VERBOTENE FILME - In seinem neuen Dokumentarfilm '
VERBOTENE FILME' stellt Regisseur
Felix Moeller ('
HARLAN - IM SCHATTEN VON JUD SÜSS') die grundsätzlich
provokante Frage, ob jene noch immer von öffentlicher Publikation
ausgeschlossenen 40 Vorbehaltsfilme aus dem dritten Reich, sprich: meist
antisemitische, antibritische, Euthanasie-befürwortende und auch
kriegsverherrlichende Propagandawerke in Spielfilmform, in unserer
heutigen Zeit eine Freigabe erteilt bekommen dürften.
Anhand von sachlichen Interviews (mit Filmemachern, Professoren,
Zeitzeugen, etc.) und entsprechenden, veranschaulichenden
Filmausschnitten erforscht er dabei vor allem die propagandistischen
Mechanismen, welche sich in emotionalisiert-erbauten Feindbildern,
Andeutungen im Dialog und eindringlicher Bildsprache ausdrücken - kurzum
gesagt: wie mit gängigen, filmischen Mitteln geschickt die Gefühle des
Zuschauers zur Heranführung an das ideologisch-perfide Weltbild
manipuliert werden, selbst in unscheinbaren Genre-Werken und
Unterhaltungsfilmen.
Das Hauptaugenmerk wird dabei sowohl auf Veit Harlans Hetz-Drama '
JUD
SÜSS', als auch Wolfgang Liebeneiners Euthanasie-Melodram '
ICH KLAGE
AN' gelegt, die beidesamt eine staatspolitische Funktion erfüllen
sollten und auch beim damaligen Publikum sehr reizvoll ankamen. Sobald
diese und andere Filme dem modernen Publikum (in Deutschland, Frankreich
und Israel) vorgezeigt werden, reflektiert dieses dann auch nicht nur
die ideologische Bösartigkeit, sondern erst recht die filmisch
hochwertige Gestaltung, welche die meisten Vertreter des Vorbehaltsfilms
noch immer gefährlich erscheinen lassen.
Moeller bezieht da auch bewusst einen Zuschauer ein, der sich nicht
nur als Arzt selber tagtäglich mit der Sterbehilfe auseinandersetzt (wie
sie in '
ICH KLAGE AN' befürwortet wird), sondern auch in Gustav Ucickys
'
HEIMKEHR' angebliche Wahrheiten über die systematischen Grausamkeiten
der Polen vor Ausbruch des zweiten Weltkriegs findet und damit eine
deutlich zweifelhafte, revisionistische Tendenz verlautbart. Im
Gegenschnitt zu einigen Aussteigern aus der rechten Szene, welche die
ausgeführte Faszination mit jenen Filmen und deren Wirkung in ihren
damaligen Kreisen erläutern, kann man schlussfolgern, dass solche Werke
noch immer als Bestätigung für eine aufkeimende, rechte Gesinnung taugen
und missbraucht werden können.
Im Vergleich dazu lässt Moeller aber auch die einst Diffamierten und
Verfolgten zu Wort kommen, u.a. jüdische Zuschauer in Jerusalem, die
sich '
JUD SÜSS' und '
DIE ROTHSCHILDS - AKTIEN AUF WATERLOO' ansehen und
im objektiven Diskurs teilweise ebenso von der Gefährlichkeit der Filme
überzeugt sind, diese andererseits aber auch als veraltet betrachten
bzw. offen zur Diskussion veröffentlichen würden, da man auch von
Deutschland den Eindruck hat, dass es seine Geschichtsverarbeitung noch
immer größtenteils von Angst bestimmen und folglich unterdrücken lässt.

Ebenso verängstigt erscheinen dann auch die Bemühungen einzelner
Verleihe, die in den Nachkriegsjahren versucht haben, berüchtigte Filme
von einst anhand von Schnitten zu 'entnazifizieren' und sie somit
bedenkenlos-goutierbar zu machen - eine törichte Maßnahme, die den Geist
jener Filme nimmer abschütteln kann, äußern sich die filmhistorischen
Interviewpartner, darunter auch eine selbstkritische Vertreterin von der
FSK. Man sollte das Kind schon beim Namen nennen, aber auch verstehen,
warum es solche Auswüchse gab und wie einzelne Talente sich dazu
hinreißen ließen. Stellvertretend dazu werden die Berufswege von Emil
Jannings, Heinrich George und auch Wolfgang Liebeneiner aufgezeichnet,
ebenso kommen Nachfahren zu Wort.
Dabei wird keine Entschuldigung für diese Taten ausgesprochen, viel
mehr greift die Erkenntnis, dass bei jedem dieser Menschen eine Grauzone
herrschte, erst recht im Hinblick auf das Filmgeschäft, wenn es wie
dort zur politischen Instrumentalisierung genutzt wurde. Und ebenso
wenig gilt es Moeller, ein endgültiges Urteil über den Sachverhalt zu
fällen - erzählt seine Behandlung dessen in objektiven Bildern, die sich
im Umgang mit jenen Filmen weder einem Hang von Dämonisierung noch
Kunsteuphorie hingeben und versucht sich auch entsprechend bei
Informationen-offenbarenden Zwischentiteln (u.a. mit Zuschauerzahlen und
Zitaten von Goebbels) an einer 'skeptischen', zurückgehaltenen
Musikuntermalung. Nicht umsonst leitet er seinen Film mit der
Vorstellung eines Filmarchivs ein, wo jene Negative lagern und aufgrund
ihres Nitrocellulose-Gehalts leicht entflammen und zur Explosion führen
können, wie auch deren Inhalt sich auf die Gesinnung eines Volkes
auswirkte und noch immer auswirken könnte.

Der Grundtenor, welcher aber beim Großteil der dennoch kritischen
Befragten letztendlich besteht, ist, dass man die Verbote trotz
innewohnender, unbequemer und filmisch-umgesetzter Ideologien wohl
überdenken oder gar ganz aufheben müsste, um das Thema weiter zu
enttabuisieren und die historische Aufklärung zu fördern. Am
Leidenschaftlichsten äußert sich dazu Regisseur Oskar Roehler, der
sinngemäß der Meinung ist, dass man dieses Land nicht verstehen könne,
wenn man von diesen Filmen nichts weiß und dass deren Veröffentlichung
ohnehin eher mehr das Bildungsbürgertum interessieren dürfte, da die
bedenklichen Randgruppen so oder so an die Werke rankommen (u.a. aus dem
Ausland oder auch Internet).
Da ist das letzte Wort sicherlich noch nicht gesprochen, die
Diskussion über jenes Thema ist aber jede weitere offenbarende
Aufdeckung wert - speziell in diesem Land, dass seit gefühlten
Ewigkeiten immer wieder einen Verbot der NPD hin- und herargumentiert -
und so sorgt auch hoffentlich diese Dokumentation dafür, dass man den
nötigen Umgang mit der Vergangenheit nicht nur schlicht-schnellbewertet
'bewältigt', sondern auch wirklich sorgfältig und extensiv-abdeckend
'durchzieht'.
GOD TOLD ME TO - Larry Cohen vermengt die dokumentarische Härte eines '
FRENCH
CONNECTION' mit pulpiger Exploitation zwischen katholischer
Übernatürlichkeit, dem Ausserirdischen und sogar ein bisschen Black
Cinema. Die darin dargestellten Investigationen des gläubigen New Yorker
Detektivs Peter J. Nicholas (Tony Lo Bianco) in einer Mordserie durch
verschiedene Täter, die allesamt kurz vor ihrem eigenen Tod (teils
Selbstmord) verlautbaren, dass Gott ihnen die Taten befohlen hätte,
konzentriert Cohen zu einer dringlich-fiebrigen und ausweglosen
Aneinanderreihung des Schreckens im Big Apple - welcher offensichtlich
im Kern vor sich hin vegetiert und aus jedem Loch mit Gewalt
entgegenkommen kann, was natürlich seinen Protagonisten ebenfalls
allmählich von innen auffrisst und in alptraumhafte Terror-Szenarien
wirft.





