Heute ist mein 28. Geburtstag und obwohl ich keine 28 neuen Kritiken aufbieten kann, sind die folgenden hoffentlich noch genug, die ihr lesen und mich auf die Art feiern könnt ;)
LE BERCEAU DE CRISTAL - Lässt sich das überhaupt experimentell nennen, was Philippe Garrel hier in beinahe kompletter Personalunion versucht hat? Fürwahr, er bricht das für gewöhnlich narrative Konzept des Kinos und lädt zur Assoziation ein, doch im Grunde bildet er schlicht die Kunstform Mensch ab. Schnörkellos kommt die Schönheit in den Fokus, sobald Gesichter von Nico, Dominique Sanda, Anita Pallenberg und Co. beinahe wie in Stillleben eingefangen werden, trotzdem ihrem Eigensinn nachgehen und doch das Licht in der Dunkelheit bleiben. Garrel macht aus ihnen zudem keine kühle Aktionskunst ohne filmischen Ansporn – sein Schnitt kommt beileibe nicht ins Schleppen, insbesondere die Lichtführung vermittelt stets mysteriöse Stimmungen und die Musik von Ash Ra Tempel verstärkt zudem den ätherischen Rausch der Beobachtung. Nun ist die Beobachtung aber keine unbedingt voyeuristische, aber es hängt ganz vom Zuschauer ab, welch heimelige Atmosphäre er stattdessen empfindet. Wer dem Sinnlichen nicht abgeneigt ist, dürfte sich jedenfalls stimmig in die Geographie der Kulissen oder gar ins Zusammensein mit den uns dargestellten/uns darstellenden Wesen hinein fühlen.
Das fast vollständige Fehlen einer Dramaturgie suggeriert gleichsam das Eintauchen in eine fremdartige Welt, reizvoll in ihrer Unberechenbarkeit und Selbstverständlichkeit. Der Minimalismus dieser Methodik konzentriert geradezu mühelos mehrere Vorstellungskräfte simultan zusammen, obgleich der weitere Verlauf des Films mit seinen Bildern uriger Gemälde und Frauen im Morgentau-Wald weiterhin wenige Fragen beantworten wird, ehe Nico doch noch atemberaubend geisterhaft aus der privaten Poesie über die Sehnsucht zu einem entfremdeten Liebhaber erzählt. Zudem scheint es so, als ob dieser im Geiste, in Spiegeln und im Zwielicht, zugegen ist oder zumindest in der Wahrnehmung unserer „Protagonistin“ verharrt, wie auch weitere Gestalten hier auftauchen. Das gibt der Aura der Dunkelkammer eine durchaus melancholische Note, das Gefühl daran hat man als Zuschauer jedoch eher selbst zu entscheiden, während die unwirkliche Optik weiterhin im Nirwana treibt. Das ist natürlich auch mal erfrischend, dass einem nicht dauernd vorgekaut wird, anhand welcher Rollenmodellen und Inszenierungsfunktionen man mitfühlen soll.
Bei gerade mal einundsiebzig Minuten Laufzeit erschöpft sich das Konzept zum Ende hin zwar und hält auch einen Sch(l)uss bereit, der sich prätentiös interpretieren lässt, jedoch bietet die Gesamterfahrung ein emotionales Potenzial zwischen den Welten Realität und Leinwand, das sich als Unikat seiner Zeit an das Äquivalent eines Traumes heranwagt und dabei auch per Schlichtheit glänzen sowie abstrakt über die Macht der Liebe, des Menschen und seines Wesen erzählen kann. Less is more. Danach wird man sich durchaus die Frage stellen, wie sehr es das aktuelle Kino oder dessen Zuschauer verlernt hat, die Kunst außerhalb der „Story“ zu reflektieren.
BASKET CASE 2 - Es ist doch so: Nach jedem Ausflug ins Werk Frank Henenlotters fühlt man sich wohler darin, anders, kaputt, gar pervers zu sein, eben von der Gesellschaft als Fehler bezeichnete Faktoren inne zu haben, die es sonst zu verstecken gilt, ein Stigma der Scham ausdrücken und ohnehin nicht dem Schönheitsideal entsprechen. Henenlotter stellt den Ausbruch aus jener Selbstgeißelung im zweiten Teil seiner Basket-Case-Saga zum einen mit einer Überspitzung dar, die anhand obskurer Kreaturen menschlicher Mutation krasse Eindrücke abgeben, welche zum anderen aber auch mit einem Menschenschlag konfrontiert werden, welcher per Selbstgefälligkeit des „Normalen“ von oben herab Widerwärtigkeit ausstrahlt. Mitten drin ist wieder mal Duane (Kevin Van Hentenryck), der mit seinem missgebildeten Bruder Belial von der ominösen Granny Ruth (Annie Ross) aufgelesen wird, nachdem die Ereignisse aus Teil eins ihnen Verurteilung und Sensationskultur auf den Hals hetzen. So geraten sie in eine Kommune an „Freaks“, die von Ruth im Sinne einer Heimleiterin oder Gruppentherapie ausschließlich innerhalb ihres Hauses gehalten wird. So bizarr und furchterregend die Auswüchse jener abseits der Gesellschaft hausenden Wesen wirken, so wenig kann sich selbst Außenseiter Duane mit ihnen identifizieren, weshalb er sich erneut nach einem normalen Leben außerhalb der Bruderbindung sehnt und dies in Ruths Enkelin Susan (Heather Rattray) zu finden glaubt. Wie es nun mal der menschlichen Natur anhaftet, fängt er damit ebenso an, vom Äußeren her zu urteilen - Henenlotters Inszenierung behandelt die Etablierung seiner Liebe sodann ziemlich spärlich, um Duanes Oberflächlichkeit in jener Hinsicht herauszustellen, obgleich er trotzdem der herzliche Naivling bleibt, dessen Leben ihm jedoch schräge Neurosen zukommen lässt.
