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Sonntag, 8. Januar 2017

Tipps vom 02.01. - 08.01.2017


Liebel Eser,

wir hier von „Witte's wöchentliche Tipps“, also ich ganz alleine mit einem Deppenapostroph im Blognamen, feiern in dieser Woche vierjähriges Jubiläum! Ganz recht, normalerweise zelebriert man solche Sachen immer in Fünferschritten, aber wenn ich dieses Jahr eh schon 30 werde, wollen wir uns die Erwähnung mal gönnen, newa? Und was wollen wir noch außer Maoam - dem verblüffendsten Palindrom, das in „Arrival“ noch fehlte? Richtig, Veränderung! Neues fürs frische Jahr mit der coolen 7 am Ende, dass das Leben einfacher wird oder zumindest weniger Sorgen bereithält, obwohl die gesetzliche Krankenversicherung ab Februar um 10 Euro pro Monat erhöht wird – heute haben wir es aber mit den Ziffern. Weil ich auch glaube, dass mindestens ein Maß Luft nach oben stets übrig ist, verkünde ich für diese Ausgabe neben der Implementierung eines allwöchentlich brandneuen Photoshop-Titelbildes nach Art des Jahresrückblicks eine weitere Note der Optimierung im Layout - nämlich ein kontinuierliches Abwechseln aus kürzeren und längeren Texten, um den Lesefluss zu möglichst vielen Filmen dramaturgisch zu verquicken und mir einige Entscheidungslasten abzunehmen! Soll heißen, ich will vermeiden, jeden Text zu jedem Film künstlich zu strecken, falls ich zu dem einen mehr und zu dem anderen weniger zu sagen habe, je nachdem, welchen Anspruch die jeweiligen Werke verfolgen.


Das war sicherlich vorher schon eine verdammt offensichtliche Devise, die ich selber auch schon längst eingelöst hatte, dieses Mal jedoch Filme in einem potenziell faireren Verhältnis präsentieren lassen dürfte, ohne eine vorbestimmte Rangfolge an Sympathien durchscheinen zu lassen. Könnte natürlich auch einfach eine kosmetische Nichtigkeit sein, die ich an dieser Stelle erwähne, um was für euren Lesespaß da draußen bereit zu haben, aber vertraut mir einfach, ich finde solche Details enorm wichtig, weil sie den Charakter stärken bzw. ihm suggerieren, dass da Wachstum herrscht und freiere Ansätze zum Schreiben bestehen. Soweit es geht, will man sich eben routinemäßig von der Routine emanzipieren, also trickst man das Hirn ein bisschen aus, um diesem ein Stück weit die Furcht vor Regeln, auch den eigenen, zu nehmen. Wow, voll innovative Kenntnisse, Witte, aber glaubt mir, nach dem ganzen Prozess um die kleinen Blockaden der Furcht binnen Albert Brooks' „Rendezvous im Jenseits“ hatte ich mich derart wiedererkannt, dass mir solche trivialen Maßnahmen nicht unsympathisch geworden sind, schließlich will man ja nicht wie die Charaktere in seinen Filmen schon am Ende stehen, sobald jedwedes Unternehmen kaum begonnen hat. Von daher freut es mich, diese neue und aufregende Ära mit der Besprechung eines Films zu starten, den ich so gut wie gar nicht mochte:




„Sully“ ist in vielerlei Belangen ein seichtes Plädoyer geworden: Eins für gefühlte Realitäten (sinngemäß „DIE wissen trotz ihrer ganzen Fakten nicht, wie's oben war!“ und sind dementsprechend baff, wenn sie als Bürokraten zum ersten Mal impulsiver Kompetenz nachhören), ebenso für obligatorischen Post-9/11-Pathos („Es gab schon lange keine guten Nachrichten mehr New York - erst recht solche über Flugzeuge.“ Tam-Tam-Tam!!!), sodann auch eins über MännerHELDENmythen mit Schlag bei den Frauen (Laura Linney darf dafür sogar ausschließlich treu von zuhause aus telefonieren) und zu guter Letzt eins für Marriott-Hotels. Dass die Angelegenheit mit einem bodenständigen, ewigen Daddy wie Tom Hanks nicht ansatzweise so kontrovers diskutiert wird wie das ähnliche moralische Narrativ/Trauma mit Bradley Cooper als Scharfschützen, ist bei hiesiger Gewaltfreiheit auch das Mindeste, was man dieser Tage noch von Regisseur Eastwood (hier mit Eigenwerbung zu „Gran Torino“ am Times Square vertreten) erwarten kann. Da fällt sogar die emotionale Manipulation so gedämpft wie eine der vielen im Film vorgeführten Simulationen aus, obgleich das Gros an Argumentationen so ziemlich in dieselbe Ecke direkter Demokratie einschlägt, wie „Terror - Ihr Urteil“ - dementsprechend empört und rechthaberisch prustete das Publikum im Kino dann auch los, als bekannt wurde, dass 17 Testversuche für die Beweislage der Ankläger Sullys nötig waren. It's all rigged and wrong, weeßte! Trotz parteiischem Kern ist der Diskurs der Heldentat im Endeffekt mehr zum gelegentlichen Schnarchen und Spannungsbogen nüchterner Faktenlage inklusive CGI-PTSD geeignet, bis der Faktor Mensch in altersweiser (Pl)Attitüde vor Gericht entscheidend wird, pflichterfüllend seinen Denkmal-Abspann à la Peter Berg oder eben „American Sniper“ einheimst, wenn auch insgesamt sogar weniger Herzblut als bei den „Jersey Boys“ drin steckt, dafür mehr Farben und eine jazzige NYC-Hommage im Grundton. Und ja, diese Absturz-Klaustrophobie binnen entscheidender Momente und deren behutsamer Offenbarung empfand ich ebenso als effektiv, nur die Beweisführung „Ich hatte recht und nur meinen Job gemacht, wohlgemerkt durchweg die Uniform getragen“ daran spricht selbst in versöhnlicher Statur schon wirklich eher die republikanische, vermeintlich volksnahe Klientel an, die unser Clint nicht erst seit seinem Gespräch mit dem Stuhl salonfähig zu machen versucht. Aber hey, immerhin steht Hanks der graue Bart als Alter-Ego seines Regisseurs besser als diese Sidekick-Pornorotzbremse bei Aaron Eckhart, hubba-hubba, schon wieder wird man da im hohen Alter noch von einer wildfremden Frau umarmt, gut zu wissen!


 

Solch einem alteingesessenen Großwerk wie „Vom Winde verweht“ noch neue Reflexionen abzuringen, ist eine schiere Unmöglichkeit. Zur Erweiterung meiner Mitrede-Qualitäten war trotzdem mal eine Sichtung vonnöten und immerhin mit einer Vielzahl von Widersprüchen gekennzeichnet. Sobald ich Vivien Leigh sah, wollte ich schon gerne mit der Frau anbandeln, der Weg ihrer Scarlett O'Hara überschattete unsere Beziehung jedoch mit einem Zwiespalt, der mich mit der verwöhnten Selbstgefälligkeit der Südstaaten verkuppeln und darin gleichsam Optimierungen erwirken wollte. Die Beschwichtigung nahm sich reichlich Zeit, kam mit malerischem Aufwand und prächtiger Technicolor-Farbendramaturgie auf den Heimatpathos zurück und schwärmte so früh vom Krieg gegen die verdammten Yankees, dass mir das Arsenal an Bewährungsproben zur Herzenssache werden sollte, während das vermeintliche Alter Ego O'Hara so unsympathisch wie nur möglich, ganz wie the south allgemein, um sich allein wetterte sowie der Hof gemacht wurde. Unschlüssig in seinen Perspektiven, suchte das Melodram in der Trauer über den Verlust der Traditionen („knights and their ladies fair, masters and slaves“) dann die Katharsis in männlichen Konterfeis der Abgeklärtheit, Rhett Butler bzw. Ashley Wilkes, und strengte von seinen romantischen Impulsen her Vergleiche der Aufopferung an, die dennoch so fühlbar mit jedem Einzelnen (sprich der gesamten USA im Bürgerkrieg) verknüpft war, dass es umso beachtlicher wirkt, wenn ab der zweiten Hälfte keiner draus gewachsen zu sein scheint – bei vier Stunden Laufzeit eine deftige Quelle für Belanglosigkeiten. Bei den Umständen schwört sich Scarlett höchstens mit markiger Tränenfaust gen Publikum ein, vor Gottes Auge nicht mehr hungern zu wollen, doch ihr Dickkopf an Privilegien macht sich eher an Intrigen und Ayn-Rand-Kapitalmodellen zu schaffen, während Clark Gable auf Screwball geeicht um ihre Gunst wettert und tausend Mal abknutscht, sich an der Ignoranz ihres Herzens jedoch mit Sexwut füllt sowie ihren Kopf wie eine Melone zerquetschen will (ausgerechnet die leidenschaftlichste Veräußerung im ganzen Film). Das Schicksal erzkonservativster Konstruktion gibt ihm ohnehin Recht, wenn alle Verhaltensmuster im Rückwärtstrend bleiben, Blut und Boden per Generationszyklus dahin raffen lassen und eine Scarlett nimmer zu wissen scheint, was gut für sie und den Lauf der Dinge ist.


Einem Macho-Regisseur wie Victor Fleming ist die Selbstständigkeit der Frau sowieso suspekt, an dem Stoff bleiben jedoch konträre Signale übrig, wie sie auch mit dem Wechsel der Spielleitung von George Cukor über Fleming bis hin zu einer Prise Sam Wood einhergehen. Mal ab von der ambivalenten Protagonistenfunktion O'Haras: Die Zielgruppenorientierung versucht durchweg die Romantisierung der prunkvollen Bräuche und Soldatenehre unter Konföderierten, die Relativierung der Sklaverei inklusive horrender Klischees vom angepassten bis trotteligen „Darkie“ (bei Prissy darf man die Prügel durch Scarlett wahlweise als temperamentvoll oder asozial empfinden) sowie eine Note Exploitation im Auftreten der „dirty yankees“ mit ihren äquivalenten Bombeneinschlägen, Rapist-Visagen und Halsabschneidermachenschaften, die von der rotsehenden Scarlett einen Kopfschuss deluxe erhalten – Leighs Qualitäten als Darstellerin verprelle ich da durchaus weniger als die von ihr dargestellte Figur. Allerdings verknüpfen sich diese einseitigen Billig-Anbiederungen noch mit einer Moral der Entsagung binnen aufwendigster Kulissen und Statistenmassen; mit Beobachtungen dessen, wie sich der Charakter eines Menschen in Krisenzeiten und Leidenschaften wandelt oder eben nicht, wie der Verlust des Gegebenen (= Plantagen) mit Größerem kaschiert werden soll, sein Glück aber am Festhalten der Ideale verspielt, während Männlichkeit und Schwarz/Weiß-Menschenkenntnis eisern im moralischen Kompass des hiesigen Zueinanders verbleiben. Kein leichtes Spiel, um mit O'Hara und ihrer ungeschickt zerfahrenen Chronik an Film drum herum zu sympathisieren, wenn die hitzige Familiensaga zudem im Alltagspopel um den Kern des Ganzen mäandert, das Vorantreiben aus Eifersucht und Ehrgeiz via Scarlett mitziehen lässt und über sie urteilt, gezeigt werden soll, wie das Ego seine Mitmenschen mit in den Abgrund stürzen lässt und dennoch übermäßig zentral vom Narrativ repräsentiert wird. Der Durchhalteparolen wegen genießt „Vom Winde verweht“ eben seine soziale Dysfunktion/Destruktion und schämt sich nicht, als Epos mit Ouvertüre und Pause aufzuwarten, ehe der (auch dem Film inhärente) Narzissmus O'Haras dekonstruiert werden soll, dennoch stets auf einen neuen Tag hoffen darf. Man, entscheide dich mal, du Mammutstreifen! Ansonsten leite ich einfach an den gelungeneren Vertreter ähnlichen Heimatgiftes, „Sternsteinhof“, weiter.


