Sonntag, 1. März 2015

Tipps vom 23.02. - 01.03.2015

Ehe es heute mit den Tipps los geht, blicken wir zu Monatsanfang erstmal auf kommende Attraktionen, welche teilweise schon von mir besprochen wurden, dennoch Euer Herz erweichen könnten. Dafür gibt es erneut ein kurzes, aber hoffentlich gefühlsvolles Video vom Märzlichen Cine-Zauber, eine Perle der Natur:



Lust auf mehr bekommen? Dann checkt dazu nochmal den extra dafür geschriebenen Artikel auf CEREALITY.NET ab, wo einige ausgewählte Empfehlungen zum Monat vorgestellt werden und zudem ein Sammelbecken weiterer schicker Releases einleiten:

http://www.cereality.net/thema/filmempfehlungen-im-maerz-034406

Nächstes Thema: Falls ihr zufällig den Preisverleihungsevent des Jahres verpasst habt (und mal ehrlich, wer könnte es euch verübeln?), der kann sich meine extensive Zusammenfassung zu den Academy Awards (also den Oscars) 2015 auf folgender Seite durchlesen und ggnf. in Erinnerungen an die Ausstrahlung heulen:

http://www.cereality.net/news/gewinner-der-87-oscars-024374

Jetzt wo diese obligatorische Angelegenheit geregelt ist, kommen umso schneller die Tipps für diese Woche angerast:




KWAIDAN - "[...] Abseits der Statik richten behutsame Kamerafahrten den Blick auf ein Zeitkolorit, das seine Künstlichkeit kaum verschleiert: In großflächigen Studios erschafft der Film Bühnen mit bewusst überspitzten und impressionistischen Hintergründen und veräußerlicht somit Fantasie zu Natürlichkeit, wie er auch Wahrheit im Aberglauben schöpft. Zudem fördert jene theatralische Emotionalisierung eine Konzentration im jeweiligen Narrativ herbei, welche die Konfrontation mit dem Unglaublichen intimer nachwirken lässt; quasi als Traumgebilde aufzeichnet, in denen kontemporäre Architektur und Lebensart zwar wiederzuerkennen sind, aber nach Belieben verzerrt. [...] "



(Die komplette Kritik gibt es auf CEREALITY.NET zu lesen.)




SECRETARY - "[...] Die Verbindung wird aber nur ganz zart und spielerisch, wie bei den Pflanzen in Greys Büro, zum Erblühen in liebevoller Härte gebracht. „Secretary“ ist also allein von seinem Spannungsaufbau her mehr als nur bloße Unterwerfungsfantasie. Jene besitzt meist exploitativen Charakter und würde schnell und explizit zur Sache kommen. In diesem Fall jedoch wird die Erotik vor Anspannung nur in Portionen ausgeteilt und muss sich regelrecht zusammenkneifen, ehe die Hose zu platzen droht. Dafür reichen schon heiße verstohlene Blicke und das Spiel mit dem Gleichgewicht der Macht, dem sich Lee und Grey in der intensiven und doch schwelgerischen Strenge der Inszenierung hingeben. [...]"



(Die komplette Kritik gibt es auf CEREALITY.NET zu lesen.)




BIG FISH - Vollkommen natürlich für das Medium Film, dass Tim Burton damit der Schönheit und Nötigkeit der Fantasie huldigen und sie ungeniert in die Tat umsetzen kann (auch wenn das Quasi-Biopic-Narrativ, der meist naturalistische Look und der vordergründige Optimismus in seinem Œuvre eher ungewöhnlich ist - es sei denn, man denkt dabei an den mit denselben Stilmitteln durchaus anders angeordneten "Ed Wood"). Außerdem: wie stark wäre das bitteschön, wenn man so ein unbedarfter Typ wie Edward Bloom sein könnte? Schönes Ding!