Er handelt jedenfalls nicht mit ausbeuterischer Absicht, wie es die Gesellschaftsvertreter hierin halten. Ob nun Schmierenreporter oder Schaubudenbesitzer: Sie wollen Kapital aus dem Fehlerhaften des Menschen schlagen, umso militanter kommt Ruth sodann zum Schluss, notfalls auch mit Belials Mörderklaue gegen das Unrecht anzukämpfen. Duane ist sodann ebenso hin- und hergerissen, auch aus Liebe zum Bruder für seine Zwischengesellschaft einzustehen, woraus Henenlotter sodann einige aufregende Sequenzen zieht, welche effektiv jene Frage auf den Kopf stellen, in welchen Kreisen man die Ausnahme oder den Konsens bildet. Der Horror dieser Frage bleibt nicht aus, ebenso verstärkt Henenlotter per Lichtfärbung und Kamerawinkel das Außergewöhnliche seines Ensembles, geht sogar euphorisch und frei an dessen Beischlaf heran, was man sowohl als Ekelfaktor, aber auch als Enthemmung werten könnte. Letzteres macht eher Sinn, wenn man im Gegenzug Duanes unbeholfenen Umgang mit Susan beobachtet, der umso schwieriger wird, sobald sie doch noch ihren einzigen Makel vorführt. Die Konsequenzen, die er daraus zieht, sind aber auch Resultate der Ideologie Ruths, welche in der Positionierung der Identität genug an Zweifeln sowie eine Manie aus Duanes enttäuschter Sehnsucht schürt. Das daraus folgende offene Ende kommt sodann zu einer radikalen Pointe, die von der (zugegebenermaßen durchweg schon bewusst anorganischen) Dramaturgie her so früh noch nicht erwartet wurde. Sie ist damit aber auch Teil eines eigensinnig kritischen (im Vergleich zu Teil 3 noch dezenteren) Humors, der Henenlotters Werk seit jeher ausmacht und auch hier die Brücke zwischen Gesellschaftssatire, Bodyhorror, Perversion und Romantik schlägt, wie sie sich in aller Krassheit dennoch beachtlich menschlich greifen lässt.
SPOTLIGHT - Was zunächst die größte Schwäche am „Spotlight“ sein könnte, wird im Verlauf die einzig angemessene Lösung: Thomas McCarthys Inszenierung nähert sich seinem Sujet mit schlichtem Gestus, einer trockenen, doch respektvoll beobachtenden Kamera sowie einem nicht gerade erheblichen Score Howard Shores. Der Hang zum Affekt lässt er abgesehen von einigen Momenten zum Ende hin ebenso vollständig aus, hauptsächlich ist seine Darstellung investigativen Journalismus' eben eine der Fakten und Wahrheiten, besitzt beinahe dokumentarischen Charakter, lässt aber nie daran zweifeln, dass hier Menschen am Werk sind, die ihr ganzes Herzblut, sprich ihre Expertise an den Tag legen sowie von Berufsethos und Menschenkenntnis her Empathie entgegenbringen können. Was sie erfahren, ist an sich schon schlimm genug, als dass das Entsetzen dazu reinforciert, überhaupt ausgesprochen oder ein Monster an den Pranger gestellt werden muss. Demut zeigt sich nun mal per Bescheidenheit und McCarthy weiß in gezielten Momenten ohnehin, dass die konkrete Nacherzählung eines Grauens mitunter stärker wirken kann als eine eventuell spekulative Stilisierung des Prozesses. Jedenfalls hält es unsere Recken nicht darin auf, an den Kern der Sache gelangen zu wollen, ein System aus Missbrauch und Vertuschung von höchstem Rang zu offenbaren, das als offenes Geheimnis alle Türen verschließen lässt und alleine nüchtern betrachtet ein gesundes Maß an Spannung und Entrüstung hervorruft. Gleichsam sind stets kühle Köpfe erfordert; nichts wird vorschnell veröffentlicht, solange es nicht gänzlich spruchreif oder in allen Belangen sorgfältig recherchiert ist, damit der erhoffte Einschlag auch wirklich was bewirkt.
Die Menge an berufsbedingten und legislativen Schikanen, die sie dabei entwirren müssen, scheint mindestens so komplex wie das von ihnen beleuchtete Netz katholischer Missbrauchsfälle an sich, womit McCarthy durchaus ein effektives Gleichnis zur Nachvollziehbarkeit bildet. Das Ensemble vom Boston Globe ist dabei nur bedingt im Privatleben zu beobachten, die Charaktereigenschaften im Umgang mit Umwelt und Mitmenschen sind aber durchweg scharf zu beobachten und werden im Spiel verdammt echt vermittelt. Nicht eben ausschließlich das brisante Thema ist hinsichtlich der Existenz des Films relevant, sondern auch die Darstellung jener Unmittelbarkeit menschlichen Einsatzes und dessen Verlangen nach der Unmittelbarkeit zur Wahrheit, das sich stark gedulden muss und dadurch dennoch umso kraftvoller wird - eben so wie es der Großteil der Meinungsbildung ja scheinbar kaum noch handhaben mag. Der Film illustriert aber auch an seinen engagiertesten Figuren Fehlentscheidungen vergangener Perspektiven, aus denen sich im Nachhinein lernen, Schuld eingestehen und vergeben lässt. Zum einen wird der katholische Grundgedanke (der Charaktere) damit trotz aller Offenbarungen weiterhin aufrechterhalten und nicht zynisch verpönt; zum anderen zeigt sich darin die Notwendigkeit, die Erinnerung an ein Unrecht nicht im Lauf der Zeit versiegen zu lassen, wenn dieses nicht beglichen wurde. Umso wichtiger ist eben solch ein Film, welcher der rücksichtsvollen und gleichsam kompromisslosen Methodik der Sorgfalt den Vorrang überlässt und mit Feingefühl ans Gerechte im Menschen herantritt.
DOG LADY - "[...] Das emotionale Bestehen außerhalb einer geregelten Zivilisation gelingt hingegen ausschließlich durch die unbedingte Zuneigung der Hunde, die sich in jedes Bild drängeln und Schmatzer geben, was von ihr mit liebevoller Pflege und Verständnis quittiert wird. Dadurch entsteht ein hoher Unterhaltungsfaktor, der vom Film in behutsamer Beobachtung fokussiert wird. Ansonsten hält er sich sowieso durchweg am Tempo des Understatements, kommt schlicht und konkret zum Wesentlichen, ohne noch per nachgereichter Erklärung mit Absichten, Deutungen oder gar Urteilen um sich zu werfen, die man mitunter in der bloßen Betrachtung erfährt. [...] „Dog Lady“ verbringt hingegen die Zeit mit Impressionen eines Alltags im Abseits und bleibt dennoch kurzweilig darin, wie es sich nun regeln lässt. [...]"
(Die komplette Kritik gibt es auf CEREALITY.NET zu lesen.)
THE REVENANT - DER RÜCKKEHRER - "[...] Die Detailverliebtheit der Ausstattung, die bärtig-abgehalfterte Präsenz kampferprobter Recken, die spürbar eingefangene Kälte der Umwelt, die Hitze und der Rauch der Flammen, der Dampf der Schlacht in Erde und Fleisch: So ausgiebig um Echtheit bemüht, gibt sich das aktuelle Mainstreamkino selten. [...] Insbesondere die schauspielerische Komponente im Falle DiCaprios grenzt an Wahnsinn und kennt keine Hemmungen gegenüber einem Ambiente, das in seiner Kälte gewalt(tät)ig erdrückt. Ihre Funktionen sind aber auch Teil einer All-or-nothing-Mentalität, die dem Großprojekt anfällt: Der filmtechnische Aufwand allein scheint die Existenz zu definieren, jenseits des Gezeigten lässt sich jedoch nur wenig Substanzielles herausziehen. [...]"
