auf staatliche Zensur achten mussten. Da wollen sich auch keine Helden des Subversiven im Nachhinein bilden, doch vom Zeitgeist her findet sich ab und an zufälligerweise durchaus einiges an beachtlichem Zündstoff in den Werken ein, wie ohnehin ein Mekka an Inspirationen für eine Filmindustrie gebraucht wurde, die im frischen Wind des Kommerz reichlich ankurbeln wollte, dafür abseits der Fantasie zu bestimmten Vorbildern aber nicht unbedingt das nötige Personal, Know-How, Sorgfalt und Geschmackssicherheit vorweisen konnte. Not macht jedoch erfinderisch und so berichtet der Film auch gerne (teilweise in genialen Bildern der zufälligen Symbole) von wahnwitzigen Improvisationen der Schaffenslust, wobei auch das Risiko darin mit ungeahnten Höhen aufwartet. Das Schnellschuss-Chaos geht dabei aber nicht in Cem Kayas Gestaltung über, so findet er stets natürliche Übergänge zwischen fair vermittelten Sachverhalten, die in geballten wie effektiven Segmenten an Erinnerungen, Archiv- und Anschauungsmaterial eine löbliche Kohärenz finden und den Spaß des Ganzen bewahrheiten, der in seinen Collagen des kollektiven Geschichtendrangs ohnehin liebevoll recherchiert erscheint.


Die Teilnahme an altbewährten Story-Mustern wird zudem übergreifend mit einem knackigen Selbstbewusstsein unterstrichen, das keine Unterschiede zwischen den Genres, E- und U-Kunst sieht (Çetin İnanç und Yilmaz Güney z.B. waren befreundet und aufmerksame Zuschauer füreinander), sondern die grundlegenden menschlichen Essenzen dieser eben auch als Antrieb versteht, aus welcher Kunst & Kommerz überhaupt erst erblühen können. Die Parallelen zum heutigen Kino, an dem noch immer oft und wehleidig Remakes, Topoi und einzelne Filmkategorien von Vornherein lamentiert werden, sind dabei nicht von der Hand zu weisen. Gleichsam ist die Geschichte des Kinos dadurch natürlich auch ein Melodram; eins, das mit gesellschaftlichen Veränderungen, Geschmäckern und neuen privateren Medien sowie Extremen hadert und auch nicht davon verschont bleibt, als Maßnahme der Bevölkerungslenkung von der Obrigkeit kontrolliert, sprich ein Politikum zu werden. Vorbei sind dann allein die Tage des fehlenden Urheberrechts, besonders unter härteren Regimen und dem Wandel zum Neoliberalismus hat es die Unschuld schwer - das Aufrichtig-Kritische darin erst recht. Nicht, dass die Bedingungen vorher unbedingt viel besser waren, Wille und Weg ergeben in jedem Labyrinth noch eine Linie, wenn diese auch stets Lasten und Engpässe zu stemmen hat. Bis in die Gegenwart, nun im Wettbewerb des Fernsehens gelandet, erfordert das Schaffen eine Übermenge an Energie, die gleichsam dem Recycling an Widerständen ausgesetzt ist, wie es dem Ideenmangel der Weltgeschichte eben anheimfällt. Auch das Internet, durch Plattformen wie Youtube als grenzenlose Spielwiese initiiert, geht allmählich diesen Weg der gesetzestreuen Instrumentalisierung von Kommerz und Ideologie entlang.



Es verwundert daher auch nicht, dass Cem Kaya im letzten Akt zwar bittere Bilder der Konsequenz vom Verhältnis Realität-Fiktion zeigt, aber bar jeder Emotionalisierung die Abgeklärtheit dessen verinnerlicht, in welcher die Zukunft mit Anteilen der Vergangenheit voran schreitet, auch wenn das Erbe im Rausch der Zeit irgendwann leider stetig als verschollen gemeldet werden muss. Im Q&A, das Cem Kaya im Anschluss an die Vorstellung hält, berichtet er dann auch von der Neueröffnung eines eben noch im Film abgerissenen Kinos, das sich inzwischen inmitten eines Shopping Centers vorfinden lässt und zumindest noch einzelne Elemente des Originals inne hat. Irgendwo eben auch eine schlechte Kopie, doch mit der Tatsache allein wird der Inhalt dessen noch lange nicht pauschal entwertet. Aus etwas Altem/Bekannten etwas Neues zu machen, ist eine Kunst für sich und bringt Bewunderer hervor, die Regionales, Triviales, Profundes sowie sich selbst und eine Motivation darin wiedererkennen können - in dem Sinne: „Wenn die das können, kann ich es auch schaffen“. Jeder Künstler fängt irgendwo als Amateur an, ohne Einflüsse aus Kultur und Leben wird und wurde bisher auch kein Meisterwerk inspiriert. Deshalb bedient sich Kayas Film für seinen Schlusspunkt auch beim Ende eines „Jagd auf Dillinger“-Remakes von Çetin İnanç, dass den Zoom auf die Betitelung eines Plakats im Films als Meta-Absacker binnen blutiger Schludrigkeit einsetzt. Kurios und bezeichnend zugleich kommt hier die bittersüße Schönheit dieses speziellen kulturellen Wiederkäuens zur Geltung - ein würdevolles Statement für den Reiz eines sorgenlosen Kinos, das seine Freiheit mit Anlauf aus Vorlagen zusammen klaute.