 



Als Erstkontakt zum Schaffen Andreas Dresens liefen mir seine „Nachtgestalten“ über den Weg und auch wenn sich das typisch zentralisierte Kreuzungsnarrativ des 90er-Jahre-Indie-Kinos hier über mehrere exemplarische Eskalationen an Randgruppen die Ambition/Prätention der menschlichen Zustandserfassung aufbrummt, ein Stück weit Spekulation und soziales Melodram betreibt, hängt man sich durchweg per Kurzweil mit dran. Was unter anderer Hand in weltfremder Konstruktion für Kopfschütteln sorgen könnte, kann hier noch eine Rohheit für sich beanspruchen, die der zentralen Stadt Berlin an Räudigkeit alle Ehre macht, gleichsam von Obdachlosen, Junkies und ausgelaugten Arbeitertypen eingenommen wird, die in Schuppen keimigster Ausstattung am Jargon feilen, abrauschen und sich prügeln, um füreinander zu sorgen – immerhin kommt ja der Papst zu Besuch in die City und somit auf die kollektive Glotze. Die Gnade innerhalb von Prostitution, Rassismus, Spritzen, (Schwarzer) Netto-Tüten, Telekom-Telefonzellen, Fahrkartenkontrollen und einer Handvoll 100-DM-Scheine – so sieht man Deutschland gerne abschludern, ohne dass die totale Misere am Gewissen rüttelt, wenn auch Laiendarsteller-Punks ebenso kinotauglich ans Meer wollen, weil solch ein Morgengrauen die einzig mögliche dramaturgische Schlussfolgerung zu der Zeit war, extremisierte Leidenshürden im Vornherein sowieso. Dresens etwas verhaltener Kommentar auf die versöhnliche bis heuchelnde Filmlandschaft des Milieu-Querschnittspathos scheut sich da gewiss nicht vor Stereotypen und einer Aussagekraft à la „Schwarzfahrer“ (1993), immerhin lüftet er die Konventionen mit Handkameras aus, die von heute sein könnten und sich dreckig machen, wenn dann noch der gegenseitig aufbauende Kontakt der Welten paarweise empathisiert wird – Hochmut und Unschuld, Naivität und Absturz, Arroganz und Enttäuschung, Faust und Gesicht, Kotzklo und Edelbleibe. Manch Parallelschnitt weiß da offensichtliche Aha-Anschlusspunkte im Gesellschaftskontrast, die Nacht um den Reiz der Neonlichter und traurigen Pennerkutten, dass die teils steifen Konfrontationsphrasen mitten drin schon an Reibung bocken, die offenen Hoffnungen im Frust aus Mittellosigkeit oder Burn-Out weder moralinsauer noch vollends erfüllt auf den Senkel gehen können.



Überraschung! Weil ich diese Ein-Satz-Kritiken von letzter Woche so mochte, will ich es nicht versäumen, dem unter der Woche gesichteten, positiven wie negativen und hier nicht zur Besprechung gekommenen Werken doch noch einen verdienten Platz einzuräumen, den ich in Zukunft natürlich versuche, stets zur Verfügung zu stellen. More bang for your buck ist da vielleicht das entsprechende Argument, also dann:

„Es geschah um 8 Uhr 30“ - William Castles Mädelsabend inklusive Telefonstreichen und dressiertem Spitz keift sich mit Joan Crawford so beschwingt ins mörderische Herz John Irelands, dass die lasche Spannungskurve des Erwischt-Werdens noch effektiv genug beglückt.

„Montag kommen die Fenster“ - Die Berliner Schule züchtigt sich so diffus (manchmal zu doll) in Beziehungsunfähigkeiten hinein, dass der Sog ungewisser Bedürfnisse voll Naturalismus in Wahrhaftigkeiten der Dissonanz schlafwandelt, nackt sägt.

„Der Tod küsst dich um Mitternacht“ - Susan Scott verfällt dem Reiz des wohlhabenden Frank Wolff und stript sich in den Giallo, der seine Opfer spielerisch ähneln lässt, sein Arsenal an Blinden, Kontaktlinsen und Auflösungen mit Handkanten, kecken Britenbullen sowie einem niedlichen Winke-Winke-Schluss austeilt.

„Alakazam – König der Tiere“ - Ein kleiner Affe auf dem Gipfel der Welt will sich in diesem 1960er Anime mit übernatürlichen Zauberkräften missen, muss für seinen Hochmut reichlich Proben einstecken, darf aber auch animierten Wahnwitz im Überfluss ausüben, dass man an bunter Verstrahlung explodiert.

„Argoman – Der phantastische Supermann“ - Obwohl sich der Eurohero-Beat mit poppigem Pfiff und Telekinesis in die Topoi des Hau-Drauf-Abenteuers steuert, per Hovercraft, Playboy-Allüren, Robotern und dusseligen Schergen bockt, schleppt er sich einige witzlose Längen an Standard-Chic ein.

„Seeding of a Ghost“ - Die Gore-Rache traditioneller, schwarzer Magie geht grell und nekrophil gegen glücklicherweise sehr oft ausgezogene Ehebrecher und Sexualverbrecher vor, ist als erzkonservative Exploitation aber so fix entschlüsselbar, dass der Reiz etwas verflacht.

„Drei Kugeln für Ringo“ - Der sympathische Italowestern sucht in den Wirren des amerikanischen Bürgerkrieges das schnelle Geld, nach der Blindheit durch Selbstaufgabe aber auch eine verschollen geglaubte Freundschaft im Sinne der Gerechtigkeit, während Blitz und Donner im Staub einschlagen.

„The Bling Ring“ - Sofia Coppolas Diebe eitler Statussymbole verirren sich allzu willig im Sog der Entmenschlichung und kriegen ihre Läuterung der Verlorenheit schon von selbst über Voiceover auf den Weg, während die kältesten Lügen ihre TV-Präsenz erhalten und man als Zuschauer keine Fragen mehr offen hat.

„Ruined Heart“ - Khavn versucht, narrative Muster im Fokus audiovisueller Erzählung einweichen zu lassen, pflastert sein universelles Narrativ jedoch mit platter Christen-Symbolik und prätentiöser Hipster-Attitüde zum Musterbeispiel der Nichtigkeit zurecht.

„Hasse deinen Nächsten“ - Ferdinando Baldi fräst sich schon um 1968 so lustlos durch den rächenden Standard an Italowestern-Topoi, dass der Titel selbst zum einsamen Höhepunkt aufläuft, höchstens George Eastman distinktiv ambivalenten Charakter vorlebt.

„Wir sind die Nacht“ - Wie kommt es, dass Dennis Gansels Vampir-Variation im Hollywood-Gloss trotz der Abarbeitung stumpfer Klischees, plakativer Menschenkenntnis-Phrasen, kaum genutzter Berlin-Location und grenzwertiger No-Homo-Moral einen relativ hohen Ruf für sich verbuchen kann?

„Der Herrscher“ - Wenn Veit Harlan Propaganda macht, ist es stets die versimpelste Soße voll antagonistischer Karikaturen sowie einfallslosester Bauerntheaterinszenierung und da ist dieses Emil-Jannings-Vehikel über die Führerqualitäten hin zur Übergabe an die Volksgemeinschaft keine Ausnahme, ideologisch fürs dritte Reich und die DDR zugleich tauglich.

So, jetzt geht's weiter im Text!




Pou-Soi Cheang lässt sich mit „Lethal Warrior“, der überlebensgroßen Fortsetzung von „Kill Zone S.P.L.“, weiterhin als konkreter Kuppler dramaturgischer Triebe, menschlicher Belange und schnieker Schauwerte schätzen, obgleich sich die Actionthriller-Mär um Blut, Knochenmark, Verwandtschaft und Verantwortung an ein äußerst ambitioniertes Figurennetz versucht. Fast jede Instanz an Empathie und Antagonie, Nationalität und Sprache ist hier mit einer komplex erbauten Rückkopplung an Motiven ausgestattet, jeweils pointiert und kurzweilig schlicht im Staffellauf individueller wie kontrahierender Spannungen erläutert, ehe Cheang seine Effizienz via Würze auf Martial-Arts-Sequenzen (sowie einige psychische Introspektiven, die ich gerne mal in 3D sehen würde) abdrückt. Letztere werden erst recht bewusst phantastisch gesteigert, während die Heroic-Bloodshed-Oper drum herum ihre melodramatischen Palindrome aufzieht – eine recht glückliche Allianz unter vielen in diesem Film. Das größte Herzstück ist da bei Wärter Chai (Tony Jaa) angelegt, der von Thailand aus einen Spender für seine an Leukämie erkrankte Tochter sucht, welcher jedoch als Undercover-Cop Hongkongs (Ju Wing als Chan Chi-Kit) von Drogen und Selbsthass verzerrt in die Kämpfe dreier Brüder eingeschleust wird, von denen einer sein Herz zum Überleben des Anderen überlassen soll. Blut ist dicker als Wasser, an dieser Stelle jedoch gleichsam trüb, weshalb die Offenbarung verzweigter Lebenspfade in flottem Detail mehr Platz und Interesse als die Katharsis der Action-Highlights einnimmt, selbst im Sumpf des Verbrechens aber auch aus der Notwendigkeit der Globalisierung schöpft, wenn der Film seine Logistik/Spannung universeller Verständigung webt, dort anhand von Emojis und Bildern Tearjerking ohne Tears betreibt, wie es nur der asiatische Mainstream so ungeniert sentimental in der Präsenz der bloßen Umstände hinzubekommen scheint. Sogar eine penetrante Imagepflege für jedwede Politik Festlandchinas bleibt einem meines Erachtens ebenso erspart.


Allzu platte Emotionsmuster weiß Cheang ohnehin mit dem Ansporn bestimmter Kohärenz zu umspielen, was sich nicht mal mit dem Einstieg in Entzugs- und Ausbruchsszenarien knallharter Kinematik beißt, eher noch Balladen des Weiterkämpfens aus Liebe drunter mischt, dass sich kontinuierliche Eskalationen an Schuld, Furcht, Onkel Simon Yam, Güte und Mut schon nach Musical-Manier ablaufend auf die Essenz jener Bewältigungen bugsieren, dementsprechend markante Sequenzen schöpfen. Das Ensemble menschlicher Natur bringt da zudem nebenbei wie auch fern der Explizität brutale Eindrücke des aktuell Unmenschlichen hinein - Organraub, Verstümmelung, Kindermord, überhaupt kühl erzwungene Gegenleistungen zum Überleben, die vor Ort verletzen und an anderer Stelle/Perspektive retten können, dass es maximal bitter werden könnte, wenn sich Cheang unbedingten Realismus auf die Schultern hieven würde. „Lethal Warrior“ will allerdings nicht so wichtig tun, weiß, was man als Zuschauer dazu empfindet und kommt umso stärker, wohlgemerkt ohne zynische Fallen an Feindbildern und Konsorten an, wenn die Sachverhalte wie eben Drogenabhängigkeit oder Menschenhandel für sich stehen. Er wirft sich sodann öfters bei Gelegenheit freier um, als es die Symbole der Verbundenheit vorstrecken und macht herzlich Blutwurst aus dem Habitus des Leiden und Leiden lassen, wo zu alledem auch noch die Choreographie stimmt. Klingen fliegen, Knie treten, Scheiben klirren, dass sich Knochen und Karren kloppen, Freundschaften schon bar aufgeklärter Identitäten formen und die Entschlüsse des Gewissens mehr wiegen als jeder eskapistische Impuls. Binnen jener Traube vielschichtiger Genre-Feelings machen aber gerade die letzten Minuten kurzzeitig Schluss – immer hört's auf, wenn's am schönsten ist, in diesem Fall auch, wenn das Vorangegangene Feingefühl und kernigen Aberwitz zugleich auf den Punkt zu bringen scheint und es sich letztendlich doch zu einfach macht. Naja, da bleibt einem ja immer noch die Rückspultaste, ohnehin eine Sondereinheit martialischer Poesie.


