Sonntag, 6. Juli 2014

Tipps vom 30.06. - 06.07.2014



LOVE STREAMS - Na also, darauf habe ich knapp 3 Filme lang seit 'EINE FRAU UNTER EINFLUSS' gewartet und bekomme es endlich wieder zu spüren: Cassavetes im Strudel der Euphorie, zwar immer schön im Wechselspiel mit individueller Bitterkeit, aber dafür allmählich frei vom Zweifel des Künstlerdaseins. Er sucht und findet nun mal auf diesen leider letzten Metern seines Schaffens (von der Auftrags-Comedy 'STERBEN...UND LEBEN LASSEN' mal abgesehen) sein Zen wieder, der glorreich-abgeklärten Unbedarftheit im Angesicht des kommenden Endes wegen (Ärzte prognostizierten damals, dass er nur noch wenige Monate zu leben hätte - was sich natürlich als falsch herausstellte). Ob ihm dieser Film dann letztendlich auf seine Art das Leben rettete, kann ich derzeitig nur vermuten, aber es existieren genug Quellen an Hintergrundinformationen, schließlich wurden über die Dreharbeiten ein ganzes Buch geschrieben sowie eine Dokumentation dazu in Spielfilmlänge erstellt. Da werde ich mich nochmal schlau drüber machen, wenn im August dieses Jahres die Blu-Ray-Edition von Criterion erscheint.

Aber schauen wir uns doch erstmal den Film an sich an: Cassavetes spielt darin selbst den ziemlich abgewrackten Schreiberling Robert Harmon (NICHT der Regisseur von 'HITCHER - DER HIGHWAYKILLER'), dessen Erscheinung zwar von außen ziemlich melancholisch wirkt und tagtäglich ins Leere verläuft, aber dafür immerhin in einem feschen (größtenteils Cassavetes' eigenem) Anwesen haust - inkl. vieler stimmungsvoll ausgestatteter und mit Holz umfasster Zimmer, einem großen Vor- und Hinterhof sowie einer stylischen Hausbar -, wo er mit mehreren jungen Damen aus den urigsten Branchen zusammenwohnt, um für seine Werke über das Nachtleben zu "recherchieren". Irgendwie ist er ja schon eine suave Type, immer in einem galanten Smoking unterwegs, liebevoll schnauzend und flirtend sowie nach "Talenten" und aufschlussreich-geheimnisvollen Persönlichkeiten, aber eigentlich Liebe suchend.


Gerne verbindet er das alles mit Suff und fliegt folgerichtig oft auf die Fresse, kann aber immer noch mit der Zuneigung des Universums oder eben der Menschheit rechnen, weil der Charme einfacher (Milieu-)Leute weit toleranter agiert, als sich ein formelhafter Film in seiner Darstellung erlauben würde. So ist das nun mal bei 'LOVE STREAMS', der seinen Titel nicht ohne Grund trägt, schließlich stellt er einen kontinuierlichen Fluss der Gefühle, speziell der empathischen, dar. Das strahlende Herzstück für diese Idee präsentiert sich sodann in Form von Roberts Schwester Sarah, so wunderbar entrückt verkörpert durch Gena Rowlands, die im Scheidungsprozess von Mann & Tochter ebenfalls an den Rand des Nervenzusammenbruchs gerät und aufgrund ihres problematischen Geisteszustandes noch stärker mit dem sich anbahnenden Verlust zu hadern hat - siehe ihre surrealistischen Traumsequenzen, in denen sie die Beiden alà Michael Bay mit einem fliegenden Auto überfährt -, und dennoch im ausgleichenden Karma bei der Wiederbegegnung mit ihrem Bruder durchweg Liebe empfängt. Schließlich ist sie ja auch diejenige, die daran glaubt: "Love is a stream - it's continuous, it doesn't stop".


Apropos Scheidungskinder: Robert bekommt eines Tages Besuch von seinem Sohn aus zweiter Ehe, Albie, den er das letzte Mal bei der Geburt gesehen hat (!) und der ist schon ein schwieriges Stück Arbeit: überwältigt von den vielen Frauen/Eindrücken/Fremden in Roberts Haus probiert er die Flucht, weshalb das Vaterherz alle wegschicken muss, bevor es sodann alles nochmal locker von vorne mit dem Jungen beginnen kann. Die lauwarmen Wetterverhältnisse und ein paar Bier heben da schon wieder die Stimmung, doch Robert kann selbst bei einem gemeinsamen Besuch nach Las Vegas nicht auf den Überschwang des Lebensglückes mit den Frauen dieser Welt verzichten und jongliert doch etwas zu sehr mit der Ungewissheit seines Sohnes, dem er aber dennoch seine Verbundenheit verspricht, welche beiden zusteht. Frustration und Verwirrung gehören natürlich auch dazu, geht's doch verängstigt von dieser unbekannten Welt schnell wieder zu Mami mit ihrem neuen Ehemann, wo man wie besessen gegen die Tür ins bekannte Heim krachen will und blutet, wofür Robert wiederum ein paar Schläge kassiert (sicherlich aufgrund des direkten Umstandes, aber auch allgemein wegen seiner jahrelangen Nicht-Anwesenheit) - aber dennoch bleibt die Liebe zwischen Vater und Sohn, frisch entfacht oder auch schon seit ewig da, erhalten.