BATMAN V SUPERMAN: DAWN OF JUSTICE - "[...] Eine neue Qualität der Brutalität überschattet das Handeln der Kontrahenten. Ihre Ursprünge verbinden sie aber auch als zwiegespaltene Waisen einer Welt, deren Szenarien Snyder und seine Autoren Chris Terrio und David S. Goyer aus einem Zeitgeist des Terrorismus, Menschenhandels, Kapitalismus und der Korruption schöpfen. Die Drastik, mit der das Politikum an der Fantasie exerziert wird, übertrifft sogar die Gewalt eines Nolan und wird in der ideologisch hantierenden Inszenierung von Nihilismus und Wut gekennzeichnet. [...] Und obgleich sich jene Reflexion allmählich dem Diskurs von Gerechtigkeit und Selbstgerechtigkeit, Macht und Missbrauch nähert, wie sie in der „Dark Knight“-Trilogie ambivalent an der Tagesordnung war, ergänzt sie in diesem Fall noch das Unikat eines anorganischen Epos, das seine Kontroversen brachial verschärft, ehe es sie deeskaliert. 

 
[...] Snyders Frankensteinmonster eines Films, wie ein Bizarro zum eigentlichen Supermanfundus, ist gewiss auch abweisend in seinen Ambitionen, weder als Trivialunterhaltung noch als Prestigeprodukt auf Anhieb (be)greifbar, und mit Stolperschritten in der eigenen Imposanz unterwegs [...] selbst wenn Snyder die Zerstörungsrate und Kollateralschäden auf konzentrierte Portionen zurückschraubt, die Aufregung an seinem Horrorszenario des Comickriegs aber gewiss voller morbider Eindrücke und digitalem Bombast vorführt. [...] Dieses Chaos des anfänglichen Misstrauens, der Boshaftigkeit einzelner Fronten und mühsamer Einigung (erfordert) eine Menge Toleranz für ruppiges Genrekino. [...]"



(Die komplette Kritik gibt es auf CEREALITY.NET zu lesen.)




ROHR FREI! FÜR FAMILIE HOLLOWHEAD - Direkt aus einem Röhrenlabyrinth, wie es selbst in Terry Gilliams „Brazil“ nicht binnen derartiger Finsternis tropfte, treffen wir die Hollowheads, eine Bilderbuchfamilie einer Fantasiewelt, die zwischen Dystopie und Urschleimverstrahlung in einem Alltag unterwegs ist, der uns vertraut, mit seinen absurden Eindrücken aber wie vom anderen Stern scheint. Die Entstehungszeit um 1989 gibt aber den entsprechenden Nährboden für eine hierin gepflanzte Sozialsatire ab, die zeigt, mit welchen Perversitäten der Obrigkeit man sich zufrieden geben kann, wenn die Macht der Gewohnheit zuschlägt. Außerirdische würden über unsere Manieren und Gepflogenheiten wahrscheinlich ebenso verblüfft sein; die Verzerrung der Details ändert hier jedenfalls nichts am universellen Modell des Lebens unter Kapital, Herz und individuellem Ehrgeiz, stets gleich neben dem Abgrund treibend, der hier ohnehin als allgegenwärtige Barriere verselbstständigt sowie als Reiz im Wechselspiel zur Wahrung der Moral wahrgenommen wird. Gleichsam kommen einen die Typen der Familieneinheit bekannt vor, wie sie ein Reagan und andere Ewiggestrige als Ideal empfinden dürften: Die treue Hausfrau Miriam (Nancy Mette) in der Küche; drei Kinder, meist auf dem Sprung zwischen Kreativität, Streichen und Dating; zu guter Letzt der stets grinsende Vater Henry (John Glover), der entgegen seines Potenzials im mickrigen Job aufgehalten wird und sich auch dann nicht beschwert, wenn der Boss Mr. Crabneck (Richard Portnow) ihn beleidigt oder die Frau anpackt.