 


An einem Fetzen der Eitelkeit darf man sich erfreuen, sobald „La croce dalle sette pietre“ in unbeholfener Eigenregie für Genre-Unterhaltung sorgen will. Autorenfilmer, Cutter, Hauptdarsteller und SFX-Maestro Marco Antonio Andolfi begibt sich dafür anno 1987 in die Kintopp-Mythen des Horrors und birgt eine Werwolf-Variation, die sich im Schleichtempo von einem Urlaubsort zum anderen schreibt, weibliche Bekanntschaften in der Reihenfolge liebkosender Hörigkeit implantiert sowie Sexszenen (mit Erotikdarstellerinnen wie Annie Belle und Zaira Zoccheddu) und bestialische Lustmorde des Adonis-Körpers wegen in nackter Monsterkluft ballt. Das Mindestmaß an narrativem Gehalt erzählt unser Protagonist Marco sodann mit Rückblenden eines tragischen Schicksals (Ödipus-Komplex) nach, welches sich in der Gegenwart mit Dieben, Hehlern und Gangstern fortsetzt, während okkulte Orgien via Gordon Mitchell die Seelen rundum anhand von Heroinspritzen bannen und daher die Wiedererweckung des satanisch holprigen Tieres im Manne gut gebrauchen können. Nicht, dass sich jene Parteien jemals (schon gar nicht dynamisch) in der Mitte treffen, stattdessen begleitet man Marco durch ein Neapel, das mehrere Einheiten an Polizisten verdächtigst hintereinander reiht, welche trotz enorm konstruierter Zufälle für eine flotte Strafverfolgung kleinster Delikte sorgen. Dass nicht mal das Klischee der Korruption erfüllt wird, ist exemplarisch noch die drolligste Naivität von Andolfis Weltbild. Weil Marcos Kreuz mit sieben Juwelen jedoch verloren bleibt, nimmt er das Gesetz in die eigene Hand und macht sich über mehrere Stereotypen der Gier auf die blasse wie überchargierende Suche, ehe um Mitternacht ausgewalzte, haarige Verwandlungen seinerseits stattfinden. Bis dahin sollte man sich auf die verstrahlten Schnittmuster und Antiklimaxe aller Szenen eingelassen haben, ansonsten dürfte Andolfis Montage des lykanthropen Deliriums in ihrer Überlänge den Vogel abschießen, der jedoch einige tolle Eigenarten des Stumpfsinns verpassen würde. Zum Beispiel, wie schnell und energisch sich alle Frauen an einen Charmebefreiten wie Andolfi ranschmeißt, wie einfach man sich vor stupiden Mafiaschergen verstecken kann, eben wie gesamtschludrig die Kompensation Andolfis für einen bizarren Rausch an Masken und Schlitzern sorgt, welcher in der filmischen Sprache verloren wirkt und dennoch eine Pastiche greller Schmierigkeit fabriziert.




Bei einem Titel wie „Die Schöne und das Ungeheuer“ kommt man nicht allzu doll ins Schätzen, mit welchem Stoff man da liebäugelt, bei einer Adaption von Juraj Herz ist jene Klausel des Bekannten aber schnell vom Tisch. Die tschechische Verfilmung des Märchens von 1978 steigt mit einer Grenzerfahrung an Verwirklichung in die Scham der Verrohung ein, dass man genauso gut einen Andrzej Zulawski hinter der Kamera vermuten könnte, verknüpfe man dessen übernatürliche Körperwelten der Einsamkeit mit dem Ringen um die bedingungslose Liebe. Klingt ziemlich basic, ist es vom narrativen Spektrum her auch, da die Grundzüge der Geschichte hier teils elliptisch verbildlicht werden, konstant den Diskurs um das Oberthema verwachsener Entbehrungen von der sowie zurück zur Menschlichkeit halten, sich zudem verstärkt von musikalischen Leitthemen und Lebensumständen führen lassen, obgleich die Motivationen nicht aus der spekulativen Mottenkiste abgegriffen werden, wenn Herz schon auf Audiovisuelles setzt. Er lässt sich dafür von einem intensiven Naturalismus bestimmen, der in seinem verschlissenen Abbild der Jahrhunderte permanent lebendig abschmiert und eine Karawane an Hürden zeigt, die sich vom unfassbar schaurigen Wald direkt in Ölgemälden abgestandenen Prunks fortsetzt. Da muss man nicht mal zwangsläufig einen Klassenkampf herauslesen, so wie sich das Makabre am Gesamtbild des Ambientes streckt, mit erdrückender Bassorgel punktgenau auf den Horror des Daseins weist, der im Überfall der Pranken des Ungeheuers (Vlastimil Harapes) seine schmerzhafte Konsequenz erfüllt. Im Blick auf das Dorf in der Nähe, mit seinen Nutztiere schlachtenden Volk im normalen Alltagsumgang, ist die lichte Seite ebenfalls nicht frei vom Tod und beim reichsten Kaufmann vor Ort (Václav Voska) gleichsam kaum auf eine Kritik des Verwöhnten aus, so wankelmütig Besitz in jenen Zeiten definiert ist. Zwei von seinen drei Töchtern haben ein höchstens blindes Gefühl für ihre Unersättlichkeit, lediglich Julie (Zdena Studenková), ganz nach ihrer Mutter kommend, weiß mit der Bescheidenheit binnen der Umstände umzugehen – das beherzigt auch ihr zärtliches Streicherthema. Sie wird zudem jene Freiwillige, die sich dem Ungeheuer stellt, nachdem der Vater im verzweifelten Handel mit den Schätzen der Erinnerung die Natur des um die Erinnerung gehemmten herausfordert, eben wie Mensch und Biest auf jenem Plateau noch zu unterscheiden sind, wenn sich allesamt hin-, her- und zerreißen.


Der Prozess ist durchaus in der Furcht verankert, aber in seiner Eminenz nicht ohne Grund teilweise aus der Egoperspektive des Verdrängenden erzählt, wenn das Ungeheuer droht/von sich selbst abweist, in einem Schloss aus Unkraut, Schimmel, Schleim und Ruß haust, welche in Körpern herrschen und dienen, wie es in jener surrealen Finsternis für schleichenden Grusel sorgt, die Untiefen seelischer Zerstörung manifestiert. Dort kommt schließlich Julie an und legt sich selbstlos in die Schatten, so ungewiss und doch entschlossen zum Leben mit dem selbsternannten Monster, das sich nicht vor ihr zeigen will, aus eigener Angst Intaktes zerstört und ihr mehrmals den Entschluss zur Flucht überlässt, den sie aus der Sorge um das Wesen der Einsamkeit nimmer fassen mag. Herz begründet das nicht mit bloßer Romantik der Romanze wegen, so morbide die (Selbst-)Zweifel in beiderseitigem Verständnis schweben, eben auf den gekoppelten Opfern der Menschlichkeit an der Distanz fiebern, grausig erscheine n und in dem Wesen natürlich unausgesprochen um eine Nähe bitten, die sich vom Äußeren des Schreckens bzw. dem Status des Normalen weg füreinander einsetzt – was Herz dann auch binnen derer Dunkelheit zwischen Schnee, Ästen, Toren, wärmstens unheimlichen Kerzen und Katakomben beleuchtet, mit den Erwartungen des Sehens spielt, diese aber nicht des Genre-Effekts wegen ausspielt. Das greift auf Grundeigenschaften der Empathie zurück, wie sie in dem märchenhaften Rahmen natürlich freimütiger, aber unvergleichbar wesentlich angefühlt werden, so wie Herz seine Stimmungsdimensionen mit den Blicken und Fassungen seiner Gestalten, erst recht den verhaltenen, zu voller Blüte bringt oder eben in den Aussichten schmerzhafter Teilung darum verzweifelt. Muss man nicht mal ausschließlich als melodramatisch erfassen, so ist die bittere und erkrankte Zwischenwelt hier höchstens eine Schönheit in spe, kühl auf die Widersprüchlichkeiten der Liebe ansprechbar und unausweichlich zu Flammen und Dreck geformt, sobald sich die Probe der emotionalen Rückkehr in furchtsame Abhängigkeiten steigert, genauso destruktiv von ihnen abwendet. Kurz vor Schluss tritt der Film dadurch ein bisschen auf der Stelle, was seine Dynamiken abwägender Zuwendung angeht, bis dahin hat man sich jedoch bestenfalls so gut ins Verständnis zur Verwüstung hinein gelebt, dass der absehbare Aufstieg ins Happy-End nicht bloß Kalkül darstellt, sondern bis ins Mark vom Herzen kommt.

Das war vielleicht mein schlimmster Schlusssatz seit langem.

Sonntag, 22. November 2015

Tipps vom 16.11. - 22.11.2015

 

HANA-BI - FEUERBLUME - "[...] Er macht sich und dem Zuschauer keine Illusionen, ohne zynisch zu werden. Sein Protagonist handelt stets aus Solidarität, benutzt nicht immer den legalen Weg, hält sich dabei aber auch nur an eine Welt, die mit Gewalt Verhältnisse bestimmt – das Blut spritzt infolgedessen so, wie Blumen in ihren Farben aufblühen. [...] Dieser Kontrast vereint sich wie der Film auf Messers Schneide, will mit dem Herzen aus der Gewalt flüchten und dafür ein Feuerwerk entfesseln. Kämpfe um Liebe und Glück sind oftmals die schwierigsten im Leben, aber selbst in den kleinsten Augenblicken oder Stillleben von Wert. Kitano drückt dies eher in Tat und Bild denn in Worten aus – direkt mit Essstäbchen ins Auge und Glocke ins Ohr. Revolverkugeln bleiben in der Faust, Sterne auf der Leinwand, Blut bleibt im Schnee, die Umarmung am Strand. [...]"


(Die komplette Kritik gibt es auf CEREALITY.NET zu lesen.)




THE DEMONS - "[...] Nicht jede Erwartung wird erfüllt, aber auch nicht jede umgekehrt – man ist wie Félix im Lernprozess, nicht bloß innerhalb der Schulmauern. Der Film ist dabei keinesfalls auf eine kindliche Zielgruppe ausgerichtet, da er vermeintlich erwachsene Schauwerte beiläufig oder genüsslich overstated behandelt. Im Vordergrund steht die Kombination von Beobachtung und Leichtgläubigkeit, mit der sich die eigene Wahrheit formt. Im Kontrast dazu üben Erwachsene genügend Verwirrung, je mehr sie sich in Lügen verstricken und manipulieren. Etwas vorzuspielen, das können beide Größenordnungen, doch Kinder hadern mit einer Ungewissheit, die Regisseur und Autor Lesage ebenso bei seiner Anordnung der Geschehnisse gebraucht. Es liegt am Zuschauer, die Assoziationen zu erkennen, nicht aber, eine Wertung vorgefertigt zu bekommen [...]"