Zurück im stets einladenden Eigenheim wartet aber auch schon die nächste Quelle der Liebe aus dem Geist der Familie heraus, denn nach einem mehr oder weniger erleichternden Europa-Trip ("I'm almost not crazy anymore.") kommt Sarah zu ihm nach Hause und bringt traute, ungezwungene Zweisamkeit in den Alltag - wobei sie sogar als Ersatz für die ganzen fehlenden Frauen einfach einen halben Zoo an Haustieren mit einquartiert, um den Strom des Lebens beizubehalten. Das versucht sie ebenso bei freizeitlichen Begegnungen mit anderen Männern in der Bowling-Bahn sowie im Umgang mit ihrer getrennten Familie, wo man ihren Humor allerdings nur mit seufzendem Argwohn und Sorge für ihren Geisteszustand begegnet. Es bedarf erst einer zauberhaft-'versöhnlichen' Traumsequenz in Musical-Ballett-Form ihrerseits, dass sie (allerdings nur für sich) eine Einigung in letztgenannter Angelegenheit findet - Robert aber ist stets ausnahmslos zur Stelle, holt die Tiere ins Haus rein, sobald es zum letzten Drittel des Films tosende (symbolhafte) Regenstürme gibt und schickt ihre Ärzte nach Hause, da er ja am Besten weiß, was sie zur Heilung im Innern braucht. Klingt zwar kitschig, aber eine Umarmung kann in der Sprache dieses Films eine Menge erreichen - und man glaubt's.


Doch wie gesagt wird hier kein melodramatisches Konstrukt durchgeackert, oben Genanntes soll ja erstmal nur der charakterlichen und thematischen Einordnung dienen. Das Ziel des Films findet man nämlich schon bei seinem freiläufigen Verlauf an sich, ungehemmt dem variierenden Leben gegenüber und die emotionale Goldader ausschöpfend. Deshalb kommt zum Schluss auch ein Freund Sarahs vorbei, um sie wohl für länger als eine Nacht abzuholen und im Glück schweben zu lassen. Da erscheint unser Robert natürlich einigermaßen trist und einsam, speziell da die Regenfluten/Liebesströme am Fenster außerhalb von ihm dahinfließen. Aber das ist nun mal der Lauf der Dinge und sowieso wissen wir, dass er nicht lange allein bleibt - so hat sie ihm doch einerseits ihren neuen Hund Jim hinterlassen, in dem er (wortwörtlich) einen Freund sieht und andererseits gibt's noch genügend Menschen da draußen in der Welt, mit denen er je nach Laune in der Nacht herumtanzen kann. Seine Leidenschaft bleibt so oder so ununterbrochen, auch wenn nicht jeder seiner Mitmenschen dasselbe Verständnis dafür mitbringen kann - denn "love always finds a way".


Und auch, wenn das Leben sinnfrei (oder in Cassavetes' Fall scheinbar am Ende) erscheint, kann man noch immer das Beste draus machen. Das ist so ziemlich der einfachste Satz, mit dem man den Gesamteindruck von 'LOVE STREAMS' bezeichnen könnte, aber mal ehrlich: so ein überwältigend-unbeschwertes und eigensinniges Werk zu bewerten, kann niemals ein 100%-ig präzises Ergebnis hervorbringen, so unerklärlich und tiefgreifend das Konzept Liebe darin verwurzelt ist, die innewohnenden Figuren vorantreibt und sich dennoch nicht mit großen identifizierbaren Zeichen ankündigt. Man kann als Zuschauer ohnehin nicht anders, als sich irgendwann bereitwillig in den Rausch des Films mit einzuklinken und dramaturgische, filmische Formalitäten außer Acht zu lassen. Er erzählt dann nicht mehr viel, sondern zeigt einfach. Nimmt man reichlich Substanz davon mit? Kommt ganz darauf an. Aber man wird wenigstens mal locker...und manchmal kriegt man auch ein bisschen Blut ab. Leben halt.




TRANSFORMERS: THE PREMAKE - Komischerweise habe ich es letzte Woche oder so versäumt, diese schöne kleine und unfassbar effektive 'Desktop-Dokumentation' von Kevin B. Lee (siehe Bild oben) mit in die Tipps einzubinden, in welcher er die Mechanismen der neumodernen Meta-Filmvermarktungs-Schiene im Zeitalter des aktiven/passiven Crowd-/Government-/Advertisement-Sourcings und Social-Media-Geltungsdranges anhand technologischer Gewitztheit und einem weitreichenden, stets verfügbaren Netzwerk an Informationen offenlegt:



Ein wahrhaft spannendes und beunruhigendes Zeitalter, in dem wir mit diesen global-intrusiven Blockbustern leben, vorallem hinsichtlich der 'Regelements', WER denn letztendlich Content teilen darf und auch wie ein Studio die Integrität seiner selbst aufs Spiel setzt, um einen guten Haufen Geld zu sparen. Auf jeden Fall schön zu wissen, dass sich Menschen jenseits des Worldwideweb-Hyperhating auch mal tatsächlich noch wie unschuldige Kids auf irgendwas Spektakuläres/Dummes/Lautes/Berühmtes/Cooles freuen können, auch wenn sie es im Nachhinein vielleicht nicht zugeben wollen (speziell was die Faszination mit der Marke 'Michael Bay' betrifft). Aber auf welcher Seite man auch immer steht: man verleiht dem Produkt Aufmerksamkeit - ob positive oder negative Kraft: es holt sich einfach alles an den Start. Und kann auch mit simplen Mausklicks vom privaten Computer aus abgerufen werden. Eigentlich zweifellos eine Ära der Transparenz - Freund oder Feind? More than meets the eye!




CABAL - DIE BRUT DER NACHT - Bevor im Oktober von SCREAM FACTORY endlich der langerwartete Directors Cut dieses exzentrischen Superbiestes erscheint, dachte ich mir, dass man dafür vielleicht mal vorher die weitgehend geächtete Kinofassung ansehen sollte, ehe man erkennen kann, warum jenes Clive-Barker-Werk so beliebt in der Szene ist und ein derartiges Release berechtigt. Sowieso bin ich ein Sucker für missglückte/verstümmelte Ultrakunst. Ehrlich gesagt weiß ich gar nicht, warum es mich nie wirklich angesprochen hat, aber umso besser, wenn man ein derartiges Juwel aus den 90ern nachholt, das selbst in der Art, wie es letztendlich vermarktet wurde, wohl kaum noch mehr möglich ist. Ein ambitioniertes und ansteigend-explosives Major-Studio-R-Rated-Fantasyhorror-Abenteuer mit einer detailliert ausgearbeiteten Mythologie, bizarren Masken und zudem krassen Körperspaltungen? Was war denn dahingehend der letzte Versuch? 'THE THING' (2011)?


Klar, in nur knapp 100 Minuten Laufzeit eingefasst kann sowas den Zuschauer sowieso schon richtig überwältigen, wenn man nur so ziemlich eine Ahnung davon erhält, was da für Kreaturen im Untergrund von Midian lauern und wie das alles zusammenhängt - hilft erst recht bei den in der ersten Hälfte zahlreich vorhandenen Scares, der steten Unsicherheit des durchweg bizarren Ambientes und dem (durch massive Studio-Schnitte) abstrakten Handlungsverlauf wegen (siehe auch Michael Manns 'THE KEEP'). Das ist aber auch natürlich das größte Problem am Film, so gehetzt und allgemein gehalten der Mark-Goldblatt-Cut verläuft, die einzelnen Motivationen und Regeln jener Realität nur anreißt, als hätte er ADHS. Da ist das Erzähltempo zusammen mit den einzelnen Pointen der jeweiligen Szenen so schlimm abstrahiert, dass man am Wegesrand zurückbleibt, aber immerhin so ziemlich ein "dynamisches" Best-Of der coolsten Elemente sehen kann.


Danny Elfmans Score hilft stilistisch am Meisten über die rücksichtslose Schnippelei hinweg, vermittelt mit seinem versierten Orchester so in etwa die epochale Größe, die in diesem Stoff und seinen fehlenden Bildern drin steckt. Aber auch sonst bleiben dem Herz des Genre-affinen Zuschauers noch reichlich grandiose Bilder, Masken, Effekte, leuchtende Augen (!!!), apokalyptische Sets, ausgefallene Designs (so in etwa 'NEON MANIACS' mal 100), ein richtig schleimig-kalter Villain in Form von David fucking Cronenberg, ein furioser Showdown auf dem Friedhof und massig politische Wurzeln - welche in der flashigen Kinofassung so plakativ aufsprießen, dass man sich natürlich ein bisschen mehr Nuanciertheit wünscht, um sie vollends glaubwürdig nachvollziehen zu können.


Wie eine Horror-Variante der X-MEN - oder wie Alejandro Jodorowsky es mal enthusiastisch ausgedrückt hat: "the first truly gay horror fantasy epic" - hütet sich hier die ausgestoßene Gemeinschaft der Monstren, mit ihren unterschiedlichen Fähigkeiten und Erscheinungen vor der Tyrannei der Oberwelt, ist zunächst skeptisch gegenüber 'faszinierten' Aussenseitern wie unserem Helden Aaron Boone (Craig Sheffer), nimmt ihn aber nach einem (in dieser Fassung nicht komplett kohärenten) tödlichen Verrat seines konspirativen Psychiaters/Slender Man Dr. Decker (Cronenberg) in ihren Kreis auf, hilft sich untereinander und unterstützt mit (auch außerordentlich erotischen) Kräften, ganz Quicksilver-mäßig, den Ausbruch gefangener Genossen. Hinzu kommen grausame Rückblicke auf ihre Holocaust-artige Verfolgung durch uns Menschen sowie die Weiterführung jener Ereignisse durch selbstsüchtige Redneck-Cops im Finale, ohnehin reichlich Davidsterne in der Set-Ausstattung, Doug Bradley als Moses-Verschnitt und Golem-artige Wächter, die aus der tiefsten Mythologie zur Hilfe gerufen werden.