FRANKENWEENIE - Das Original ist schon ein emotionaler Reißer und effektiver Hort für Tim Burtons Themen und Stilistik - sein erweitertes Stop-Motion-Remake fällt da nicht weniger liebevoll und liebenswert aus; passt sich der Verschrobenheit der Idee mit expliziter verzerrten Bildern, Figuren und Bewegungen an. Die neue Größenordnung verwandelt die vormals eher intimere Kleinstadtfantasie zwar zu einem (trotz Schwarz-Weiß-Farbgebung) bunteren Monster-Spektakel mit Nostalgie-Einschlag, passt aber ebenso stark zur Verwirklichung jenes Eskapismus, der bereits zu Anfang im 8mm-Hobbyfilm etabliert wurde, die Hoffnung im Wiederbeleben Sparkys entfacht und schließlich im Verlauf die Katastrophe und die Rettung der Stadt sowie die Anerkennung für den jungen Schöpfer und Wünscher des Ganzen, Victor Frankenstein, hervorbringt. Es macht allerdings schon einen gewissen Unterschied aus, wie viel mehr man als Regisseur auf ein Konzept drauf packt, das mit geringeren Mitteln und kürzerer Laufzeit bewiesenermaßen eine erhöhte Konzentration in der Vermittlung des Kerns aufzeigen kann - ab und an lenkt sich die Neuverfilmung nämlich etwas davon ab; inszeniert grelle Unterhaltung anhand von Subplots, wo vormals eben fast nur die Herzlichkeit eines Jungen zu seinem Hund stand. Jene emotionale Fundierung wirkt hier allerdings noch immer nach und darf sich zudem verstärkt mit der Unterstützung animierter Fantasie brüsten. Eben Burtons Variante vom DoppelHerz - da funktioniert die Reanimierung eines alten Stoffes mit willkommener Frische.




DIE ROTEN SCHUHE - Die Ballett-Umsetzung im Mittelteil, welche eh vollends für das filmische Auge aufbereitet und so aufregend über die Grenzen der Realität in die veräußerlichte Gefühls-Ekstase getragen wird, hätte meinetwegen auch die komplette Laufzeit einnehmen können; schien sie doch prädestiniert dafür, ihren eigenen Weg zum unfassbaren und unberechenbaren Glück zu gehen. Nichtsdestotrotz ist die melodramatische und doch äußerst erwachsene Reinterpretation von Hans Christian Andersens Märchen als parallelisierende Rahmenhandlung eine einvernehmende Reise. Mit Boris Lermontov (Anton Walbrook) im Zentrum, der von der souveränen Förderung seiner Talente in eine obsessive Eifersucht verfällt, bietet sich zudem ein raffiniert inszeniertes, geschnittenes und gespieltes Prozedere von Sehnsucht und Ambition an, das schließlich in eine äußerst bittere Konsequenz mit einem herzzerreißenden Schuss empathischer Poesie mündet. Trotz 1948er Jahrgang ein Film der Moderne, so voll emotionaler sowie technischer Reife, dass er mit seinem eleganten Guss aus Musik, Tanz und Menschlichkeit trumpft und schwebt.




TODSÜNDE - "[...] Regisseur Stahl adaptiert aber nicht bloß die Reißer-Qualität des schon 1945 nur bedingt frischen Ambientes eins zu eins in die farbige Ära. Stattdessen unternimmt er einen Fortschritt in die Kompromisslosigkeit, welcher aus der klaren Charakterzeichnung in naturalistischen Farben eine Selbstverständlichkeit zur Darstellung menschlicher Brutalität bewirkt. Symbolisch dafür sei jene berühmte Szene genannt, in welcher Ellen ihr Opfer mit kalter Miene dem Ertrinkungstod überlässt. Kein melodramatischer Score vermittelt hier die Spannung, sondern der objektive Schrecken der Bilder, Blicke und Hilfeschreie im Kampf gegen das Schweigen. [...]"



(Die komplette Kritik gibt es auf CEREALITY.NET zu lesen.)




