BARBARELLA - Das süßeste und unbedarfteste, psychotronische und bizarr-ausgeschmückte
Swinging-Euro-Sci-Fi-Pulp-Abenteuer, dass es wohl gibt. Ich würde
BARBARELLA heiraten, wenn das ginge ♥ In den tiefen Weiten des
knallbunten, verschrobenen Psychedelica-Universums muss es sie ja
irgendwo geben. Hach...
TORE TANZT -
(GESICHTET AUF DEM FILMFEST HAMBURG)
Ein höchst sympathischer und glaubensfester, junger 'Jesus-Freak'
erlebt seine erbarmungslos-verstörende Passion im deutschen
Schrebergarten.
Ähnlich wie Seidl's
PARADIES-Triloge in die Kapitel 'Glaube',
'Liebe', 'Hoffnung' eingeteilt, entwickelt sich die Glaubensprobe
anfangs noch wunderbar-leichtfüßig (sowieso großes Lob dafür, dass man
vermieden hat, sich hier über Religion lächerlich zu machen), wird dann
aber immer stetiger von der latenten Bedrohlichkeit unterwandert und
kulminiert in einer psychischen & physischen Grausamkeit, die im
deutschen Kino selten so eindringlich und gewissermaßen-apokalyptisch
gelang.
Die Wege, die Regisseurin & Drehbuchautorin Katrin Gebbe dabei
geht, sind zwar teilweise nicht ganz ungewohnt für Kenner des
kontroversen Kinos, besitzen aber eine emotionale Schlagkraft, die
besonders von dem äußerst authentischen Darstellerensemble und der
naturalistischen Inszenierung getragen werden, einen immer tiefer in das
moralisch abgrundtief finstere Fegefeuer des nihilistischen Menschseins
hineinführen.
TORE TANZT bleibt dabei aber auch so schnörkellos-subtil und
gleichzeitig nah am Menschen, dass die Greifbarkeit der Charaktere beim
Zuschauer einschneidend-schockierend & bitter wirkt, bis hin zum
eruptiv-entsetzlichen Finale.
Eine mächtige, herausfordernde Wucht - kein Wunder, dass er
letztendlich als Oscar-Kandidat für den besten, ausländischen Film
abgelehnt wurde:
TORE TANZT ist mutig, extrem, unheilvoll, wahrhaftig
und sowieso basierend auf einer wahren Begebenheit - schneidet sich
behutsam und starr-vor-Fassungslosigkeit zur Wurzel der Dunkelheit
hervor.
BLUE STEEL - Megan Turner (Jamie Lee Curtis) schlägt sich in Kathryn Bigelow's
hochspannenden Crime-Thriller (nach einem Drehbuch von ihr selbst und
Eric '
Cohen & Tate' Red) als frisch-gebackene und recht unsichere
Polizistin durch das unbarmherzig-subversive Milieu New York's (dessen
nächtliche Skyline Bigelow beinahe schweigsam von
MAN OF
STEEL-Kinematograph Amir Mokri abfliegen lässt, die kühle Distanz dieser
Welt umso greifbarer macht), dass sich in der soziopathischen,
diabolisch-charmanten Kälte des manischen Börsentiers Eugene Hunt (Ron
Silver, R.I.P.) manifestiert, der seine Gewaltfantasien ausleben kann,
als er bei ihrem ersten, recht missglückten (für sie konsequenzreichen)
Einsatz gegen einen Räuber dessen Revolver an sich nimmt.
Im heftigen Regen treffen sich die Beiden wieder und werden sich
einander sympathisch, während die bedrohliche Sphäre des
Brad-Fiedel-Scores (den Bigelow sich von ihrem damaligen Ehemann Jim
Cameron ausgeliehen hat) ihr Verhängis besiegelt, denn Hunt spielt ein
teuflisch-mörderisches Spiel mit ihr...
Die Männerwelt ist ihr gegenüber sowieso nur gering vertrauensvoll,
angefangen bei ihrem Bullen-hassenden Vater (der seine Frau prügelt) bis
hin zu ihrem wütenden Chief. Allenfalls '
Der Kurgan' Clancy Brown als
rauhbeiniger Detektiv Nick Mann (!) will ihr unter die Arme greifen und
helfen, ihren Namen reinzuwaschen - denn Hunt kratzt auf den Salven des
Revolvers eben ihren Namen ein, mit welchen er mehrere Menschen lustvoll
erschießt, ähnlich wie in Friedkin's
RAMPAGE zudem extatisch das Blut
seiner Opfer über seinen Körper verschmiert.
Sein Wahn entfesselt sich in einer furchterregend-krassen (und
schaurig-gemäßigt gespielten) 'Liebeserklärung' an Megan, durch welche
sie ihn, der sich ihr nun als unberechenbare Bestie offenbart hat, als
Verdächtigen festnehmen lässt - doch er kommt dank seinem
feindselig-gewieften Anwalt (Richard Jenkins), ein weiterer Mann gegen
Megan, wieder frei. Das wahre Grauen fängt aber jetzt erst an...
Recht intensive Schauermär, dieser astreine (im besten Sinne)
Frauenthriller, der sich (vor allem zum infernalisch-entrücktem, in
Zeitlupen aufgelöstem Finale hin) alptraumartig durch die psychischen,
vergewaltigenden Tiefen des haltlos-gewaltvergifteten Amerikas kämpft,
dass selbst in den verhauchten Tiefen des Abspanns noch sein
unaufhaltbares Echo ausstrahlt. Eben weit mehr als eine bloße
Emanzipations-Metapher - diese profunde, eindringliche Abrechnung mit
der Angst.
BEGOTTEN - Dechiffrierte Signale aus der Zwischenwelt oder in der DNA-verankerte, urmenschliche Erinnerungen aus unserem Unterbewusstsein?
Genau lässt sich der Ursprung des Materials nicht feststellen. Wir
besichtigen in
BEGOTTEN entweder Found-Footage oder Sinnestranskripte
aus der Chronik vom Ursprung der Menschheit/eines Menschen und dessen
Vernichtung/Wiederauferstehung durch die grausam-diktatorische Natur.