Da spürt man schon ein dickes Stück Herz und erhält eine gute Vorstellung davon, welche Ausmaße Clive Barkers im Grunde recht humanistische Vision seines sehr eigenen 'STAR WARS' hier eigentlich angenommen hat - reichlich wilde Ideen, frivole Ekel-Anarchien und aufregender Action-Spaß sind ja ohnehin noch markig vorhanden. Doch so, entrissen von seiner liebevoll-aufgebauten Grundlage (tatsächlich kommen unsere eigentlichen Hauptprotagonisten - Aaron und seine Freundin Lori - sowie deren Liebe nur spärlich zu uns durch), ist die zumindest saubunte Kinofassung nur eine bittersüße Erfahrung. Umso mehr freut mich die baldige Wiederveröffentlichung mit knapp 50 Minuten mehr Material im Narrativ. Bis dahin kann ich aber dennoch jedem empfehlen, sich dieses wahrhaftig große Werk auch in seiner gerupften Fassung anzuschauen. Und sei nur wegen der starken Chills: CABAL blutet Charme!




YAKUZA DEKA - Wer mich kennt, weiß, dass ich's inzwischen immer schwieriger finde, Komödien zu beschreiben - speziell solche, die ich mag. Da schwebt immer eine gewisse Gefahr mit, den Überraschungseffekt für Andere zu versemmeln oder die eigentlich gute Joke-Struktur unbeeindruckend nachzuerzählen. Deshalb bin ich dieses Mal froh, dass jenes Sonny-Chiba-Vehikel hier einen äußerst gelungenen Mix von Humor und blutiger Yakuza-Action anbietet, weshalb ich nicht alles auf den puren Witz der ganzen Sache stützen muss. Schon mal vorweg sollte klargestellt werden, dass in dieser TOEI-Produktion von 1970 nicht etwa versucht wird, das einschlägige Genre ehren-hafter/loser Gangster zu verballhornen. Stattdessen arbeitet der Streifen meistens überraschend straight - in knackigen 85 Minuten durchgeschleust - und bietet genau die Schauwerte, die man erwarten würde, nur eben mit einem astrein gewitzten Chiba inmitten des intriganten und bleihaltigen Prozederes.


Als verdeckter Ermittler Hayata infiltriert er den Yashira-Clan, nachdem er einem seiner Mitglieder, Asai (Ryohei Uchida), bei einer Razzia in dessen Spielhalle mit akrobatischen Karate-Schlägen gegen eine Gruppe Bullen aus der Patsche geholfen hat, sich zwar im Nachhinein ebenfalls als Polizist identifiziert, aber daraufhin gefaked aus jener Staatstruppe rausgeschmissen wird, um fortan der japanischen Mafia behilflich zu sein. Dabei mausert er sich zum initiativen Haudegen, der im Verlauf zu einem ihrer besten Auftragskiller im Kampf gegen die rivalisierende Gang der Okura aufsteigt, aber auch beide gegeneinander ausspielt, um an brisante Informationen des angehenden Drogenhandels zu kommen. Doch die Schlinge zieht sich immer enger zu, sobald andere Undercover-Agenten in der Organisation ausgemerzt werden und auch Hayata durch eine nicht allzu umgängliche Kommunikation mit den Kollegen (versteckte Briefnachrichten im Dildo) auffliegt, gejagt wird und den Tod einiger enger Freunde in der Szene in Kauf nehmen muss, bevor es dann letztendlich zum übertrieben-explosiven Showdown zwischen Karren und Helikoptern in der Genre-bekannten Baugrube kommt.


Was auch schon wie ein gängiger Genre-Plot klingt, wird ebenso gewissenhaft in die kurzweilig-schroffe Tat umgesetzt, hat man doch mit Regisseur Yukio Noda einen Regisseur am Ruder, der sich in jenem Gebiet recht gut auskennt, wenn man auf seine Filmographie von 'DER TIGER VON OSAKA' bis 'GOLGO 13', ebenfalls mit Chiba in der Hauptrolle, zurückblickt. Er verleiht der Ausgangslage seines 70's-Krimis somit nicht nur die kompromisslos-ruppige Bodenständigkeit, sondern auch den geschmeidigen Gesamtstyle urbaner Dynamik und kontemporärer Psychedelika - ich kann es beschwören: jede einzelne Einstellung ist trotz geringem Budget so wunderschön stilisiert und in der Action aufregend gehandhabt, dass es einen stetig bei Laune hält und atmosphärisch packt. Nodas Milieu-Fressen haben den gewohnten Grit in ihren Narben, wie auch die Nachtclubs ihren poppigen Sex-Appeal. Und natürlich ist auch Gewalt an der Tagesordnung, nur eben nicht ganz so explizit, wenn auch dennoch gleichzeitig elegant und brachial eingebaut.


