Sonntag, 10. November 2013

Tipps vom 04.11. - 10.11.2013



THE WRESTLER - Natürlich liebe ich den gutmütig-verbrauchten Giganten 'RAM', erst recht, da er 'BEYOND THE MAT' geht, wie es wohl jedem auf-/selbstopfernden Showmann mal geht (natürlich, wie man sieht, sogar Mickey Rourke selbst), auch seiner Seelenverwandten, der ebenso beinahe abgeschriebenen Stripperin Pam/Cassidy. Aronofsky geht mit ihnen so greifbar wie möglich auf Tuchfühlung, findet seinen emotionalen Realismus im grobkörnig-verknarzten 16mm-Format und stets folgender Handkamera.

Die tief innewohnende Tragik seiner Figuren, sowie deren Angst vor / Sehnsucht nach der Liebe trägt er aber auch nie überbordernd-dramatisiert vor sich her, schließlich bemühen diese sich als Showleute ja gründlich genug darum, sie zu verstecken, obwohl sie die feuchten Augen nur schwer aufhalten können, man als Zuschauer dabei jede einzelne Pore des Schmerzes nachvollziehen und im Nachhinein umso befreiter mit ihnen lachen kann - ein Kino der Bilder und Menschen, wie es im Buche steht.

Und auch ein Kino der energischen Wiedergutmachung, dem Drang zum glorreichen Aufbruch und zur herzlichen Anerkennung, ob vom Publikum oder vom am nächsten stehenden Mitmenschen. Never too old to root for the underdog...


 

HOW TO SURVIVE A PLAGUE - Nichts, was ich schreibe, könnte dem gerecht werden, was die Menschen in dieser Dokumentation, über den Kampf gegen AIDS und für den Drang nach Medikamenten & Heilmitteln, an Eigeninitiative gezeigt und zahlreiche, ignorante Hürden gemeistert haben. Ein kraftvolles, chronologisch-bestürzendes & inspirierendes Testament für die unsterbliche Kraft des humanistischen Geistes. 'ACT UP'.




SUNSHINE - 'Life in space is impossible.' Zwischen Ridley Scott's ALIEN und dem diesjährigen GRAVITY haben sich schon viele Filme diesem finsteren Umstand eindringlich genähert, ließen einen konzentrierten, konfliktreichen Nukleus an moralisch abwägenden Charakteren (sprich: Menschen) um Verantwortung, Angstbezwingung und Aufopferung im Angesicht des unbarmherzigen Kosmos-Vakuum kämpfen.

Danny Boyle's SUNSHINE stellt da keine Ausnahme dar und folgt zusammen mit Drehbuchschreiber Alex Garland nochmal gekonnt jene Genrepfade - nimmt dabei leider auch irgendwann ein Alien-artiges Monster in Kauf, welches stellvertretend für die Gnadenlosigkeit der Natur (oder jenem extraterristischen Äquivalent) unseren Astronauten das Leben noch schwerer macht, als es eigentlich schon ist.

 
Im Grunde wären die bloßen zwischenmenschlichen Konflikte im Ringen mit der Gefahr von aussen und innen genug Stoff, um den Narrativ streng packend voranzutreiben - aber zumindest bringt das 'Monster' dann doch offenbar einige abstrakte, übernatürlich-sinnesverzerrende Kräfte mit sich, die u.a. den Schicksals-unabdinglichen Payload in einen endlos-pechschwarzen Tunnel der Orientierungslosigkeit verwandeln (wie das Weltall selbt).

Und hier wird, wie im Gesamteindruck des Films deutlich, womit Boyle dem Zuschauer die atemlos-erdrückende Dimensionen des furchteinflößenden Weltenraums und der brodelnden Sonnenkraft spürbar nahebringt: die stark-ausgeprägte, audiovisuelle Emotionalisierung des Himmelfahrtskommandos, die in ihrer katharsischen Rauschkraft nur von wenigen Filmemachern derartig stimmig erreicht werden kann.


Ob man das nun als esoterischen Kitsch und Überdramatisierung sehen will, bleibt jedem selbst überlassen. Mir persönlich stiegen im stetigen Aufbau die kribbelnden, herzlichen Elementarteilchen der angespannten Nachempfindung ins Mark. Tolle Sache, wie die Wissenschaft des menschlichen Körpers, je nach Empfindsamkeit (und Sonnenschutzfaktor?) mit überdimensionalen und dramaturgisch überwältigend-konstruierten Science-Fiction-Stoffen korrespondieren kann!




DER LETZTE MOHIKANER - Ein überwältigendes, uramerikanisches Epos der Loyalität und Identitätssuche im Angesicht der Kolonialkriege - England gegen Frankreich auf amerikanischen Boden, beide im Kampf um die neue Heimat, zudem jeweils im Clinch mit den Statuten ihrer Länder und beide verbunden mit den Ureinwohnern Amerikas. Auf die Seite Englands schlagen sich die Mohikaner, auf die Seite Frankreichs die Huronen.

Im Mittelpunkt beider Parteien stehen Adoptivsöhne - Hawkeye/Nathaniel Poe (Daniel Day-Lewis), der sich mit den Engländern zusammenschließt und für immer in die Tochter des Colonels Munro, Cora (Madeline Stowe), verliebt und auf der französischen Seite Magua (Wes Studi), der nach blutiger Rache für seinen von den Engländern geschlachteten Stamm sinnt. Zwischen ihnen entscheidet sich im metaphorischen Sinne die Zukunft/Vergebung der neu formierten Nation und die unvermeidliche, opferreiche Adaption an diese. Frieden und Vernichtung stehen sich gegenüber.

Michael Mann schenkt dieser recht romantisierten, aber auch kompromisslosen Verfilmung des gleichnamigen Romans von James Fenimore Cooper nicht nur seine absolute, behutsame Hingabe in Sachen Bild- und Tongestaltung, sondern auch emotionaler Nachvollziehbarkeit sowie naturalistischer Härte. Ehre und Nobilität werden da natürlich zu den erhebenden Hauptcharakteristika des Gesamteindrucks, zusammen mit dem durchgehenden Titelthema des Scores.

Doch so wie uns dieses Thema begleitet, wie die Charaktere auf ihrer Odyssee, so finden auch wir uns zum Schluss unausweislich in der letzten, großen Entscheidung und erleben in ihrer vollen Konzentration die Bitterkeit der gesamten Reise nochmals in uns - besiegen diese mit einer derartig aufstrebenden Befreiung, dass auch der letzte von uns Zuschauern mit dem letzten Mohikaner und Hawkeye geeint ist. Identität: gefunden.




BEFORE THE DEVIL KNOWS YOU'RE DEAD -  Riskante und moralisch-ambivalente Entscheidungen zweier problembehafteter, einen-Weg-aus-der-Misere-suchender Brüder, welche sich selbst und ihre ganze Familie gegeneinander reiben - in einem durchweg finster-bitteren Drama mit methodischen Thriller-Elementen, welches in einem komplexen Wust an sich gegenseitig ergänzenden Rückblenden (im Vergleich zum schleppenden Prozedere des Films mit etwas zu energiegeladenen Übergängen) durchexerziert wird. Verantwortung, Vertrauen, Schuld, Betrug und Selbstbetrug gehen dabei Hand in Hand im fortwährend gen Abgrund fallenden Spannungsbogen des persönlichen Verlusts und des vermeintlichen, immer wieder zusammenbrechenden Wiederaufbaus.

Hinzu gesellt sich der Zwist zur Erwartungshaltung des Vaters beider Brüder, der ihnen im Gesamtverlauf ihrer beider Leben als omnipräsenter Schatten der Enttäuschung im Rücken steht. Schließlich findet dieser aus dem Nichts einen erschlagenden Beweis für ihre Schuld und lauert seinen Söhnen auf, die sogar schon unabhängig von seiner Präsenz oder dem Wissen um seinen heiklen Informationsstand besprechen, wie sie 'ihn' (bzw. das Karma im Angesicht ihrer verhängnisvollen Handlungen) zufriedenstellen, ihren Plan zu einem endgültigen, möglichst schnell umsetzbaren Ende verhelfen können - welches dennoch wie alles Vorherige nur im brachialen Chaos abebbt. Die Brüder entkommen dabei zunächst einer Strafe durch das Gesetz, doch der Vater spricht das ultimative Urteil gegen den Drahtzieher unter den Beiden, wandert sodann als komplett zerstörter Klotz ins heilig-leuchtende, katharsische und dennoch aussichtslos-verschwommene Tal - es bleibt offen, ob er seinem anderen, eher unschuldigeren & verführten Sohn eine ähnliche Strafe zukommen oder Vergebung walten lässt.

Im Gesamteindruck muss ich leider bemängeln, dass der Film in seiner Rückblendenstruktur nicht immer stimmig oder zielstrebig aufgebaut wirkt, den Zuschauer damit eher in eine beliebige Crime-Mystery-Haltung einführt, die nicht so recht mit den tief-eindringlichen Schicksalsschlägen der handelnden Figuren harmoniert, manchmal diese fast sogar trivialisiert [Warum z.B. die Ereignisse und Lebensbedingungen, die zu den Handlungen jener Protagonisten führten, im Nachhinein nochmal rückblickend darstellen, wenn sich diese Bedingungen im weiteren Verlauf nicht nur selbst erklären, sondern sich zudem noch nicht einmal zum Guten wenden, sogar beständig schlimmer werden?]. Ist mir persönlich etwas zuviel Puffer und lenkt doch manchmal ein bisschen vom dramatischen Hauptstrang ab.

Nichtsdestotrotz ist der scheußlich-unterkühlte und anspannungsreiche Pfad der sich immer tiefer ins Grab schaufelnden Brüder eine recht packende, erdrückende sowie höchst intensiv dargestellte Erfahrung (allen voran Philip Seymour Hoffman lässt seinen Kopf in demütiger, trübroter und schuldbewusst-wütender Scham auflaufen), die leider zum letzten Mal bewies, dass Sidney Lumet ein Meister seines dramaturgisch-inszenatorischen Fachs war.




THE FOUNTAIN - Die 3 Dimensionen der Heilung, des aufopferungsvollen Schmerzes auf den Weg dorthin (dürfte Hugh 'Wolverine' Jackman nur allzu bekannt sein) und der göttlich-gnädigen 'Wiederauferstehung' in der selig-metaphysischen Bezwingung der Krankheit Tod - schnörkellos-direkt (frei von jeder Suggestion, denn in anderen Filmen würde 1 Dimension schon als Narrativ reichen, die anderen 2 würden diesen höchstens als unausgespielte Metaebenen unterstützen), esoterisch-religiös gefärbt und in visionären, warmen Bilderfluten eingefangen.

THE FOUNTAIN trägt sein Anliegen mit voller Hingabe an den Zuschauer heran, gibt den Weg zu seiner Lösung und seiner Gefühle ohne Umstände und Interpretationsanstrengung frei. In dem Sinne ist er natürlich ein Stück simplistisch geprägt und macht mit seiner erhaben-behutsamen Bildgestaltung hauptsächlich ordentlich Luft für eine sphärische, sentimentale Gesamtfassung.