Eine lebensunfähige, humanoide Kreatur, hineingeboren in eine
übernatürlich-primitive, rücksichtslos-schändende Kultur, unabhängig von
leicht differenzierbaren Begriffen wie Himmel & Hölle, erlebt in
deren hypnotischen Taumel zersetzender Körper- & Zeitdimensionen die
unbarmherzige Zerstörung und das Recycling seines Daseins.
Ein verstörendes Zeugnis von mutierter Natur, Triebhaftigkeit und Tod
- und möglicherweise der Kreation unserer Existenz. In unheilvollen,
zerätzten Bilderwelten eingefangen, die uns für immer verfolgen
werden...
MAGNUM 45 - Der kreative Struwwelpeter-Mörder geht in Mailand herum, tötet Frauen
& Männer mit übergroßen Schraubenschlüsseln, aus dem Nebel
kommenden Lastwagen und Gesichtsverbrennungen - lässt dabei
Illustrationen vom Hoffmann-Kinderbuch am Tatort zurück. Die Panik in
der Stadt kennt keine Grenzen: manche Leute, die den Fall im TV
besprechen, werden sogar live per Kopfschuss abgeknallt - und trotzdem
sehen wir im Vorbeifahren bei hellem Tageslicht einige Paare im Park
wild herumverkehren!
Der spackig-rauchende Kommissar Lomenzo inkl. Husten- und Wutanfällen
ermittelt zynisch-rabiat, ab und zu zusammen mit Tom Skerritt, in jenem
brisanten Fall. Diskutiert auch zwangsläufig zur Beschaffung von
Hinweisen mit Casino-Besitzer und Freizeit-Detektiv Eli Wallach um das
Thema Datenschutz herum - fährt sodann aber auch zwischendurch zur
Entspannung nach Hause, um mit seinem schwarzen Fuckbuddy-Fräulein
rumzumachen oder detailverliebt Parmesan in seine Spaghetti zu mischen.
Seine erste Spur findet sich beim Verein "
Freunde der Natur", wo mehr
Zeichentrickpornos gesichtet und dekadent-perfide Parties gefeiert
werden, als dass sich um Tiere gekümmert wird. Da treibt man auch mit
manchen Damen fiese Späße, dass diese mit purer Absicht (und einigen
bestimmten Hilfsmitteln) vor Schreck sterben! Schnell bietet sich dem
Zuschauer ein sehr wahrscheinlicher Verdächtiger an, welcher der
Struwwelpeter-Mörder sein könnte, der sich genau an diesen
Vereinsmitgliedern für deren Schandtaten rächt: niemand geringeres als
die neue Bumskumpanin Lomenzo's, Corinne Clery, deren Schwester Rosa
Opfer der lustigen Spiele der Reichen wurde.
Doch so einfach lässt sich das mörderische Rätsel dann doch nicht
entschlüsseln...eher toll an den Haaren herbeigezogen und beinahe
gleichgültig, dennoch für Lomenzo erleichternd-abrupt!
Auch wenn die allgemein-bekannte Schlachtplatte und reichlich
sich-selbstverständlich-entblätternde Frauen des italienischen
Genre-Kinos in diesem Vertreter ebenso vorherrschen, bietet dieser zudem
neben einigen surrealen Gesprächen (z.B. das dringlich-diabolische
Aufeinandertreffen zwischen Wallach & John Steiner, welcher in einem
Tigergehege gefangen, von Nebelwänden erdrückt und zum Selbstmord
gezwungen wird) überraschend skurril-spaßige Szenen und Charaktere.
Diese arbeiten harmonisch-hässlich in Symbiose mit der
extatisch-vulgären Knacki-Synchro in diesem keimig-ausschauenden
Milano-Cheapo-Giallo/Poliziotteschi, wo Autohupengeräusche mit dem
Keyboard nachgeäfft werden und die Bürger Mailands ein
dusselig-anarchischer & offenbar ständig-besoffener Haufen sind.
Ein Räuden-Reißer unter herbstlich-nebulösen Wetterverhältnissen
& klobigen Set-Ekligkeiten einer verschmierten Sparzelluloid-Kamera,
sowie aufschreiend-plakativen Sex-&-Crime-Assigkeiten, welche in
ein komplex-idiotisches Mordnetz unter provinzieller Orchestermalerei
kulminieren. Klasse Vorstellung!
DER CHEF - Im permanent-kühlen Blaufilter gehalten, inszeniert Melville hier
gewohnt meisterhaft-methodisch in seinem leider letzten Spielfilm
Ermittlungen gegen eine ausgefuchste Heist-Bande um Richard Crenna
('
First Blood'), die vom klavierklimpernd-Zigaretten-rauchenden,
punktgenau-zielstrebigen und ebenso vorausplanenden Kommissar Alain
Delon's verfolgt wird - welcher aber wiederum nicht merkt, dass der
Ehemann seiner Geliebten (Catherine Deneuve) der Anführer der Gangster
ist und sie sogar ab und an als deren Komplizin aushilft.
Jedes Bild und jedes Setting ist ein cineastischer Segen - behutsam,
präzise und schnörkellos gestaltet, im einlullend-durchwehenden Rahmen
des weihnachtlichen Frankreichs - sowohl provinziell, als auch urban.
Lediglich die Miniaturaufnahmen von Expressbahnen und Helikoptern können
der Qualität nicht standhalten, werden aber von der ansonsten
hochwertigen Bild- und Tonvermengung mehr als ausreichend wettgemacht.
Die Figuren sind hier wiederum (vorallem in ihren minimalistischen
Dialogen) nichts weiter als funktionelle, vom bloßen Instinkt gesteuerte
Schachfiguren im geradezu naturgesetzlich-ablaufenden, obligatorischen
Katz-&-Maus-Spiel zwischen dem Gesetz und dem Verbrechen. Eine
oberflächliche Identifizierung mit jenen Charakteren wird für den
Zuschauer dementsprechend nur spärlich suggeriert.