Regisseur Thomas R. Burman, leider nur dieses eine Mal in jener Funktion tätig und ansonsten in der Make-Up- & SFX-Branche unterwegs, weiß um den sozialen Zwang seines im Mittelstand eingeordneten Ensembles und karikiert es nicht mit zynischem Urteil, als dass er die bescheidene Sehnsucht zum Eigensinn und zur Lebendigkeit in konzentrierter Kulisse empathisiert, dennoch einen tollen Spaß aus der Selbstverständlichkeit hingenommener Absurditäten schöpft. Als stilistische Beihilfen gesellen sich da ein Soundtrack, der Gefälligkeit und seliges Stöhnen in synthetische Samples zerhackt sowie schräge Kameralinsen im Angesicht schleimiger Spezialeffekte, die so enthusiastisch beäugelt werden wie auch Unmengen an Tentakeln nur die Spitze des Eisbergs an Doppeldeutigkeiten preis geben. Das zufriedene Eigenheim gibt sich da aber immerhin auch offen mit seinem verselbstständigten Leck individueller Gelüste, vor allem in den Kids trifft man allzu bekannte Bilder der Jugend an, die in dieser Alternativrealität aber erst die wahre vergnügte Schmierigkeit des Menscheninnersten aufzeigen - allen voran der kleinste, Billy (Matt Shakman), wird da blutrünstig im Kinderzimmer sowie frech gegenüber der Hausordnung, wenn ihn sein Nachbarskumpel Joey dazu verleitet und die verrücktesten Tierchen einschleppt.


Teen-Schwester Cindy (Juliette Lewis) ist da noch etwas unschuldiger auf fesche Jungs und passende Kleider für eine naive Romantik aus, ebenso fetzt sie ab und an flotte Songs und Anziehmontagen weg, doch auch sie mag den Großvater im Keller nicht füttern wollen - eine Aufgabe, die jeder an den anderen abdrückt und genauso unangenehm ausschaut, wie einem der Greis auch irgendwo leid tut, so mitten im Dampf und Rost des Alters bugsiert. Gehört eben alles zum Tagespensum dazu und dem folgt der niedrig budgierte Film sodann binnen eines simplen Narrativs, das für Besorgungen zwischendurch zwar ebenso an der frischen pechschwarzen Luft in einen urigen Arbeiterklasse-Horror schaut, hauptsächlich jedoch die Aufregung vor dem Besuch des Firmenchefs behandelt, dem man ja bloß ein schönes Abendessen kochen will, um vielleicht mal eine Beförderung ansprechen zu dürfen. Jenes sexbesessene Raubtier der Vetternwirtschaft schert sich aber natürlich nicht um seine Untergebenen, sondern möchte sie am liebsten einer nach dem anderen verschlingen, während die Maßregel der Nettigkeit unserer Familie Hollowhead jeden Konflikt auszublenden versucht. Dass diese Beengung der Werte sodann ihre gewalttätigen Folgen hat, wirkt beinahe schon wie aus einem Grimm'schen Märchen inklusive Hardgore-Effekten.


Die Bewältigung der Familie, über ihren Horizont hinaus zu blicken, geht sogar beinahe zu Herzen, wenn Regisseur und Ko-Autor Burman denn nicht noch sicher stellen würde, dass der Kompromiss von Karriere und familiärer/moralischer Selbsterhaltung auch ein bitteres Licht auf die gutmeinenden Hollowheads wirft, die eigentlich mehr dunkle Geheimnisse als zuvor um sich bilden. Die Erzählung dieser Konsequenz ist dabei wie der gesamte Film an sich gemäß seines Produktionsumgangs nicht vollends mit Vollgas dabei - ohnehin gibt er sich im Verlauf auch ziemlich eindeutig, inwiefern er seinen Subtext an die Oberfläche zieht. Was ihm auch an geballter Schlagkraft mangelt, macht er jedoch mit einer netten Ladung Herzblut wieder wett, die sich in den surrealen Dekors wie auch im zentralen Schlagabtausch der Umgangsformen zwischen dem angepassten Ekel und dem destruktiven Ekel von oben herab widerspiegelt. Diese „schrecklich nette Familie“ wühlt als Symptom einer gescheiterten Gesellschaft eben auch im Schleim (oder der Schleimerei) der Masse herum und obwohl sie innerhalb des Schreckens der Angepasstheit mustergültig aufzugehen versucht, macht es ihre neuen Mutationen der konservativen Konzepte, jedenfalls bis zu einem gewissen Punkt, umso liebenswerter.