 
Da er allerdings nur in diesem Modus arbeitet, war es teilweise schwierig für mich, die dramatischen Höhen auch eindringlich nachzuempfinden, geschehen sie doch sowieso alle in einem kosmisch-zirkulären Gefüge des 'ewigen Lebens'. Aber das ist ja auch die beruhigende Aussage des Films: Leben und Tod liegen im Endeffekt harmonisch beieinander, Liebe und Seelen sind unsterblich und das Universum hilft uns dabei, ihm helfen zu wollen - Kharma, baby!

P.S.: Vieles an THE FOUNTAIN erinnerte mich an das Videospiel ETERNAL DARKNESS: SANITY'S REQUIEM von 2002 - empfehle ich jeden, mal anzuspielen, auch wenn dieselbe interdimensionale Reise in die Hölle und nicht in den Himmel, wie in Aronofsky's Werk, führt.




COLLATERAL - Auf geht's, kopfüber in die Nacht - vollkommen leichtfüßig-abgebrüht und verträumt (in das Bild vom Zufluchtsort der Insel und dem Meer, einem Lieblingsmotiv Mann's) kurvt Jamie Foxx als ganz otto-normaler L.A. Taxifahrer durch das urbane Neon-Paradies, als plötzlich ein adrett-gekleideter, mysteriöser Mann auf seiner Rückbank Platz und ihn fortwährend, zunächst mit Geld, dann mit Furcht und Waffengewalt, in Beschlag nimmt. Der entpuppt sich zudem als Auftragskiller, der von ihm durch die Gegend, von einer Zielperson zur nächsten, kutschiert werden will - eine erzwungene, aber zweckmäßige Symbiose, die unseren Cab-Man aber immer tiefer ins moralische Verderben reitet, so dass er bis zum Ende des Films kaum mehr das Morgengrauen erblicken kann.

Regisseur Michael Mann nutzte diesen hart-rastlosen Abstieg seines unschuldigen, permanent-herausgeforderten und schlussendlich gehetzt-konfrontativen Taxi-Drivers in die hinterlistige Nacht, um erstmals hauptsächlich mit der CineAlta so nah, roh und ungekünstelt in ihr umherzuwandern, einen bis dato im Kino unversuchten Grad an Naturalismus zu versuchen - welcher zwar als digitale Videoaufzeichnung bewusst befremdlich im Filmformat auffällt, aber dennoch einigen schnörkellosen Handheld-Grit vermitteln kann (lediglich der Soundtrack erscheint in der Hinsicht wohl teilweise overstated).

Er betrat mit diesem Film zwar technisches Neuland im Sinne der Kameraarbeit, passte aber nicht nur seinen alten, bewährten Modus der stilisierten Crime-Action daran an, sondern ließ u.a. auch seinen Protagonisten aus MANHUNTER, Profiler Will Graham, aus den dunklen Tiefen der amerikanischen Psyche, nochmals auferstehen. Nicht etwa, indem er einfach William Petersen wieder vor die Linse schleift, oh nein. Stattdessen verteilt er dessen Charakteristika auf 2 ebenso manische Figuren in COLLATERAL: der investigative, gerechtere Part des Graham taucht in Mark Ruffalo's adleräugigen Detective Fanning auf, der dem noch unbekannten Killer triebsam auf der Spur ist.

Die traumatisierte, melancholische Grauhaarigkeit des präzisen und vorausschauend-berechnenden Graham findet sich hingegen in Cruise's (recht ähnlich wie Petersen aussehenden) Charakter des rücksichtslos-kalten und dennoch durchweg menschlichen Auftragskillers Vincent wieder. Als ob Graham Jahre später nach seinem FBI-Einsatz und der damit verbundenen, ständigen Konfrontation mit Serienkillern und allerlei, endgültig in deren Welt einstieg - auch wenn er nach den Morden teils noch immer wie entgeistert auf die toten Körper seiner Opfer starrt, einschlägig-'telepathisch' nachvollziehen kann, was er ihnen angetan hat, 'antun musste', wie im Showdown von MANHUNTER.

Natürlich wurde er im Sinne dieser Geschichte zum Antagonisten umfunktioniert, der seinem blutigen Ziel für die Nacht wie ein einsamer, hungriger Wolf/Kojoten (einen Artgenossen sieht er zudem in den Straßen L.A.'s wild herumlaufen) rabiat folgt, am Ende damit aber auch eine recht tragische Figur darstellt, sobald er seinen abgestumpften, ziellos hetzenden Modus operandi endgültig aufgibt und mit der in den Horizont schlengelnden U-Bahn für immer in die unendlich erscheinende Nacht entschwindet. Mit dem Kopf nach unten gesenkt hinein in das Vergessen, ins Ende der Existenz, hinter ihm ein Pfad der materiellen und psychischen Zerstörung. Bitter!




THE LONG HAIR OF DEATH aka I LUNGHI CAPELLI DELLA MORTE - Ein gothisches Schauerstück aus der Zeit der Hexenverbrennung, welche den Hass der angeblichen Hexenfamilie Rochefort gegen die skrupellose Baronenfamilie Von Humboldt aufbringt. Barbara Steele als sorgsame Tochter Helen Rochefort will anfangs die Verbrennung ihrer unschuldigen Mutter verhindern, appelliert sodann beim Baron mit erzwungenem Körpereinsantz um deren Freilassung, die ihr letztendlich versagt bleibt. Am brennenden Pfahl belegt die Frau Mutter den adligen Stamm der selbsternannten Retter des Christentums mit einem ewigwährenden Fluch, wonach sich ihre kalte Asche mit dem allumfassenden Schwarz der Nacht verbündet. Vor steigender, abergläuberischer Angst schmeißt der Baron deren Tochter Helen dann sogar einen Wasserfall hinunter.


Jahre später heiratet sein chauvinistischer und selbstherrlicher Sohn Kurt die Schwester Helen's, Elizabeth, und durch die immer brutaleren Zustände gegen das Volk in dessen Reich beschwören sie eines Nachts die stürmischen Geister der Rache herauf, die Helen wieder zum Leben erwecken und sie als unerkannte Verführerin Marie in die Humboldt'sche Burg geleiten. Kurt verfällt ihrer Aura und vernachlässigt Elizabeth, konspiriert auch einen scheinbar gelungenen Giftmord an ihr, doch die Geister setzen zur ultimativen Strafe an und versetzen ihn in ein finsteres Labyrinth der perfiden Illusionen und übernatürlichen, tödlichen Machtspiele.

 
Margheriti liefert eine wahrlich stimmungsvolle Gruselmär in tief-kontrastreichem Schwarz-Weiß, welches innerhalb verbrauchter Burgmauern und flirrender Orgeln seinen delirischen Abstieg in den Wahnsinn findet. Die verengenden, höllischen Katakomben, welche in ihrer Architektur beschwörend fotografiert werden, konzentrieren die brutalen Intrigen Kurt's in eine treibend-hypnotische und erdrückende Schuldzuweisung alà Edgar Allan Poe. Diese Rache der Frauen ertränkt ihn und sein Gewissen in eine scheinbar unendliche Nacht der Verwirrung und rastlos-verfolgenden Offenbarungen, endet in einem schrill-grausamen Inferno, wie jenes, dass er einst über die Mutter der Rocheforts hineingebracht hat.


Wunderschön morbid-erotische und kompromisslos ummantelnd-schattenwerfende Euro-Gothika mit überwältigendem, unheilvoll-verätzenden Spukschloss-Charme. In Deutschland leider unveröffentlicht, in Italien als RARO VIDEO-DVD mit englischer und italienischer Tonspur erschienen.



DAS GEISTERGESICHT DER ROTEN DSCHUNKE - Gesichtet im Rahmen der BIZARRE CINEMA-Reihe des Metropolis Kino Hamburg, von einer schön verätzten, rotstichigen 16mm (?)-Kopie.

Vor ACT OF KILLING, LADY TERMINATOR, THE STABILIZER und MYSTICS IN BALI gab es aus dem Filmland Indonesien diese Koproduktion mit Hongkong - eine abstruse Martial-Arts-Odyssee im 'klassischen' Shawscope-Format - nur weit kostengünstiger - welche der gängigen Inszenierungsformel des HK-Eastern/Wuxias folgt (ZOOM - ZOOM - ZOOM), wieder mal Morricone-Musik aus 'SPIEL MIR...' und 'TODESMELODIE' plündert, hier allerdings mit der bizarren Folklore Indonesiens verknüpft.


So sehen wir schon in den ersten Sekunden unseren mythischen Helden 'GHOSTLY FACE', ein Mensch mit grotesker Horrormaske, herumreiten, der sich sodann in einige abstrus-akrobatische Gefechte verwickelt (welche mit klar durchschaubaren, dusseligen Wirework ausgeführt werden). Um seine Person herum entstehen Komplotte, Legenden und Racheschwüre - unter dem stets klaren Tageslicht-Himmel der Palmen und Jahrhunderte-alten Bauten von Bali. Strukturell macht der Film einige eigensinnige Entwicklungen durch - so nimmt eine heroische Rückblende unseres GHOSTLY FACE fast den gesamten Mittelteil ein, welcher sodann die dramatische Dimension des gesamten Geschehens recht effektiv-eindrücklich vermittelt. Hat Tarantino hier Notiz genommen? Und im Finale geschehen vor dem brutalen Showdown einige sehr schöne, merkwürdige Ausdruckstänze mit stilisierten Tierfiguren und sich-bewusst-selbst-verletzenden Schwertkämpfern. Wie im Rest des Films sprießt die Kultur Indonesiens hier aus jeder Pore.


So kommt es dann auch, dass neben den aberwitzigen Kampfchoreographien auch einige recht grotesk-plakative Splattermomente in das Geschehen reingestreut werden, die allerdings in ihrer plastischen Zweckmäßigkeit herrlich naiv aufs Zwerchfell schlagen, wie auch die verhonkte deutsche Synchro aus München (von Schier?) mit ihren hyperhölzernen Silbendreschereien. Und obwohl dadurch natürlich der Unterhaltungsfaktor besonders ins Auge sticht, möchte ich die exotisch-schwüle Aura des Films nicht unerwähnt lassen, welche eine spirituelle & psychotronische Metaebene suggeriert, die einem beständig Lust darauf macht, weiter in der Umgebung, der Geschichte und ihrer Mythologie herumzuforschen - wenn auch die Filmrisse unserer Fassung einige Orientierungs-raubende Sprünge durch die Augäpfel jagten.


War auf jeden Fall eine schöne und einmalige Erfahrung, so eine gewitzte Obskurität auf der Leinwand zu erleben, in Deutschland gibt es den Film aber auch zudem auf DVD und VHS, wenn auch offenbar gekürzt (was für jene Fassung im Metropolis auch gilt, schließlich weiß ich noch immer nicht, was mit dem macht-habenden Drahtzieher hinter dem Oberbösewicht zum Schluss hin passiert ist).




KING OF NEW YORK - Abel Ferrara hüllt seine nihilistische Gangster-Saga ins kühle, verkeimte Blau der Nacht, krönt Christopher Walken darin zum König von New York, welcher das Fundament der Herrschaft mit dem Samen des Verbrechens paart und mit Gewalt für 'geordnete' Verhältnisse sorgen will - geradezu mittelalterliche Zustände, denn auch Verrat in den eigenen Reihen bringt den Tod mit sich.