Doch die Spannung zwischen ihnen bleibt überdeutlich stark und
erschafft recht dringliches und faszinierendes Prozedur-Kino vom
Allerfeinsten, getragen von einer feinfühlig-plastischen Aufbereitung
für die Ewigkeit - ein unterkühlt-raffiniertes Winterportrait von
Rollen-forcierter Zwischenmenschlichkeit. Wo scheitern, gewinnen,
sterben und leben in paraleel-gleitender, gleichgültiger 'Konkurrenz'
zueinanderstehen.
JOE GEGEN DEN VULKAN - Da beginnt der Metropolis-artige, schwerfällige und
unnötig-vertrackte Gang zur verätzten
Operationsbesteck-&-Prothesen-Fabrik mit einem schlurfenden Schritt
durch den Morast, in diesem Autorenfilm von John Patrick Shanley. Unser
amerikanische Arbeiter-'held' Joe (Tom Hanks) wird erdrückt von der
widerwärtigen Verranztheit des obskuren Komplexes, der im kotzgrünen,
fluoreszierenden Licht die Haut sowie das Gemüt entfärbt, während der
herrische Chef einen zur Sau macht.
Die Konsequenz: Unbehandelbare, tödliche Hirnwolken! Vor dem
massiven-einfarbig-tristen Arztgebäude sucht Joe Trost bei einer Dogge
und seinem Frauchen, während die Kamera immer weiter Abstand nimmt -
unser Joe fühlt sich ganz klein in der Welt, zwängt sich in sein
schwachbrüstiges Auto hinein. Ein Bild, dass man sonst nur in
ERASERHEAD
oder einem Wes-Anderson-Film sehen würde - solche werden uns hier noch
öfter begegnen.
Zurück in der Fabrik kennt er kein Halten mehr, kloppt mit einer
Armprothese den Schreibtisch seines Chefs zusammen, kündigt den Job mit
seiner trotzigen Abgeklärtheit und spricht endlich mal alles aus, was er
schon immer zu dieser 'Situation' sagen wollte.
Erhält aus diesem Urschrei heraus sogar ein Date mit seiner
langjährigen Kollegin DeDe (Meg Ryan) im Angesicht der
regenbogenfarbenen Skyline. Als er ihr aber beichtet, dass er sterben
wird, ist ihr das zu viel und so verlässt sie sein Leben.
Doch aus dem Nichts tritt der exzentrische Milliardär Graynamore
(Lloyd Bridges) in sein Leben, der ihm anbietet, als superwichtige
Opfergabe in einen Vulkan zu springen, damit die Eingeborenen ihm ihre
Mineralien verkaufen - Joe hat ja sowieso keine Zeit zum Leben mehr, da
kann er doch einfach nochmal ein paar schöne Stunden verbringen, wie ein
König leben und als Held sterben. Er willigt ohne Bedenken ein, zieht
mit seinem neuen Chauffeur-Kumpel Marshall (Ossie Davis) durch die Stadt
und stattet sich in den feinsten Läden der Ostküste vollkommen neu aus.

Bei seinem Flug zur Vulkaninsel macht er einen Zwischenhalt in L.A.,
wird von der aufgedrillt-suizidalen Tochter Graynamore's, Angela
(ebenfalls Meg Ryan), abgeholt, spachtelt mit ihr in megalomanischen
Restaurants herum und gibt ihrem oberflächlichen Charakter gutgemeinte
Ratschläge, das Leben auszukosten, was sie perplex zurücklässt. Er
merkt: mit ihr wird das auch nix, doch sie bringt ihn noch zum Boot zur
Insel, wo ihre Halbschwester Patricia (nochmals Meg Ryan) schon auf ihn
wartet, die sich von ihrem Vater schwer vernachlässigt fühlt.

Zusammen machen sie sich auf die turbulente Reise, wo beide versuchen
herauszufinden, wo ihr Platz im Leben ist bzw. wo sie es hinführen
wollen. Und natürlich verlieben sie sich im großen Sturm ineinander, wo
ihr Boot auseinanderbricht und sie auf zusammengebundenen Koffern über
die Weltmeere segeln müssen - werden letztendlich an Land angespült. Nun
muss Joe sich dem Vulkan stellen, ersteigt ihn auf einem vertrackten
Weg, welcher dem Gang zu seiner Fabrik nachempfunden ist. Patricia will
ihn, diesen neuen und einzigen Halt im Leben, nicht loslassen, heiratet
ihn vor dem Absprung sogar fix, doch er muss es tun, weil er sein Leben
verschwendet hat - also springen sie zusammen rein. Doch dann...!
Quirlig-herzliche und aussergewöhnlich-erzählte Dramödie mit
traumhaftem Produktionsdesign und satirischer Grundwurzel, die natürlich
nur schwer ihr Publikum finden konnte und offenbar optisch &
thematisch den demnächst erscheinenden
DAS ERSTAUNLICHE LEBEN DES WALTER
MITTY vorwegnimmt - der Weg zur Selbstfindung und dem Genuss des
Lebens, aus dem Arbeiter-Moloch in die farbenfrohe, süße Liebe.
Altbekannte und dennoch schöne Fabel, eigensinnig und phantastisch
gestaltet. Kaum bekannt, aber gerade deshalb noch lange nicht
verachtens-, stattdessen recht sehenswert.
VALLEY GIRL - 'Let's fetz!'
Im spießigen Jugendkultur-Valley, wo die Mütter genauso frisch sind
wie ihre schlagfertig-sprücheklopfenden Teenie-Töchter, Sushi noch eine
Neuheit in der westlichen Welt war und der Soundtrack Pop-Kracher
durchzimmert, die man 25 Jahre später in
'Ananas Express' wiederfand,
ergreift die titelgebende Julie die Initiative und verknallt sich allen
Widrigkeiten zum Trotz in den sick-heißen und liebenswerten Punker Nic
Cage, der wie alle Figuren im Bann der herrlich-blödeligen
1:1-
EIS-AM-STIEL-Synchro steht - führt sie in die spannend-energetische
Welt des 'punkigen' Nachtlebens ein.