(Die komplette Kritik gibt es auf CEREALITY.NET zu lesen.)




BODY ROCK - Ein verlorener Klassiker kommt aus der Unbekanntheit zurück und liefert genau das, was man sich von einem Film anno 1984 erhofft, der Lorenzo Lamas als Breakdancer Chilly D. inne hat, Sylvester Levay („Die City-Cobra“, „Stone Cold“!) an die Keyboardtasten drückt, Graffiti und schmierige Club-Atmosphäre durch New York City peitscht, anhand Robby Müllers (!) Kamera durch Plansequenzen und Neon-Spielereien in einen unnachgiebigen Strahl der Energie verwandelt sowie ein simples, wie effektives Narrativ der Milieu-Karriere mit ausbeuterischem Manager anwendet, welcher Freunde und Liebe abkanzelt, bis dann doch die herzliche Einsicht kommt. Dafür muss diesmal im Vergleich zu „Beat Street“ nicht mal jemand sterben, es gibt höchstens was auf die Nase, ansonsten Sex im Designer-Loft und im Ausdruckstanz, schüchterne Liebe auf der Couch und Kaffee für Frau Mutter, bevor es in die Stadt geht, um einige frische Tanzbewegungen mit Little Magic auf dicht befahrener Straße zwischen Wolkenkratzern zu üben. Das macht soviel Laune wie es schon verrückte Kleidungsstücke ins Auge stechen lassen, ganz zu schweigen von funktionsfreien Dekorationen sowie Ohrringen für Männer und Jumpsuits für Frauen und andersrum. Das romantisierte Stadtleben daran bemüht sich durchweg um das Überleben der Freundschaft und um den Eingang zu fetzigen Tanzschuppen, um allen voran den grellen Elan am Tanzen auszuleben.

Dynamik ist dabei das treibende Stichwort dieser 80's Fantasy, die sich zudem mit einer Berliner Kinosynchronisation brüsten kann, die nicht nur liebevoll den Spielspaß der Darsteller umzusetzen weiß, sondern erst recht mit Wort- und Satzschöpfungen begeistert. „Wir müssen die Sache pfeffern.“, „Du hast ihm echt ne Nase gemacht?“, „Oberwatussi“ und noch viel mehr an Ultradialogen gesellen sich zu einem Ensemble, das genauso vergnügt über Tanzflächen springt, wie es Flaschen in Lack-&-Leder zerdeppert und sogar direkt in die Kamera spricht, um Kontrastbilder von Massengefolge und engem Freundeskreis zu erschaffen. Und ja, Lorenzo Lamas singt auch selbst mit, falls sich jemand daran erfreuen will - und warum auch nicht, wenn die durchgängige Musikalität des Ganzen im Abspann letztendlich nicht bloß ein bis zwei Tracks abspielt, sondern gleich ein Medley der Playlist aufbietet? Das überwältigt einen vor Geilheit, wie der Film ohnehin recht eigenwillig von einer Szene in die nächste fließen kann, womit er stets aufs Neue überrascht und doch in beinahe allen Belangen beglücken kann, sofern man sich für derartige Zeitkapseln interessiert. Wer das schon an bekannteren Verwandten wie „Breakin'“ sowie „Breakin' 2: Electric Boogaloo“ schätzte und gerne etwas in derselben Ader binnen NYC sehen will, trifft hier die beste Wahl.




BRIDGE OF SPIES - DER UNTERHÄNDLER - "[...] Der Pilot dessen heißt bezeichnenderweise Lieutenant Powers. Wer besitzt am Ende also die Macht in diesem Konflikt? Die Frage lässt sich ebenso zur Gestaltung des Films stellen, welche einzelne Aspekte der Coen-Topoi patriotisch interpretiert, obgleich sich die Kritik an der amerikanischen Auslegung der Demokratie stets bemerkbar macht. [...] Größtenteils bemüht sich der Film dort, die Umständlichkeit beider Seiten zu charakterisieren, die sich mit Machtspielen, Einschüchterungen und Mauern schlagen – ganz gleich, wie es um Einzelschicksale steht. Das sowjetische System wird durchaus unbarmherziger gezeichnet, das amerikanische hingegen verkauft seine Humanität mit einer Kälte, der man genauso wenig vertrauen will. Spielberg jedenfalls kommt nur schwer ohne Optimismus aus [...] Beachtlich ist dennoch, wie Alltagshorror, politisches Kalkül und das Streben nach Güte in einem wechselhaften Guss münden, der mit seinen 141 Minuten Laufzeit beinahe im Flug vergeht [...]"



(Die komplette Kritik gibt es auf CEREALITY.NET zu lesen.)




SURF NINJAS - Das unnachgiebige Tempo, mit dem die deutsche Synchronisation hier eine Sprucherfindung nach der anderen raus haut und vor allem per Rob Schneider so abgefuckt an der Handlung vorbei schwimmt, ist selbst im Rahmen obskurer 90er Jahre Komödien unerreicht. Nicht, dass der Film in seiner teils ungelenken und teils doch kostengünstigen Mischung aus Surfer-Komödie, Ninja-Action, Insel-Irrsinn und vager Genre-Parodie wirklich überzeugen würde. Dem englischen O-Ton möchte man ebenso nicht so schnell begegnen, so wie der rein objektive Humor ohne Synchro-Bonus ziemlich lasch ausfallen dürfte. Allerdings ist dieser eine Fundgrube verpeilten Slangs, dem man schlicht mit Reihen an unfassbaren Lachkrämpfen entgegenkommen kann. Einige Highlights für den Alltagsgebrauch gefällig (ja, es wurden Notizen gemacht)? „Fusselkratze“, „Schnapsgurkenjocky“, „Muckelland“, „Duck dich, Schicksal!“, „Wollen wir brettmäßig ne Runde absurfen?“, „Raffinierter Bootverstecker“, etc. Jene Menge an durchgeballerten Schwachsinnsphrasen, an die ich mich als kontemporäre Jugendsprache mal so gar nicht erinnern kann, dürfte unter Umständen sicherlich erschöpfen, aber zur Rezeption sei erwähnt, dass es ebenso durchaus von Vorteil war, ein Bier und knapp eine halbe Flasche Rotwein intus zu haben.



Auch nüchtern dürfte man dem naiven Wahnsinnsvergnügen mit Sympathie begegnen können, auch wenn die erste Hälfte etwas flotter vom Band abläuft, als das leicht schleppende Action-Segment mit einem nur spärlich etablierten Leslie Nielsen als Bösewicht. Im Grunde ist er ebenso eine Witzfigur wie alle anderen auch - selbst der Mythos in Flashbacks meint, dass die prophezeiten Heroen gerne die Cosbys sehen wollten, wohlgemerkt in der deutschen Fassung - das wird da wortwörtlich so gesagt! Und wenn am Ende Honecker in Chile verortet wird, ist das Abenteuer komplett im Abwegigen gelandet. Was hat man damit fürs Leben gewonnen? Im besten Fall eine Menge Spaß, im schlimmsten Fall einen filmischen Absturz - in allen Fällen geht es in eine Ecke anarchischen Eskapismus, der sich durch zig Trends des Zeitgeists durchackert und durchweg im bunten Extrem für Kids landet. Für was werdet Ihr Euch entscheiden, liebe zitronenmäßige Leser?




DIE HIGHLIGEN DREI KÖNIGE - "[...] Darüber hinaus schlägt das Drehbuch aber eher heitere denn schwarze Töne an und zeichnet Drogenchaos und absurde Krippenspiele als Slapstick, der sympathisch auf den Arsch plumpst. Selbst der kindische Hang zur Gay Panic, wie bei „Das ist das Ende“ und Konsorten präsent, wird diesmal heruntergeschraubt: Je mehr Dick-Pics Rogen ins Auge fasst, umso stärker ist er von diesen beeindruckt. Wenn es aber darum geht, welche Geschichte der Film erzählen will, hält er sich doch ziemlich einfach und geradezu zweckmäßig, als dass das Schicksal Ethans Resonanz erzeugt. Jeder Akt der Verzweiflung scheitert letztendlich an der Leichtfüßigkeit der Gesamtgestaltung, die nicht mehr als eine lustige Sause vermitteln will und dabei auch audiovisuelle Schmankerl der Gefälligkeit liefert. Der Film ist zu spießig, um sich wirklich etwas zu trauen – ganz gleich, ob er den Status quo seines Protagonisten zum Besseren zu verändern versucht, ist der rundum beibehaltene Status quo der Weihnachtsgüte von Grund auf überlegen. Zumindest geht damit auch eine gute Menge Unbekümmertheit einher [...]"



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STONEWALL - "[...] Immerhin drosselt er sein Tempo zur Zeichnung der Charaktere, die Stereotype sein mögen, denen man aber durch den mit seiner Selbstfindung hadernden Danny (Jeremy Irvine) einigermaßen bodenständig durch die Stationen des Unverständnisses folgt. [...] Emmerich will den Kampf gegen das Unrecht im möglichst nachvollziehbaren (sprich weißen und unschuldigen) Individuum ansiedeln, unterminiert aber das Engagement der Politik [...] Sein Film ist unentschlossen, ob er sich von der Zeitgeschichte oder den fiktiven Charakteren steuern lassen will, wodurch die Interaktion beider Parteien gehemmt wird. Das damalige Geschehen um Stonewall erfordert weitaus mehr Wahrhaftigkeit, das Ensemble mehr Eigenleben. [...]"



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Sonntag, 29. September 2013

Tipps vom 23.09. - 29.09.2013

 

BARBARELLA - Das süßeste und unbedarfteste, psychotronische und bizarr-ausgeschmückte Swinging-Euro-Sci-Fi-Pulp-Abenteuer, dass es wohl gibt. Ich würde BARBARELLA heiraten, wenn das ginge ♥ In den tiefen Weiten des knallbunten, verschrobenen Psychedelica-Universums muss es sie ja irgendwo geben. Hach...




TORE TANZT - (GESICHTET AUF DEM FILMFEST HAMBURG)

Ein höchst sympathischer und glaubensfester, junger 'Jesus-Freak' erlebt seine erbarmungslos-verstörende Passion im deutschen Schrebergarten.

Ähnlich wie Seidl's PARADIES-Triloge in die Kapitel 'Glaube', 'Liebe', 'Hoffnung' eingeteilt, entwickelt sich die Glaubensprobe anfangs noch wunderbar-leichtfüßig (sowieso großes Lob dafür, dass man vermieden hat, sich hier über Religion lächerlich zu machen), wird dann aber immer stetiger von der latenten Bedrohlichkeit unterwandert und kulminiert in einer psychischen & physischen Grausamkeit, die im deutschen Kino selten so eindringlich und gewissermaßen-apokalyptisch gelang.

Die Wege, die Regisseurin & Drehbuchautorin Katrin Gebbe dabei geht, sind zwar teilweise nicht ganz ungewohnt für Kenner des kontroversen Kinos, besitzen aber eine emotionale Schlagkraft, die besonders von dem äußerst authentischen Darstellerensemble und der naturalistischen Inszenierung getragen werden, einen immer tiefer in das moralisch abgrundtief finstere Fegefeuer des nihilistischen Menschseins hineinführen.