Auf der anderen Seite die Polizei, machtlos und manisch im Kampf gegen seine neue Weltordnung. Lassen sich blind vor Wut sodann dazu hinreißen, vollends mit ebenso rabiater Gewalt zurückzuschlagen; das Schlachtfeld ist eröffnet; diese Verkommenheit beider Seiten wird wütend von der Sintflut ertränkt, welche nur schwer das strömende Blut aller davonwischen kann.

Eine klassische, laute Moralentwertung durch den Mobster-Ethos, ummantelt vom Rap der Straße und transportiert in die dreckigen Heroin-Buroughs von NYC, wo zwischen Schwarzen, Iren, Latinos, Asiaten und Italo-Amerikanern nur Kugeln zur Vermittlung angesetzt werden können. Immer stetig, auch mit Handheld-Cam, hinunter in den Morast. Konsequent und ohne Zwischenstop: Gute Ware, netter Genrestoff.




THE IDES OF MARCH - Was entscheidet Wahlen wohl beinahe mehr als alles andere? Charme. Nicht nur in den USA, wo der Befreier-Charme von Obama den Sieg im Handumdrehen entschieden hatte, sondern auch im Rest der Welt (in Deutschlad wählen wir dennoch immer die griesgrämißten Anzüge in den Bundestag).

Und Charme ist auch hier die Wurzel des Narrativs, welcher von niemand geringeren als Playboy-Charmebolzen George Clooney im Regiestuhl 100%-ig stilsicher angeführt wird, der nicht nur sich selbst als volksnahen und weltmännischen Präsidentschaftskandidaten inszeniert, sondern auch noch Handsome-Boy Ryan Gosling als Protagonist an seine Seite stellt, der seine Ideale mit dessem Charme in seliger, rechtschaffener Einigkeit sieht. Als sich das ebenfalls charmante Mädel Evan Rachel Wood mit ihm kurzschließt (was sie schon länger vorhatte, denn 'beautiful people like to fuck each other') offenbart sich allerdings, dass hinter dem Clooney-Charme eine verhängnisvoll-perfide Seite steckt (ein gerissener Augenzwinker vom Regisseur ans eigene Image) und bewährte, vermeintliche Freundschaften sich als oberflächliche, erpresserische Machtspiele entlarven.

Wieder mal: 'Beautiful people like to fuck each other'...

Und so muss er auch (unter recht harten Konsequenzen) mit ihr brechen, denn der Charme des vermeintlich Guten, der sich in seine Ideologie eingenistet hat, treibt ihn rücksichtslos verblendet voran, die Wahl gewinnen zu wollen. Doch es hilft nichts, nicht mal sein natürlicher, redegewandter Charme kann ihn mehr aus der Bredouille raushelfen, weil man ihm schließlich unterstellt, für einen flüchtigen Moment nicht loyal gewesen zu sein. Dieser Vertrauensbruch zieht ihn zur Gegenseite rüber, wo er alles daran setzen will, seine früheren Götzenbilder in den Ruin zu treiben, Anakin-Skywalker-Style (auch in dem Sinne, wer aus seinem Umkreis dabei in Mitleidenschaft gezogen wird). Allerdings will nicht mal die 'dunkle Seite' seine Dienste und er wird im kalten, bitter-brutalen Wind der Verlorenen zurückgelassen.

So bleibt ihm nur noch ein Ausweg, abgeschnitten von jeder Unterstützung, das Gleichgewicht wiederherzustellen, mit einem Engagement, das er von Anfang an in sich hatte und nun ein neues Ventil in einer wütenderen Dimension findet. Wo die Machtspiele neugemischt werden, ohne die glättenden Schichten des Charmes, nur noch mit kaltschnäuziger Präzision - ein Wahlkampf um Wahrheit und Illusion, noch immer mit dem selben Ziel wie am Anfang der Geschichte. Wir erleben die Korrumption eines gutgläubigen Idealisten in ein berechnendes, zynisches und dennoch tieftragisch-enttäuschtes Wesen.

Der Charme hat seinen oberflächlichen Zauber verloren und der Gebrochene führt in seiner haltlosen Kampagne, abgeschnitten von seiner ursprünglichen Seele, die entscheidenden, opferreichen Schritte zum Karriereaufstieg seiner Mannschaft aus, Darth-Vader-Style. So funktioniert, hinter der hübsch-menschlichen Maskerade, Politik wirklich...

...und offenbar auch der essenzielle Handlungsstrang der Star-Wars-Prequels - charmant gespielte Partie, Clooney! :P

Sonntag, 3. November 2013

Tipps vom 28.10. - 03.11.2013



THE INSIDER - Michael Mann, was für ein Talent. Aus so einer faktenbasierten und bodenständigen Geschichte, direkt aus den Schlagzeilen, fördert er das Maximum an empfindbarer Furcht hervor und versetzt selbst den unbeteiligsten Zuschauer in eine seelisch-einschlagende Krise. Hält zunächst einen Furchtlosen (Al Pacino) bereit, der dem unsicheren & furchtsamen Familienvater (Russell Crowe) Vertrauen zusichert und ihm hilft, die Wahrheit ans Licht zu bringen, um der Welt die Augen zu öffnen, trotz greulichster Todesdrohungen.

Doch selbst um den Furchtlosen herum versammelt sich soviel juristische Paranoia, dass die Augenöffnung verhindert wird. Und so erleben wir diesen Zusammenbruch an allen kämpfenden Beteiligten so hautnah mit, dass es uns selbst im Innersten erschüttert, auch wenn oder gerade weil Regisseur Mann dieses Mal vollkommen ohne intensive Waffengewalt gegen die menschliche Seele arbeitet (wie z.B. in dem vorangegangenen HEAT), hier vollends auf die inneren Konflikte, theoretischen Gefahren und persönlichen Opfer der allzu realen Figuren eingeht, die ihr Vertrauen in ihre Partner in fataler Gefahr sehen.

Aber wie in beinahe jedem Mann-Werk treten diese Menschen ans offene Meer, sozusagen an die faire Natur heran, um sich über ihr Gewissen klar zu werden und die rettende Insel zu sichten, nach ihr mit allen Kräften zu schwimmen. Und am Ende dieser Reise, infolge eines unterkühlten und bitter abweisenden Tribunal nach dem anderen, schenkt es ihnen durch harte Arbeit und dem letztendlich unerschütterlichen Vertrauen den glorreichen Wiederaufbau der Weltordnung und der Seele, die reinende und gerechte Erfüllung ihrer und somit auch unserer Wunschbilder.

Mann lehrt uns nochmals, in seiner packensten Form, dass nicht die Furcht, sondern nur die Wahrheit, der Ursprung und der Antrieb des menschlichen Gewissens, der ultimative Sieger sein kann - was sich bis zum heutigen Tage, in Zeiten von Snowden und dem immer tiefer gehenden NSA-Abhörskandal, noch immer bewährt hat...'Whistleblowing? Back in my day, we called that journalism!', besagt da ein gewisses Internet-Meme. THE INSIDER ist der filmgewordene Tribut an diesen Gedanken.




BLOW OUT - Erstmals (dank dem Metropolis Kino in Hamburg) von der Leinwand aus gesehen, diese knallige Watergate-Verschwörungs-Reflexion und Ehrerbietung an die Schnitt- und Tontechnik des Kinos als spannendes und genüsslich-schöpferisches Thriller-Werkzeug von Brian De Palma.

Zudem auch recht bezaubernd zu sehen, wie zwischen all den perfiden (Auftrags-)Morden und politischen Intrigen zudem eine süße Romanze zur niedlich-unbedarften Nancy Allen in die Wege geleitet, ein herrlich-chaotisches Exploitation-Filmstudio portraitiert und allgemein eine hohe Geschicklichkeit in Bild- und Tonsprache sowie sympathische Darstellerleistungen an den Tag gelegt werden.

Ein Goldwerk - leichtfüßig, anspannend, methodisch, gefühl- und humorvoll und reißerisch zugleich ♥




LUMIÈRE ET COMPAGNIE - Die Zusammenkunft 40 kontemporärer Filmemacher, die 1995 in Tribut an das 100jährige Bestehen des Kinos der Gebrüder Lumière mehrere Kurzfilme auf dem alten Lumière-Kamerakasten Cinématographe drehten - mit ganz klaren Vorgaben: kein Film darf länger als 52 Sekunden dauern, kein direkt beim Dreh aufgenommer Ton darf verwendet werden, nicht mehr als 3 Takes.

Zwischendurch werden die Filmemacher von Projektleiterin Sarah Moon zu dem Vorhaben und ihrer Philosophie zum Kino befragt, Behind-the-Scenes-Material wird auch en masse beigefügt, um nochmals zu verdeutlichen, was hinter der Filmemacherei wie eh und je so alles steckt. Die Liste der Beteiligten ist dabei lang und bemerkenswert:

Merzak Allouache, Gabriel Axel, Vicente Aranda, Theo Angelopoulos, Bigas Luna, John Boorman, Youssef Chahine, Alain Corneau, Costa-Gavras, Raymond Depardon, Francis Girod, Peter Greenaway, Lasse Hallström, Michael Haneke, Hugh Hudson, Gaston Kaboré, Abbas Kiarostami, Cédric Klapisch, Andrei Konchalovsky, Patrice Leconte, Spike Lee, Claude Lelouch, David Lynch, Ismail Merchant, James Ivory, Claude Miller, Idrissa Ouedraogo, Arthur Penn, Lucian Pintilie, Jacques Rivette, Helma Sanders-Brahms, Jerry Schatzberg, Nadine Trintignant, Fernando Trueba, Liv Ullmann, Yoshishige Yoshida, Jaco Van Dormael, Régis Wargnier, Wim Wenders, Zhang Yimou

Die einzelnen Ergebnisse ihrer Leistungen hier jetzt zu beschreiben oder einzeln zu bewerten wäre hier zwecklos (weil sich sowieso alle von selbst erklären), viel wichtiger ist das Projekt an sich und wie diese Regisseure ihre persönlichen Stile und Visionen an diesen unsterblichen Aufnahmemodus anpassen, ihm dabei, sowie dem Kino und seiner innovativen Ursprünge an sich, mit voller Liebe und Hingabe ein ehrwürdiges Denkmal setzen - eine Zelebration des Triumphs der Fantasie und der Filmkunst.




DER GROSSE SPRUNG - Ich bin 25 Jahre alt und kann auf ein bisher einigermaßen bewegtes Leben zurückblicken - aber was die hier traumhaft-drollige Riefenstahl mit ihren damaligen 25 Jahren für den Film alles geleistet hat (Stichwort: Bergsteigen!), tja, da kann ich ehrlich gesagt nicht mithalten.

Sehnsucht und Bewunderung für dieses (hier noch) komplett unbedarfte und herzliche Landmädel treibt sodann Figuren & Handlung dieser aktions- und temporeichen Slapstick-Komödie aus der Stummfilmzeit hauptsächlich an - erst recht den kurbedürftigen Berliner Millionär Hans Schneeberger, der zu ihr in die Südtiroler Alpen zur Entspannung hingeschickt wird, dabei aber in irrwitzig-akrobatische Abenteuer gerät und sich durch ihre Rettung & ihrer Aura (berechtigterweise) hoffnungslos in sie verknallt.