(Die komplette Kritik gibt es auf CEREALITY.NET zu lesen.)
THE GIFT - DIE DUNKLE GABE - Im Nachhinein ist es schon einigermaßen schade, wie gewöhnlich nach Genre-Maß die Auflösung des hier Stattfindenden vollzogen wird. Sofort ist man geneigt, die Erfahrung runterzuwerten und bereits das zuvor bemühte Gerichtsdrama als Anlass zu nehmen, dem Film Langeweile zu attestieren. "Die dunkle Gabe" kommt gewiss auf triviale Pfade, wenn es um seine Abwicklung geht - Stärken hat Sam Raimis Film aber insofern noch genug, dass man gerne von Anfang an dabei ist. Mal ab von den effektiven Schocks, die er mit respektvollen Abständen setzen kann - ehe er zum Finale hin ein Stück zu eintrichternd zurande geht -, überzeugt die geerdete Herangehensweise an Handlung und Figurenspektrum, welche aus dem Funktionellen aufrichtigen Charakter schlägt. Der Aufbau dessen lässt sich entsprechend Zeit und gibt sich nicht gerade mit einsilbigen Definitionen zufrieden. Die Ambivalenz aller kommt am Ehesten aus der Suche nach Hilfe, Verständnis und Freundschaft zusammen - ein Kompass fürs Innere sowie für die Zukunft wird erfordert, solange die Umwelt um Hellseherin Annie (Cate Blanchett) mit Einschüchterung, Gewalt, Missbrauch und Untreue konfrontiert wird, aber aus Angst versteckt.
Annie nimmt anhand ihrer Visionen intensiver Teil an jener Angst, als ihr wirklich lieb ist - sie spricht sie wenigstens aus, allerdings auch in durchweg empathischer Bescheidenheit. Raimi sowie Drehbuchautoren Billy Bob Thornton und Tom Epperson liegt es ebenso nicht daran, den Stellenwert hellseherischer Medien in esoterischer Prätension zu überakzentuieren oder spekulativ zu trivialisieren. Stattdessen ist ihre Protagonistin hauptsächlich ein Mensch mit Privatleben - angreifbar in Lasten, Balanceakten zwischen Familie, Verantwortung und natürlich auch der Angst. Sie ist beruflich zwischen den Welten, versorgt alleinerziehend und haust leicht unter Mittelstand. Nun kann man vermuten, dass der Film damit Schwächen weiblicher Selbstständigkeit suggerieren könnte - im Gegenzug jedoch ist insbesondere das männliche Charakterspektrum eins voller Zweifel, Hass und Unverständnis (gegenüber sich selbst). Gerade der netteste kann seine eigene Haut abstreifen sehen, Tiefen heraufbefördern, sich an der Schuld seiner selbst oder anderer erwürgen sowie in seiner Aussage der Wahrheit ein Scheusal offenbaren.
Aber egal welches Geschlecht ins Auge gefasst wird: Annie versucht die gewünschte Dienstleistung, kann sich gleichsam selbst verteidigen, muss andererseits aber auch schweren Herzens anderen entsagen, wenn es ihrer Verfassung geschuldet selbst zuviel wird. Jene Charakterdimensionen rufen sich gerne öfters, aber nicht forciert ins Bewusstsein der Filmerfahrung. Allmählich steigern sich aber auch austauschbare, gar reißerische Elemente, sobald die Fundierung an einen Whodunit-Fall gekoppelt wird, der mit dem Ratefimmel des Zuschauers rechnet, obwohl die Optionen keine allzu außergewöhnliche Lösung versprechen. Mag den meisten Zuschauern egal sein, im Überangebot an ähnlichem Prozedere muss man aber schon mehr als einmal ein Auge zudrücken, obwohl Raimi noch angemessen vor einer Konklusion steht, die beinahe ins Hanebüchene fällt. Der vielversprechenden Konstruktion des Narrativs nach ist das schon enttäuschend, aber auch nur, weil dieser vorher in aller Ruhe mitreißen konnte - wohl auch, weil er seinen Schockfaktor beileibe nicht überstrapaziert und in seiner Atmosphäre auch nicht nur eine Richtung kennt, solange Charaktere diese bestimmen.
SHOPPING - Kein noch so geliebter Regisseur ist unfehlbar, selbst ein Jim Wynorski ist nicht vor durchwachsenen Werken gewappnet. Dabei hält seine "Chopping Mall" zur ersten Hälfte hin noch einige Zutaten bereit, mit denen sich ein schönes Eskapismus-Stelldichein aus Konsumgesellschaftssatire und Genre-Irrwitz bilden könnte. Insbesondere die Auftritte von Paul Bartel und Mary Woronov signalisieren im Intro schon eine gehässige Klasse, die sich äußerst beglückend mit Wynorskis Hang zum Slapstick vereint, den er sodann mit einem Querschnitt der amerikanischen Mall-Kultur konfrontiert: Kellnerinnen, Fettsäcke, Nerds, unterbezahlt frustrierte Reinigungskräfte (Dick Miller), notgeile Buben und Bienen sowie das designierte Final Girl, die sich fortan alle mit den Kreationen einer Corporate Identity herumschlagen müssen. Damals waren jene ausschlaggebenden Roboter Synonyme für eine eventuell außer Kontrolle geratende Technokratie (siehe auch "Terminator"), heute würden sich Parallelen zur militarisierten Polizeigewalt aufspannen, wenn man bedenkt, wie brachial die Maschinen hier "zur Sicherheit" ausgestattet sind. Die Gefahr künstlicher Intelligenz ist jedoch nicht weit genug durchdacht, da die Killbots nur zu solchen werden, weil ein böser Blitz (?) einschlägt.
Die mörderischen Gimmicks, die sie daraufhin benutzen, sind nicht mal halb so gewitzt wie das Sprüchelager Wynorskis für seine nach Slasher-Regeln dezimierte Jugend-Truppe, die sich nach dem (visuell gut bestückten und doch unschuldig pubertär dargestellten) Beischlaf im nachtaktiven Einkaufszentrum gegen das Trio an Metzelmechs behaupten muss. Jener Überlebenskampf nimmt sich derartig ernst, dass jeder zuvor etablierte Spaß im Keim erstickt und dank gemäßigten Budgets ohnehin teils unbeholfene Action aufbietet. Für mehr Energie hätte sich das Drehbuch aber bereits jenseits der Ausgangslage anstrengen müssen, vielleicht clevere Eskalationen ausdenken oder Rat bei Bartel und Woronov einholen können. Es ist schließlich kein ineffektives Unding, gepflegt beobachteten Society-Witz ins Genre-Prozedere einzuarbeiten, wie z.B. "Chucky 2" oder andere Werke des Herrn Wynorski beweisen. Dieser Film hingegen lässt sein Potenzial stetig abbauen und weiß dabei am wenigsten mit seinen Charakteren anzufangen, obgleich im Finale zumindest eine stärkere Frau aus dem Ganzen hervorkommt - wenn auch nur als Nachhall Sarah Connors. Irgendwo insgesamt eine mittelschwere Enttäuschung und doch recht harmlose Genre-Kost mit zumindest einigen großartigen Momenten zum Durchkichern. Auf jeden Fall kein "Dawn of the Dead".