Den Unterschied und die pointiert-humoristische Wirkung in diesem bekannten, glaubwürdigen Ambiente macht das Darsteller-Event Sonny Chiba aus, der nicht nur kampftechnisch eine einschlagende Figur macht, sondern eben mit seiner energiereichen Leichtfüßig- und Respektlosigkeit die Herzen erobert. Das fängt so an, dass er völlig unvermittelt und ungehemmt vom Fressen und Schälen praktischer Eier und Äpfel in einen flinken Salto jumpen kann, um dann (ohne Stunt-Double) wie ein Parkour-Held oder James-Bond-Jr. auf zahlreichen Dächern zu klettern und endet damit, alle Varianten der allgemeinen Bleispritze in knallartige Flammenmeere verwandeln zu können, selbst wann man ihm das von Arbeitgeber-Seite gar nicht aufgetragen hat. Diese subversive, jugendliche Verachtung vor den Vorgesetzten drückt sich ja ohnehin schon dadurch aus, dass er sich nicht wirklich vor seinem Yakuza-Boss, sondern dessen Dogge verbeugt.


Bei solch einem Charme verwundert es dann auch kaum, dass seine Umgebung es ihm in Sachen Wahnsinn gleichtut. Wird ein Gangster-Kollege vom unwissenden Rivalen abgeknallt, wirft man gleich eine Granate hinterher, damit der Leichnam unkenntlich bleibt. Vereinbart man ein Duell unter Männern, entpuppt sich dies als Autorennen, wo man die Rosenblüte, die dem Gegenüber wie bei einem Torero quer im Mund steckt, abzuschießen versucht. Und wenn ein Drogendeal schiefgeht (wo sich alle gegenseitig abballern, bevor Hayata überhaupt eingreifen muss), versucht man noch hauptsächlich die Ware per Helikopter-Seil zu retten, anstatt sich selbst. Ganz zu schweigen von Hayatas Polizeikontakt, der sich bei ihren geheimen Treffen immer wieder in die urigsten Verkleidungen wirft, weshalb er auch zum Schluss auf einem Pferd in Mexikaner-Verkleidung auftaucht und somit Hayata einen schick-gerittenen Abgang am Horizont, jenseits aller Konsequenzen seines Handels, ermöglicht.


Da steckt natürlich eine gute Portion eskapistischer, cine-enthusiastischer Witz drin (symbolisch auch durch die von bunten Filmplakaten gepflasterte Wohnung unseres Helden ausgedrückt), aber wehe dem, der glaubt, dass deshalb bei 'YAKUZA DEKA' auf Härte und Pathos verzichtet wird. Chiba ist eben natürlich ohnehin ein 'man of the people' und entwickelt selbst undercover Freund- und Liebschaften, die ihm auch in Gangster-Funktion ehrenhaft den Rücken freihalten und sich für die gute Sache sogar opfern. Da kann man mit der Romantisierung des Genres eben doch nicht brechen, aber schließlich handelt es sich auch dort schlicht um Menschen, die zwar in der moralischen Grauzone und den Konventionen gemäß eingebaut, aber (für derartige filmische Verhältnisse wohlgemerkt) noch immer nachvollziehbar gezeichnet sind.


Deshalb kommt es ja so klasse rüber, dass Regisseur Noda den charakteristischen Witz des Ganzen auf einer straight-faced Grundlage aufgebaut hat und somit ohne Probleme auch auf markige und brutale Konflikt-Ausbrüche, Schusswechsel in meisterhafter Zeitlupe und knallharte Knochenbrecher-Choreographien zurückgreifen kann, ohne einen stilistischen Fauxpas einzukassieren. In seiner konsequenten Rasanz kann er damit sowieso durchweg überraschen und eine ekstatische Verrücktheit in der Gesamtfassung des vollgepackten Films anbieten. Aber ohne Chiba wäre das alles nur halb so schön - Gottseidank hat er sich vollends-engagiert zur Verfügung gestellt und diesen herzhaft-knalligen Genre-Exoten zur Blüte getrieben. Als UK-DVD von OPTIMUM ASIA erhältlich.




RHEINGOLD - Erstkontakt mit den Werken des Regisseurs Niklaus Schilling. Eine recht außergewöhnliche Angelegenheit stellt sein 'RHEINGOLD' dar, ein gleichzeitig fiebriges und unfassbar kaltes Melodram innerhalb einer Fahrt mit dem Trans-Europa-Express von Amsterdam bis Genf am Rhein entlang. Bereits zu Anfang besonders auffällig tritt die Atmosphäre zu Vorschein, mit besonderem Fokus auf die elektronischen Klangwellen, welche den nebligen Bildern der Reiseorte jener öffentlichen Verkehrsmittel, die schon seit den 1920ern im Einsatz sind, eine klinische Schaurigkeit und bedrohliche Aura verleihen. Es bahnt sich Unheilvolles an, wirkt auf jeden Fall mysteriöser, als man es von diesen alltäglichen Eindrücken gewohnt ist. Ebenso befremdlich kommt sodann auch das minimalistische Ensemble eines Beziehungs-Dreiecks hinein, das sich in dieser Zugfahrt seinem Schicksal ergeben wird: jeder spricht mit bewusst-entrückt gedämpfter, steifer (Synchron-)Stimme und Emotion, selbst wenn sich Liebe und Erotik ausdrücken wollen.