Ebenso wie in
EIS AM STIEL ist hier auch der jugendlich-rebellische
Drang nach Sex allgegenwärtig, nur dass hier die den-Jungs-ebenbürtig
schlaksige und hormonreiche Damenseite im Fokus des Narrativs steht. Da
VALLEY GIRL sowieso von einer Frau inszeniert wurde, entpuppt sich aber
dann die ganz magische, süß-aufgebaute, echte Liebe als
erstrebenswert-freischaufelnder, toll-romantischer Weg, der auch mit
einer gigantischen Essensschlacht gegen alle fiesen Barrieren wie
Konventionen, Eifersucht und Klassenunterschiede ankommt.
FOLLOW YOUR HEART!
Trotz verdientem R-Rating: Niedlich-freche und ulkig-unbedarfte
New-Wave-Teenieromanze aus der Hochphase des versexten
Youngster-Comedy-Genres der 80er Jahre, mit zur Abwechslung echt coolen
Elternratschlägen - ein offenherzig-aufreizender Vorgänger von Filmen
wie
'Mean Girls' ♥
KEIN MORD VON DER STANGE - Da hat Crichton doch glatt nicht bloß Folman's
THE CONGRESS mit dem
angestrebten Perfektionismus des ewig-währenden
Motion-Capture-Kommerzgebrauch vorweggenommen.
Zudem gestaltet er sein einstmals futuristisches, noch immer
schön-satirisches und im Verlauf stets-einladenderes
Schönheitswahn-&-Werbehypnose-Thriller-Abenteuer vom Morgengrauen
der 80er (inkl. Illusions-Knarren) mit pulsierenden Synth-Leads und
Vivaldi-Staccatos, die seine eindrucksvollen Techno-Impressionen,
hitzigen Zeitlupen sowie stimmungsvollen Panorama-Shots zwischen De
Palma & Argento unterlegen.
Ein recht treibender, pointiert-inszenierter und vorallem unterschätzter High-Concept-Suspenser.
DER VOLLTREFFER - Hihi, Cusack's Charakter schreibt seine Aufsätze in dieser
lakonisch-abenteuerlichen und geschickt-Situationskomischen
Coming-of-Age-Komödie von Rob 'Spinal Tap' & 'Princess Bride' Reiner
genauso blumig-adjetivreich wie ich meine damaligen Aufsätze sowie die
meisten meiner Rezensionen - nur dass ich Fett von Salami-Pizzen auf dem
Keyboard verteile, statt Peperoni-Schmiere über's Papier zu streifen.
Noch schöner finde ich vorallem, wie sich
DER VOLLTREFFER von einer
formelhaften, Hughes-ähnlichen College-Sause in ein aberwitziges,
Hughes-ähnliches Road-Movie quer durch die USA mit
dusselig-liebenswerten Spießer-Typen (welchen aber schnell der
Geduldsfaden platzt) und notgeilen/saufenden Hillbillies im Schlepptau
wandelt.
Denn Cusack ist auf dem Weg nach Kalifornien, um eine neue heiße
Flamme zu treffen, die ihm sein Kumpel Anthony Edwards versprochen hat.
Als Sitznachbar fungiert aber die recht zugeknöpfte Daphne Zuniga,
welche er schon auf dem College erobern wollte, dies aber nicht so fein
gelang.
Die Beiden ergänzen sich super: Er der draufgängerisch-spaßliebende,
schnippisch-unverantwortliche Chaoten-Boy, welcher lernen muss,
erwachsen zu werden - Sie das verklemmt-vernünftige, dennoch hübsche
Lischen, welches lernen muss, Spaß zu haben...und zu rülpsen ♥ Und wie's
am Ende für die Beiden ausgeht, naja, das bedarf keiner ausufernden
Vorstellungskraft.
Aber auf dem Weg dorthin herrscht reichlich Jugend-Fun und süße,
allerdings auch nie aufdringliche Herzlichkeit, dank dem 100%-ig
stimmigen Timing Reiner's, den einfallsreichen Gags und der
euphorisch-gewitzten Charakterzeichnung.
UP! - Russ '
Tinto Brass U.S.A.' Meyer's hyperkörperbetont-absurder
Erotik-Ulk aus einem exploitativ-drallen
Northern-California-Paraleeluniversum mit geheimen Nazi-Burgen, wo der
Mord am arschgefickten Adolf augeklärt werden soll.
Zumindest zeitweise, denn erstmal wird die neu-angekommene Superbraut
(und Undercover-Bullette) Margot Winchester in allen Stellungen durch
die Botanik genagelt.
Durchgehend spritzig-schmerzfreie und dickbusige
Wollustphantastereien durchziehen sowieso den kompletten Film, also
vergesst die Story - die erklärt die kleiderfreie Kitten Natividad in
Intervallen sowieso nochmal voll-verständlich.
Hier bringen Pre-Troma-Sex-Gags und Superbabes im comichaften
Hillbilly-Zirkus die totale, freilebig-lockere Beglückung, frei nach dem
Motto '
Trimm dich - Bumms mal wieder!'.
Aber wehe es wird geraped, dann zischen Axt und Kettensäge! Doch
sobald das Problem abgeschafft ist: weiter im Programm!^^ Ein
Heidenspaß, dieser
UP! (nicht zu verwechseln mit dem Pixar-Film gleichen
Namens), mit einigen hochamüsanten Offenbarungen über Shyamalan-Niveau.
SOME GIRLS - Ein sehr junger, sehnsuchtsvoller Patrick Dempsey fliegt seiner
Jugendflamme Jennifer Connelly zu ihrer Familie ins
verschneit-schummrige Québec hinterher - welche als recht skurriler
Haufen in einem gigantisch-verzierten, stimmungsvoll-ausgeleuchteten
Schloss wohnt, aber mit dem anstehenden Tod ihrer dementen Großmutter
hadert, die immer mal wieder aus der Nervenheilanstalt ausreißt und
Dempsey für ihren verstorbenen Liebhaber hält.
Allen voran die streng-konservative Mutter des Hauses bleibt
misstrauisch gegenüber ihrem neuen Gast und tatsächlich ist der junge
Mann so vorsichtig-nervös & unbeholfen-chaotisch, weil er eben so
hart mit seiner großen Liebe rummachen möchte, dass er sich beständig
als würdig beweisen will und dabei auch einige gute Taten vollbringt.