WILDE HUNDE - RABID DOGS - "[...] Es dürfte daher spannend werden, auch weil die Entführer gewisse Ambivalenzen mit sich tragen und im Rückblick Opfer einer skizzenhaften Manipulation statt Herr ihres eigenen Handels sind. Man könnte genauso sagen, die Gesellschaft ist Schuld – ähnlich simpel lässt sich die tiefere Ebene des Films erklären, die auch auf plumpere Symboliken, wie Radioheads „Creep“ („The Gambler“ lässt grüßen), setzt. Regisseur Hannezo, der hier sein Debüt abliefert, kommt mit inszenatorischem Geschick gut darüber hinweg, wie wenig das Drehbuch zu erzählen hat, und suggeriert in der Darstellerführung mehr, als das größtenteils gängige Entführungsprozedere nach Jahrzehnten Filmgeschichte überhaupt Neues aufbieten könnte. [...]"
(Die komplette Kritik gibt es auf CEREALITY.NET zu lesen.)
REMEMBER - "[...] Stellt [...] plump, aber nicht uninteressant Fragen über das wahre Ich, Schuld und Rache, Verhältnisse zwischen Opfern und Tätern, und wie sich die Gegenwart ein Abbild der Vergangenheit bildet. Nicht, dass Egoyan diese Aspekte subtil oder einprägsam auflösen könnte – doch er nimmt seine Inszenierung zumindest so einfach, wie es das Drehbuch von Benjamin August hergibt. Damit ist auch eine stets künstliche Aufregung verbunden, die der innewohnenden Taktlosigkeit des Ganzen hilft und dessen Trivialität herausstellt. Aber das ist immer noch besser als ein trockener Teufelsknochen oder die umständlich zerwürfelte Eintönigkeit einer spurlos Verschwundenen, die Egoyan zuvor versuchte. [...]"
(Die komplette Kritik gibt es auf CEREALITY.NET zu lesen.)
Bonus-Zeugs:
SCHNEIDER VS. BAX - "[...] Nun ist die Inszenierung von minimalistischen Actionszenen noch souverän und die Erfassung einzelner Abläufe in ihrer formalen Strenge so kohärent wie glatt gelungen – allerdings bleibt es bei einem blassen Vergnügen, das in seinem Menschenbild nur schwer zur Identifikation beiträgt. Bax’ Tochter Francisca hat Depressionen? Einfach einen Gag draus machen, ob sie Müsli statt Drogen haben möchte. Nimmt Bax (van Warmerdam selbst) jene Drogen? Kann man doch einen unausgegorenen Gag mit Halluzinationen bringen. Ist Bax’ Vater geil auf junge Mädchen und legt sogar bei seiner Enkelin Hand an? Dann kann man ihn auch nach zwei Szenen brutal durch sie abstechen lassen [...] Immerhin wird in solchen Momenten deutlich, welch kaputte Familienkiste bei diesem ansonsten belanglosen Exkurs ins Vermutet-Abgefuckte injiziert wird. [...] Fernab dessen bleibt der Film Träger eines plumpen Zynismus [...]"
(Die komplette Kritik gibt es auf CEREALITY.NET zu lesen.)
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Sonntag, 13. Dezember 2015
Tipps vom 07.12. - 13.12.2015
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Sonntag, 27. Oktober 2013
Tipps vom 21.10. - 27.10.2013
LEVIATHAN - Dokumente, die entfernt an unsere Welt erinnern.
Dank entschieden-eindringlichen Bildern aus jeder möglichen Perspektive werden wir in einen verschrammt-rauschenden Kosmos des allgegenwärtigen Sterbens hineingeworfen, mit dem keine erdenkliche Dystopie mithalten kann. Und was noch nicht verstorben ist (bzw. seine letzten Atemzüge erlebt), ist seiner transparenten Verlebtheit erlegen, die man vom zerfressend-gammligen Rost der Umgebung bis hin zu den tiefgreifenden Poren der dort rastlos arbeitenden Humanoiden erkennt.
Zudem erscheinen nachjagend-aufdringliche, gefiederte Wesen als nihilistische Vertilger der Reste, getrieben vom Instinkt, wie alles an dieser organometallischen, monströs-dröhnenden Maschinerie, die von Anfang an aus kompletter Finsternis wie ein Urknall herausgeschossen, ihre komplexen und groben Zahnräder in Bewegung setzt.
Ein wahrlich unheimlicher Ort, an den wir hier herangeführt werden, unnachgiebig umschlingend in seiner Aura, unentzifferbar wie auch werte- und hoffnungsfrei in seinem Ablauf. Und so wie wir urplötzlich durch ihn hindurchgezogen werden, entschwindet er uns schließlich, dass wir nur noch im Dunkeln, im Nichts zurückgelassen werden.
Wahrlich kraftvolles Mammutwerk! Seit dem 22.10. in den USA auf DVD & BLU-RAY erhältlich.
L'ATALANTE - Wie eine Fortsetzung von 'UNTER DEN BRÜCKEN', nur mit viel mehr Katzen! Oh, welch herzliche Reise über die Kanäle Frankreichs unsere frisch-vermählte Juliette (Dita Parlo) hier erlebt, mit all dem liebenswürdigen, kernigen Seemannsvolk an der Seite (allen voran das alte, gewitzte Schlachtschiff Père Jules).
Eine musikalische und zauberhaft-leichtfüßige Kennenlernrunde mit der greifbar-natürlichen Menschlichkeit des hier dokumentierten (beinahe zeitlosen) 30er Jahre-Figurengefüges - vollkommen unabhängig davon, ob es in der Realität tatsächlich so erwärmend zuging, wo hier höchstens doch die Eifersucht den größten Spielverderber darstellt.
Schließlich führt diese auch dazu, dass man sich aus den Augen und auf nebelverhangenen, finsteren Bahnhöfen zwischen Metropolen- und Strandhorizont verliert. Doch man muss nur mit voller Sehnsucht auf den Grund des Flusses schauen und schon sieht man sich wieder, dass einen das Schicksal (=Père Jules) wieder zusammenführt - hach...
TELEFONI BIANCHI - Im Italien der 1930er Jahre wurden unter dem Regime des Mussolini-Faschismus sogenannte 'Telefoni Bianchi'-Streifen gedreht - imposante Nachahmungen von populären, amerikanischen Produktionen, die mit konservativen Botschaften versehen wurden.