TORE TANZT bleibt dabei aber auch so schnörkellos-subtil und gleichzeitig nah am Menschen, dass die Greifbarkeit der Charaktere beim Zuschauer einschneidend-schockierend & bitter wirkt, bis hin zum eruptiv-entsetzlichen Finale.

Eine mächtige, herausfordernde Wucht - kein Wunder, dass er letztendlich als Oscar-Kandidat für den besten, ausländischen Film abgelehnt wurde: TORE TANZT ist mutig, extrem, unheilvoll, wahrhaftig und sowieso basierend auf einer wahren Begebenheit - schneidet sich behutsam und starr-vor-Fassungslosigkeit zur Wurzel der Dunkelheit hervor.




BLUE STEEL - Megan Turner (Jamie Lee Curtis) schlägt sich in Kathryn Bigelow's hochspannenden Crime-Thriller (nach einem Drehbuch von ihr selbst und Eric 'Cohen & Tate' Red) als frisch-gebackene und recht unsichere Polizistin durch das unbarmherzig-subversive Milieu New York's (dessen nächtliche Skyline Bigelow beinahe schweigsam von MAN OF STEEL-Kinematograph Amir Mokri abfliegen lässt, die kühle Distanz dieser Welt umso greifbarer macht), dass sich in der soziopathischen, diabolisch-charmanten Kälte des manischen Börsentiers Eugene Hunt (Ron Silver, R.I.P.) manifestiert, der seine Gewaltfantasien ausleben kann, als er bei ihrem ersten, recht missglückten (für sie konsequenzreichen) Einsatz gegen einen Räuber dessen Revolver an sich nimmt.

Im heftigen Regen treffen sich die Beiden wieder und werden sich einander sympathisch, während die bedrohliche Sphäre des Brad-Fiedel-Scores (den Bigelow sich von ihrem damaligen Ehemann Jim Cameron ausgeliehen hat) ihr Verhängis besiegelt, denn Hunt spielt ein teuflisch-mörderisches Spiel mit ihr...

Die Männerwelt ist ihr gegenüber sowieso nur gering vertrauensvoll, angefangen bei ihrem Bullen-hassenden Vater (der seine Frau prügelt) bis hin zu ihrem wütenden Chief. Allenfalls 'Der Kurgan' Clancy Brown als rauhbeiniger Detektiv Nick Mann (!) will ihr unter die Arme greifen und helfen, ihren Namen reinzuwaschen - denn Hunt kratzt auf den Salven des Revolvers eben ihren Namen ein, mit welchen er mehrere Menschen lustvoll erschießt, ähnlich wie in Friedkin's RAMPAGE zudem extatisch das Blut seiner Opfer über seinen Körper verschmiert.

Sein Wahn entfesselt sich in einer furchterregend-krassen (und schaurig-gemäßigt gespielten) 'Liebeserklärung' an Megan, durch welche sie ihn, der sich ihr nun als unberechenbare Bestie offenbart hat, als Verdächtigen festnehmen lässt - doch er kommt dank seinem feindselig-gewieften Anwalt (Richard Jenkins), ein weiterer Mann gegen Megan, wieder frei. Das wahre Grauen fängt aber jetzt erst an...

Recht intensive Schauermär, dieser astreine (im besten Sinne) Frauenthriller, der sich (vor allem zum infernalisch-entrücktem, in Zeitlupen aufgelöstem Finale hin) alptraumartig durch die psychischen, vergewaltigenden Tiefen des haltlos-gewaltvergifteten Amerikas kämpft, dass selbst in den verhauchten Tiefen des Abspanns noch sein unaufhaltbares Echo ausstrahlt. Eben weit mehr als eine bloße Emanzipations-Metapher - diese profunde, eindringliche Abrechnung mit der Angst.




BEGOTTEN - Dechiffrierte Signale aus der Zwischenwelt oder in der DNA-verankerte, urmenschliche Erinnerungen aus unserem Unterbewusstsein?


Genau lässt sich der Ursprung des Materials nicht feststellen. Wir besichtigen in BEGOTTEN entweder Found-Footage oder Sinnestranskripte aus der Chronik vom Ursprung der Menschheit/eines Menschen und dessen Vernichtung/Wiederauferstehung durch die grausam-diktatorische Natur.


 Eine lebensunfähige, humanoide Kreatur, hineingeboren in eine übernatürlich-primitive, rücksichtslos-schändende Kultur, unabhängig von leicht differenzierbaren Begriffen wie Himmel & Hölle, erlebt in deren hypnotischen Taumel zersetzender Körper- & Zeitdimensionen die unbarmherzige Zerstörung und das Recycling seines Daseins.


Ein verstörendes Zeugnis von mutierter Natur, Triebhaftigkeit und Tod - und möglicherweise der Kreation unserer Existenz. In unheilvollen, zerätzten Bilderwelten eingefangen, die uns für immer verfolgen werden...




MAGNUM 45 - Der kreative Struwwelpeter-Mörder geht in Mailand herum, tötet Frauen & Männer mit übergroßen Schraubenschlüsseln, aus dem Nebel kommenden Lastwagen und Gesichtsverbrennungen - lässt dabei Illustrationen vom Hoffmann-Kinderbuch am Tatort zurück. Die Panik in der Stadt kennt keine Grenzen: manche Leute, die den Fall im TV besprechen, werden sogar live per Kopfschuss abgeknallt - und trotzdem sehen wir im Vorbeifahren bei hellem Tageslicht einige Paare im Park wild herumverkehren!

Der spackig-rauchende Kommissar Lomenzo inkl. Husten- und Wutanfällen ermittelt zynisch-rabiat, ab und zu zusammen mit Tom Skerritt, in jenem brisanten Fall. Diskutiert auch zwangsläufig zur Beschaffung von Hinweisen mit Casino-Besitzer und Freizeit-Detektiv Eli Wallach um das Thema Datenschutz herum - fährt sodann aber auch zwischendurch zur Entspannung nach Hause, um mit seinem schwarzen Fuckbuddy-Fräulein rumzumachen oder detailverliebt Parmesan in seine Spaghetti zu mischen.

Seine erste Spur findet sich beim Verein "Freunde der Natur", wo mehr Zeichentrickpornos gesichtet und dekadent-perfide Parties gefeiert werden, als dass sich um Tiere gekümmert wird. Da treibt man auch mit manchen Damen fiese Späße, dass diese mit purer Absicht (und einigen bestimmten Hilfsmitteln) vor Schreck sterben! Schnell bietet sich dem Zuschauer ein sehr wahrscheinlicher Verdächtiger an, welcher der Struwwelpeter-Mörder sein könnte, der sich genau an diesen Vereinsmitgliedern für deren Schandtaten rächt: niemand geringeres als die neue Bumskumpanin Lomenzo's, Corinne Clery, deren Schwester Rosa Opfer der lustigen Spiele der Reichen wurde.

Doch so einfach lässt sich das mörderische Rätsel dann doch nicht entschlüsseln...eher toll an den Haaren herbeigezogen und beinahe gleichgültig, dennoch für Lomenzo erleichternd-abrupt!

Auch wenn die allgemein-bekannte Schlachtplatte und reichlich sich-selbstverständlich-entblätternde Frauen des italienischen Genre-Kinos in diesem Vertreter ebenso vorherrschen, bietet dieser zudem neben einigen surrealen Gesprächen (z.B. das dringlich-diabolische Aufeinandertreffen zwischen Wallach & John Steiner, welcher in einem Tigergehege gefangen, von Nebelwänden erdrückt und zum Selbstmord gezwungen wird) überraschend skurril-spaßige Szenen und Charaktere.

Diese arbeiten harmonisch-hässlich in Symbiose mit der extatisch-vulgären Knacki-Synchro in diesem keimig-ausschauenden Milano-Cheapo-Giallo/Poliziotteschi, wo Autohupengeräusche mit dem Keyboard nachgeäfft werden und die Bürger Mailands ein dusselig-anarchischer & offenbar ständig-besoffener Haufen sind.

Ein Räuden-Reißer unter herbstlich-nebulösen Wetterverhältnissen & klobigen Set-Ekligkeiten einer verschmierten Sparzelluloid-Kamera, sowie aufschreiend-plakativen Sex-&-Crime-Assigkeiten, welche in ein komplex-idiotisches Mordnetz unter provinzieller Orchestermalerei kulminieren. Klasse Vorstellung!




DER CHEF - Im permanent-kühlen Blaufilter gehalten, inszeniert Melville hier gewohnt meisterhaft-methodisch in seinem leider letzten Spielfilm Ermittlungen gegen eine ausgefuchste Heist-Bande um Richard Crenna ('First Blood'), die vom klavierklimpernd-Zigaretten-rauchenden, punktgenau-zielstrebigen und ebenso vorausplanenden Kommissar Alain Delon's verfolgt wird - welcher aber wiederum nicht merkt, dass der Ehemann seiner Geliebten (Catherine Deneuve) der Anführer der Gangster ist und sie sogar ab und an als deren Komplizin aushilft.

Jedes Bild und jedes Setting ist ein cineastischer Segen - behutsam, präzise und schnörkellos gestaltet, im einlullend-durchwehenden Rahmen des weihnachtlichen Frankreichs - sowohl provinziell, als auch urban. Lediglich die Miniaturaufnahmen von Expressbahnen und Helikoptern können der Qualität nicht standhalten, werden aber von der ansonsten hochwertigen Bild- und Tonvermengung mehr als ausreichend wettgemacht.

Die Figuren sind hier wiederum (vorallem in ihren minimalistischen Dialogen) nichts weiter als funktionelle, vom bloßen Instinkt gesteuerte Schachfiguren im geradezu naturgesetzlich-ablaufenden, obligatorischen Katz-&-Maus-Spiel zwischen dem Gesetz und dem Verbrechen. Eine oberflächliche Identifizierung mit jenen Charakteren wird für den Zuschauer dementsprechend nur spärlich suggeriert.

Doch die Spannung zwischen ihnen bleibt überdeutlich stark und erschafft recht dringliches und faszinierendes Prozedur-Kino vom Allerfeinsten, getragen von einer feinfühlig-plastischen Aufbereitung für die Ewigkeit - ein unterkühlt-raffiniertes Winterportrait von Rollen-forcierter Zwischenmenschlichkeit. Wo scheitern, gewinnen, sterben und leben in paraleel-gleitender, gleichgültiger 'Konkurrenz' zueinanderstehen.




JOE GEGEN DEN VULKAN - Da beginnt der Metropolis-artige, schwerfällige und unnötig-vertrackte Gang zur verätzten Operationsbesteck-&-Prothesen-Fabrik mit einem schlurfenden Schritt durch den Morast, in diesem Autorenfilm von John Patrick Shanley. Unser amerikanische Arbeiter-'held' Joe (Tom Hanks) wird erdrückt von der widerwärtigen Verranztheit des obskuren Komplexes, der im kotzgrünen, fluoreszierenden Licht die Haut sowie das Gemüt entfärbt, während der herrische Chef einen zur Sau macht.