Doch die gute Jenny hat zudem 2 mannstolle Schwestern, die ihm ganz
schön den Kopf verdrehen und verführen wollen.
Zur Entspannung verbringen der kleine Casanova, die 3 Schwestern und
ihre Oma ein Wochenende auf dem Lande, wo sich einige beinahe magische
Wege in die Vergangenheit am Kaminfeuer eröffnen. Das Unvermeidliche
kann man im Verlauf leider nicht verhindern, doch jeder von ihnen lernt
recht bewegend zum Leben was dazu, erst recht sich umeinander zu kümmern
- innerhalb des übergreifenden Themas des Films:
AKZEPTANZ.
Das harmlose Teen-Urlaub-Abenteuer spielt seine potenziell-albernen
Gags verhältnismäßig bescheiden aus, bemüht sich um einen realistischen
und teils durchaus dramatischen Touch, welcher von der abgedämpften
Winter-Stimmung und der ausgezeichneten Kameraarbeit Ueli '
The Hot Spot'
Steiger's profitiert.
Was zwar nicht heißt, dass der Film ohne ulkige Situationskomik
auskommen würde, in seiner geradezu feinfühlig-herzlichen Gestaltung
jedoch eine verschämt-unschuldige Note annimmt. Besonders schön kann man
als Zuschauer zudem auch die knisternde Sensualität der Schwestern
eindringlich genießen, von daher gibt's dafür auch einen Extrapunkt.
Dass dieses vom Drehbuch her eigentlich ziemlich formelhafte
Coming-of-Age-Stück doch so schick-eindringlich wirkt, liegt eindeutig
an der geglückten Wahl des Drama-Regisseurs Michael Hoffman ('
Gelobtes
Land', 'Zeit der Sinnlichkeit') für diese Produktion. Da stört es auch
nicht allzu sehr, dass ab und an der christliche Glauben befürwortet
wird - in diesem R-Rated-Film mit einigen wohlgeformten, blanken Busen.
Doch echt sympathisch-sentimentaler Teen-Kitsch.
REQUIEM POUR UN VAMPIRE - Bin etwas zwiegespalten bei dieser Arbeit von Jean Rollin - zunächst
lässt er seine 2 niedlichen Flüchtlinge durch's Land streifen, wo sie
sich gewitzt und leichtfüßig Essen & ein Moped ergaunern, auch mal
auf einem Friedhof übernachten wollen und sich schlussendlich (trotz
unheilvoller Fledermäuse im umliegenden Wald) in einem verlassenen
Schloss einkuscheln.
Doch dann schauen sie sich näher um und entdecken das Geheimnis
dieser gothischen Gegend: Vampire! Jene nehmen sie gefangen, schleppen
sie zurück zum Friedhof in einen dunkelroten Keller, wo andere Frauen
bereits in Ketten hängen und sodann von den männlichen Vampirschergen
bissfest vergewaltigt werden. Sodann stehen unsere Protagonisten unter
dem Bann des Bösen und müssen dafür Opfer zum Blutaussaugen anlocken.
Besonders in diesen an-sich-schon stimmungsvollen Szenario wird
deutlich, wie Rollin hier zum Zwecke der Genrehaftigkeit Kompromisse
einging, lässt er die Vergewaltigungsszenen hier doch überlang
ausspielen und droht dem Zuschauer zudem, dass der Film ab hier nicht
mehr so leichtfüßig agieren kann, denn die 2 Mädels sind nun gefangen -
schade :(
Ich meine, seine Entscheidung, in jene Richtung vorzugehen, ist ja
nun nicht unbedingt unstimmig dargestellt und ich kann mich damit
abfinden, dass nicht jeder von Rollin's Filmen traumhaft fließend und
luftig wie z.B.
LIPS OF BLOOD sein kann - aber leider wirkt der
REQUIEM
dann auch nicht mehr so liebenswert, wie ich es mir erhofft hätte.
Immerhin lässt er den Mädels den Versuch zu fliehen, aus der
finsteren Nacht und dem ebenso hilflosen Morgengrauen. Und schließlich
muss auch der Obervampir, der letzte seiner Art, einsehen, dass alle
Mühe vergebens ist - er lässt sie ziehen und macht seinen Gruselkeller
für immer dicht, bleibt im Dunkel des Verderbens zurück. Hier macht der
Titel des Films zum Schluss hin am meisten Sinn, fühlt sich aber wie ein
Teil eines anderen Films an, dessen nachvollziehbarer Aufbau hier für
die leichtlebige Odyssee zweier Mädchen Platz machen musste.
Nun denn,
REQUIEM POUR UN VAMPIRE besitzt dennoch in seinen besten
Momenten eindringliche Szenarien, einen sphärisch-krautrockigen
Soundtrack mit Orgel & Klavier, sowie Rollin's ausgespieltes
Lieblingsmotiv, die zarten gejagten Zwillinge, im Fokus des Narrativs
und zudem für Genrefans eine Menge Sex und Vampirbisse. Und die
Beleuchtung ist mal wieder sowieso ein Schmankerl sondersgleichen,
suggeriert sie doch gewohnt übernatürliche Dimensionen der Nacht.
Es
hätte allerdings doch noch viel schöner werden können - sei's drum,
meine Fantasie wird sich da jetzt erstmal eine alternative Route für die
2 Lieblichen erträumen, dazu regt Rollin dann doch gut genug an. Und in
anderen seiner Filme erfüllt er sich seine und meine Fantasien umso
ausgelassener, Gott-sei-dank :)
WAS FÜR EIN GENIE - In Martha Coolidge's schwungvoll-harmlosen Nachfolgewerk zu ihrem
'VALLEY GIRL' (welches hier in einem Cameo ebenso mitspielt) sammelt
sich William Atherton
X-MEN-mäßig die schlausten Schüler des Landes in
seine Schule für besonders Schlaue zusammen, welche ihre skurrilen,
wissenschaftlichen Fähigkeiten (mal abgesehen von einigen
neidisch-mobbenden Handlangern, wie....urgh, Kent) jugendlich-kollegial
zusammenlegen, ausbauen, aber unwissenderweise für ein geheimes
Laserwaffenprojekt einsetzen.