BIG EYES - Tim Burton ist zurück mit seiner Variante eines genüsslich überkandidelten 40er-bis-50er-Melodrams (nicht umsonst kommt zweimal Joan Crawford zur Sprache - es gibt sogar stilecht ein Finale im Gerichtssaal!), das von der exquisiten Räudigkeit des Christoph Waltz lebt und Spannungen des plakativen Love-to-hate vorantreibt. Allerdings ist dabei auch die Empathie mit der unterdrückten Frau und Künstlerin Margaret Keane (Amy Adams) ein entscheidender Faktor des dramaturgischen Haltens; Burton weiß an ihr dementsprechend die Sehnsucht und Tragik des verheimlichten Schaffens zu stilisieren.


Das bunte malerische Ambiente drum herum ist da ebenso nur die brüchige Oberfläche zur inneren Seelenpein, umso greller kommen sodann die Ausbrüche des kontrollierenden Ehemanns/Schweinepriesters Walter Keane. Sein Overacting macht ihn vor allem zum Schluss hin zur Witzfigur, der Fiesheit jener Figur gelingt dadurch aber auch eine Unberechenbarkeit, bei der man sich trotz Übertünchung fürchtet - also ebenso wirksam wie die entschiedene Verschleierung der Realität im Sinne von Burtons "Big Fish", wie hier Margaret Keanes Sicht der Geschehnisse ihr künstlerisch-überzeichnetes Pendant auf der expressionistischen Leinwand erhält.


Da muss man nochmal distanzieren, wie viel Wahrheitsgehalt letztlich übrig bleibt - im filmischen Sinne ist das wohl aber noch die geeignetste Lösung; erst recht, sobald es um die Hilfe der Zeugen Jehovas in Hawaii geht: Camp-Faktor Deluxe. Burton hätte aber dennoch gut daran getan, das visuelle und emotionale Potenzial der Gemälde zu veräußerlichen - Danny Elfmans Score kriegt da zur Unterstützung auch immer nur halbwegs die Kurve -, schließlich besitzt die Geschichte anhand seiner eigenen Vergangenheit als Zeichner bei Disney durchaus persönliche Züge und sollte ihm demnach auch zum audiovisuellen Freilauf antreiben können.


Die Entschädigung fürs Nicht-Einlösen findet man immerhin im extremen Schauspiel zur Konkretisierung der inneren Themen, wobei Amy Adams aber weiterhin als Sympathieträgerin einer ungünstigen Ära beim Zuschauer davon kommt - der Wunsch zum Gelingen ihrer Selbstachtung brennt eben wie das Terpentin in ihrem Arbeitszimmer, je mehr Streichhölzer nach ihr geworfen werden. Dennoch gilt es, vom Film eine unwiderlegbare Taktlosigkeit zu erwarten - was aber immer noch besser ist, als die kommerzielle Manierlichkeit einer "Alice im Wunderland".




DARK SHADOWS - Vom Ruf des Films ausgehend habe ich biedere Langeweile erwartet, allerdings konnte mich Burtons Seifenoper-Adaption positiv überraschen, obwohl deutliche Schwächen zu erkennen sind. Der Streifen schafft es einfach nicht, die zahlreichen Subplots und Charaktere zu einem sanft flutschenden Gesamtbrocken durchzukauen; zwingt sich im Verlauf zu halbgaren Etablierungen, während gleichsam durchweg an der Stimmung des Films - zwischen Fish-Out-of-Water-Situationskomik und übernatürlichem Gruseldrama - gefummelt wird.


Ein genauerer Fokus auf die ganze Angelegenheit hätte da Wunder gewirkt, beherbergt das lose Gefüge doch ein reizvolles Sammelsurium an flottem Horrorhumor, erfinderischen Details & Dekors, leichtfüßigen Pointen sowie vergnüglichen Intrigen & Schauspielleistungen. Allen voran Eva Green und ihr Dekolletee wecken da die Geister, ansonsten geben eine Handvoll deutlicher sexueller Andeutungen und Spitzen der Brutalität schon die richtige Ladung ausgelassener Goth-Urigkeit oben drauf. Zudem bietet das Ambiente der Hafenstadt, deren Wälder und vereinzelte Einwohner eine einladende Atmosphäre, die man schlicht gerne über die ganzen holprigen Story-Elemente erforschen möchte.