In diese Filmindustrie voller überheblicher Chaoten will das quirlig-unbedarfte Zimmermädchen Marcella (Agostina Belli, ein Goldengel allererster Güte) als Schauspielerin einbrechen, die sich für ihre Karriere durch die Betten einflussreicher und taktlos-selbstsüchtiger Politiker, Stars und Produzenten schläft, während ihr alter Verlobter Roberto (Cochi Ponzoni) ihr immer wieder als beleidigte Leberwurst auflauert und berechtigte Schuldgefühle einbläut.
Dabei gerät sie u.a. in ein prunkvoll-versautes Bordell für feine Herren, wo sie durch einen Kunden & Komponisten (Lino Toffolo) zum Schlagerstar wird. Lange aushalten kann sie das Muttersöhnchen jedoch auch nicht und gerät sodann in die verführerisch-charmanten Fänge des Star-Akteurs Franco Denza (Vittorio Gassman in einer verschmitzten Meisterleistung) - zudem beginnt sie auch nach einer Begegnung mit dem Duce selbst, für jenes diktatorische Staatsoberhaupt zu schwärmen, auch wenn sie sich selbst eingestehen muss, noch immer was für Roberto zu empfinden, der allerdings an die Front versetzt wird.
Schließlich schafft sie durch den Segen des Duce's den Sprung in den Studiohimmel Cinecittàs, wo man aus ihr trotz mangelndem Talent an der Seite Denza's - der dann auch ihr jahrelanger Liebhaber wird - einen waschechten, nationalen Star unter dem Pseudonym Alba Doris macht. Doch auch hier kriselt die Beziehung und Denza's Geisteszustand schlussendlich unter dem Exzess der faschistisch-ordinären Unbelehrbarkeit & Egomanie, während allmählich der zweite Weltkrieg in die Wege geleitet wird.
Aufgrund der Koalition mit Deutschland gerät sie schließlich irgendwann auch in deutsche Durchhaltestreifen und deren Produzenten, weshalb ihr ewiger Verlobter Roberto ihr endgültig die Liebe kündigt. Bonjour Tristesse, encore une fois, erst recht am Horizont des Kriegsendes, wo sie im Lastwagen eines stehlenden, buckligen Vagabunden landet, der sie aber schnell für eine Gruppe von flüchtenden Juden ablädt (welche er aber dann doch an die Deutschen verrät).
Auf ihrer trübseligen Odyssee zurück nach Hause begegnet sie wieder alten Weggefährten, die sich nun vor den Widerstandskämpfern verantworten müssen. Mit kleinen Gesangsauftritten und einer Vermählung mit William Berger kann Marcella sich dann doch noch bis nach dem Krieg über Wasser halten. Doch auf einer Reise nach Russland dann...
In diesem turbulenten, liebevoll-ausgestatteten, wunderbar anarchisch-gewitzten und über mehrere Jahre erzählten Lustspiel vergehen die knapp 2 Stunden Laufzeit wie im Fluge. Faschistische Witzfiguren übertreffen sich im karikierten Gesellschaftsbild jener Zeit an perverser Verkommenheit, während die Lebensverhältnisse immer perfider werden, den Krieg herausfordernd heraufbeschwören. Und dennoch kämpft sich dabei durch die Jahrzehnte eine recht süße, leichtlebige 'Liebesgeschichte' durch, die schließlich durch die Wirren des Regimes und des Krieges immer wieder chaotisch auseinanderbricht.
Wie eh und je liegt das aber auch im Grunde am verführerischen Glanz & Glamour der Unterhaltungsindustrie, die einen mitreißen, aufsaugen und zerbrechen kann, wie es ihr gefällt - wie auch hier in diesem semi-fiktiven Biopic von Dino Risi, das sich mit dem morbiden Pomp der 30er Jahre schelmisch auseinandersetzt und unsere liebenswerten, wenn auch fehlgeleiteten Protagonisten durch den Fleischwolf jagt.
Ein toller Film, leider nur schwer zu bekommen - ich hab ihn in seiner exzellenten dt. Synchro gesichtet, die mir durch eine TV-Aufnahme von 2005 auf VHS erhältlich gemacht wurde. So oder so, sei es euch versichert: Wer 'Telefoni Bianchi' auftreiben kann, darf ihn nicht verpassen!
LES RAISINS DE LA MORT - Leicht abstrakte und tragische Verarbeitung des 2. Weltkrieg-Nazi-Terrors in Frankreich als Horrorfilm-Odyssee.
Ähnlich wie auch im französischen Rachedrama 'ABSCHIED IN DER NACHT' von Robert Enrico lässt Rollin seine Protagonisten noch im sicheren Glauben, dass rein gar nichts Böses ihnen was anhaben kann, auch wenn es bereits offensichtlich hervorbricht - bis dann auf einmal schlussendlich der Schrecken über sie selbst herfällt, hier in Form 'zombifizierender', mörderischer Pestizide im weit und breit goutierten Traubenwein. Sodann auf der Flucht vor diesem Grauen durch die französische Province, auf der Suche nach Geborgenheit & Hilfe, kommt nur wenig Hoffnung auf.
Ein infizierter Bauer z.B. sticht im Rausch seine eigene Frau und Tochter ab, erschreckt sodann vor seinem eigenen Handeln und verlangt von der schluchzenden Hilfesuchenden Élisabeth (Marie-Georges Pascal), unsere Hauptprotagonistin die zuvor ihre beste Freundin durch eine ähnliche Tat verloren hat, dass sie ihn erlöst. Sodann trifft sie auf eine verlorenene Blinde, Lucie (Mirella Rancelot), die sie in Aussicht auf ein befreiendes Telefon zur Aussenwelt in ihr Heimatdorf führt - dort jedoch ist bereits alles verbrannt und zerstört, Leichen pflastern das gespenstisch-hoffnungsfreie Szenario.
Lucie verlangt von Élisabeth zu erfahren, was sie denn sieht - sie kann es ihr aber einfach nicht sagen, das unfassbare Grauen ist schlicht zu überwältigend. Schließlich werden sie von den infizierten Dorfbewohnern umkreist, Lucie glaubt sich sicher, wird aber von ihren alten, nun zwanghaft-umgepolten Mitbewohnern getötet, auch wenn diese sich mit Tränen innerlich darum wehren, in Erinnerung wer sie früher einmal waren - das neue Regime aber kennt keine Gnade und zeigt seine keifende, unmenschliche Fratze.
Élisabeth kommt bei einer Uninfizierten (Brigitte Lahaie) unter, doch die entpuppt sich als Kollaborateurin und wirft sie den Monstren zum Fraß vor, biedert sich sodann den eintreffenden Widerstandskämpfern an (von denen einer schon im Krieg gekämpft hat), die aber den Braten riechen - Élisabeth aus den Klauen der Dämonen befreien und in eine offensichtlich schon lange von den Nazis zerbombte Burg fliehen.