Doch auch ihr Nachbar aus der Heimat, Luis Trenker, hat ein Auge auf sie geworfen - und so entbrennt ein erbitterter Zweikampf um das Herz der unschuldigen und doch neckischen Maid, bis in die stürmischen Tiefen des selig-flockigen Winters und dem obligatorischen 'großen Skirennen' hinein (das man zudem auch mit filmtechnischen Tricks gewinnen kann - grandioser Moment übrigens :D) - wobei der Berliner Diener Paul einige ausgefuchste, irrwitzige Erfindungen zur Unterstützung hervorzaubert.

Ein wirklich zuckersüßes, mit zahlreichen tollen Ideen und Spielereien gespicktes und hochamüsantes Lustspiel aus einer scheinbar weit, WEIT entfernten Galaxie der ulkigen Glückseligkeit.




LONE STAR - Im Schatten der Vergangenheit bemüht sich die Gegenwart um eine gemächliche Zukunft, doch wie kann diese erreicht werden, wenn das Vergangene - das Werk vorheriger Generationen - jenes Gegenwärtige nochmals unterwandert und aufmischt, da sich die unausgesprochenen Geheimnisse wieder an die Luft wagen und entschlüsselt werden wollen? Denn das letzte Wort ist ganz bestimmt noch nicht gesprochen...und das ist auch gut so.

Eines ist auf jeden Fall sicher: diese investigativen Entschlüsselungen von Sheriff Sam Deeds werden endgültige Konsequenzen für jede mögliche Zukunft mit sich bringen - auch wenn sie nicht unbedingt jeder sehen wird - und schlußendlich die Gerechtigkeit walten lassen, für welche die götzenartige Sheriffslegende, sein Vater Buddy Deeds, im bewundernswerten wie im fragwürdigen Sinne, in der Grenzstadt Frontera stand. Unausweichlich müssen nämlich Grenzen überschritten werden - zur Brüderlichkeit, zum Herzen, vorallem zur Wahrheit.

Ein humanistisches Crime-Epos im interkulturellen Kosmos zwischen Mexico und Texas, dass die jeweiligen Generationen ineinanderfließen lässt, um das soziale Klima wieder ins Gleichgewicht zu bringen, wenn nötig auch mit einer beinahe katholischen Vergebung, in einer schon selbstgerechten, doch herzbetonten Cowboy-Mentalität. Mir scheint übrigens, 'PLACE BEYOND THE PINES' hat hiervon so einiges abgeguckt - ich kann's ihm nicht ganz verübeln, so ergreifend und dennoch bescheiden LONE STAR sich wie ein gut geöltes Uhrenwerk selbst löst.




PORCO ROSSO - 'Werner - das muss kesseln!!!' hat offenbar eine gute Menge hiervon 'geklaut', auch wenn das Schwein dort weder sprechen, noch fliegen konnte ;)

Wie gewohnt bekommt man aber auch hier ein herzliches, süßes und fantasiereiches Abenteuer-Epos von Hayao Miyazaki geliefert, hier im stark fiktionalisierten Rahmen des Italiens zur Zeit des Faschismus. Die Szene mit dem 'Flugzeughimmel/-hölle' war da übrigens mein persönlicher Höhepunkt.

Für meinen persönlichen Geschmack blieb in 'PORCO ROSSO' der großartig-eindringliche Zauber anderer Miyazaki-Kracher etwas auf der Strecke, folgte er doch hier eher einem Eskapismus-Konzept, das weit näher an der revisionistischen Blockbuster-Mentalität eines INDIANA JONES oder ROCKETEER angelehnt ist, als wirklich persönlichen Ambitionen, wie z.B. in 'MEIN NACHBAR TOTORO'.

Und dennoch verspüre ich auch hier reichlich Liebe und Charme durch und durch - das kann sich Studio Ghibli einfach gottseidank nie verkneifen.




THE LORDS OF SALEM - Rob Zombie entdeckt erstmals das Konzept der Kadrierung für sich (landet dabei irgendwo zwischen Stanley Kubrick & Ken Russell) und bleibt im Vergleich zu seinen vorherigen Werken mit diesem seinen klassischen Satanisten-Ulk überraschend bodenständig, bietet zudem eine einigermaßen unaufgeregte und auch ein Stück weit herzliche Charakterzeichnung für seine Hauptprotagonistin Heidi (Sheri Moon Zombie) und ihrem umliegenden Figurengefüge - schneidet seine gewünschte, subtile Gruselaura aber anfangs manchmal etwas kurz, um sich dem eher publikumswirksamen Jumpscares und Blutklatschern zu widmen.

Der Spannungsbogen bleibt sowieso recht gemäßigt und methodisch, um sodann ab und an einige garstige Visionen unter Aufsicht eines einfach zu entziffernden, Symmetrie-fixierten Symbolismus einzuschieben, der nur bedingt den eigentlichen Narrativ über die Auswirkungen und den Umgang mit Drogensucht als Subtext verschleiern kann. Dies nimmt allerdings teilweise dermaßen bizarre und eigensinnige Auswüchse an, dass sich allmählich eine schöne Chemie der Sympathie zwischen Zuschauer und 'Zombie' entwickelt, welcher durchweg echte Hingabe für sein Sujet vermitteln kann und zudem die gewitzt-perfide '3 Hexen'-Dynamik eines 'Die Hexen von Eastwick' wiederbelebt.

Erst recht schön wird es in der Eskalation des delirischen Satanswahns, der sich mehr wie eine körperlich-spirituelle Katharsis anfühlt, als die fucked-up Horrorshow, die er eigentlich darstellt. Echt süß, Rob, wie überraschend warm du deinen okkulten Surrealismus in die Welt gesetzt hast - gerne mehr davon!




DER RE-ANIMATOR - Ja, auch mir gefiel diese Frankensteinvariante von Stuart Gordon, basierend auf der H.P. Lovecraft-Kurzgeschichte gleichen Namens, die an sich schon den ausserordentlichen, perfiden Drang der Wissenschaft nach grenzenerweiternder Körperlichkeit um einige schauerliche Gedankengänge erweiterte - wohl auch voraussah, was für Grausamkeiten skrupellose Perverse wie Todesengel Mengele mit dem menschlichen Körper im Namen der Wissenschaft anstellen würden.

Aus dieser Vorlage entwickeln Gordon und Produzent Brian Yuzna sodann, unter dem Klangteppich eines an PSYCHO-mahnenden Titelthemas, eine irrwitzige, schwarze und kunterbunt-syruprote Komödie um den staubtrockenen, abgeklärten Mad-Scientist Herbert West, der hinter das Geheimnis gekommen ist, wie man Menschen nach dem Tode zum Leben wiedererweckt, wobei diese sich in groteske, attackierende Monstren mit einigen intakten Erinnerungen und Grundmotoriken des vergangenen Lebens verwandeln - allerdings auch die Grundessenz ihrer alten Persönlichkeit ausstrahlen.

Doch auch der Uni-Professor Dr. Hill hält seinen Humanismus für den potenziellen Fame dieser Entdeckung entschieden zurück und missbraucht die neue Unsterblichkeit, derer er selbst Opfer wird - nun ganz offensichtlich als der grässliche Sack auftritt, der er schon vorher im Innern immer war - für persönliche Rachegelüste und sexuelle Begierden. Daraus entwickelt sich sodann eine gewisse Tragödie für das zunächst unbedarfte Liebespaar des Films, Dan und Megan, welches schließlich von der Macht der Verführung verzerrt und auseinandergetrieben, sogar ethisch herausgefordert wird, doch selbst für sie bleibt am Ende eine Aussicht auf Hoffnung - wenn diese auch alles andere als erstrebenswert ist. Aber ihr kennt ja das alte Motto: 'Long live the new flesh.'

Eine recht wilde und brachiale Angelegenheit, dieser heraufschaufelnde und rücksichtslos-zynische Vorstoß ins Totenreich - in seinem innerlichen (Figuren-)Konstrukt schnörkellos und behutsam, sogar anfangs bieder und um Vernunft buhlend aufgebaut, in seinen eruptiven Körperexperimenten dann allerdings so knallig und anarchisch, dass es der pure Wahnsinn ist. Nicht nur für Halloween eine feine Horrorgrotesken-Kost, da freue ich mich doch mal auf die Fortsetzungen!




BRIDE OF RE-ANIMATOR - Brian Yuzna steht hier seinem Vorgänger stilistisch in fast nichts nach, folgt sogar beinahe den selben Plotbeats, denkt allerdings das perfide Experimentieren mit menschlicher Körperlich- und Sterblichkeit konsequent sowie schnörkellos weiter und ergänzt die morbide Schlachtpallette um einige effektive, scheußliche Dimensionen - trotz verhalten-dusseligen Score, welcher leider manchen Situationen die nötige Subtilität und Ernsthaftigkeit raubt, im Grunde allerdings bewusst dazu dient, den Schrecken etwas zu entwaffnen.

Der schwarze Humor ist ja tatsächlich noch immer grundlegend präsent, allerdings nehmen die versifften, grausamen Horror-Abstrusitäten amoralischer Forschungsrücksichtslosigkeit zusammen mit dem weitaus schäbigeren Ambiente und Figurengefüge, im Sinne von 'more bang for the buck', eine durchaus erdrückendere und nihilistischere Aura ein (man bemerke, wieviel skrupelloser West inzwischen geworden ist), die das Original noch nicht komplett ausspielte.

Jene Aura kommt auch davon, dass das unaufhaltbare Sterben hier allgegenwärtiger den Ton bestimmt, die neue Körperlichkeit im Vergleich zum ersten Teil noch weniger als potenziell-positive Lebensoption behandelt wird und somit die wissenschaftliche Verblendung eben als solche sofort von jeder Rationalität, meist lediglich anhand kritischer und effektiver Bilder, konsequent entkräftet wird. Ähnlich verhielt es sich auch später in Yuzna's durchgehend dystopischen Beitrag zur Zombie-Comedy-Reihe 'RETURN OF THE LIVING DEAD'.

Lediglich zum Ende hin steigert sich der Film hier wieder in eine Cartoonhaftigkeit hinein, die dem Witz des Originalfilms eher gerecht würden dürfte, im Gesamtkontext dieses Teils allerdings doch nicht ganz stimmig, eher entkräftend und ernüchternd wirkt - was aber nicht heißt, dass dieses Ende 'falsch' für die Story und die Charaktere wäre. Lediglich die Stimmung überschreitet hier ihre bis dahin ordentlich aufgebaute Glaubwürdigkeit, behandelt die dort stattfindende Entwicklung eher irrwitzig (Stichwort: Fledermaus-Kopf) und hätte stattdessen in eine weit tragischere Richtung schlagen müssen.

Dennoch eine durchaus gelungene und finstere Fortsetzung zum Stuart-Gordon-Genreliebling, die noch tiefer und kritischer in dessen ungeschönt-grässliche Ansätze des verzerrten Mad-Scientist-Ethos vordringt.




JACKASS: BAD GRANDPA - Knoxville, Tremaine und Crew weben erstmals einen recht losen Narrativ um ihre krassen Streiche öffentlicher Erregung, lassen den verdorbenen Opa einen wilden, formelhaften Roadtrip (inkl. klassischer, zweckloser Rückblende) mit seinem frechmäuligen, stets-entspannten Bengel-Enkel erleben und liefern dabei einen genüsslichen Querschnitt durch die amerikanische Bevölkerung, ob high class oder low class - hier wird jeder mit den absurden Slapstick-Sketchen, platt-obszönen Anmachen vom Make-Up-Opa und Verarschungsmanövern des dynamischen Duos konfrontiert.

