Sonntag, 17. Juli 2016

Tipps vom 11.07. - 17.07.2016



DIE BETTWURST - Wenn Laien Vorbilder sein können: Rosa von Praunheims Spielfilmdebüt holt ein ungezwungenes Miteinander vor die Kamera, das aus der Begegnung zweier immens eigener Individuen (Dietmar Kracht und Luzi Kryn) eine Tüte voller Süßigkeiten entwickelt, die so gut wie gar keine Dramaturgie bemüht, dafür jedoch ein Freiraum zum Leben abseits der Norm, im Zelluloid volle Breitseite Laissez-Faire erschafft. Der erste Einblick in den Alltag bleibt da auch noch (zumindest auf der DVD) stumm, doch das Wesen Luzis kündigt schon einen Tanz an, der wie eine Geburtsphase für das kommende Erlebnis der Einzigartigkeit zu sein scheint. Unbeholfene Gestik, der ständige Blick in die Kamera und kurz darauf schon: Die Stimme! Jene lässt sich in Textform natürlich schwer beschreiben, aber man stelle sich das unbedarfteste Tantchen (Von Praunheims echte übrigens) vor, wie es ohne Wenn und Aber von Trivialitäten plappert sowie schlicht nicht aufhören kann, an Herzlichkeit zu punkten. Als Zuhörer ist man bei ihr sodann schnell an einem reizvollen Platz gelangt; heimelig, mütterlich, schrullig - von allem etwas, ehe sie sich in die Natur begibt und dort den Grabstein ihrer Mutter pflegt. Praunheim unterbricht Stille wie Frieden auch nicht, verlängert jene Sequenz sogar mit einem Hauch von Zen innerhalb eines Films, der seinen Ruf als absurde Komödie der Dialektik weg hat. Seine Form des Humors gelingt aber im Verlauf auch deshalb, weil er ohne Ankündigung aus der Fassung tritt, nicht wirklich filmisch denkt.


Der Charme leitet sich gewiss auch aus der Freiheit eines Amateurs ab, so wie die mangelnde technische Sorgfalt individuelle Eckpunkte sowie Tempi im Naturalismus erschafft, keinen Deut auf Nachahmung setzt, aber alsbald eine unglaublich idealistische Liebesgeschichte erzählt, deren Hauptakteure man sich nur schwer und somit umso beglückender vorstellen kann. Luzi trifft nämlich in ihrem Zuhause Kiel (tolle Zeitkapsel davon übrigens) zufällig auf einen Hafengänger voller Ungewissheit, den ehemaligen Kleinganoven und aktuell wohnungslosen Dietmar - ein schüchterner Bursche von exzentrisch-enthusiastischer Art. Von der Außenwirkung her könnte man natürlich meinen, er sei schwul, im Rahmen des Films ist das jedoch kaum von Bedeutung, höchstens der Grund für einen stilistischen Kontrast, wie man das Verhältnis von Mann und Frau für gewöhnlich hält. Im Folgenden kriegt man sodann eine Kohärenz mit, wie aus Freundschaft Liebe wird. Das mit dem „Wie“ ist in dem Fall natürlich eine delikate Angelegenheit, so spontan man zusammen die Belanglosigkeiten von Eis und Tanz im Restaurant bis hin zur Gartenarbeit mitnimmt, eigentlich in etwa die langweiligsten Themen im Spektrum des Ereignislosen aufgreift und doch so persönlich füttert, dass man die naive Euphorie der Beiden nur ansteckend finden kann - erst recht, wenn der Nachbarshund vorbei schaut, im Hintergrund Von Praunheims Anweisungen zu hören sind. Das alles verpackt sich zudem in einen provinziellen Chic Ende der 60er/Anfang der 70er Jahre, so trist und bunt zugleich, dass selbst Pappe Charakter kriegen würde.