Auf dem ausschlaggebenden Weingut schließlich angekommen, findet Élisabeth ihren Verlobten auf dem Dachboden vor. Ihn hat die Infizierung und sein Gewissen schon fast zerfressen (schließlich hat er die todbringenden Pestizide entwickelt) - dennoch (und trotz mahnend-tränenreichen Widerstand von seiner Seite aus) umarmt und küsst sie ihn ein letztes Mal, bevor einer der Bauern ihn erschießt. Sodann greift sie zum Gewehr und tötet die Widerstandskämpfer, lässt in den letzten melancholischen Momenten des Films das Blut ihres Verlobten auf ihre Lippen tropfen, womit sie sich infizieren lässt - es gibt für sie nämlich nichts mehr, wofür es sich zu leben lohnt.
Ein bitterer Schlussstrich für diese durchaus harte Metapher Rollins auf die Schrecken des zweiten Weltkriegs, adaptiert als Plädoyer für einen gewissenhafteren Umgang mit der Natur. Lässt die alten Wunden wieder aufreißen und macht die ländlichen Bewohner erneut zu unfreiwilligen Sklaven des eingeschlichenen Terrors, der ihnen dennoch ganz tief im Unterbewusstsein seit Generationen innewohnte.
Ein stimmungsvolles und recht tragisches (wenn auch nicht aufdringlich-sentimentales) Horrordrama, das durch den deutschen Verleihtitel allzu sehr ins Belanglose gezogen wurde. Gesichtet auf Blu-Ray, vom US-Verleih KINO LORBER, in Top-Qualität (auch wenn die teilweise ungeschickten Schärfeverlagerungen dadurch umso ungünstiger auffallen).
ALIEN - DIE WIEDERGEBURT - Eine weitere, virtuos-skurrile Komödie (mit einigen traurig-stimmenden Szenen für die gute, neugeborene Ripley) von Jean-Pierre Jeunet, frei nach einem Drehbuch von Sci-Fi-Fantasy-Spaßautorenfilmer Joss Whedon, mit einem Hang zum futuristisch-explosiven Ekel, welchen man auch Stuart Gordon & Brian Yuzna oder dem Robert Rodriguez von 'FROM DUSK TILL DAWN' zutrauen könnte.
Insofern nicht ganz so zuckersüß-drollig wie 'Amélie', im Gegenteil,
sogar recht tromatisch-grotesk und gewaltreich, aber mindestens ebenso
verschroben-poppig in seinen morbiden, meta-postapokalyptischen
Produktionsdesigns, Figuren (u.a. der glubschäugige Dan Hedaya mit
seiner Gorilla-artigen Schulterbehaarung) & Kameraspielereien wie in
seinen vorangegangenen Werken. Insgesamt eine recht spaßige und
knallige Angelegenheit, mit einer übermenschlich-starken und anfangs
unbekümmert-verschmitzten Ripley (Weaver hier erneut mindestens so
begehrenswert-sympathisch und schlagfertig wie Barbarella, wenn auch
weit emanzipierter = Whedon-Writing in Bechdel-Test-bestehender
Reinkultur) im funsplattrigen und teilweise sogar spannenden
Überlebenskampf gegen die Schleimviecher.
Zudem nimmt sie erneut wie in 'ALIENS' eine Mutterrolle ein, in diesem Fall für Winona Ryder's *SPOILER* Androidenmädel *SPOILER ENDE* Call, welches zusammen mit dem Machotrupp um Ron Perlman in die klaustrophobische Raumstationsbelagerung hineingezogen wird. Zudem verfolgt Ripley eine leicht-verhaltene Obsession mit den ausserirdischen Invasoren, mit denen sie seit dem Klonungsprozess nach den Ereignissen von ALIEN³ in der DNA verbunden ist - schmeißt sich hingebungsvoll in den geschmeidig-feuchten Alien-Körper-Kompost, wie Isabelle Adjani in Zulawski's 'Possession' und 'gebiert' daraus einen garstig-brachialen Hybriden, der für seine menschliche Mom die Kreaturen-Leihmutter zerhackt. Kein Wunder, dass David Cronenberg zu einem Zeitpunkt ebenfalls für die Regie vorgesehen war.
Doch Ripley empfindet im Gegenzug eher Liebe für ihre 'Adoptivtochter' Call und kehrt zu ihr zurück, was das neue Baby natürlich immens verärgert und nun um die Anerkennung seiner Mutter 'buhlen' lässt - sodann entbrennt ein irrwitziges Familiendrama inmitten des letzten funktionstüchtigen und nun flüchtenden Weltraumgefährt. Und schlussendlich, mit Tränen in den Augen, treibt Ripley ihr unschuldiges, aber ultimativ-missanthropes Neugeborenes nachträglich ab - fängt aber entschieden, die Vergangenheit hinter sich lassend, ein neues Leben im komplett verwüsteten Paris mit Call an ihrer Seite an. Da wird Jeunet dann doch wieder ein bisschen drollig, auch wenn der Haunted-House-ähnliche Score Unheil über den Abspann vorausspricht.
Sei's drum, mir hat dieser Teil der originalen Alien-Quadrilogy sehr gefallen, womöglich ist er nach dem Original und der James Cameron-Fortsetzung der Drittbeste aus der Reihe. Echt gewitzter, süßer Schleim...
Zudem nimmt sie erneut wie in 'ALIENS' eine Mutterrolle ein, in diesem Fall für Winona Ryder's *SPOILER* Androidenmädel *SPOILER ENDE* Call, welches zusammen mit dem Machotrupp um Ron Perlman in die klaustrophobische Raumstationsbelagerung hineingezogen wird. Zudem verfolgt Ripley eine leicht-verhaltene Obsession mit den ausserirdischen Invasoren, mit denen sie seit dem Klonungsprozess nach den Ereignissen von ALIEN³ in der DNA verbunden ist - schmeißt sich hingebungsvoll in den geschmeidig-feuchten Alien-Körper-Kompost, wie Isabelle Adjani in Zulawski's 'Possession' und 'gebiert' daraus einen garstig-brachialen Hybriden, der für seine menschliche Mom die Kreaturen-Leihmutter zerhackt. Kein Wunder, dass David Cronenberg zu einem Zeitpunkt ebenfalls für die Regie vorgesehen war.
Doch Ripley empfindet im Gegenzug eher Liebe für ihre 'Adoptivtochter' Call und kehrt zu ihr zurück, was das neue Baby natürlich immens verärgert und nun um die Anerkennung seiner Mutter 'buhlen' lässt - sodann entbrennt ein irrwitziges Familiendrama inmitten des letzten funktionstüchtigen und nun flüchtenden Weltraumgefährt. Und schlussendlich, mit Tränen in den Augen, treibt Ripley ihr unschuldiges, aber ultimativ-missanthropes Neugeborenes nachträglich ab - fängt aber entschieden, die Vergangenheit hinter sich lassend, ein neues Leben im komplett verwüsteten Paris mit Call an ihrer Seite an. Da wird Jeunet dann doch wieder ein bisschen drollig, auch wenn der Haunted-House-ähnliche Score Unheil über den Abspann vorausspricht.