Dabei entwicklet sich aus der gelungenen Chemie des Gespanns das anarchische, gewitzt-blödelige Herz dieses unhaltbar platten und höchst unterhaltsamen Films, gerade weil teilweise die ältesten Vaudeville-Taktiken in die Öffentlichkeit hineingetragen werden, was teilweise hysterisches Entsetzen der aberwitzigsten Sorte hervorruft und dennoch sympathisch-gemütliche Bodenständigkeit ausstrahlt. Wer sich hier bewusst reinwagt, wird garantiert nicht enttäuscht!





A SNAKE OF JUNE - Japanern sagt man nach (und lassen sich darin öfters in der Popkultur bestätigen), dass sie einerseits voller Scham mit ihrer Sexualität umgehen, diese aber dennoch in abstruseste, offenherzliche Bahnen leiten. Diese Mentalitäten treffen in A SNAKE OF JUNE aufeinander, um der verhalten-unsicheren Hauptprotagonistin Rinko, Mitarbeiterin einer Hilfs-Hotline, zu ihrer sexuellen Selbstfindung zu verhelfen, selbst mit durchaus perversen, psychopathischen Anleitungen eines mysteriösen Stalkers, dem sie zunächst widerwillig gegenübersteht, aber schließlich mit steigender Obsession folgeleistet.

Unterstützend für diesen Sinneswandel wirken auch die stetige, schwüle Feuchtigkeit ihrer bewachsenen Umgebung und der prasselnde, in Strömen fließende Regen, der die Grenzen zwischen Menschen und erdrückenden Stadtbeton aufweicht, die sehnsuchtsvollen Seelen preisgibt und mit seiner Transparenz beinahe metaphysisch zusammenführt. Dem Ehemann Rinko's hingegen wird vorgeführt, wie weit die Perversion inzwischen voangekommen ist, trifft sogar jenen Stalker, der selbst daran zu scheitern droht, seine Mission für Rinko allerdings nie aus den Augen verliert - in die sich ihr Ehemann sodann keinesfalls konfrontierend, sondern ebenso voyeuristisch hineinverliert.

Shinya Tsukamoto sucht nach einem Gleichgewicht der sexuellen Wahrnehmung in Japan's Gesellschaft, dass sich schließlich im ewigwährenden, hitzigen Regen findet, wo immer wieder neue Mutanten, Fetische und Auswüchse der Körperlichkeit im sozialen Gefüge heranwachsen. Sowie auch der Krebs in Rinko's Brust, gegen die der Ehemann allerdings offenbar nichts zu tun vermag, wodurch sich ihm der Stalker gewaltsam ins Gewissen redet. Er sieht es ein und so treffen sich seine und ihre Seele nochmals bzw. erstmals in seliger Harmonie, endlich ausserhalb des strömenden Regenfalls, ganz intim und voller Hingabe. Schöne Lösung, wie direkt von 'Shōnen Bat' herbeigeführt.




HACK-O-LANTERN - Der ist nun vielleicht nicht besonders fantastisch oder überhaupt phantastisch, aber immerhin ein schön unschuldig-sleaziges, schnell-heruntergekurbeltes und quirlig-buntes 80's-Okkultfamilien-Slasherkleinod für den Videomarkt. Spielt dabei im Dosen-mit-der-Stirn-zerdrückenden Hinterwald-Americana, mit einem schmierig-hillbilligen, lüstern-knurrenden Opa als Satanisten-Oberhaupt und seinen 3 grundverschiedenen, allerdings dysfunktionalen Enkeln. Und das ist nur der Gipfel der Verrücktheiten!

Selbst ein offensichtlicher, unterdurchschnittlicher Stand-Up-Comedian wurde für eine Art Showcase seines Halloween-themenbezogenen Programms bei der obligatorischen Teen-Kostümparty am Ende eingesetzt (wo u.a. ein Cowboy mit einer Konkubine japanisch paliert). Und wenn das nicht reicht, besitzt der Film zudem eines der krachigsten White-Trash-Metalstücke des Genres, direkt aus den Gehörgängen des aufgepumpt-soziopathischen, 'vom Teufel besessenen' Arschloch-Enkels Tommy (der dazu eine Traumsequenz geliefert bekommt, wo ihn sogar ein Teufelsweib mit zahlreichen Armen, ähnlich Vishnu, verführt - man merkt nochmals: Regisseur Jag Mundhra und seine Produzenten sind indischen Ursprungs):



Ich denke, der Track vermittelt und suggeriert schon viel mehr in Sachen Inhalt und Stimmung, als meine Worte auf die Schnelle hierfür ausdrücken können. Na gut, ich erwähne wohl besser noch die rohen Mengen an Full-Frontal-Nudity, damit auch der letzte Leser diese kleine Genrespielerei ausfindig macht. Aber jetzt mal im Ernst, 'HACK-O-LANTERN' ist ein wirklich sympathischer und gewitzter Whodunit-Dussel von Film, der nur allzu gerne in die Abstrusitäten seiner Enstehungs-Ära abdriftet.

Und weil ich nichts besonders Schönes unerwähnt lassen will, arbeitet der Film zudem auf diskrete, leicht zynische, aber doch herzliche Weise (die ich hier nicht verraten will) darauf hin, dass der Arschloch-Tommy sich letztenendes doch wieder mit seiner verbitterten und um seine Liebe ringende Mutter versöhnt, die ihn seit seinen Kindheitsjahren an seinen dreckig-verschmitzten Satans-Opa verloren sah.

Schön!




MONEYBALL - Baseball interessiert mich einen Scheißdreck und typische Underdog-Stories hat man schon zu genüge gesichtet.

Aber 'Moneyball' gestaltet seine fast schon dokumentarisch-methodisch dargelegte Mastermind-Geschichte so stilsicher, gediegen und taktisch-effizient (siehe auch den pragmatischen Soundtrack-Anteil zwischen Wehmut und cleverer Offenbarung), mit pointierten Einsätzen von natürlichem Witz und glaubwürdigen Darstellerleistungen, dass man die knapp 130 Minuten Laufzeit um den Triumph des Vertrauens mit durchgehender, cinephiler Hingabe genießen kann.

Dabei macht sich aber auch eine undramatische Kälte fortwährend bemerkbar, da eine Menge tiefgreifender Emotionen lediglich suggeriert wird und sich meistens im passiv-aggressiven Kaputtmachen von Büromaterial ausdrückt, während die verschiedenen Teamplayer nicht viel Raum zur Entwicklung bekommen, mehr als austauschbare Zahnräder im Gesamtkomplex zu sein. Das ist aber eigentlich nicht weiter schlimm, weil der Film ja ganz klar seinen narrativen Fokus darauf legt, dass Brad Pitt's Billy Beane es allen nochmal zeigen und sich beweisen kann.

Im Endeffekt lernt man dabei als erfahrener Zuschauer zwar nicht viel Neues hinzu, darf aber die wohl meisterlichste und bodenständigste Umsetzung des kinotauglichen Sujets erleben. Eben der altbekannte Aaron Sorkin-Deal, bei so einem Drehbuch. Aber erst in den letzten Momenten des Films, mit dem mahnenden Song seiner Tochter in den Ohren, erkennt Pitt dass er seine Zeit mit seinem Job lieber genießen soll, statt ihn allzu sehr zu verkopfen - das hätte der Film selber auch irgendwo gebraucht, finde ich.




BURIED ALIVE - Wer hätte das gedacht, vor dem Publikumsliebling 'DIE VERURTEILTEN' inszenierte Frank Darabont diesen perfiden und zynisch-schwarzhumorigen Genrefilm, einen astreinen und konzentrierten Crime-Thriller, als Langfilmdebüt fürs Fernsehen.

Stadtmädel und kaltschnäuzig-zickige Femme Fatale Jennifer Jason Leigh hat die Nase voll vom langweiligen Leben im Hillbilly-County mit ihrem Beau Tim Thomersen, der ab und an mal gerne mit dem Sheriff angeln geht - unterhält währenddessen lieber eine Affäre mit dem Mogul-Doktor William Atherton (wer's glaubt), der sie überredet ihren Mann mit dem einzig giftigen Extrakt eines japanischen Fisches, den sie vorher gegessen haben, umzubringen (erinnert sich da sonst noch jemand an die Simpsons-Folge 'Die 24-Stunden-Frist'?).

Doch wie sich herausstellt, war das Gift wohl nicht genug und so schlägt der Gatte aus dem maroden Grab gegen seine nihilistisch-verschmitzte Frau und deren Liebhaber zurück! Diese Wiederauferstehung geschieht zudem unter einem comichaft-reißerischen Gewitter, wie direkt aus einem klassischen Gruselstreifen, schön vermischt mit der eklig dreckigen Modder der Graberde, die den Ausstieg aus dem ranzigen Inferno nochmals unterstreicht, während der Synth-Soundtrack peitschend in die Nacht hineinpumpt.

Er zieht sich zunächst in den Keller seines Hauses zurück, greift dann aber auch zu seinem alten Gewehr, um sich an seiner Frau zu rächen, die zudem das von ihm selbst aufgebaute Haus sowie sein Geschäft verkaufen will UND sein Baby durch Atherton nur allzu gerne abtreiben ließ. Er entschließt sich jedoch, seine Rache deswegen noch etwas extravaganter zu gestalten und so beginnt er einen psychischen Terror an seinen konspirativen Mördern, der sich gewaschen hat.

Da löst er zunächst seine Fingerabdrücke mit Säure ab, während sie kichernd die Summen der Versicherungpolis nachzählt. Doch schon bald kriegt sie nur allzu deutlich mit, dass jemand ins Haus eingedrungen ist - sie kann nicht einmal ihren Liebesarzt erreichen, der sowieso bei ihr vorbeischaut, um sie wegen ihres Geldes mit dem selben Gift loszuwerden, und so entfalten sich an Beiden bereits die erste Phasen des sadistischen Racheplans. Jetzt sind sie nämlich dran, unter dem verbarrikadierten Mauern des Hauses, lebendig begraben zu sein - und sich gegenseitig an die Gurgel zu gehen.

Krasser, augenzwinkernder Stoff.




BODY SNATCHERS - Die Angst vor dem Militärfaschismus nach dem 1. Golfkrieg und dem eskalierenden Rassismus nach Rodney King - recht effektiv von Abel Ferrara umgesetzt, der den altbekannten Invasorenschrecken an den kleinsten, gemeinsamen Nenner des kleinstädtischen Amerikas versetzt und ihn in der organisierten Macht des stets allgegenwärtigen und nun bestialisch-um-sich-packenden Armeestützpunktes erblühen lässt.

Ein unterkühltes und bitteres Schreckensszenario durch und durch, noch immer einigermaßen 'close to home', gibt aber im Vergleich zu den Vorgängervefilmungen leider auch rein gar nichts Neues hinzu und bleibt inhaltlich wie auch gestalterisch etwas zu 'behutsam' (und in den letzten Minuten auch etwas zu peinlich platt), auch wenn der Score einige recht dramatische Höhen trifft - das Figurengefüge allerdings eher austauschbarer (tihihi) Natur ist.