In solcher Manier wirkt die Romanze vielleicht noch ein Stück irritierender, gleichzeitig freut man sich über ihre Existenz, bedankt sich auch mit starkem Gelächter, wenn Luzi „Ich liebe dich“ mit derselben duften Intonation wie alles andere mehrmals hinterherjagt, während Dietmar in stammeliger Theatralik noch eine Schippe drauf legt, u.a. die Schönheit ihrer Haare (mehrere Perücken) lobt. Da hört es auch nicht im Bett auf, wenn er ihr den Morgen darauf seine Bedrängnis, von schweren Jungs (nicht den leichten Mädchen) von einst verfolgt zu werden, offenbart und somit quasi bei ihr einzieht, beim Haushalt mithelfen will und sich auch vielerlei Instruktionen dazu aufmerksam anhört. Mit der Menge an Drolligkeit muss man erstmal klar kommen, auch wie Luzi frei jeder Skepsis alles mitmacht, zumindest auf Ordnung setzt, weil Mann ja sonst nicht an sowas denkt. Die kleinen kecken Volksmund-Weisheiten an Erfahrung gehen nicht aus, ebenso die Freude auf Weihnachten und Farbfernsehen, die Dietmar als Kind entsagt wurden und Luzi nun mir nichts, dir nichts mit ihm nachholt. Wie sich der Film dann auch in die Begutachtung der Geschenke verliert, dem Dietmar mit dilettantischen Zooms beim Duschen zuschaut und sprunghaft wie nirgendwo sonst seine Tonspur zusammenklebt: Ein Gedicht! Der wahre Kracher offenbart sich aber nochmals in einem Finale voll verspielter Deftigkeiten, Akzente, vollkommen aneinander vorbeiredender Synchronisation, Über-Theatralik, Räuberpistolen sowie wackeliger Stege. Das Chaos regiert in stimmig-ausgelassener Unbeholfenheit, evoziert für sich eine Glaubwürdigkeit der Eigenarten, bei welcher man dem Austausch zweier grundsympathischer Bettwürste selbst in derer billigsten Unterwäsche stets lauschen möchte. Da darf der Abflug zum Glück nicht fehlen, auch wenn er nicht mal am Rande als solcher zu erkennen, trotzdem einer ist. Die Welt so erfrischend aufgeklärt und daneben in Empfang zu nehmen, Mensch, das wäre heute noch die Sensation!




REN SHE DA ZHAN aka CALAMITY OF SNAKES - Wenn man sein Leben lang regelmäßig Filme schaut und, wie in meinem Fall, allmählich an die 6000 von gesichteten Werken herankommt, stellt sich nicht unbedingt eine Krisis ein, ob es noch etwas zu sehen gäbe, sondern eher, was sich noch alles inmitten globaler Verfügbarkeit versteckt. Dabei geht es letztendlich gar nicht mal so sehr um Angeberei, wenn man sich dafür in einige Untiefen sowie Opiumhöhlen abgebrühter Abwegigkeiten begibt, Erschreckendes schöpft und sich von diesem verschlingen lässt. Auf derartigen Pfaden der Neugierde begegnete mir also Chi Changs taiwanesische/hongkongende Horror-Farce über ein Imperium an Schlangen, das Bauarbeiter, Bosse und Bewohner eines Wohnkomplex-Wolkenkratzers heimsucht. Fern jeder modernen Ethik ist die Kunst dieses Films zunächst durchaus eine handfeste Beleidigung für jeden Tierfreund, so wie garantiert Hunderte bis Tausende von Schlangen hier auf Zelluloid ihr Leben lassen und morbide Schrauben um unsere Augen drehen, welche unser Gewissen plagen und doch bis zum Schluss bannen. Wie viel das über eine perverse Faszination meinerseits erzählt, möchte ich glaub ich nicht mal wissen. Die Konstellation ist jedenfalls nochmal eine andere als eine à la Umberto Lenzis „Die Rache der Kannibalen“, wenn der Tier-Snuff hier auf eine Größenordnung angesetzt wird, die einfach nur absurd scheint, bereits von Anfang an einen Bagger mit mehrfacher Wucht auf eine Schlangengrube einschlagen lässt, bis dieser voller Blut eingesaut ist.


Nebenbei sieht man anderen Mitgliedern der Arbeiterklasse dabei zu, wie sie die schlängelnden Tiere mit Spaten zerteilen, kurz darauf zeigt sich die Selbstverständlichkeit der Ausweidung auf grellen Marktplätzen, welche Herz und Blase des Tieres zur Begutachtung herausstellen. Eine extremisierte Geräuschkulisse bedrängt den Zuschauer umso mehr in eine filmische Mauer des Fleisches, zur perfiden Empathie mit einem Leiden, dass der Film selbst erschaffen hat. Die Reihe verlängerter Einstellungen an Quälereien, Verbrennungen und Kämpfen mit Madern setzt sich im Verlauf gewiss fort und setzt dafür sogar rockige Source-Musik ein, zumindest einmal auch aus Goblins „Zombie“-Score entliehen. Nicht von Vornherein abschreckend ist jedoch der Kontext, in dem diese Sachen passieren und von einem fremdartigen Filmverständnis berichten, das kulturell bedingt andere Formen des Taktgefühls mit sich bringt, dennoch westliche Schauwerte zu bedienen versucht, darüber hinaus jedoch komplett daneben einen geradezu reizvollen Schlund von 90 Minuten Länge erschaffen kann. Wohlgemerkt hat der Film seine Längen, wie er damit sodann seinen Schlangen entspricht, das Handlungsangebot bleibt dementsprechend simpel und doch eine ungewohnte Erscheinung.