Die Konsequenz: Unbehandelbare, tödliche Hirnwolken! Vor dem massiven-einfarbig-tristen Arztgebäude sucht Joe Trost bei einer Dogge und seinem Frauchen, während die Kamera immer weiter Abstand nimmt - unser Joe fühlt sich ganz klein in der Welt, zwängt sich in sein schwachbrüstiges Auto hinein. Ein Bild, dass man sonst nur in ERASERHEAD oder einem Wes-Anderson-Film sehen würde - solche werden uns hier noch öfter begegnen.


Zurück in der Fabrik kennt er kein Halten mehr, kloppt mit einer Armprothese den Schreibtisch seines Chefs zusammen, kündigt den Job mit seiner trotzigen Abgeklärtheit und spricht endlich mal alles aus, was er schon immer zu dieser 'Situation' sagen wollte.


Erhält aus diesem Urschrei heraus sogar ein Date mit seiner langjährigen Kollegin DeDe (Meg Ryan) im Angesicht der regenbogenfarbenen Skyline. Als er ihr aber beichtet, dass er sterben wird, ist ihr das zu viel und so verlässt sie sein Leben.


Doch aus dem Nichts tritt der exzentrische Milliardär Graynamore (Lloyd Bridges) in sein Leben, der ihm anbietet, als superwichtige Opfergabe in einen Vulkan zu springen, damit die Eingeborenen ihm ihre Mineralien verkaufen - Joe hat ja sowieso keine Zeit zum Leben mehr, da kann er doch einfach nochmal ein paar schöne Stunden verbringen, wie ein König leben und als Held sterben. Er willigt ohne Bedenken ein, zieht mit seinem neuen Chauffeur-Kumpel Marshall (Ossie Davis) durch die Stadt und stattet sich in den feinsten Läden der Ostküste vollkommen neu aus.


Bei seinem Flug zur Vulkaninsel macht er einen Zwischenhalt in L.A., wird von der aufgedrillt-suizidalen Tochter Graynamore's, Angela (ebenfalls Meg Ryan), abgeholt, spachtelt mit ihr in megalomanischen Restaurants herum und gibt ihrem oberflächlichen Charakter gutgemeinte Ratschläge, das Leben auszukosten, was sie perplex zurücklässt. Er merkt: mit ihr wird das auch nix, doch sie bringt ihn noch zum Boot zur Insel, wo ihre Halbschwester Patricia (nochmals Meg Ryan) schon auf ihn wartet, die sich von ihrem Vater schwer vernachlässigt fühlt.


Zusammen machen sie sich auf die turbulente Reise, wo beide versuchen herauszufinden, wo ihr Platz im Leben ist bzw. wo sie es hinführen wollen. Und natürlich verlieben sie sich im großen Sturm ineinander, wo ihr Boot auseinanderbricht und sie auf zusammengebundenen Koffern über die Weltmeere segeln müssen - werden letztendlich an Land angespült. Nun muss Joe sich dem Vulkan stellen, ersteigt ihn auf einem vertrackten Weg, welcher dem Gang zu seiner Fabrik nachempfunden ist. Patricia will ihn, diesen neuen und einzigen Halt im Leben, nicht loslassen, heiratet ihn vor dem Absprung sogar fix, doch er muss es tun, weil er sein Leben verschwendet hat - also springen sie zusammen rein. Doch dann...!


Quirlig-herzliche und aussergewöhnlich-erzählte Dramödie mit traumhaftem Produktionsdesign und satirischer Grundwurzel, die natürlich nur schwer ihr Publikum finden konnte und offenbar optisch & thematisch den demnächst erscheinenden DAS ERSTAUNLICHE LEBEN DES WALTER MITTY vorwegnimmt - der Weg zur Selbstfindung und dem Genuss des Lebens, aus dem Arbeiter-Moloch in die farbenfrohe, süße Liebe. Altbekannte und dennoch schöne Fabel, eigensinnig und phantastisch gestaltet. Kaum bekannt, aber gerade deshalb noch lange nicht verachtens-, stattdessen recht sehenswert.




VALLEY GIRL - 'Let's fetz!'

Im spießigen Jugendkultur-Valley, wo die Mütter genauso frisch sind wie ihre schlagfertig-sprücheklopfenden Teenie-Töchter, Sushi noch eine Neuheit in der westlichen Welt war und der Soundtrack Pop-Kracher durchzimmert, die man 25 Jahre später in 'Ananas Express' wiederfand, ergreift die titelgebende Julie die Initiative und verknallt sich allen Widrigkeiten zum Trotz in den sick-heißen und liebenswerten Punker Nic Cage, der wie alle Figuren im Bann der herrlich-blödeligen 1:1-EIS-AM-STIEL-Synchro steht - führt sie in die spannend-energetische Welt des 'punkigen' Nachtlebens ein.

Ebenso wie in EIS AM STIEL ist hier auch der jugendlich-rebellische Drang nach Sex allgegenwärtig, nur dass hier die den-Jungs-ebenbürtig schlaksige und hormonreiche Damenseite im Fokus des Narrativs steht. Da VALLEY GIRL sowieso von einer Frau inszeniert wurde, entpuppt sich aber dann die ganz magische, süß-aufgebaute, echte Liebe als erstrebenswert-freischaufelnder, toll-romantischer Weg, der auch mit einer gigantischen Essensschlacht gegen alle fiesen Barrieren wie Konventionen, Eifersucht und Klassenunterschiede ankommt.

FOLLOW YOUR HEART!

Trotz verdientem R-Rating: Niedlich-freche und ulkig-unbedarfte New-Wave-Teenieromanze aus der Hochphase des versexten Youngster-Comedy-Genres der 80er Jahre, mit zur Abwechslung echt coolen Elternratschlägen - ein offenherzig-aufreizender Vorgänger von Filmen wie 'Mean Girls' ♥




KEIN MORD VON DER STANGE - Da hat Crichton doch glatt nicht bloß Folman's THE CONGRESS mit dem angestrebten Perfektionismus des ewig-währenden Motion-Capture-Kommerzgebrauch vorweggenommen.

Zudem gestaltet er sein einstmals futuristisches, noch immer schön-satirisches und im Verlauf stets-einladenderes Schönheitswahn-&-Werbehypnose-Thriller-Abenteuer vom Morgengrauen der 80er (inkl. Illusions-Knarren) mit pulsierenden Synth-Leads und Vivaldi-Staccatos, die seine eindrucksvollen Techno-Impressionen, hitzigen Zeitlupen sowie stimmungsvollen Panorama-Shots zwischen De Palma & Argento unterlegen.

Ein recht treibender, pointiert-inszenierter und vorallem unterschätzter High-Concept-Suspenser.




DER VOLLTREFFER - Hihi, Cusack's Charakter schreibt seine Aufsätze in dieser lakonisch-abenteuerlichen und geschickt-Situationskomischen Coming-of-Age-Komödie von Rob 'Spinal Tap' & 'Princess Bride' Reiner genauso blumig-adjetivreich wie ich meine damaligen Aufsätze sowie die meisten meiner Rezensionen - nur dass ich Fett von Salami-Pizzen auf dem Keyboard verteile, statt Peperoni-Schmiere über's Papier zu streifen.

Noch schöner finde ich vorallem, wie sich DER VOLLTREFFER von einer formelhaften, Hughes-ähnlichen College-Sause in ein aberwitziges, Hughes-ähnliches Road-Movie quer durch die USA mit dusselig-liebenswerten Spießer-Typen (welchen aber schnell der Geduldsfaden platzt) und notgeilen/saufenden Hillbillies im Schlepptau wandelt.

Denn Cusack ist auf dem Weg nach Kalifornien, um eine neue heiße Flamme zu treffen, die ihm sein Kumpel Anthony Edwards versprochen hat. Als Sitznachbar fungiert aber die recht zugeknöpfte Daphne Zuniga, welche er schon auf dem College erobern wollte, dies aber nicht so fein gelang.

Die Beiden ergänzen sich super: Er der draufgängerisch-spaßliebende, schnippisch-unverantwortliche Chaoten-Boy, welcher lernen muss, erwachsen zu werden - Sie das verklemmt-vernünftige, dennoch hübsche Lischen, welches lernen muss, Spaß zu haben...und zu rülpsen ♥ Und wie's am Ende für die Beiden ausgeht, naja, das bedarf keiner ausufernden Vorstellungskraft.

Aber auf dem Weg dorthin herrscht reichlich Jugend-Fun und süße, allerdings auch nie aufdringliche Herzlichkeit, dank dem 100%-ig stimmigen Timing Reiner's, den einfallsreichen Gags und der euphorisch-gewitzten Charakterzeichnung.




UP! - Russ 'Tinto Brass U.S.A.' Meyer's hyperkörperbetont-absurder Erotik-Ulk aus einem exploitativ-drallen Northern-California-Paraleeluniversum mit geheimen Nazi-Burgen, wo der Mord am arschgefickten Adolf augeklärt werden soll.

Zumindest zeitweise, denn erstmal wird die neu-angekommene Superbraut (und Undercover-Bullette) Margot Winchester in allen Stellungen durch die Botanik genagelt.

Durchgehend spritzig-schmerzfreie und dickbusige Wollustphantastereien durchziehen sowieso den kompletten Film, also vergesst die Story - die erklärt die kleiderfreie Kitten Natividad in Intervallen sowieso nochmal voll-verständlich.

Hier bringen Pre-Troma-Sex-Gags und Superbabes im comichaften Hillbilly-Zirkus die totale, freilebig-lockere Beglückung, frei nach dem Motto 'Trimm dich - Bumms mal wieder!'.

Aber wehe es wird geraped, dann zischen Axt und Kettensäge! Doch sobald das Problem abgeschafft ist: weiter im Programm!^^ Ein Heidenspaß, dieser UP! (nicht zu verwechseln mit dem Pixar-Film gleichen Namens), mit einigen hochamüsanten Offenbarungen über Shyamalan-Niveau.




SOME GIRLS - Ein sehr junger, sehnsuchtsvoller Patrick Dempsey fliegt seiner Jugendflamme Jennifer Connelly zu ihrer Familie ins verschneit-schummrige Québec hinterher - welche als recht skurriler Haufen in einem gigantisch-verzierten, stimmungsvoll-ausgeleuchteten Schloss wohnt, aber mit dem anstehenden Tod ihrer dementen Großmutter hadert, die immer mal wieder aus der Nervenheilanstalt ausreißt und Dempsey für ihren verstorbenen Liebhaber hält.

Allen voran die streng-konservative Mutter des Hauses bleibt misstrauisch gegenüber ihrem neuen Gast und tatsächlich ist der junge Mann so vorsichtig-nervös & unbeholfen-chaotisch, weil er eben so hart mit seiner großen Liebe rummachen möchte, dass er sich beständig als würdig beweisen will und dabei auch einige gute Taten vollbringt. Doch die gute Jenny hat zudem 2 mannstolle Schwestern, die ihm ganz schön den Kopf verdrehen und verführen wollen.

Zur Entspannung verbringen der kleine Casanova, die 3 Schwestern und ihre Oma ein Wochenende auf dem Lande, wo sich einige beinahe magische Wege in die Vergangenheit am Kaminfeuer eröffnen. Das Unvermeidliche kann man im Verlauf leider nicht verhindern, doch jeder von ihnen lernt recht bewegend zum Leben was dazu, erst recht sich umeinander zu kümmern - innerhalb des übergreifenden Themas des Films: AKZEPTANZ.

Das harmlose Teen-Urlaub-Abenteuer spielt seine potenziell-albernen Gags verhältnismäßig bescheiden aus, bemüht sich um einen realistischen und teils durchaus dramatischen Touch, welcher von der abgedämpften Winter-Stimmung und der ausgezeichneten Kameraarbeit Ueli 'The Hot Spot' Steiger's profitiert.