P.S.: Wie konnte so ein komplett unfertiger Spezialeffekt in einem Mainstreamfilm unbeachtet unterkommen - vorallem auch noch im Finale (*SPOILER*)?


Der Junge hat auf einmal keinen Unterkörper mehr (ausser natürlich im nächsten Greenscreen-Shot, da ist er wieder da)!




HIDEAWAY - Nach einer wirklich stimmungsvoll inszenierten und fotografierten Eröffnungssequenz (über die Gestaltung des Restfilms kann man durchaus streiten) wurde mir aber schlagartig klar, dass Brett 'Rasenmäher-Mann' Leonard hier am Ruder saß. Schließlich lässt er den Doppelmord/Selbstmord des Satanisten nicht nur geschehen, sondern begleitet dessen verdammte Seele ins effektreiche Jenseits mit CGI-Tunneln, wie direkt aus Leonard's vorherigen Virtual-Reality-Thrillern.

Jene Sequenz wird im Verlauf des Films sodann öfters variiert. Und auch wenn die eingebetteten Gesichter der reisenden Seelen allesamt zum Kichern anregen, interessierte mich diese bizarre und abstrakte Darstellung des Totenreiches am meisten am ganzen Film. Das restliche Geschehen, basierend auf einem Gruselroman von Dean R. Koontz (der immerhin noch die Vorlage für DES TEUFELS SAAT vorweisen kann), ist da weit weniger packend oder inspiriert - schmeißt im Verlauf immer mehr potenzielle Glaubwürdigkeit & Motivation ungeschickt und unfreiwillig komisch-unnatürlich aus dem Fenster, bis nichts mehr übrig ist.

Ein Glück also, dass sich tatsächlich Jeff Goldblum bekloppt-teilnahmslos durch die Hauptrolle langweilen und die ein oder andere, verwundert-doofe Fresse ziehen darf - was den Spezialitäten-Bonus des allmählich recht bissfreien und durchweg-dusseligen Films um einige Punkte nach oben drückt. Dazu gesellen sich dann auch noch einige recht schäbig gestaltete Club- und Mordszenen, die von der Beleuchtung & Wirkung her einem SEGA-CD-FMV ähneln.

Aber hey, immerhin steigert sich 'DAS VERSTECKSPIEL' im Verlauf immer mehr in forciert-hingeschissene Dialoge, unfassbar plakativ-hölzerne Regie-'Einfälle' und irrsinnigste Wendungen, dass er zum unübersehbar-knalligen, durcheinandergewürfelten Quatsch mutiert (DAS FINALE!!!). Fast zeitgleich erschien übrigens Leonard's, in meinen Augen, bester Film 'VIRTUOSITY'. Dieser Streifen hier jedoch wird wohl eher ausschlaggebend dafür gewesen sein, dass er danach erstmal 10 Jahre lang keinen Spielfilm mehr in die Welt setzte. Nach dieser Pause förderte er aber auch u.a. 'HIGHLANDER - DIE QUELLE DER UNSTERBLICHKEIT' (2007) zu Tage, also bezweifle ich, dass er irgendetwas aus diesem Unding von Film hier gelernt hat. Heiliger Bim-Bam!




PHANTOMS - LOOOOUUUDDDD NOOOOIIIIIIISSSSEESSSSS!!!!

Wann sonst erlebt man mal, wenn nicht in PHANTOMS, das Äquivalent eines unbeholfenen Kindergeburtstag-Gruselspaß-Heimvideos (man bemerke den noch jungen, wunderbar-vorlauten Ben Affleck als Kleinstadt-Sheriff mit einem viel zu großen Hut) auf Mainstream-Größe und im ungünstigen TV-Look - dessen überhastete Story scheinbar erst während des offenbar spaßigen Drehs ausgedacht wurde?

Ich spreche da aus Erfahrung, habe mich damals selber oft genug an solche Sachen versucht, wenn auch nicht auf dem selben Budget wie hier. Doch die einst im Kinderzimmer entfalteten, scheinbar willkürlich gewählten Zutaten & Zitate, basierend auf einer rudimentären 'In den Filmen machen die das immer so'-Genrekompetenz, sind in Joe Chappelle's Arbeit eindeutig die selben - wobei er vorallem auf JUMPSCARES zurückgreift.

Und ja, ich weiß, dass PHANTOMS auf einem Roman von Dean Koontz basiert, aber nach HIDEAWAY bin ich mir nicht mehr so sicher, ob es überhaupt möglich ist, irgendeines seiner Werke ordentlich umzusetzen oder ob man sich als Regel bei der Adaption einfach stets für das unfähigste Team entscheidet.

Immerhin macht der Film ab der Hälfte dann einigen irrwitzigen Boden gut, lehnt sich an Genre-Lieblinge wie Carpenter's THING, Chuck Russell's BLOB, INDEPENDENCE DAY, BODY SNATCHERS, TERMINATOR oder auch eine beliebige Stephen-King-Template mit religiösen Anspielungen an. Furchterregend wird's dabei zu keinem Zeitpunkt, wie so oft bei einer DIMENSION FILMS-Produktion liegt das Augenmerk auf Spaß für die jugendliche Zielgruppe - und den liefert PHANTOMS durchaus, wenn auch ab und an unfreiwilligen (das CGI!).

Vom Unterhaltungsfaktor her bekommt man also durchaus beständig was geboten - die formale Gestaltung, allen voran was Glaubwürdigkeit und Schauspielerführung betrifft, lässt aber insgesamt ziemlich zu wünschen übrig, fährt gerade so einigermaßen zweckmäßig auf platten Reifen durch die endlose Straße des Horrorquatsches und findet seine finale Einfahrt zumindest auf einem recht niedlich-perfiden Schlussgag.

Sonntag, 27. Oktober 2013

Tipps vom 21.10. - 27.10.2013



LEVIATHAN - Dokumente, die entfernt an unsere Welt erinnern.

Dank entschieden-eindringlichen Bildern aus jeder möglichen Perspektive werden wir in einen verschrammt-rauschenden Kosmos des allgegenwärtigen Sterbens hineingeworfen, mit dem keine erdenkliche Dystopie mithalten kann. Und was noch nicht verstorben ist (bzw. seine letzten Atemzüge erlebt), ist seiner transparenten Verlebtheit erlegen, die man vom zerfressend-gammligen Rost der Umgebung bis hin zu den tiefgreifenden Poren der dort rastlos arbeitenden Humanoiden erkennt.

Zudem erscheinen nachjagend-aufdringliche, gefiederte Wesen als nihilistische Vertilger der Reste, getrieben vom Instinkt, wie alles an dieser organometallischen, monströs-dröhnenden Maschinerie, die von Anfang an aus kompletter Finsternis wie ein Urknall herausgeschossen, ihre komplexen und groben Zahnräder in Bewegung setzt.

Ein wahrlich unheimlicher Ort, an den wir hier herangeführt werden, unnachgiebig umschlingend in seiner Aura, unentzifferbar wie auch werte- und hoffnungsfrei in seinem Ablauf. Und so wie wir urplötzlich durch ihn hindurchgezogen werden, entschwindet er uns schließlich, dass wir nur noch im Dunkeln, im Nichts zurückgelassen werden.

Wahrlich kraftvolles Mammutwerk! Seit dem 22.10. in den USA auf DVD & BLU-RAY erhältlich.




L'ATALANTE - Wie eine Fortsetzung von 'UNTER DEN BRÜCKEN', nur mit viel mehr Katzen! Oh, welch herzliche Reise über die Kanäle Frankreichs unsere frisch-vermählte Juliette (Dita Parlo) hier erlebt, mit all dem liebenswürdigen, kernigen Seemannsvolk an der Seite (allen voran das alte, gewitzte Schlachtschiff Père Jules).

Eine musikalische und zauberhaft-leichtfüßige Kennenlernrunde mit der greifbar-natürlichen Menschlichkeit des hier dokumentierten (beinahe zeitlosen) 30er Jahre-Figurengefüges - vollkommen unabhängig davon, ob es in der Realität tatsächlich so erwärmend zuging, wo hier höchstens doch die Eifersucht den größten Spielverderber darstellt.

Schließlich führt diese auch dazu, dass man sich aus den Augen und auf nebelverhangenen, finsteren Bahnhöfen zwischen Metropolen- und Strandhorizont verliert. Doch man muss nur mit voller Sehnsucht auf den Grund des Flusses schauen und schon sieht man sich wieder, dass einen das Schicksal (=Père Jules) wieder zusammenführt - hach...




TELEFONI BIANCHI - Im Italien der 1930er Jahre wurden unter dem Regime des Mussolini-Faschismus sogenannte 'Telefoni Bianchi'-Streifen gedreht - imposante Nachahmungen von populären, amerikanischen Produktionen, die mit konservativen Botschaften versehen wurden.

In diese Filmindustrie voller überheblicher Chaoten will das quirlig-unbedarfte Zimmermädchen Marcella (Agostina Belli, ein Goldengel allererster Güte) als Schauspielerin einbrechen, die sich für ihre Karriere durch die Betten einflussreicher und taktlos-selbstsüchtiger Politiker, Stars und Produzenten schläft, während ihr alter Verlobter Roberto (Cochi Ponzoni) ihr immer wieder als beleidigte Leberwurst auflauert und berechtigte Schuldgefühle einbläut.

Dabei gerät sie u.a. in ein prunkvoll-versautes Bordell für feine Herren, wo sie durch einen Kunden & Komponisten (Lino Toffolo) zum Schlagerstar wird. Lange aushalten kann sie das Muttersöhnchen jedoch auch nicht und gerät sodann in die verführerisch-charmanten Fänge des Star-Akteurs Franco Denza (Vittorio Gassman in einer verschmitzten Meisterleistung) - zudem beginnt sie auch nach einer Begegnung mit dem Duce selbst, für jenes diktatorische Staatsoberhaupt zu schwärmen, auch wenn sie sich selbst eingestehen muss, noch immer was für Roberto zu empfinden, der allerdings an die Front versetzt wird.

Schließlich schafft sie durch den Segen des Duce's den Sprung in den Studiohimmel Cinecittàs, wo man aus ihr trotz mangelndem Talent an der Seite Denza's - der dann auch ihr jahrelanger Liebhaber wird - einen waschechten, nationalen Star unter dem Pseudonym Alba Doris macht. Doch auch hier kriselt die Beziehung und Denza's Geisteszustand schlussendlich unter dem Exzess der faschistisch-ordinären Unbelehrbarkeit & Egomanie, während allmählich der zweite Weltkrieg in die Wege geleitet wird.

Aufgrund der Koalition mit Deutschland gerät sie schließlich irgendwann auch in deutsche Durchhaltestreifen und deren Produzenten, weshalb ihr ewiger Verlobter Roberto ihr endgültig die Liebe kündigt. Bonjour Tristesse, encore une fois, erst recht am Horizont des Kriegsendes, wo sie im Lastwagen eines stehlenden, buckligen Vagabunden landet, der sie aber schnell für eine Gruppe von flüchtenden Juden ablädt (welche er aber dann doch an die Deutschen verrät).

Auf ihrer trübseligen Odyssee zurück nach Hause begegnet sie wieder alten Weggefährten, die sich nun vor den Widerstandskämpfern verantworten müssen. Mit kleinen Gesangsauftritten und einer Vermählung mit William Berger kann Marcella sich dann doch noch bis nach dem Krieg über Wasser halten. Doch auf einer Reise nach Russland dann...