Der an allen Ecken und Enden sparende Monopolist Francis Chang gibt sich seinem Architekten Chu Cheng Fung dabei anfangs noch als volksnaher Mann jenseits der Bürokratie, sein Respekt gegenüber Natur und Aberglauben lässt jedoch sofort zu wünschen übrig, wenn er manchen herbeigeeilten Visionen kein Vertrauen schenkt und stattdessen Massen an Schlangen tötet, um den Bau voranzutreiben. Sein Architekt kämpft trotz weiterer lukrativer Angebote wie ein waschechter Howard Roark durchweg mit dem Gewissen ob seiner Integrität, doch er bleibt wie seine Liebesgeschichte nur Stichwortgeber für einen sich bald entfaltenden Horror, den man dem Profit halber einzudämmen versucht. Ein bisschen „Der Weisse Hai“ schwingt durchaus mit, wenn die Ausbeutung ihre Opfer erfordert und Chang stur bleibt, doch die Ballung an Eskalationen erreicht hier nochmals fiebrigere Dimensionen, wenn der Reichtum nicht bloß die Armen gegen noch ärmere Tiere aufhetzt, sondern zudem einen Meister bestellt, der in hypnotisierender Zeitlupe voller Gross-Out-Momenten die Schlangen beherrscht sowie via Martial Arts bekämpfen kann. Der Höhepunkt an Absurditäten passiert sodann bereits zur Mitte des Films, wenn eine gigantische Boa im Lagerhaus zum „Duell der Giganten“ einlädt, durch die Lüfte fliegt und würgt, ehe der alte Mann zurück beißt, sie wie in „The Hateful Eight“ erhängt und dennoch nur wenig Entlastung für eine Inszenierung aufbietet, die sich an Dynamik und Räudigkeit zugleich kaum satt sehen kann - im Gegenteil!


Sobald das einst gefährdete Hochhaus nämlich bezogen wird, ergibt sich ein Spektrum an Bewohnern, das den Film mit überborderndem Slapstick anfüttert, angeführt vom trotteligen Assistenten Changs, Mr. Ma, sowie einer etwas beleibteren Dame, die sich voller Eifersucht durchs Buffet schlemmt und dafür mit einer Montage zu fressenden Schweinen bedacht wird. Der auf Tod und Leiden erbaute Hedonismus bleibt aber einem „High-Rise“ und „Shivers“ ähnlich nicht allzu lange aufrecht, so wie die Schlangen sich in Massen rächen, die letzte halbe Stunde Laufzeit terrorisieren, an denen man sich nur ein schweres Bild von Dramaturgie und charakterlichen Verhältnissen machen kann, ehe die unwirklich floreszierende Seuchenbekämpfung in den zurückeroberten Moloch eindringt und doch nicht das Feuer ungebändigten sowie moralisch fragwürdigen Filmschaffens aufhalten kann. Solch ein Chaos voller Widerwärtigkeiten und Kontraste im schludrigen wie packenden Rahmen kriegt man nur noch selten zu sehen, offenbart natürlich erneut die teils unergründliche Psychotronik asiatischer Genre-Arbeit, ist aber selbst für erfahrene Semester keine schlicht goutierbare Angelegenheit. Verstörung und Wahnwitz liegen nah nebeneinander, wenn sich dieses Ungetüm an Film mit Massen an toten Tieren brüstet und diese bizarr zurückschleudern lässt, bis das Inferno an Urängsten aus der Grube heraus in den Himmel jagt.




STREETDANCE: NEW YORK - "[...] Weibliche Emotionen verschießen schon Tränen, wenn eine flüchtige Bekanntschaft eine Chance auf ein besseres Leben ausschlägt, gleichsam unvermittelt kommen in der U-Bahn-Station wilde Dance Battles zustande, die mit dem Knalleffekt von „Tokyo Tribe“ mithalten können. Tanzsequenzen sowie wortwörtliche Duelle werden ohnehin das Highlight individualistischer Katharsis, ob nun beim Benefizbankett zum Tango gegen den schnöseligen Nebenbuhler oder bei den Ballettübungen unter Altmeister Kramrovsky. [...] Schließlich verlässt sich der Film im Verlauf auch nicht darauf, den Zwang des Realismus zur dramaturgischen Vermittlung vorherrschen zu lassen. Eher verstärkt er seine Klischees und Topoi zu Spaßgaranten, um die inneren Überraschungen eines Jedermann zu akzentuieren. [...]"


(Die komplette Kritik gibt es auf CEREALITY.NET zu lesen.) 