Sei's drum, mir hat dieser Teil der originalen Alien-Quadrilogy sehr gefallen, womöglich ist er nach dem Original und der James Cameron-Fortsetzung der Drittbeste aus der Reihe. Echt gewitzter, süßer Schleim...
HARD TO DIE - Mein Lieblings-B-Movie-Regisseur aus Corman's Schmiede, Jim Wynorski, schickt in dieser seiner gagreichen Horrorkomödie 5 stramme & hohlbirnige L.A. Bohème-Babes durch eine aberwitzige Horror-Nacht in einem poppig-klobigen Dessousgeschäft namens ACME LINGERIE (natürlich eine niedliche Anspielung auf die LOONEY TUNES, wie auch alle durchaus plaktativen 'Gewaltszenen') und dessen schummrigen Keller - innerhalb eines Wolkenkratzers, wo der stoisch-schmierige Hausmeister (vor dem sich immer alle übertrieben erschrecken, während die Kamera per Dollyfahrt ständig overstated inkl. Blitzgewitter in seine Fresse rast) einige Schauergeschichten zu erzählen hat und Stock-Footage aus anderen Filmen gewitzt-dusselig in den unterhaltsam-schrottigen Narrativ eingebaut wird.
Unsere Protagonistinnen entfesseln beim Öffnen einer alten, ägyptischen Kiste sodann einen bösen Geist, der eine nach der anderen erledigt (= Schwenk auf leere Wand, Blut spritzt dagegen), doch viel wichtiger wiegen zunächst mal Probleme wie: 'Gibt's was zu essen?' (der Chef hat nur verschimmeltes Futter im Kühlschrank) und 'Ich werd jetzt erst mal duschen gehen.', wodurch natürlich, in Abwechslung mit reichlich bewusst-blödeligen Dialogen, einige grundlose Nacktszenen vor die Linse treten, bevor die turbulente Flucht vor dem blutigen Schrecken unternommen wird. Also, ich weiß, was ihr euch jetzt denkt: klingt alles ziemlich sexistisch und chauvinistisch - und im Grunde wäre das auch so, aber den Unterschied machen die durchgängige, leichtfüßige Verspieltheit sowie die parodistisch-anarchische Grundhaltung, die sich durch das Oeuvre Wynorski's seit jeher ziehen.
Und so ist Jim (der hier zudem ein schnippisches Cameo als Porno-Regisseur vollführt) auch mit HARD TO DIE ein durchweg unterhaltsames und augenzwinkerndes Spaß-Filmchen gelungen, welches durchaus mehr Dessous als normale Kleidung für den durchgeknallten Überlebenskampf vorzuweisen hat, wozu sich allerdings auch automatische Knarren und spitze Gegenstände zur Verteidigung gesellen. Somit wird das (eher männliche) Eskapismus-Herz der jugendlichen bzw. junggebliebenen Zielgruppe ganz effektiv mit frivoler Heiterkeit und Frohsinn erfüllt, wo er doch in knapp 83 Minuten Laufzeit 3 ganz wichtige Knöpfe zur Cine-Liebe drückt: Blödeleien, Blut & Boobs - frei von jeder Moral und herrlich-naiv in seinem cartoonhaften Exzess auf sympathischer Sparflamme.
ZUCKERBROT UND PEITSCHE - Ich erinnere mich noch an eine Zeit, ca. Ende der 90er und Anfang der 00er, in der VOX im Late-Night-Programm einige selbst bis heute noch recht unbekannte Filme von schön verknarzten 'Direkt-von-der-Kinorolle'-MAZen ausstrahlte, die im Dunkel der Nacht den Fernsehschirm meiner Eltern im Wohnzimmer zur Leinwand machten (schließlich war das in dem Dorf, in dem wir wohnten, das nächstbeste cineastische Erlebnis). In diesem Rahmen sichtete ich u.a. einen meiner ewigen Lieblingsfilme, 'NUIT D'OR', der bis heute auf eine ordentliche Heimkinoauswertung wartet.
In dieselbe Kategorie fällt dieser Film, den ich jüngst als alte VOX-TV-Aufnahme erhielt (weil keine andere Version davon derzeitig erhältlich ist) und nun im Nachtrausch meiner Hamburger Wohnung sichtete.
Es geht um den frustrierten, lebensmüden Werbe-Dressman Roger, Star einer Werbekampagne der Zigarettenmarke 'TOP TEN' - zur Abwechslung beraubt er Banken und Juweliere, muss sich dabei auch mit alten Kumpanen bleihaltig rumschlagen, die ihn tot sehen wollen und zieht zudem eine süße Bekanntschaft vom letzten Raub, die vernachlässigte Frau eines Galeristen, Helga, in die Sache rein, die trotz schweigsamer Empörung über seine Taten schließlich mit Faszination sogar als interner Zuschauer daran teilnimmt.
Der Reiz des kriminellen Lifestyles, gemäß dem wiederholten Mantra des Films aus der inszenierten Zigarettenwerbung 'Französisch lieben - Englisch rauchen', geht sodann soweit, dass sie im entfärbten Betonlabyrinth für ein paar Klunker auf offener Straße Schädel einkloppen und Schienenbeine zerballern (knalliges, beinahe-orangenes Blut spritzt auf den Rinnstein) - man sich daraufhin im herbstlichen Wald-Fort bei Sonnenuntergang vermeintlich romantisch trifft, alles unter den beschwörenden Orgel-Drones des Soundtracks, von dem einzig und allein einige unschuldige, über den ganzen Film verteilte, Schildkröten und ein morbides Puppenspiel über Räuber & Gendarm verschont bleiben.
Als Helga's Ehemann allerdings hinter die Sache kommt, weil er sowieso ein Verhältnis zwischen den Beiden vermutet hat, geht er nicht wie erwartet zur Polizei, sondern geilt sich daran auf, sobald er Helga wieder im Haushalt unter seiner Fuchtel hat - infolgedessen plant sie mit Roger die Ausraubung der bald anstehenden Galerieeröffnung ihres Mannes - und zieht es durch, im zwielichtigen Schein der Straßenlaternen jener tieffinsterer, umschließender Vorgarten-Alleen.
Der Coup gelingt, doch die anarchistische Sicherheit des Outlaw-Daseins nimmt bald eine verhängnisvolle Wendung, der kurzfristige Wunsch nach Ausbruch aus der haltlos-grauen Gesellschaft mit Gewalt ist gerade durch sich selbst zum Scheitern verurteilt. Da bleibt Helga am Ende nur der Gang zurück hinter die massiven Gitter ihres prunkvollen Anwesens.