Der unbeholfen-schüchterne Neuankömmling Mitch (Gabriel Jarret)
freundet sich mit dem schlagfertig-coolen Slacker-Genie Chris (Val
Kilmer) an, der seinen Hirnschmalz auch öfters mal für tolle Streiche
und abgefahrene Parties mit Bikinigirls nutzt, was dem Atherton Anlass
gibt, die beiden von den nach-außen-hin-harmlosen Laserexperimenten
abzuziehen - doch das lassen sie sich nicht so einfach gefallen und
büffeln so hart es geht (mehr noch als Homer in seiner nachgeholten
College-Zeit) - erschaffen den ultimativen Laser!
Als sie mitkriegen, wozu ihre Erfindung gebraucht werden soll,
vereinen sie sich mit dem hyperaktiv-quirligen Love-Interest-Mädel
Jordan (Michelle Meyrink), Lazlo (Jon Gries), dem zurückgezogenen
Supergenie aus den 70ern und all den anderen guten Kids, um das
Schlimmste zu verhindern - erleben auf der geheimen Militärbasis, wo die
Waffe aufbewahrt wird, einen kleinen
Mission-Impossible-Klimax.
*SPOILER* Am Ende haben sie die tödliche Laser-Waffe so umprogrammiert,
dass sie lediglich massive Popcorn-Mengen aufwärmen kann - ein
euphorisch-freches Synonym dafür, was der Film an den Kinokassen ebenso
erreichen wollte und wohl auch schaffte.
*SPOILER ENDE*
Frenetisch-poppige Synth-Sequencer & potenzielle 80's-Discohits
(inkl.
'Tears for Fears') treiben das schmissig-geschriebene,
sympathische Jugendabenteuer voran, welches in der leichtfüßigen
Kurzweiligkeit seines
Verschwörungs-Sci-Fi-Thriller-&-College-Klamauk-Mix einen
durchgehend-frischen und auch zeitweise mini-spannenden
Unterhaltungsfaktor vorweisen kann. Das gefällt!
METALSTORM - DIE VERNICHTUNG DES JARED-SYN - Der titelgebende
METALSTORM kommt zwar im Film selber nicht vor, wird aber seiner reißerischen Natur mehr als gerecht.
Minimalistisch ausgestattet und spartanisch erzählt, versuchte sich
Charles Band in den 80ern an diesem 3D-Eventfilm, der sich hauptsächlich
auf seine In-Your-Face-Effekte konzentriert und die Charakterzeichnung
ganz flach auf dem vertrockneten Boden hält. Mit seinen nicht mal 80
Minuten Laufzeit sollte hier ein ganz fixes, Attraktions-ähnliches
Erlebnis geboten werden, welches sich in möglichst hübscher Verpackung
durch gute 3D-Kameraarbeit und abenteuerlichem Orchester-Score von
Actionszene zu Actionszene hangelt.
Das gelingt grundsätzlich schon mal einigermaßen. Was aber schnell
auffällt, sind die ironiefreien Figuren, die nur stichwortartige Dialoge
austauschen, sowie die Kulissen, welche auf austauschbaren Baugruben in
der kalifornischen Wüste spärlich aufgebaut wurden. Sie sollen den
semi-budgierten Budenzauber Band's schnörkellos vorantreiben und
bedienen höchstens archetypische Funktionen.
Es erinnert einen daran, wie man als Kind selbst im Sandkasten oder
auf dem heimatlichen Hof herumgetobt und Weltraumabenteuer nachgeäfft
hat. Und so versucht sich auch
METALSTORM daran, den Geist von
STAR WARS
und sogar einigen Western einzufangen - was durch die geringen (auch
narrativen) Mittel zwar unmöglich ist, aber bei deren Amateurhaftigkeit
geradezu sympathisch bzw. bemitleidenswert erscheint.
Interessant wird es, sobald
METALSTORM mit seinem 3D-Wahn einige
impressionistische Wege geht - wenn in (für einen Sci-Fi-Actionfilm)
viel zu langen Einstellungen die Sandschluchten Kaliforniens abgeflogen
werden, den telepathisch-monologisierenden Bösewichten Zeitlupen
spendiert werden (erst recht, wenn ihnen extatisch die Arme abgerissen
werden) und der Obermotz Jared-Syn seine Feinde in eine
interdimensionale Zwischenwelt entführt & dort mit Lebenskristallen
ihrer Seele entledigt - entwickelt der Film ab und an eine
hypnotisch-verlorene Wirkung, die viel mehr die bittere Dekonstruktion,
sprich 'Vernichtung' (siehe Untertitel des Films) und Leere eines
derartigen Genrefilms und seiner Charaktere suggeriert, welcher hier
sowieso bloß von den essenziellen Zutaten nähren kann.
Man kann es so interpretieren, man kann
METALSTORM aber auch für den
oberflächlichen, schnell zusammengefrickelten Space-Actioner halten, den
er von außen her anbietet. Er bedient sowohl (ohne großartige
Emotionalität) die Eskapismusgelüste des Zuschauers, legt aber auch
(bewusst oder unbewusst) die Wurzel seines Filmgenres frei, um die
Obligation der entgeisterten Schachfiguren in all ihrer widerstandslosen
Geradlinigkeit aufzuzeigen und durch leergefegte Räume &
Dimensionen wandeln zu lassen.
Gibt's auf deutsch nur auf Video, in den USA ist aber auch eine DVD
vom Film erhältlich, jedoch ist diese lediglich in Vollbild gepresst, wo
er doch ursprünglich so schön in 2,35:1 verfilmt wurde. Keine einzige
Heimkino-Ausgabe bietet jedenfalls eine 3D-Fassung an, was
METALSTORM's
Daseinsberechtigung (für welche man sich auch immer entscheidet) umso
transparenter erscheinen lässt.
SIXTEEN CANDLES - DAS DARF MAN NUR ALS ERWACHSENER - Ich dachte zum Anfang, dass ich den Film hassen würde, weil Ringwald
nicht fähig ist, einfach auszusprechen, dass sie Geburtstag hat bzw. wie
sehr sie ihren Schwarm, welcher ebenfalls an ihr interessiert ist,
liebt.