Der Apfel fällt aber nicht weit vom Stamm, schließlich lebt Peter
trotz seines starken katholischen Glaubens in Scheidung und bandelt
bereits mit einer Jüngeren an, kommt aber in Anbetracht der
schrecklichen Ereignisse nicht umhin, seine Ex aufzusuchen und bei ihr
insgeheim nach Geborgenheit zu streben. Denn wie sich für den Zuschauer
allmählich herausstellt, wurde Peter einst adoptiert und entdeckt bei
der Suche nach seiner leiblichen Mutter erschreckende Parallelen zu
einer geheimen, humanoiden Götzenfigur, von der aus einige Jünger Peter
aufsuchen und teilweise auch umbringen wollen. Wo sich bei Peter
hinsichtlich der vermeintlichen Amoktäter noch ein unsicheres Gefühl der
Paranoia und Fassungslosigkeit breit machte, bestätigt es sich sodann
in jenen Verfolgern, die aber ebenso nur entwertbare Spielbälle für die
Übermacht sind.





In seiner unheilvollen und schonungslosen Gestaltung auf der
Gegenwartsebene verlässt dem Zuschauer in jenen teils
ausgesprochen-surrealen Entwicklungen das Gefühl der Sicherheit - recht
eindringlich dadurch, wie man dem abfallenden, beunruhigenden Wandel an
Peters seelischer Verfassung beiwohnt, der nicht nur eine fatalistische
Zersetzung herbeisehnt, sondern auch eine ebenso mörderische,
übernatürliche Kraft wie jene des von ihm Gejagten. Das hat schon fast
was von Cronenberg, speziell '
SCANNERS'.
Ebenso an Cronenbergs '
RABID' erinnert die Vaginalöffnung der
unerklärlichen Macht, die vorallem in den eher trivialeren Rückblicken
von Alien-Entführungen vorkommt, welche einzelne Opfer Peter schildern.
Das erinnert vollends an den dusseligen Charme eines 1950er B-Movies und
schraubt die durchgeknallt-plakative Reißer-Schraube von Cohens Film in
die Stratosphäre. Wie bezeichnend für diesen Regisseur, der ja weniger
für Subtilität steht, denn mehr für handfestes, blutspritzendes
Genre-Kino, gerne mit okkulten Elementen, wie '
DIE WIEGE DES SATANS',
aber auch satirischen Ambitionen wie '
THE STUFF' sowie eskapistischem
Blaxploitation-Krachern wie '
DER PATE VON HARLEM' (weshalb auch in
diesem Film einige stilechte Pimps die Unterwelt bewandern).
Diese Versatzstücke mögen die Wirkung der aufgebauten Spannung
anfangs unterminieren, bereiten den Zuschauer allerdings auch allmählich
darauf vor, wie verballert und irrsinnig die letzte Konfrontation
zwischen den vermeintlich Guten und Bösen von statten gehen wird. Cohen
versteht es da, den Zuschauer zwar noch ordentlich zu fesseln, gibt sich
ihm aber per du mit der Vermittlung des Umstandes begrenzter Mittel und
der daraus resultierenden, bekloppteren Handlungsabzweigung.



Wie man nämlich unschwer nachvollziehen kann, drehte er aufgrund
jener fehlender, finanzieller Mittel reichlich Material in den Straßen
New Yorks ohne entsprechende Genehmigungen, benutzt fast ausschließlich
eine Reportage-artige Handkamera, sowie einige genuine Laiendarsteller
von der Straße und ordnet sich auch machtlos der störenden
Umgebungsakustik unter, wie auch des Öfteren einem mitschauenden
Straßenpublikum. Interessanterweise entsteht dadurch einerseits eine
gewisse, dokumentarische Atmosphäre, die durch ominöse Schnitt- und
Musikführung eine allwissende Chronologie der stetigen Paranoia
suggeriert - andererseits aber auch gerade aus den Darstellern heraus
eine Ahnung von Sich-Ertappt-Fühlen.



Bezeichnend dafür sei die beschwörende, nächtliche Szene genannt, in
der Peter vor einer neon-beleuchteten Kirche vom Blick her fassungslos-fragend niederkniet, nachdem er von
einer grundlos wilden Frau mit dem Messer angestochen wurde. Nur
beiläufig, aber wirksam bemerkt man dabei einen Kreis an Zuschauern, der
sich um ihn bildet - ein nicht zu umgehender Umstand gezwungenermaßen
spontaner Dreharbeiten, aber auch ein auffallender Ausdruck der
anschwellenden Verfolgungsangst unseres Detektivs, der allmählich mehr
über seine außergewöhnlichen, inneren Kräfte herausfindet, als ihm lieb
ist.



Von daher ist es einigermaßen schade, dass Cohen diese
psychologischen Stärken aufgrund von schlicht umgesetzten Schauwerten
etwas unterbuttert - dem spannenden Grundtenor des teils unfassbar
naiven, aber auch geschickt-hypnotisch mit den Urängsten jonglierenden
Films tut das allerdings keinen Abbruch. New-York-Filme haben diese
Furcht scheinbar nun mal von Natur aus in sich, allein schon aufgrund
der unterwerfenden, klaustrophobisch-grandiosen Architektur.
Cohen zieht daraus ordentlich Kapital und addiert zum omnipräsenten
Unterwelt-Anstrich auch noch unerklärliche Übernatürlichkeit hinzu. Die
Erklärung mit den Aliens könnte hinsichtlich der manifestierten Paranoia
letzten Endes auch nur eine verklärende Einbildung unseres Detektives
sein, dafür spricht schon die überzeichnete Ausleuchtung und Verläufe
jener Szenarien - das Gefühl der Unsicherheit wird man nun mal nimmer
los. Schicke, kleine Haunted-City-Genreperle.
DER BLAUFUCHS - "
Kann denn Liebe Sünde sein?", singt Zarah Leander erstmals in dieser
leichtfüßigen Rom-Com des international tätigen Ukrainers Viktor
Tourjansky, der hiermit nach einer Vorlage des gleichnamigen
1917er-Bühnenstückes von Ferenc Herczeg ein angenehm-frivoles
Liebeslustspiel mit pro-aktiven Seitensprung-Avancen aufs Parkett legt -
und das anno 1938 im von den Nazis beherrschten Deutschland.
Als reine Unterhaltung gestaltet sich diese unpolitische Flucht
ins sonnendurchflutete Ambiente Ungarns, bietet ausgezeichnete
Zerstreuung für den unbedarften Zuschauer, auch wenn zu jener Zeit nicht
nur
hinter den Kulissen des öffentlichen Lebens das
nationalsozialistische Grauen geplant und ausgeführt wurde. Die
historischen Rahmenbedingungen werden solche Filme nun mal zurecht
schwer los - wir wollen es auch hier nicht vergessen, aber dennoch den
Film an sich objektiv bewerten und feststellen, ob man den '
BLAUFUCHS',
abgesehen von seinen berüchtigten Stars, überhaupt mit dem
politisch-ideologischen bzw. propagandistischen Hintergrund jener Jahre
des deutschen Filmgeschäfts identifizieren kann.