Elisabeth (Elke Haltaufderheide) betrügt hierin nämlich ihren Mann, den Abgeordneten Karl-Heinz Drossbach (Gunther Malzacher) mit einem Freund aus Kindheitstagen, Wolfgang (Rüdiger Kirchstein), der bei der Bahn als Kellner arbeitet. Obwohl sie Karl-Heinz erst bei der Destination Genf erwartet, steigt er zufällig schon vorher ein und erwischt die Beiden quasi in flagranti, wobei im Nachhinein niemand was sagt und größtenteils so tut, als wäre nichts geschehen. Die Situation eskaliert jedoch allmählich, wie das ansteigende Tempo des Zuges, brodelnd aus dem Innern heraus, als Karl-Heinz Elisabeth mit einem Brieföffner, den sie ihm zuvor geschenkt hat, absticht und flüchtet. Elisabeth überlebt den Angriff, verdeckt die tiefen Wunden aber vor Wolfgang und anderen Fahrgästen, setzt stattdessen ihr stetig zersetzendes Pokerface auf.


Was führt einen Menschen dazu, so abgebrüht und freiwillig das Sterben zu empfangen? Die Ehe schien jedenfalls nicht gerade die große Erfüllung gewesen zu sein, das erfahren wir in zahlreichen eintreffenden Rückblenden bei ihrer Tour in die letzte Haltestelle Tod. Karl-Heinz wirkte zwar durchaus genügsam in seiner Funktion als Gatte, jedoch mit starker Vorrangigkeit in Sachen Karriere (kurz zuvor kündigte er ihr noch die Annahme eines Postens in New York an). Darunter litten folgerichtig Liebe und Geist, so weit sogar, dass sie bei Begutachtung ihrer Wunde gar nicht mal wirklich blutet - offenbar geht ihr schlicht nur noch die letzte Luft aus, alles andere an Lebenswillen wurde von ihm schon längst abgesaugt. Viel tiefer fühlte sie sich jedenfalls dem ollen Wolfgang verbunden, mit dem sie schon von klein auf Sachen unternommen hat (inkl. symbolhaftem Zukunftsausblick, als sie einen Unfall mit Modellzügen nachstellen) und der bei ihr in der Gegenwart ein spannendes Gefühl von Leidenschaft entfachte, das Karl-Heinz kaum auszufüllen vermochte.


Mit diesen Faktoren im Sinn (und der Tatsache, dass er sie abgestochen hat), kann man also durchaus nachvollziehen, warum sie diesen Weg gewählt hat, sich der inneren Herrschaft Karl-Heinz mit dem entschlossenen Tode zu entziehen, auch wenn sie niemand sonst mehr haben kann. In dieser morbiden Form und massiven Präsenz im Gesamtfilm, bar jeder Ironie - mit recht-gängiger, aber schön sämiger 70er-Jahre-35mm-Optik in petto - ein krass konsequentes, fatalistisch-auswegloses Märtyrertum. Welches übrigens durchweg mit Bildern der seit Jahrhunderten stehenden und von den Wagons aus sichtbaren, berüchtigten Burgen und Tälern des Rheins unterstrichen wird, deren mythische Geschichten (u.a. von der ähnlich wie bei Elisabeth verlaufenen Sage der Loreley) ein älterer Fahrgast seiner Enkelin erzählt, während Elisabeth allmählich verwelkt. In diesem bitteren Vergleich von Vergangenheit und Gegenwart lässt Regisseur Schilling durchscheinen, dass Deutschland nicht von den Fehlern von einst gelernt hat bzw. sich in der Tragik der Historie ständig wiederholt und trotz oberflächlicher Glückseligkeit an bösartiger, geistiger Verrottung leidet.


Im Making-Of zum Film auf der OOP-DVD von E-M-S unterstreicht Schilling selbst diesen Eindruck damit, dass er zugibt, sich nicht nur mit der offiziell 'guten' Geschichte der Vergangenheit des deutsches Films, sprich schlicht den 20er Jahren, sondern auch mit den kontroversen Entwicklungen der 30er, 40er (vorallem 'ROMANZE IN MOLL', wie mir scheint) und 50er Jahre (denen die jungen Filmemacher der 70er fast nur Verachtung entgegenbrachten) beschäftigt zu haben. Konfrontative Vergangenheitsbewältigung ist sein Ziel (und der umgewandelte Einsatz der narrativen Stilmittel von einst sowieso), nur so kann man die Zukunft wirklich weiterentwickeln, ist da die Ansage. Von der Schuld getrieben, löst sich dann auch Elisabeths Mörder Karl-Heinz kurzfristig von seinen erkalteten Gestus und folgt dem rasenden Zug per Taxi. Doch sein Entschluss kommt zu spät und halbherzig, wirft er doch einerseits die Mordwaffe bei der Fahrt aus dem Fenster, prügelt sich im Zug mit Wolfgang und zeigt kaum Verständnis für Elisabeths Lage, bittet sie lediglich, zu ihm zurückzukommen. Da stirbt sie lieber, als der Heuchelei des "neuen" deutschen Wohlstandes entgegen zu kommen.