In diesem turbulenten, liebevoll-ausgestatteten, wunderbar anarchisch-gewitzten und über mehrere Jahre erzählten Lustspiel vergehen die knapp 2 Stunden Laufzeit wie im Fluge. Faschistische Witzfiguren übertreffen sich im karikierten Gesellschaftsbild jener Zeit an perverser Verkommenheit, während die Lebensverhältnisse immer perfider werden, den Krieg herausfordernd heraufbeschwören. Und dennoch kämpft sich dabei durch die Jahrzehnte eine recht süße, leichtlebige 'Liebesgeschichte' durch, die schließlich durch die Wirren des Regimes und des Krieges immer wieder chaotisch auseinanderbricht.

Wie eh und je liegt das aber auch im Grunde am verführerischen Glanz & Glamour der Unterhaltungsindustrie, die einen mitreißen, aufsaugen und zerbrechen kann, wie es ihr gefällt - wie auch hier in diesem semi-fiktiven Biopic von Dino Risi, das sich mit dem morbiden Pomp der 30er Jahre schelmisch auseinandersetzt und unsere liebenswerten, wenn auch fehlgeleiteten Protagonisten durch den Fleischwolf jagt.

Ein toller Film, leider nur schwer zu bekommen - ich hab ihn in seiner exzellenten dt. Synchro gesichtet, die mir durch eine TV-Aufnahme von 2005 auf VHS erhältlich gemacht wurde. So oder so, sei es euch versichert: Wer 'Telefoni Bianchi' auftreiben kann, darf ihn nicht verpassen!




LES RAISINS DE LA MORT - Leicht abstrakte und tragische Verarbeitung des 2. Weltkrieg-Nazi-Terrors in Frankreich als Horrorfilm-Odyssee.

Ähnlich wie auch im französischen Rachedrama 'ABSCHIED IN DER NACHT' von Robert Enrico lässt Rollin seine Protagonisten noch im sicheren Glauben, dass rein gar nichts Böses ihnen was anhaben kann, auch wenn es bereits offensichtlich hervorbricht - bis dann auf einmal schlussendlich der Schrecken über sie selbst herfällt, hier in Form 'zombifizierender', mörderischer Pestizide im weit und breit goutierten Traubenwein. Sodann auf der Flucht vor diesem Grauen durch die französische Province, auf der Suche nach Geborgenheit & Hilfe, kommt nur wenig Hoffnung auf.

Ein infizierter Bauer z.B. sticht im Rausch seine eigene Frau und Tochter ab, erschreckt sodann vor seinem eigenen Handeln und verlangt von der schluchzenden Hilfesuchenden Élisabeth (Marie-Georges Pascal), unsere Hauptprotagonistin die zuvor ihre beste Freundin durch eine ähnliche Tat verloren hat, dass sie ihn erlöst. Sodann trifft sie auf eine verlorenene Blinde, Lucie (Mirella Rancelot), die sie in Aussicht auf ein befreiendes Telefon zur Aussenwelt in ihr Heimatdorf führt - dort jedoch ist bereits alles verbrannt und zerstört, Leichen pflastern das gespenstisch-hoffnungsfreie Szenario.
 
Lucie verlangt von Élisabeth zu erfahren, was sie denn sieht - sie kann es ihr aber einfach nicht sagen, das unfassbare Grauen ist schlicht zu überwältigend. Schließlich werden sie von den infizierten Dorfbewohnern umkreist, Lucie glaubt sich sicher, wird aber von ihren alten, nun zwanghaft-umgepolten Mitbewohnern getötet, auch wenn diese sich mit Tränen innerlich darum wehren, in Erinnerung wer sie früher einmal waren - das neue Regime aber kennt keine Gnade und zeigt seine keifende, unmenschliche Fratze.

Élisabeth kommt bei einer Uninfizierten (Brigitte Lahaie) unter, doch die entpuppt sich als Kollaborateurin und wirft sie den Monstren zum Fraß vor, biedert sich sodann den eintreffenden Widerstandskämpfern an (von denen einer schon im Krieg gekämpft hat), die aber den Braten riechen - Élisabeth aus den Klauen der Dämonen befreien und in eine offensichtlich schon lange von den Nazis zerbombte Burg fliehen.

Auf dem ausschlaggebenden Weingut schließlich angekommen, findet Élisabeth ihren Verlobten auf dem Dachboden vor. Ihn hat die Infizierung und sein Gewissen schon fast zerfressen (schließlich hat er die todbringenden Pestizide entwickelt) - dennoch (und trotz mahnend-tränenreichen Widerstand von seiner Seite aus) umarmt und küsst sie ihn ein letztes Mal, bevor einer der Bauern ihn erschießt. Sodann greift sie zum Gewehr und tötet die Widerstandskämpfer, lässt in den letzten melancholischen Momenten des Films das Blut ihres Verlobten auf ihre Lippen tropfen, womit sie sich infizieren lässt - es gibt für sie nämlich nichts mehr, wofür es sich zu leben lohnt.

Ein bitterer Schlussstrich für diese durchaus harte Metapher Rollins auf die Schrecken des zweiten Weltkriegs, adaptiert als Plädoyer für einen gewissenhafteren Umgang mit der Natur. Lässt die alten Wunden wieder aufreißen und macht die ländlichen Bewohner erneut zu unfreiwilligen Sklaven des eingeschlichenen Terrors, der ihnen dennoch ganz tief im Unterbewusstsein seit Generationen innewohnte.

Ein stimmungsvolles und recht tragisches (wenn auch nicht aufdringlich-sentimentales) Horrordrama, das durch den deutschen Verleihtitel allzu sehr ins Belanglose gezogen wurde. Gesichtet auf Blu-Ray, vom US-Verleih KINO LORBER, in Top-Qualität (auch wenn die teilweise ungeschickten Schärfeverlagerungen dadurch umso ungünstiger auffallen).




ALIEN - DIE WIEDERGEBURT - Eine weitere, virtuos-skurrile Komödie (mit einigen traurig-stimmenden Szenen für die gute, neugeborene Ripley) von Jean-Pierre Jeunet, frei nach einem Drehbuch von Sci-Fi-Fantasy-Spaßautorenfilmer Joss Whedon, mit einem Hang zum futuristisch-explosiven Ekel, welchen man auch Stuart Gordon & Brian Yuzna oder dem Robert Rodriguez von 'FROM DUSK TILL DAWN' zutrauen könnte.

Insofern nicht ganz so zuckersüß-drollig wie 'Amélie', im Gegenteil, sogar recht tromatisch-grotesk und gewaltreich, aber mindestens ebenso verschroben-poppig in seinen morbiden, meta-postapokalyptischen Produktionsdesigns, Figuren (u.a. der glubschäugige Dan Hedaya mit seiner Gorilla-artigen Schulterbehaarung) & Kameraspielereien wie in seinen vorangegangenen Werken. Insgesamt eine recht spaßige und knallige Angelegenheit, mit einer übermenschlich-starken und anfangs unbekümmert-verschmitzten Ripley (Weaver hier erneut mindestens so begehrenswert-sympathisch und schlagfertig wie Barbarella, wenn auch weit emanzipierter = Whedon-Writing in Bechdel-Test-bestehender Reinkultur) im funsplattrigen und teilweise sogar spannenden Überlebenskampf gegen die Schleimviecher.

Zudem nimmt sie erneut wie in 'ALIENS' eine Mutterrolle ein, in diesem Fall für Winona Ryder's *SPOILER* Androidenmädel *SPOILER ENDE* Call, welches zusammen mit dem Machotrupp um Ron Perlman in die klaustrophobische Raumstationsbelagerung hineingezogen wird. Zudem verfolgt Ripley eine leicht-verhaltene Obsession mit den ausserirdischen Invasoren, mit denen sie seit dem Klonungsprozess nach den Ereignissen von ALIEN³ in der DNA verbunden ist - schmeißt sich hingebungsvoll in den geschmeidig-feuchten Alien-Körper-Kompost, wie Isabelle Adjani in Zulawski's 'Possession' und 'gebiert' daraus einen garstig-brachialen Hybriden, der für seine menschliche Mom die Kreaturen-Leihmutter zerhackt. Kein Wunder, dass David Cronenberg zu einem Zeitpunkt ebenfalls für die Regie vorgesehen war.

Doch Ripley empfindet im Gegenzug eher Liebe für ihre 'Adoptivtochter' Call und kehrt zu ihr zurück, was das neue Baby natürlich immens verärgert und nun um die Anerkennung seiner Mutter 'buhlen' lässt - sodann entbrennt ein irrwitziges Familiendrama inmitten des letzten funktionstüchtigen und nun flüchtenden Weltraumgefährt. Und schlussendlich, mit Tränen in den Augen, treibt Ripley ihr unschuldiges, aber ultimativ-missanthropes Neugeborenes nachträglich ab - fängt aber entschieden, die Vergangenheit hinter sich lassend, ein neues Leben im komplett verwüsteten Paris mit Call an ihrer Seite an. Da wird Jeunet dann doch wieder ein bisschen drollig, auch wenn der Haunted-House-ähnliche Score Unheil über den Abspann vorausspricht.

Sei's drum, mir hat dieser Teil der originalen Alien-Quadrilogy sehr gefallen, womöglich ist er nach dem Original und der James Cameron-Fortsetzung der Drittbeste aus der Reihe. Echt gewitzter, süßer Schleim...




HARD TO DIE - Mein Lieblings-B-Movie-Regisseur aus Corman's Schmiede, Jim Wynorski, schickt in dieser seiner gagreichen Horrorkomödie 5 stramme & hohlbirnige L.A. Bohème-Babes durch eine aberwitzige Horror-Nacht in einem poppig-klobigen Dessousgeschäft namens ACME LINGERIE (natürlich eine niedliche Anspielung auf die LOONEY TUNES, wie auch alle durchaus plaktativen 'Gewaltszenen') und dessen schummrigen Keller - innerhalb eines Wolkenkratzers, wo der stoisch-schmierige Hausmeister (vor dem sich immer alle übertrieben erschrecken, während die Kamera per Dollyfahrt ständig overstated inkl. Blitzgewitter in seine Fresse rast) einige Schauergeschichten zu erzählen hat und Stock-Footage aus anderen Filmen gewitzt-dusselig in den unterhaltsam-schrottigen Narrativ eingebaut wird.

Unsere Protagonistinnen entfesseln beim Öffnen einer alten, ägyptischen Kiste sodann einen bösen Geist, der eine nach der anderen erledigt (= Schwenk auf leere Wand, Blut spritzt dagegen), doch viel wichtiger wiegen zunächst mal Probleme wie: 'Gibt's was zu essen?' (der Chef hat nur verschimmeltes Futter im Kühlschrank) und 'Ich werd jetzt erst mal duschen gehen.', wodurch natürlich, in Abwechslung mit reichlich bewusst-blödeligen Dialogen, einige grundlose Nacktszenen vor die Linse treten, bevor die turbulente Flucht vor dem blutigen Schrecken unternommen wird. Also, ich weiß, was ihr euch jetzt denkt: klingt alles ziemlich sexistisch und chauvinistisch - und im Grunde wäre das auch so, aber den Unterschied machen die durchgängige, leichtfüßige Verspieltheit sowie die parodistisch-anarchische Grundhaltung, die sich durch das Oeuvre Wynorski's seit jeher ziehen.