LOONEY TUNES - BACK IN ACTION - Joe Dante versuchte sich hier erstmals (leider auch einmalig) dort auszutoben, wo er sich in Sachen Dynamik seit jeher orientiert hatte, in „Gremlins 2“ zweifellos am offensten hommagierte: Die Looney Tunes - Bugs Bunny, Daffy Duck, Schweinchen Dick, Road Runner und Co., alle sind sie vertreten und für Puristen nochmal ursprünglicher gefasst als im wilden Mash-Up von „Space Jam“. Obwohl jener Aspekt, die anarchische Varietätenshow der Cartoon-Chaoten als unbedarfte Spaßmacher binnen realer Welt zu integrieren, derartig gelingt, hatte Dante laut eigener Aussage und vielerlei Berichten enorme Einschränkungen in punkto kreativer Freiheit. Die Vermarktungstauglichkeit z.B. interveniert bemerkbar anhand der menschlichen Komponente von Sicherheitskraft/angehendem Stuntman DJ Drake (Brendan Fraser), der mit Hinblick auf die Entführung seines Geheimagentvaters Damien Drake (Timothy Dalton) den Großteil des Plots vorantreibt, die titelgebenden Zeichentricksler ziemlich spärlich motiviert mitschleppt. Letzteres kann natürlich relativ gesehen werden, so gelockert das Narrativ vom Film aufgenommen wird, vielleicht sogar weniger packt, als dass es die Plattform für reichlich Gags und andere kreative Auswüchse der Tunes hergibt. In der Hinsicht kann der Film seine Stringenz zwar gewiss nicht die vollen 90 Minuten durchhalten - erst recht, wenn er gen Akt Drei mehrere globale Sprünge bewältigt -, die bunte Parade an Pointen und Meta-Jokes kommt allerdings mit konstantem Karacho zur Geltung.


Vorwiegend ergibt sich dies aus der Dynamik/Rivalität zwischen Bugs und Daffy, wie sie hier nun innerhalb der Warner-Bros.-Studiomauern um Umfragewerte und Karriere buhlen, während manch andere Maskottchen längst im Nebenjobs gelandet sind, der politischen Korrektheit wegen Imagewechsel pflegen müssen oder auch zu den Bösen des Waffenkonzerns ACME, angeführt von Steve Martin als Oberhonk, wechseln. Klingt nach ganz schön viel Roger Rabbit in dieser Klamauk-Kiste, wenn auch noch längst nicht so geladen an charakterlich zuspielender Formvollendung sowie dem Konflikt zwischen Real und Irreal als Grundader der Spannung. Bei Dante ist der freimütige Blödsinn schon eine Selbstverständlichkeit, gleich nebenan beim Rummel des Filmemachens, als Casino-Besitzer oder Arbeitskräfte allgemein tätig. Kein Grund also, auf Regelmäßigkeiten zu achten, genauso nach Laune lässt Dante auch Mitglieder seiner Stammbesetzung cameo'en, zur Mitte hin auch einfach mal Ikonen des steinernen B-Movie-Sci-Fi der 50er Jahre - ganz zu schweigen von den Referenzen zu seinem eigenen Werk. Solch kecke Einwürfe voll audiovisueller Verspieltheit helfen durchaus auch bei der Wandlung von Marktforscherin und Love-Interest Kate (Jenna Elfman), die zur unverhofften Begleiterin von DJ und Konsorten wird, um nicht selbst im Karriereaus an Fehleinschätzungen zu enden.


Looneys wie Dante geben eben nicht nur an ihr durch, dass die alte Garde noch nicht ausgedient hat und das originäre Konzept keiner Anpassung oder Anbiederung bedarf, um gelungene Lacher zu liefern, die Fühler stattdessen in vielerlei mehr Richtungen ausstrecken sollte - die Beweisführung erfolgt sogar am eigenen Film, der ohne seine Handlung auskommen könnte, so wie sich diese noch bemüht, ein Blockbuster-Abenteuer auf großer Bühne vorzuführen, um letztendlich doch nur als Verbindungsstück von fixem Shtick und Sketch-artigen Episoden zu gelten, in denen auch mal mehrere Zeichenstile der Jahrhunderte am Spaß teilhaben dürfen. Zumindest ist all dies auch mehr als nur halbwegs nach bewährter Manier gestaltet und rasant in der Eskalation an Sarkasmus/Wortspielen, auf dass der Old-School-Spirit eine ehrbare Plattform erhält. Von kassentechnischem Erfolg war jene Angelegenheit leider nicht gekrönt, wohl aber auch ironischerweise der fehlenden Unterstützung in Sachen Marketing geschuldet, nachdem die Produktion einige Umkosten, Reshoots und weiteres Misstrauen dem Endprodukt gegenüber hervorbrachte. Ein verkalkulierter Jammer, wo doch soviel temporeiches Potenzial in dieser Marke Studio-übernehmenden Wahnsinns steckt und im Serien-Format auch weiterhin Fuß fassen kann, nicht bloß in den verwandten „Tiny Toons“ und „Animaniacs“ der 90er.




INDEPENDENCE DAY: WIEDERKEHR - "[...] Er übernimmt sich in der Zusammenkunft seiner Charaktere mit solch Sprunghaftigkeit, dass man in dramaturgischer Hinsicht von mangelnder Geduld sprechen kann – oder von einer inszenatorischen Verwandtschaft mit Klaus Lemke. [...] Für Freunde des gepflegten Honk-Faktors regnet also eine seltene Sternschnuppe die Leinwand herunter, an der ungeniert Flachwitze und Grinsegesten im Angesicht totaler Vernichtung angewendet werden. Und nicht nur nostalgische 90s Kids erkennen den Unterschied zur Ironiefabrik Marvel, wenn ein Emmerich seine im Kriegskitsch romantisierten Dumpfbacken ausstellt, die ihren Bad-Ass-Pathos von selbst lächerlich machen, ohne es zu merken. Mit jener Qualität an Käse lässt sich dennoch nicht unterminieren, wie beiläufig das Massensterben via CGI nun hingenommen wird [...]"