Anfangs begleiten wir Ilona Paulus (Zarah Leander) auf der Heimfahrt
vom Gut ihrer Tante nach Budapest, wo sie zwischen der malerischen
(leider noch in Schwarz-Weiß gehaltenen) Natur Ungarns dem
Dandy-Junggesellen Tibor Vary (Willy Birgel) begegnet, der sie mit einem
herzlichen Trick (bei dem er einer örtlichen, liebenswerten
Bahnhofsvorsteherfamilie zum fake-öffentlichen Rundfunkauftritt
verhilft) doch noch von der Kutsche ihres angetrunkenen und dennoch
äußerst fahrtüchtigen Chauffeurs Béla in seinen flotten Mordsschlitten
kriegt. Auf dem Weg in die Stadt gibt er sodann vor, eine Autopanne zu
haben, um mit ihr ein paar schöne Minuten auf einem Folklore-Fest zu
verbringen, wo sie zwischen den Ortsansässigen so innig flirten, dass
Ilona wie selbstverständlich mit der dort gespielten Musik zusammen zu
singen beginnt ("
Von der Puszta will ich träumen, bei Zigeuner
Musik...").
Da bahnt sich was Großes, Romantisches an - nach dem Abschied in den
Abend stellen wir aber fest, dass sie mit dem begnadeten Wissenschaftler
und Meeresbiologen Stephan Paulus (Paul Hörbiger) verheiratet ist, der
sich zwar gut um seine Frau kümmert und eine stets vergnügte, kindliche
Stimmung an den Tag legt, allerdings in letzter Zeit eher verstärkt
Leidenschaft für seine Fische und das Süßwasser empfindet, als für seine
Ilona, die sich von ihm in seinem ungeschickten Umgang zurecht
vernachlässigt fühlt - immerhin hat er ja auch vergessen, dass heute ihr
Hochzeitstag ist.

Am nächsten Morgen kommt Tibor dann zu Besuch, schließlich ist
Stephan übrigens ja wie der Zufall so will sein bester Freund und
berichtet ihm von seiner letzten Eroberung, erschrickt aber zurecht, als
er Ilona an seiner Seite erblickt. Mit leicht nervöser, aber gefasster
Miene tut er zwar so, als ob er ihr noch nie begegnet wäre, wobei sie
aber unserem Tibor durchweg verträumte, neckische Augen macht - Stephan
kriegt nichts davon mit, wendet sich stattdessen voller Freude Ilonas
Cousine Lisi (Jane Tilden) zu, die sich mit ihren Fisch-Illustrationen
und ihrem äußerst charmanten Vorzügen einer jungen Dame als Assistentin
seiner Forschungen empfiehlt.

Tibor ist die Sache dennoch unangenehm und weist Ilona bei einem
Besuch auf seinem Hausboot (am wunderprächtigen Ufer bei Sonnenschein)
hin- und hergerissen ab, da er und Stephan nun mal beste Kumpels seien -
da spannt man nun mal niemandem die Frau aus, sagt der weltgewandte
Schürzenjäger. Doch in ihr brennt die Leidenschaft, möchte ihn rasend
und eifersüchtig machen, weshalb sie bei seinem ebenso Casanova-artigen
Tenor Trill (Karl Schönböck) vorstellig wird, mit dem sie auch nur
halbherzig flirtet - der aber auch feststellt, dass ihre Stimme ein
großes Talent beherbergt.

Ihrem Mann hingegen scheint es egal zu sein, wo sich seine Frau
herumtreibt - als Ehemann brauche man sich ja innerhalb der festen
Regeln einer Ehe eh keine Sorgen machen, denkt sich das praktikable
Genie. Schlecht geht es ihm ja ohnehin nicht, macht er doch im
euphorischen Taumel neue Entdeckungen in der Fischwelt, mit Lisi an
seiner Seite, die ihm in Sachen Intellekt, Forschungsdrang und -freude
durchaus gewachsen ist. Umso weniger kann er dann verstehen, warum sich
Ilona letzten Endes doch noch vor ihm ausheult, weil sie die Ehe am
Boden sieht - den Versuch zum versöhnlichen Trost unternimmt er dennoch,
da zeigt der Film zwar Verständnis für ihr Verlangen nach Liebe, macht
aus dem Mann aber auch weder den Bösen noch eine Witzfigur (selbst wenn
er ein Flummi-artiges, doch sympathisches Gemüt besitzt).

Schließlich werden alle Parteien nochmals auf Tibors Hausboot
eingeladen, wo es trotz angenehm-vergnügter Stimmung (Ilona schmeißt
sich abseits des Blickfelds ihres Mannes ständig an Tibor heran - wie in einem Billian-Schlagerfilm -, der
augenscheinlich mit dem Gewissen und seiner Libido hadert, während der
werte Herr Gatte mit Lisi angeln geht) allmählich zur offenbarenden
Konfrontation kommt. Ilona gibt Stephan zu, dass sie ihn betrogen hat -
und zwar mit dem ebenfalls anwesenden Trill, wirft ihm Tibor aus
Eifersucht vor, auch wenn zwischen den Beiden tatsächlich nichts
vorgefallen ist. Trill wird des Hausbootes verwiesen und auch Ilona
verabschiedet sich mit dem Entschluss, Karriere als Sängerin zu machen.
Da sitzen die beiden Freunde Stephan und Tibor nun leicht verdutzt da,
wobei der gehörnte Ehemann seinem Busenkumpel die Schuld für diesen
Eklat gibt, weil er ja offensichtlich in Ilona verliebt sei - damit
drückt er insgeheim Verständnis für seinen Spießgesellen aus, gibt quasi
sogar seinen Segen für die Einigung, solange sie nicht halbnackend auf
der Bühne landet, seines Rufes wegen.