Und so ist Jim (der hier zudem ein schnippisches Cameo als Porno-Regisseur vollführt) auch mit HARD TO DIE ein durchweg unterhaltsames und augenzwinkerndes Spaß-Filmchen gelungen, welches durchaus mehr Dessous als normale Kleidung für den durchgeknallten Überlebenskampf vorzuweisen hat, wozu sich allerdings auch automatische Knarren und spitze Gegenstände zur Verteidigung gesellen. Somit wird das (eher männliche) Eskapismus-Herz der jugendlichen bzw. junggebliebenen Zielgruppe ganz effektiv mit frivoler Heiterkeit und Frohsinn erfüllt, wo er doch in knapp 83 Minuten Laufzeit 3 ganz wichtige Knöpfe zur Cine-Liebe drückt: Blödeleien, Blut & Boobs - frei von jeder Moral und herrlich-naiv in seinem cartoonhaften Exzess auf sympathischer Sparflamme.




ZUCKERBROT UND PEITSCHE -  Ich erinnere mich noch an eine Zeit, ca. Ende der 90er und Anfang der 00er, in der VOX im Late-Night-Programm einige selbst bis heute noch recht unbekannte Filme von schön verknarzten 'Direkt-von-der-Kinorolle'-MAZen ausstrahlte, die im Dunkel der Nacht den Fernsehschirm meiner Eltern im Wohnzimmer zur Leinwand machten (schließlich war das in dem Dorf, in dem wir wohnten, das nächstbeste cineastische Erlebnis). In diesem Rahmen sichtete ich u.a. einen meiner ewigen Lieblingsfilme, 'NUIT D'OR', der bis heute auf eine ordentliche Heimkinoauswertung wartet.

In dieselbe Kategorie fällt dieser Film, den ich jüngst als alte VOX-TV-Aufnahme erhielt (weil keine andere Version davon derzeitig erhältlich ist) und nun im Nachtrausch meiner Hamburger Wohnung sichtete.

Es geht um den frustrierten, lebensmüden Werbe-Dressman Roger, Star einer Werbekampagne der Zigarettenmarke 'TOP TEN' - zur Abwechslung beraubt er Banken und Juweliere, muss sich dabei auch mit alten Kumpanen bleihaltig rumschlagen, die ihn tot sehen wollen und zieht zudem eine süße Bekanntschaft vom letzten Raub, die vernachlässigte Frau eines Galeristen, Helga, in die Sache rein, die trotz schweigsamer Empörung über seine Taten schließlich mit Faszination sogar als interner Zuschauer daran teilnimmt.

Der Reiz des kriminellen Lifestyles, gemäß dem wiederholten Mantra des Films aus der inszenierten Zigarettenwerbung 'Französisch lieben - Englisch rauchen', geht sodann soweit, dass sie im entfärbten Betonlabyrinth für ein paar Klunker auf offener Straße Schädel einkloppen und Schienenbeine zerballern (knalliges, beinahe-orangenes Blut spritzt auf den Rinnstein) - man sich daraufhin im herbstlichen Wald-Fort bei Sonnenuntergang vermeintlich romantisch trifft, alles unter den beschwörenden Orgel-Drones des Soundtracks, von dem einzig und allein einige unschuldige, über den ganzen Film verteilte, Schildkröten und ein morbides Puppenspiel über Räuber & Gendarm verschont bleiben.

Als Helga's Ehemann allerdings hinter die Sache kommt, weil er sowieso ein Verhältnis zwischen den Beiden vermutet hat, geht er nicht wie erwartet zur Polizei, sondern geilt sich daran auf, sobald er Helga wieder im Haushalt unter seiner Fuchtel hat - infolgedessen plant sie mit Roger die Ausraubung der bald anstehenden Galerieeröffnung ihres Mannes - und zieht es durch, im zwielichtigen Schein der Straßenlaternen jener tieffinsterer, umschließender Vorgarten-Alleen.

Der Coup gelingt, doch die anarchistische Sicherheit des Outlaw-Daseins nimmt bald eine verhängnisvolle Wendung, der kurzfristige Wunsch nach Ausbruch aus der haltlos-grauen Gesellschaft mit Gewalt ist gerade durch sich selbst zum Scheitern verurteilt. Da bleibt Helga am Ende nur der Gang zurück hinter die massiven Gitter ihres prunkvollen Anwesens.




EINE FALSCHE BEWEGUNG - Wirklich souveräner und zeitweise haltlos-ruppiger, durchweg bodenständig-greifbarer Thriller, welcher sich über das ländliche Smalltown-Folk der USA entfaltet - mit starken und dennoch leichtfüßig gezeichneten Figuren (Top-Script von Billy Bob Thornton, will ich da mal hervorheben), geboren aus einem Ensemble on the top of their game.

Und Junge, Junge, wie sich erst so einige Schichten von Bill Paxton's Charakter eröffnen und einen schönen, dramatischen Bogen um die gesamte Geschichte ziehen...bis hin zum kalt in die Magengrube boxenden Showdown.

Wer diese 'FALSCHE BEWEGUNG' noch nicht kennt, sollte durchaus mal einen Blick riskieren, allein schon für die wirklich reizende Cynda Williams als wohlverdienter Dreh- und Angelpunkt des gesamten Narrativs.




DIE SEVEN-UPS - Nice, der von mir gern gesehene Joe Spinell (R.I.P.) hat hier eine feine Nebenrolle inne! Was es jedoch mehr über diesen Quasi-'French Connection'-Spin-Off, basierend auf einem weiteren echten Fall der Detectives Eddie Egan und Sonny Grosso, zu sagen gibt?

Nun, Roy Scheider spielt gewohnt solide den kernig-melancholischen Bullen, die allgemeine Gestaltung sowie der Spannungsbogen des Films sind ebenfalls von souveräner Erlesenheit. Regisseur D'Antoni kann sogar, wie bei seinen vorherigen Produktionen (u.a. BULLITT & FRENCH CONNECTION), wieder mal eine aufregende, adrenalingeladene Verfolgungsjagd im ungefähr gleichen Zeitfenster des Narrativs vorweisen - dieses Mal sogar noch länger als im Friedkin-Meisterwerk, welchem er sowieso in Sachen Stimmung und Plotstruktur Punkt für Punkt nacheifert.

Leider kann SEVEN-UPS trotz einiger zynischer Ermittlungsmethoden nicht denselben Grad an greifbar-dreckiger Authenzität, eindringlicher Faszination & naturalistischer Ruppigkeit vorweisen - schaffte im Vergleich zu seinem 'Vorgänger' sogar eine familienfreundliche PG-Freigabe, was am insgesamt bieder-oberflächlichen Gesamteindruck der recht beliebigen Krimihandlung leider doch allzu ernüchternd und zudem forciert auffällt.

D'Antoni versucht mit vollem Ehrgeiz, die Magie seiner letzten CONNECTION zu reproduzieren, doch leider versagt er dem Film die 'Connection' zur eigenen Stimme & Vision, macht sich seinen Inhalt auf der Suche nach dem Stil im Endeffekt austauschbar und wirkt deshalb umso belangloser. Schade drum, anschaulich gelungen ist er ja dennoch.




DAS KINDERMÄDCHEN - Wie kann diese 'GUARDIAN ANGEL'-Agentur überhaupt noch legal bestehen, wenn ihre Angestellten immer Babies stehlen und von der Polizei gesucht werden?

Ach egal, immerhin hatte Friedkin seinen exploitativen Spaß mit dieser trivialen Auftragsarbeit, einem abstrusen Okkultthriller der käsigsten Sorte - voll blödelig-blutigen Effekten, durchgeknallten Schauspielerleistungen und Jahrmarkts-Jumpscares, bei denen er sich im Regiestuhl wahrscheinlich totgelacht hat, so heftig-plump sie hier doch aufspringen.

Ursprünglich sollte übrigens Sam Raimi hier Regie führen - man merkt's, vorallem im Finale, in welchem ein lebender, mörderischer Baum (TREEVENGE lässt auch grüßen) dank dem Griff zur Kettensäge in Blutfontänen explodiert.

Für den kleinen Schpläddä-Hunger zwischendurch.




DER ZERSTÖRER / JEDER VOGEL BRAUCHT EIN NEST - 'Ich hoffe sie sitzen gut und haben starke Nerven, denn was ich ihnen jetzt zu berichten habe, könnte sie unter Umständen vom besagten Hocker werfen.'

Wolltet ihr schon immer mal euren gewöhnlich-lahmen, ultrazynischen Cheapo-Crime-Reißer aus dem unbeholfenen Something-Weird-Video-Milieu mit expliziten Hardcoremanövern in jeder Schlüsselszene versehen haben? Vergewaltigung und derb-bekloppte Räudensynchro (die aber unfassbarerweise Heinz Petruo verpflichten konnte) dürfen dabei auch nicht fehlen, während ein alter Sack mit Verbindungen zur Regierung, der 'General', seinen Junior anbölkt, weil der Schulden beim Mob hat.

'- Mr. Mandano, bitte, ich will nicht sterben!
- Das Mädchen wollte auch nicht gefickt werden! Du kennst unser Gesetz: auf Vergewaltigung steht der Tod! Aber du darfst gehen wie ein Mann, mit Würde. Anstelle einer letzten Mahlzeit geben wir dir einen letzten Fick.'

Innerhalb einiger feucht-fröhlicher Lesbenspielereien wird zudem ein alter Vietnamveteran namens Joe Napoli (!) vom General für den Kampf gegen die (hauptsächlich herumverkehrende) Mafia verpflichtet. Dort wird gerade übrigens eines ihrer Mitglieder nach oben erwähntem, knapp 10-Minuten-langen Henkersbumms von einem Revolver, der stilecht aus dem roten Vorhang hervorkommt, erschossen.

Joe Napoli entfesselt sodann seinen gewieften Masterplan, indem er einigen Mobsters aus dem Gebüsch heraus auflauert und diese mit dem Sturmgewehr in die ewigen Jagdgründe schickt. Der große Don Tony Mandano erfährt davon, während er einen geblasen bekommt und setzt nun alles daran, Mr. Napoli auszuschalten, der nun von Staat zu Staat reist, um ganz profan wahllos Mitglieder der Cosa Nostra (u.a. den 'Chef der Mafia', wie die Synchro behauptet) abzuschießen.

'Hallo Vermittlung, geben sie mir die verflixte Nummer von...ALSO ICH HAB DOCH NICHT GESAGT: ICH WILL SIE FICKEN! ODER SIND SIE IM PUFF AUFGEWACHSEN?!'

Schmatzende Schnurrbart-Küsse, extatische Schreihals-Rentner, spartanische Budenzauber-Shootouts im blauen Dunst der 'amerikanischen Nacht', eine uninspiriert-hingeschluderte Story mit reichlich Raum für assiges Gemetzel und verzoomte Porno-Leckereien voller Haare - einfach komplett widerlich als Gesamtwerk, diese ungeschönte, primitve Darstellung der Unterwelt im hedonistisch-gammligen Sexrausch (und damit höchstwahrscheinlich näher an der Realität als manch romantisierte Gangsterepen).

So lässt man eine Woche ausklingen!