SPLIT SECOND - Okay, halten wir erstmal kurz fest, was gegen diesen Film sprechen könnte:

Ein größeres Budget hätte gerne mal drin sein können. Gibt zwar reichlich schicke klaustrophobische Neon-Sets, aber für ein klassisches Zukunftsszenario (2008!) mangelt es doch irgendwie an fliegenden Karren (oder Derartigem) und erst recht an aufschlussreichen Totalen von ALLEM - gibt so ca. 2 lumpige Helikoptershots vom kontemporären London und ansonsten kriegt man nur einen sehr eingeschränkten Eindruck vom Setting. Dass alles an einer formelhaften Bullen-Buddy-Comedy aufgezogen ist, zeugt auch nicht gerade von sprießender Originalität und überrascht im Grundkonzept nicht allzu sehr. Und die Synchro hat abgesehen von Manfred Lehmann nur so schludrige Hamburg-Sprecher am Start, unabhängig davon könnte das Sounddesign von natürlicheren Effekten und einem besseren Score (welcher übrigens ab und an die Pizzikatos von 'STIRB LANGSAM' klaut) profitieren - so bleibt insgesamt nur ein wenig glorreiches DTV-Feeling im Ohr.

So, mit dem Bullshit außen vor können wir uns mit den wichtigen Sachen befassen: Rutger Hauer spielt die Hauptrolle und gibt den absolut wahnsinnigen Badass-Cop Harley Stone (!). Was der alles für krasses Zeugs anstellt, lässt sich kaum komplett aufzählen: Dauernd Zigarren im Maul zu haben und die Sonnenbrille-Lederjacken-Kombo zu tragen, gehört ja schon zum guten Ton dazu - doch welcher Macker stellt sich schon eine fesche Harley mitten in die abrottende Cyberpunk-Wohnung rein? Ich sag's euch: Harley Stone! Dem macht's nicht mal was aus, dass überall Tauben in seinem Anwesen rumfliegen, schließlich sind die noch immer besser als die giftigen Monsterratten, die er mit seiner High-End-Knarre blitzartig (sprich 'SPLIT SECOND') so mir nichts dir nichts wegballert.


Ganz richtig im Kopf ist er aber auch nicht, seitdem ein gewisses Räudenviech vor Jahren seinen Partner niedergemetzelt hat, (basierend auf astronomischen Konstellationen) nun wieder auf die Jagd geht und die Herzen seiner Opfer frisst. Traumatisch ballert Harley dann immer auf irgendwelche Mülltonnen oder die Luft ein, wo er seinen Erzrivalen vermutet - ganz zu schweigen davon, dass er bei der Tatortuntersuchung mit Rottweilern redet. Deshalb wird ihm ein neuer Partner zugestellt, ein mickriger und hyperkorrekter Bürohengst mit Hornbrille namens Dirk Durkin (Neil Duncan), der auf ihn aufpassen soll, aber nur Respektlosigkeit empfängt. Doch da heißt es "Arschbacken zusammenkneifen", da sich beide nun um die Erfassung des splattrigen Slashers bemühen müssen. In der Zeit keifen sie sich natürlich streng-vulgär an, gehen einen saufen, putzen sich gemeinsam die Zähne (wobei Stone darauf sofort wieder ne Fluppe reinsteckt) und ziehen große Geschütze auf, sobald sie der Bestie einmal face-to-face in einer komplett zusammengeballerten Leichenhalle begegnet sind.


Stone behält natürlich ideologisch die zielsichere Oberhand (Hauer spielt sowieso jeden mit steter Intensität und Gewitztheit an die Wand), doch beide sind in ihrer Art The Ladies' Man. Brillenschlange Durkin kann mit Fug und Recht behaupten, dass er es jede Nacht mit seiner Gattin treibt und daraufhin noch joggen gehen kann, während wir Stone zumindest mit Kim Cattrall in der Rolle seiner Freundin Michelle zusammen sehen können, obwohl deren Beziehung in ihrer Darstellung seltsam platonisch bleibt - und das, obwohl sie sich für eine Dusch-Szene sogar frei macht. Für so eine geplagte Seele wie ihn, der jeden Tag nackte Leichen anpacken muss, ist das wohl nicht allzu wichtig, immerhin bleibt er der verständnisvolle Gentleman (nicht aber für seine Vorgesetzten, deren Anweisungen er meistens schnauzig ignoriert). Jedenfalls kommt es irgendwann in den Ermittlungen soweit, dass Michelle von dem illustren Täter gebissen wird und Durkin einige pseudo-esoterische Koordinaten in die Brust geritzt bekommt.