(Die komplette Kritik gibt es auf CEREALITY.NET zu lesen.)

Sonntag, 10. Juli 2016

Tipps vom 04.07. - 10.07.2016



MALABIMBA - KOMM UND MACH'S MIT MIR - Andrea Bianchi hatte ich anhand seiner „Rückkehr der Zombies“ schon einmal unter die Lupe genommen, insofern wollte diese wiederum binnen Schlossmauern abgedrehte Ballung an Lust, Intrige und rasender Pornographie schnell begutachtet werden, da hat der Titel ohnehin schon seine klare Ansage hinterlassen. Ohne Umschweife lässt der Film zu Beginn also nicht viel verstecken, was sich unter gotischer Traummusik zunächst als Rausch des Mysteriösen ausgibt, sodann gierig auf den Reiz des Fleisches schielt. Wie herrlich ordinär dort das hochbürgerliche Gewand abgelegt wird und einen Teufel namens Lucrezia Borgia durch die Unschuld ihrer Nachfahren jagen lässt, entwickelt schnell exploitatives Format voller Zooms, deftiger Visagen sowie ebenso plakativer Schaubuden-Effekte, anhand derer das Übernatürliche hier Moral, Sex und Fehden aufmischt. Vater Andrea (Enzo Fisichella) mag dabei (dank der Schier-Synchro) noch aufgebläht geifern und seine Tochter Daniela (Katell Laennec) vor den Versuchungen unserer Zeit im Kloster-haften Exil schützen wollen, doch Hormone werden hier nicht bloß von geisterhaften Zauberkräften vertreten aktiv. Schwägerin Nais (Patrizia Webley) kann nämlich entgegen seines Widerwillens nicht die Hände von ihm lassen, ganz gleich, ob sie ihren im Wachkoma liegenden Gatten, sprich seinen Bruder, hintergeht und zudem noch weitere Liebhaber im selben Anwesen hält. So genussvoll Bianchi jene Frevel auskostet, um auf körperliche Erkundungstour zu gehen, ist es um jede moralische Eindeutigkeit geschehen, da mag Andrea noch so sehr „Bedecke dich!“ verlangen: Sex macht Laune und lässt seiner Natürlichkeit freien Lauf; die Schönheit schnappt zu, wie sie sich hier auch über Umwege mit den Erfahrungswerten der Pubertät als Vorbildfunktion verknüpft. Man lernt voneinander und das Patriarch ist machtlos, gar auch nur ein geiler Bock, der sich seiner Witwe wegen aber noch selbst geißelt und dafür auch die Bedürfnisse seiner Tochter hemmen will.


Schluss damit, der darf sein blaues Wunder erleben, sobald Daniela selbst Hand anlegt, Gäste provoziert und mit fremder Zunge spricht, mit dieser auch gerne weiter geht. Bianchi nimmt all dies mit obszönem Knalleffekt wahr, gibt den Gaffer in der Schlafzimmeroptik und ist gewiss nicht verlegen, die Verführung im ringsum von Kerzenschein wie Baustrahler beleuchteten Gemäuer auszuwalzen, so ungehalten die Erwachsenen auch um die Testamentsvollstreckung wie um einen Kadaver kreisen. Die Berührungen geben sich sodann stets schlüpfrig, laszives Geilmachen erweist sich als Permanenz weiblicher Beschaffenheit, bis es die Männerwelt hier nicht mehr halten kann und der Film an sich deshalb auch unverschämt ins Explizite springt. Da werden Narrativ und Dramaturgie der Lust wegen vergessen, wenn solo oder zu zweit die Vereinigung geschieht, auf dass selbst der Blick der keuschen Nonne Sofia (Mariangela Giordano) durchs Schlüsselloch zur Begierde gezwungen wird. Folglich gerät der Film auch allmählich auf die Pfade des Exorzismus, wenn die unverhoffte Nymphomanie Danielas keine Grenzen mehr kennt, dem paralysierten Onkel einen Blowjob bis zum Infarkt gönnt und auch Sofia von ihrem Gelübde abbringt. Nicht, dass Bianchi daran den erhobenen Finger üben würde, eher einen gesteigerten Fieberstand für die erotischen wie aberwitzigen Belange der Szenarien, die sodann gerne in Hysterie sowie weitere plumpe Sprüche münden, ehe die Reißleine der Opfergabe dort ein Ende finden lässt, wo der Film eh kaum noch Interesse hatte, irgendeine Story zu erzählen. Möchte man ihn da stumpf oder nur ehrlich nennen? Egal, wie man sich entscheidet, bleibt auch jenseits des Ficks noch erheblich viel Spaß über, wie zynisch sich untereinander selbst bei Trauerfeiern angeschnauzt wird, wie offenherzig das Verlangen nach dem Erbe bestritten und stets die unübersehbare Sexsucht des Ensembles vom Herrn Vater vergeblich verklärt wird. Es bleibt unter solchen Umständen gewiss nicht ruhig oder taktvoll in einer Atmosphäre konzentrierter Sinnlichkeiten - warum aber auch Wilde müde machen?