Aber die Sorgen sind schnell verflossen, schließlich etabliert sich
Lisi beim jüngst zum Professor ernannten Herrn Paulus zur engagierten,
lebenslustigen und zärtlichen Hausfrau, während Ilona ein famos
bezahlter Gesangsstar auf ungarischen Bühnen wird, den oben erwähnten
Evergreen von der Toleranz für die freimütige Herzenslust (oder auch in
diesem Fall geduldete Untreue) zum Besten gibt und doch noch mit ihrem
nach Rom reisenden Tibor zusammenkommt - welcher ihr mithilfe eines
tollen Loopings den Kopf verdreht und um ihre Hand anhält. Putzig.
Insgesamt erweist sich '
DER BLAUFUCHS' (= das Hochzeitstag-Geschenk,
das Ilona von ihrem Mann erwartete) als sehnsuchtsvolle Screwball-Posse
auf der Suche nach der wahren Liebe inmitten eines vollends harmlosen,
malerischen Settings, die zwar ihr Handlungskonstrukt nicht gerade mit
einer dramatisch-eindringlichen Fallhöhe versieht, stattdessen aber
wohlweislich mit einer romantischen Kurzweiligkeit ausstattet, die dem
turbulenten, geschickt-Geheimnis-umwitternden Liebesreigen sympathisch
entspricht und zudem mit beherzten Pointen der ulkigen Unwissenheit und
Amore-Verwirrungen unterlegt. Hält da noch der Bezug zum
nationalsozialistischem Ursprungsland des Films bestand? Rassistische
oder propagandistische Modelle lassen sich jedenfalls nicht ausmachen,
dafür erscheint u.a. die gesamte, dargestellte Kultur Ungarns als
äußerst liebenswert und offenherzig (kann man also stattdessen von einem
Film sprechen, der das Reiseziel Ungarn propagiert?).
Einerseits kann man noch durchaus argumentieren, dass das Happy-End
mit Ehe wieder mal zum Konservativen hinführt und unseren umtriebigen
Junggesellen Tibor damit erst zum 'erfüllten Mann' macht. Anderseits
wird sein Weg dorthin, mit der aufreizenden Romanzen-Entwicklung
zwischen ihm und der nach-Leben-und-Liebe-greifenden Ilona so verträumt
und süß vermittelt, dass man ihm das gemeinsame Glück mit ihr ja
durchaus wünscht (die bezaubernde Ilona darf meinetwegen sowieso alles),
selbst wenn sie dafür ihren eigentlichen, stets frohsinnigen Ehemann
betrügt und verlässt, welcher zwar trotz seiner unbeholfenen
Vernachlässigungen nicht unbedingt von ihr lassen will und objektiv
gesehen ein treuer Freund ist (er meint auch selbst noch voller
Unschuld: "
Ich bin ja sowas wie dein Mann."), seine wahre Erfüllung aber
auch allmählich mit Lisi findet, die ebenso viel Enthusiasmus für
seinen Fokus auf Fischforschungen besitzt.
Letztendlich kriegt jeder das, was er will und als Zuschauer kann man
sich auch nicht über diese reizvolle, interkulturelle Welt beklagen, in
der jeder seinem Herzen folgen und dafür auch über die Grenzen einer
Ehe hinwegarbeiten kann - alles lässt sich verzeihen und wird geduldet.
Eine äußerst belebende Ausnahme aus einer Zeit, in der solche
humanistischen Werte gnadenlos unterdrückt wurden - hier wird der
Schönheit der ungarischen Kultur die Ehre erwiesen, zudem lässt der Film
mit vergnüglichem Witz stets das Herz entscheiden, bei jedermann. Ein
wahrlich drolliger und auch heute noch äußerst modern-gesinnter
Eskapismus-Schwank voller liberaler Glücksgefühle - da frage ich mich
doch: wie hat es Tourjansky bei so einem Film trotzdem in
Nazi-Deutschland nur ausgehalten (wo sein '
BLAUFUCHS' beim Publikum auch
noch durchfiel)? Ganz einfach: er drehte auch richtige
Propaganda-Streifen, allen voran der noch immer als Vorbehaltsfilm
geltende '
FEINDE' (1940).
So kann man sich mit dem Regime natürlich auch engagieren - nach dem
Krieg war er aber noch immer ein gefragter Inszenator, nicht nur in der
BRD, auch meist im Ausland. Was steckt also hinter dieser illustren
Lebenslinie? Opportunismus? Die schlichte Lust am Filmemachen? Sein
Fokus auf Unterhaltungskunst? Da gilt es für mich, weiter nachzuforschen
- fest steht aber erstmal, dass mir sein '
BLAUFUCHS' sehr gefiel. Wie
letzte Woche mit '
HEIMAT' kann ich wieder nur (neben der ebenfalls
gehobenen Schauspielfreude der Leander) feststellen: das Regime hinter
der Verfilmung jener Vorlagen kann man durchaus hinterfragen und am Film
reflektieren - die Vorlagen scheinen an sich aber essenziell gleich zu
bleiben, erst recht in ihrer ursprünglichen Ideologie. Ganz schön
verrückt, aber auch recht vorteilhaft für die daraus entstandenen
Filmwerke.
NON-STOP - Schöne Leistung! Mal wieder ein stilvoll-geradliniger Genrefilm, der
zwar seiner Klischees und Erzählmuster offenbar bewusst ist, sich aber
nicht über sie lustig macht, stattdessen als wirk- & unterhaltsame
Verbindungsmittel zum Publikum anerkennt. Die Grundstruktur ist dabei
altbewährt und grüßt uns schon von Anfang an mit stichhaltigen
Ingredienzen, welche ohne Schnörkel Situation und Charaktere aufdecken -
ganz ohne Bullshit und Ironie, dafür sorgt schon der stets
Drei-Tage-Bart-Melancholie-ausstrahlende Brocken aus Irland, Liam
Neeson, welcher seine altbewährte Sympathie & Ambition natürlich
nicht verschenkt und auch dieser Rolle des Air Marshalls Bill Marks das
nötige, pointierte Gewicht verleiht.


Seine Stärke zieht sich der Film daher durchaus aus der dem Genre
angemessenen, natürlich-involvierenden Glaubwürdigkeit seines
Protagonisten (welche er sich im Verlauf bei den Passagieren durch eine
passionierte Rede verdient), vielmehr aber noch aus seinem
konzentrierten Setting und den daraus resultierenden
Handlungsentwicklungen, die auf derartig kleinem, klaustrophobischem
Boden entstehen - ein launiges Whodunit gängigster Natur, dass sich zwar
weniger in atemloser Spannung (denn als erfahrener Zuschauer hat man
schnell eine Ahnung, wozu genau das alles hinführen wird), aber dafür in
einfallsreichen, teils gut-doofen, aber auch nicht allzu überladenen
Spaß äußert. Selbst das Texting-Gimmick wirkt längst nicht so platt wie
im Trailer - im Gegenteil, es harmoniert sogar wunderbar mit der
audiovisuellen Gestaltung.

Ohnehin macht diese einen grundsätzlich ordentlichen Eindruck, der
weder vor stets plausiblen Plansequenzen, Unschärfe-Spielereien (=
alkoholisierter Zustand) noch Handkamera-Einsätzen zurückschreckt
(gerade in den hektisch-fiebrigen Actionszenarien in derartiger Enge
recht eindringlich-gelöst), auch musikalisch ausschließlich
unterstützende Töne ansetzt - da hängt folgerichtig kein überflüssiges
Fett am Film dran, bleibt stets
NON-STOP und Regisseur Serra hält sich
auch streng dran, bis zum Schluss in der Luft zu bleiben, trotz Kontakt
zur Aussenwelt, der erst zum Ende vermenschlicht dargestellt wird: alles
eine klare Ansage zur Handlungs-relevanten Verdichtung. Für eine
FSK-12-Freigabe ist er in dieser Reduktion dennoch immer
verkraftbar-angenehm ruppig und glänzt ebenso mit entsprechend gezielt
gesetzten Überraschungen und Umkehrungen von gängigen Stereotypen.
Soviel darf in dem Rahmen ja auch möglich sein.

Nichtsdestotrotz erscheint die letztendliche Auflösung recht
beliebig, wenn auch verzeihbar-'glaubwürdig' (soviel sei gesagt: mit den
Urängsten nach 9/11 beschäftigt sich verständlicherweise auch dieser
Flugzeugthriller) und liefert ein schnörkellos-befreiendes, ersehntes
Ende. Dank Buch & Regie verläuft dahingehend alles sauber und
souverän, in deren solider Konsequenz sogar geradezu erfrischend. Und
wie oft erlebt man es gerade im kontemporären Genre-Kino noch, dass
recht natürlich mit allmählich Emotionalität-aufbauenden Etablierungen
& Pay-Offs zur seelischen Charakterentwicklung gearbeitet wird?
Soweit ich das beurteilen kann: leider nicht oft genug - aber immer
wieder schön, wenn eine derartige Genreleistung jene eigenen Werte
markant & homogen einarbeiten und erfüllen kann.
DIE SICH IN FETZEN SCHIESSEN -
(GESICHTET IM METROPOLIS KINO HAMBURG IM RAHMEN DES 'BIZARRE CINEMAS')
Erstmals konnte ich einen waschechten Italowestern auf der Leinwand erleben - dem Genre bin ich zwar schon länger verbunden, war aber leider nie an einer Sichtung im großen, dunklen Lichtspielhaus beteiligt (höchstens bei einigen Trailern, die einst im
BUIO OMEGA liefen). Diesen Sonntag änderte sich dies und natürlich war es nicht nur aufgrund des Stellenwerts einer 'Entjungferung' eine besondere Erfahrung.
Dieses geradezu archaische Werk aus dem Jahre 1967 von Tanio Boccia, das mir in herrlich verrauschtem, staubigen 35mm ins Blickfeld sprang, scheint nämlich ein gewisser 'Übergangsfilm' zu sein. Das heißt, dass sein klassisches Dekor und seine an Fasching-erinnernden, kaum verlebten Monofarben-Klamotten (siehe Daniela Igliozzi mit feschem Lederhut, grünem Hemd und drolliger Lederhose) zwar noch immer eine gewisse, naive Räuberpistolen-Mentalität inkl. Schlagerballade als Titelsong ausstrahlen (basierend auf der Anbiederung an den altbewährten US-Western), jedoch allmählich von dem apokalyptischen Zynismus eingenommen werden, der fortan die Grundrichtung für das Genre des italienischen Western bestimmte.