Aber sobald die forcierteste Missverständnis-Situationskomik endlich
ihr Ende nimmt, einfach gewitzt-gefeiert, ausgelassen-geliebt wird und
jeder seinen sehnlichsten Wunsch erfüllt bekommt, mochte ich die
SIXTEEN
CANDLES dann doch einigermaßen.
John Hughes' pointierte Gestaltung funktioniert abgesehen davon auch
durchweg und bringt stetige Kurzweiligkeit für das ungenierte
Teen-Publikum.
Und sowieso: Lass dich drücken, Molly ;)
NEW YORK COP - Regisseur & Hauptdarsteller Tôru Murakawa schlägt sich in dieser
japanisch-US-amerikanischen Ko-Produktion als Karate-As &
Undercover-Rookie Toshi durch die plakativ-gestaltete und rassistische
Unterwelt New York City's.
Trifft bei seinen ruppig-feindseligen Investigationen auf wenigstens
eine zauberhaft-soziale Seele: die mit spanischem Akzent spielende Mira
Sorvino als Maria, welche zudem Schwester des Bandenbosses Hawk (Chad
McQueen) ist. Toshi etabliert sich bei ihm als kollegial-knallharter
Geldeintreiber - was dessem Hispanic-Sidekick Tito nicht in den Kragen
passt, weshalb dieser Toshi beschatten lässt.
Toshi wird's schon schnell zu heiß und so besorgt er sich mithilfe
einiger ebenfalls Undercover-ermittelnder Kollegen eine Knarre zum
Schutz, während auch das FBI jeden Schritt der Gangster genauestens
beobachtet und mit Waffengewalt jähzornig (ohne Rücksicht auf andere
Verbrechensbekämpfungs-Divisionen) auflauert.
Dabei kommt es desöfteren zu brutalen, chaotischen Shootouts aller
Parteien im solide-ausgeleuchteten 90er-Hexenkessel dieses naiven
Thrillers, welcher auf mittelmäßigem Budget allgemeinverständlichen
US-Actionstandarts hinterhereifert - dennoch die ambitionierte Stimme
eines aufopfernden Immigranten nach Anerkennung und Integration
widerspiegelt (bezeichnenderweise basiert der Film auf den
offenbar-wahren Fall des US-japanischen Undercover-Polizisten Jiro Ueno)
- Werte wie Zusammenhalt, Loyalität, Verantwortung und Harmonie in
diesem zerrütteten Milieu vermitteln will.
Ähnlich wie John Woo's im selben Jahr entstandenen US-Debüt
HARTE
ZIELE versucht die japanische Mentalität hier ihre Sicht auf das
problembelastete Amerika zu adaptieren und zu reflektieren - in diesem
Fall den Sinn hinter der Gang-Mentalität zu erklären, anhand von Mustern
bekannter Yakuza-Rangordnungen, welche hier zudem durch einen
rücksichtslosen Killer-Anarchismus von Gesetz und Mafia unterwandert
werden.
Und wenn Toshi seine Kollegen, egal von welchem Lager, verliert und
er diese in ihren letzten Atemzügen in seinen Armen hält, durchschwebt
ihm eine schweigsame Wehmütigkeit, übergibt ihre Seelen dann segenreich
der barmherzigen Natur und geht daraufhin zielstrebig-pflichtbewusst wie
ein Samurai auf seinen ehrenvollen Rachefeldzug. Aus Scham und Schuld
verlässt er zum Schluss auch wortlos die ihn liebende Maria (
*SPOILER*
weil ihr Bruder wegen ihm erschossen wurde
*SPOILER ENDE*), geht weiter
seinen einsamen, pflichtbewussten Weg, diese Stadt zu einem sichereren
Ort zu machen.
Ein ziemlich bitteres Ende, welches dieser B-Actioner findet - aber
vollständig nachvollziehbar, für den Weg dieses japanischen Polizisten,
der kein Held sein, bloß seinem Zuhause Halt bringen wollte, welchen er
gezwungenermaßen mit Gewalt durchsetzen musste. Diese Ebene trifft mich
dann doch stärker als die kostengünstige Gestaltung des potenziellen
Videotheken-Ballerwerks, welches sich
NEW YORK COP nach außen hin gibt.
Ich kann es aber anderen Zuschauern nicht verübeln, wenn sie darüber
nicht hinwegsehen können, eine Chance hat dieser Film meiner Meinung
nach dennoch verdient.
DER GROSSE JAPANER - DAINIPPONJIN - Gemütlich-trockene und ironiefrei-objektive
Straight-faced-Mockumentary über das aussergewöhnlichste Subjekt: ein
bescheidener und dennoch recht angefeindeter Bürger Japan's, der zu
Wolkenkratzer-Größe aufgepowered werden kann, um gegen obskure
Riesenmonster zu kämpfen.
NIGHT TRAIN MURDERS - Ohne falsche Bescheidenheit kann ich behaupten: sowas hab ich in den
Zügen der DB noch nicht erlebt. Dann wiederum war ich noch nie in 'nem
Nachtzug unterwegs, von daher kann ja was-weiß-ich alles dort abgehen,
da bin ich nicht auf dem Laufenden.
Was ich jedoch bei Tagesfahrten mitkriege: heutzutage sind alle
höchstens nur noch besoffen oder führen wirre Selbstgespräche. Junge
Menschen spielen auch sowieso lieber mit ihrem 3DS oder lesen Kindle,
als lustvoll-grausam zu vergewaltigen - und geraucht wird auch nur noch
auf bestimmten Gleisabschnitten, nicht auf den Zugfluren, wenn Kinder
daneben stehen.
Ungemütlich ist es zwar auch manchmal, aber nicht sooooo total-Terror
wie es in den 70ern war - jedenfalls wie Aldo Lado diese in seiner
'Last House on the Left'-Variante darstellt, welche zudem quasi 1:1 die
Gewaltdiskussion in geselliger Runde aus
'Ein Mann sieht rot' rekreiert
und
*SPOILER* letztendlich denselben selbstjustizhaften Umkehrschluss
tieftragisch in die Tat umsetzt.