Zu guter letzt überwältigt das furiose Finale nach all der undurchschaubaren Entwicklung des Films mit einer Wildheit, an der man sich ausgezeichnet amüsieren kann - Danny Elfmans Score packt dafür sogar den pulsierenden Synthesizer aus. Ach ja, Alice Cooper gibt zwischendurch auch noch ein 3-Songs-Konzert dazu. Mit dem Zeitkolorit wird ohnehin gern gespielt und pointiert - ein bisschen groovige Romantik steht dem honkigen Vampirreigen eben ganz gut. Wahrlich kein verachtenswerter Film, zwar geplagt von überschwänglicher Ambition, aber dennoch ganz sympathisch.




GO! - So 90's, dass Taye Diggs, James Duval und Breckin Meyer zusammen als Road-Trip-Buddies abgehen. Ohnehin ist der ganze Streifen eine aufgebretzelte Amalgamation des kontemporären Cool-Indie-Kinos, irgendwo zwischen Araki, Tarantino, Kevin Smith und der sonstigen hyperaktiven Teen-Gangster-Ästhetik jener Zeit angeordnet - inklusive passgenauem Soundtrack für damalige Ecstasy-Feten (Massive Attack, Leftfield, Fatboy Slim, No Doubt, der fucking Macarena). Also genauso wie das, was Joe Carnahan heute noch manchmal macht. Regisseur (und Kameramann) Doug Liman beweist darin auf jeden Fall hohe audiovisuelle Energiewerte, zeigt bereits sein knackiges Gefühl für Actionszenen (geht dafür nach seinem Debüt "Swingers" sogar nochmal nach Las Vegas, nun mit Verfolgungsjagden im Gepäck) und lässt ein bisschen mehr Sex & Gags einfließen als heutzutage. Die dreigeteilte Struktur des Films à la Pulp Fiction oder Lola rennt! wirkt rückblickend allerdings ziemlich uninspiriert und nicht mal allzu stimmig zu irgendwas Substanziellem im Gesamtkontext hinführend - charaktermäßige Stärken sind da ebenso Mangelware, es gilt hauptsächlich das Vorantreiben verrückter Situationen und narrativer Ensemble-Verknüpfungen. Insgesamt aber doch echt bezeichnend für die Ära der Generation-X und ein geeigneter Abgesang aufs Jahrzehnt.

P.S.: Ein recht unerwarteter Blast from the Past präsentiert sich mit Melissa McCarthy in ihrer ersten Spielfilmrolle. Dagegen sind Katie Holmes und Timothy Olyphant als freshe Jungdarsteller noch eine ganz natürliche Ansicht.




FUN SIZE - SÜSSES ODER SAURES - Eigentlich ein verkapptes Remake von "Die Nacht der Abenteuer" zu Halloween, bis hin zum Kleinkind mit Marvel-Fetisch, nur ungefähr dreimal so honkig (Victoria Justice rappt hier, anstatt wie Elisabeth Shue den Blues zu singen) und daher auch kurzweiliger. Der Mega-Awkward-Bonus geht an den spackigen "Kinderfreund" Fuzzy, dessen kleinste Beklopptheit darin besteht, zu meinen, dass Mario Kart in den Arkaden gespielt wird. Auch unangenehm aktuell: Die Präsenz vom "Fifty Shades of Grey"-Roman. Besonders nett dagegen allerdings: Die Nutzung der Beastie Boys als empathisches Story-Element. Und Jane Levy, trotz filmischer Degradierung durch exploitative Busengrapscher. Ansonsten ein harmloses und nett pointiertes Teenie-Abenteuer mit einigen sexuellen Anspielungen, absurden Gags und Genre-Klischees von Kopf bis Fuß.

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