Schon von Anfang an befremdet da einen die einvernehmende Umgebung, die wohlgemerkt gängige Genre-Stationen anfährt (u.a. eine Kleinstadt, in welcher der Oberbandit Braddock aufgehängt werden soll), aber keinerlei pathetische Zelebration erfährt, dafür verharrt Boccia teils überaus statisch in seinen kargen Kulissen. Statt einer malerischen Wüste gibt es nämlich moddrig-kotzgrüne Felder zu bereiten, im Himmel lagern sich dichte Wolkengebilde zusammen, die nur widerstrebend das eskapistische Blau eines Unterhaltungsfilms freigeben. Bezeichnenderweise steigt unser Outlaw-Quartett (bestehend aus drei schroffen Kerlen und einer heißen Mieze) sodann in verlassenen Gegenden, nach dem Überfall auf eine Kutsche mit einer hochdotierten Geldkassette auch noch in einer genuinen Geisterstadt ab.

Dass die Macht der Moneten und des Goldes unsere fiesen, gebräunten Recken instinktiv gegeneinander aufhetzt, ist da nur selbstverständlich - Skrupel kennt eh keiner, haben sie doch schon einen ihrer verletzten Kollegen zum Verrecken in der Wüste liegen lassen. Forciert wird die angespannte Lage zudem von dem Spinnweben-verhangenen Ambiente: ein alter Saloon mit stimmungsvoll-räudiger Gruselmär-Beleuchtung und ebenbürtiger, unheilvoller Musikuntermalung - da wird das Böse und Geheimnisvolle recht dringlich heraufbeschwört, selbst in der Erotik der Figur Igliozzis, Shellley, die sich genüsslich an die brutalsten Kerle anschmiegt und sich ebenso von deren Sadismus begeistern lässt.

Es scheint jedenfalls des Nächtens dort zu spuken, eine alte Dame schleicht umher und beobachtet die intriganten Hinterfotzigkeiten des Teams, wobei deren Anführer Braddock unbemerkt das Geld in einer Hütte versteckt und seinen wild kichernden Kumpanen Langlan zusammenschlägt, als 'wie von Geisterhand' fast der gesamte Saloon verbrennt - hier schenkt sich keiner was. In einem Gegenschnitt begegnen wir sodann einem einsamen Reiter, der fast verdurstet inmitten der nun prall-dröhnenden Wüste einer Dame hilft, deren Kutsche einen Unfall hatte - er gibt ihrem verletzten Pferd leicht wehmütig den Gnadenschuss und reitet mit ihr davon.

Nun passiert etwas, was ich bisher noch in keinem Kino erlebt hatte: urplötzlich ist jener Reiter mit der alten Dame von vorhin im Saloon unterwegs, beide beraten sich über einen Plan, wie man die Ganoven austricksen könnte und erwarten deren Rückkehr mit seiner Beifahrerin - mir dämmert es langsam: der Vorführer hat die Rollen vertauscht. Nun erleben wir kurzerhand bereits den infernalischen Showdown, der unsere gezwungenermaßen nur mäßig etablierten, offenbar rechtschaffenen Gegenspieler gegen die Gauner antreten lässt. Und sogar der einst als verreckt gegoltene Kollege kommt zurück und rächt sich mit genüsslichem Sadismus an Braddock, dem er in quälender Reihenfolge nacheinander mehrere Kugeln reinpustet.

Doch in der Gier nach dem Schatz knallen sich schlussendlich alle gegenseitig über den Haufen, bis der verrückt gewordene Langlan nun das Feuer über die gesamte Stadt ausbreitet. Lediglich unser einsamer Reiter und seine Begleitung können entkommen und so setzt der Film zum befreienden, objektiv-nihilistischen und doch moralischen Schlussmoment an, bei dem alle zusammen mit dem Geld im Fegefeuer verbrennen. Nach dieser ultimativen Action folgt dann aber geradezu revisionistisch-erklärend (ähnlich der Struktur eines frühen Tarantinos), allerdings ebenso höchst-unabsichtlich die Wiederauferstehung aller Charaktere in der nun folgenden, eigentlich zuvorkommenden Rolle, die jene 'guten' Figuren jetzt explizit erneut in den Schlund des Bösen wirft. Hierbei erfahren wir natürlich mehr von den nötigen Charaktereigenschaften der Gequälten und natürlich den Weg zum Konflikt mit den Ganoven, der sich letztendlich in dem bereits gesehenen Showdown entladen wird.

Allerdings endet die Sichtung des Films damit auf einer besonders trostlosen, brutalen Note, beherbergt diese Rolle doch die wohl sadistischste Szene des Films, in der zunächst Langlan den Fremden erbarmungslos schindet und mit seinem Munitionsgürtel in den Boden stampft, immer wieder auf ihn eintritt und den Staub fressen lässt, bis dieser sein Pferd herbeipfeifen kann, welches Langlan mit den Hufen die Hände zerquetscht. Nun ist der Fremde an der Reihe, seinen Peiniger zu quälen und setzt diese Rache auch dementsprechend gnadenlos um. Daraufhin will er davonreiten, doch die alte Dame lädt ihn schließlich mit den überzeugenden Argumenten des Schatzes zum Bleiben ein. Der höllische Kreislauf geht also von vorne los, unsere Charaktere geraten im Hirn des Zuschauers erneut in den gewaltsamen, ausweglosen Strudel der Zerstörung, während sich der Vorhang schließt - gefangen im Inferno, da wird sogar die Bibel weggeschmissen!

So sehr dieser Umstand die gewollte Spannung des Films gewissermaßen entwertet, so viel wirksamer erscheint seine innewohnende, sadistische Grausamkeit in diesem unaufgelösten Schluss, der nochmals verstärkt die düstere Trostlosigkeit seiner Western-Welt hervorhebt und mindestens genauso haltlos prophezeit, wohin das italienische Kino in Zukunft hinsteuern wird. Immerhin gabs ja schon 1970 ein offenbar weit dreckigeres, psychedelischeres und fieseres Remake dieses Films namens '
WILLKOMMEN IN DER HÖLLE' - ein wahrhaftig passender Titel, wo man doch bereits hier einen flüchtigen, zerreißenden und verbrennenden Blick in jenes Teufelsloch erhaschen kann.
WENN ER IN DIE HÖLLE WILL, LASS IHN GEHEN - Frankenheimer goes Nippon! Aufgrund einer Familienfehde entbrennt in
den 2 Lagern des Yoshida-Clans ein erbittertes, blutiges Ringen um ein
besonderes Schwert. Aus diesem Grund lässt die anständigere Fraktion
jenen schlitzenden Schatz vom rotzigen Ghetto-Boxer Rick (Scott Glenn)
aus den Staaten in die Heimat überführen, wo dieser sich als dürrer,
langer Gaijin, der optisch Joey Ramone nachempfunden ist, zwischen
ignoranter Großmäuligkeit und ehrfurchtsamer Hilflosigkeit bewegt, je
nachdem wie ihm die aufgezeigten Varianten bekannter japanischer Werte
wie Ehre, Trauer, innere Wut und Rache gegenübertreten - einerseits bei
den Bösen, die sich als monopolistisch-erbarmungslose Dekadenz-Tycoons
aufführen und andererseits bei den Guten, die sich hauptsächlich in
traditioneller Kampfkunst und Inneneinrichtung ausdrücken. So wie sich
ein nicht-japanischer Durchschnitts-Kinogänger jener Zeit Japan nun mal
vorstellt, bezeichnenderweise mit dem Aushängeschild Toshirô Mifune als
global-bekanntestes Gesicht zur Erkennung des Settings, bereits vom
Vorspann an.