Was zwar nicht heißt, dass der Film ohne ulkige Situationskomik auskommen würde, in seiner geradezu feinfühlig-herzlichen Gestaltung jedoch eine verschämt-unschuldige Note annimmt. Besonders schön kann man als Zuschauer zudem auch die knisternde Sensualität der Schwestern eindringlich genießen, von daher gibt's dafür auch einen Extrapunkt.

Dass dieses vom Drehbuch her eigentlich ziemlich formelhafte Coming-of-Age-Stück doch so schick-eindringlich wirkt, liegt eindeutig an der geglückten Wahl des Drama-Regisseurs Michael Hoffman ('Gelobtes Land', 'Zeit der Sinnlichkeit') für diese Produktion. Da stört es auch nicht allzu sehr, dass ab und an der christliche Glauben befürwortet wird - in diesem R-Rated-Film mit einigen wohlgeformten, blanken Busen.

Doch echt sympathisch-sentimentaler Teen-Kitsch.




REQUIEM POUR UN VAMPIRE - Bin etwas zwiegespalten bei dieser Arbeit von Jean Rollin - zunächst lässt er seine 2 niedlichen Flüchtlinge durch's Land streifen, wo sie sich gewitzt und leichtfüßig Essen & ein Moped ergaunern, auch mal auf einem Friedhof übernachten wollen und sich schlussendlich (trotz unheilvoller Fledermäuse im umliegenden Wald) in einem verlassenen Schloss einkuscheln.

Doch dann schauen sie sich näher um und entdecken das Geheimnis dieser gothischen Gegend: Vampire! Jene nehmen sie gefangen, schleppen sie zurück zum Friedhof in einen dunkelroten Keller, wo andere Frauen bereits in Ketten hängen und sodann von den männlichen Vampirschergen bissfest vergewaltigt werden. Sodann stehen unsere Protagonisten unter dem Bann des Bösen und müssen dafür Opfer zum Blutaussaugen anlocken.

Besonders in diesen an-sich-schon stimmungsvollen Szenario wird deutlich, wie Rollin hier zum Zwecke der Genrehaftigkeit Kompromisse einging, lässt er die Vergewaltigungsszenen hier doch überlang ausspielen und droht dem Zuschauer zudem, dass der Film ab hier nicht mehr so leichtfüßig agieren kann, denn die 2 Mädels sind nun gefangen - schade :(

Ich meine, seine Entscheidung, in jene Richtung vorzugehen, ist ja nun nicht unbedingt unstimmig dargestellt und ich kann mich damit abfinden, dass nicht jeder von Rollin's Filmen traumhaft fließend und luftig wie z.B. LIPS OF BLOOD sein kann - aber leider wirkt der REQUIEM dann auch nicht mehr so liebenswert, wie ich es mir erhofft hätte.

Immerhin lässt er den Mädels den Versuch zu fliehen, aus der finsteren Nacht und dem ebenso hilflosen Morgengrauen. Und schließlich muss auch der Obervampir, der letzte seiner Art, einsehen, dass alle Mühe vergebens ist - er lässt sie ziehen und macht seinen Gruselkeller für immer dicht, bleibt im Dunkel des Verderbens zurück. Hier macht der Titel des Films zum Schluss hin am meisten Sinn, fühlt sich aber wie ein Teil eines anderen Films an, dessen nachvollziehbarer Aufbau hier für die leichtlebige Odyssee zweier Mädchen Platz machen musste.

Nun denn, REQUIEM POUR UN VAMPIRE besitzt dennoch in seinen besten Momenten eindringliche Szenarien, einen sphärisch-krautrockigen Soundtrack mit Orgel & Klavier, sowie Rollin's ausgespieltes Lieblingsmotiv, die zarten gejagten Zwillinge, im Fokus des Narrativs und zudem für Genrefans eine Menge Sex und Vampirbisse. Und die Beleuchtung ist mal wieder sowieso ein Schmankerl sondersgleichen, suggeriert sie doch gewohnt übernatürliche Dimensionen der Nacht.

Es hätte allerdings doch noch viel schöner werden können - sei's drum, meine Fantasie wird sich da jetzt erstmal eine alternative Route für die 2 Lieblichen erträumen, dazu regt Rollin dann doch gut genug an. Und in anderen seiner Filme erfüllt er sich seine und meine Fantasien umso ausgelassener, Gott-sei-dank :)




WAS FÜR EIN GENIE - In Martha Coolidge's schwungvoll-harmlosen Nachfolgewerk zu ihrem 'VALLEY GIRL' (welches hier in einem Cameo ebenso mitspielt) sammelt sich William Atherton X-MEN-mäßig die schlausten Schüler des Landes in seine Schule für besonders Schlaue zusammen, welche ihre skurrilen, wissenschaftlichen Fähigkeiten (mal abgesehen von einigen neidisch-mobbenden Handlangern, wie....urgh, Kent) jugendlich-kollegial zusammenlegen, ausbauen, aber unwissenderweise für ein geheimes Laserwaffenprojekt einsetzen.

Der unbeholfen-schüchterne Neuankömmling Mitch (Gabriel Jarret) freundet sich mit dem schlagfertig-coolen Slacker-Genie Chris (Val Kilmer) an, der seinen Hirnschmalz auch öfters mal für tolle Streiche und abgefahrene Parties mit Bikinigirls nutzt, was dem Atherton Anlass gibt, die beiden von den nach-außen-hin-harmlosen Laserexperimenten abzuziehen - doch das lassen sie sich nicht so einfach gefallen und büffeln so hart es geht (mehr noch als Homer in seiner nachgeholten College-Zeit) - erschaffen den ultimativen Laser!

Als sie mitkriegen, wozu ihre Erfindung gebraucht werden soll, vereinen sie sich mit dem hyperaktiv-quirligen Love-Interest-Mädel Jordan (Michelle Meyrink), Lazlo (Jon Gries), dem zurückgezogenen Supergenie aus den 70ern und all den anderen guten Kids, um das Schlimmste zu verhindern - erleben auf der geheimen Militärbasis, wo die Waffe aufbewahrt wird, einen kleinen Mission-Impossible-Klimax. *SPOILER* Am Ende haben sie die tödliche Laser-Waffe so umprogrammiert, dass sie lediglich massive Popcorn-Mengen aufwärmen kann - ein euphorisch-freches Synonym dafür, was der Film an den Kinokassen ebenso erreichen wollte und wohl auch schaffte. *SPOILER ENDE*

Frenetisch-poppige Synth-Sequencer & potenzielle 80's-Discohits (inkl. 'Tears for Fears') treiben das schmissig-geschriebene, sympathische Jugendabenteuer voran, welches in der leichtfüßigen Kurzweiligkeit seines Verschwörungs-Sci-Fi-Thriller-&-College-Klamauk-Mix einen durchgehend-frischen und auch zeitweise mini-spannenden Unterhaltungsfaktor vorweisen kann. Das gefällt!




METALSTORM - DIE VERNICHTUNG DES JARED-SYN - Der titelgebende METALSTORM kommt zwar im Film selber nicht vor, wird aber seiner reißerischen Natur mehr als gerecht.

Minimalistisch ausgestattet und spartanisch erzählt, versuchte sich Charles Band in den 80ern an diesem 3D-Eventfilm, der sich hauptsächlich auf seine In-Your-Face-Effekte konzentriert und die Charakterzeichnung ganz flach auf dem vertrockneten Boden hält. Mit seinen nicht mal 80 Minuten Laufzeit sollte hier ein ganz fixes, Attraktions-ähnliches Erlebnis geboten werden, welches sich in möglichst hübscher Verpackung durch gute 3D-Kameraarbeit und abenteuerlichem Orchester-Score von Actionszene zu Actionszene hangelt.

Das gelingt grundsätzlich schon mal einigermaßen. Was aber schnell auffällt, sind die ironiefreien Figuren, die nur stichwortartige Dialoge austauschen, sowie die Kulissen, welche auf austauschbaren Baugruben in der kalifornischen Wüste spärlich aufgebaut wurden. Sie sollen den semi-budgierten Budenzauber Band's schnörkellos vorantreiben und bedienen höchstens archetypische Funktionen.
Es erinnert einen daran, wie man als Kind selbst im Sandkasten oder auf dem heimatlichen Hof herumgetobt und Weltraumabenteuer nachgeäfft hat. Und so versucht sich auch METALSTORM daran, den Geist von STAR WARS und sogar einigen Western einzufangen - was durch die geringen (auch narrativen) Mittel zwar unmöglich ist, aber bei deren Amateurhaftigkeit geradezu sympathisch bzw. bemitleidenswert erscheint.

Interessant wird es, sobald METALSTORM mit seinem 3D-Wahn einige impressionistische Wege geht - wenn in (für einen Sci-Fi-Actionfilm) viel zu langen Einstellungen die Sandschluchten Kaliforniens abgeflogen werden, den telepathisch-monologisierenden Bösewichten Zeitlupen spendiert werden (erst recht, wenn ihnen extatisch die Arme abgerissen werden) und der Obermotz Jared-Syn seine Feinde in eine interdimensionale Zwischenwelt entführt & dort mit Lebenskristallen ihrer Seele entledigt - entwickelt der Film ab und an eine hypnotisch-verlorene Wirkung, die viel mehr die bittere Dekonstruktion, sprich 'Vernichtung' (siehe Untertitel des Films) und Leere eines derartigen Genrefilms und seiner Charaktere suggeriert, welcher hier sowieso bloß von den essenziellen Zutaten nähren kann.

Man kann es so interpretieren, man kann METALSTORM aber auch für den oberflächlichen, schnell zusammengefrickelten Space-Actioner halten, den er von außen her anbietet. Er bedient sowohl (ohne großartige Emotionalität) die Eskapismusgelüste des Zuschauers, legt aber auch (bewusst oder unbewusst) die Wurzel seines Filmgenres frei, um die Obligation der entgeisterten Schachfiguren in all ihrer widerstandslosen Geradlinigkeit aufzuzeigen und durch leergefegte Räume & Dimensionen wandeln zu lassen.

Gibt's auf deutsch nur auf Video, in den USA ist aber auch eine DVD vom Film erhältlich, jedoch ist diese lediglich in Vollbild gepresst, wo er doch ursprünglich so schön in 2,35:1 verfilmt wurde. Keine einzige Heimkino-Ausgabe bietet jedenfalls eine 3D-Fassung an, was METALSTORM's Daseinsberechtigung (für welche man sich auch immer entscheidet) umso transparenter erscheinen lässt.




SIXTEEN CANDLES - DAS DARF MAN NUR ALS ERWACHSENER - Ich dachte zum Anfang, dass ich den Film hassen würde, weil Ringwald nicht fähig ist, einfach auszusprechen, dass sie Geburtstag hat bzw. wie sehr sie ihren Schwarm, welcher ebenfalls an ihr interessiert ist, liebt.

Aber sobald die forcierteste Missverständnis-Situationskomik endlich ihr Ende nimmt, einfach gewitzt-gefeiert, ausgelassen-geliebt wird und jeder seinen sehnlichsten Wunsch erfüllt bekommt, mochte ich die SIXTEEN CANDLES dann doch einigermaßen.

John Hughes' pointierte Gestaltung funktioniert abgesehen davon auch durchweg und bringt stetige Kurzweiligkeit für das ungenierte Teen-Publikum.