MO TAI aka DEVIL FETUS - Achtung, ein Film von der Category III wieder mal, das bedeutet in der Hongkonger Kinowelt meist ein Bündel an energiegeladenen Abartigkeiten, das nicht verlegen ist, voll Nihilismus ins traditionelle Wertesystem hineinzuschneiden. Junge Impulse des Zeitgeists, mit Blick auf die New Wave um die 80er Jahre herum, packen da besonders gerne via Genre-Geschichten einige heiklere Themen an, die das moderne Weltkino womöglich reeller ins Auge fassen kann, doch um jenes geht es heute nicht. Hung-Chuen Lau - sonst eher als Kameramann einiger Einstandswerke John Woos, Ringo Lams oder Tsui Harks tätig - bringt in seinem Debüt insofern den Terror in die Wohlstandsfamilie anno 1983. Blitzartiges Tempo ist auch bei ihm gegeben, wenn sich die Cheng-Familie eine urige Vase mit Penisformat vom Markt ins Haus ersteigert, die wir als Zuschauer schon früh und effektvoll als Ausgeburt des Unheimlichen ausmachen können. Noch aber denkt sich keiner was, die Frauen des Haushalts warten ab, dass ihre Männer von wichtigen Auslandsreisen zurückkommen, doch ganz so glücklich können derartige Zustände nicht sein, wenn sich das Phallussymbol bei einer der geehelichten Schwestern beinahe wie selbstverständlich zur Masturbation anschmiegt.


Man mag es Hypnose oder teuflische Verführung nennen, doch dass einsame Hausfrauen hier im Unterbewusstsein besonders empfänglich für Abwechslung sind, motiviert sich sowohl in der Ab- als auch in der Anwesenheit der Patriarchen, die im Verlauf der Handlung meist teilnahmslos und höchstens für die eigene Gemütlichkeit eingebunden einstehen. Kein Wunder also, dass das männliche Geschlecht hier sogar schneller vom Teufel besessen wird (interessante Schnittpunkte zu „Malabimba“), wenn Eifersucht, sexueller Frust und Gewalt ans Tageslicht kommen, wo vormals die Unschuld vermutet wurde, sprich eine offenbar bewusst spärliche Charakterisierung. Was unter der Oberfläche der Normalität schlummert, wird also alsbald zur Definition der jeweiligen Männerparts, so wie es diese auch als erste sehen, wenn ihre Frauen von schleimigen Dämonen in Leidenschaft gewogen werden; so wie jeder böse Zauber völlig überreagiert, wenn sich eine Frau nur etwas abseits der Konventionen traut. Häusliche Gewalt zeigt sich sodann mit einer extremisierten Fratze, die besonders befremdlich in der geregelten Behausung wie aus dem Nichts auftaucht, mit purem Ekel zum Amok im ehemaligen Frieden ansetzt. Es versetzt gemessen am turbulenten Narrativ durchaus einen wirksamen Schock, so wie enorm morbide Masken madenverseuchte Selbstmörder aus Mustergatten machen, die nach dem Tod die Lebenden heimsuchen, gar neues Leben in der ehemaligen, inneren Sicherheit anbauen.


Das Omen“ und andere Genre-Vertreter standen durchaus Pate, wie das Übel hier ohnehin volkstümlich als „Teufel aus dem Westen“ bezeichnet wird, damit durchaus auf einen kritischen Einfluss westlicher Medien sowie die Angst vor 1997 ansprechen könnte, doch ehrlich gesagt passiert der ganze blutige Zauber daran mit derartig eigenständiger Coleur, dass solch eine vorbeugende West-Weisung nur schwer das Subversive am ganzen Film verhindern kann (außerdem bedient sich dieser für alle Situationen der Musik von Brian Eno und Co.). Das verhält sich ungefähr wie mit „Mystics in Bali“, inwiefern das Lokalkolorit Magie gegen Dämonie einsetzt (man bemerke auch die lockere Rolle der Tiere), aus Bildern an Volkssagen eben eigenständige Horrorszenarien entwirft. In diesem Film ist schon die Oma mit festem Glauben dabei, die Mächte der Urahnen sowie Adlerblut gegen Spukgesellen einzusetzen, ganz zu schweigen vom Laser-beherrschenden Mönch, der einen kunterbunten wie höllischen Trip binnen der Laufzeit durchmacht. All dies macht wiederum deutlich, wie tief der Film das Böse schon mitten in der Kultur verwurzelt antrifft, die übersteigerte Brutalität des Testosteron somit auch als etwas Innewohnendes angeht, das man noch so sehr als Sturm an schwarzer Magie gestalten kann. „Devil Fetus“ schützt sich halbwegs mit der Empathie zum Glauben darüber hinweg, doch die Folgen sind am Menschen dieselben - natürlich eine Grundeigenschaft des Horrorfilms an sich. So geradlinig das Grauen hier als Effektkanone im Eigenheim ankommt und naive Beziehungen in einen Strudel der Ungewissheit zieht, bleibt sodann doch noch jede Menge Konsens übrig, wie vieles auch einfach verharmlost im Spektrum eines Poltergeists einwirkt.