Da probiert sich der Film zwar ausgiebig in der Darstellung, jedoch
nur bedingt in der verständnisvollen Annäherung an die japanische Kultur
(ähnlich dem letztjährigen
WOLVERINE), die hier in einer expliziten
Dringlichkeit und Binsenweisheit das Exotische klischeehaft lanciert,
inkl. ungewohnten Nachtclub-Regeln, reißerisch aufgezoomter,
kulturell-bedingt selbstverständlicher Tierquälereien (u.a. am
lebendigen Hummer) und ungewohnten Tischmanieren - die cineastische
Entsprechung einer Empörung über Essstäbchen bzw. eine Art Tour Guide
für Dummies mit austauschbarem Jerry-Goldsmith-Score zur Überbrückung.
Ganz zu schweigen von der nicht allzu ungewohnten Grundidee des Films,
einen US-gerechten, simplifizierten Actionthriller-Faktor an diese
Kulisse zu versetzen und unseren amerikanischen, planlosen Protagonisten
mit omnipräsenter Feindseligkeit sowie fiesen Messersticheleien zu
traktieren, die heutzutage nur noch von
THE YELLOW SEA überboten werden.







Dabei kommt es aber auch wieder darauf an, wie sehr man sich mit dem
unwissenden Charakter Ricks identifiziert, der sich teilweise so
kindisch-überheblich und verwundert-angepisst in seinem bemüht-lockeren
Nihilismus und seiner honkigen Kulturunkenntnis gibt, dass er
anscheinend eher ein entlarvendes Spiegelbild seiner damaligen,
Action-fixierten Zielgruppe abgegeben hätte - daher genug Distanz
zwischen Zuschauer und dem Weltbild Ricks schafft. Ohnehin lacht man
sich ja gut einen weg, sobald Rick nach all dem arrogant-respektlosen
Gelabere über die japanische Gastronomie erstmal kotzen gehen muss und
erst recht im Kampf seine Unterlegenheit beweist. Letztendlich läuft das
alles natürlich auf eine wiedergutmachende Charakterentwicklung hinaus,
bei der er sich aufrappelt, Kultur & Kampfkunst zu
verstehen beginnt sowie für einzelne neue 'Familienmitglieder' Sympathie
& Liebe empfindet, um die Antagonisten Genre-mäßig rächend zu
vermöbeln (ein rassiges Mädel ist auch noch im Preis mitinbegriffen).
Und siehe da, die lieben Leute lernen von ihm auch gehaltvolle Werte,
wie z.B. Geduld und auch ein bisschen Antiautorität zwischendurch - im
Grunde aber hauptsächlich der Gebrauch von Schusswaffen, wobei die
japanische Methode natürlich weit kunstvoller erscheint. Beide Kräfte
zusammenarbeitend zu sehen, ist aber ohnehin schon die Mühe wert.






Der Film ist daher nur ein kleiner, verklemmt-naiver, aber auch im
Angesicht der Entstehungsumstände relativ-progressiver Ausdruck der
Völkerverständigung - den wahrscheinlich beide Seiten, knapp 4
Jahrzehnte nach Hiroshima, noch dringend nötig hatten, selbst in Form
von glattgebügelt-souveräner Genre-Kost und knallharten, weit
hergeholten Aufnahmeprüfungen im Verlauf der Handlung. Aber nun gut,
nicht umsonst heißt der Film im Original ja schlicht '
THE CHALLENGE' -
so stellt sich nun mal jeder nötige Kulturen-Zusammenschluss anfangs
dar, allein hierzulande kommen wir ja nie über 2 Runden hinaus. Aber
auch hier gilt, wie schon für Rick: wenigstens versuchen sie es. "Das
Schlimmste ist, dass ich genauso verrückt bin wie ihr!". Fazit: ein
launiges, treffend Schauwerte-bedienendes Auswärtsspiel, das im
klassisch-konservativen Stil gleichzeitig (Tourismus-)Urängste vor dem Fremdartigen
bestätigt, aber auch unterhaltsam und angemessen-versöhnlich aufsaugt -
ein mörderisch-bleihaltiger Japan-Urlaub mit Kinderbuch-artiger,
niedlich-trivialer Aufklärungsfunktion und herrlich-doofem,
exploitativem Splatter-Gestus. Ganz getreu dem Motto: Gemeinsam 'stark'!
EIN GEWISSER HERR GRAN - Pures, inoffensives Eskapismus-Kino und ein Vorreiter des typischen,
europäischen Agenten-Abenteuerfilms. Hans Albers versetzt es als
Titelfigur Herr Gran auf seiner behutsamen Hatz nach brisanten Plänen
nicht nur (ca. 10 Jahre vor
MÜNCHHAUSEN) an die Traumstadt an der Adria
Venedig, sondern auch nach Rom - Kulissen, in die man sich als Zuschauer
dankbar und gemütlich hineinlehnt. Genre-Schauwerte wie Ballereien und
Erotik halten sich eher bedeckt und weichen einem leichtfüßig-neckischen
Humor im unbedarften Austricksen dekadenter Gangster - allzu passend
zum sommerlichen, entspannten Ambiente, das die Mission eher als
herrlichen Urlaub gestaltet.


Von daher begibt man sich bei all der guten Laune als
gewitzt-schnoddriger Agent von Welt weniger in bleihaltige Gefahr, eher
flirtet man mit zauberhaften, teils reizend-verruchten Damen jenseits
von Gut (Karin Hardt) und Böse (Olga Tschechowa) herum, die man aufgrund
ihrer Weltoffenheit letztendlich weit mehr überzeugen muss, als die
groben Kerle, die man verfolgt und welche sich allgemein recht schlicht
foppen lassen. Und selbst wenn jene Villains hinter der wahren Identität
des investigativen Hochstaplers kommen, laden sie ihn zunächst mal in
die lang ausgespielte Oper ein und wundern sich im Nachhinein, wie er
zwischendurch entkommen konnte - tja, wohl zulange aufs Tanz-Ensemble
geglotzt, kann man als Zuschauer aber auch nachvollziehen.


Anhand von reichlich 'kriminellem' Overacting und archaischer, doch
kurzweiliger Inszenierung kann man hier durchaus von gefälligen, aber
auch hoffnungslos simplen Trivialfutter sprechen. Spannung mag sich
dahingehend nie aufbauen und auch die künstlerische Inspiration bleibt
hier im Wirken des Regisseurs Gerhard Lamprecht mithilfe
freimütig-ambitionsloser Souveränität eher untergeordnet und anderen
Künstlern jener Zeit vorbehalten. Dennoch beweist er in der lockeren
Führung seiner leidenschaftlichen Charakterdarsteller spaßiges Talent
und schraubt zumindest im Finale die konventionelle Action-Schraube
nochmal ordentlich an (inkl. irrem Wirework!), natürlich stilecht mit
markig-sarkastischem Wortschatz von Sympathie-Schnauze Albers.
'
Auf sie können wir uns immer verlassen!', heißt es dann auch
glückwünschend nach erwartungsgemäß erfolgreich erfüllter Mission zum
selbstverständlichen Happy-End mit dem feschen, unschuldigen Girl an der
Seite, auf der eigenen Yacht. Da erfreut sich der Albers an
Sonnenstrahlen, Wellen sowie anschließender Schmuserei und gibt
verschmitzt-prahlerisch zum Besten: '
Das soll mir mal einer
nachmachen!'. Fleming, übernehmen Sie!
ABFLUG BERMUDAS - Ein wahrlich wirres Produkt seiner Zeit stellt dieser Film von Alan
Vydra dar, der uns im Auftrag vom Beate-Uhse-Filmverleih einen
erotischen Thriller präsentieren will. Von der packenden Spannung des
Thriller-Genres ist jener '
ABFLUG' zwar weit entfernt, die Erotik
erblüht dagegen in voller Montur, gestaltet sich sogar schlicht
pornographisch. Nun stellt man sich dabei ja einen derartigen Genre-Mix
recht reißerisch vor, womöglich mit funkiger 70's Musikuntermalung,
blutigen Shootouts und anderen Bahnhofskino-Ingredienzen, verbunden mit
einem ebenso exploitativen Porno-Chic - das Gegenteil ist hier der Fall.