EINE FALSCHE BEWEGUNG - Wirklich souveräner und zeitweise haltlos-ruppiger, durchweg bodenständig-greifbarer Thriller, welcher sich über das ländliche Smalltown-Folk der USA entfaltet - mit starken und dennoch leichtfüßig gezeichneten Figuren (Top-Script von Billy Bob Thornton, will ich da mal hervorheben), geboren aus einem Ensemble on the top of their game.
Und Junge, Junge, wie sich erst so einige Schichten von Bill Paxton's Charakter eröffnen und einen schönen, dramatischen Bogen um die gesamte Geschichte ziehen...bis hin zum kalt in die Magengrube boxenden Showdown.
Wer diese 'FALSCHE BEWEGUNG' noch nicht kennt, sollte durchaus mal einen Blick riskieren, allein schon für die wirklich reizende Cynda Williams als wohlverdienter Dreh- und Angelpunkt des gesamten Narrativs.
DIE SEVEN-UPS - Nice, der von mir gern gesehene Joe Spinell (R.I.P.) hat hier eine feine Nebenrolle inne! Was es jedoch mehr über diesen Quasi-'French Connection'-Spin-Off, basierend auf einem weiteren echten Fall der Detectives Eddie Egan und Sonny Grosso, zu sagen gibt?
Nun, Roy Scheider spielt gewohnt solide den kernig-melancholischen Bullen, die allgemeine Gestaltung sowie der Spannungsbogen des Films sind ebenfalls von souveräner Erlesenheit. Regisseur D'Antoni kann sogar, wie bei seinen vorherigen Produktionen (u.a. BULLITT & FRENCH CONNECTION), wieder mal eine aufregende, adrenalingeladene Verfolgungsjagd im ungefähr gleichen Zeitfenster des Narrativs vorweisen - dieses Mal sogar noch länger als im Friedkin-Meisterwerk, welchem er sowieso in Sachen Stimmung und Plotstruktur Punkt für Punkt nacheifert.
Leider kann SEVEN-UPS trotz einiger zynischer Ermittlungsmethoden nicht denselben Grad an greifbar-dreckiger Authenzität, eindringlicher Faszination & naturalistischer Ruppigkeit vorweisen - schaffte im Vergleich zu seinem 'Vorgänger' sogar eine familienfreundliche PG-Freigabe, was am insgesamt bieder-oberflächlichen Gesamteindruck der recht beliebigen Krimihandlung leider doch allzu ernüchternd und zudem forciert auffällt.
D'Antoni versucht mit vollem Ehrgeiz, die Magie seiner letzten CONNECTION zu reproduzieren, doch leider versagt er dem Film die 'Connection' zur eigenen Stimme & Vision, macht sich seinen Inhalt auf der Suche nach dem Stil im Endeffekt austauschbar und wirkt deshalb umso belangloser. Schade drum, anschaulich gelungen ist er ja dennoch.
DAS KINDERMÄDCHEN - Wie kann diese 'GUARDIAN ANGEL'-Agentur überhaupt noch legal bestehen, wenn ihre Angestellten immer Babies stehlen und von der Polizei gesucht werden?
Ach egal, immerhin hatte Friedkin seinen exploitativen Spaß mit dieser trivialen Auftragsarbeit, einem abstrusen Okkultthriller der käsigsten Sorte - voll blödelig-blutigen Effekten, durchgeknallten Schauspielerleistungen und Jahrmarkts-Jumpscares, bei denen er sich im Regiestuhl wahrscheinlich totgelacht hat, so heftig-plump sie hier doch aufspringen.
Ursprünglich sollte übrigens Sam Raimi hier Regie führen - man merkt's, vorallem im Finale, in welchem ein lebender, mörderischer Baum (TREEVENGE lässt auch grüßen) dank dem Griff zur Kettensäge in Blutfontänen explodiert.
Für den kleinen Schpläddä-Hunger zwischendurch.
DER ZERSTÖRER / JEDER VOGEL BRAUCHT EIN NEST - 'Ich hoffe sie sitzen gut und haben starke Nerven, denn was ich ihnen jetzt zu berichten habe, könnte sie unter Umständen vom besagten Hocker werfen.'
Wolltet ihr schon immer mal euren gewöhnlich-lahmen, ultrazynischen Cheapo-Crime-Reißer aus dem unbeholfenen Something-Weird-Video-Milieu mit expliziten Hardcoremanövern in jeder Schlüsselszene versehen haben? Vergewaltigung und derb-bekloppte Räudensynchro (die aber unfassbarerweise Heinz Petruo verpflichten konnte) dürfen dabei auch nicht fehlen, während ein alter Sack mit Verbindungen zur Regierung, der 'General', seinen Junior anbölkt, weil der Schulden beim Mob hat.
'- Mr. Mandano, bitte, ich will nicht sterben!
- Das Mädchen wollte auch nicht gefickt werden! Du kennst unser Gesetz: auf Vergewaltigung steht der Tod! Aber du darfst gehen wie ein Mann, mit Würde. Anstelle einer letzten Mahlzeit geben wir dir einen letzten Fick.'
Innerhalb einiger feucht-fröhlicher Lesbenspielereien wird zudem ein alter Vietnamveteran namens Joe Napoli (!) vom General für den Kampf gegen die (hauptsächlich herumverkehrende) Mafia verpflichtet. Dort wird gerade übrigens eines ihrer Mitglieder nach oben erwähntem, knapp 10-Minuten-langen Henkersbumms von einem Revolver, der stilecht aus dem roten Vorhang hervorkommt, erschossen.
Joe Napoli entfesselt sodann seinen gewieften Masterplan, indem er einigen Mobsters aus dem Gebüsch heraus auflauert und diese mit dem Sturmgewehr in die ewigen Jagdgründe schickt. Der große Don Tony Mandano erfährt davon, während er einen geblasen bekommt und setzt nun alles daran, Mr. Napoli auszuschalten, der nun von Staat zu Staat reist, um ganz profan wahllos Mitglieder der Cosa Nostra (u.a. den 'Chef der Mafia', wie die Synchro behauptet) abzuschießen.
'Hallo Vermittlung, geben sie mir die verflixte Nummer von...ALSO ICH HAB DOCH NICHT GESAGT: ICH WILL SIE FICKEN! ODER SIND SIE IM PUFF AUFGEWACHSEN?!'
Schmatzende Schnurrbart-Küsse, extatische Schreihals-Rentner, spartanische Budenzauber-Shootouts im blauen Dunst der 'amerikanischen Nacht', eine uninspiriert-hingeschluderte Story mit reichlich Raum für assiges Gemetzel und verzoomte Porno-Leckereien voller Haare - einfach komplett widerlich als Gesamtwerk, diese ungeschönte, primitve Darstellung der Unterwelt im hedonistisch-gammligen Sexrausch (und damit höchstwahrscheinlich näher an der Realität als manch romantisierte Gangsterepen).
So lässt man eine Woche ausklingen!
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