Und sowieso: Lass dich drücken, Molly ;)




NEW YORK COP - Regisseur & Hauptdarsteller Tôru Murakawa schlägt sich in dieser japanisch-US-amerikanischen Ko-Produktion als Karate-As & Undercover-Rookie Toshi durch die plakativ-gestaltete und rassistische Unterwelt New York City's.

Trifft bei seinen ruppig-feindseligen Investigationen auf wenigstens eine zauberhaft-soziale Seele: die mit spanischem Akzent spielende Mira Sorvino als Maria, welche zudem Schwester des Bandenbosses Hawk (Chad McQueen) ist. Toshi etabliert sich bei ihm als kollegial-knallharter Geldeintreiber - was dessem Hispanic-Sidekick Tito nicht in den Kragen passt, weshalb dieser Toshi beschatten lässt.

Toshi wird's schon schnell zu heiß und so besorgt er sich mithilfe einiger ebenfalls Undercover-ermittelnder Kollegen eine Knarre zum Schutz, während auch das FBI jeden Schritt der Gangster genauestens beobachtet und mit Waffengewalt jähzornig (ohne Rücksicht auf andere Verbrechensbekämpfungs-Divisionen) auflauert.

Dabei kommt es desöfteren zu brutalen, chaotischen Shootouts aller Parteien im solide-ausgeleuchteten 90er-Hexenkessel dieses naiven Thrillers, welcher auf mittelmäßigem Budget allgemeinverständlichen US-Actionstandarts hinterhereifert - dennoch die ambitionierte Stimme eines aufopfernden Immigranten nach Anerkennung und Integration widerspiegelt (bezeichnenderweise basiert der Film auf den offenbar-wahren Fall des US-japanischen Undercover-Polizisten Jiro Ueno) - Werte wie Zusammenhalt, Loyalität, Verantwortung und Harmonie in diesem zerrütteten Milieu vermitteln will.

Ähnlich wie John Woo's im selben Jahr entstandenen US-Debüt HARTE ZIELE versucht die japanische Mentalität hier ihre Sicht auf das problembelastete Amerika zu adaptieren und zu reflektieren - in diesem Fall den Sinn hinter der Gang-Mentalität zu erklären, anhand von Mustern bekannter Yakuza-Rangordnungen, welche hier zudem durch einen rücksichtslosen Killer-Anarchismus von Gesetz und Mafia unterwandert werden.

Und wenn Toshi seine Kollegen, egal von welchem Lager, verliert und er diese in ihren letzten Atemzügen in seinen Armen hält, durchschwebt ihm eine schweigsame Wehmütigkeit, übergibt ihre Seelen dann segenreich der barmherzigen Natur und geht daraufhin zielstrebig-pflichtbewusst wie ein Samurai auf seinen ehrenvollen Rachefeldzug. Aus Scham und Schuld verlässt er zum Schluss auch wortlos die ihn liebende Maria (*SPOILER* weil ihr Bruder wegen ihm erschossen wurde *SPOILER ENDE*), geht weiter seinen einsamen, pflichtbewussten Weg, diese Stadt zu einem sichereren Ort zu machen.

Ein ziemlich bitteres Ende, welches dieser B-Actioner findet - aber vollständig nachvollziehbar, für den Weg dieses japanischen Polizisten, der kein Held sein, bloß seinem Zuhause Halt bringen wollte, welchen er gezwungenermaßen mit Gewalt durchsetzen musste. Diese Ebene trifft mich dann doch stärker als die kostengünstige Gestaltung des potenziellen Videotheken-Ballerwerks, welches sich NEW YORK COP nach außen hin gibt. Ich kann es aber anderen Zuschauern nicht verübeln, wenn sie darüber nicht hinwegsehen können, eine Chance hat dieser Film meiner Meinung nach dennoch verdient.




DER GROSSE JAPANER - DAINIPPONJIN - Gemütlich-trockene und ironiefrei-objektive Straight-faced-Mockumentary über das aussergewöhnlichste Subjekt: ein bescheidener und dennoch recht angefeindeter Bürger Japan's, der zu Wolkenkratzer-Größe aufgepowered werden kann, um gegen obskure Riesenmonster zu kämpfen.

Die Kämpfe an sich sind dann wieder höchst filmisch-stilisiert inszeniert, werden sie doch zur Primetime im nationalen TV ausgestrahlt, wo man auch Product Placement am GROSSEN JAPANER versucht, der aber unbeabsichtigt immer mehr Skandale bei der kritischen Bevölkerung hervorruft.

Ein gewitzt-satirischer Twist auf das beliebte Kaiju-Genre, mit 108 Minuten leider dann doch zu langatmig, aber allein für die grossartige Super-Justice-Familie sehenswert :)




NIGHT TRAIN MURDERS - Ohne falsche Bescheidenheit kann ich behaupten: sowas hab ich in den Zügen der DB noch nicht erlebt. Dann wiederum war ich noch nie in 'nem Nachtzug unterwegs, von daher kann ja was-weiß-ich alles dort abgehen, da bin ich nicht auf dem Laufenden.

Was ich jedoch bei Tagesfahrten mitkriege: heutzutage sind alle höchstens nur noch besoffen oder führen wirre Selbstgespräche. Junge Menschen spielen auch sowieso lieber mit ihrem 3DS oder lesen Kindle, als lustvoll-grausam zu vergewaltigen - und geraucht wird auch nur noch auf bestimmten Gleisabschnitten, nicht auf den Zugfluren, wenn Kinder daneben stehen.

Ungemütlich ist es zwar auch manchmal, aber nicht sooooo total-Terror wie es in den 70ern war - jedenfalls wie Aldo Lado diese in seiner 'Last House on the Left'-Variante darstellt, welche zudem quasi 1:1 die Gewaltdiskussion in geselliger Runde aus 'Ein Mann sieht rot' rekreiert und *SPOILER* letztendlich denselben selbstjustizhaften Umkehrschluss tieftragisch in die Tat umsetzt. *SPOILER ENDE*

Der ultimativ-fiese Sleaze-Horror verfehlt hier übrigens nicht seine Wirkung, kam aber so unfassbar-scheußlich und unaushaltbar-assig, mit seinen von-Natur-aus-bestialischen Fieslingen (und deren superperfider Plötzlich-Komplizin *SPOILER*, welche nichtmal ihr Fett wegkriegt - AAARRRGGHHH!!! *SPOILER ENDE*), dass ich diesen (im besten Sinne) schäbig-gestalteten Rape & Revenge-Sicko ab und an überfliegen musste - denn ich wusste: NIGHT TRAIN MURDERS will, dass man die Rache richtig süß genießt - um einem am Ende dann doch die bitterste Pille schlucken zu lassen.

Durch solche Erfahrungen wollte ich mich heute nur noch ungern zwingen - den cineastischen Weg bin ich u.a. mit I SPIT ON YOUR GRAVE, oben genanntem LAST HOUSE, KIDNAPPED, BEDEVILLED und auch einigen Bresson-Werken, schon desöfteren gegangen - welche ja nun keine schlechten Filme waren, möchte ich dazu sagen (derartig exploitationhaft wie NIGHT TRAIN waren sie ja teilweise auch nicht unbedingt).

Mir war einfach nicht danach - dennoch ein wirkungsvoller Reminder daran, dass die Hölle auf Erden existiert und welch Folter manche Terror-Filme doch sein können (andere Vertreter des Genres finde ich zwar auch abstoßend, aber dann doch irgendwie bis zum Ende hin faszinierend - NIGHT TRAIN hingegen war konsequente, unausweichlich-herzlose Pein - schon echt beachtlich, obwohl die Charaktere hier allerdings sehr oberflächlich gezeichnet sind). Und wenn ich eins von diesem Film gelernt habe, bei dem ich viel vorspulen musste, weil's mir einfach zu viel war (ja, sowas gibt's bei mir noch): Nachtzüge sind scheiße - noch beschissener, als sie schon in HOSTEL 2 waren.




T-FORCE - PM Entertainment liefern uns ihre kostengünstigere Variante von UNIVERSAL SOLDIER - mit einer kibernetischen T-Force, die nach einem missglückten Anti-Terror-Einsatz nicht abgeschaltet werden will, gegen ihre robotischen Direktiven verstößt und bleihaltig gegen ihre Macher vorgeht.

Nur einer von der blutrünstig-unaufhaltbaren Terminations-Force hat ein gutes 'Herz': Cain, der sich dem sprücheklopfenden Detektiv Jack Scalia anschließt, welcher es faustdick hinter den Ohren hat, seinen widerwilligen, neuen Kollegen liebevoll 'Blechmann' tauft und ihm beibringen muss, was es bedeutet ein Mensch zu sein (z.B. dass man 'Leck mich am Arsch' ja nicht allzu wörtlich nehmen soll) - was die Bösen u.a. auch verfolgen, als sie aus einem Erotikmagazin lernen, sich fortzupflanzen = Cy-Boobs.

Zusammen lernen sie schlagkräftige Partner gegen die Bösen zu sein und entfesseln damit ein bombiges Inferno innerhalb funktionaler Settings, voller handgemachter Effekte, stuntreichen Faustkämpfen, exzessiven Feuerbällen und überschlagenden Cage-Karren, direkt aus dem 'Road Warrior'.

Ein B-Movie-Kracher wie ein Gedicht! Spitzenspaß aus der Videothek, mit einem schick-durchdachten, simplistischen Skript und kurzweiliger Schauwerten-Parade sowie niedlich-unbedarftem Roboterhumor, direkt aus dem Kritzelheft eines Viertklässlers. Recht sympathisch!




LAST HOUSE ON DEAD END STREET - Ein kleiner, dreckiger Exploitationfilm verteufelt die nihilistischen Tiefen des Exploitationfilms.

Nach einer weniger eindrucksvollen Etablierung der Charaktere und der Handlung inkl. mäßig-nachsynchronisierter Dialoge, lang ausgewalzten Nudie-Segmenten, direkt aus dem SOMETHING WEIRD VIDEO-Sortiment und allgemein technischer Schwachbrüstigkeit, setzt der Film zur zweiten, sehenswerten Hälfte an.

Erschafft dort mit seinen verzerrt-morbiden Masken/Kreaturen, die für die Kamera quälen und morden, bestialisch-finstere Abgründe - locken einen in lange, dunkle Korridore, die sich als Tor zur menschlichen Hölle entpuppen - verfangen innerhalb der pechschwärzesten, geheimen Nischen des Zelluloids.

Ein sadisitischer, Sinnes-&-Gliedmaßen-zersägender, infernalischer Opfergang, begleitet von geisterhaften Chören, welche die Trennung von der erdlichen Körperlichkeit signalisieren und einen in den ausweglosen Hades hineinzwingen.

Ab und an versucht der Film die realitätssuchende Flucht in die Freiheit, verfängt sich aber nach kurzer Zeit dankbarerweise wieder im faszinierenden Netz des ausserweltlichen Terrors, zwischen Seele und Leinwand. 100%-ig gelungen ist er im Gesamteindruck leider nicht, dafür bleibt er lange Zeit einfach zu trivial und ungeschickt (auch sowieso durchgehend minibudgiert) gestaltet.

Doch wenn die Hölle auf Erden losbricht, dann aber mit kompromissloser Stärke und einigen recht eindringlichen Bilderschlünden (allen voran die aus einer VHS-Quelle wieder eingefügte Ausweidungssequenz, welche die Snuff-Thematik des Films bedrückend unterstreicht).