Vydra erzählt seine Hamburger Milieustudie anhand einer allzu losen
Rahmenhandlung, die gedämpft und unaufgeregt die Bestrebungen des vom
Waisenkind zum Kleinganoven aufgestiegenen Mario Broda (Peter Nowotny)
verfolgt, ein normales Leben jenseits der Unterwelt mit der
Liebsten an seiner Seite (in der er tatsächlich einen Mutterersatz
hofft) aufzubauen, die aber bereits seinem gehemmt-perversen, doch knallharten Chef
versprochen ist. Der hier in allen Hauptfunktionen tätige Autorenfilmer
Vydra hüllt seine Kulissen in natürliches Licht und
konventionell-starren Kameraeinstellungen, verschreibt sich keinem
wertenden Stil und grenzt seine Darsteller in Understatement ein,
während das Ambiente oberflächlichen Realismus ausdrückt, aber auch
wiederum mit wahllos-exotischen und gleichfalls biederen Dekors
eingedeckt wird.




Alles, um eine ziellose Trübseligkeit aufkommen zu lassen, die in
ihrer melancholischen Konsequenz an die nüchternen Sozialdramen eines
Fassbinders erinnert. Da wird die Skyline von Hamburg genauso
musikfrei-karg abgeschwenkt, wie das Publikum im Nachtclub '
Pulverfass',
welches minutenlang dem dokumentarisch-wirkenden Stand-Up-Programm
& Soul-Gesang von Transvestiten lauscht. Lediglich das Musikstück
'
Nostalgie' von Francis Goya lässt Mario des Öfteren in seine Seele
fahren und imprägniert damit auch den Grundtenor des Films. Das
Konstrukt des Streifens sucht zudem immer wieder wehmütige Ausflüchte in
triviale Fickereien, die allzu lose bis überhaupt nicht mit dem
Hauptplot verbunden sind:




Da hätten wir einige Episoden mit dem Sexfilm-Darsteller Sepp
Gneissl, der in seiner Bude einige wildfremde Frauen zum Sex klar macht.
In jenen Szenen sucht der sich ergänzende Körperkult zwar anhand von
intensiver Sprachlosigkeit eine Art Zärtlichkeit oder sogar Liebe, endet
aber stets in der Untertänigkeit der Frauen, die sich mehr oder weniger
gerne den Saft von oben auf die Haut spritzen lassen, auf dass es sogar
unheilvoll aus den Off-Screen-Wolken donnert. Selbiges gilt auch für
den schweigsamen Kollegen Marios, genannt der Korse, welcher als dürrer,
dauergeile, aber stumme Glatzkopf aus irgendeinem Grund Mädchen in
einer verlassenen Fabrik gefangen hält und sich von ihnen blasen lässt;
wiederum beim Anblick einer sich selbst fingernden Frau lediglich nackt
über ihr stehen bleibt und ungestüm sein Sperma auf sie entlädt.




Doch Regisseur Vydra überlässt auch anderen Seiten des Geschlechts
die unterwerfende Übermacht: so zeigt er nicht nur irgendein Ehepaar,
bei dem die Frau mit Domina-Gestus nach Befriedigung verlangt, sondern
auch eine Transsexuelle, die einen ahnungslosen Kerl zum Rektalverkehr
verführt und schließlich ebenso über ihm abspritzt. Bei letztgenannten,
für die damalige Zeit wohl noch recht bizarren Bildern, setzt Vydra
ausnahmsweise einen Score ein, der an '
UHRWERK ORANGE' erinnert, wie
auch beschwörende Zeitlupen. Recht befremdliche Abschnitte in einem
Film, der allzu gerne von den Pfaden seiner Handlung abdriftet, um der
Perspektivenlosigkeit seines vermeintlichen Protagonisten zu
entsprechen.
Egal, ob der Film die Erwartungen eines '
erotischen Thrillers'
erfüllt: der Überfluss an wahllosen, verlängerten Sex-Szenarien scheint
auf keinen roten Pfaden hinauszulaufen, stellt lediglich
unterschiedliche Auffassungen von zeitgenössischer Erotik dar, die
jedoch dank der natürlich-umgesetzten Langeweile & Sinnlosigkeit dem
Hauptthema der harten Tristesse entsprechen und in ihrer Konzentration
von sexuellen Unterdrückungsmechanismen den Missbrauch bzw. Überfluss an
Macht ausdrücken, welche die kriminellen Auswüchse der Haupthandlung
reflektieren - trotz sonniger Aussichten zwischen Alster, Jungfernstieg
und Landhäusern.
Bezeichnenderweise kann Mario seiner Sehnsucht nach Glück nur abseits
von der Hellhörigkeit seines Bosses, in verdunkelten Kneipen-Ecken und
Tiefparkgaragen, frönen. Er setzt dabei zum Tanz mit seiner Geliebten an
und kann als Untermalung für diese zwangsumnachtete Romanze wieder nur
die '
Nostalgie' auspacken. Es wundert schließlich kaum, dass seine
Fluchtfantasien nicht in die Realität umgesetzt werden können, wird er
doch letzten Endes von seiner heißen Liebe an die Polizei verraten, auch
wenn sie dabei stets an der Leine des Bosses gehalten wird.
Ein im Grunde trauriger Schlusspunkt, der durch die freie Struktur
des Films, mit seinem selbstzweckhaften Fokus aufs Pornographische,
allerdings ein gutes Stück entkräftet wird, da wir jene Entwicklung
dorthin nur bruchstückhaft erlebt haben. Als ernüchternde und doch
explizit-sinnliche Bestandsaufnahme blind-sehnsüchtiger Körperlichkeit
& Zuneigung im modernen Machtspiel der Erotik & Liebe steht der
Film dennoch als auffallend-gegensätzliche Ausnahmeerscheinung im
plakativen, deutschen Porno-Genre.
WENN DIE PRALLEN MÖPSE HÜPFEN - Unter diesem illustren Titel verbirgt sich eine weitere episodenhafte
Wolf C. Hartwig-Produktion, wie sie zu jener Zeit zuhauf von Ernst
Hofbauer umgesetzt wurde. Auch wenn der Lustreigen keinem speziellen
Thema (wie etwa der Funktion eines aufklärerischen
'
Schulmädchenreports') untergeordnet ist, verfolgt er nicht nur die
selben Erzählmuster, sondern pendelt sich zudem zwischen
(frei-erfundenen) Erfahrungsberichten junger, beeinflussbarer Mädels
ein, verquickt diese aber auch mit sketch-artigen Schwänken, die sich
vor allem einen hämischen Jux aus der Untreue machen - allerdings in
beiden Varianten ohne halbgar-pädagogische Absicht, dafür
schon mal ein Pluspunkt.
Im Grunde läuft der ganze Spaß nämlich prozentual gesehen auf ein
frivoles Feiern der Körperlichkeit hinaus - das fängt schon mit der
Rahmenhandlung an, in welcher sich ein junges Pärchen im turbulenten,
kleinbürgerlichen Slapstick-Treppenhaus zwischen den Arztpraxen C. von
Ficker und V. Stoss zum jugendlich-unbedarften Bumsgelage trifft und
sich darauf mit stets an-die-schönste-Nebensache-der-Welt-anspielenden
Dialogen anheizt. Der Herr der Schöpfung aber geht nicht sofort zur
Sache, erinnert sich stattdessen an einige wahllose Sex-Stories, die er
sodann als mehr oder weniger ulkige Grundsubstanz des Films zum Besten
gibt.