Das Viech, dessen Design im Grunde wie bei Ridley Scotts 'ALIEN' Stück für Stück minimal aufgedeckt wird, fordert Stone mit der Entführung seiner Liebsten schließlich zum Showdown in der U-Bahn-Station, wo es einst seinen Partner richtete. Da brennt die bleihaltige Luft im Untergrund und nach einem knallig-variierten, aber nicht allzu dringlich-inszenierten Scharmützel setzt Stone dann zum ultimativen Finishing Move an, bei dem er seiner Nemesis das Herz rausreißt und dieses folgerichtig mit dem schicken One-Liner 'Sweet Dreams' abballert. Apropos 'NEMESIS': Set-Design und Look erinnern schon irgendwie an Albert Pyuns Future-Klopper, insbesondere, was das milchig-bläuliche Licht anbetrifft. Dennoch hat man sich so gut es geht um einige nette, futuristische Details gekümmert - allen voran der Umstand, dass alle paar Stunden in der Stadt der Wasserpegel ansteigt, durch den sodann alle angepisst waten müssen, hat was Urkomisches. Gleiches gilt für den Waffen-, Gore- und natürlich Harley-Anteil.


Der Gesamteindruck zum Film bietet leider nichts Unglaublich-Eigenständiges oder gar Spektakuläres, da hemmt er sich selbst irgendwie in seiner offensichtlichen Schnellschuss-Mentalität und schlägt selbst für die Zeit allzu bekannte Wege ein, die zudem noch mit einigen arg flach fallenden Gags ausgestattet sind (z.B. das Doppelpack an langen Steadycam-Einstellungen, in welcher einer der Charaktere ungläubige bzw. sarkastische Entrüstungen von sich gibt). Darüber hinaus kann man aber durchaus seinen Spaß mit den knuffigen Nebensächlichkeiten und Einzelereignissen haben (hab ich schon erwähnt, dass Pete Postlethwaite hier ein paar Mal mit Hauer rumzankt?) und sowieso hält sich 'SPLIT SECOND' seinem Titel entsprechend mit knapp 87 Minuten Laufzeit angenehm kurz und knackig, klischeehaft, aber nett juckig und ballerfreudig. Schmierige Genre-Kolportage für die schnelle Mark, mit Hauer-Garantie, kann ich empfehlen.




HVORFOR FLYGTE FRA DET DU VED DU IKKE KAN FLYGTE FRA? FORDI DU ER EN KUJON - Dieser Super-8-Kurzfilm mit ironischerweise sehr langem Titel (zu deutsch in etwa: Warum versuchen, von etwas zu entkommen, von dem man nicht entkommen kann? Weil du ein Feigling bist!) stellt ein irres Frühwerk von unserer liebsten Skandalnudel Lars von Trier dar. Mit knapp 14 Jahren präsentiert er uns ein abstraktes Horror-Abenteuer, in welchem ein Kind scheinbar von einem Lastwagen überfahren und von einem anderen Jungen/Freund aufgefunden wird, der sich sodann offenbar auf den Weg macht, Hilfe zu holen. Langsam aber mutiert sich seine scheinbare Suche in eine beängstigende Flucht vor dem Geist des angefahrenen, höchstwahrscheinlich sterbenden Kindes oder was weiß ich:

(Hierfür muss man leider ordentlich die Soundanlage aufdrehen.)



Ich mag dieses 8-minütige, psychotronische Kleinod. Es besitzt zwar eine größtenteils ziemlich desorientierende und primitive Bildsprache, kann aber mit einer Geradlinigkeit ins Ungewisse punkten, die schon einiges an existenzialistischer Fantasie bei jenem dänischen Jugendlichen an der Kamera beweist - auch wenn sich Von Trier hier durchaus als Genre-Freund behaupten will und ein paar groovige Tunes zu seiner schaurig-überblendeten Geistermumie bereithält, wie ich sie das letzte Mal in einem alten Kurzfilm meines Cousins, 'DER MAISMÖRDER' (ebenfalls ein Chase-Horror in natürlichen Gefilden), zu sehen bekam. Auf jeden Fall hat Von Triers dringliche Dynamik zum Gras und Wasser, welche seinen Protagonisten zerstreut und zu rasenden Extremen antreibt, gleichzeitig etwas Von-Grund-auf-Amateurhaftes wie auch Intensiv-Fühlbares. Sowieso fungiert diese Handheld-Optik als exemplarischer Vorreiter seiner Dogma-95-Ära, ebenso was das natürliche Licht betrifft, nicht aber den durchweg ersetzten Ton.


Toll ist aber schon, wie diese ganz simple, kindlich-lehrsame Geschichte von "Vorsicht im Verkehr" schlussendlich in furchtsamer Zurückgezogenheit und metaphysischer Verzerrung im Angesicht einer allmählich aufgeladenen Schuld des Verdrängens endet - da hat derjenige hinter der Kamera sichtlich Anarchie im Blut und, den eingesetzten Gebeten bei der urplötzlich von Kerzen umringten Wiedererweckung des "Leichnams" nach zu urteilen, auch eine gute Portion hämischen Sarkasmus. Macht auf jeden Fall Spaß zu gucken, so eine kleine Momentaufnahme vom Hobby-Filmen der umgebenden Landschaft als fieberhaftes Psychohorror-Szenario. Hat nicht jeder in seinen Anfangstagen als Regisseur so mühelos hingekriegt - da weiß ich, wovon ich spreche.

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