Wenn aber jedoch die Unantastbarkeit des Körpers bedroht wird, dieser von Teufelshand Mutationen, Spaltungen und Angriffe ausführt, bedroht und vergewaltigt, zieht der Film alle Register, um eine Familie durch eine intime Hölle zu schicken. Da quetschen die vier Wände, da beißt Schäferhund Bobby zu, bis der besessene Bruder dessen Leiche unterm Bett hortet und bald durch die einer Frau ersetzt: Dieser Schrecken eines Familiendramas wird zwar zur Unterhaltung beschleunigt und ins Absurde getrieben, doch die Wahrheit darin bleibt einem nicht verborgen, erst recht, wenn das Finale im Keller stattfindet, eigentlich ein bitteres Blutbad voller Entsetzen, Vergewaltigungen und Verwandtenmord aufzieht, das ohne als solches definierte Monster in der Mitte beispiellose Tiefen auf die Leinwand projizieren könnte. Schade, dass Hung-Chuen Lau solch mutige Schritte eher erahnen lässt und potenzielle Zwischenräume im Verlauf weniger zur Charakterisierung als für dynamische Schauwerte sowie belanglose Leerläufe nutzt. Er wagt es eben auch nicht, die Rohheit des Alltags so direkt und politisch anzugehen wie es Tsui Hark z.B. in „Söldner ohne Gnade“ präsentierte, dafür romantisiert er einiges mit Blick zum Wohlstand in Verbindung mit mystischen Traditionen, die in der Kombi bedingt am Konsens rütteln und mehr zur Fantasy tendieren. Zumindest lässt sich dadurch nichts an Spaß missen, wenn der Eskapismus zum Budenzauber breit getreten wird und Kuchen mit Würmern füllt. Nur eben die Raumteilung dessen mit allzu echten Ängsten verzerrter Psyche, Hass und Gewalt inmitten der Familie spricht Töne an, die den Schauer-Standard teilweise in echte Furcht überschwappen lässt. Zwar nicht mit Vollmacht, aber knallhart genug.




DER TOLLWÜTIGE aka DU BRUTALES SCHWEIN! - Nanni Vitali (Helmut Berger) ist ausgebrochen! Seine Gang an Fieslingen im Fluchtwagen begleitet ihn sodann durch einen ersten Akt, der nicht nur per ästhetischer Brutalität jeden Unschuldigen am Straßenrand des Verbrechens grundlos in den Boden stampft, mit Füßen tritt und wüst beschimpft. Wer da Polizist ist, dürfte bei Begegnung garantiert als Leiche enden, so wie der blinde Hass willig ins Auge des Todes schaut und keine Skrupel hat, Geiseln zur Flucht bei voller Fahrt heraus zu schmeißen. Sergio Griecos letzter Film knallt die Hoffnungslosigkeit an erster Stelle derartig derbe rein, dass ein Endzeitfilm draus gebären müsste, beinahe wie eine Abrechnung mit der Menschheit darüber zu sein scheint, in welche Permanenz der Gewalt sie sich nicht nur binnen des Genres italienischer Krimis zurückentwickelt hat - dennoch Grund genug für ihn ist, einen bitterbösen Reißer draus zu basteln. Die gnadenlose Misanthropie Vitalis bleibt dementsprechend primitiv und kaltschnäuzig im Sud des Verbrechens, konterkariert vom Gesetz, das durch Kommissar Santini (Richard Harrison) vertreten wird und zumindest durchweg plakativ entschlossen wirkt, das Schlimmste zu verhindern und den Opfern beizustehen (manchmal auch für einen Funken Comic Relief zu sorgen). In Sachen brachialer Spruchfertigkeit schenken sie sich jedenfalls nichts, was bei Freunden zynischen Unterwelt-Vokabulars für helle Begeisterung sorgen sollte.