Die erste Episode stellt sich da noch als die denkwürdigste dar - und
zwar geht es um eine jungfräuliche Ulrike Butz, die sich in der
örtlichen Disse sofort von einem schnurrbärtigen Schnellficker bereits
auf der Tanzbühne ausziehen lässt und diesen nach Hause einlädt. Ihre
Wohnung entspricht dabei ganz den Vorstellungen eines unschuldigen,
modernen Mädels, das an der Schwelle zum Erwachsensein steht: an der
Wand hängen Poster von
BRAVO-Idolen wie
ELVIS, auf dem Bett liegt noch
der Teddy, die Tapeten sind knallbunt und die Möbel so poppig wie im
Puppenhaus - wohlgemerkt in einer viel zu großen Wohnung, die wir
hauptsächlich als Schlafzimmer erleben, mit einer simpel-provinziellen
Küche im Hintergrund.



Doch nun hofft sie hier von ihrem gewünschten Eindringling, dass er
ihr die Liebe beibringt, von der ihre Freundinnen immer erzählen.
Stattdessen entpuppt sich der Herr, der ihr die Unschuld raubt, als
triebbefriedigender Grobian und versaut damit auf einige Zeit ihre
sexuelle Integrität. So beschwört sie uns im ehrlichen Voiceover, dass
sie überall nur nackte, glückliche Menschen sieht, selber aber keine
Erfüllung findet, weder beim Masturbieren zu erotischen Romanen, noch
zum Fremden-Anbumsen im dunklen Kinosaal. Schließlich kommt sie aber
eine alte, sexuell-selbstbewusste Schulfreundin (Puppa Armbruster)
besuchen und erlebt kichernd unter der Bettdecke die zärtlichen Vorzüge
der lesbischen Leidenschaft. Danach trifft sie aber nochmals einen
anständigen jungen Kerl und kann wieder ganz vergnügt lieben - ein
naives, aber gefälliges Ende.





Die nächsten Episoden gestalten sich da etwas anders, wenn auch noch
immer mit einem Fokus auf junge Liebe und Bock auf Sex: erstmal gibts
ein oberbayerisches Klamauk-Lustspiel, bei dem die Heirat zwischen einem
Bauernmadel (Jane Iwanoff) und dem Sohn eines Reichen dadurch forciert
wird, dass man dessen Vater aufgrund seiner zahlreichen (in dusseligen
Stellungen ausgeführten) Weibergeschichten erpresst. Daraufhin folgt
wieder eine etwas ernsthaftere Episode, in welcher sich eine junge Frau
(Heidi Kappler) von ihrem Kunstprofessor (Günther Kieslich aus dem
'
SCHULMÄDCHEN-PORNO') verführen lässt, von dessen in Aquafarben
eingeschmierten Gangbangs aber abgeschreckt ist und stattdessen seinen
Sohn heiratet, wobei sie vorerst weiterhin von ihrem Ex-Lover bedrängt
wird, aber schnell den gefestigten Entschluss zur Liebe mit dem
Sohnemann über die Avancen stellt: Problem gelöst.




In der vierten Episode folgen wir ganz kurz den urigen Bemühungen des
frustrierten Pizzabäckers Ennio (inkl. plötzlich auftauchendem
Report-Sprecher-Voiceover), natürlich verkörpert von Rinaldo Talamonti, endlich mal seine Freundin zu entjungfern,
die ihm alles erlaubt, nur nicht das 'Reinstecken'. Durch einen
gepflegten Bumms mit der Parkhausmauer aufgrund der kaputten Bremse des
Autowagens, in dem beide ihrem Dry Humping frönen, gelangt die Wurst
doch noch ins Brötchen (ohnehin lutscht sie in diesem Short fortwährend
sinnbildlich an gebratenen Würstchen, mit denen Ennio am liebsten
tauschen würde) und so gibts für beide schließlich keine Grenzen mehr.
Schlussendlich gibts in der fünften Episode eine weitere Sketch-Einlage
um zwei Geschäftspartner, die jeweils insgeheim im eigenen Büro die Alte
des Anderen und auch eine Klientin (welche damit in Naturalien zahlt
und im Überschwang schließlich Überstunden in Rechnung stellt)
vernaschen, wobei sich alle allmählich in der Besenkammer verstecken
müssen, bis das versaute Treiben irgendwann aufgedeckt wird.




Inwiefern diese einzelnen Geschichten jetzt eine anregende Wirkung
haben, sei mal dahingestellt, in unserer Rahmenhandlung jedenfalls gehts
erst nach einigen Bemühungen wirklich heiß her - findet aber erst den
Höhepunkt, sobald Zahnarzt V. Stoss (Josef Mossholzer) beim argen Ziehen
eines Zahns (übrigens schön parallel-montiert mit den heißen
Liebesspielen im Nebenzimmer, inkl. "
Du bist ja ein steiler Zahn!")
chaotisch durch die Wand fliegt und einen Rohrbruch verursacht, der
unser Pärchen aber erst recht zum knalligen Geschlechtsverkehr einlädt
und derartig die Wände wackeln lässt, dass der alten Rosl Mayr
schlussendlich der Kronleuchter auf den Schädel fliegt. Eine
herrlich-dämliche Schluss-'pointe'.




Was auch immer Hofbauer mit diesem Konglomerat aus (wahrscheinlich
aus verworfenen Kapiteln seiner Reportfilme zusammengestückelten)
Sexszenarien, abgesehen von der voyeuristischen Erhebung der
optisch-reizvollen Fleischeslust, bezwecken wollte, sei mal
dahingestellt. Zwar wird aus der Abwechslung von
enttäuschten/frustrierten Jugenderlebnissen und als Komödien aufgelöste
Ehebetrugsfällen kein stimmiges Gesamtkonzept gefördert - erst recht
hinsichtlich der Rahmenhandlung, welche mit dieser Aneinanderreihung
keinerlei charakterliche oder gar stimulierende Entwicklungen durchmacht
-, aber dennoch kommt man nicht umhin dem unaufgeregt-freimütigen,
knapp 70-minütigen Treiben dessen Kurzweiligkeit zuzusprechen.
Die Geschichten werden flott und zweckmäßig dargelegt, mit
augenfreundlichem jungem Gemüse an allen Ecken und Enden, das seine
Erfüllung in liberaler Freizügigkeit und ansatzweise auch grundsätzlich in wahrer,
süßer Liebe findet, während auf dem Soundtrack neben einem Arsenal an
fantasievoll-banalen Zweideutigkeiten flotte Schlager-, Funk- und
Klimbim-Tracks die Genre-Bedingungen stilecht erfüllen, wie auch die
handwerklich gering-ausgefeilte Kamera- und Beleuchtungsarbeit, welche
aber die wichtigsten Aspekte der Unterhaltung wohltemperiert und
ausgelassen ins Auge rücken. Insgesamt eine austauschbare Erfahrung
hinsichtlich des Überangebots an gleichgesinnten und gleichgehaltigen
Sexwerken aus jener Ära? Klar doch. Aber wenns von Hofbauer ist, weiß
man, dass man innerhalb dieses trivialen Genres noch immer einen
relativ-qualitativ hochwertigen und spaßigen Vertreter serviert bekommt, der einen die eigene, bubenhafte Faszination am sommerlichen Bahnhofskino-Körperkult erinnern lässt.