*SPOILER ENDE*
Der ultimativ-fiese Sleaze-Horror verfehlt hier übrigens nicht seine
Wirkung, kam aber so unfassbar-scheußlich und unaushaltbar-assig, mit
seinen von-Natur-aus-bestialischen Fieslingen (und deren superperfider
Plötzlich-Komplizin
*SPOILER*, welche nichtmal ihr Fett wegkriegt -
AAARRRGGHHH!!!
*SPOILER ENDE*), dass ich diesen (im besten Sinne)
schäbig-gestalteten Rape & Revenge-Sicko ab und an überfliegen
musste - denn ich wusste:
NIGHT TRAIN MURDERS will, dass man die Rache
richtig süß genießt - um einem am Ende dann doch die bitterste Pille
schlucken zu lassen.
Durch solche Erfahrungen wollte ich mich heute nur noch ungern
zwingen - den cineastischen Weg bin ich u.a. mit
I SPIT ON YOUR GRAVE,
oben genanntem
LAST HOUSE,
KIDNAPPED,
BEDEVILLED und auch einigen
Bresson-Werken, schon desöfteren gegangen - welche ja nun keine
schlechten Filme waren, möchte ich dazu sagen (derartig exploitationhaft
wie
NIGHT TRAIN waren sie ja teilweise auch nicht unbedingt).
Mir war einfach nicht danach - dennoch ein wirkungsvoller Reminder
daran, dass die Hölle auf Erden existiert und welch Folter manche
Terror-Filme doch sein können (andere Vertreter des Genres finde ich
zwar auch abstoßend, aber dann doch irgendwie bis zum Ende hin
faszinierend -
NIGHT TRAIN hingegen war konsequente,
unausweichlich-herzlose Pein - schon echt beachtlich, obwohl die
Charaktere hier allerdings sehr oberflächlich gezeichnet sind). Und wenn
ich eins von diesem Film gelernt habe, bei dem ich viel vorspulen
musste, weil's mir einfach zu viel war (ja, sowas gibt's bei mir noch):
Nachtzüge sind scheiße - noch beschissener, als sie schon in
HOSTEL 2
waren.
T-FORCE -
PM Entertainment liefern uns ihre kostengünstigere Variante von
UNIVERSAL SOLDIER - mit einer kibernetischen T-Force, die nach einem
missglückten Anti-Terror-Einsatz nicht abgeschaltet werden will, gegen
ihre robotischen Direktiven verstößt und bleihaltig gegen ihre Macher
vorgeht.
Nur einer von der blutrünstig-unaufhaltbaren Terminations-Force hat
ein gutes 'Herz': Cain, der sich dem sprücheklopfenden Detektiv Jack
Scalia anschließt, welcher es faustdick hinter den Ohren hat, seinen
widerwilligen, neuen Kollegen liebevoll '
Blechmann' tauft und ihm
beibringen muss, was es bedeutet ein Mensch zu sein (z.B. dass man '
Leck
mich am Arsch' ja nicht allzu wörtlich nehmen soll) - was die Bösen
u.a. auch verfolgen, als sie aus einem Erotikmagazin lernen, sich
fortzupflanzen = Cy-Boobs.
Zusammen lernen sie schlagkräftige Partner gegen die Bösen zu sein
und entfesseln damit ein bombiges Inferno innerhalb funktionaler
Settings, voller handgemachter Effekte, stuntreichen Faustkämpfen,
exzessiven Feuerbällen und überschlagenden Cage-Karren, direkt aus dem
'Road Warrior'.
Ein B-Movie-Kracher wie ein Gedicht! Spitzenspaß aus der Videothek,
mit einem schick-durchdachten, simplistischen Skript und kurzweiliger
Schauwerten-Parade sowie niedlich-unbedarftem Roboterhumor, direkt aus
dem Kritzelheft eines Viertklässlers. Recht sympathisch!
LAST HOUSE ON DEAD END STREET - Ein kleiner, dreckiger Exploitationfilm verteufelt die nihilistischen Tiefen des Exploitationfilms.
Nach einer weniger eindrucksvollen Etablierung der Charaktere und der
Handlung inkl. mäßig-nachsynchronisierter Dialoge, lang ausgewalzten
Nudie-Segmenten, direkt aus dem
SOMETHING WEIRD VIDEO-Sortiment und
allgemein technischer Schwachbrüstigkeit, setzt der Film zur zweiten,
sehenswerten Hälfte an.
Erschafft dort mit seinen verzerrt-morbiden Masken/Kreaturen, die für
die Kamera quälen und morden, bestialisch-finstere Abgründe - locken
einen in lange, dunkle Korridore, die sich als Tor zur menschlichen
Hölle entpuppen - verfangen innerhalb der pechschwärzesten, geheimen
Nischen des Zelluloids.
Ein sadisitischer, Sinnes-&-Gliedmaßen-zersägender,
infernalischer Opfergang, begleitet von geisterhaften Chören, welche die
Trennung von der erdlichen Körperlichkeit signalisieren und einen in
den ausweglosen Hades hineinzwingen.
Ab und an versucht der Film die realitätssuchende Flucht in die
Freiheit, verfängt sich aber nach kurzer Zeit dankbarerweise wieder im
faszinierenden Netz des ausserweltlichen Terrors, zwischen Seele und
Leinwand. 100%-ig gelungen ist er im Gesamteindruck leider nicht, dafür
bleibt er lange Zeit einfach zu trivial und ungeschickt (auch sowieso
durchgehend minibudgiert) gestaltet.
Doch wenn die Hölle auf Erden losbricht, dann aber mit
kompromissloser Stärke und einigen recht eindringlichen Bilderschlünden
(allen voran die aus einer VHS-Quelle wieder eingefügte
Ausweidungssequenz, welche die Snuff-Thematik des Films bedrückend
unterstreicht).
Ein gewitzt-satirischer Twist auf das beliebte Kaiju-Genre, mit 108 Minuten leider dann doch zu langatmig, aber allein für die grossartige Super-Justice-Familie sehenswert :)