Vorerst aber kratzt der Film an der Verletzlichkeit aller, jedoch mit einer Qualität, die mit befremdlichen wie nicht gerade sinnbefreiten Aspekten auf die ausweglose Herzlosigkeit des Terrors auf mediterranen Straßen eingeht. Helmut Berger ist dabei enorm ausschlaggebend als Fessler der Leinwand mit einer Visage am Operieren, die einen jede freie Sekunde anspucken sowie eine Kopfnuss verpassen könnte. Grieco hält fasziniert drauf, eigentlich schon ganz natürlich, wie sich Menschen ohnehin - ob nun per Leinwand, anderen Medien und Co. - mit dem Reiz der Furcht im Nacken auf Augenhöhe mit dem Bösen begeben wollen. Dazu kommt aber noch die Musik Umberto Smailas, deren Synth-Rhythmen manch neugierige Töne mit Powerchords und Ambient-Flächen abgeben, ehe ihre Positionierung zur Kernigkeit entschiedener beim Moloch ankommt. Dass Musik wie diese innerhalb einer Vergewaltigung vorherrscht und reiteriert wird, wenn Vitali erneut auf sein Opfer Giuliana (Marisa Mell, mit welcher Berger zur Zeit des Drehs wohl zusammen war) zugeht, parallel der Freund der Frau vermöbelt wird, scheut jedenfalls jeden Vergleich und irritiert umso mehr, wenn man sich als Zuschauer dabei erwischt, im Bann vom Fieber der Hölle auf Erden zu verharren - vielleicht nur für einen kurzen Augenblick, aber wenn man nicht schon total abgebrüht ist, kann einen mitunter der Schlag treffen (soweit auch, dass die Szene in „Jackie Brown“ vorkam).


Nur kurze Zeit darauf aber bemerkt man wieder die übertriebene Neigung zu Faustschlägen, sogar in Zeitlupe so lange auf die Taten der Täter fixiert, dass Voyeurismus einsetzt, ehe Kalk auf den Sterbenden geschüttet wird. Trotz überzeichneten Sleaze wird es im Nachhinein aber nicht an emotionaler Aufgewühltheit mangeln, wenn sich Giuliana allmählich unter Polizeischutz begibt und dennoch mit Argusaugen von Vitali beobachtet sowie benutzt wird. So nimmt der Film an ihrem Martyrium teil und projiziert sogar ihre Visionen der Angst, doch es ist schon bezeichnend, wenn sie nach einem folgenden Banküberfall komplett aus der Handlung verschwindet. Es konstruiert sich an ihr, dem Gesellschaftsbild und der Spannung des Kriminellen eben mehr das Duell zwischen Vitali und Santini - zwei spärlich entwickelte Figuren mit dem Ziel vor Augen, den jeweils anderen aus dem Verkehr zu ziehen. An solch einer primären Schwarz-Weiß-Malerei bleibt aber noch genügend Raum, um den unbedingten Sadismus Vitalis mit einer Urgewalt aufzubretzeln, wie er selbst in Standardsituationen seinesgleichen sucht, keine Gefahr scheut, um Rache/Blutdurst zu befriedigen. Selten wird man einen Charakter so völlig ohne Gnade finden, der auf Alte und Junge, Männer und Frauen losballert und seinem Überlebenswillen mehr Platz einräumt als jedweder Menschlichkeit.


Eine Ausnahme bildet da sein Verhältnis zur Schwester, die ihn nicht verurteilen, aber angesichts seiner Taten auch nicht gutheißen, ihm nur temporär aushelfen kann. Jene Fassungslosigkeit setzt der Film sodann in weitere Untaten um, Geiselnahmen und bleihaltige Hinrichtungen, die Vitalis absolutem Verlangen nach Gehorsam geschuldet sind. Wer da nicht reinpasst, wird gequält und gedemütigt, auf dass der Schmier-Faktor Griecos ins Unermessliche steigt. Der Showdown ist in dem Fall zumindest trotzdem kein Moment der Katharsis à la Selbstjustiz-Dramaturgie, sondern ein dreckiges Scharmützel in der Entstehungsphase eines kollektiven Traumas - stumpf in Gesichter schlagend und Klingen wetzend, bis die Tollwut am Boden liegt, Gerechtigkeit gesiegt hat und doch noch nur wenig von einem Heilungsprozess versprechen mag. Nicht, dass Griecos Film großartig auf Letzteres aus wäre, als dass er eher die formatfüllende Action am Abgrund einzufangen versucht, aber der Grad Pessimismus darin bleibt gewiss nicht unverknüpft in Sachen emotionaler Relevanz. Zum Ausbau von Zwischentönen und kritischen Überraschungen fehlt es Grieco jedoch durchaus an Geschick, die Exploitation lässt grüßen und somit auch ein Stück Fun an der Fiesheit. Vorbildlich ist die Kunstfigur Vitali so oder so nicht gezeichnet - doch es zeigt sich mal wieder in bester „Berserker“- und „Herz aus Stahl“-Manier, das selbst Arschlöcher einen Film ziehen können, so widersprüchlich das auch sein mag, im besten Fall auch anerkannt werden darf. Dass „Du brutales Schwein!“ (toller Alternativtitel) da zumindest halbwegs zwischen den Stühlen steht, macht ihn insofern schon recht sehenswert.